Leben mit 300 Dingen … freie Assoziationen

Neulich las ich das Blog einer Frau, die mit 300 Gegenständen lebt. Limit. Wenn sie darüber hinaus etwas braucht, wird etwas weggegeben oder es wird geliehen. Das ist Bedürfnislosigkeit total. Denn allein in meinem Schlafzimmer dürften, wenn ich jedes Stück Modeschmuck mitrechne, wohl 2000 bis 3000 Gegenstände sein. Vom Kleiderschrank bis zur Glücksbringer-Münze und zur Haarklammer. Wie viele Gegenstände sind in einer durchschnittlichen Wohnung? Und wie viele davon werden wirklich, wirklich gebraucht?

Die 300 würden mir nicht entsprechen. Ich würde es noch nicht einmal schaffen, den Kleiderschrank auf dieses Ziel zu reduzieren. Ich lebe wohl in einer ziemlich weit entfernten Ecke des Sonnensystems, wenn ich mir betrachte, womit diese Frau so auskommt.

Und habe es im Februar „geschafft“, meinen Kleiderbestand doch um vier Teile anwachsen zu lassen. Zwei schlichte schwarze Hosen, ein Top, eine Strickjacke. Das Top ist wunderbar .. Designerstück für 15 Euro ergattert. Die (gelbe, nicht rote!) Jacke war meine „Rüstung“ für zwei wichtige Gespräche. Und ist ein vielseitiges Basisstück. Insgesamt 120 Euro hat alles zusammen gekostet … 370 Euro wären es gewesen, hätte ich die Sachen zum regulären Preis erwerben wollen. Ein neuer Trolley-Rucksack, eine Handyhülle und vier gebrauchte Taschenbücher.

Zu Schmitzens reisen werde ich trotzdem mit dem alten Koffer. Weil die Airline das Gepäck mies behandelt. Und weil ich wahrscheinlich den halben Koffer voll Küchenkrempel haben werde. Für eigenes Zeug rechne ich mal höchstens acht Kilo ein. Da kann ich ja meine großspurig angekündigte „Kapselgarderobe“ direkt ausprobieren!

Kommen wir zum Monatsfazit Februar. Wir schreiben den Monatsletzten. Und zum ersten Mal seit Jahren habe ich mein Gehalt wirklich „zur Verfügung“ … auch wenn ich gestern schon etwas davon abhob. Der März wird ein teurer Monat … allein wegen Blues Geburtstag. Und eine Seminarrechnung wird auch noch kommen. Aber ich rechne mit der Steuer … irgendwann im März.

Nein, ich bin nicht mein „besseres Selbst“. Aber ich bin auf einem guten Weg. Weil die Bewusstmachung funktioniert. Und weil ich bereit bin, mich von Dingen zu trennen. Gestern Abend verschenkte ich eine Handtasche und eine Kette an meine Schwester, eine Trolley-Reisetasche an Nichte Kobold und viel Bürokram. Und ein Kleid. Das war aber nicht aus Altbestand. Sondern eine Entdeckung im Outlet. Mein Augenmaß war richtig … es passte meiner Schwester perfekt und die Farben waren wunderbar für sie. Zwar hat sie erst im April Geburtstag, aber dieses Kleid musste einfach sein … da stand ihr Name drauf! Wir kommen uns gerade auf einer neuen Ebene näher, meine Schwester und ich. Zum ersten Mal verbringen wir Zeit miteinander, die nicht von unserer Mutter gesteuert ist … und lernen uns als Menschen statt als Geschwister kennen. Anders. Tut gut.

Stolz bin ich im Februar auf meinen Mut, endlich mit dem Fuß aufzustampfen in der Küche. Was es bringen wird, weiß ich noch nicht. Aber mir hat es jetzt schon etwas gegeben … das Gefühl von Würde! Und auch von Wertschätzung … besonders im Gespräch mit Frau Cheffe von der Nachbarkochzeile.

Der letzte Tag des Monats bringt strahlenden Sonnenschein und die Aussicht auf einen Abend bei Jazz in der Nachbargroßstadt.

Raus, an die frische Luft. Sie schnappen …  (frei nach Heinz E.)

 

 

 

Eigentlich bin ich ganz gut … ich merke es nur nicht immer

Ich lese weiter bei Frau N.

Einige Male ertappe ich mich. Vor allem bei Sprüchen à la „Werde dein neues Ich“. Oder bei der Gewichtsabnahme in vergangenen Zeiten. Damals dachte ich wirklich, dass Abnehmen mein Leben ändern würde. Meinen jetzigen Job in der Küche bekam ich allerdings zu meinen fettesten Zeiten (jedenfalls die Vorstufe des Festjobs). Die Sache mit der Partnerschaft allerdings … die war schon erfolgreicher in Zeiten eiserner Fettdisziplin, was aber auch am Alter liegen könnte.

