Das Cover-Design ist etwas irritierend, wenn man die Helden von der Enterprise in ihren Movie-Ära-Uniformen sieht und zugleich die alte Enterprise in ihrer Konfiguration aus dem ersten Star Trek-Pilotfilm „Der Käfig“. Mit dem Pilotfilm oder dieser Ära hat „Identity Theft“ aber gar nichts zu tun; aber doch nimmt die Story ihren Ausgangspunkt während Kirks erster 5-Jahresmission, was 20 Jahre später dazu führen sollte, das Pavel Chekov Opfer eines Identitätsdiebstahls wird.
Im Jahr 2269 gelingt es Captain Kirk, die Geiselnahme von Föderationsabgesandten auf dem neutralen Planeten Voyzr zu beenden und mit aggressiver Diplomatie ein Beilegen der Streitigkeiten zwischen den verfeindeten Fraktionen zu erzwingen. Ein Vorgehen, das ihm einige Leute übel nahmen und dafür sorgte, dass einige Voyzr ins Exil geflüchtet sind.
20 Jahre später ist die Enterprise wieder unterwegs nach Voyzr, wo auf der nun geeinten Welt eine offizielle Föderationsbotschaft eröffnet werden soll. Zu den Feierlichkeiten sind natürlich auch Captain Kirk und seine Offiziere, die inzwischen auf der Enterprise-A dienen, eingeladen. Die Enterprise macht zuvor aber Halt beim Planeten Tykona, wo es einen Ausbruch Empusanischen Fiebers gab. Auf dem unabhängigen Planeten hat man zögerlich aber doch bei der Föderation um Hilfe bei der Bekämpfung des Ausbruchs gebeten, was bedeutet, dass Doktor McCoy und sein medizinischer Stab während ihres Aufenthalts einiges zu tun haben. So auch Krankenschwester Simone Tovar, mit der Commander Chekov privat gerne mehr Zeit verbringen würde. Deshalb hat Chekov Gelegenheit, die Einladung seines alten Freundes Grigori Ratikin wahrzunehmen, der sich aktuell auf Tykona aufhält. Doch in der Unterhaltung mit Grigori häufen sich die Unstimmigkeiten und es wird offensichtlich, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht – was bestätigt wird, als sich Chekov plötzlich von Voyzr-Exilanten umzingelt sieht.
Mithilfe einer Wissenschaftlerin, die die Körpertausch-Technologie von Camus II (siehe TOS-Episode „Gefährlicher Tausch“) erforscht hat, haben diese feindlich gesinnten Voyzr das Bewusstsein von Grigori Ratikin mit dem Bewusstsein eines der ihren ausgetauscht, um Chekov in die Falle zu locken. Chekov selbst wird die Prozedur ebenfalls zuteil und er findet sich im Körper des jungen Voyzr Ryjo wieder, der wiederum in Chekovs Körper zur Enterprise zurückkehrt mit dem Auftrag, während der Botschaftseröffnung auf Voyzr einen Anschlag auf die Regentin zu verüben und damit die Föderation zu diskreditieren.
Erst nachdem die Enterprise aufgebrochen ist, gelingt es Chekov, aus der Gefangenschaft zu entkommen und seinem gestohlenen Körper hinterherzujagen, in dem es dem gut vorbereiteten Ryjo gelingt, seine Umgebung zu täuschen – allerdings nicht ohne Komplikationen, wenn es um Simone Tovar geht.

In der TOS-Folge „Gefährlicher Tausch“ wechselten Janice Lester und Captain Kirk ihr Bewusstsein. Mit der gleichen Technologie wird in „Identity Theft“ Chekovs Körper vom jungen Voyzr Ryjo in Besitz genommen.
Fazit: An sich hat Greg Cox wieder einmal ein sehr solides Abenteuer der klassischen Star Trek-Crew geschrieben und die Charaktere gut getroffen. Besonders natürlich Chekov und auch Sulu, mit dem Ryjo auch recht gut interagiert. Und selbstverständlich dürfen einige „russische Erfindungen“ auch nicht fehlen.
Im Wesentlichen ist die Geschichte aber doch vorhersehbar. Der ihm eingeimpfte Hass auf Kirk und die Föderation, den er lediglich geerbt hat, aber für den er persönlich keine Grundlage hat, verblasst während Ryjos Interaktion mit Chekovs Crewkameraden ziemlich schnell und bei einer gefährlichen Rettungsmission, die die Enterprise auf dem Weg nach Voyzr noch durchführen muss, kann auch er seinen eigenen Mut unter Beweis stellen. Ryjos Aufenthalt auf der Enterprise steht von Anfang an unter dem Motto des Wandels und der Läuterung. Unterbrochen gelegentlich von ein paar peinlichen Momenten mit Simone Tovar, die die halbherzigen romantischen Signale des vermeintlichen Chekov überhaupt nicht mehr deuten kann, weil Ryjo Distanz zu ihre wahren will, aber dabei unsensibel vorgeht.
