Monatelang befand sich der entfernte Mann in meinem Handy. Statisch, nicht unterhaltsam. Denn die Kommunikation ging bis auf das eine Mal, in dem ich ihn um eine Mailadresse bat (weil ich meine Absage in mehr als 140 Zeichen verpacken wollte und dann doch keine Mail schrieb) nur von ihm aus. Nach zwei Telefonaten im Februar folgten Whazzap-Nachrichten in mindestens wöchentlichem Turnus, oft zwei, drei Nachrichten hintereinander. Ob ich antwortete, war irrelevant. Die völlig nichtssagenden Nachrichten à la „wünsche dir einen schönen Mittwoch“ erforderten ja auch (aus meiner Sicht) keine Reaktion. Frau RRP ist SMS-Muffel … das dürfte bekannt sein. Endgültig vergraulten mich die Hochzeitsbilder. Ein heiratendes Paar aus denkbar schmeichellosem Blickwinkel aufgenommen. Der Gesichtsausdruck liess an alles denken, nur nicht an Glück. Und der entfernte Mann selbst in unvorteilhafter Pose am Tisch lümmelnd. Löschen! Jetzt!
Nachdem die Strategien „Schleppend Antworten“ und „Gar nicht Antworten“ so offensichtlich nicht griffen, entschied ich mich dann doch für „Klare Ansage“. Per Mail, nicht per Whazzap. Und teilte ihm mit, dass ich unseren Kontakt beende, freundlich, aber ehrlich und mit der Aussage, dass ich nicht antworte, weil ich nicht antworten möchte. Seine Antwort erspare ich der geneigten Umwelt – sie bezog sich im Wesentlichen auf sein Bedauern, nicht mit mir s*xuell aktiv werden zu können.
Ich las, lachte herzlich … und dankte meinem Bauchgefühl.
Ein Wicht. Und es wurde höchste Zeit, ihn aus meinem Handy zu verbannen!
Die Männagerie ist ruhig derweil. Nachdem die Quengler hübsch geflochtene Körbe erhielten und der Geizkragen mir erspart bleibt, ist da noch einer, der mich interessiert. Doch der zieht gerade um und ist deshalb erstmal ein paar Tage/Wochen/Monate offline. Wer den Magentariesen und seine Auffassung von „Bereitstellung“ kennt, weiß, von welchen zeitlichen Dimensionen hier die Rede sein könnte.
Heute abend hingegen geplanter und gemischter Absturz – Mainacht mit MünchnerKindl in der Latino-Bar … und da ich gestern erfuhr, dass Schlagerfreund und Neandertaler auch kommen, wird es wohl etwas alloholischer.
Merker an mich: der Neandertaler ist ein lieber Kerl … aber das mit den Benefits funktioniert bei uns nur bedingt, auch wenn er da in manchen Stimmungen anderer Meinung ist. Gottseidank habe ich heute ein prima Alibi für Alleinheimgang … den friedlich schlafenden Blue.
Männer … nicht mein Hauptthema derzeit. Wichtig ganz andere Dinge. Und auch hier ist das Bauchgefühl ein guter Ratgeber. Mein zweites Standbein gewinnt langsam Bodenhaftung. Im nächsten Jahr werde ich praktisch einsetzen, was ich lernte. Innerhalb und außerhalb der Küche. MünchnerKindl hat mich schon „gebucht“ für ein Küchentreffen in Latino-Weitweitweg. Und ich habe einen ungewöhnlichen, aber wahrscheinlich sehr gangbaren Weg gefunden, um mir einerseits hervorragende Arbeitsbelege zu verschaffen und einen guten Ruf in Nachbarküchen, andererseits der eigenen Küche etwas zu geben, was sie von niemandem sonst bekommen kann. Das bedeutet, meine Arbeit in diesen Fällen als „Leihgabe“ zu deklarieren. Nachbarküche zahlt alle Kosten, was bei Kontinentwechsel entsprechend teuer ist, eigene Küche stellt meine Zeit zur Verfügung. Bedeutet, dass ich vor Ort für Nachbarküche meinen Job mache, aber auch die Themen meiner eigenen Küche im Blick behalte und an der einen oder anderen Rezeptkommission für meine Küche teilnehme. Und das ist die Möhre für Cheffe. Eine sehr leckere Möhre. Denn die Küchenleitung spart und viele der Küchentreffen, auf die ich so „aus eigener Kraft“ gelange, könnten wir sonst nicht besuchen. Wenn ich das ein, zwei Jahre so mache, habe ich anschließend a) eine gute Reputation und b) auch Aufträge zuhause. Letztere dann gegen nebenberufliches Honorar – außer, es betrifft meinen direkten Arbeitsbereich, dann auch hier „Leiharbeit“. Danke, Bauchgefühl … ich denke, so könnte es klappen!
Über Glück und Bauchgefühl sprachen wir auch gestern Abend. Aus dem „Elterntreffen“ wird allmählich etwas privateres. Der Rutschbahnmann fehlte wegen Fahrradunfalls, die Museumsfrau war krank. Blieben vier. Die Mutter von Wirbels Intimus, Frau Second Hand und die griechische Locke. Entspann sich nach schwerem Einstieg über Pubertätsexzesse dann eine Diskussion über Glück und Zufriedenheit und deren Charakter. Spannend. Fortsetzungswürdig.
Es lohnt sich, über Glück nachzudenken. Und ich erwäge ernsthaft, mir den Happiness-Index eines Himalayastaats irgendwann einmal näher anzuschauen. Vor Ort. Aber das ist Zukunftsmusik und eine andere Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll …