Achtung: Modecontent … mal so grundsätzlich
Wie soll Mode sein? Schön und vorteilhaft für die eigene, nicht ganz so mit Vorteilen bestückte Figur? Bezahlbar? Nachhaltig in biologisch schadstofffreier Produktion und mit fairen Arbeitsbedingungen plus Löhnen für alle, die an ihrer Schaffung mitwirkten?
Ja! Ja! Ja!
Doch die Modegöttinnen schauen mich spöttisch lächelnd an und schütteln ihre Medusenhäupter, so dass die Schlangen fliegen. Na entscheide dich schon … du kannst nicht alles haben!
Denn wenn’s schön ist, ist es nur selten nachhaltig. Und wenn – Sechser im Lotto – beides zusammentrifft, tritt Regel Zwo in Kraft … dann isses unbezahlbar.
Ich kaufe nicht mehr bei den Billigheimern. Manchmal eine Strumpfhose oder ein Paket Unterhosen im Lebensmittelmarkt. Aber Hund M und das blaue P sind für meinen eigenen Schrank gestrichen. Für den der Nachwuchsmänner leider noch nicht. Die wachsen so schnell und schleißen so effektiv … und die Passform der Hosen beim Hund sind für beide ideal. Für mich ist das Kapitel aber beendet. Definitiv. Bei den Spaniern kaufe ich auch nicht. Da mit ein bisschen leider, weil die Sachen so hübsch aussehen … aber sie passen mir eh nicht, da die Spanier für Elfen schneiden und ich eher eine Zwölfe bin.
Aber leider hat mir die liebe Nunu, deren Blog Ichkaufnix ich in der Wörterpresse seit langem verfolge, inzwischen eine Marke nach der anderen nachhaltig madig gemacht. Meine Strategie „schön und einigermaßen bezahlbar“ beinhaltete nämlich die Jagd in Ausverkauf und Outlet nach langlebig, hochwertig und hübsch. Bei Nunu durfte ich inzwischen aber lernen, dass auch diese Artikel nicht viel nachhaltiger sind als die Billigheimer. Und nun hat die Nunu auch noch meine letzte Rock-Rettung enttarnt … die Briten mit dem großen M, die es sowieso in Deutschland nicht mehr gibt und die in der gallischen Hauptstadt stets eines meiner ersten Ziele sind … mindestens 50 Teile anprobieren und dann hochglücklich mit PASSENDEN Röcken das Geschäft verlassen.
Ich hab da so ein Handicap. Ich trage nämlich gerne Business-Mode. Schlicht, edel, geradlinig. Und meistens Schwarz. Da werde ich bei den nachhaltigen Brands einfach nicht fündig. Zu sackig, zu verspielt, zu bunt oder zu beige. Die Röcke zu kurz oder ohne Stretch, die Shirts mit „Details“, die ich nicht brauchen kann und Blazer … kaum vorhanden.
Der Nachhaltigkeitsjoker Second Hand ist auch nur bedingt „applicable“ … gute Secondhandshops … d.h. mit Kleidung für den Job … die hören leider meist bei Größe 40/42 auf. Und das passt mir nicht. Ich erinnere an die Vorteile von Kleidung, die deren Fehlen am eigenen Körper ausgleichen sollten. Bzw. das Zuviel an einigen Körperstellen.
So … jetzt könnte ich natürlich hingehen und mir alles fair und nachhaltig aus Ökostoffen schneidern lassen? Kann ich aber nicht. Bezahlen. Wenn ich aussuchen könnte, würde ich’s machen. Selbst die ideale Kollektion entwerfen. Den ganzen Kompromissmist entsorgen. Und bis ans Ende meiner Tage happily ever after in meiner Basiskreation „hausen“. Träum weiter … die Medusenhäupter nicken.
