Rezension: TOS – “Identity Theft“

Das Cover-Design ist etwas irritierend, wenn man die Helden von der Enterprise in ihren Movie-Ära-Uniformen sieht und zugleich die alte Enterprise in ihrer Konfiguration aus dem ersten Star Trek-Pilotfilm „Der Käfig“. Mit dem Pilotfilm oder dieser Ära hat „Identity Theft“ aber gar nichts zu tun; aber doch nimmt die Story ihren Ausgangspunkt während Kirks erster 5-Jahresmission, was 20 Jahre später dazu führen sollte, das Pavel Chekov Opfer eines Identitätsdiebstahls wird.

Im Jahr 2269 gelingt es Captain Kirk, die Geiselnahme von Föderationsabgesandten auf dem neutralen Planeten Voyzr zu beenden und mit aggressiver Diplomatie ein Beilegen der Streitigkeiten zwischen den verfeindeten Fraktionen zu erzwingen. Ein Vorgehen, das ihm einige Leute übel nahmen und dafür sorgte, dass einige Voyzr ins Exil geflüchtet sind.

20 Jahre später ist die Enterprise wieder unterwegs nach Voyzr, wo auf der nun geeinten Welt eine offizielle Föderationsbotschaft eröffnet werden soll. Zu den Feierlichkeiten sind natürlich auch Captain Kirk und seine Offiziere, die inzwischen auf der Enterprise-A dienen, eingeladen. Die Enterprise macht zuvor aber Halt beim Planeten Tykona, wo es einen Ausbruch Empusanischen Fiebers gab. Auf dem unabhängigen Planeten hat man zögerlich aber doch bei der Föderation um Hilfe bei der Bekämpfung des Ausbruchs gebeten, was bedeutet, dass Doktor McCoy und sein medizinischer Stab während ihres Aufenthalts einiges zu tun haben. So auch Krankenschwester Simone Tovar, mit der Commander Chekov privat gerne mehr Zeit verbringen würde. Deshalb hat Chekov Gelegenheit, die Einladung seines alten Freundes Grigori Ratikin wahrzunehmen, der sich aktuell auf Tykona aufhält. Doch in der Unterhaltung mit Grigori häufen sich die Unstimmigkeiten und es wird offensichtlich, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht – was bestätigt wird, als sich Chekov plötzlich von Voyzr-Exilanten umzingelt sieht.

Mithilfe einer Wissenschaftlerin, die die Körpertausch-Technologie von Camus II (siehe TOS-Episode „Gefährlicher Tausch“) erforscht hat, haben diese feindlich gesinnten Voyzr das Bewusstsein von Grigori Ratikin mit dem Bewusstsein eines der ihren ausgetauscht, um Chekov in die Falle zu locken. Chekov selbst wird die Prozedur ebenfalls zuteil und er findet sich im Körper des jungen Voyzr Ryjo wieder, der wiederum in Chekovs Körper zur Enterprise zurückkehrt mit dem Auftrag, während der Botschaftseröffnung auf Voyzr einen Anschlag auf die Regentin zu verüben und damit die Föderation zu diskreditieren.

Erst nachdem die Enterprise aufgebrochen ist, gelingt es Chekov, aus der Gefangenschaft zu entkommen und seinem gestohlenen Körper hinterherzujagen, in dem es dem gut vorbereiteten Ryjo gelingt, seine Umgebung zu täuschen – allerdings nicht ohne Komplikationen, wenn es um Simone Tovar geht.

In der TOS-Folge „Gefährlicher Tausch“ wechselten Janice Lester und Captain Kirk ihr Bewusstsein. Mit der gleichen Technologie wird in „Identity Theft“ Chekovs Körper vom jungen Voyzr Ryjo in Besitz genommen.

Fazit: An sich hat Greg Cox wieder einmal ein sehr solides Abenteuer der klassischen Star Trek-Crew geschrieben und die Charaktere gut getroffen. Besonders natürlich Chekov und auch Sulu, mit dem Ryjo auch recht gut interagiert. Und selbstverständlich dürfen einige „russische Erfindungen“ auch nicht fehlen.

Im Wesentlichen ist die Geschichte aber doch vorhersehbar. Der ihm eingeimpfte Hass auf Kirk und die Föderation, den er lediglich geerbt hat, aber für den er persönlich keine Grundlage hat, verblasst während Ryjos Interaktion mit Chekovs Crewkameraden ziemlich schnell und bei einer gefährlichen Rettungsmission, die die Enterprise auf dem Weg nach Voyzr noch durchführen muss, kann auch er seinen eigenen Mut unter Beweis stellen. Ryjos Aufenthalt auf der Enterprise steht von Anfang an unter dem Motto des Wandels und der Läuterung. Unterbrochen gelegentlich von ein paar peinlichen Momenten mit Simone Tovar, die die halbherzigen romantischen Signale des vermeintlichen Chekov überhaupt nicht mehr deuten kann, weil Ryjo Distanz zu ihre wahren will, aber dabei unsensibel vorgeht.

Chekovs Versuch, die Enterprise zu warnen und ihr hinterherzujagen ist etwas weniger vorhersehbar. Als Zivilist auf einer Nicht-Föderationswelt in einem Körper, dessen wahrer Besitzer schon Probleme mit den Behörden hatte und der über keine finanziellen Mittel verfügt, ist es schon frustrierend für Chekov, auf Tykona zurecht zu kommen. Es scheint kaum möglich, Kommunikation herzustellen geschweige denn den Planeten zu verlassen, weil seine Entführer ihm dicht auf den Fersen und gut vernetzt sind. Unter anderem mit den Klingonen, über die Ryjo das fachliche Wissen erhielt, um einigermaßen gut als Chekov auftreten zu können.

Dieser Part ist bei einer solchen Art von Geschichte schon etwas weit hergeholt. In der TOS-Folge „Gefährlicher Tausch“ ist Janice Lester in Captain Kirks Körper relativ rasch aufgefallen, obwohl sie jahrelanges Sternenflottentraining hatte. Für Ryjo ist es fremd und selbst wenn er die Handbücher genau studiert hat, müsste doch speziell Sulu, der ständig neben ihm an der Konsole sitzt, bemerken, dass Ryjo manche Dinge anders macht als Chekov. Natürlich weiß ich nicht, wie Konsolen der Sternenflotte benutzt werden, aber als PC-Nutzer weiß ich, dass es immer mehrere Wege gibt, um ans Ziel zu kommen. Dass Ryjo nach relativ kurzer Trainingszeit all die Protokolle kennt und eine sehr bedeutende Aufgabe als Navigator eine Woche lang genau gleich absolvieren kann wie Chekov, erscheint doch unrealistisch. Das trifft auch auf die Umstände zu, unter denen der Körpertausch durchgeführt wird. Es wird zwar der Verdacht geäußert, dass die Klingonen hinter dem Krankheitsausbruch auf Tykona stecken und die Exilanten ihre Verbündeten in der Regierung dazu gebracht haben, die Enterprise anzufordern. Aber dass mit Grigori Ratikin ein Freund von Chekov auf Tykona weilt und Chekov Zeit hat, um ihn zu treffen, lässt den Plan auf sehr wackeligen Beinen stehend erscheinen.

Und damit die Story funktioniert, musste Greg Cox auch etwas am Körpertausch-Prinzip der Folge „Gefährlicher Tausch“ ändern, was die Geschehnisse der TOS-Folge entwertet. Damals war der Arzt, der Janice Lester unterstützte, überzeugt davon, dass ein Rücktausch nur unterbunden werden kann, wenn Captain Kirk in Lesters Körper stirbt. Damit die Story von „Identity Theft“ funktioniert, musste Cox das ändern, denn die Exilanten müssen Chekov ja am Leben erhalten, damit dieser flüchten kann. Also wurde das Körpertausch-Prinzip derart geändert, dass wenn einer der beiden Betroffenen stirbt, auch der andere stirbt. Das ist natürlich nicht vereinbar mit Janice Lesters Handeln in „Gefährlicher Tausch“, die laut der Erklärung im Roman nun einfach einer Fehlannahme aufsaß. Diese Umdeutung hat mir nicht gefallen.

Bewertung: „Identity Theft“ war schon sehr unterhaltsam zu lesen. Ganz besonders die Passagen mit Chekov, der sich auf Tykona durchschlagen muss. Seine Frustration über seinen kaum vorhandenen Handlungsspielraum in Ryjos Körper auf einem Planeten ohne Föderationspräsenz kam beim Lesen sehr gut rüber, aber auch die Etappen auf seinem Weg, die Enterprise einzuholen, gefielen mir gut. Ryjos Reise war auch unterhaltsam, aber etwas vorhersehbarer und die Änderung des Körpertausch-Prinzips ist schon ein Schwachpunkt der Story. Wahrscheinlich hätte man einen wissenschaftlichen Grund vorbringen können, warum die Exilanten Chekov nicht sofort töten konnten. Aber die Wissenschaftlerin, die die Exilanten unterstützt, verschwindet dann leider recht bald nach Erfüllen ihrer Aufgabe von der Bildfläche. Trotz des wackeligen Handlungsgerüsts mochte ich den Roman insgesamt aber doch, weshalb sich knapp 4 von 6 Sterne ausgehen.

Die letzte Grenze …

 

Mit Friedrich Georg Beckhaus ist am 5. Februar 2026 der letzte Darsteller aus der Hauptbesetzung der Serie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ verstorben. Abgesehen von der Darstellung von Astrogator Atan Shubashi war Beckhaus auch als Synchronsprecher bekannt und ging dieser Tätigkeit bis 2023 nach. So lieh er in „Star Trek“ u.a. dem Cardassianer Elim Garak in „Deep Space Nine“ seine Stimme.

