Mignonne, allons voir …

A Cassandre

Mignonne, allons voir si la rose
Qui ce matin avoit desclose
Sa robe de pourpre au Soleil,
A point perdu ceste vesprée
Les plis de sa robe pourprée,
Et son teint au vostre pareil.

Las ! voyez comme en peu d’espace,
Mignonne, elle a dessus la place
Las ! las ses beautez laissé cheoir !
Ô vrayment marastre Nature,
Puis qu’une telle fleur ne dure
Que du matin jusques au soir !

Donc, si vous me croyez, mignonne,
Tandis que vostre âge fleuronne
En sa plus verte nouveauté,
Cueillez, cueillez vostre jeunesse :
Comme à ceste fleur la vieillesse
Fera ternir vostre beauté.

Pierre de Ronsard (1524-1585)

Das einzige Gedicht, das in der Schulzeit mein Herz berührte, stammt von dem französischen Renaissancedichter Pierre de Ronsard. Eine Übersetzung fand ich auf der Seite Luxautumnalis.

Liebes, laß die Rose uns schauen,
die heut früh mochte anvertrauen
der Sonne ihr Purpurgewand,
ob wohl bleichte die Dämmerstunde
den Purpur an ihrem Blütenmunde,
und ihr Teint, deinem so gleich, hinschwand.

Ach, sieh nur, wie in so kurzer Zeit,
mein Herz, verschliß ihr Blumenkleid,
und all die Blüten sind hingeschneit.
Wie grausam ist das Herz der Natur,
solches Schöne dauert ja nur
vom Morgen bis zur Abendzeit.

Wolle mir glauben, mein Herzenskind,
solang deine Jugend noch blüht so lind
unter Frühlings grünen Zeichen,
pflück die Früchte dir in den Schoß:
Das Alter sieh an der Rose Los,
es wird deine Blume bleichen.

Ein Plädoyer für das Hier und Jetzt. Wunderschön. Zeitlos.

Frühlingsgedanken

Der Frühling taucht den Morgen in goldenes Licht. Irgendwie ist alles ein bisschen leichter, heller, fröhlicher … nur das Aufstehen am Morgen nicht. Denn die vermaledeite Zeitumstellung hat mir mal wieder den fiesesten aller Timelags beschert. Fehlende acht Stunden kann ich in wenigen Tagen kompensieren, indem ich meinen Schlafrhythmus konsequent anpasse. Aber diese tückische kleine Fehlstunde … die schleicht sich in das Alltagsleben und sabotiert es. Abends hält meine innere Uhr mich die entscheidenden Minuten länger wach, morgens sagt mein Körper mir „schlaf weiter“. Ein Biest ist diese Stunde. Und lässt mich den ganzen Tag gegen Müdigkeit ankämpfen. Zwei, drei Wochen lang … oder bis ich entschlossen eine Wochenendnacht zum Tag mache, mich also absichtlich aus dem Rhythmus bringe, um dann wieder besser hineinzukommen.

Frühling auch die Zeit der guten Vorsätze und der neuen Fitnessprogramme. Total Fail in diesem Jahr bei mir. Weil Frühling nicht nur neue Spochtprogramme, sondern auch ein neues Projekt brachte, das die Küche in Atem hält. Trotzdem ist da immer noch ein wenig Restsehnsucht nach dem optimierten Körper, den ich nie erreichen werde.

Frühling ist auch Farbenlust und Kleiderschrankfrust. Seit bewussterem Schrankmanagement deutlich weniger Frust. Doch für die Farbenlust wird es Zeit, ein wenig Buntes in den Schrank zu hängen, den orangefarbenen Sommerblazer zu bügeln und die dicken Wollsachen und Steppmäntel in den Keller zu verbannen, wo jetzt noch die Sommersachen auf ihre  Stunde warten. Im Frühling beginnt aber auch das große „Was zieh ich an?“. Denn während im Winter Hose, Bluse, Blazer und Mantel immer richtig waren und Stiefeletten die stets angemessenen Schuhe, fängt das Dilemma nun an. Temperaturwechsel. Mantel weglassen reicht nicht. Zu dick. Zu dünn. Erkältung. Schwitzen. Frieren. Bäh. Dennoch geht Frühling noch als passable Jahreszeit durch. Fies ist Sommer. Sommer mag ich kleidungstechnisch gar nicht. Weil für mich Kleidung mehrere Schichten enthält, die sich sinnvoll ergänzen. Also Blazer über Top oder Bluse. Im Sommer mehr als schwierig. Um so mehr, wenn mehr Körper zu bedecken ist. Und sinnigerweise die Anbieter größerer Größen meinen, dass Oberarme frei bleiben dürften, was küchenprotokolltechnisch wie ästhetisch kein Erfolgsrezept wäre.

Aber erst einmal … Frühling. Mit bunten Farben bzw. bei mir helleren Rottönen als Akzenten zu meinem geliebten Schwarz und Rot. Mit Lust an Magnolienbäumen und kommender Kirschblüte in den Gärten.

