Missing you … right on …

Momentan sagen sie mir wieder, wie sehr sie mich vermissen. Ich solle mich doch an die schönen alten Zeiten erinnern. Endlich mal wieder vorbeischauen. Warm ums Herz wird einem bei solchen Worten, gelle? Alle, alle sind sie heiß auf mich. Alle, alle wollen mich wiederhaben. Wenn das kein Balsam für die Krill-Seele ist?
Da fällt es doch nicht schwer, mal eben den kleinen Umweg zu machen, alte Bekannte wiederzutreffen und ihre Wiedersehensfreude aufzusaugen wie Nektar. Wobei es schon auf der Hand liegt, dass alle die, die mich so vermissen, nur mein Bestes wollen. Denn es sind keine ehemaligen Liebhaber oder fast vergessene alte Freunde à la Robert Burns, die mich da anschmachten, sondern nur Versandhäuser. Einmal bestellt, immer Objekt der Begierde. Da nützt es auch nichts, dass die eine Bestellung die einzige blieb oder sogar komplett retourniert wurde.
Wir vermissen dich! Das geht ans Gemüt. Da wird mir ganz heimelig zumute. Und natürlich besuche ich jemanden, der mich so sehnsüchtig vermisst. Wir vermissen dich! Und werfe im Willkommensrausch alles in den Einkaufswagen, was mich aus den virtuellen Regalen so anschmachtet. Ja, ich habe euch auch vermisst. Und genieße meinen Besuch in vollen Zügen. Aus denen man bekanntlich ja auch irgendwann aussteigt. Und genau das tue ich. In der Regel VOR der Kasse. Manchmal auch nicht.
Umgarnt mich noch ein wenig. Vermisst mich. Lockt mich mit „Komm wieder“-Rabatten. So ist’s recht! So einfach war noch nie ein Ego-Boost … und so schnell noch nie der Griff in meine Geldbörse!
Ja … ich habe etwas bestellt. Aber im Gegensatz zu Männern können Klamotten problemlos zurückgesendet werden …

Beschenkt … vom Leben

Den ganzen Tag hatte ich mir ein bisschen selbst leidgetan. Zweite Feiertage haben das so an sich mit ihrer Leere – dem Vakuum das durch die Zentrierung des Familienevents auf einen Tag und Wanderung der Nachkommenschaft zum schwiegerfamiliären Event in Koinzidenz mit sportuntauglichen Körperteilen entsteht. Ich war zuhause, allein, hatte zu viel Zeit und zu viele Gedanken.

Zum Glück gab es die Einladung für den Abend. Drinks zwischen sechs und acht. Hier in Deutschland meinen die Leute ja immer, wenn sie für sechs eingeladen werden, dürften sie ruhig bis Mitternacht bleiben. Aber es gibt auch durchaus entspanntere Sorten von Party. Und zu einer solchen war ich heute geladen.

Da der Gastgeber seinen Geburtstag feierte und wir uns noch nicht sehr gut kennen (unsere Küchen arbeiten zusammen), war das Geschenk eine Herausforderung. Die Idee lieferte letztlich der Holzfäller „mach doch selbst Pesto“. Tat ich auch. Und stockte noch ein bisschen auf. Mit ganz hochwertigen Nudeln in der Schmuckdose vom Teuer-Supermarkt, mit einer kleinen Flasche besonderen Olivenöls und einer selbstgemachten Rote Beete-Cashew-Mandelpaste. Das Pesto selbst war Bärlauch-Pinienkerne-Pecorino. Dazu selbst gefärbte Ostereier, Häschen und Schokoeier. Er hat sich gefreut. Sehr. Und das war das Ziel der Übung.

Das wirkliche Geschenk bekam an diesem Abend aber ich. Denn der Gastgeber und seine Freundin sind Künstler. Sie im wahren Leben, er in seiner Freizeit. Im Laufe des Abends fanden sich Bands und Duos zusammen, zeitweilig sang der ganze Raum. Eine Stimmung, die warm ums Herz werden ließ. Und ich habe das Gefühl, dass ich den Gastgebern im Laufe der Zeit noch näher kommen werde.

Auch die anderen Gäste waren von der Art, die wohl tuen. Viele kannte ich beruflich, wenige inzwischen auch privat. Ich fühlte mich wohl. Bereichert. Inspiriert.

Ein großes Danke für diese Einladung, die genau zum rechten Zeitpunkt kam und mich wieder einmal fühlen liess, wie priviligiert ich bin, diese Menschen kennen zu dürfen und ein klein wenig Teil dieser globalen Gemeinschaft zu sein.

In diesem Kreis war es egal, ob ich Single bin oder verpartnert. Ich habe mich einfach gut unterhalten. Und war zweimal sehr gerührt. Einmal vom Zusammensingen des Gastgebers, seiner Freundin und ihrer erst elfjährigen Tochter, einmal von einem Gespräch mit einem Mann, den ich schon lange beruflich kenne, und seiner Frau. Die beiden sind über 60 und kennen sich tatsächlich aus der Schule. So lange zusammen. So vertraut miteinander. Und rein optisch gar kein Paar, das man auf Anhieb als solches identifizieren würde. Er klein, schmächtig, weiß, sie groß, kräftig, schwarz. Aber was für eine Verbindung zwischen ihnen. Wow. Toll finde ich so etwas.