Seit Mitte der 1990er-Jahre war Beckhaus auch der deutsche Stammsprecher für den amerikanischen Schauspieler Robert Duvall, der am 15. Februar 2026 im Alter von 95 Jahren verstarb. Der bekannte Darsteller aus „Der Pate“ und „Apocalypse Now“ erhielt 1984 den Oscar für „Das Comeback der Liebe“. Science Fiction-Filme, in denen er mitwirkte, waren u.a. „THX 1138“ und „Deep Impact“. In der ersten „Jack Reacher“-Verfilmung spielte er die Nebenrolle des Martin Cash.

 

Rezension: TOS – “Die Kolonie der Abtrünnigen“

„Die Kolonie der Abtrünnigen“ ist ein weiterer älterer Star Trek-Roman, den ich einst nicht gelesen habe und den ich nun – 30 Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung – nachgeholt habe. In dieser Geschichte von Gene DeWeese wird die Enterprise ins Chyrellka-System geschickt, wo Captain Kirk einen schwellenden Konflikt zwischen der Hauptwelt und der Koloniewelt Vancadia schlichten soll.

Zwei Jahrhunderte lang waren die Beziehungen zwischen Chyrellka und Vancadia harmonisch und laut Plan sollte der Kolonie schon in wenigen Jahren die Unabhängigkeit gewährt werden. Doch seit kurzem regiert auf Vancadia ein neuer Herrscher, der den Abzug aller Chyrellkaner und sofortige Autonomie fordert. Die Chyrellkaner werfen dem neuen Machthaber auf Vancadia gewaltsame Sabotage vor; dieser entgegnet wiederum mit dem Vorwurf, es habe Giftanschläge durch die chyrellkanische Verwaltung auf Vancadier gegeben. Auf beiden Seiten ist die Gereiztheit sehr groß wie auch das Bestreben, Captain Kirk dazu zu bewegen, Partei für eine Seite zu ergreifen, doch beißen sie bei ihm auf Granit. Stattdessen entsendet Kirk Doktor McCoy und Mister Spock nach Vancadia, um die angeblichen Beweise zu sichten und zu beurteilen. Doch ihre Arbeit können die beiden dort nicht aufnehmen, denn kaum heruntergebeamt, kommt es zu einem Anschlag – durch Klingonen, wie Mister Spock dank seines Tricorders feststellen kann. Der Angriff kann zurückgeschlagen werden, aber schnell wird klar, dass die vancadischen Rebellen von Klingonen unterwandert wurden. Den beiden Offizieren gelingt die Flucht vom Tatort, aber wie sie feststellen müssen, wird ihnen der Anschlag angelastet und ein ganzer Planet setzt zur Hetzjagd auf die beiden an.

Auf der Enterprise stellt sich die Situation nicht so deutlich dar. Gleich nach dem Runterbeamen von Spock und McCoy entstand ein gewaltiges Kraftfeld über dem Planeten, das die Technologie der Vancadier deutlich übersteigt. Man erhält keine Funksprüche mehr und immer mehr Unmöglichkeiten häufen sich an, die Kirk und die Besatzung der Enterprise aus dem Konzept bringen und an dem zweifeln lassen, was ihnen die Bildschirme und Sensoren anzeigen …

Fazit: Die Geschichte ist ziemlich lange sehr undurchsichtig geschrieben. Das mag aber Absicht des Autors gewesen, um zu verdeutlichen, wie sich Kirk und seine Offiziere auf der Enterprise fühlen, die keine Ahnung haben, was wirklich auf und um Vancadia vor sich geht und ständig die Beschwerden und Forderungen des chyrellkanischen Premiers im Nacken haben und sich zu Aktionen gehetzt fühlen, die keinen Sinne zu ergeben scheinen.

Etwas beeinträchtigt wird diese Wahrnehmung aber dadurch, dass der Leser einen kleinen Wissensvorsprung gegenüber Captain Kirk hat, weil die Perspektive zwischen den Ereignissen auf der Enterprise und auf dem Planeten hin und her wechseln. Spock und McCoy – unterstützt von zwei Vancadiern, die nicht auf der Seite der Rebellen stehen – haben Gewissheit, was die Einmischung der Klingonen angeht, aber keine Idee, welche Absicht dahintersteckt. Die einzige Möglichkeit die Puzzleteile zusammenzusetzen, besteht darin den Planeten zu verlassen und zur Enterprise zurückzukehren.

Auf der Enterprise wiederum ist die Verwirrung für mich auch zum Teil etwas schwierig nachzuvollziehen. Die Vermutung, dass der Computer falsche Anzeigen generiert, ist eigentlich schon ziemlich früh vorhanden, aber Captain Kirk erreicht nie den Punkt, an dem er Sicherheit erlangt. Ich denke, angesichts der Vielzahl an Unmöglichkeiten und aufgrund des anfänglichen Verdachts, hätte es zu Captain Kirk besser gepasst, ganz früh in der Handlung einen Schlussstrich zu ziehen und jene Maßnahmen durchzuführen, die er am Ende des Romans schließlich umsetzt. Es erhöht aber natürlich die Spannung, dass er damit wartet, bis er in eine unmögliche Entscheidung gedrängt: Das Abschießen eines unbemannten und schwer bewaffneten Drohnenschiffs von Vancadia, das im Anflug auf die chyrellkanische Schiffswerft ist … das ohne verlässliche Sensoren und Kommunikation aber genauso gut ein unbewaffnetes Flüchtlingsschiff sein kann, auf dem sich Spock und McCoy aufhalten. Dieser Showdown ist wirklich spannend und generell das letzte Viertel des Romans sehr erhellend, wenn eine direkte Verbindung zu einer Episode der klassischen Serie hergestellt wird, mit der ich nicht gerechnet hatte. Gene DeWeese hat das ziemlich geschickt gemacht und von der Idee abgelenkt, indem er ständig auf eine Ähnlichkeit mit den Ereignissen einer ganz anderen TOS-Episode hingewiesen hat.

Wie in „Der erste Krieg“ unterstützen die Klingonen auf Vancadia eine Fraktion, um sie gegen die andere in einen Konflikt zu zwingen.

Etwas störend war hingegen, dass die Chyrellkaner und Vancadier von Spock und McCoy ständig als „Menschen“ bezeichnet werden. (Es ist auch im englischen Original der Fall und keine Fehlübersetzung von „humanoid“.) Gerade in der klassischen Star Trek-Serie sahen zwar viele Außerirdische genau wie Menschen aus, aber sie waren es nicht. Dass bei den Tricorder-Messungen ständig gesagt wird, dass Chyrellkaner und Vancadier „Menschen“ wären, ist ein Fehler, da am Beginn des Romans in Captain Kirks Logbucheintrag eindeutig festgehalten wird, dass es sich um eine erst vor wenigen Jahren entdeckte Spezies handelte. Die ständige Verwendung der falschen Bezeichnung trägt auch ein wenig zur Verwirrung in diesem Roman bei, denn immerhin geht es ja darum, dass sich einige Klingonen als Vancadier ausgeben und keine Menschen.

Bewertung: Drei Viertel des Romans waren ziemlich unrund zu lesen. Teilweise ist das der Konzeption der Geschichte geschuldet, die diese Verwirrung thematisiert. Teilweise machen die Perspektivenwechsel es dem Leser aber auch nicht leicht, am Ball zu bleiben. Aber: Das letzte Viertel des Romans ist wirklich sehr spannend und entwirrt die Lage, indem zusätzliche Aspekte offenbart werden, mit denen ich nicht gerechnet habe. Sich durch das Durcheinander am Beginn durchzukämpfen hat sich schlussendlich für mich dann doch sehr gelohnt, weshalb ich „Die Kolonie der Abtrünnigen“ mit 4 von 6 Sternen bewerte.

 

 

Rezension: „Exit Strategy” – Ein Jack-Reacher-Roman

Eigentlich ist der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher nach Baltimore gereist, um ein Konzert zu besuchen, doch ein Aufenthalt in einem Café, um die Zeit bis zum Beginn des Konzerts totzuschlagen, erweist sich als wesentlich ereignisreicher als gedacht. Zum 30. Mal wird Reacher in „Exit Strategy“ unerwartet in ein Abenteuer verwickelt, in dem es einmal mehr darum geht, eine Verschwörung aufzudecken.

Gleich zwei Dinge ereignen sich in diesem Café: Zum einen wird er Zeuge eines offensichtlichen Betrugsversuchs, der ein älteres Paar um all ihre Ersparnisse bringen soll. Reacher folgt den Betrügern, stellt sie und sorgt – mit schlagenden Argumenten – dafür, dass das Paar sein Geld zurückerhält. Dass sich Reacher mit dieser Aktion den Zorn des lokalen, organisierten Verbrechens zuzieht, versteht sich von selbst.

Das Ereignis, das wesentlich größere Folgen nach sich ziehen sollte, passiert aber beinahe unbemerkt. Wie Reacher feststellt, hat ihm ein Mann beim Verlassen des Cafés heimlich eine Notiz zugesteckt und um ein Treffen gebeten. Eine klare Verwechslung, denn der Mann – ein Hafenarbeiter namens Nathan Gilmour – hatte die Anweisung, im Café nach dem größten Typen Ausschau zu halten, aber dummerweise wurde der eigentliche Kontaktmann nur eine Straße vom Café entfernt Opfer eines Herzinfarkts.

Nichtsdestotrotz ist Reachers Neugierde geweckt und trifft sich mit Gilmour, der ihm eröffnet, dass er im Hafen eingeschleust wurde, um die Informationen über eine ganz bestimmte Containerlieferung weiterzuleiten. Der Tod eines Mitarbeiters – dessen Computer Gilmour genutzt hat, um seine Aktivitäten zu verschleiern – hat Gilmour aber alarmiert und er weiß nicht mehr, wem er noch vertrauen kann. Reacher entscheidet, Gilmour zu helfen und zusammen finden sie heraus, dass womöglich jemand versuchen wird, den Inhalt des mysteriösen Containers zu stehlen und dass Gilmour nicht der einzige Arbeiter im Hafen war, der über die Personalabteilung eingeschleust wurde.

