Ein Toast auf das Bauchgefühl!

Monatelang befand sich der entfernte Mann in meinem Handy. Statisch, nicht unterhaltsam. Denn die Kommunikation ging bis auf das eine Mal, in dem ich ihn um eine Mailadresse bat (weil ich meine Absage in mehr als 140 Zeichen verpacken wollte und dann doch keine Mail schrieb) nur von ihm aus. Nach zwei Telefonaten im Februar folgten Whazzap-Nachrichten in mindestens wöchentlichem Turnus, oft zwei, drei Nachrichten hintereinander. Ob ich antwortete, war irrelevant. Die völlig nichtssagenden Nachrichten à la „wünsche dir einen schönen Mittwoch“ erforderten ja auch (aus meiner Sicht) keine Reaktion. Frau RRP ist SMS-Muffel … das dürfte bekannt sein. Endgültig vergraulten mich die Hochzeitsbilder. Ein heiratendes Paar aus denkbar schmeichellosem Blickwinkel aufgenommen. Der Gesichtsausdruck liess an alles denken, nur nicht an Glück. Und der entfernte Mann selbst in unvorteilhafter Pose am Tisch lümmelnd. Löschen! Jetzt!

Nachdem die Strategien „Schleppend Antworten“ und „Gar nicht Antworten“ so offensichtlich nicht griffen, entschied ich mich dann doch für „Klare Ansage“. Per Mail, nicht per Whazzap. Und teilte ihm mit, dass ich unseren Kontakt beende, freundlich, aber ehrlich und mit der Aussage, dass ich nicht antworte, weil ich nicht antworten möchte. Seine Antwort erspare ich der geneigten Umwelt – sie bezog sich im Wesentlichen auf sein Bedauern, nicht mit mir s*xuell aktiv werden zu können.

Ich las, lachte herzlich … und dankte meinem Bauchgefühl.

Ein Wicht. Und es wurde höchste Zeit, ihn aus meinem Handy zu verbannen!

Die Männagerie ist ruhig derweil. Nachdem die Quengler hübsch geflochtene Körbe erhielten und der Geizkragen mir erspart bleibt, ist da noch einer, der mich interessiert. Doch der zieht gerade um und ist deshalb erstmal ein paar Tage/Wochen/Monate offline. Wer den Magentariesen und seine Auffassung von „Bereitstellung“ kennt, weiß, von welchen zeitlichen Dimensionen hier die Rede sein könnte.

Heute abend hingegen geplanter und gemischter Absturz – Mainacht mit MünchnerKindl in der Latino-Bar … und da ich gestern erfuhr, dass Schlagerfreund und Neandertaler auch kommen, wird es wohl etwas alloholischer.

Merker an mich: der Neandertaler ist ein lieber Kerl … aber das mit den Benefits funktioniert bei uns nur bedingt, auch wenn er da in manchen Stimmungen anderer Meinung ist. Gottseidank habe ich heute ein prima Alibi für Alleinheimgang … den friedlich schlafenden Blue.

Männer … nicht mein Hauptthema derzeit. Wichtig ganz andere Dinge. Und auch hier ist das Bauchgefühl ein guter Ratgeber. Mein zweites Standbein gewinnt langsam Bodenhaftung. Im nächsten Jahr werde ich praktisch einsetzen, was ich lernte. Innerhalb und außerhalb der Küche. MünchnerKindl hat mich schon „gebucht“ für ein Küchentreffen in Latino-Weitweitweg. Und ich habe einen ungewöhnlichen, aber wahrscheinlich sehr gangbaren Weg gefunden, um mir einerseits hervorragende Arbeitsbelege zu verschaffen und einen guten Ruf in Nachbarküchen, andererseits der eigenen Küche etwas zu geben, was sie von niemandem sonst bekommen kann. Das bedeutet, meine Arbeit in diesen Fällen als „Leihgabe“ zu deklarieren. Nachbarküche zahlt alle Kosten, was bei Kontinentwechsel entsprechend teuer ist, eigene Küche stellt meine Zeit zur Verfügung. Bedeutet, dass ich vor Ort für Nachbarküche meinen Job mache, aber auch die Themen meiner eigenen Küche im Blick behalte und an der einen oder anderen Rezeptkommission für meine Küche teilnehme. Und das ist die Möhre für Cheffe. Eine sehr leckere Möhre. Denn die Küchenleitung spart und viele der Küchentreffen, auf die ich so „aus eigener Kraft“ gelange, könnten wir sonst nicht besuchen. Wenn ich das ein, zwei Jahre so mache, habe ich anschließend a) eine gute Reputation und b) auch Aufträge zuhause. Letztere dann gegen nebenberufliches Honorar – außer, es betrifft meinen direkten Arbeitsbereich, dann auch hier „Leiharbeit“. Danke, Bauchgefühl … ich denke, so könnte es klappen!

