Aus der Blogosphäre: Lied der Töpfer, Volkslied, am Tauftage gesungen – Stadtarchivische Sammlungen im Naturalienkabinett Waldenburg

Waldenburg.

Das Historische Naturalienkabinett wurde 1845/46 in der zweiten Etage des Museums eingerichtet. (…) Die hier erlebbare Mischung ist in Deutschland einzigartig: Sie vereint die bürgerliche Gelehrten-Sammlung der Leipziger Apothekerfamilie Linck aus dem 17./18. Jh. mit einer fürstlichen Lehrsammlung des 19. Jh. Bis 1945 kamen weitere Konvolute von Naturalien und Ethnografica sowie Einzelstücke hinzu, die in die einmal gefundene Präsentation integriert wurden.

Die Stadtarchivischen Sammlungen im Naturalienkabinett Waldenburg boten im Juni Anlass für einen Archivbesuch, um Lieder und andere Dokumente einzusehen und Kooperationen auszuloten.

 Zu den Schriftstücken zählen neben Chroniken Waldenburgs auch Archivgut aus der Schönburgischen und Waldenburger Kommunalverwaltung, von diversen Vereinen und Verbänden, Tagebücher des produzierenden Gewerbes sowie Chroniken der lokalen Kirchgemeinden. Im Jahr 2017 wurde zu diesem Bestand ein Findbuch durch den Regionalforscher Michael Etzold erstellt, das hier abrufbar ist.

Ein Beitrag im Blog des Naturalienkabinetts dokumentiert den Besuch, gemeinsame Transkriptionen und Ideen.

Link zum Blogbeitrag: https://www.museum-waldenburg.de/blog/detail/ein-ausflug-nach-waldenburg

Lieder – historische Quellen

Quelle: openbiblio.social/@slubdresden, 24. Juli 2026

Schon gewusst? Wikipedia heute: Tafellied

Die Melodie eines Tafellieds sollte unter den Festgästen bekannt sein.

Diese Zeile steht heute auf der Startseite der deutschsprachigen Wikipedia unten in der Rubrik Schon gewusst?, um Neugier zu wecken.1

Der Wikipediaartikel Tafellied ist neu. Er entstand am 14. Juni2 auf Grundlage der Tafellieder in der SLUB3, Transkriptionen mit der Wikisource-Gemeinschaft4, Funden in sächsischen Archiven und Blogbeiträgen, um die Literaturgattung wieder bekannt zu machen.5 Spannend ist vor allem, was seit der Veröffentlichung mit dem Artikel passiert.

Der Artikel wurde am 20. Juni für die Startseitenrubrik Schon gewusst vorgeschlagen und erst skeptisch kommentiert. Die Herausforderung: Es gibt sehr wenig Literatur über Tafellieder, um Aussagen belegen zu können ohne grundlegend neue Forschung zu publizieren. Der Tafellied-Artikel ist gleichwohl ‘Stand der Forschung’. Denn der Text in der Wikipedia wuchs durch die Bearbeitungen und die Recherchen Dritter.6

Solche Dynamiken der Kommunikation und Wissensproduktion sind mit die wichtigsten bzw. wertvolle Wirkungen von Wikipediaartikeln für z. B. landesbibliothekarische Themen aus Sachsen. Tafellieder gab und gibt es in vielen Gegenden, was eine Suche im Archivportal-D beweist.7 Ein räumlicher Schwerpunkt der Erschließung ist seit ein paar Jahren die SLUB Dresden durch uns im Saxonica-Referat und engagierte Kolleginnen im Sächsischen Staatsarchiv.

Tafellied gesucht 1897
Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, via Wikimedia Commons.

Ob Tafellieder in Sachsen8 tatsächlich öfter gedichtet und gesungen wurden als bspw. in Berlin, Wismar, Stuttgart9 und Thüringen10, kann man nicht einfach ableiten. Solche Fragen sind offen.

Für Grundlagenforschung fehlen uns Zeit, Auftrag und Ressourcen: Wir stehen am Anfang der Lernkurve Tafellied und am Anfang der Wissensproduktion. Neugier und Interesse können wir wecken. Die bibliografische Erschließung für die Sächsische Bibliografie läuft.