Sechs bis acht. Um 20.30 ging ich beschwingt die Holztreppe von der schönen Jugendstilwohnung hinunter. Und beschloss, nicht mehr mit der Limette und der Entdeckerin weiterzufeiern. War innerlich randvoll und „satt“ im positiven Sinne. Und habe jetzt, während ich dies schreibe, immer noch ein Lächeln im Mundwinkel.

Danke, Universum … und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. Heute hatte mein Licht einen Namen und knallbunte Socken an. Die bekam er von seiner Schwester geschenkt.

Und ich liebe es, Menschen zu kennen, die so bunt nicht nur an den Füßen, sondern vor allem im Herzen sind!

 

Ostern: Vom Abschied und vom Leben.

Gestern morgen um 10 war es soweit. Tote Pferde soll frau nicht reiten. Und so versetzte ich meiner letzten Inkarnation im D*chungel den Todesstoß. Ohne Bedauern, ohne Pietät, ohne Traurigkeit. Es wird vielleicht andere Inkarnationen geben. Aber nicht jetzt. Nicht in diesem Frühling. Da habe ich besseres zu tun.

Gestorben ist gestern auch Wichtigeres. Eine Freundschaft. Hier rechne ich nicht mit Auferstehung. Weil ich das, was mir da maskenlos begegnete, nicht in meinem Leben haben möchte. Mehr als eine lose Bekanntschaft ginge nicht. Und dafür ist jetzt zu viel passiert, die Eskalation zu weit fortgeschritten.

Die Limette, die von dieser Eskalation auch am Rande betroffen war, hatte mich schon vorher eingeladen, mit ihr die Premiere des neuen Programms einer ihr flüchtig bekannten Kabarettistin zu sehen. Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, dass es sich um den Ostersamstag handelte. Auf den dritten Blick fand ich das gut. Denn die Nachwuchsmänner verbrachten die Nacht sowieso mit ihrem Vater und die Eltern sind längst keine Abend-Menschen mehr. Also Theater. Passt.

Aus obigen Gründen trübte meine Vorfreude zwar kurzzeitig ein und wurde meine rechtzeitige Ankunft auch von ebendiesem Umstand fast vereitelt, doch irgendwann kam ich in einer freundlichen Wein-Kneipe an und trank erst einmal heißen Minztee, was meinen durchaus körperlich zu verstehenden innerlichen Aufruhr beruhigte. Mitsamt Teetasse (ausdrücklich empfohlen vom Servicepersonal und von mir extrem goutiert) stiegen wir dann hinab in den Keller.

Wörtlich. Keller. So was wie mein Waschkeller zuhause. Nur mit Stühlen und dunklen Wänden. Winzig klein. Vielleicht Platz für 30 Menschen geknubbelt. Höchstens. Anwesend waren weniger. Leider. Aber das lag wohl am ungünstigen Termin. Zwei Paare, davon eins m/w und eins m/m, ein einzelner Mann, ein Frauen-Trio und wir beide. Zehn. Nach der Pause nur noch acht, weil m/w nicht wiederkam. Blöd. Und selbst schuld.

Denn das, was auf der Bühne passierte, war zum Schreien komisch. Oft genug fühlte ich mich durchaus an lebende und verstorbene Personen erinnert. Eine Kunstfigur … doch voll des unfreiwilligen Humors, wie er hier in der Gegend praktisch in jeder Straßenbahn vorkommt. So schön! Über 90 Minuten unterhielt sie uns, die wackere Handwerkergattin mit dem Topfhut. Gelangweilt  habe ich mich keine Minute.

Und das setzte sich auch fort, als wir oben in der Weinbar mit ihr und ihrer Regisseurin einen Wein tranken. Tolle Frau. Auch ohne Topfhut. Tolles Gespräch. Die Nummern sind getauscht und der nächste Abend bereits geplant. Diesmal spielt ihre Regisseurin … ein ganz anderes Genre … nur die Location bleibt gleich.

Ganz en passant passierte mir dann auch noch etwas Wunderbares. Osterfreude. Wirkliche. Wir sprachen über unsere Leben als Single und das, was uns antreibt und freut. Die Insel der Frauen (die sie auch hat), Familie … schöne Erlebnisse. Sie ist gläubige Baptistin … also ist einer ihrer Antriebe auch der Glaube an Gott. Und als diese lebensvolle, strahlende Frau uns anschaute mit den Worten „ER ist auferstanden … und das verwandelt alles“ … da hatte ich plötzlich die gleiche Osterfreude wie in so vielen Nächten in der Kirche in Dorf.

Die Kellnerin allerdings hat das freudige „Er ist auferstanden“ nicht verstanden und ich musste übersetzen … Frohe Ostern verstand sie dann.

Bei mir aber war auf einen Schlag „Lumen Christi“ … das Licht Christi … für einen Moment lang wieder da. Ganz ohne Kirche in Dorf. Ganz ohne Liturgie und Osterkerze. Mein Licht waren die Sterne auf dem Heimweg. Und ganz plötzlich wieder ein Stück Vertrauen, Dankbarkeit und ein Stück Hoffnung.

Vertrauen in mich selbst vor allem. Dankbarkeit für die wunderbaren Menschen in meinem Leben. Akzeptanz des Unabänderlichen. Und Hoffnung, dass es immer irgendwie weitergeht.

Wie ansteckend doch das Strahlen eines anderen Menschen sein kann!