Über Glück und Bauchgefühl sprachen wir auch gestern Abend. Aus dem „Elterntreffen“ wird allmählich etwas privateres. Der Rutschbahnmann fehlte wegen Fahrradunfalls, die Museumsfrau war krank. Blieben vier. Die Mutter von Wirbels Intimus, Frau Second Hand und die griechische Locke. Entspann sich nach schwerem Einstieg über Pubertätsexzesse dann eine Diskussion über Glück und Zufriedenheit und deren Charakter. Spannend. Fortsetzungswürdig.

Es lohnt sich, über Glück nachzudenken. Und ich erwäge ernsthaft, mir den Happiness-Index eines Himalayastaats irgendwann einmal näher anzuschauen. Vor Ort. Aber das ist Zukunftsmusik und eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll …

 

 

Die Schatten der Vergangenheit

Nicht nur Eine hat in den letzten Tagen die Schatten der Vergangenheit gesehen. Ich zünde eine Kerze an, um dunkle Gassen ein wenig heller zu machen … es gibt Situationen, in denen ist es egal, ob ich ich bin oder jemand anders oder eine Schaufensterpuppe … die Geschehnisse würden geschehen. Immer. Mit JEDER. Weil das Muster und die Handlung nicht von dir oder mir ausgehen sondern vom Gegenüber. Es gibt andere Situationen, in denen zu einem Streit natürlich immer zwei gehören … aber diese … die sind einseitig. Wie das Einsteigen in eine Achterbahn … keine Kontrolle mehr.

Irgendwo in Litauen hat jetzt ein Ingenieur die „Achterbahn des Todes“ erfunden. Einsteigen und im Endorphinrausch sterben. Erinnert mich an den Film „Das Karussell“, den ich in den 80ern sah … jeder musste mit 30 via Fahrgeschäft aus dem Leben scheiden, um Platz zu machen für nächste Generationen. Eine Utopie. Doch eine, die in die Nähe zu rücken scheint mit solchen Erfindungen. Wer hätte gedacht, dass wir den Szenarien von George Orwell und Aldous Huxley bereits heute so nahe sind?

Die Gefühls-Achterbahn hat Phasen der Langsamfahrt. Und Kurven, in denen das Herausspringen nicht ganz so tödlich ist. Der Betreiber wird weiterfahren. Andere werden einsteigen. Wie ich und du. In verschiedene Achterbahnen an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten. Was bleibt, sind die geprellten Seelen nach dem Absprung.

Ich habe mich entschlossen, den entsprechenden Eintrag auf Privat zu setzen. Mein Küchentischclub kennt die Geschichte. Andere müssen in dieser Sache „draußen bleiben“.

Meine Prellungen sind nach Jahren verheilt. Ich fahre nicht mehr Achterbahn. Und mir fehlt dabei absolut nichts.

o tempora … o mores!

Als Singelin von fast 50 darf ich mich glücklich schätzen, „gedatet“ zu werden. So die gängige Meinung. Nicht meine, wohlgemerkt. Aus der Männagerie hatte ich mich für den entschieden, der meiner Lebenswelt am nächsten zu sein schien. Ein wenig bedächtig zwar, aber einer, der meine Stadt mag und mein Berufsumfeld in der verrückten Küche versteht.