Wikipedia:

Ein Tafellied ist ein Lied, das für eine bestimmte festliche Gelegenheit gedichtet wird, um gemeinsam bei einer Liedertafel oder sonstigen Tafelrunden gesungen zu werden.11

https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=268551514

  1. De.Wikipedia: Archiv der Rubrik Schon gewusst, 06. Juli 2026, https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite/Schon_gewusst/Archiv. []
  2. Wikipedia: Tafellied, 14. Juni 2026, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&oldid=267933637. []
  3. Daniel Fischer: Tafellieder sind kulturelles Erbe – Sammlung in der SLUB Dresden, Saxorum, 30. September 2025, https://doi.org/10.58079/14tm6. []
  4. Wikisource.de: Tafellieder, https://de.wikisource.org/wiki/Tafellieder. []
  5. Thekla Kluttig: Tafellieder – eine noch zu entdeckende Textgattung, SAXARCHIV-Blog, 16. Juni 2025, https://doi.org/10.58079/144tk. []
  6. Wikipedia: Versionsgeschichte des Artikels ‘Tafellied’, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Tafellied&action=history. []
  7. Archivportal-D: Tafel*lied, https://www.archivportal-d.de/objekte?query=Tafel*lied []
  8. Beitragsbild: Tafellied und Mundart – in „Keeniglich Säcksische Värsche“, SLUB Dresden, Hist.Sax.H.350,40.g,11 []
  9. WLB Stuttgart: Neues Tagblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg, 1897-09-25, Nr. 224, S. 8, http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/kxp1811805795-18970925/page/8. []
  10. Schulportal Thüringen: Tafellieder – Informationen, Digitalisate und Einsatzmöglichkeiten im Bildungsbereich, 2026, https://www.schulportal-thueringen.de/media/detail?tspi=18946. []
  11. Günter Kempcke, Ruth Klappenbach, H. Malige-Klappenbach: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Band 5. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2022, ISBN 978-3-11-257820-9, S. 3681. []

Aus der Blogosphäre: Theater, Kaufhaus, Bibliothek – die “Alte Aktienspinnerei” in Chemnitz

Das historische Gebäude der „Alten Aktienspinnerei“ in Chemnitz an der Straße der Nationen 33 beherbergt seit fünfeinhalb Jahren die Universitätsbibliothek der Technischen Universität. Es blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: 1857 bis 1859 als damals größte Spinnerei Sachsens erbaut, diente es später unter anderem als Figurentheater, Kfz-Werkstatt, Stadtbibliothek und Kaufhaus.

Um diese Geschichte(n) neu in den Blick zu nehmen, wurde 2025 im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres das Projekt „Fäden der Erinnerung“ ins Leben gerufen. Dabei wurden Videointerviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen geführt, die im März 2026 bei einer Ergebnispräsentation vorgestellt wurden. Im Gebäude selbst weisen kleine Holzmodelle mit QR-Codes in den Bücherregalen auf die digitalen Interviews hin. Im Blog der UB Chemnitz blickt Victoria Tyrner auf das Projekt und die Präsentation zurück.

Wo „Fäden der Erinnerung“ zusammengefügt werden …Link zum Blogbeitrag: https://blog.hrz.tu-chemnitz.de/bibo/2026/06/12/wo-faeden-der-erinnerung-zusammengefuegt-werden/

Link zu den Videos: https://www.tu-chemnitz.de/ub/aktuell/veranstaltungen/faeden-der-erinnerung/

Aus der Blogosphäre: Ernst Hirsch und das “Universum Dresden”

Nachdem im März 2025 die SLUB und die Museen der Stadt Dresden die Film- und Kamerasammlung von Ernst Hirsch erworben hatten, ist nun bis 1. November 2026 in den Technischen Sammlungen eine Sonderausstellung zum Filmemacher und -sammler zu sehen. Im Blog “Campusrauschen” gibt Nadine Faust einen Einblick in die Ausstellung:

Dass Hirschs Arbeit und Sammlung unser visuelles Gedächtnis von Dresden prägen, ist hinlänglich bekannt. […] Dabei gibt es immer noch Material, das bisher kaum in Erscheinung getreten ist, etwa die Videobänder mit Interviews von ehemaligen Dresdner Jüd:innen und Juden, die die Zeit des Nationalsozialismus überlebt haben. In Ausschnitten sind sie nun in der Ausstellung zu sehen.

