Angenehm … Niklas!

Ein Tag zum Recyclen. Nicht nur wegen der virtuellen Schachtel, die nach drei Stunden endlich befüllt war, sondern auch wegen Niklas. DEM Niklas. Dem Unhold, der in ganz Deutschland mit Bäumen warf und mit Triebwagen jonglierte. Niklas machte sich am frühen Morgen erst dezent bemerkbar. In meinem Ärger über die Schachtel und die Brandschutzmauer nahm ich ihn erst gegen Mittag wirklich wahr. Pfeifend und grollend hatte er sich da schon über die Bäume zwischen den Häusern hergemacht, mit den Fenstern geklappert und die Scheiben regengesprenkelt. Ein Gefühl wie Herbst. Und was für ein Angang, mittags das Haus zu verlassen. Zum Glück erst kurz nach dem Hagelsturm. Sonne, Regen und immer wieder Böen. Unmöglich, einen Schirm zu spannen. Gottseidank, dass Niklas wohl gerade mal abgelenkt war, als ich von meiner Verabredung zurückkam, das gerade erhaltene kostbare Objekt schützend an meine Brust gedrückt. Regen- und böenfrei nach Hause gebracht und einmal aufgeatmet. Denn jenes Objekt ist ein Geschenk von Oberboss an Spitzenkoch bei Schmitzens. Ein Unikat. Und nicht gerade stabil. Wertvoll nicht in Geld, sondern in der dahinter stehenden Idee. Nichtsdestotrotz zerbrechlich. Und deshalb bin ich zu Schmitzens nun mit drei statt zwei Gepäckstücken unterwegs und hoffe, dass meine Laptoptasche als Handtasche durchgeht. Rucksacktrolley enthält jetzt etwas Kleidung zum Polstern und das Geschenk, Handtasche meine üblichen Reisenotwendigkeiten wie Schminke, Teetasse, Nasenspray, Pass und Laptop.

Die Rückreise wird leichter … da ist zumindest das ganze Verteilmaterial für die anderen Küchen weg … und eigentlich würde dann mein ganzer Krempel in den Trolleyrucksack passen …

 

 

Der Drops ist gelutscht! (NICHT!)

Es war einmal eine große Küche mit hervorragendem Ruf, die von vielen anderen Küchen in der Welt um ihre Rezepte gebeten wird. Das gefällt der Küche und sie teilt gerne. Denn sie ist eine Versuchsküche und möchte, dass viele Köche ihre Rezepturen nachkochen. Und die Köche freuen sich über jedes neue Rezept. So weit, so fein.

Die Küche ist groß, wie gesagt. Deshalb finden Modernisierungen nicht allzu häufig statt. Außer in den Rezepten selbst, natürlich. Technisch ist man also auf einem … sagen wir mal: mittelmäßigen Stand. Man traut der neuesten Technik nicht wirklich … oder traut sich nicht an sie heran, weil „man“ Angst vor Sicherheitslücken hat. Also hat man brav virtuelle Brandschutzmäuerchen gemauert, aber leider die Brandschutztüren vergessen. Stattdessen stehen da fünf kantige Bodyguards und geben jedem eine auf die Zwölf, der versucht, die Rezepte in die virtuelle Expresszustellung zu packen. Wir Köche stehen also jetzt hinter dem Mäuerchen und versuchen, unsere Rezepte irgendwie durch die Fugen zu schieben. Klappt aber nicht, denn es sind ja lange Rezepte und dicke Kochbücher. Und der Weg über die konventionelle Post zum Versand eines Datenpakets ist definitiv zu langwierig. Für die sichere Datenpost ist das Kochbuch aber zu schwer.

Also behelfen wir uns … und nutzen unsere privaten Kurierdienste für die Küchenpost. Und das führt gelegentlich dann dazu, dass Arbeitskraft für Stunden lahmgelegt wird wegen Rezeptvertriebs.

Liebe, liebe Ei-Tieh … wenn sicher effizient verhindert … dann sollte man nicht die Effizienz verhindern, sondern Räume schaffen, in denen neue Techniken genutzt werden können. Nehmt Euch ein Beispiel an den Schleusen des Raumschiffs Enterprise … da hat es doch auch geklappt! Die anderen Küchen arbeiten halt mit DIESER Technik. Da könnt Ihr Euch im Kopfstand auf unseren größten Herd packen und mit den Beinen strampeln … die werden das nicht ändern für Euch. Und wenn Ihr wollt, dass unsere Rezepte bekannt bleiben und weiter werden, müsst Ihr mitmachen. Das sagt Euch eine angesäuerte Köchin, die gerade (Euphemismus … ich versuch’s seit ZWEI Stunden) eine Rezeptanleitung des Oberbosses in eine „Ziehkiste“ zu packen versucht!