Chekovs Versuch, die Enterprise zu warnen und ihr hinterherzujagen ist etwas weniger vorhersehbar. Als Zivilist auf einer Nicht-Föderationswelt in einem Körper, dessen wahrer Besitzer schon Probleme mit den Behörden hatte und der über keine finanziellen Mittel verfügt, ist es schon frustrierend für Chekov, auf Tykona zurecht zu kommen. Es scheint kaum möglich, Kommunikation herzustellen geschweige denn den Planeten zu verlassen, weil seine Entführer ihm dicht auf den Fersen und gut vernetzt sind. Unter anderem mit den Klingonen, über die Ryjo das fachliche Wissen erhielt, um einigermaßen gut als Chekov auftreten zu können.
Dieser Part ist bei einer solchen Art von Geschichte schon etwas weit hergeholt. In der TOS-Folge „Gefährlicher Tausch“ ist Janice Lester in Captain Kirks Körper relativ rasch aufgefallen, obwohl sie jahrelanges Sternenflottentraining hatte. Für Ryjo ist es fremd und selbst wenn er die Handbücher genau studiert hat, müsste doch speziell Sulu, der ständig neben ihm an der Konsole sitzt, bemerken, dass Ryjo manche Dinge anders macht als Chekov. Natürlich weiß ich nicht, wie Konsolen der Sternenflotte benutzt werden, aber als PC-Nutzer weiß ich, dass es immer mehrere Wege gibt, um ans Ziel zu kommen. Dass Ryjo nach relativ kurzer Trainingszeit all die Protokolle kennt und eine sehr bedeutende Aufgabe als Navigator eine Woche lang genau gleich absolvieren kann wie Chekov, erscheint doch unrealistisch. Das trifft auch auf die Umstände zu, unter denen der Körpertausch durchgeführt wird. Es wird zwar der Verdacht geäußert, dass die Klingonen hinter dem Krankheitsausbruch auf Tykona stecken und die Exilanten ihre Verbündeten in der Regierung dazu gebracht haben, die Enterprise anzufordern. Aber dass mit Grigori Ratikin ein Freund von Chekov auf Tykona weilt und Chekov Zeit hat, um ihn zu treffen, lässt den Plan auf sehr wackeligen Beinen stehend erscheinen.
Und damit die Story funktioniert, musste Greg Cox auch etwas am Körpertausch-Prinzip der Folge „Gefährlicher Tausch“ ändern, was die Geschehnisse der TOS-Folge entwertet. Damals war der Arzt, der Janice Lester unterstützte, überzeugt davon, dass ein Rücktausch nur unterbunden werden kann, wenn Captain Kirk in Lesters Körper stirbt. Damit die Story von „Identity Theft“ funktioniert, musste Cox das ändern, denn die Exilanten müssen Chekov ja am Leben erhalten, damit dieser flüchten kann. Also wurde das Körpertausch-Prinzip derart geändert, dass wenn einer der beiden Betroffenen stirbt, auch der andere stirbt. Das ist natürlich nicht vereinbar mit Janice Lesters Handeln in „Gefährlicher Tausch“, die laut der Erklärung im Roman nun einfach einer Fehlannahme aufsaß. Diese Umdeutung hat mir nicht gefallen.
Bewertung: „Identity Theft“ war schon sehr unterhaltsam zu lesen. Ganz besonders die Passagen mit Chekov, der sich auf Tykona durchschlagen muss. Seine Frustration über seinen kaum vorhandenen Handlungsspielraum in Ryjos Körper auf einem Planeten ohne Föderationspräsenz kam beim Lesen sehr gut rüber, aber auch die Etappen auf seinem Weg, die Enterprise einzuholen, gefielen mir gut. Ryjos Reise war auch unterhaltsam, aber etwas vorhersehbarer und die Änderung des Körpertausch-Prinzips ist schon ein Schwachpunkt der Story. Wahrscheinlich hätte man einen wissenschaftlichen Grund vorbringen können, warum die Exilanten Chekov nicht sofort töten konnten. Aber die Wissenschaftlerin, die die Exilanten unterstützt, verschwindet dann leider recht bald nach Erfüllen ihrer Aufgabe von der Bildfläche. Trotz des wackeligen Handlungsgerüsts mochte ich den Roman insgesamt aber doch, weshalb sich knapp 4 von 6 Sterne ausgehen.




