Zurück zu den Anfängen

Aus der Blogosphäre: Propagandafotografien des Heimatwerks Sachsen

Wie sich Fotografien als “zentrales und besonders wirkungsvolles Medium” der NS-Propagande nutzen ließen, zeigt Christoph Sauer in einem Beitrag im Hypotheses-Blog “Bildsehen / Bildhandeln. Akteur:innen und Praktiken der Alltags- und Amateurfotografie”. Darin untersucht er die Sammlung “Bildstelle Heimatwerk Sachsen” im Bildarchiv des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV). Ein zentraler Befund:

Die auf den ersten Blick unscheinbaren Motive von Landschaften, Städten sowie Kulturdenkmälern zielten auf identitätsstiftende Prozesse ab. Sie sollten Werte und Gefühle einer homogenen sächsischen ‘Heimat’ vermitteln. […] Dabei waren die Bildinhalte keineswegs neu: Motive von Landschaften und Sehenswürdigkeiten knüpften an bereits etablierte und immer wiederkehrende Bildästhetiken an, die sich im kulturellen Gedächtnis der sächsischen Bevölkerung gefestigt hatten.

Der schöne Schein

Aus der Blogosphäre: Neues Forschungsprojekt zur Provenienzforschung an der SLUB Dresden

Ende Februar haben wir mit einem Beitrag von Gabriela Brudzyńska-Němec zuletzt aus den Aktivitäten der SLUB Dresden zur Provenienzforschung berichtet. Unlängst ist nun ein neuen Forschungsprojekt gestartet: Ziel ist es, in bis Januar 2028 in 300 Fällen die rechtmäßigen Erbinnen und Erben von Verfolgten zu recherchieren, deren Bücher sich bis heute im Bestand der SLUB befinden. Die Projektmitarbeiterinnen berichten darüber im Hypotheses-Blog “Retour. Freier Blog für Provenienzforschende”:

Neues Forschungsprojekt an der SLUB Dresden zur Ermittlung von Erbinnen und Erben bei NS-Raubgut-Fällen gestartet

Die Ergebisse bisheriger Projekte werden in der Reihe “Provenienzforschung in der SLUB” dokumentiert, die einzelnen Falldossiers darin auf den Dokumentenserver Qucosa veröffentlicht: https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa2-727174.

Aus der Blogosphäre: Wenn Kruzianer feiern

Seit längerer Zeit befassen sich Jens Bemme und Daniel Fischer für das Saxonica-Referat der SLUB mit Tafelliedern als einer Quellengattung, die “spannende Einblicke in Alltagskultur, Vereinswesen und die festliche Kommunikation vergangener Generationen [eröffnet]”. Für die Seite “Musik in Dresden” stellt Jens das “Tafellied zur Crucianer-Feier am 2. Mai 1891” vor. Wie viele weitere auch wurde es in der freien Quellensammlung Wikisource transkribiert.

Weiterlesen hier: www.musik-in-dresden.de/2026/05/03/wenn-kruzianer-feiern

Aus der Blogosphäre: Der Dresdner Bildhauer Robert Diez und seine Denkmalgruppe „Kriegers Heimkehr“ in Braunschweig

Ein Beitrag von Peter Engel im Braunschweigischen Geschichtsblog auf Hypotheses befasst sich mit dem Dresdner Bildhauer Robert Diez (1844-1922), bekannt u. a. für die Zwillingsbrunnenanlage “Stille Wasser und Stürmische Wogen” auf dem Dresdner Albertplatz. In Braunschweig vollendete er die Gestaltung des von Adolf Breymann (1839-1878) begonnenen “Siegesdenkmals” zur Einnerung an den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die Metallplastiken wurden während des Zweiten Weltkriegs eingeschmolzen, heute finden sich keine Spuren des Denkmals mehr.

Robert Diez (1844-1922)

Nachlassinformationen aus Kalliope für Wikidata erschließen

Ein Beitrag zum Call ‘Wie Archive von Geokoordinaten in Wikidata profitieren‘ (2025). Von Alexander Winkler.

