Generationenfrage …

Hey Leute, habt ihr Lust, mit uns in super spannende Abenteuer zu starten?

Was ist falsch an dieser Frage? Mal ganz von der sprachlichen Plumpheit abgesehen, die jede vorhandene Zielgruppe haarscharf verpasst.

Der Frager ist eine kleine Comicfigur. Ein Kind. Einer von den „linos“, die sich super spannende Werbeagenturen für ihre noch superer spannenden Kunden so ausdenken. Das Kind steht auf einem Board und springt gerade flugs hinter einem roten, ferngesteuerten Geländewagen her. Kind ist androgyn mit knallblauen Manga-Augen und blonden Haaren. Im Hintergrund … ich fasse es nicht, wie originell! … eine Skyline. Denn es ist ja ein Stadtkind. Die Skyline gehört offenbar zu einer asiatischen Stadt … Wolkenkratzer an Wolkenkratzer.

Und nun lösen wir auf. Es ist die super spannende Werbeagentur der Gebrüder A., die sich Klein Markenname-Lino ausdachte. Ganz großartig das Identifikationspotenzial für ein Kind, dessen Eltern dort einkaufen. Mädchen? Fehlanzeige. Das androgyne Kerlchen ist ein Kerl. Skateboard. Auto. Rollenbild, ich komme! Bunte Gesellschaft? Fehlanzeige. Blond, blauäugig, Kerl.

Und die asiatische Skyline mag vielleicht in Seoul, Tokyo, Shanghai Identifikation hervorrufen ebenso wie das sicher in China produzierte rote Auto … aber während dort das blonde Kind noch weniger als hier passt, ist die Lebenswelt der Kinder im „Stammgebiet“ des hier agierenden Discounters in 90 Prozent der Standorte wenig urban.

Ich bin kein Kind. Ich bin nicht die vermutete Zielgruppe. Aaaaber … Kinder haben Eltern. Und die sind hoffentlich schlau genug, den Gebrüdern A. mal ihre super spannende Meinung zu stoßen!

Doch in einem hat mir die kleine Pop-up-Anzeige etwas geschenkt. Eine Erinnerung nämlich an die Marketing-Figuren meiner eigenen Kindheit. Die Hosen von Charme und Anmut mochte ich nicht … aber das Palominopferdchen war das Objekt meiner Begierde. Das war in den frühen 70ern an den Kleidungsstücken angebracht und stand als Bezahl-Spaßgerät im Laden. Und es war SCHWARZ! Ich liebte es. Da brauchte es mich gar nicht zu super spannenden Abenteuern aufzufordern.

Anders im Schuhladen. Neue Schuhe gab es zweimal jährlich. Und das war ein echtes Abenteuer, konnte man doch im Schuhladen durch ein echtes Krokodil in die im Untergeschoss gelegene Kinderabteilung rutschen. OK … ein echtes HOLZkrokodil. Aber nicht genug. Die Schuhmarke hatte sich nach einem seltenen Amphibium benannt … und jener Feuersalamander stand aufrecht, trug Wanderschuhe und hieß Lurchi. Jedes Paar Schuhe bedeutete auch ein neues Abenteuer von Lurchi. Und das waren Abenteuer! Ganz im Stile von Tintin. Comics vom Feinsten. Mit Mayatempeln und Dschungelpfaden, mit Gangstern und vor allem vielen Tieren, die alle Lurchis Freunde waren.

Identifizieren konnte sich jeder oder keine. Denn Lurchi war ja kein Mensch. Und auch den Tieren war weder Nationalität noch Geschlecht zugeordnet. Aber die Abenteuer … die waren besser als das Skateboard und das Auto, das in der nächsten Donnerstagsaktion bei den Gebrüdern A. zu kaufen bewundern sein wird.

Vielleicht sollte man den Gebrüdern A. aber einfach nur raten, die Agentur zu wechseln … ?