Frühling bedeutet auch endlich wieder herumsitzen auf Bierbänken, lungern in Straßencafés … durchatmen und raus in die Stadt.

Genießt den Frühling … ich tu’s auch!

 

 

Stöckelviecher … wieder mal


1. Wann hast du das Bloggen für dich entdeckt?
Im Frühjahr 2011 beschloss ich, mir selbst mittels Blog die Diät-Daumenschraube anzulegen. Jenes alte Blog legte ich still, als die damalige Plattform schwächelte. Und bei Rollringelpiez ging es dann weiter … und nicht mehr wirklich um Diät.

2. Kannst du dir einen Tag ohne FB, Twitter und Co. vorstellen?
Nicht nur vorstellen. Ich twittere höchstens zweimal jährlich. Weil Kurznachrichten nicht meine Ausdrucksform sind. Und ich lebe auch nicht öffentlich. Deshalb kann ich Facebook durchaus mal mehrere Tage bis Wochen nicht besuchen. Und im Idealfall fällt es mir noch nicht mal auf.

3. Was fällt dir zu dem Begriff „Nachhaltigkeit“ ein?
Balance und Überleben.

4. Welche Sprache würdest du gerne sprechen?
Vielleicht Japanisch … aber das lerne ich in diesem Leben nicht mehr. Spanisch … das würde ich gerne lernen.

5. Du schließt die Augen und denkst ans Essen. Was ist es?
In guten Momenten ein verführerischer Salat mit bunten, knackigen Zutaten. In schwachen Momenten ein fluffiges Dessert.

6. Welches Zitat gefällt dir?
Life is what happens while you’re busy making other plans. (John Lennon)
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben. (Alexander von Humboldt)
An die frische Luft – sie schnappen! (Heinz Erhardt)
It’s never easy (Captain Dylan Hunt, Andromeda Ascendent)

7. Kannst du deine Ferien ohne Handy verbringen?
Ich kann. Die anderen leider nicht. Familiärer Meldedruck, Sie wissen schon …

8. Warst du schon einmal in Grasse?
Nein … aber glücklicherweise gibt es das Parfum von Fragonard nicht nur dort.

9. Welchen Buchtipp gibst du mir?
Erich Kästner für Erwachsene

10. Kaffee oder Tee?
Tee, immer Tee. Auf die zwei, drei Espressi pro Woche könnte ich auch verzichten, auf meinen Morgentee niemals.

11. Was können wir von den Franzosen lernen?
Sinnlichkeit im Alltäglichen … das ist wohl das wichtigste. Selbst eine normale Bäckerei ist so ungleich schöner, duftender, lebensvoller als bei uns. Und der Käseladen ist unvergleichlich! In Markthallen Austern probieren, an der Fischtheke im Supermarkt Dutzende Fischsorten auswählen können … es ist kein Vergleich zwischen dem Einkaufen in Deutschland und Frankreich. Und manchmal liegt das weniger an den Läden als an den Kunden.
Mittagspause? Natürlich essen gehen! Am besten ins Stammlokal und dort das Tagesgericht essen – meistens ein Erlebnis … und von allen Beteiligten regelrecht zelebriert. Selbst Fernfahrerraststätten und Betriebskantinen bieten kleine Menüs. Einfach, aber dennoch bewusst genossen und in zwei bis drei Gängen. Und es kann vorkommen, dass der Dosenmaissalat, die Fischstäbchen mit Fertigpüree und ein Glas Kirschen zum Dreiganggastmahl werden. Wer wenig Zeit hat, geht zum Bäcker. Der hat nicht wie bei uns labbrige Brötchen mit Wurst oder Käse. Nein … er hat natürlich Menüs. Die sogenannten Formeln. Mit langen Baguettesandwichs, mit Quiche, mit Getränken und Nachtisch. Der ist nicht etwa ein schnöder Joghurt, sondern meist freie Auswahl aus den wunderbaren Törtchen in der Vitrine. Ich empfehle Paris-Brest!

Wunderbar auch die Gastgeberkultur – herzlich und unkompliziert. Während Deutsche sich überlegen, wann sie denn endlich mal einladen, haben Franzosen das längst getan. Eine Einladung zum Aperitif ist die einfachste Art, Gäste zu bewirten. Ein paar Flaschen im Schrank, ein Schälchen Nüsse … und nach spätestens zwei Drinks verabschieden sich die Gäste wieder, denn gegessen wird nur gemeinsam, wenn ausdrücklich dazu eingeladen wird. Eine andere Variante ist die Einladung zum Dessert. Wird sehr gerne an Festtagen oder Wochenenden ausgesprochen, wenn der Tisch eigentlich schon voll ist. Oder der Vin d’honneur. An einem besonderen Tag mit vielen Menschen feiern, auch wenn das Budget eigentlich zu schmal ist? Das geht mit einem kleinen Umtrunk wunderbar. Ein paar Tische auf der grünen Wiese, Weißwein und Cassis … und fertig ist die Laube. Viel unkomplizierter als die deutsche Kaffee-Kuchen-Manie … und sooo viel eleganter.

Ob es herauszuhören ist, dass Gallien meine innere Heimat ist?