Wir trafen uns in einer spanischen Bar. Zum Glück erkannte ich ihn sofort … er sah besser aus, als auf dem Bild … ich atmete auf (er übrigens auch, wie er mir später sagte). Dummerweise war der Tisch für zwei Teil einer langen Tafel, an der die lauteste Konstellation ever platziert war: eine Gruppe von Ehepaaren. Auf der anderen Seite wurden wir von Lautsprechern und Klobetrieb beschallt. Super-Voraussetzungen für ein Gespräch … absolutely. Er hatte bereits Wein bestellt für sich und eine große Wasserflasche. War etwas verdutzt, dass ich davon nichts wollte. Mit einigem Holpern gelang uns Bestellung und dann auch endlich Platzwechsel. Ab da ein angenehm plätscherndes Gespräch, in dem er sich im Wesentlichen über langsame Prozesse in seiner Company ausliess. Und mal eben feststellte, dass ich mehr Geld habe als er (ehm … ich weiß zufällig, was man in seiner Position verdient … und das ist KILOMETER über mir!). Aber insgesamt … in Ordnung. Nicht in Ordnung war das, was am Ende des Abends passierte. Er wollte per Zug heim und rief den Kellner. Holte zögerlich seine Geldbörse heraus. Sehr zögerlich. Also zog ich die meinige etwas geschwindter aus der Tasche und legte zwei Geldscheine hin. Er auch. Fehlte ein angemessenes Trinkgeld. Auch da wieder: Starre. Also arrondierte ich mit einem Zwei-Euro-Stück. Was dann aber hieß, dass ich mehr zahlte als er, während er mehr konsumiert hatte. Nämlich einen Wein und eine große Flasche Wasser. Was zusammen rund 10 Euro ausmachen dürfte. Und dann zuzulassen, dass die Dame den größeren Part übernimmt … das fand ich schon dreist.

Und als ich dann bei der freundlichen Abschiedsumarmung merkte, dass sein Geruch mir nicht passte … war für mich alles klar. Gerne mal ein Kaffee per getrennter Rechnung oder eine Wanderung, mehr aber nicht! Denn Geiz hole ich mir nicht ins Haus!

 

Konfrontation …

Heute gehe ich bewusst in die Herausforderung. Mit einer Meinung, die vermutlich mindestens 10 von 12 Mit-Lernenden entrüsten wird. Weil diese Meinung eine heilige Kuh angreift … oder eher: eine heimliche Monarchie. Und ich tue es mit purer Absicht. Weil ich auf der Suche nach einem Thema für mein Referat war, das polarisiert und zu Gegenmeinungen aufstachelt. Nicht, weil ich streitlustig wäre. Aber debattierlustig … das bin ich. Und die anderen Lernenden auch.

Deshalb werde ich gleich öffentlich der Deutschen liebstes Hobby durch den Kakao ziehen. Ich könnte auch über den Generationenvertrag sprechen. Oder über Friedhöfe. Oder Ernährung. Oder Bahn-Arbeitskampf. Alles polarisierende Themen. Aber keines, das Menschen so emotional werden lässt wie die Majestätsbeleidigung. Wenn König Fußball verunglimpft wird, sind alle auf den Barrikaden. Dabei verunglimpfe ich noch nicht einmal den Sport, sondern nur die Rücksichtslosigkeit der Fans und die Tatsache, dass der öffentliche Raum ohne Rückzugsflächen okkupiert wird. Aber ich bin gespannt, wer unter den 12 das wahrnimmt …

Übrigens: kennt jemand einen auch im Dezember 2022 völlig fußballfreien Weihnachtsmarkt? Ich ziehe nämlich Trompetenmusik dem Tröten von Vuvuzelas entschieden vor!