LODifizierung von GLAM-Daten

Viele der Erschließungsdaten aus Kulturerbeeinrichtungen (in der Folge kurz GLAMs für Galleries, Libraries, Archives und Museums) sind mittlerweile maschinenlesbar verfügbar und orientieren sich – bald mehr bald weniger – an den FAIR-Prinzipien.[1]

Die tatsächliche Nachnutzbarkeit[2] ist aber nicht immer voll ausgeprägt. Zahlreiche unterschiedliche Wege des Datenabrufs, mangelnde Dokumentation, eine Vielzahl von Datenformaten – um nur einige Hemmnisse und Herausforderungen zu nennen – können die Arbeit mit GLAM-Daten erschweren. Die Daten sind zwar oft von hoher Qualität und verwenden insbesondere etablierte Vokabulare und Normdaten; bei genauerem Besehen brauchen aber auch diese qualitativ hochwertigen Daten oft noch eine gewisse Vorverarbeitung, ehe sie produktiv genutzt werden können.

So werden Normdaten oft unterschiedlich eingebunden: mit schlichten (und damit schwer maschinell auflösbaren) IDs, mit falschen URIs[3] etc. Es muss also vor einer Weiterverarbeitung erst eine Harmonisierung der Daten erfolgen. Vor der Verarbeitung an sich müssen zudem relevante Daten erst lokal individuell zusammengetragen werden. Die Korpusbildung geht also der Nutzung voraus.

Die Überführung von GLAM-Daten in Linked Open Data (LOD), d.h. die Integration von GLAM-Daten in einen sog. Wissensgraphen kann einige der skizzierten Hürden absenken. LOD sind offen, maximal verknüpft, maschinenlesbar und hoch interoperabel. Verschiedene LOD-Bestände lassen sich über eine sog. Föderation im Verbund abfragen, sodass – so zumindest die Idee – einer Silo-Bildung entgegengewirkt wird.

Das besondere Potential von LOD ist im Kulturerbesektor längst erkannt, wie die Bemühungen der einschlägigen NFDI-Konsortien demonstrieren.[4] Viele dieser Wissensgraphen entwickeln eine eigene Ontologie, die die möglichen Beziehungen zwischen den verschiedenen enthaltenen Entitäten definieren. Es mag hierfür überzeugende inhaltliche Gründe geben, eine optimale Nachnutzbarkeit profitiert jedoch von einem möglichst einheitlichen Datenmodell und einer mehr oder minder zentralisierten Infrastruktur.

Hier kommt nun Wikidata ins Spiel. Weiterlesen

Aus der Blogosphäre: Sagen als Quellen für frühere Waldwirtschaftsformen in der Sächsischen Schweiz?

In seinem Hypotheses-Blog “Bienengeschichte” untersucht Max Grund eine Sage aus der Sächsischen Schweiz mit Blick auf Ihren Quellenwert für die Geschichte der Waldbienenhaltung im Elbsandsteingebirge. Demnach sei ein ortansässiger Ritter aufgrund eines Angriffs durch einen Bienenschwarm aus einem Fenster zu Tode gestürzt. Das Fazit:

Es kann […] als durchaus wahrscheinlich bezeichnet werden, dass die Sage um die Honigsteine wie auch deren Name auf die Zeidlerei um Rathen zurückgeht. Urkundliche Beweise hierfür lassen sich jedoch leider nicht finden, da sich quasi keine Aufzeichnungen über das Rathen jener Zeit erhalten haben. Im einschlägigen Hohnsteiner Amtserbbuch des frühen 16. Jahrhunderts finden sich für Rathen keine Honigzinsen, wohl aber für andere Orte in der Sächsischen Schweiz. Auszuschließen ist sie für das Spätmittelalter deshalb jedoch keineswegs, da auch in Rathen die Holznutzung bereits in die Seitentäler der Elbe ausgegriffen hatte und mögliche Nebennutzungen möglicherweise verdrängte.

Die Honigsteine bei Rathen. Eine Reminiszenz an die Zeidlerei in der Sächsischen Schweiz?