Fazit: Mit „Exit Strategy“ war ich in erstaunlich kurzer Zeit durch. Da ich den Roman als ebook gelesen habe, war es mir gar nicht bewusst, aber mit 320 Taschenbuchseiten ist der Roman doch ziemlich kurz im Vergleich zu den vorherigen Romanen von Lee Child und Andrew Child. Die Kürze schadet der Geschichte aber nicht und ich fände es gar nicht so schlecht, wenn die beiden Autoren das beibehalten würden. Die Geschichte wird ziemlich zügig erzählt, ein Mysterium – auch in Kombination mit der Parallelhandlung über ein privates Militärunternehmen – wird aufgebaut und setzt sich langsam zusammen und wartet dann dennoch mit dem einen oder anderen unerwarteten Twist auf.

Dass sich Reacher nebenbei mit der lokalen Verbrecherszene anlegt, ist auch mit der Haupthandlung verbunden, wenn auch in etwas loser Form und am Ende spielt der Konflikt eine durchaus größere Rolle, aber leider nur eine nützliche, anstatt eine wirklich gewachsene. Grundsätzlich muss ich sagen, dass beim großen Showdown alles ein bisschen zu günstig für Reacher und seine Begleiter läuft. Sie haben im Unterschlupf der Bösen quasi völlige Handlungsfreiheit, die totale Kontrolle über das Szenario. Und hier stößt – einmal mehr bei einem Reacher-Roman – die Selbstjustiz übel auf. Ja, Reacher ist nicht zimperlich und wenn er tödliche Gewalt einsetzen muss, um eine konkrete Bedrohungslage aufzudecken, dann zögert er nicht. Aber das ist nicht gegeben, hier hat er wie erwähnt am Ende die Kontrolle über die Situation und es wirkt, als würde er die Justiz einfach aus Bequemlichkeit nicht involvieren wollen. So bekommen zwar die Bösen eine Bestrafung, aber am Ende hilft Reacher damit, zu vertuschen, welche miesen Geschäfte stattgefunden haben. Das macht ihn am Schluss wieder einmal enorm unsympathisch und hinterlässt einen miesen Nachgeschmack. Es lässt Reacher auch wirklich denkfaul dastehen, was zur Rolle des erfahrenen Ermittlers so gar nicht passt. Wenn er sich eines Falls nur halbherzig annehmen will, dann sollte er es besser gleich lassen.

Bewertung: Leider zerstört der Schluss ziemlich viel des guten Eindrucks, den der Roman aufgrund der flotten Erzählweise und des Aufbaus des Plots davor erarbeitet hat. „Exit Strategy“ ist einer jener Romane, in denen man Reacher zumindest am Schluss nicht mögen kann. Es ist wirklich schade, dass die Child-Brüder es einfach nicht schaffen, Reachers Motivationen auf eine Weise zu nutzen, die auch dem Ausgang der Handlung dient. Würde Reacher am Schluss vernünftig und verantwortungsvoll handeln, würde ich dem Roman 5 von 6 Sterne geben. Aber mit diesem Ende: 3 von 6 Sterne sind großzügig. Vielleicht wird es langsam Zeit, Reacher endgültig in den Ruhestand zu schicken, wenn er einen angefangenen Job gar nicht sauber zu Ende bringen will. Ich weiß nicht, wen die ihm zugeschriebenen Verhaltensweisen noch positiv beeindrucken sollen.

Pilotfilm-Review: „Star Trek : Starfleet Academy – Kids von heute“

Seit mehr als 35 Jahren taucht immer wieder mal die Idee auf, einen Film oder einer Serie über Kadetten an der Sternenflotten-Akademie zu produzieren. Am nächsten dran von allen umgesetzten Projekten war bislang der 11. Star Trek-Kinofilm, der die Kadettenzeit der klassischen Charaktere zeigte. Und in den 90er-Jahren gab es auch ein Computerspiel namens „Starfleet Academy“, das einige Zwischensequenzen mit Darstellern in bislang unbekannten Rollen hatte und darin mitunter auch der Akademiealltag gezeigt wurde.

Das Warten auf eine neue Serie zu diesem Thema hat seit 15. Januar 2026 aber ein Ende: Als Spin-off zu „Discovery“ startete eine Serie, in der das Leben an der Akademie – sowohl von Kadetten als auch von Professoren – im Mittelpunkt steht. Zeitlich angesiedelt ist die Serie im 32. Jahrhundert und kurz nach der Finalfolge von „Star Trek: Discovery“ (abzüglich den Epilog).

Die erste Folge von „Starfleet Academy“ beginnt aber mit einem Rückblick, der eine Situation zeigt, die sich lange nach dem Brand, aber noch einige Jahre bevor die USS Discovery im 32. Jahrhundert ankam (siehe DSC-Staffel 3) ereignet hat. Auf einer Koloniewelt verkündet Sternenflotten-Captain Nahla Ake das Strafmaß im Prozess gegen den Piraten Nus Braka und seine Komplizin Anisha Mir. Für den Überfall auf ein Versorgungsschiff der Föderation, bei dem dessen Pilot getötet wurde, wird Braka zu lebenslanger Gefängnishaft verurteilt und Anisha Mir – entgegen der Absprache mit Captain Ake bevor der Pilot gestorben ist – wird ebenfalls zum Aufenthalt in einer Rehabilitationseinrichtung verurteilt, wodurch ihr fünfjähriger Sohn Caleb zum Mündel der Föderation wird. Captain Ake nimmt sich des Jungen an, doch geprägt von den letzten Worten, die seine Mutter an ihn richtete, misstraut er der Sternenflotte und nutzt die erstbeste Möglichkeit zur Flucht.

Captain Ake kann das Vertrauen des 5jährigen Caleb nicht gewinnen.

15 Jahre später: Ake ist nach diesem Vorfall, der sie zwang, eine Mutter von ihrem Kind zu trennen, zurückgetreten und arbeitet nun auf Bajor als Lehrerin. Flottenadmiral Vance tritt an sie heran und eröffnet ihr, dass die Sternenflotte die Akademie in San Francisco wiedereröffnen wird. Da die Gefahr eines weiteren Brands – ein die Galaxie umspannendes Phänomens, das vor 100 Jahren einen Großteil des Dilithiums in die Luft gesprengt hat – gebannt ist, die Föderationswelten wieder zusammenwachsen und sich die Sternenflotte dank einer neuen Dilithiumquelle erneuert und sich wieder ihrer ursprünglichen Kernaufgabe der Erforschung widmen kann, benötigt man neue Rekruten. Und Captain Ake soll der neugeschaffenen Akademie als Kanzlerin vorstehen, weil sie als Halb-Lanthanitin eine sehr lange Lebensspanne hat und sich noch sehr gut an die Ideale der Sternenflotte vor dem Brand erinnert.

Ake will zuerst ablehnen, doch als Vance ihr erzählt, dass Caleb Mir in einem torothanischen Gefängnis gefunden wurde, sieht sie eine zweite Chance gekommen, ihn erneut unter ihre Fittiche zu nehmen. Sie bietet Caleb den Deal an, dass sie ihm helfen wird, seine vor einem Jahr ausgebrochene Mutter zu suchen, wenn er akzeptiert, sich an der Sternenflotten-Akademie einzuschreiben um seine Haft zu beenden.

Und so finden sich Ake und Caleb auf der USS Athena ein, die nicht nur ein Raumschiff der Akademie ist, sondern selbst zentraler Bestandteil des Campus und sich auf dem Weg zur Erde befindet, um dort in San Francisco zu landen.

Die USS Athena ist bereit für den Flug zur Erde.

Während des Flugs erledigen die Kadetten die nötigen Formalitäten, lernen sich – im Positiven wie im Negativen – erstmals kennen und treffen auch auf ihre Ausbilder – darunter das schon sehr lange aktive Medizinisch-holografisches Notfallprogramm der Voyager und Akes Erste Offizierin und Cadet Master Lura Thok, die zur Hälfte Klingonin und zur Hälfte Jem’Hadar ist und ein wahrer Leuteschinder und damit ein starker Kontrast zur eher gelassenen Nahla Ake.

Auf dem Weg zur Erde kann es Caleb nicht lassen, auf eigene Faust nach seiner Mutter zu suchen und hackt sich in eine Kommunikationsfrequenz, die die beiden einst genutzt haben. Leider kann Caleb keinen Kontakt herstellen, doch das Signal erweckt die Aufmerksamkeit eines Piratenschiffes und dessen Captain: Nus Braka, dem ebenfalls die Flucht aus dem Gefängnis gelungen ist für den der Warp-Kern der Athena eine nette Beute wäre.

Fazit: „Kids von heute“ könnte als Pilotfilm gar nicht klassischer sein. Zum einen ist die Bezeichnung „Film“ durchaus angemessen, denn die Folge hat immerhin 75 Minuten und füllt diese Zeit wirklich auf eine Art und Weise, die an klassische Serienpilotfilme vor der Streaming-Ära erinnert. Zusammengefasst geht es darum, dass sich eine Gruppe von Personen zusammenfindet, sich kennenlernt und bei ihrer ersten gemeinsamen Unternehmung mit einer Herausforderung konfrontiert wird, bei der jeder einzelne seine persönlichen Fähigkeiten und Interessen nutzen kann, um diese Herausforderung zu meistern. Konkret geht es darum, den Piraten Nus Braka und seinen Entertrupp von der beschädigten Athena zu vertreiben, während die Offiziere und Kadetten an verschiedenen Orten an Bord zusammenarbeiten und wobei speziell einige Kadetten über sich hinauswachsen müssen.

Nach 15 Jahren bekommt es Caleb wieder mit Nus Braka zu tun.

Wir lernen fast alle Kadetten, die im Main Cast dieser Staffel sind, bereits in dieser Folge kennen. Einige haben mehr, einige weniger Screentime, aber über Genesis, Sam, Jey-Den und Reymi erfährt man auch so einiges in der Kennenlernphase vor dem Piratenangriff. Speziell von Genesis – gespielt von Bella Shepard – war ich sehr positiv überrascht, da sie wesentlich sympathischer rüberkommt, als ich gedacht hätte. Von ihrem Auftreten aus den Trailern hätte ich sie in eine bestimmte Schublade gesteckt, aber ihre kleine Szene zusammen mit Sam ist vielleicht sogar meine Lieblingsszene in dieser Folge. Gewisse Schubladen, die man bei einer Serie dieser Art erwartet, werden aber auch gut gefüllt, so wie es die unausweichliche Rivalität unter Schülern gibt mit einem Bully, der dann im weiteren Handlungsverlauf aber auch mit positiven Eigenschaften punkten kann.

Die beiden erwähnten Ausbilder haben ebenfalls ihre Vorstellungsszenen – wobei Robert Picardo, der nach „Voyager“ und „Prodigy“ erneut die Rolle des MHN übernimmt – gar nicht vordergründig als sogenannter „Legacy-Charakter“ behandelt wird. Er erfüllt seine Aufgabe an Bord der Athena und ggfl. wird er sicher in manchen Folgen mehr Screentime bekommen. Hier in dieser Folge gibt es aber zumindest Erwähnungen der Voyager und der Protostar-Crew. (Positiv anzumerken ist, dass Robert Picardo hier wieder einen Synchronsprecher aus „Voyager“ hat, während er in „Prodigy“ einen anderen Sprecher hatte.) Und beim medizinischen Check darf eine Anspielung auf seinen ersten Auftritt im „Voyager“-Pilotfilm nicht fehlen.

Die beiden zentralen Figuren in „Kids von heute“ sind aber ganz klar Captain Ake und Caleb Mir. Und die beiden harmonieren in einer Art „Widerspenstiges Kind/Ersatzmutter“-Beziehung in ihren Dialogszenen wirklich sehr gut. Speziell Holly Hunter finde ich ganz hervorragend gecastet.

Captain Ake und das MHN der Voyager.

Ehrlich gesagt, habe ich bislang nicht viel von ihr gesehen. Mir war eher ihr guter Ruf als Oscar-Preisträgerin (Beste Hauptdarstellerin 1994, „Das Piano“) bekannt, aber in dieser Folge bestätigt sie diesen Ruf absolut. Sie agiert mir großer Selbstverständlichkeit, nichts wirkt erzwungen oder gekünstelt und trotz ihrer zierlichen Statur hat sie vor der Kamera eine sehr dominante Präsenz. Und dies, obwohl Nahla Ake einen sehr entspannten Führungsstil hat. Sie hält nicht viel von unnützer Förmlichkeit und agiert den Kadetten gegenüber mehr als Pädagogin und weniger als Ausbilderin. Das ist für eine Captain-Figur in Star Trek ein Ansatz, den man so noch nicht hatte, aber im Fall eines Captains, der gleichzeitig eine Akademieleiterin ist, durchaus Sinn ergibt.

Für Sandro Rosta ist Caleb Mir seine erste große Rolle und doch wirkt er an der Seite von Holly Hunter überhaupt nicht überfordert. Er macht wirklich eine gute Arbeit und kommt nachvollziehbar rüber. Seine Rolle ist durchaus einem gewissen Klischee folgend, aber ich denke, Caleb Mir hat für den Anfang ausreichend Charakterisierung bekommen, womit Rosta arbeiten kann. Man muss abwarten, wie bzw. ob sich das im Lauf der Staffel weiterentwickelt.

Caleb Mir und Captain Ake schlagen ein neues Kapitel in ihren Leben auf.

Was die Darsteller angeht, darf Paul Giamatti natürlich nicht unerwähnt bleiben. Mit ihm habe ich schon einige Filme gesehen und ich mag ihn sehr. Vor allem in Rollen, wo er die Möglichkeit hat, richtig extrovertiert zu sein und Nus Braka ist definitiv so eine Rolle. Er lässt hier richtig die Sau – äh, ich meine: den Tellariten – heraus. Das hat mir sehr gut gefallen und ich hoffe, dass er noch einige Auftritte in der 1. Staffel haben wird.

Nus Braka ist halb Tellarit, halb Klingone und ein Pirat der Venari Ral.

Produktionstechnisch sieht „Starfleet Academy“ wirklich hochwertig aus. Die Größe des Atriums ist schon sehr beeindruckend und die Brücke der Athena hat eine klassische Aufteilung. Was das Design selbst angeht, bin ich nicht so sehr der Fan des Hochglanzdesigns des 32. Jahrhunderts. Der Futurismus stößt in dieser Richtung an seine Grenzen und unterscheidet sich z.B. nicht besonders von „Strange New Worlds“. Ich hätte mir designtechnisch lieber etwas ganz Ungewöhnliches gewünscht anstatt ganz aufs Motto „Die Zukunft glänzt“ zu setzen. Aber man merkt schon, dass viel Mühe reingesteckt wurde und die Sets sind sehr übersichtlich, sodass man sofort weiß, wo man sich befindet. Und à propos „Ungewöhnliches“: Zumindest der Umstand, dass die Akademie in Form der Athena mobil ist, entspricht dieser Vorstellung schon sehr gut. (Und nebenbei erspart es praktischerweise die Produktionskosten der Serie, da man die gleichen Sets für die Szenen im All und in San Francisco verwenden kann und nur ändern muss, was vor die Fenster projiziert wird.)

Das Atrium ist das größte je für Star Trek gebaute Set und füllt eine Halle größer als ein Fußballfeld.

Als Science-Fiction-Serie spielen bei „Starfleet Academy“ natürlich auch die visuellen Effekte eine Rolle. Hier kann ich auch nichts Negatives sagen. „Discovery“ hatte einst einen etwas holprigen Beginn, aber in den vergangen 9 Jahren hat sich viel getan und inzwischen sind die Star Trek-Produktionen in Sachen Effekte auf einem sehr guten Level. Die Shuttle-Sequenz am Beginn dieser Folge war sehr dynamisch und hochwertig und auch die Aufnahmen der Athena – besonders wie sie am Ende in San Francisco landet. Wie bei den Effekten schließt man auch beim Set-Design stilistisch an das in „Discovery“ etablierte 32. Jahrhundert an. Das Design der USS Athena passt dazu, aber ich bin persönlich kein großer Fan der Schiffsdesigns dieser Ära mit den vom Rumpf losgelösten Warp-Gondeln. Aber zumindest was die Hüllentextur angeht, hebt sich die Athena von dem bisher langweiligen Stil der Sternenflotte des 32. Jahrhunderts ab.

Bemerkenswert ist, dass die Serie das volle 16:9-Bildformat nutzt. Abgesehen von der Animationsserie „Lower Decks“ verwenden alle anderen Star Trek-Serien der Streaming-Ära ein „cinematisches“ Breitbildformat (2.00:1 oder 2.40:1). Bislang war „Enterprise“ Anfang des Jahrtausends die einzige Star Trek-Live-Action-Serie, die das 16:9-Bild voll ausgefüllt hat (davor war 4:3 der Standard). Das mag speziell bei den Effektszenen zur Übersichtlichkeit beitragen und allgemein passt es ein wenig zum „altmodischen“ Stil dieses Pilotfilms.

Die musikalische Untermalung der Auftaktfolge durch Jeff Russo ist sehr solide; nichts Ungewöhnliches. Ein musikalischer Gänsehautmoment des Films ist aber auf jeden Fall der Anflug der Athena auf San Francisco, der vom 1967er-Song „San Francisco“ – interpretiert von Rufus Wainwright – begleitet wird. Ein wirklich schöner Moment. (Anmerkung: Die Pilotfolge hat nur eine kurze Titeleinblendung; ein langes Intro gibt es erst ab Folge 2 und hierzu muss ich sagen, dass Jeff Russo mit einem uninspirierten Medley nicht zusammenpassender Melodien ganz schön daneben gegriffen hat. Aber „Kids von heute“ ist wie erwähnt nicht davon betroffen.)

„If you’re going to San Francisco Be sure to wear some flowers in your hair …“

Bewertung: Die Handlung dieses Serienauftakt folgt wahrlich einer oft genutzten Blaupause für Pilotfilme. Große Risiken geht sie somit nicht ein und kann auch nicht sonderlich überraschen. Man bekommt den Ausgang, den man erwartet. Aber garniert wird die Story durch die Vorgeschichte von Caleb und Captain Ake und wie sich diese Beziehung nach 15 Jahren neu und wesentlich besser entwickelt. Holly Hunter trägt wirklich einen großen Teil dazu bei, dass man den Serienauftakt als gelungen bezeichnen kann. Aber auch die jungen Darsteller machen eine gute Arbeit. Bei einigen muss man mit der endgültigen Beurteilung noch abwarten, bis sie mehr im Mittelpunkt stehen, aber Sandro Rosta überzeugt schon mal.

Eine handwerklich sehr solide Inszenierung, eine durchschnittliche Handlung und gute Schauspielerleistungen zumindest beim Erstkontakt mit diesen Charakteren ergeben für mich gute 4 von 6 Punkte.

Die Poster am Beginn des Reviews stammen von Trekcore.com. Die Episodenbilder stammen von Cygnus-x1.net.

Rezension: „The Secret of Secrets“

Nach 9 Jahren schickt Autor Dan Brown seinen Helden Robert Langdon in ein neues, temporeiches Thriller-Abenteuer. Diesmal spielt sich die Geschichte in Prag ab.

In der tschechischen Hauptstadt weilt der Historiker mit Schwerpunkt Symbologie aber nicht, weil er selbst einen Vortrag hält. Nein, diesmal ist es seine Freundin, die im Mittelpunkt steht: Katherine Solomon (vorgestellt in „Das verlorene Symbol“) hält dort einen Vortrag über ihr eigenes Forschungsgebiet, die Noetik. Schon bald will sie ein eigenes Sachbuch zu dem Thema der Bewusstseinsforschung herausbringen und just während sie in Prag verweilt, erteilt sie ihrem Lektor – vermittelt über Robert Langdon – die Freigabe zur Überarbeitung des Manuskripts. Damit setzt sie aber eine Reihe von Vorkommnissen in Bewegung, die alle das Ziel zu verfolgen scheinen, die Veröffentlichung des Buches zu verhindern: eine Cyberattacke auf den Verlag, die Entführung des Lektors, das unerklärliche Verschwinden von Katherine Solomon – und der Fund einer Leiche an ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort. Und plötzlich sieht sich Robert Langdon von den tschechischen Behörden verdächtigt und verunsichert, was die Rolle der amerikanischen Botschaft angeht.

