Präzise wie ein Uhrwerk

Es gibt Tage, an denen einfach alles passt.

Aufgewacht ohne Wecker. Noch nicht mal vom aufstehenden Sohn aus den Träumen gerissen. Sondern (die geriatrische Bettflucht wegen zu viel Abendtee um vier mal nicht gerechnet) nach ruhigem und ausreichendem Schlaf. Nicht angesprochen worden auf dem Weg zur Küche. Und zum richtigen Zeitpunkt ist das Bad frei. My day half saved. Küchenuhr zeigt ganz früh und draußen ganz dunkel noch. Glücklich widme ich mich in der Küche dem Schmieren einer Scheibe Knäckebrot. Höre Blue rumoren. Sehe ihn mit Unirucksack aus dem Zimmer kommen und wünsche ihm einen guten Tag. Wir plaudern drei Sätze – wenn man mich vorher nicht stört, kann ich das sogar schon so früh. Er redet im Hausflur weiter. Ich sage „Pst, die Nachbarn schlafen noch, ist doch erst halb sieben!“. Mit einem kleinen Lächeln und zwei Worten zersticht Blue die Seifenblase, in der ich schwebe.

„Halb acht“

Tja … wieder nichts mit früher Vogel. Kein Verlass auf Uhren. Weder innere noch äußere.

Ich muss mich wohl damit abfinden: einmal Morgenmuffel, immer Morgenmuffel!

Hilfe, ich habe das Schreiben verlernt!

… im physischen wie im zeitlichen Sinne.  Die Ideen sind im Kopf, allein die Zeit … sie fehlt. Und auch die innere Ruhe, sich hinzusetzen und aus all den Fragmenten Texte werden zu lassen. Vielleicht auch ein bisschen „leergeschrieben“ an anderer Stelle. Wird so bleiben noch ein Weilchen. Aber dann … dann kommen die Einträge … zum Beispiel zur Frage des händischen Schreibens.

Bis dahin ab und an ein Gedankenfetzen hier … für mehr reicht es gerade nicht.

Sommer, reloaded

Mitten im Oktober ein kleines Stück geschenkter Sommer. Die Draufgabe einer launischen Natur, die uns in den letzten Wochen Regen über Regen beschert hatte. Dieses Wochenende verwöhnte sie uns noch einmal mit milden Temperaturen und strahlendem Sonnenschein.

Und während ich am Ende dieses Sommers das Gefühl hatte, nicht alles „mitgenommen“ zu haben, was den Sommer für mich so ausmacht, so habe ich die Dreingabe um so mehr genossen.

Eine geschlenderte Flussrunde und ein zelebrierter Abschied vom Sommer. Eindrücke für’s Erinnerungsarchiv. Und ein paar alte Erinnerungen, die sich damit mischen. Die unschlüssigen Gänse, die ihren Aufbruch hinauszögern.Das kleine Mädchen auf dem Laufrad, das vor Wonne jauchzend ihren Eltern davon fährt. Die Lesenden auf den Auslegern, die hier „Kribben“ heißen. Gewusel aus Familien, Paaren, Gruppen und Hunden an allen Ufern. Die Kanuten auf ihrer Sonntagsausfahrt in bunter Formation. Ein Blick von der Brücke auf einen Kohlenschipper namens … ich fass es nicht! … Impuls. Ein Schlafender in einer Hängematte zwischen zwei Bäumen. Die Künstler- und Kifferkolonie rund um ein selbst gebautes Tipi mit ein paar Steinkunstwerken auf der „Kribbe“ nebenan. Übermütige wiesenwälzende Vierbeiner. Die Sonntagstänzer zu Salsarhythmen und ein voller Biergarten. Radler, Radler, Radler und mittendrin eine alte Dame, die fröhlich ihren E-Rollstuhl am Ufer entlangschnurren lässt. Blauer Himmel, goldene Blätter und die halbe Stadt am Fluss. Noch schnell ein Stück vom Dreingaben-Sommer naschen. Noch einmal das Sommerkleid spazieren führen, noch einmal die Luft auf der Haut spüren, die leichte Brise im Gesicht und die Sonne auf den nackten Armen.

Ich habe den Sommer noch einmal aufgesogen. Die Sonne, die Wärme, die Menschen, den Fluss.

Jetzt darf er kommen, der Herbst. Mein Sommervorrat reicht aus, um bis zum Frühling nicht allzu sehr zu frieren.

Das Ende der Eiszeit

Wirklich warm geworden waren wir beide nie miteinander. Nicht in sechs gemeinsamen Jahren. Immer war unser Verhältnis irgendwie … unterkühlt. Er war unkooperativ, sparte nicht an spitzen Tönen. Ich arrangierte mich. Ignorierte seine oft schrillen Ansagen. Machte mein Ding und lebte mehr schlecht als recht mit ihm.

Wir sind im verflixten siebten Jahr … und heute erreichte die Lage den absoluten Tiefpunkt. Eisig die Stimmung. Traurig packte ich meine paar Wertgegenstände zusammen und brachte sie heimlich bei der Nachbarin in Sicherheit … man weiß ja nie, was passiert, wenn Eiszeit zu Hitze wird.

Glühende Wut stieg in mir hoch. Mit dem Hammer aus Wirbels Werkzeugkiste in der Hand funkelte ich ihn wütend an und begann, planlos auf ihn einzuschlagen. Schrill schrie er um Hilfe, doch in meiner Beserkerlaune stachelte mich das eher noch an. Irgendwann war er still. Aus.

Ein Handtuch für die Pfützen auf dem Boden. Ein Gang zum Müllcontainer mit einem schweren Sack.

Ende der Eiszeit.

Was bleibt, ist Saubermachen. Und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Mit ihm.

P.S. Nein … niemand ist tot. Und der Kühlschrank befindet sich nach seiner gewaltsamen Enteisung und prompten Wiederinbetriebnahme auch schon wieder auf dem Weg der Besserung und zurück zu unserem üblich unterkühlten Verhältnis. Wirbels Hammer hat den Kampf mit den Eisplatten bestens überstanden. Nur die Lammsteaks, der Blattspinat, die selbst gesammelten Pilze und der Fisch sind noch im Kühlfach der Nachbarin und warten auf Erreichung der Tiefkühlvolljährigkeit … minus 18.

Früher war alles besser?

Ab und an lese ich die Anfänge meines Blogs noch einmal. Und bin ein bisschen traurig darüber, wie mein schönes Blog so verkommen konnte.

Schuld ist die Privacy Policy. Die ewige Gratwanderung zwischen Sicherheitsbedenken und Ergebnis. Das, was mich auch in der Küche so oft aufhält, macht mir auch im Blog das Leben schwer. Bloss, dass es sich in diesem Falle nicht um Hacker, Phisher, Virenverbreiter und Co. handelt, sondern um Schutz vor den Schatten der Vergangenheit. Yepp, du bist gemeint!

Dickes Stoppschild vor meinem Gefühlsleben. Aber wenn ich nicht über Gefühle schreiben kann, ist mein Blog irgendwie nicht mehr mein Blog. Also gibt es die Türstehermannschaft … Passwörter. Und nur noch wenige öffentliche Einträge von geringem Informations- und Unterhaltungswert. Don’t feed the Zombie!

Aber ich wünschte, es wäre anders. Ich wünschte, ich könnte einfach wieder die Tasten meines dank neuen Akkus wiederbelebten Laptops fließen lassen. Ohne den Gedanken daran, wer nun was lesen könnte.

Doch es ist notwendig. Und bleibt deshalb so … inklusive der „Kanten“ an der Tür.