Wettinische Ehekrisen: Die Fürstin und der Ehebruch

Von Maria Hauber

In meiner Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität München untersuche ich vier Fälle, in denen Frauen aus der Dynastie Wettin (welche die sächsischen Herzogtümer und die Kurwürde innehatte) mit Ehebruchvorwürfen konfrontiert waren. Von diesen vier Frauen erreichte nur Elisabeth von Sachsen (1502–1557) die Rehabilitation und konnte sich unbeschadet auf ihren Witwensitz zurückziehen. Die anderen drei hatten weniger Glück: Sie wurden bis zum Ende ihres Lebens auf entlegenen Burgen und Klöstern gefangengesetzt. Anna von Oranien (1544–1577) und Anna von Sachsen-Coburg (1567–1613) mussten hinnehmen, dass ihr Ehegatte sich von ihnen scheiden ließ und neu heiratete. Elisabeth von Pfalz-Simmern (1552–1590) wiederum verstarb nach nur sechsmonatiger Haft unter ungeklärten, aber verdächtigen Umständen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie im Auftrag ihres Gatten vergiftet wurde, wie einige Zeitgenossen glaubten. Mit meiner Dissertation möchte ich zu einem besseren Verständnis dazu beitragen, wie Familienehre, Dynastiepolitik und konfessionelle Abhängigkeiten in protestantischen Fürstentümern gegeneinander abgewogen wurden.

After Anthony Mor - Portrait of Anna of Saxony

Anna von Sachsen (1544–1577), Porträt von Anthonis Mor, 1560er Jahre (Muzeum Narodowe we Wrocławiu/Nationalmuseum Wrocław, VIII-720, via Wikimedia Commons)

Die weibliche Untreue in einer mit Herrschaftsrechten ausgestatteten Familie zog immer die Legitimität der Erbfolge in Frage und destabilisierte dadurch direkt die dynastische Herrschaft. Politische Feinde konnten diese Situation nutzen, um eigene Ansprüche durchzusetzen. Nichtsdestotrotz waren dem adligen Ehemann im Mittelalter insofern die Hände gebunden, als Ehebruch keine Annullierung einer Ehe legitimierte – er konnte seine Frau zwar verstoßen, blieb aber dennoch bis zum Ende seines Lebens nach lateinischem Kirchenrecht mit ihr verehelicht. Im Zeitalter der Reformation trat jedoch eine neue Situation ein. Mit der Verweltlichung der Ehe wurde für protestantische Fürsten eine Scheidung mit Option auf Wiederheirat möglich. Außerdem übernahm der Landesherr in Ermangelung einer ausdifferenzierten und funktionsfähigen protestantischen Geistlichkeit das Kirchenregiment. Theoretisch konnte sich daher ein protestantischer Fürst, dessen Frau mutmaßlich Ehebruch begangen hatte, selbst von ihr scheiden. Dies eröffnete natürlich auch die Möglichkeit, bestehende Gerüchte gegen die Ehefrau zu instrumentalisieren, um sich ihrer zu entledigen. Andererseits riskierte der Fürst damit aber nicht nur den Konflikt mit der Schwiegerfamilie, sondern auch das öffentliche Bekanntwerden des Vorfalls. Wenn eine Ehefrau im Verdacht stand, außereheliche sexuelle Kontakte zu unterhalten, sagte dies schließlich auch etwas über den „gehörnten“ Ehemann aus. Er hatte die patriarchalische Kontrolle verloren, war nicht in der Lage, seine Frau im Zaum zu halten und dementsprechend der Lächerlichkeit preisgegeben. Wie navigierten Akteure im 16. Jahrhundert diesen Zielkonflikt?