 

 

Romantik für Fortgeschrittene

Lernort ist ein verwunschenes Schloss. Übrigens gar nicht weit von den Dunklen Gassen entfernt und mit entschiedenem Pilcherfaktor. Der Tagungsraum in einem alten Schlösschen, das gemietete Bett im Seitengebäude. Verwinkelte Innenhöfe und alte Steintreppen. Den Rittersaal durchqueren wir auf jedem Weg zum Lernlokal. Vor der Tür ein weitläufiger Park mit dem Charme des Verfalls und der Romantik. Ein See, von dem morgens Nebel aufsteigen, wo die Wildgänse und Enten auffliegen, der Reiher nach Sushi fahndet und malerisch ein Schwanenpaar seine Kreise zieht. Die armlose Dame am Ufer umkreist von schwarzweißer Katze auf der Suche nach mausigem Frühstück. Lusttempelchen und Bänke. Athene auf der Lichtung und Sphinxen, die eine Pyramide bewachen. Eine Ritterburg und ein Freimaurertheater … ein Hirschgehege und der Turm, in dem die Falken nisten. Das alles inklusive in der Lernwoche. Und ich bin einfach nur bezaubert.

Und überlege schon, was ich nach Abschluss meiner Fortbildung noch „obendrauf“ packen kann, um noch einmal an diesen wunderbaren Ort zu dürfen.

Richtig: Abschluss! Der rückt allmählich in greifbare Nähe. Denn heute kam eine Mail aus der Zentrale meines Lernanbieters, dass ich das versehentlich gecancelte Event im Mai doch noch mitmachen darf! Bestätigt, Zug gebucht und los. Und zum Jahresende werde ich dann zwei Lehrgänge abgeschlossen haben mit je 10 Modulen plus zwei Neigungsmodulen extra. In nur zweieinhalb Jahren – der Zeit, die sonst für nur einen Lehrgang empfohlen wird. Und nun überlege ich, ob ich Lehrgang Nr. 3 direkt anschließe … es wären nur drei Termine mehr …

Hilfe, ich bin lernsüchtig …

 

VIP-Alarm!

Zum Lernen fährt Frau RRP Zug. Ausschließlich. Und sie bucht gerne preiswert, dafür darf es dann auch mal erster Klasse sein. So begab es sich, dass mein Gehkaffee und ich um  kurz nach vier heute morgen einen bequemen Klubsessel enterten, breit und kuschlig. Wir fuhren komfortabel, aber langsam … und bekam ich ganz en Passant noch einen Blick in interessante „Miljöhs“. Der hinter mir sitzende Schwarzafrikaner sprach mich in gutem Deutsch an und fragte nach dem Namen der gerade angesteuerten Station. Über Dingens nach Bummens fahre er. Das sah der Schaffner allerdings anders. Dem hatte er erzählt, dass er versehentlich im Zug sitze. Schaffner hatte Engelsgeduld und ihm zweimal Gelegenheit zum folgenlosen Aussteigen gegeben. Als der blinde Passagier aber nach drei Stationen immer noch saß und auch weder Geld noch Ausweis hatte, reichte es auch dem Engel – die Bundespolizei stellte dann das Empfangskomitee an der nächsten Haltestelle.

In Dingens durfte dann auch ich aussteigen und enterte erst die nächste Kaffeebud und dann meinen Anschlusszug. Nicht besonders elegant, denn den reservierten Wagen hatte man lieber im Depot gelassen. Ich fand Platz und machte es mir gemütlich. Allerdings nur für kurze Zeit, dann ging die Türe auf und zwei Rucksäcke flogen ins Abteil, gefolgt von einem Koffertrumm. Das zugehörige Männertrumm verschwand ebenso schnell wie stumm erstmal wieder. Ein distinguierter Geschäftsmann kam freundlich grüßend hinzu. Wir sinnierten über die herrenlosen Rucksäcke, die es leider nicht lange blieben. Das Männertrumm hatte nämlich offensichtlich Gefolgschaft. Ein verhuschtes Mädchen rang nach Atem und ließ sich häuslich und leider auch akustisch nieder. Da erst entfaltete sich der volle VIP-Status unseres Abteilgenossen. Die nächsten zwei Stunden redeten er und das verhuschte Mädchen über Dritte, breiteten Computer, Unterlagen und Geräuschteppiche im Abteil aus. Wichtig. Sehr wichtig war er wohl. So wichtig, dass das verhuschte Mädchen als sein Gefolge mitfuhr, obwohl sie nur eine Fahrkarte zweiter Klasse hatte. So wichtig, dass weitere Kollegen im Abteil antichambrierten und sich dem Geschäftsmann halb in den Schoß katapultierten.