 

Zeigt her Eure Füße! (NICHT!)

Was bisher geschah:

Vor genau einer Woche versenkte ich an einem ruhigen Montagabend zwei Testobjekte in Glibbergel und Plastikummantelung. Vom Hornhuf zum Babyfuß … das versprach das Produkt innerhalb von zwei Wochen.

Der Prozess begann mit extremer Trockenheit und dem Gefühl von „Dünnhäutigkeit“ … mehrere Tage lang Meerjungfrau-Syndrom beim Gehen … d.h. unangenehmes Gefühl unter der Sohle, wie es sonst nur bei Highheels entsteht und Jucken unter der Ferse. Ab Donnerstag die ersten Anzeichen von Häutung. Schuppen, kleine Blasen, erste Hautfetzen, die abfielen. Hornhufe an Ballen und Ferse unverändert. Über das Wochenende weiter Schuppen und Fetzen. Allerdings nicht die dicke Haut der Problemzonen, sondern nur papierdünne Stücke von woanders. Den Hornhufen geht es allzu langsam an den Kragen. Heute morgen nach dem Duschen merkte ich zum ersten Mal, dass an den Fersen etwas weich wird. Aber wirkliche Veränderung? Eher nicht.

Halbzeit ist geschafft. Ich bin sehr gespannt, wie die zweite Woche verläuft. Am nächsten Montagmorgen ist Auswertung … hoffentlich mit babyzarten Füßen! Ansonsten wird das hier kein Haul, sondern ein bitterböser Jaul!

Sonntagsgedanken III – FY Sommerzeit!

Diesmal bin ich dankbar für mein Jetlag-yet-to-come. Denn bei Schmitzens wird die eine fehlende Stunde, die mir die nächste Woche so zu schaffen machen wird, dann einfach auf das große Konto des hin-und-her-Zeitverschiebens gebucht. Und da ich nach Rückkehr eh völlig platt sein werde, habe ich zum ersten Mal seit Jahren nur EINE Woche Stress mit der blöden Uhrumstellung. Und die Tatsache, dass die Nachwuchsmänner morgens nicht zur Schule müssen, ist als zusätzliche Strafmilderung zu sehen.

Mit anderen Worten: mit den anderen 73 Prozent der von Versicherern befragten Deutschen büße ich nach der „Sommerzeit“ über Wochen wichtige Teile meiner Leistungsfähigkeit ein und bin ergo DAGEGEN. Ehrlich gesagt finde ich Sommerabende in samtnachtig dunkel schöner als das lange Hell. Und das hin und her in der biologischen Uhr NERVT einfach nur.

So! Das musste noch raus. Meine innere Uhr kann nämlich noch nicht schlafen … und die äußere wird mich morgen viel zu früh wecken!

Sonntagsgedanken II – Sieg nach Punkten in Runde 12

Sonntags um 12 in Deutschland. Kein Frühstückchen sondern das übliche Elend. Abstieg ins Jammertal aka den Waschkeller zwecks Aufhängen einer unbestimmten Menge Wäsche – so viel halt, wie der hoffnungsvolle Nachwuchs in die Trommel stopfen und einer Rotation zuführen konnte. Ein Wäschestück nach dem anderen ziehe ich aus der Maschine … und wundere mich … und lache schallend. Da ist plötzlich ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „Muhammad Abi“ und „12 Runden überstanden“ … und ein passendes Hoodie gleich dazu.

Ah … ja … habe ich da etwas nicht mitbekommen? Hat der Knabe etwa heimlich sein Abitur gemacht? Nein … besagtes Shirt kauft und trägt man zum letzten Schultag. Und davor ist eine sogenannte „Mottowoche“ … so eine Art Schulkarneval. Am letzten Tag eine Party in einer großen, öffentlichen Lokalität. Vorher diverse Vorfeiern. Alles durchgetaktet. Und als Höhepunkt der Abiball. Überteuert, übertrieben … und überhypet.

Ehrlich gesagt … ich kann’s nicht verstehen. Da ist keine Individualität mehr, nichts Originelles, nichts junges und frisches … alles nur übergestülpt und kommerzialisiert … bis hin zum Hoodie. Die Werbemittler machen Reibach mit den Abiturienten. Und ich möchte nicht wissen, an wie vielen Schulen die Muhammad-Abis noch herumlaufen. Da halt bloss mit anderen Namen auf dem Rücken.

Wir hatten keine Arbeit mit unserem Abiball. Wir mussten keine Waffeln verkaufen und keine Vorfeten organisieren, um Geld beizutreiben. Weil wir keinen Abiball hatten. Nur eine Party … oder eigentlich drei. Eine am letzten Schultag, die gleichzeitig unser Abi-Gag wurde. Wir zelteten auf dem Schulgelände, dekorierten die Aula mit Ballons und das Lehrerzimmer mit Wasserbechern und einem hochmotivierenden Kuchenbuffet. Morgens holten eine Motorradeskorte und zwei Limousinen die Stufenleitung ab und zur Gaudi der kleineren Schulklassen veranstalteten wir Frühsport im Hof und Zahnpflege in den Klassenräumen. Alle hatten Spass … auch die Lehrer, die nach ein wenig Becherumschütten bei ihrem Kuchen ankamen. Als alles geschafft war, feierten wir grillend … bei einem der vielen Michaels oder Thomasse im Garten. Und nach den Zeugnissen schickten wir unsere Eltern heim und hatten eine Party in der Aula. Party. Punkt. Keine wilde Feier. Keinen Ball. Normale Klamotten. Keine Ballkleider. Und Getränke zum Selbstkostenpreis.

Mit Blue steht uns jetzt ein Abi-Ball bevor. Die Rede war erst von 25 Euro Eintritt für einen Abend Langeweile und einen Bagel. Getränke nicht inklusive. Und einen Anzug braucht Blue natürlich auch. Blau soll er sein. Dazu Hemd, Krawatte, Schuhe, Gürtel. Alltogether Outfit plus Karten 400 Euro, schätze ich mal. Wobei die Karten sich mittlerweile auf 15 Euro pro Stück relativierten … mal vier natürlich … denn Blue erwartet, dass auch sein äußerst unwilliger Bruder hingeht. Das ganze in der urgemütlichen Aula des Schulzentrums von Kaff, das den geballten Holz-an-Beton-Charme der Siebziger atmet. Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich das einfach nur furchtbar finde?  Ein genervter Wirbel, ein Blue, der uns alle zusammenfaltet, wenn wir uns ungebührlich benehmen, der Exmann, der auch überall sonst lieber wäre und mit Anlässen dieser Art auch vor 20 Jahren schon nichts anfangen konnte … und ich, die sich überlegt, wie lange sie bleiben muss, um niemanden zu brüskieren, weil am weiten Horizont niemand, aber auch niemand zu sehen ist, der auch nur entfernt als Gesprächs- oder Tanzpartner infrage käme. Denn Blue hat uns an den Tisch seines Kumpels A. der Schreckliche gesetzt. Mein eigenes Familienteam besteht aus wirklichen Party Animals (NICHT!). Wirbel wird sich langweilen und das Handy bedaddeln, Blue mit seinen Kumpels in eine Ecke verschwinden und der Exmann entweder stoisch am Tisch ausharren oder auf Kaffeesuche verschwinden. A.’s Vater ging mit mir zur Schule und war auch damals schon einer der Ruhigsten Vertreter. Seine Mutter kenne ich nicht … und frage mich, wie die Familie gedenkt, den nach Scheidung und Wiederverpartnerung beider Eltern entstandenen Marianengraben in die Tischaufteilung einzubeziehen.

Das Essen an jenem Abend in Form des Bagels scheint eine grundsatzpolitische Entscheidung zu sein. Früher gab es Buffet. Jetzt Programm. Vielleicht nicht die schlechteste Variante, wenn ich mir so angucke, für was für einen Chi-Chi andere Abiturklassen in den teuersten Hotels von Città astronomische Preise hinlegen müssen. Da ist von 75 Euro pro Karte die Rede. Und das dann bitte für Mama, Papa, drei Geschwister, die Oma und die Tante und eventuell noch mitreisenden Tross von Lebensabschnittspartnern. Da kann ich Sohn und Schule eigentlich nur dankbar sein. Und der letzte Stressfaktor ist jetzt auch vom Tisch … die Erwartung, vor dem Abiball nachmittags „nett essen zu gehen“. Die Eingebung kam mir heute nachmittag. Und nun wird das Abi familiär am Freitagabend nach der Zeugnisausgabe gefeiert. Und zwar nicht als Viererclub, sondern mit den Großeltern. Die sind stolz auf ihren Enkel und begeistert, mit ihm essen gehen zu dürfen… und sagten (meinerseitige) bereits Schuh-Sponsoring zu, Hemd ist eine Spende von GlamourGirl … bleiben nur noch Anzug und Krawatte/Fliege. Und weil wir das Essen jetzt Freitags geplant haben, gehen alle Beteiligten wesentlich entspannter am Samstag zu Teil 2 … dem Ball.

Gerade bin ich echt ambivalent. Einerseits freue ich mich darüber, dass mein Sohn bald die Schule beendet und ich würde gern mit ihm feiern. Bloss leider fühlt sich dieses ganze Procedere so verdammt wenig fröhlich an. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich mitten in der Hochsaison so was von durch sein werde an dem Termin.

Und der Sohn wirkt auch nicht fröhlich, sondern furchtbar gestresst. Sonst wäre er gestern sicher zum 18. seines Kumpels gegangen, statt heute durchzulernen. Sonst hätte er sicher keine Magenschmerzen.

Irgendwie … war das früher leichter. MIR fiel es leichter. Ich habe genau sechs Tage gelernt und nochmal zwei für die mündliche Prüfung. Und hatte keine Magenschmerzen. Blue sagt, früher sei alles leichter gewesen. Passt irgendwie nicht zu Studien, die das heutige Abitur als anspruchsloser bezeichnen. Und auch nicht zu den vielen Eins Komma oder Null Komma Abischnitten. Bei uns waren 150 Starter in Klasse 11 … 120 machten Abi. Davon EINE mit einem 1,0 Schnitt … und vielleicht zehn mit einem Eins Komma Schnitt. Ich war mit meiner Zwo Null richtig gut. Heute ist die Zwo Null … Crap. Nichts. Aber mein Blue sitzt da und magenschmerzt.

Helfen kann ich ihm nicht, dem Blue … nur Daumendrücken. Und solidarisch mitgehen zum Abiball … auch wenn er unsäglich zu werden droht! Ich sage nur … der Marianengraben.

Merker an mich selbst … Notfalltropfen einpacken! Unchillfiltered natürlich …

Sonntagsgedanken I … Candybeach schmutzt nicht (statt Kommentar)

Ich las das Posting einmal, zweimal, dreimal. Dann setzte ich zu einem Kommentar an. Schrieb ein paar Zeilen. Löschte wieder. Schrieb noch mal. Sendete … und irgendein Fehler beförderte das Ganze statt zu Nicola in einen unbekannten Orkus. Das, was ich hätte wirklich sagen wollen, wäre zu ausführlich für einen bloßen Kommentar. Deshalb kein zweiter Versuch, sondern gleich ein Posting … hier, in meiner virtuellen Küche. Die kein Ort von Ordnung ist, sondern einer der Begegnung und der sinnlichen Auseinandersetzung mit Leben und mit Sprache.

Thema Küche. Nikola schreibt sinngemäß, die Unordnung und das Chaos in ihrer schönen Küche hätten sie so genervt, dass sie seit einigen Wochen nur noch Fertiggerichte von Pappgeschirr esse. Sie meine, das stets entstehende Chaos sei Ausdruck ihrer Essstörung und die neue Art der Küchenordnung helfe ihr, Chaos innen wie außen einzudämmen. So verstand ich dich, Nicola.

Als ich las, schluckte ich. Und wurde sehr, sehr traurig. Um zu erklären, warum, muss ich ein paar meiner inneren Schichten auseinanderdröseln.

Erst einmal die Sache mit der Ordnung. Ich bin nicht ordentlich. Mir fehlt das Gen dafür. Ich habe nicht das Bedürfnis, zu putzen, zu räumen, zu wischen und zu sterilisieren. Ich sehe den Dreck erst in einem sehr späten Stadium überhaupt. Das heißt nicht, dass sich bei mir der Schimmel breitmacht oder die Wollmäuse die Wohnung komplett übernehmen. Denn ich zwinge mich. Immer wieder. Obwohl ich es hasse. Weil in meiner Wohnung eben nicht nur mein „Knies“ ist, sondern auch der der Nachwuchsmänner … und K.A.M.M. gilt … Keiner Außer Mir Macht’s.

Und eigentlich … liebe ich inzwischen Klarheit. Und träume von einer kleinen Wohnung, die kaum Arbeit macht und wünsche mir, mal nur einen Monat lang die Wohnung abends so vorzufinden, wie ich sie morgens verließ. Ja, Nicola, ich kann dich verstehen … die unaufgeräumte Küche nervt und die Arbeiten sind lästig.

Eine Essstörung habe ich auch. Die ist aber bei mir nicht für Unordnung zuständig. Nur dafür, dass ich zu den falschen Zeiten das Falsche esse, weil das verdammte Loch in der Seele nicht genug kriegen kann. Stünde mir nur Fertigfutter zur Verfügung, so würde ich trotzdem das Falsche essen. Dann eben aus der Mikrowelle und vom Pappteller, wenn mich der Sog packt. Um zu sagen: die beiden Prozesse haben nicht viel miteinander zu tun. Eigentlich haben sie nur den Ort gemeinsam … die Wohnung, die Küche.