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Aus der Blogosphäre: Das Kaufhaus Schocken in Nürnberg als “Projektionsfläche der Hetze”

Im Blog Mimeo des Leipziger Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow befasst sich Georg Seltmann mit der Geschichte des Schocken-Konzerns, der auf ein 1901 in Zwickau eröffnetes Warenhaus zurückgeht. Ausgangspunkt der Überlegungen ist die 1926 erfolgte Eröffnung des Schocken-Kaufhauses in Nürnberg, das anlässlich des 25-jährigen Konzernjubiläums von Architekten Erich Mendelsohn entworfen wurde, der auf die Niederlassungen des Konzerns in Chemnitz und Stuttgart plante. Während der Neubau für Mendelsohn und den Inhaber Salman Schocken ein erfolgreiches Sinnbild für fortschrittliche Zweckmäßigkeit und moderne Gestaltungskraft war und sich bei der Nürnberger Bevölkerung rasch großer Beliebtheit erfreute, wurde das Warenhaus zeitgleich zur zentralen Projektionsfläche antisemitischer Hetze. Insbesondere die von Julius Streicher herausgegebene Zeitschrift Der Stürmer nutzte das Kaufhaus und dessen moderne Architektur, um durch Artikel, Karikaturen und Gedichte ein radikal antisemitisches, christlich-jüdisch dualistisches Weltbild zu propagieren und gegen die angebliche “jüdische Hochfinanz” zu hetzen. Angesichts der nach 1933 zunehmend aggressiveren Bedrohungslage und der drohenden Enteignungen sah sich Salman Schocken zur Emigration nach Palästina gezwungen, von wo aus er sein unternehmerisches Wirken, soweit wie möglich, fortführte.

Weiterlesen hier: https://mimeo.dubnow.de/projektionsflaeche-der-hetze

Kaufhaus Schocken in Nürnberg, ca. 1930 (Bildarchiv Foto Marburg, Fotokonvolut: Archiv Dr. Franz Stoedtner via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0)

Tagungshinweis: LEBENS|DATEN. Staatliches Register – genealogische Ressource – kollektives Gedächtnis: 150 Jahre Standesämter in Sachsen

Vor anderthalb Jahrhunderten veränderte der Staat mit der Einführung der Zivilehe und der flächendeckenden Beurkundung des Personenstandes die Erfassung von Lebenswegen grundlegend. Anlässlich dieses Jubiläums möchten wir Wissenschaft, Archivwesen, Genealogie und Citizen Science zusammenbringen, um die historische Entwicklung der Standesämter sowie klassische und moderne Auswertungs- und Nutzungsmöglichkeiten ihrer Quellenbestände zu beleuchten.

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden und der Dresdner Verein für Genealogie e. V. laden zu einer gemeinsamen Tagung ein:

LEBENS|DATEN. Staatliches Register – genealogische Ressource – kollektives Gedächtnis: 150 Jahre Standesämter in Sachsen

Wann? Freitag & Sonnabend, 5. & 6. Juni 2026
Wo? SLUB-Zentralbibliothek (Dresden, Zellescher Weg 18)

Unsere Tagung schlägt den Bogen von den Anfängen der Standesämter bis hin in die Gegenwart:

  • Aufbruch & Herausforderungen
    In den Blick werden zunächst die historisch-politischen Rahmenbedingungen und administrativen Hürden genommen, unter denen Zivilehe und staatliches Personenstandswesen eingeführt wurden.
  • Epochen & Zäsuren
    Die Vorträge verfolgen außerdem deren Entwicklung durch verschiedene historische Epochen – wie die Instrumentalisierung im Dritten Reich – und betrachten den Wandel von Grundpfeilern wie Ehe- und Namensrecht.
  • Forschung & Methoden
    Von der traditionellen genealogischen Recherche bis hin zu modernen, datengestützten Analysen sollen Möglichkeiten der Erschließung und Auswertung betrachtet und das enorme Potenzial dieses Quellenschatzes neu ausgelotet werden.

Ein detailliertes Programm sowie Informationen zur Anmeldung und zu einem vorbereitenden Workshop folgen in Kürze.

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Wie der sächsische Anstaltspsychiater Hermann Paul Nitsche zum Täter während der NS-„Euthanasie“ wurde

Von Judith Marie Nitschke

Menschen- und Freiheitsrechte gelten als selbstverständlich – doch das sind sie weder heute, noch waren sie es vor über 90 Jahren. Fast ein Jahrhundert nach den „Euthanasie“-Verbrechen fehlt es in der deutschen Gesellschaft vielfach noch immer an einem umfassenden Bewusstsein und einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Geschehenen. So gilt es sich bewusst zu machen, dass politische Umbrüche, die Krisen hervorrufen, Radikalisierungsstrukturen fördern. Einen Teil der Aufarbeitung hierfür können Täterbiografien leisten, wofür ich im Folgenden ein Beispiel vorstellen möchte: den Lebensweg des Psychiaters Hermann Paul Nitsche (1876–1948) (Abb. 1).