Aber was tue ich mit meinem inneren Bedürfnis nach Weite und Horizont? Nach Lernen und neuen Eindrücken? Ich gehe ein wie eine Primel, wenn ich in ständiger Routine bleiben muss. Vielleicht bin ich einfach nicht der Selbstoptimierung verschrieben, sondern eine Extravertierte in hoher Potenz, die ohne Input von Außen vor sich hin mickert?

Scheisse an mir ist dann nur die Wirkung auf die Umgebung. Die findet das nämlich total anstrengend, wenn ich mich begeistere und in einem fort neue Pläne spinne. Für mich ist es keine Überwindung, eine neue Sprache zu lernen, sondern eine Wundertüte. Aber ich bin realistisch genug für die Einsicht, dass für den Spanischkurs gerade kein Platz in meinem Leben ist. Erstens, weil ich mich bereits für eine Serie Lerneinheiten entschieden habe, die mir wirklich Spaß machen. Und zweitens, weil ich zu den Menschen gehöre, denen das Zusammensein mit Freunden wichtig ist. Wenn die Serie vorbei ist … dann gerne Spanisch. Und wahrscheinlich noch mit dem Bonus, dass eine Freundin meine Lehrerin sein kann … wozu ist die Limette Muttersprachlerin?

Berufliche Optimierung … gerade las ich von Bestimmung. Wenn ich Frau N. folge und mir ausmale, was ich tun will, bin ich in meiner Küche verdammt nah dran. Und ich merke, dass mit den Fortbildungen der letzten beiden Jahre mein SPASS an diesem Tun noch gestiegen ist. Weil ich gelernt habe, Situationen so für mich zu gestalten, dass sie gut für MICH sind. Selbstbestimmung ist toll … und eben das Gegenteil von sich-verbiegen-müssen.

In einer Sache bin ich der Selbstpeitscherei allerdings kontinuierlich schuldig: Ordnung und Struktur. Den Nachwuchsmännern bin ich schuldig, die Wohnung nicht verlottern zu lassen. Ich wäre gerne scheisse. Wirklich sehr, sehr gerne. Es täte mir gut, nach Hause zu kommen nach langem Tag plus Abendtermin und einfach nur noch abzuhängen, statt in schlechtem Muttergewissen zu kochen, vorzukochen, Schulbrote zu schmieren und am kostbaren Wochenende Putzorgien zu veranstalten, die niemals reichen, weil das Geld eben nicht für eine Putzfrau reicht. Ich zwinge mich nachts um halb zwölf zum Wäscheaufhängen, weil eben das K.A.M.M.-Prinzip greift … Keiner Außer Mir Macht’s.

Am Arbeitsort liegen stapelweise Rezeptideen und andere Unterlagen … K.A.M.M. … und anderes ist immer wichtiger. Und die private Ablage ist ein Chaos.

Ich gebe zu … hier ist Selbstoptimierung wirklich das, was ich verfolge. Jahrelang nur mit Visualisierung und Traum von „ab morgen ist alles perfekt“. Im November belegte ich dann ein Seminar zur Selbstorganisation und zum Zeitmanagement. Eigentlich habe ich nichts von den dort vermittelten Techniken übernommen. Die pathetische Selbstverpflichtung dürfte irgendwo in einem Stapel herumliegen. Und mein Büro ist ähnlich unaufgeräumt wie vorher, während ich an meiner Kochzeile herumexperimentiere. Aber trotzdem … ist eine Art Knoten geplatzt. Ich habe es geschafft, zumindest meine Steuern à jour zu bringen und zu beginnen, die privaten Dokumente zu sortieren. Nicht deshalb, weil ich dadurch ein besserer Mensch werde, sondern weil ich es für wichtig halte, dass Dokumente auffindbar sind. Schließlich reise ich für die Küche auch weiter weg – Yepp, Cheffe möchte jetzt doch, dass ich demnächst wieder zu Schmitzens fliege.

Gewicht … hier tue ich mich schwer mit dem Begriff der Selbstoptimierung. Ich werde 50. Ich erlaube mir, auch den Körper einer 50jährigen zu haben. Auch wenn andere – Männer – das vielleicht von mir erwarten sollten. Trotzdem möchte ich nicht dicker werden, als ich es bereits bin. Wohler fühle ich mich mit etwas weniger Gewicht. Mit Selbstbeschränkung kenne ich mich aus. Das macht nur gierig auf die verbotenen Früchte. Also versuche ich, zumindest die schlimmsten Sucht-Exzesse zu begrenzen. Ich kaufe keine Schokolade und keinen Kuchen auf Vorrat. Wenn ich das essen möchte, dann eher mal aushäusig. Ein Stück Kuchen im Café zum Beispiel. Das Gemeine ist, dass ich eigentlich Salat liebe, aber die Zubereitung von Mahlzeiten für die Nachwuchsmänner zu lange dauert, um dann noch Salat für mich machen zu können. Mütter-Dilemma. Ich bin also gar nicht so scheisse in mir selbst, aber ich muss Kompromisse eingehen. Also … milde sein!

Beim Sport hingegen komme ich der Selbstakzeptanz immer näher. Ich merke, wie gut mir die Runden am Fluss tun. Besser als der Hantelsport. Also nutze ich den Sportclub seit drei Monaten fast täglich als Dusche und Sauna. Und bin glücklich damit.. Ausnahme heute. Nicht in erster Linie, weil es regnet, sondern weil ich Punkt 9 in der Küche sein möchte. Aus Gründen. Und um für jemanden erreichbar zu sein.

So lange ich die für die Ruhe in meinem Geist so wichtige Bewegung habe, muss ich mich nicht auf Geräte oder in Kurse peitschen. Vielleicht kommt auch dafür wieder eine Zeit … aber jetzt brauche ich die Luft und das Wasser, den Schrittrhythmus, die Ruhe und die fließende Assoziation von Gedanken, die das Hirn sauber spült. Ich bin nicht scheisse … aber ich bleibe bei mir.

Auch die Aussagen zu Therapie u.ä. finde ich sehr, sehr generalistisch bei Frau N.. Wie viele Menschen brauchen Hilfe dabei, Verletzungen von außen zu heilen? Es geht nicht um Optimierung, sondern um HEILUNG. Um die Versöhnung mit sich selbst. Nicht darum, ein anderes Selbst zu werden, sondern darum, sich selbst anders zu verstehen.

Und in dieser Hinsicht bekenne ich mich ein weiteres Mal schuldig. Ich habe die Zuhörerin gebraucht, um zu verstehen, warum ich immer wieder in Muster geriet, die mir sehr schadeten. Ich habe die Einsicht gebraucht, um Signale richtig zu deuten und Energievampire zum Teufel zu schicken. Wäre ich so scheisse, d.h. von der Überzeugung, dass ich für eine Beziehung mein Selbst verbiegen muss und es nicht wert bin, geliebt zu werden, gesteuert, geblieben … dann wäre ich vermutlich heute ein körperliches und seelisches Wrack, das hospitalistisch den Kopf gegen das davor befindliche Brett dengelt.

Ich habe einen starken Selbsterhaltungstrieb. Vielleicht hätte ich es auch so geschafft. Aber die richtigen Fragen zur richtigen Zeit … die haben mich zum Denken und Schließen gebracht.

In vielem bin ich wahrscheinlich noch eckiger und kantiger … also gar nicht dem Bild der Stromlinienform und des optimierten Menschen entsprechend.

Bin ich scheisse?

Das Dumme ist, dass das niemand abschließend beurteilen wird. Am wenigsten ich selbst. Denn wenn ich mich für scheisse entscheide … finde ich das doch im Grunde wieder gut … also bin ich dann gut, wie ich bin, gelle?

Andere hingegen finden mich teils extrem gut, teils extrem scheisse. Ich polarisiere. Schon immer. Kein Mensch für Gruppen, eher für Einzelbeziehungen. Aber das habe ich schon sehr früh im Leben verstanden.

Eine Sache allerdings gibt es … in der versuche ich ganz bewusst, das IST zu akzeptieren. Und mich nicht scheisse deswegen zu fühlen. Nämlich die Warteschleife zum selbstbestimmten Leben NACH den Kindern. Die dauert noch. Und ohne mich als Mutter scheisse zu fühlen, jiepere ich trotzdem nach dem, was da noch kommt. Muss ich daran jetzt eigentlich arbeiten oder darf ich diese Sehnsucht einfach als Teil meines Fühlens akzeptieren?

Und … die Partnersuche? Heisst, so scheisse bleiben wie ich bin im Extremfall, mich selbst „auszusortieren“? Oder heisst es, mich als Single scheisse zu finden? Und es dann wieder gut zu finden?

Ist so scheisse bleiben wie ich bin nicht die ultimative Akzeptanz von innerer Stagnation?