Somit ist Langdon wieder einmal auf sich allein gestellt im Bestreben, seine Freundin und den Grund zu finden, welche brisante Information das Sachbuch beinhaltet, dessen Veröffentlichung von noch unbekannter Seite verhindert werden soll. Erschwert wird das ganze durch die Aktivitäten einer mysteriösen Gestalt, die sich selbst als Verkörperung des Golems aus der Prager Legende sieht.

Fazit: Wie von Dan Brown gewohnt lebt auch „The Secret of Secrets“ von vielen kleinen Wendungen, Überraschungen und Cliffhangern zwischen den Kapiteln und einem Mysterium, dessen Aufklärung lange im Dunkeln bleibt. Daher will ich in meiner Rezension nicht allzu sehr ins Detail gehen, aber insgesamt kann ich sagen, dass mir der Roman ziemlich gut gefallen hat. Wesentlich besser als „Origin“ und auch besser als der Roman „Das verlorene Symbol“, der die Noetik ja auch schon thematisiert, aber eher abstrakt behandelt hat.

In „The Secret of Secrets“ steht Katherine Solomons Forschung diesmal im Mittelpunkt und wird betreffend die Theorie eines dezentralen Bewusstseins auch sehr konkret. Ehrlich gesagt: Überzeugt hat es mich nicht. Ihre vielen Metaphern, um die Theorie zu untermauern, enden eigentlich immer in dem Moment, wenn man eigentlich ein „Ja, aber …“ einwerfen müsste um auf die Unvollständigkeit hinzuweisen. Und die Theorie fußt darauf, verschiedenste Ausnahmen von Bewusstseinszuständen zu verknüpfen, ignoriert aber den „Normalzustand“ meiner Meinung nach völlig. Und vielleicht liegt es an einer Übersensibilisierung durch die vergangenen Jahre, aber ihre Argumentationstechnik erinnert mich auf unbehagliche Weise an jene von Verschwörungstheoretikern.

Als Gedankenexperiment ist das Thema immerhin ganz interessant und was am wichtigsten für den Roman ist: Es wird auf eine Weise eingesetzt, die zu Spekulationen anregt und dadurch die Spannung darauf hebt, was hinter den Versuchen steckt, die Veröffentlichung des Sachbuchs zu verhindern.

Zum Glück kommt aber auch Robert Langdons Fachgebiet nicht zu kurz, was dem Schauplatz Prag zu verdanken ist. Ich war noch nie dort, aber es scheint eine sehr schöne Stadt zu sein und über die historische k.u.k.-Monarchie-Verbindung fühlt sich die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten für mich als Österreicher sehr vertraut an. In Langdons kulturhistorischen Erläuterungen finden viele mir bekannte Namen und Orte Erwähnung, weshalb sich Prag durch die Beschreibungen im Roman für mich sehr vertraut anfühlt. Dazu kommt auch noch die Golem-Legende, die mir auch bereits bekannt war und interessant in die Handlung eingewoben wurde bis hin zu einer richtig großen Offenbarung. Die hatte mich wirklich kalt erwischt und ich würde sie von der Effektivität her beinahe mit der „Einsatzleiter-Offenbarung“ in Dan Browns Roman „Meteor“ vergleichen. Im Endeffekt hatte die Offenbarung in „The Secret of Secrets“ aber am Ende keine allzu großen Relevanz für die Handlung. Dennoch war sie vom plötzlichen Effekt her gelungen.

Was mir nicht so gut gefallen hat, war ein gewisser Schwenk des Handlungsschwerpunkts ab der Mitte des Romans. Dort werden einige Handlungsstränge beendet, die später keine oder kaum noch Relevanz haben und dann erinnert die Geschichte für meinen Geschmack etwas zu sehr an James Bond, wie er in den geheimen und opulenten Stützpunkt eines größenwahnsinnigen Superschurken eindringt. Übertreibung gehört zu einem Dan Brown-Roman dazu, aber hier war es für mich zu viel des Guten. Ebenfalls zu bemängeln ist der Superschurken-Plan, der viele Teile aus dem zuvor erläuterten Themenbereich der Noetik aufnimmt, aber das, was diese Teile miteinander verbindet um den Plan funktionieren zu lassen, nur in einem einzigen Satz nebenbei erwähnt. Dan Brown hat wohl gehofft, dass er damit durchkommt, aber die Erwähnung war so beiläufig, dass sie wirklich hervorsticht, weil Brown ja sehr gerne ausführliche Erklärungen anbietet, die möglichst fundiert klingen sollen, aber gerade hier gar nicht vertiefend darauf eingehen mag. Hier hat er wohl erkannt, dass er diese eine Sache einfach voraussetzen muss, damit sie Sinn ergibt.

Bewertung: Um Spoiler zu vermeiden, fällt meine Rezension relativ kryptisch aus, aber ich hoffe, ich konnte doch vermitteln, dass „The Secret of Secrets“ für mich ein sehr unterhaltsamer Roman war. „Illuminati“, „Sakrileg“, „Inferno“ und „Meteor“ sind meiner Meinung nach in Sachen Spannung noch mindestens ein Level höher anzusiedeln, aber „The Secret of Secrets“ bietet über weite Strecken gute Thriller-Unterhaltung und ist dank Robert Langdons Perspektive auch in Sachen Historie der Schauplätze eine gewohnt interessante Lektüre. Daher vergebe ich 4 von 6 Sterne.

Rezension: Comic – „Asterix in Lusitanien“

Auch nachdem Texter Fabrice „Fabcaro“ Caro auf Jean-Yves Ferri folgte, behält man das gewohnte Muster bei Asterix-Bände bei und lässt auf eine Geschichte im Gallier-Dorf ein Reiseabenteuer folgen. Diesmal begeben sich die Gallier Asterix und Obelix in die römische Provinz Lusitanien, was in etwa dem heutigen Portugal entspricht. 

Lusitanier haben wir bereits in „Die Trabantenstadt“ gesehen und eröffnet wird der neue Comic, indem wir einen der damaligen Sklaven – Schnurres – wiedersehen. Dieser reist auf der Handelsgaleere von Epidemais an, um die tapferen Gallier, die er einst selbst in Aktion gesehen hat, um Hilfe zu bitten: Sein bester Freund – Schãoprozes – ist ein bekannter Hersteller von Garum (einem Sud aus vergorenem Fisch, der das Standardgewürz in der antiken römischen Küche war), das von Julius Cäsar besonders geschätzt wird. In den für Cäsar bestimmten Amphoren wurde nun allerdings Gift gefunden und Schãoprozes eingesperrt und zum Tod in der Arena verurteilt, doch Schnurres ist von der Unschuld seines Freundes überzeugt. Häuptling Majestix entsendet daraufhin seine beiden besten Krieger nach Lusitanien, um Schãoprozes zu helfen. 

In Olisipo (Lissabon) ist derweil die Verschwörung weiter im Gange, die Schãoprozes ins Gefängnis gebracht hat und das Ziel verfolgt, den römischen Präfekten von Lusitanien wieder zurück nach Rom zu bringen, von wo er den Sturz Cäsars vorantreiben will. 

Fazit: Anders als die Dorfgeschichten neigen viele Reiseabenteuer nach einen bestimmten Schema abzulaufen, das auch in „Asterix in Lusitanien“ zu finden ist. Man kommt einem Freund in einem fernen Land zu Hilfe und wird dabei mit Klischees dieses Landes konfrontiert (oft aus der Gegenwart in die Vergangenheit projiziert). Diesmal ist das Problem aber: Allzu viele Klischees oder kulturelle Besonderheiten sind zu den Portugiesen nicht bekannt und so wird das Wenige oft wiederholt und breitgetreten. 

Man könnte sagen, dieses Panel stünde stellvertretend für die eingeschränkte Themenvielfalt, die Lusitanien zu bieten hat.

Die am vordergründigsten thematisierte Eigenschaft der Lusitaner/Portugiesen ist die für sie offenbar typische nostalgische Melancholie („Saudade“), die die Lusitaner wohl am stärksten von den Spaniern unterscheidet. Hier erfüllt der Band jedenfalls einen Bildungsauftrag, denn bislang war mir dieses typisch portugiesische Konzept völlig unbekannt. Aber es ist auch eine solide Basis für den Humor in diesem Band, denn Asterix und Obelix gehen hier undercover und verkleiden und stylen sich wie Lusitaner und Obelix schafft es mit „positiv-melancholischen“ Satzkonstruktionen annähernd dieses Konzept auf lustige Weise zu immitieren.

Die Geschichte an sich ist sehr geradlinig erzählt. Als Leser läuft man nie Gefahr, die Übersicht über das Geschehen zu verlieren. Ein Hauch mehr Komplexität hätte aber den Unterhaltungswert durchaus steigern können und hat auch früheren Asterix-Geschichten nicht geschadet. Aber so bleibt „Asterix in Lusitanien“ sehr dem bekannten Reiseschema treu bis hin zur finalen Klopperei mit den Römern. Diese ist ein Beispiel für etwas, das man erwartet, aber tatsächlich die Geschichte gar nicht hergibt. Sie wirkt eher wie ein Punkt auf der To-Do-Liste, der noch abgehakt werden musste. 