Warum macht mich dein Posting dann so traurig? Nun … ich empfand es als „Selbstbestrafung“, um einer sauberen Küche willen diese Küche nicht mehr zu benutzen. Meine Küche ist chaotisch. Eine „Koch-Küche“. Hier stehen Ölflaschen und Gewürze herum, Behälter mit Zwiebeln und Flaschen mit Saucen. Mörser und Mühlen. Die Utensilien hängen über dem Herd, der Kühlschrank ist unordentlich, die Kaffeemaschine kriegt den einen oder anderen Spritzer ab. Und egal, ob ich gerade aufgeräumt habe oder nicht … ein bisschen unordentlich ist es immer. Und diese blöden Paprikakerne folgen eigenen Gesetzen … davon finde ich IMMER mindestens zwei auf dem Boden.

Aber: meine Kochküche lebt. Und hier sind Gäste willkommen. Mir macht Kochen Spass. Es hat etwas meditatives, stundenlang Gemüse zu schneiden und Curry zu kochen. Und frische Sachen sind ein Hochgenuss. Kein Fertiggericht kommt mit dem mit, was ich in einer Salatschüssel anmische oder mal eben in der Pfanne rühre. Die Gerüche, die Frische, der Geschmack!

Und deshalb hoffe ich, dass du, liebe Nicola, der Sinnlichkeit des Kochens und Geniessens noch eine Chance geben magst. Weil du es dir wert bist, hochwertige Lebensmittel frisch und gut zuzubereiten und sie von einem richtigen Teller zu essen. Und wenn du daran etwas organisieren musst, um keine Tellerstapel zu bilden, dann mach vielleicht einfach deine eigene Fertigküche auf, indem du dir die Mahlzeiten für den Tag auf Tellern oder in schönen Schüsselchen anrichtest. Oder mehrere Portionen kochst und einfrierst. Oder Produkte verwendest, die lecker sind und wenig „schmutzen“. Wie die Reisnudeln, die nur mit kochendem Wasser aufgegossen werden oder in einer Brühe mit Gemüse garziehen. Wie vorgeschippelte „Salatbasis“ aus Paprika, Möhre und Lauchzwiebeln, die sich kalt zum Salat und warm als Gemüse eignet.

Solange ich gesundes Essen genießen kann bei der Zubereitung wie beim Essen … so lange hat meine Essstörung einen Maulkorb. Und mich zumindest macht das zufriedener als eine ordentliche Küche.

Falls es bei dir anders sein sollte, dann entschuldige bitte und vergiss dieses Posting. Denn wenn das jetzt für dich genau richtig ist, sollte ich vielleicht einfach meine blöde Klappe halten …

 

Bin ich mit Koffer dran?

Langsam wird der Gedanke, ohne Koffer am Zielort zu stehen, zur fixen Idee. Oder auch zum Gedanken-Planspiel. So gut wie jedem Menschen meiner Bekanntschaft ist es bereits passiert. Nur GlamourGirl nicht … wobei die sich dann in eine Shoppingorgie nie gekannten Ausmaßes stürzen würde … denke ich. Aber so, wie meine mexikanische Bekannte, die plötzlich in Badeschlappen und Wickelrock auf der großen Konferenzbühne stand oder dem Großkopferten in Strickjacke am Rednerpult ging es vielen schon. Wie der Freundin in Ägypten, die eine einwöchige Rundreise mit einem Ersatz-T-Shirt bestritt. Albtraum.

Also sorgt die kluge Frau vor und hat Handgepäck. Eine Handtasche für’s Überleben. Inliegend nicht nur Wasserflasche (Alu, leer), Thermotasse zum Schrauben, PC, Schminkzeug, Nasenspray, Kaugummi und Taschentücher, sondern auch der komplette Kulturbeutel und Ersatzkleidung. Ich bin Kulturbeuteltechnisch ziemlich untypisch – komme mit der erlaubten Litertüte komplett aus. Auch für zwei Wochen.

Planspiel Handgepäck – liesse sich im Notfall eine Woche Konferenz damit bestreiten?

Eigentlich würde ich das gern mal ausprobieren. Dooferweise muss ich viele Rezeptunterlagen mitnehmen. Deshalb Koffer. Aber ganz ehrlich … ich käme mit dem Handgepäck aus. Ganz gut sogar. Die zusätzlichen beiden Hosen und die Oberteile, der Blazer und die Tücher … reiner Luxus!

Fein, Dinge nicht zu brauchen!

 

 

 

 

 

Verschwende den Tag!

Eigentlich … sollte ich jetzt arbeiten. Oder laufen. Oder irgendetwas ganz sinnvolles in meiner Wohnung tun.