Als VIP und Mädchen in Bummens ausstiegen, stand die Zeit einen Moment lang still, als der Geschäftsmann und ich die Augen synchron verdrehten … „Asterix“ hauchte ich … denn der feiste VIP lag auf seinem Sitz wie ein dicker Zenturio beim Mittagessen.

Ich bin demütig und dankbar … so selten ist es mir vergönnt, wahre VIPs zu erleben!

 

 

Arbeits-K(r)ampf und die Lust auf ein neues Road-Movie

Ich bin für gerechte Löhne. Natürlich. Und ich finde auch, dass Angestellte die Möglichkeit haben sollten, ihre Forderungen im Notfall auch mit Streiks durchzusetzen. Nur im Personenverkehr … da wird die Sache gerade heftigst übertrieben. Von beiden Seiten. Ein Gewerkschaftsführer, der selbst unter seinesgleichen nicht mehr wirklich als besonnener Verhandler gilt. Ein Großunternehmen, das auf Zeit spielt, bis die neue Gesetzeslage greift. Und Kunden, die in allen Szenarien die Geprellten sind. Die unter Umständen sogar auf Lohn verzichten müssen, wenn es ihnen die Streiks unmöglich machen, zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Kunden, die niemand fragt, welche persönlichen Folgen die ausgefallene Reise hat. Ein verpasstes Vorstellungsgespräch, eine nicht besuchte Beerdigung, eine Hochzeit ohne Trauzeugen oder der fehlgeschlagene letzte Rettungsversuch für eine Beziehung gar. Die Leidtragenden sind nicht die, die den Tarifstreit haben, sondern die vielen Tausend andere. Die zum großen Teil das Geld für ihr Ticket bezahlt haben und keine Leistung bekommen. Wenn eine Textilfirma bestreikt wird, kann sie nicht liefern und ihre Abnehmer zahlen auch nicht. Aua. Tut weh. Aber dem Richtigen. So ist es auch, wenn die Lokführer den Güterverkehr bestreiken. Fein. Trifft den Richtigen. Wenn die Lokführer jedoch im Personenverkehr streiken, verdient die Bahn kaum weniger, denn die Pendlertickets sind bezahlt und werden nicht erstattet. Nur die Pendler verlieren. Und die haben dummerweise, so sie einigermaßen umweltfreundlich bleiben möchten, keine andere Wahl als den Monopolisten. Weh würde es tun, wenn die vielen Abos storniert würden. Weh würde es tun, wenn Schadenersatz für Ausfälle anfiele … und zwar viel. Nochmals: die Forderungen der Lokführer mögen rechtens sein … aber ihre gewerkschaftliche Spitze läuft völlig aus dem Ruder. Verkehrsminister Dobrindt hat schon recht: das einzige, was ein weiterer Streik bewirkt, ist ein wachsender Unmut der betroffenen Bevölkerung … und zwar leider gegen die, die streiken. Und das ist nicht der Sinn der Sache. In den Medien ist die Bahnspitze bereits jetzt mit der Nase vorn, was Besonnenheit anbelangt. Liebe Lokführer, ihr tut euch damit wirklich keinen Gefallen …

Warum ich dieses Thema aufgreife? Nun … ich fahre diese Woche Bahn zum Lernen. Und ich befürchte, den Rückweg nicht mit meinem gebuchten erster Klasse Ticket anzutreten, sondern streikhalber zu stranden. In meinem Fall war die Lösung relativ einfach. Fernbusticket zusätzlich gebucht. Notfalls wird es Donnerstag wieder storniert und in einen Gutschein umgewandelt, den ich später mal einlöse … aber ich habe die Sicherheit, irgendwie heimzukommen, auch wenn die Bahn streikt.  25 Euro ist mir diese Sicherheit wert. Weil ich nämlich keine Lust auf ein Road Movie habe. Und es, wenn die Streiks einmal angekündigt sind, vermutlich eher keine Bustickets mehr geben wird.