Wenngleich die Handlung nicht komplex war, so war das Lesen doch manchmal eine Herausforderung. In den Sprechblasen wird bei den Lusitanern aus einem „au“ grundsätzlich ein „ão“ und die Umlaute bekommen einen Zirkumflex-Akzent (^) aufgesetzt. Bei diesen beiden Varianten bin ich doch immer wieder im Lesefluss hängen geblieben. Ja, zu einem gewissen Umfang gehören solche Sprachstilisierungen bei den Asterix-Comics dazu, und dass aus „z“ ein „ç“ wird, hat mich z.B. an keiner Stelle gestört. Aber ich denke, bei der Übersetzung ins Deutsche wäre es diesmal gut gewesen, sich zumindest gegen das „ão“ zu entscheiden. Aber diese Kritik betrifft ausschließlich die deutsche Version des Comics, da ich das französische Original nicht kenne. Auch was die Benennung von Personen im Deutschen angeht, wirkte diese einmal mehr sehr plakativ. Die Namen sind schon seit längerer Zeit nicht mehr besonders subtil. Ich finde, da hat man früher bessere Lösungen gefunden. 

Um auch die Zeichnungen zu erwähnen: Hier gibt es natürlich an Didier Conrads Zeichnungen und der Kolorierung von Thierry Mebarki einmal mehr gar nichts auszusetzen. Conrad setzt Albert Uderzos Stil einmal mehr hervorragend fort. Am besten vergleicht man einfach Schnurres in „Die Trabantenstadt“ mit Schnurres in diesem Band und wird keinen stilistischen Unterschied entdecken und damit hat man auch schon die Vorlage für die Gesamtheit der lusitanischen Bevölkerung. 

Bewertung: Meine Rezension klingt tendenziell eher negativ, aber ich will auch festhalten, dass der Comic mich insgesamt gut unterhalten hat. In der mit Ferri/Conrad 2013 gestarteten und mit Fabcaro fortgesetzten neuen Ära der Asterix-Comics gab es meiner Meinung nach tatsächlich noch keinen schlechten Band, lediglich „Asterix in Italien“ fand ich ziemlich mittelmäßig und „Asterix in Lusitanien“ würde ich doch darüber platzieren, weshalb ich knapp 4 von 6 Sterne vergebe. Band 41 ist weit weg davon eine originelle Geschichte zu erzählen und kann auch nicht mit einem großen Highlight der Reihe auftrumpfen, ist aber konstant von Anfang bis Ende zwar vorhersehbar, aber mit Humor gespickt, der bei mir gut funktioniert hat. 

 

Rezension: „Up Country”

Leser meines Blogs ahnen aufgrund meiner Rezensionen zu „Jack Reacher“-Romanen vielleicht, dass ich Krimis im Militärmilieu durchaus einiges abgewinnen kann. Aber auch lange bevor ich den ersten Roman las, der während Reachers aktiver Dienstzeit angesiedelt war, mochte ich solche Art von Geschichten. U.a. mag ich die Serie „JAG – Im Auftrag der Ehre“ sehr und zu meinen Lieblingsfilmen zählt „Wehrlos – Die Tochter des Generals“. Dieser Film aus dem Jahr 1999 mit u.a. John Travolta, Madeleine Stowe und James Cromwell basierte auf einem Roman von Nelson DeMille und als ich kürzlich rausgefunden habe, dass der Autor einen weiteren Roman über seinen Army-Ermittler Paul Brenner geschrieben hat, habe ich beschlossen, „Up Country“ zu lesen. Wie sich herausstellte, ist „Up Country“ eine ganz andere Art von Roman, als ich es erwartet hatte, aber dennoch eine sehr lesenswerte Lektüre.

Nach dem Skandal rund um die Ermordung von General Campells Tochter wurde dem Ermittler Paul Brenner recht eindrücklich nahgelegt, in den Frühruhestand zu treten. Dort hat es sich Brenner einigermaßen gemütlich gemacht, allerdings macht ihn die Natur der Fernbeziehung zu seiner Freundin Cynthia zu schaffen, die immer noch im Dienst der Army-Ermittlungsbehörde steht und daher ständig auf Reisen ist. Unverhofft wird Paul von seinem früheren Vorgesetzten zu einem Treffen geladen, bei dem Brenner darum gebeten wird, als Zivilist in geheimer Mission nach Vietnam zu reisen. Dort soll er einen Mann – einen ehemaligen nordvietnamesischen Soldaten – ausfindig machen, der vor 30 Jahren einen Brief an seinen Bruder geschrieben hat, in dem er davon erzählt, einen amerikanischen Army-Captain beobachtet zu haben, wie dieser kaltblütig einen ihm untergebenen Lieutenant erschossen hat. Mehr Kontext gibt der Brief, der einst als Kriegsbeute eines amerikanischen Soldaten in die USA kam aber erst kürzlich übersetzt wurde, nicht her.

Paul soll nun als Tourist nach Vietnam reisen und vorgeben, ein Soldat zu sein, der seine früheren Schlachtfelder besucht und seinen Frieden mit dem Land schließen will, in dem er so viel Schlimmes erlebt hat. In Wahrheit soll er sich aber das kommende vietnamesische Neujahrsfest zunutze machen, um sich von Süden aus nach Norden in jenes Dorf zu begeben, woher der Briefverfasser stammt, da es zu den Feiertagen traditionell üblich ist, in die Heimat zurückzukehren. Sollte der Verfasser noch leben, soll Paul in ausfindig machen, befragen und wenn möglich die Identität von Mörder und Opfer bestätigen. Unterschwellig vernimmt Paul Brenner aber auch die Genehmigung, im Fall des Falles „extremere Mittel“ anzuwenden, um zu verhindern, dass die gewonnene Informationen einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Von Anfang an ist Brenner sich daher sicher, dass ihm einige wichtige Informationen vorenthalten werden. Dennoch begibt er sich nach Ho-Chi-Minh-Stadt bzw. Saigon, um sich von dort aus nach Norden zu begeben. Begleitet wird er dabei von einer amerikanischen Geschäftsfrau, die vorgibt, nur als Kommunikationsbindeglied zwischen ihm und dem örtlichen Konsulat zu dienen, doch immer mehr beschleichen Paul auch Zweifel, was die wahre Identität von Susan Weber angeht …

Fazit: „Up Country“ erzählt keine typische Krimigeschichte – der Mord, in dem Paul ermittelt, liegt schon drei Jahrzehnte zurück und nicht nur Täter als auch Opfer sind ihm unbekannt. Mit kaum Informationen in der Hand hangelt er sich voran und kann nur Mutmaßungen aufstellen – hauptsächlich anhand der Beobachtung seiner Reisebegleitung, die stets einen Vorwand findet, um Paul von Etappe zu Etappe seiner Reise zu folgen – und selbst dabei romantisches Interesse an Paul vorgibt. In Kombination mit Pauls eigener unklarer Beziehungssituation bringt ihn dies in eine schwierige Lage, was die Einschätzung von Susans Loyalität und Vertrauenswürdigkeit angeht. Ein weit weniger angenehmer Reisebegleiter ist der vietnamesische Colonel Mang, der beginnend mit Pauls Ankunft am Flughafen in Ho-Chi-Minh-Stadt den Amerikaner verdächtigt, nicht nur als Tourist im Land zu sein, Paul unter Beobachtung stellt und seine Wege mehr als einmal kreuzt.

Und auch wenn Mang mit seinem Verdacht durchaus recht hat, entwickelt sich die Reise von Paul durch das Land aus durchaus interessant und sogar zu einem gewissen Grad therapeutisch. Jedenfalls wird der Reise in diesem 700 Seiten langen Roman sehr viel Platz eingeräumt. Paul besucht all seine Einsatzorte und Susan als Reisebegleiterin, der er von der damaligen Zeit erzählen kann, nimmt hierbei eine durchaus hilfreiche Rolle ein. Allen voran ist „Up Country“ daher ein Road-Trip und für jemanden, der mit dem Vietnam-Krieg in groben Zügen aber nicht allzu detailliert vertraut ist, auch eine sehr interessante Geschichtslektion, die auch sehr ausgewogen wirkt. Ja, Paul Brenner wirkt oft stur, dann aber auch wieder einsichtig und die verschiedenen Perspektiven im Krieg zu berücksichtigten.

Paul Brenner als Charakter mit seinen Kommentaren ist allgemein höchst unterhaltsam. Da ich den vorherigen Roman – die Vorlage zu „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ – nicht gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob Nelson DeMille Brenner in diesem Roman vielleicht etwas an John Travoltas Darstellung angepasst hat. Entweder das, oder Travolta hat den Charakter im Film wirklich hervorragend verinnerlicht. Brenner durch Vietnam zu folgen, macht wirklich viel Freude. Obwohl eigentlich gar nicht so viel im Roman passiert, ist DeMilles Schreibstil aus Brenners Perspektive höchst unterhaltsam und flüssig zu lesen. Für die 700 Seiten habe ich natürlich eine Weile gebraucht, aber meine tägliche abendliche Lesestunde habe ich bei diesem Roman doch sehr oft überzogen, weil ich das Erzählte sehr interessant fand.

Am Ende des Romans kann man wohl festhalten, dass der Weg das Ziel ist. Ich will den Ausgang natürlich nicht verraten, aber für meinen Geschmack blieb etwas zu viel offen. Mich hätten die Konsequenzen von Pauls Entdeckung und den Erkenntnissen, die er präsentiert, schon sehr interessiert. Ebenfalls sein Beziehungschaos bleibt ungeklärt. Zumindest auf einer dieser Fronten hätte ich mir am Schluss Klarheit gewünscht.

Bewertung: Ich gebe dem Roman 5 von 6 Sterne und die Höchstwertung vergebe ich nur aufgrund des relativ offenen Schlusses nicht. Aber insgesamt hat mich der lange Roman über ein Monat lang sehr gut unterhalten, er war lehrreich und Pauls Brenners ironisch-lakonische Art hat mir viel Spaß gemacht. Ich werde irgendwann sicher auch mal die Romanvorlage zu „Wehrlos – Die Tochter des Generals“ lesen und finde es schade, dass Nelson DeMille keine weiteren Romane mit dem Charakter Paul Brenner im Mittelpunkt verfasst hat.