Aber … wie Nena in den 80ern sang … ich bleib im Bett. Lethargie. Faulheit. Nach einem Abend der Völlerei und nicht realisierten Tanz-Plänen. Weil das gastgebende MünchnerKindl ihr ausgesperrtes Gesetzlich-nicht-mehr-Kind erlösen musste, weil die Limette einen Mann traf, von dem niemand etwas wissen durfte … GlamourGirl ist ja im Management derselben Firma und besagter Mann im Vorstand … weil ich vor Müdigkeit fast umkippte. Essen war genial … leckere Vorspeisenmischung mit Tintenfischsalat, Carpacchio, Bruschetta und Ziegenkäse und dann ein einfach himmlisches Stück Schwertfisch mit Tomaten-Oliven-Kapernsauce und feinem Gemüse … gefolgt von einer kleinen Portion Pannacotta und Chili-Orangensauce … herrlich! Dazu Rosé und ein Grappa. Den hinterher noch ausgegebenen vom Maestro trank bei mir das MünchnerKindl. Einer war genug. Reichlich. Zufriedenheit und Bettschwere.

Und nun doofe Ohrenschmerzen. Ursache wahrscheinlich Kiefer. Ich sollte mir vielleicht doch mal eine Beißschiene besorgen. Und wenn’s morgen nicht besser ist, am Montag zum Arzt gehen. Wegen des Flugs zu Schmitzens nächste Woche.

Ereignislosigkeit am Samstagmorgen. Erfolgreiches Widerstehen gegen Shopping-Verlockungen. Ich gestehe … ich bin Anlassshopperin. Wenn ich verreise, dann habe ich immer das Gefühl, ich bräuchte jetzt und sofort etwas wunderbares, etwas neues, etwas als „das ideale Teil“ und die „Rüstung“ für die Reise. Und wenn ich packe, stelle ich mir dann die Anlässe … natürlich völlig unrealistisch … vor, bei denen ich dieses wunderbare Teil nutze oder trage. Tolle Fahrt. Weil es eigentlich egal ist, ob ich eine neue Tasche trage oder meine abgewetzte Messenger-Bag. Drin ist das gleiche. Und es ist auch egal, ob ich eine neue Jacke trage … drin ist das gleiche und dort weiß niemand, dass sie neu ist. Irgendwann werde ich eine neue Tasche kaufen. Aber nicht jetzt. Und dann eine, die ich sehr, sehr sorgfältig aussuche. Weil ich ganz bestimmte Dinge möchte. Einen wirklich breiten Tragriemen und kein schmales Teil mit diesem blöden verrutschenden Polster. Am liebsten einen, den ich von ganz kurz zu ganz lang verstellen kann. Aus schwarzem Leder soll sie sein. Und groß, aber vielleicht durch einen Riegel variabel. Aber durchaus 50 cm breit, 35-40 hoch und mindestens 25 tief, einknöpfbar auf 15. Innenfächer sollte sie haben – oder eine Innentasche zum einklinken. Außenfach, dass eine Trinkflasche oder einen Schirm aufnimmt, gerne zwei davon – und eine für „Griffbereites“ wie das Ticket.

Ganz schön anspruchsvoll? Stimmt. Aber das wäre die ideale Tasche für unterwegs. Bei privaten Anlässen ausreichend für ein Wochenende, bei beruflichen genug Platz für alles inklusive Computer und Unterlagen.

Meine schöne Collegetasche hat vieles davon … leider ca. 3 Liter zuwenig Fassungsvermögen und diesen schmalen Riemen mit verrutschendem Pölsterchen. Dafür hat sie auch nur 30 Euro gekostet und begleitet mich brav zu allen Terminen vor Ort. Die angesprochene abgewetzte Messengerbag ist nicht aus Leder, aber dafür wasserdicht und sogar als Fahrradtasche zu nutzen. Sie krankt am Pölsterchen und an der etwas geschlissenen Inneneinrichtung … wird nicht mehr lange halten. Und zuwenig Platz hat auch sie.

Also suche ich, bis ich irgendwann MEINE Tasche finde. Aber nicht jetzt. Nicht, wenn Energieversorger, Kieferorthopäde und Klassenfahrt gerade Geld wollen. Punkt.

Ein Blog ist schon eine feine Sache … durch die Auseinandersetzung mit Wünschen lassen sie sich leichter verschieben als durch bloßen zähneknirschenden Verzicht … es geht doch nichts über die Kraft der Autosuggestion!

Warum Paris den Apfel nur einer Göttin geben konnte …

Achtung: Modecontent … mal so grundsätzlich

Wie soll Mode sein? Schön und vorteilhaft für die eigene, nicht ganz so mit Vorteilen bestückte Figur? Bezahlbar? Nachhaltig in biologisch schadstofffreier Produktion und mit fairen Arbeitsbedingungen plus Löhnen für alle, die an ihrer Schaffung mitwirkten?

Ja! Ja! Ja!