Abb. 1: Porträt von Hermann Paul Nitsche. Quelle: Roemer, Hans/Rüdin, Ernst: Herrn Obermedizinalrat Professor Dr. Paul Nitsche zum 60. Geburtstag. In: Zeitschrift für psychische Hygiene 9 (1936), S. 129 (gemeinfrei)

Anstaltspsychiater und -direktoren sowie Leiter psychiatrischer Forschungsanstalten oder universitärer Abteilungen tragen Verantwortung für die Verbrechen an nahezu 200.000 psychisch kranken und behinderten Anstaltspatientinnen und -patienten während des Nationalsozialismus. Täterbiografien der Beteiligten an der nationalsozialistischen „Euthanasie“ rekonstruieren die Radikalisierungsprozesse von medizinischen Akteuren der Zeit und wenden sich einem individuellen Akteur aus der Täterperspektive zu. Ziel dieser biografisch orientierten Forschung ist es, einzuordnen, wie und unter welchen Bedingungen – also Strukturen, Motiven und individuellen Handlungsspielräumen – Menschen eine Täterkarriere einschlugen. Damit leistet dieser Ansatz einen mikrohistorischen Beitrag im großen Kontext der Täterforschung.

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140 Jahre Schlossbibliothek Oels in Dresden

Von Thomas Haffner

Abb. 1: König Albert von Sachsen, um 1895. Foto: Rudolph Kramer (SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: Rechte vorbehalten)

Im Feuilleton des Dresdner Journals vom 22. Oktober 1885 vermeldete Ernst Wilhelm Förstemann, der damalige Direktor der Königlichen Öffentlichen Bibliothek (KÖB) zu Dresden, einer Vorgängereinrichtung der heutigen Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB): „Durch die Gnade Sr. Majestät des Königs hat die hiesige königl. öffentl. Bibliothek in diesen Tagen einen Schatz erhalten, wie er ihr in solchem Umfange seit einem Jahrhundert nicht zu Theil geworden ist.“[1] Damit sind gut 20.000 Bände aus der Schlossbibliothek Oels in Schlesien gemeint, die nach dem Tod des regierenden Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (1806–1884) als Erbe an dessen Vetter König Albert von Sachsen (reg. 1873–1902) (Abb. 1) gefallen waren.

Den Grundstein zu dieser Bibliothek legten die Herzöge von Münsterberg (Ziębice) aus dem böhmischen Adelsgeschlecht von Podiebrad im 16. Jahrhundert in ihren Schlössern zu Oels (Oleśnica) und zu Bernstadt (Bierutów). Nachdem das Herzogtum Oels 1648 an die Herzöge von Württemberg gefallen war, wurde 1699 die Bernstädter mit der Oelser Sammlung vereinigt und nach großem Zuwachs durch private Bibliotheken im 18. Jahrhundert im Sophiensaal, einem ehemaligen Festsaal des Oelser Schlosses aufgestellt (Abb. 2). 25 Jahre nach der Übernahme des Herzogtums Oels durch das Haus Braunschweig-Lüneburg (1792) kam die Entwicklung der Bibliothek zum Stillstand. Zwischen 1825 und 1836 kamen über 2.000 Bände abhanden. Fachkundige Bibliothekare wurden durch nebenamtliche Aufseher ersetzt.[2]

Abb. 2: Schloss Oels von Süden, 1894. Foto: Hermann Krone (TU Dresden/Hermann-Krone-Sammlung, KAD-T-050/05 via SLUB/Deutsche Fotothek, Lizenz: Rechte vorbehalten)

So „war es ein Glück für die zahlreichen wertvollen Handschriften und kostbaren alten seltenen Drucke der Bibliothek, dass sie nun in gute Hände kommen“, wie es im Dezember 1885 im „Neuen Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekswissenschaft“ hieß.[3] Weiterlesen