Anmerkung: „Up Country“ ist offenbar im Jahr 2002 auf Deutsch unter dem Titel „Die Mission“ veröffentlicht worden. Das deutsche Buch scheint aber nur noch antiquarisch erhältlich zu sein.

Bewegte Bilder

Im Rahmen der New Yorker Comic Con wurden dieser Clips aus der 4. „Strange New Worlds“-Staffel sowie der Trailer zu „Starfleet Academy“ veröffentlicht. Zu „Starfleet Academy“ ist auch schon das Erscheinungsdatum bekannt: Am 15. Januar 2026 startet die Serie mit 2 Episoden und die restlichen 8 folgen im Wochenabstand.

Hier noch der Teaser-Trailer, der vor einigen Monate erschienen ist:

Rezension: TOS – “Feuersturm“

Dieser Roman zur klassischen Star Trek-Serie aus dem Jahr 1994 stammt vom Autorinnenduo L.A. Graf (Julia Ecklar und Karen Rose Cercone) und ist eine Fortsetzung der TOS-Episode „Brautschiff Enterprise“, in der die Enterprise Elaan, die Dolman von Elas, nach Troyius transportierte, um widerwillig den dortigen Herrscher zu ehelichen, um die beiden Völker im Tellun-System zu vereinen.

Einige Jahre später (nach den Ereignisse von „Star Trek – Der Film“) bekommen es Captain Kirk und seine Crew erneut mit Elasianern zu tun und dies völlig unerwartet: Auf dem unbewohnten Planeten Rakatan, der sich weit entfernt vom Tellun-System befindet, haben Elasianer am Hang des größten bekannten Vulkans der Galaxis – Mons Rakatan – eine Bergbauoperation errichtet, die mit den Forschungen der Wissenschaftler interferiert, die von einer Mondstation aus die Vulkane auf Rakatan studieren.

Angeführt werden die Elasianer von Elaans Nachfolgerin Israi. Elaan ist vor kurzem verstorben und damit sind auch die Beziehungen zwischen Elasianern und Troyusen in die Brüche gegangen. Israi ist – wie anfangs Elaan – eine sehr schwierige Persönlichkeit, weshalb Captain Kirk entscheidet, Lieutenant Uhura als Anführerin eines Landetrupps (zusammen mit Sulu und Chekov) zu den matriachalisch organisierten Elasianern zu schicken, um herauszufinden, welche Ziele die Elasianer mit ihrer Bergbautätigkeit verfolgen und wie die Elasianer überhaupt nach Rakatan gekommen sind.

Auf dem Planeten muss der Landetrupp feststellen, dass Mons Rakatan unmittelbar vor einem großen Ausbruch steht, wovon es Dolman Israi zu überzeugen gilt, die aber auch von innenpolitischen Sorgen gequält wird, als deren Thronfolgerin mit einer Armada bei Rakatan auftaucht – und zwar an Bord eines klingonischen Schlachtkreuzers …

Fazit: Recht früh wird klar, dass natürlich alles auf den Vulkanausbruch hinsteuert und der ist eigentlich ganz gut verknüpft mit dem Bedrohungsszenario im Orbit. Die politische Intrige und die Naturkatastrophe ergänzen sich eigentlich gut und das „Schlachtfeld“ ist aufgeteilt mit Schauplätzen auf dem Planeten, im Orbit und auf dem Mond von Rakatan. Der Ablauf der Geschehnisse und die Eskalation sind recht gut beschrieben und das Duo L.A. Graf kenne ich bereits von anderen Romanen, in denen die Autorinnen spannende Action-Sequenzen ebenfalls sehr gut umgesetzt haben. In „Feuersturm“ sind aber meiner Meinung nach ein paar Fragen offen geblieben, die sich rund um die Bergbauoperation drehen.

Im Lauf der Geschichte wird festgestellt, dass die Elasianer Dilithium abbauen wollen und zwar in einem sehr schwierigen Verfahren. Das wirft einige Fragen auf. Ob das Bergbauverfahren zum Ausbruch des Vulkans beiträgt, wird besten falls vage angedeutet. Und warum der Aufwand so weit entfernt von Elas betrieben wird, ist auch ungewiss, zumal die Folge „Brautschiff Enterprise“ ja festgelegt hat, dass auf Troyius Dilithium massenhaft vorhanden ist und es einfacher gewesen wäre, das Bündnis von Elas mit Troyius nach Elaans Tod einfach zu erneuern. Durch gute Beziehungen zur Föderation hätte das vereinigte-Tellun-System auch einen Abnehmer für das Dilithium gehabt und müsste sich nicht an den Bedürfnissen der Klingonen orientieren.

Was aber zu berücksichtigen ist: Israi ist noch sehr jung und dass sie noch keine manipulativen Tränen weinen kann, setzt sie innerhalb der elasianischen Gesellschaft – trotz ihres legitimen Herrschaftsanspruchs – herab. Das war jedenfalls ein interessanter Aspekt der elasianischen Politik, aber für eine bessere Einordnung der Geschehnisse hätte ich gerne noch mehr darüber erfahren, wie die politischen Systeme auf Troyius und Elas funktionieren. Man ist als Leser gezwungen, einiges einfach zu akzeptieren.

Da ich den Roman auf Deutsch gelesen habe, ist mir eine Abweichung zur Übersetzung in der Serie bzw. den TOS-Filmen aufgefallen: Uhura, Sulu und Chekov duzen sich die ganze Zeit über. Das mag schon Sinn ergeben; sie haben jedenfalls eine freundschaftliche Beziehung zueinander und sind rangmäßig auf einer Ebene. Aber die deutschen Übersetzungen für die Synchronisation der Star Trek-Serien war immer schon ein wenig konservativ, was das Duzen angeht. Bei den TOS-Charakteren waren eigentlich nur Kirk und McCoy regelmäßig per du. Chekov und Sulu waren im 5. Star Trek-Kinofilm per du, aber nicht mit Uhura. An eine so starke Abweichung bei der Verwendung der Du-Form kann ich mich bei den Star Trek-Romanen, die beim Heyne-Verlag erschienen sind, eigentlich nicht erinnern; allerdings lese ich diese Romane inzwischen selten, insofern kann es sein, dass ich das falsch in Erinnerung habe. Aber jedenfalls fand ich das Duzen von Uhura, Sulu und Chekov in „Feuersturm“ immer wieder mal etwas ablenkend.

Bewertung: Mit fehlten ein paar Hintergrundinformationen, um die Handlung an verschiedenen Stellen des Romans einordnen zu können. Aber grundsätzlich fand ich den Roman unterhaltsam geschrieben. Israi erinnert sehr stark an die frühe Elaan und ihre Interaktion mit „Dolman Uhura“ war manchmal schon sehr amüsant. Das üblicherweise im Mittelpunkt von TOS stehende Trio Kirk, Spock und McCoy agieren in „Feuersturm“ mehr im Hintergrund, wodurch der Fokus auf Uhura, Sulu und Chekov lag, was auch eine schöne Abwechslung war – aber von der deutschen Übersetzung etwas beeinträchtigt wird. Alle in allem gebe ich dem Roman 4 von 6 Sterne.

Rezension: DS9 – “I, the Constable“

Den Relaunch der Romanreihe zur Serie „Deep Space Nine“ habe ich einst relativ früh nach wenigen Büchen abgebrochen, aber an diese kurze eBook-exklusive Geschichte habe ich mich doch ran gewagt. Ich hatte einfach Lust auf eine kleines Krimirätsel mit Odo als Ermittler und dem Duo Odo/Quark.

Die Geschichte ist einige Jahre nach dem Ende der Serie angesiedelt und einige große Dinge sind in den Romanen seither passiert – allen voran, dass es eine neue DS9-Raumstation gibt und dass Odo aus der Großen Verbindung zurückgekehrt. Der Wechselbalg, der einst Sicherheitschef auf der Station war, ist in diplomatischer Mission auf der Station, aber da die Mühlen der Bürokratie auch in der Zukunft langsam mahlen, hat er einiges an Freizeit. Während er wartet, bekommt er mit, dass Frin, ein Onkel von Quark und dessen Bruder Rom, verstorben ist. Aufgrund jüngster Reformen, die Rom in seiner Rolle als Nagus vorgenommen hat, sind nun Ehefrauen erbberechtigt. Und von denen hatte Frin gleich drei, auf die nun die Inhaberschaft von Frins Gastronomie-Imperium übergeht. Eine Tatsache, die Barbesitzer Quark natürlich wurmt, wüsste er doch selbst einiges mit Frins Lokalen anzufangen. Also bricht er nach Ferenginar auf, um mit seinen drei Tanten über deren Erbe zu verhandeln.

Einige Tage später erhält man auf Deep Space 9 die Nachricht, dass Quark spurlos verschwunden ist und Captain Ro Laren überredet Odo dazu, Quark nach Ferenginar zu folgen und seinen Spuren zu folgen. Also wechselt Odo wieder in die Uniform des Constables und beginnt seine detektivischen Nachforschungen …

Fazit: Das Cover des eBooks täuscht ein wenig – Trenchcoat und Fedora trägt Odo in diesem Roman nie. Aber die Autoren bringen einen gewissen Noir-Krimi-Stil hinein, indem sie Odo zwischen den Kapitel immer wieder Briefe an Kira schreiben lassen, anstelle von inneren Monologen, in denen ein Detektiv in diesem Genre gewöhnlich seine Fortschritte dokumentiert und seine Gedanken dazu äußert. In der Serie gab es so etwas eigentlich nur in der Staffel-2-Folge „Die Ermittlung“/“Necessary Evil“ in Form von Logbucheinträgen (die Odo sehr widerwillig aufzeichnet).