Doch die Modegöttinnen schauen mich spöttisch lächelnd an und schütteln ihre Medusenhäupter, so dass die Schlangen fliegen. Na entscheide dich schon … du kannst nicht alles haben!

Denn wenn’s schön ist, ist es nur selten nachhaltig. Und wenn – Sechser im Lotto – beides zusammentrifft, tritt Regel Zwo in Kraft … dann isses unbezahlbar.

Ich kaufe nicht mehr bei den Billigheimern. Manchmal eine Strumpfhose oder ein Paket Unterhosen im Lebensmittelmarkt. Aber Hund M und das blaue P sind für meinen eigenen Schrank gestrichen. Für den der Nachwuchsmänner leider noch nicht. Die wachsen so schnell und schleißen so effektiv … und die Passform der Hosen beim Hund sind für beide ideal. Für mich ist das Kapitel aber beendet. Definitiv. Bei den Spaniern kaufe ich auch nicht. Da mit ein bisschen leider, weil die Sachen so hübsch aussehen …  aber sie passen mir eh nicht, da die Spanier für Elfen schneiden und ich eher eine Zwölfe bin.

Aber leider hat mir die liebe Nunu, deren Blog Ichkaufnix ich in der Wörterpresse seit langem verfolge, inzwischen eine Marke nach der anderen nachhaltig madig gemacht. Meine Strategie „schön und einigermaßen bezahlbar“ beinhaltete nämlich die Jagd in Ausverkauf und Outlet nach langlebig, hochwertig und hübsch. Bei Nunu durfte ich inzwischen aber lernen, dass auch diese Artikel nicht viel nachhaltiger sind als die Billigheimer. Und nun hat die Nunu auch noch meine letzte Rock-Rettung enttarnt … die Briten mit dem großen M, die es sowieso in Deutschland nicht mehr gibt und die in der gallischen Hauptstadt stets eines meiner ersten Ziele sind … mindestens 50 Teile anprobieren und dann hochglücklich mit PASSENDEN Röcken das Geschäft verlassen.

Ich hab da so ein Handicap. Ich trage nämlich gerne Business-Mode. Schlicht, edel, geradlinig. Und meistens Schwarz. Da werde ich bei den nachhaltigen Brands einfach nicht fündig. Zu sackig, zu verspielt, zu bunt oder zu beige. Die Röcke zu kurz oder ohne Stretch, die Shirts mit „Details“, die ich nicht brauchen kann und Blazer … kaum vorhanden.

Der Nachhaltigkeitsjoker Second Hand ist auch nur bedingt „applicable“ … gute Secondhandshops … d.h. mit Kleidung für den Job … die hören leider meist bei Größe 40/42 auf. Und das passt mir nicht. Ich erinnere an die Vorteile von Kleidung, die deren Fehlen am eigenen Körper ausgleichen sollten. Bzw. das Zuviel an einigen Körperstellen.

So … jetzt könnte ich natürlich hingehen und mir alles fair und nachhaltig aus Ökostoffen schneidern lassen? Kann ich aber nicht. Bezahlen. Wenn ich aussuchen könnte, würde ich’s machen. Selbst die ideale Kollektion entwerfen. Den ganzen Kompromissmist entsorgen. Und bis ans Ende meiner Tage happily ever after in meiner Basiskreation „hausen“.  Träum weiter … die Medusenhäupter nicken.

Die Nunu, die beruflich durch ihre Arbeit bei Greenpeace im Nachbarland viel recherchiert zu fairer Mode, utopiert auch vom eigenen Unternehmen. Das tue ich auch. Aber ich kann ja weder nähen noch Schnitte zeichnen. Nur schöne Sachen, die sind als Bild in meinem Kopf. Ohne jedes Talent, sie jemals mit meinem Set linker Bastel- und Handarbeitshände umzusetzen.

Wenn also jemand sich berufen fühlen würde, eine Kollektion von nachhaltig produzierten BASIS-Teilen für Frauen mit verschiedensten Figuren anzubieten, die auch in der Basisfarbe SCHWARZ sämtlich verfügbar wären … dann würde ich dort liebend gerne kaufen.