 

 

Bin ich eine arrogante Ziege?

In der Männagerie ist Cargo einer der Vielschreiber. Viel, aber leider für mich nicht wirklich interessant. Den Mailwechsel zwischen uns vergleiche ich gedanklich mit dem, was passiert, wenn ich mal wieder in Dorf bin und mich mit alten Bekannten unterhalte, meinen Figaro besuche und mit ihm und seiner Mitarbeiterin plaudere und scherze. Ich kann alle Bereiche „abdecken“, die deren Interesse berühren … aber die eben nicht mein Spektrum. Das soll nicht arrogant klingen, aber es ist einfach die Wahrheit.

Und da ist jetzt dieser Mann, Cargo. Selbständig mit eigener Firma, in der beide erwachsenen Kinder ebenfalls arbeiten. Mit einem Häuschen in Nachbargroßstadt-Vorort und einem im europäischen Süden. Seit einem halben Jahr getrennt von seiner langjährigen Ehefrau und bereit und willig, sich wieder zu binden. Hobbyschrauber mit mehreren Oldtimern auf vier und zwei Rädern. Brauchtumspfleger, Griller und DIY-Mensch mit Baumarktaffinität.

Mein Gefühl dabei: Enge.

Deshalb beantworte ich Mails langsamer, als ich könnte. Deshalb lehne ich ein Telefonat bisher ab. Das Problem bin ICH nicht er. ICH gerate in Panik bei dem Gedanken, in eine „Lebenslücke“ eingepasst zu werden, ohne dass er eine solche Absicht artikulieren würde.

Er schickt mir Bilder von Autos, Häusern, Kindern und erwartet einen Kommentar. Ich äußere mich so ehrlich wie irgend möglich … wie bei einem Kind, das ein Bild malt. Mit vorsichtigen Fragen lavierend, um nicht in Fettnäpfe zu treten. Himmelherrgott … die Menschen auf den Bildern sehen unglaublich spießig aus. Ich kenne sie nicht und kann’s nicht beurteilen, aber der erste Eindruck war halt nicht „toll, die würde ich gern kennenlernen“. Autos … hübsch anzusehen … aber eben nicht meine Leidenschaft. Auch nicht das In-der-Gegend-herumfahren.

Verdammt, da ist ein bindungswilliger Mann, der nicht schlecht aussieht und definitiv kein Rutschbahn-Kandidat ist … und ich zicke rum, weil ihm die urbane und globale Leichtigkeit fehlt und weil ich in seinen Mails weltläufige Eloquenz vermisse.

Jau … das Problem bin ICH. Ich habe selbst bei Schmitzens ansatzweise geflirtet. Leider nur mit einem verheirateten Mann. Aber dieser spezielle Schmitz … der war charmant und intelligent und witzig. Ein Bankmanager, der jetzt eine Umweltorganisation führt. Und bin angeflirtet worden von einem schmitzischen Politikberater.

Was mache ich nun aber mit Cargo? Denn er ist als Mensch ein „Guter“ … und ich möchte ihn weder schlecht reden noch ihn verletzen. Aber mehr und mehr wird mir klar, dass ich nicht die Frau bin, die in seinem Leben glücklich wäre. Die mit ihm glücklich wäre. Weil ich alles, was er mir bieten würde, nicht genug schätzen könnte. Weil mir die andere Seite fehlen würde.

Irgendwie muss ich ihm das klar machen, ohne ihn zu verletzen. Die Verantwortung auf eine Weise übernehmen, die es ihm einfach macht, sich abzuwenden. Vielleicht fällt mir während der Lernwoche ein Königsweg ein …

PC Fix ist ein ganz anders, aber ähnlich gelagerter Fall. Der hat beruflich bedingt Weltsicht … ist aber in seinen privaten Interessen zu ruhig für mich. Ich hoffe aber, dass sich mit ihm vielleicht in einem kleinen Teil geteilter Interessen eine Freundschaft aufbauen lässt.

