Ich habe Langeweile. Und das ist meine Entschuldigung, als ich mir Lovoo aufs Handy lade. Ich habe schon Cookies gebacken, die Wohnung geputzt und der Plan fürs Küche renovieren steht. Also Lovoo. Wird im Fernsehen auch gerade Werbung für gemacht. Vertrauenswürdiges Medium. Und da so ziemlich jeder Single meiner Generation diese App ausprobiert hat, will ich nun endlich auch dazu gehören.
Ich habe mich ganz oldschool online über die Website angemeldet und mein Profil dort erstellt. Denn auf dem Handy ist mir das alles viel zu klein und diffizil. Bei Tinder werden schließlich Freunde und Gefällt-mir-Angaben einfach übernommen. Ich sitze also vor dem Laptop. Die Kids von heute würden sich über mich lustig machen. Wenn ich meinen 10-jährigen Großcousin mit seinem Handy beobachte, tippt der eindeutig mit dreifacher Lichtgeschwindigkeit. In seiner Klasse hat jedes Kind ein Smartphone. Wir haben nach der Schule damals per ICQ gechattet. Und ich musste um ein Nokia 3410 betteln, dass ich dann mit 14 endlich bekommen habe, als alle meine Freundinnen schon ein Handy hatten.
Ich kann Technik. Nur verbringe ich kaum Zeit in sozialen Netzwerken. Ich habe einen Facebook-Account. Doch mit Twitter, Instagram und Snapchat kann ich nichts anfangen. Deshalb fällt auch die Bild-Auswahl für Lovoo schwer. Ich bin keine Selfie-Queen. Um ein bisschen Abwechslung reinzubringen, versuche ich es diesmal mit anderen Fotos als bei Tinder. Mir war nicht klar, wie egal die Fotos sind. Ich bin eine Frau, ich bin Frischfleisch, ich bin Freiwild. Willkommen bei Lovoo – for people like you!

Als mein Profil steht, ziehe ich mir die App aufs Handy und melde mich an. Und dann erinnere mich wieder, warum ich bisher auf Lovoo verzichtet habe. Dieses Radar. Ich habe überhaupt keine Lust, dass irgendjemand anderes sieht, wo ich mich gerade aufhalte. Kann man das ausschalten? Man kann. Natürlich entgeht mir damit die wichtigste aller Lovoo-Funktionen, worauf mich die App auch gleich freundlich hinweist. Ich swipe mich also wie schon bei Tinder standardmäßig links-rechts (meist jedoch links) durch die Profile der Männer. Ganz schön komplex für eine Flirt-App. Tinder ist da reduzierter und viel besser aufgebaut. Und eigentlich hatte ich auch angegeben, dass mich bei Lovoo keiner einfach so anschreiben kann, außer wir haben ein Match. Alle Häkchen an der richtigen Stelle gesetzt und trotzdem bekomme ich zig Nachrichten von Typen, die ich definitiv nicht kennen lernen möchte. Eine Mischung aus Verzweiflung und Flehen – Gesülze, wie toll meine Bilder sind (stimmt, haben sie ja auch noch nicht bei Tinder gesehen) und, dass sie mich unbedingt kennen lernen wollen oder – und das ist immerhin ehrlich – die eindeutige Frage ob wir f***** wollen. Im Falle einer guten Freundin von mir: Schnicksischnacksi. Schwierige Entscheidung… Nein. Natürlich nicht. Ich kann nichts davon erwidern. Deshalb lösche ich die Chatanfragen unbeantwortet.
Ich suche immer noch die people like me. Wenn ich online stöbere und lese, was andere Frauen für Erfahrungen mit Lovoo gemacht haben, hätte ich es eigentlich besser wissen müssen. Aber wo bliebe dann der Input für diesen Blog. Ich klicke mich also durch die ungemein ansprechenden Profile: breite, t-shirtlose, vermutlich anabolika-gepumpte Oberkörper, Badezimmer-Selfies, Duckfaces (stehen keinem Geschlecht), Fakeprofile mit Modelfotos, Ganzkörper-Tribal-Tattoos, eindeutig zweideutige Posen…aber immerhin: deutlich weniger Touris – liegt vielleicht daran, dass es eine deutsche App ist.
Lovoo senkt das ohnehin niedrige Tinder-Niveau noch mal beträchtlich. Ich hatte damals nicht viele Tinder-Dates. Aber die Männer, die ich getroffen habe, waren alle ganz normale Typen: freundlich, durchaus unterhaltsam, nur eben nicht mehr. Spricht für eine ganz gute Vorauswahl. Bei Lovoo dauert die deutlich länger. 72 Stunden, ca. 500 Profile, ca. 25 Chatanfragen, 12 Matches und 8 Chats später, bin ich down to 3.

Ich habe jetzt Zeit. Wenn ich wieder arbeite, dann lerne ich nur Männer aus meiner Branche kennen und wie das ausgegangen ist, kann man hier nachlesen. Lange Rede, kurzer Sinn. In der darauffolgenden Woche habe ich drei Lovoo-Dates. Ich hab ja sonst nichts zu tun. Außer Küche renovieren.