Und wenn ich selbst entwerfen dürfte, würden die folgenden Teile dazugehören:

– leicht taillierter Blazer, hinten etwas länger als vorn aus Wollrips für den Winter, aus schlichter Baumwolle für den Sommer (mit etwas Stretch, damit es nicht knittert), Modell 3 in Reisequalität aus Hi-Tec Material ultraleicht

– Gehrock, leicht tailliert und an der Hüfte etwas ausgestellt oder leichte A-Linie mit unterhalb der Schulterblätter beginnendem Keil, ebenfalls Rips und Baumwolle und Reisequalität

– passende Hosen: einmal mit weitem Bein im Marlene-Stil, einmal mit etwas Stretch und knapp knöchellang,jeweils einmal Rips, BW und ganz leicht

– schlichte hochwertige Baumwollshirts mit Stretch (wichtig!) einmal mit kurzem, einmal mit Dreiviertelarm für den Rundhalsausschnitt, einmal Turtleneck, einmal Wasserfall (beide mit leicht überschnittenen Armen)

– Rock A-Linie, knielang (nicht ÜBER dem Knie!) in denselben beiden Stoffen und Stretchig aus festerem Stoff, auch knielang

– Lederstiefel in ALLEN Schaftweiten mit 6 cm Blockabsatz, 1 cm Plateau wg. Kopfsteinpflaster, die zu Röcken und Hosen taugen. Einmal Langschaft, einmal Ankle-Boot

– Blusen: einmal etwas tailliert mit Stretch, einmal ein längeres schlichtes Hemd in leichter A-Linie

– Strickjacke aus ganz leichtem Kaschmir (oder ähnlichem Material)

– Rollkragenpulli in lang, weit (Tunika) und schlicht, dreiviertelärmlig

– Kleid schlicht, Wasserfall, überschnittene Schultern, knielang mit Stretch und leichter A-Linie, Ganzjahresmodell

– Cabanjacke (länger, über Po) aus Wolle für den Winter, aus Baumwolle für den Sommer … oder eine beschichtete Form

– Schals, die die Basisfarben der Kollektion aufgreifen … Schwarz, dunkelrot, grün …

Dazu noch eine Jeans und eine kurze lässige Jacke, eine Lederjacke … und fertig ist die Grundgarderobe.

Ich würde alles in Schwarz nehmen und nur Shirts und Schals variieren … wahrscheinlich. Könnte mit vier Teilen beginnen und langsam aufbauen von Saison zu Saison. Immer ein schönes Stück dazu. Und wäre damit überglücklich.

Die Medusenhäupter schütteln sich. Brr … wenn es das gäbe, würde ja niemand mehr die vielen Sachen in den Läden kaufen! Genau … die, die meine beiden Schränke füllen.

Paris steht kopfschüttelnd vor den Modegöttinnen und beißt nachdenklich in den Apfel … da ist die Methode von der Nunu mit dem Konsumverzicht vielleicht doch die einzig gangbare.

Aber seit ich 20 bin, träume ich von einem Label, das NUR Basisstücke macht … ohne Schnickschnack. Ich will keine Mode. Ich will eine Hülle zum Wohlfühlen. Eine Rüstung für Herausforderungen. Eine zweite Haut. Mode kann sich in Schmuck und Schals ausleben, die Grundausstattung mag ich gar nicht wechseln. Sondern nachkaufen, wenn etwas kaputtgeht. So wie früher.

Ob es wirklich nur mir so geht?

 

 

 

Elterngarten mit Männerrutsche

Nur ein kleines Mosaikteilchen ist es, das das ganze Gefüge zusammenhält. Bricht dieses eine Teilchen heraus, ist das Mosaik zerstört.

Sehr nachdenklich komme ich von einer fröhlichen Runde nach Hause. Das Elterndingens erwies sich als außerordentlich unterhaltsam und kommunikativ. Ob es an der Abwesenheit der begeisterten Team-Mutter lag? Oder an einer völlig neuen Seite von Barbapapa, dem passionierten Beirats in unserer Mitte? Vielleicht ein bisschen an beidem. Jedenfalls unterhielten wir uns im wesentlichen nicht über den Nachwuchs. Und doppelnicht über die Schule.

Das oben erwähnte Mosaikteilchen betrifft Barbapapa. Und es sitzt verflixt locker. Doch um es wieder zu fixieren, bedarf es zweier Paare Hände und eines neuen Ausbalancierens der umgebenden Teilchen. Für Außenstehende so einfach zu folgern. Für darin befindliche unendliche Hürden. Männer wie Barbapapa sind die Krüge, die so lange zum Brunnen gehen, bis sie brechen. Und dann fliegen die Scherben in alle Winde.

Einmal mit der Faust auf den Tisch zu hauen … das hätte vermutlich geholfen, wenn es denn vor Jahren passiert wäre. Einmal die eigenen Grenzen abstecken … BEVOR sie überschritten werden. Einmal bei Grenzüberschreitungen Konsequenzen ziehen … so lange sie noch überschaubar sind. Irgendwann ist die Zeit für Grenzen, Konsequenzen und Fäuste auf Möbelstücken vorbei. Wenn es dann eskaliert, kann es nicht anders als wirklich schlimm werden. Dann fallen die Mosaikteilchen in einem wirren Haufen zu Boden.

Dann explodiert die Situation. Männerrutsche.