Gerade bin ich sehr nachdenklich … ob ich vielleicht besser doch noch ein wenig allein bleiben?

Nachdenklich macht mich nicht nur das Jetzt, sondern auch die Vergangenheit. So viele Menschen aus meiner Vergangenheit sind gerade in den letzten Wochen plötzlich wieder aufgetaucht. Visavis, Breathless … und nun der Mann, der mich einen Tag vor meinem Vierzigsten telefonisch abservierte und es damit in den Olymp der grausamsten Trennungen ever schaffte. Ein maskierter Besucher auf meiner D*chungellichtung. Keine Nachricht. Aber die Fassade seiner Lichtung sieht trotz fehlenden Bildes nach ihm aus. Ich habe gegoogelt und ein Bild gefunden. Zehn Jahre danach und es tut immer noch weh. Weil ich damals an der Schwelle vom Verliebtsein zum Lieben war.

Es gibt noch drei andere Männer, die ich aus meinem Leben strich. Die schlimmstmögliche Wiederbegegnung wäre die mit meinem Traumaprinzen. Und ich hoffe, diese Begegnung bleibt mir erspart, bis ich stark und sicher genug bin, sie zu meistern.

Affirmationen-Evaluationen

Anfang des Monats versuchte ich mich in Affirmation à la GlamourGirl. Zeit für Evaluation … was ist geschehen seitdem?

Unglaublich Gutes geschieht mir jeden Tag.
Ja … mir geschah gutes! Nicht nur auf der „Objektivebene“, wie die Abschlussrechnung des Stromversorgers. Sondern auch emotional. Dieses Wochenende zum Beispiel war Balsam für die Seele, Energie für die inneren Batterien!

Ich fühle mich wohl, wo ich lebe und gestalte meine Wohnung so, dass sie mir Energie gibt.
Wohl fühlen? 100 Prozent, mindestens. Allerdings bleibt Haushaltliches gerade ziemlich auf der Strecke.

Ich lebe in einer glücklichen, liebe- und lustvollen Beziehung mit einem Mann, der mir gut tut.
N.A. … aber zumindest mag ich MICH gerade ganz gern.

Ich mag meine Arbeit und ich tue sie gut, werde meiner Leistung und meinem Engagement entsprechend anerkannt und bezahlt.
Die aktiven Parts gelingen auf jeden Fall. Und meine erste große Moderation in Schmitzland bekam gute Kritiken. Die Sache mit der Bezahlung allerdings ist ein großes Problem. Meine Hierarchielinie bis hoch zu Oberboss streitet sich gerade mit den Menschlichen Quellen. Weil die Mitteilung der Quellen an mich eine bewusste Verdrehung der oberbösslichen Weisung darstellte. Ich halte mich raus aus dem Kampf der Titanen. Und hoffe, dass der Bessere (natürlich Oberboss) und damit ich gewinne …

Ich lebe in Harmonie mit meiner Familie und erziehe meine Söhne zu selbständigen Erwachsenen.
Es gibt einen Privat-Eintrag Anfang April … und der zeigt mir, dass ich bei all meinen gefühlten Unzulänglichkeiten als Mutter so schlecht nicht sein kann … und Blue bekam übrigens auch inzwischen die Zusage für sein Sozialjahr ab September.

Wunsch für die Zukunft:

Ich werde in spätestens fünf Jahren meine Lebensumstände verändern.

Ich werde dann selbstbestimmt leben –  allein oder mit einem liebenden Partner – oder in einer Wohnform, die zu diesem Zeitpunkt für mich gut ist.

Die Zukunftswünsche sind Zukunft. Keine Evaluierung möglich. Deshalb … zurückgestellt bis zum Eintritt von Änderungen oder zum Zeitpunkt 2020 … dann Bericht, auch im Scheiternsfalle …