Heute morgen ging ich zur Apotheke, das mache ich immer, wenn ich akutes Selbstmitleid habe. Apotheken trösten mich, weil ich quasi in einer aufgewachsen bin. Der Geruch zwirbelt sich direkt in meine Synapsen. Aber ich wollte was anderes sagen. Auf dem Weg dahin sah ich einen mittelsuspekten Typen, der in einem Hauseingang saß und irgendwas trank. Unspektakulär in meiner Nachbarschaft.
Als ich aber aus der Apotheke kam, hörte ich infernalisches Gebrüll, bog um die Ecke, und da: Eskalierte der Kerl im Hauseingang herum, während eine aufgebrachte Frau im Hausflur ihm zurief, er solle sich jetzt mal verpissen. Darauf reagierte er natürlich gar nicht gut und wollte auf die Frau losgehen. Die knallte die Tür zu. Zwei Männer mischten sich zaghaft ein. Der Eskalator bedrohte abwechselnd die geschlossene Haustür und die beiden Typen, sehr aggressiv und sehr laut, aber mit einem seltsamen Rest an Selbstbeherrschung. Und ich? Wechselte die Straßenseite. Männliche Wut macht mir große Angst. Aber dann sah ich, dass der eine Mann ein kleines Kind dabei hatte und ging zurück, um es zur Not in Sicherheit zu bringen (das klingt dumm, aber es ist nun mal das, was mir als erstes einfiel. Die Mutterrolle währet ewiglich).
Als ich ankam, ergriff der Eskalator gerade brüllend und gestikulierend die Flucht. So könne man nicht mit Menschen umgehen, kreischte er und warf seine Flasche an die Wand. Das sei respektlos! Plötzlich tat er mir leid. Weil ich weiß, wie schmerzhaft eine so große Wut werden kann.