Die Nunu, die beruflich durch ihre Arbeit bei Greenpeace im Nachbarland viel recherchiert zu fairer Mode, utopiert auch vom eigenen Unternehmen. Das tue ich auch. Aber ich kann ja weder nähen noch Schnitte zeichnen. Nur schöne Sachen, die sind als Bild in meinem Kopf. Ohne jedes Talent, sie jemals mit meinem Set linker Bastel- und Handarbeitshände umzusetzen.
Wenn also jemand sich berufen fühlen würde, eine Kollektion von nachhaltig produzierten BASIS-Teilen für Frauen mit verschiedensten Figuren anzubieten, die auch in der Basisfarbe SCHWARZ sämtlich verfügbar wären … dann würde ich dort liebend gerne kaufen.
Und wenn ich selbst entwerfen dürfte, würden die folgenden Teile dazugehören:
– leicht taillierter Blazer, hinten etwas länger als vorn aus Wollrips für den Winter, aus schlichter Baumwolle für den Sommer (mit etwas Stretch, damit es nicht knittert), Modell 3 in Reisequalität aus Hi-Tec Material ultraleicht
– Gehrock, leicht tailliert und an der Hüfte etwas ausgestellt oder leichte A-Linie mit unterhalb der Schulterblätter beginnendem Keil, ebenfalls Rips und Baumwolle und Reisequalität
– passende Hosen: einmal mit weitem Bein im Marlene-Stil, einmal mit etwas Stretch und knapp knöchellang,jeweils einmal Rips, BW und ganz leicht
– schlichte hochwertige Baumwollshirts mit Stretch (wichtig!) einmal mit kurzem, einmal mit Dreiviertelarm für den Rundhalsausschnitt, einmal Turtleneck, einmal Wasserfall (beide mit leicht überschnittenen Armen)
– Rock A-Linie, knielang (nicht ÜBER dem Knie!) in denselben beiden Stoffen und Stretchig aus festerem Stoff, auch knielang
– Lederstiefel in ALLEN Schaftweiten mit 6 cm Blockabsatz, 1 cm Plateau wg. Kopfsteinpflaster, die zu Röcken und Hosen taugen. Einmal Langschaft, einmal Ankle-Boot
– Blusen: einmal etwas tailliert mit Stretch, einmal ein längeres schlichtes Hemd in leichter A-Linie
– Strickjacke aus ganz leichtem Kaschmir (oder ähnlichem Material)
– Rollkragenpulli in lang, weit (Tunika) und schlicht, dreiviertelärmlig
– Kleid schlicht, Wasserfall, überschnittene Schultern, knielang mit Stretch und leichter A-Linie, Ganzjahresmodell
– Cabanjacke (länger, über Po) aus Wolle für den Winter, aus Baumwolle für den Sommer … oder eine beschichtete Form
– Schals, die die Basisfarben der Kollektion aufgreifen … Schwarz, dunkelrot, grün …
Dazu noch eine Jeans und eine kurze lässige Jacke, eine Lederjacke … und fertig ist die Grundgarderobe.
Ich würde alles in Schwarz nehmen und nur Shirts und Schals variieren … wahrscheinlich. Könnte mit vier Teilen beginnen und langsam aufbauen von Saison zu Saison. Immer ein schönes Stück dazu. Und wäre damit überglücklich.
Die Medusenhäupter schütteln sich. Brr … wenn es das gäbe, würde ja niemand mehr die vielen Sachen in den Läden kaufen! Genau … die, die meine beiden Schränke füllen.
Paris steht kopfschüttelnd vor den Modegöttinnen und beißt nachdenklich in den Apfel … da ist die Methode von der Nunu mit dem Konsumverzicht vielleicht doch die einzig gangbare.
Aber seit ich 20 bin, träume ich von einem Label, das NUR Basisstücke macht … ohne Schnickschnack. Ich will keine Mode. Ich will eine Hülle zum Wohlfühlen. Eine Rüstung für Herausforderungen. Eine zweite Haut. Mode kann sich in Schmuck und Schals ausleben, die Grundausstattung mag ich gar nicht wechseln. Sondern nachkaufen, wenn etwas kaputtgeht. So wie früher.
Ob es wirklich nur mir so geht?