Die Dialoge zwischen Odo und Quark und Quark und Rom wirken sehr stimmig, ganz im Stil der Serie. Ob das in Ordnung ist angesichts dessen, was in den vorherigen Relaunch-Romanen geschehen ist, kann ich nicht beurteilen, aber für diese Art für sich stehende Story fand ich es gut, dass sich die Charaktere nicht sehr von der Serie unterscheiden. Schwierig einzuschätzen für mich ist natürlich der Große Nagus Rom. Wir bekamen ihn in der 4. Staffel von „Lower Decks“ zu sehen, aber die meiste Zeit von ihm bewusst „out-of-character“ dargestellt. Dieser Roman mixt die bekannte Interaktion der Brüder mit Rom-typischer Naivität und neuer Souveränität, die er als Staatsoberhaupt der Ferengi-Allianz zwangsläufig ausstrahlen muss. Eine komplizierte Sache, aber da Rom nicht der Hauptcharakter der Geschichte ist, stört das nicht besonders; die Geschichte will ja keine Charkaterstory sein.

Eine Detektivgeschichte ist „I, the Constable“ aber auch nur in der ersten Hälfte. Dann wandelt sich die Geschichte mehr in Richtung Mafia-Film. Mafiose Abläufe sind bei den Ferengi durchaus etabliert, aber die Autoren haben hier vielleicht ein bisschen übertrieben. Die etablierten Ferengi-Geschäftspraktiken hätte man auch an diese Geschichte anlegen können, ohne so viele Mafia-Assoziationen einzubauen.

Ein Pluspunkt der Geschichte ist, dass wir mal aus der Hauptstadt Ferenginars rauskommen und ein guter Teil der Handlung in einer kälteren Region des Planeten stattfindet.

Bewertung: Der Roman war ganz unterhaltsam, die Charaktere – zumindest für jemanden, der sich hauptsächlich an der TV-Serie orientieren kann und nicht an den Relaunch-Romanen – fand ich gut getroffen. Für eine spannende Detektivstory hätte die Auflösung noch etwas länger auf sich warten lassen sollen; da die Erzählperspektive zwischendurch von Odo zum entführten Quark wechselt, ist man als Leser Odos Ermittlungen eine Weile lang voraus. Aber insgesamt war das eBook unterhaltsam, auch wenn der Handlungsverlauf es nicht möglich machte, mehr gemeinsame Szenen mit Odo und Quark einzubauen. Aber jene Szenen, die vorhanden sind, brachte für mich die richtige Stimmung rüber. Daher bekommt der Roman 4 von 6 Sterne.

Rezension: “Die Tribute von Panem L – Der Tag bricht an”

Nach der „Tribute von Panem“-Trilogie und dem Roman „Das Lied von Vogel und Schlange“ verfasste Suzanne Collins einen weiteren Roman zur dystopischen Nation Panem, in der 12 Distrikte einst im Krieg gegen das Kapitol unterlagen und seitdem jährlich Tribute zu den Hungerspielen entsenden müssen, die sich in einer Arena zwecks Unterhaltung der Kapitol-Bürger gegenseitig töten bis nur noch einer übrig ist. Die ursprüngliche Trilogie beschrieb die 74. und 75. Hungerspiele (und was inoffiziell als 76. Hungerspiele bezeichnet wurde). In „Das Lied von Vogel und Schlange“ ging es um die 10. Hungerspiele, die eine große Trendwende darstellte, wie die Hungerspiele inszeniert wurden. „Der Tag bricht an“ ist 40 Jahre später angesiedelt und beschreibt jene Spiele, aus denen Haymitch Abernathy als „Sieger“ hervorging.

Haymitch‘ Geburtstag fällt auf den jährlichen Tag der Ernte, an dem die Tribute ausgelost werden. Dies ist sein 16. Geburtstag und er macht sich keine Illusionen darüber, dass seine Chancen bei der Auslosung gut stünden – zumal anlässlich des Jubeljubiläums doppelt so viele Tribute wie sonst gezogen werden. Also genießt er wie jedes Jahr den Vormittag seines Geburtstags, verbringt ihn mit seiner Familie und seiner geliebten Lenore Dove. Als dann die Ernte stattfindet, ist Haymitch zuerst erleichtert, dass der Kelch an ihm vorüber geht. Doch als einer der männlichen Tribute einen Fluchtversucht startet – der für diesen tödlich endet – gerät Haymitch im folgenden Durcheinander mit einem Friedenswächter in Streit. Zur Strafe wird ein Zettel mit seinem Namen ganz oben in den Lostopf gelegt und bei der Ziehung eines Ersatztributs erwischt es Haymitch.

Zusammen mit den drei anderen Tributen aus Distrikt 12 wird er unzeremoniell ins Kapitol verfrachtet und von einem Termin zum anderen gekarrt. Aufmüpfig wie es für ihn typisch ist, eckt Haymitch dabei natürlich ordentlich an und auch wenn es dem Publikum zu gefallen scheint, zieht er sich doch den Ärger von Präsident Snow zu, weshalb Haymitch sich schon vor Beginn der eigentlichen Hungerspiele auf der Abschussliste der Spielmacher sieht. Da er sich keine Siegchance ausrechnet und unerwartete Verbündete findet, die darauf aus sind, die Hungerspiele in Form der Arena zu sabotieren, lässt sich Haymitch auf diese besondere Mission ein.

Fazit: „Das Lied von Vogel und Schlange“ hat mir als Prequel wesentlich besser gefallen (und tut dies retrospektiv in zunehmendem Ausmaß). Der Roman zur Vorgeschichte von Coriolanus Snow hat sich doch recht deutlich von den anderen Trilogie-Romanen unterschieden, obwohl es zumindest in der ersten Hälfte des Romans auch „nur“ um eine weitere Auflage der Hungerspiele ging. Aber der zeitliche Abstand war so groß, dass die 10. Hungerspiele doch sehr anders abliefen als man es aus der Trilogie kannte und mit Snow hatte man eine andere Perspektive auf die Geschehnisse als durch die Augen eines Tributs.

„Der Tag bricht an“ ist im Vergleich eine relativ „normale“ Erzählung der Hungerspiele. Die 50. Hungerspiele unterscheiden sich vom allgemeinen Ablauf nicht besonders von denen, an denen Katniss Everdeen teilgenommen hat. Suzanne Collins hat sich inhaltlich auch selbst ziemlich eingeschränkt, denn der Ablauf der 50. Hungerspiele wurde bereits im Roman „Gefährliche Liebe“ (Originaltitel „Catching Fire“) recht detailliert beschrieben in Form einer Zusammenfassung, die sich Katniss und Peeta zur Vorbereitung auf ihr eigenes Jubeljubiläum angesehen haben. Da Panem von Präsident Snow autoritär regiert wird, eröffnete sich für Collins natürlich die Möglichkeit, Dinge zu Haymitch‘ Jubeljubiläum hinzuzufügen, die das Kapitol ihren Bürgern vorenthalten würde.

So betrachtet war die Idee gar nicht mal so schlecht, Haymitch auf eine Nebenmission zu schicken und die Hungerspiele selbst zu bekämpfen. Seine Verbündeten sind daher hauptsächlich außerhalb statt innerhalb der Arena zu finden und hier hat Collins es wieder ein bisschen mit Anspielungen übertrieben. Der überwiegende Teil der Personen, denen Haymitch im Kapitol begegnet, kennen die Leser der Trilogie bereits. Es ist zwar ganz nett, sie dabei zu haben, aber es gab schon 49 Sieger: Dass man dem Distrikt 12 gleich zwei Mentoren aus anderen Distrikten zugewiesen hat und beide dem Leser schon bekannt sind und dass die Sabotage weiters vorangetrieben durch zwei weitere Charaktere wird, die die Fäden ziehen – das ist schon ziemlich viel. Als sehr nett wiederum empfand ich aber Haymitch‘ erste Begegnung mit Effie Trinket. Diese Interaktion ist sehr zurückhaltend und gerade deshalb funktioniert sie mit dem Vorwissen um spätere Entwicklungen sehr gut.

Mit den vielen Gastauftritten bekannter Charaktere oder deren Verwandten hatte ich aber gar kein so großes Problem. Hauptproblem für mich war, dass Haymitch‘ Nebenmission nicht funktioniert.

Die bekannte Beschreibung der 50. Hungerspiele hat eigentlich schon vorweggenommen, dass Haymitch‘ Erfolg überschaubar bleiben würde und das war er schlussendlich auch. Man hatte nie das Gefühl, dass nach dem Sabotageakt die Arena großartig außer Kontrolle geraten wäre. Es hätte mir besser gefallen, wenn der Schuss nach hinten losgegangen wäre und die Arena durch Fehlfunktionen gefährlicher geworden wäre als zuvor. Das hätte die Tragödie vergrößert. Und das Finale lief dann wirklich genau so ab, wie in „Gefährliche Liebe“ beschrieben. Leider hatte ich den Ausgang, wie Haymitch den letzten Gegner besiegte, noch gut in Erinnerung. Und auch bei Haymitch‘ Rückkehr ins Distrikt 12 hält sich die Überraschung in Grenzen. Am Ende tritt genau der Worst-Case ein, den sich Haymitch vorgestellt hat. Begleitet von – für meinen Geschmack – zu viel Poesie.

Bewertung: Solide 3 von 6 Sterne sind noch drinnen. Es mag wie eine gutes Konzept geklungen haben, Haymitch‘ Vorgeschichte zu erzählen. Aber anders als bei der Vorgeschichte zu Coriolanus Snow fehlt dem Roman das Alleinstellungsmerkmal, dass man etwas Neues erzählt bekommt. Die Welt, in der der jungen Coriolanus Snow lebte, war noch nicht besonders ausformuliert und bot erzählerisch mehr Möglichkeiten. Die Nebenmission hätte Haymitch‘ Vorgeschichte ebenfalls diese Möglichkeiten geben können, aber Collins hat leider nur die Lücken zwischen dem, was schon bekannt war, gefüllt. Interessanter wäre es gewesen, den Kontext des Bekannten zu ändern. Das ist ihr leider nicht gelungen.

Die Charakterisierung des jungen Haymitch fand ich in Ordnung und seine Entwicklung zum Trinker angesichts der Ereignisse nachvollziehbar geschrieben – aber ebenfalls frei von Überraschungen.