Gewinnerin

Ich bin eine Gewinnerin. In diesem Jahr gleich doppelt. Im Brauchtum wurde mir ein Steakessen für zwei beschert. In einem mit einigen Sternchen bemusterten Hotel. Da die Tangoqueen a) gerne Steak isst und b) Geburtstag hat, werde ich ihr das Essen nebst (nicht im Gutschein inkludiertem) Getränkebegleitsortiment zum Geburtstag schenken.

Gewinn Nummero zwo ereilte mich an einem lauen Spätsommerabend im letzten Jahr bei einem Konzert. Eine Dauerkarte für das Schwimmbad meiner Kindheit. Idyllisch gelegen auf einer Flußinsel. Leider inzwischen modernisiert. Bedeutet keine langen Schwimmbahnen mehr und das komisch riechende, aber so erfrischend kalte mutprobige Thermalbecken ist auch längst Geschichte. Geschichte auch meine Lieblingsliegestelle unter den alten Bäumen. Lauter Kinderspielkrempel jetzt. Geschichte auch die Öffnungszeiten, die eine Radfahrt in der Morgenkühle erlaubten. 10 Uhr. Nicht früher am Wochenende.

Aber … geschenkter Gaul bzw. geschenkter Pool. Also nahm ich heute früh eine elendiglich frühe Bahn, zuckelte mit Fußwegen über eine Stunde zum Bad, stand eine halbe Stunde vor der geschlossenen Tür und musste mich dann noch anpiefen lassen, dass ich eine Jahreskarte ausstellen lassen wollte „wo doch so viel los ist“. Irgendwann klappte es doch. Irgendwann endlich im Wasser. In water with Kraulers allerdings. Vorwiegend männliche Kraulschwimmer, die ihre Hände durchs Wasser pflügten und selbiges aufwirbelten. Böse Zungen könnten auch von Nichtbeherrschung des Schwimmstils sprechen. Ich beherrsche das Kraulschwimmen auch nicht. Aber ich behaupte es auch weder, noch ziehe ich rücksichtslos stümpernd meine Bahnen und wedle Schwächere aus dem Weg.

Als der rosig blonde Kraulheld das Wasser verliess, kamen die Dümpler und Planscher. Dümpler sind Menschen, die einfach im Schwimmerteil herumstehen, manchmal langsam rhythmisch hüpfen oder vom Rand hängen, vorzugsweise im Weg aller Schwimmer. Planscher sind zumeist gemischte Jugendcliquen, die sich quer zum Schwimmverkehr in den Weg platzieren.

Und während Brustschwimmer ein äußerst rücksichtsvolles Völkchen sind, das sich Platz macht, auf schwimmende Kinder in der Schwimmerprobung achtet und sich freundlich gebärdet, sind die Krauler, Dümpler und Planscher das Unangenehme im Schwimmbad. Jedenfalls in einem Bad, dessen Schwimmerbecken so klein ist wie dieses.

Trotzdem gelang es mir, eine Stunde durchzuschwimmen. Und eine knappe Stunde gelaufen/gegangen bin ich auch. Ob ich die Bahn als Rad werten soll, damit es ein Triathlon wird? Meine Finisher-Zeit betrug jedenfalls inklusive Lebensmitteleinkauf 4,5 Stunden. Für EINE Stunde Schwimmen.

Ich werde wieder hinfahren. Weil das Schwimmen selbst mir gut tut. Aber der Zeitbedarf ist schon heftig. Ein halber Tag für eine Stunde im Wasser. Zumindest die Ansteherei darf ich mir beim nächsten Mal sparen. Dann darf ich nämlich mit meinem Jahreskartenchip an der Schlange vorbei und direkt durch die Barriere. Und das ist ja auch schon mal was!

Allerdings glaube ich, dass ich meinen geschenkten Pool nicht so häufig nutzen kann, wie es mir Freude machen würde. Wegen der doofen Logistik.

Im Selbstversuch werde ich jetzt verschiedene Modelle testen. Vor der Arbeit (macht in der Woche um 7 auf), nach der Arbeit (schließt um 20 Uhr) und zu anderen Zeiten am Wochenende.

Und mache mir keine Gedanken, ob ich den geschenkten Pool jetzt „ausnutze“, sondern freue mich über jede geschwommene Stunde..