Nicht falsch verstehen … auch ich halte nichts vom durchgetakteten Leben von Peh-Kipp bis Beschäftigungskurse im Hospiz. Ich halte nichts von 20-Stunden Tagen (jedenfalls nur aus-aus-aus-ausnahmsweise einmal in zwei Jahren) oder von Plänen zum Einbau von Pflicht-Freizeit in den Terminkalender.

Viel halte ich aber davon, mich selbst ausgeglichen zu fühlen. Und dafür brauche ich meine Oasen. Wie die morgendliche Flussrunde. Oder die Zeit für einen Wein mit einer Freundin. Diese Oasen muss ich mit einem  Claim abstecken. Gegenüber dem Job, aber auch gegenüber der Familie. Familie sorgt für Planung. Immer. Und wenn frau nicht aufpasst, wird sie verplant. Also immer schön Claim setzen.

Morgen mehr … dieses Buch reizt zur Auseinandersetzung … mit der Meinung der Autorin und mit mir selbst …

 

Die Zeit der Träume

GlamourGirl albträumt jede Nacht. Bedrohungssituationen. Und meine Träume werden immer seltsamer. Gestern träumte ich, ich sei aus meinem Dachwohnungsparadies ausgezogen in ein Nachbarhaus. Tolle, stylish eingerichtete Wohnung … nur die Nachwuchsmänner (im Traum noch Kinder) hatte ich … vergessen. Die wohnten noch in der anderen Wohnung. Weitere Protagonisten waren Vermieter im Rentenalter, ein ausbaufähiger Speicher und seltsame, neue alte Schränke, die ich mir nie gekauft hätte und die auf Bücherstapeln aufgebockt standen. Seltsam, sehr seltsam. Und ich war meiner Blase und meinem Presslufthammer-Ohr so gar nicht undankbar für’s Wecken.

Im echten Leben kesselt es gerade. Morgen treffe ich mich mit Frau Cheffe … der, die besagten Job zu vergeben hat. Bereits gestern aber legte ich beim jetzigen Cheffe die Karten auf den Tisch … er hätte es sowieso erfahren, sobald die Bewerbung geschrieben ist, denn in unserer Küche gehen interne Bewerbungen über den Tisch des jeweiligen Cheffe. Karten auf den Tisch hieß in diesem Fall die offene Ansage, dass ich liebend gern bleiben möchte, aber ohne jedwede finanzielle Perspektive mich gezwungen sähe, in naher Zukunft einen Job ohne Herzblut zu machen, wenn er mir eventuell die paar Euro mehr Rente sichert, die mich von Altersarmut trennen. Oder in between meinen Nachwuchsmännern den Start ins Leben erleichtern. Nach der Schockstarre rang er alle vorhandenen Hände (wie viele Extremitäten hat so ein durchschnittlicher Chef eigentlich?), lamentierte über das von mir im letzten Jahr abgelehnte Verfahren (richtig: ich sehe es in der Sache nicht ein und habe selten menschenunwürdigere Einstellung erlebt … Verhältnis zu Human Ressources ist dauerhaft gestört) und beklagte laut seine eigene, jämmerliche Zukunft ohne mich. Nicht, dass der Mann mir persönlich besonders innig zugetan wäre … aber er hängt quasi an meinem Hirntropf. Und da komme ich und will weg. Bzw. will gar nicht weg. Aber gehe weg, wenn sich nicht schnell etwas ändert für mich.

Er hat Schiss, definitiv. Und deshalb ein Gespräch beim nächsthöheren Cheffe für heute vereinbart. Und er weiß, dass ich mich bis Montag entscheiden muss. Leider weiß er auch, dass ich meinen jetzigen Job als berufliche „große Liebe“ fühle. Und deshalb mehr Kompromisse zu machen bereit bin, als vielleicht gut für mich ist.

Mit Frau Cheffe treffe ich mich trotzdem. Ich will mehr wissen über den anderen Job. Und ausloten, ob ich das könnte. Ganz andere Arbeitsinhalte, ganz andere Arbeitsbedingungen. Schlechtere rein räumlich. Anderer Arbeitsort innerhalb von Città. Nicht mehr neben Sportclub. Nicht mehr die besondere Atmosphäre meines jetzigen Kochortes. Inhaltlich ok, alles Dinge, die ich gelernt habe und beherrsche. Ein wesentlicher Aspekt, der meinen Neigungen sehr entgegenkommt im jetzigen Job, fehlt aber fast völlig. Kollegenteam durchwachsen. Ich mag Frau Cheffe mitsamt ihren Ecken und Kanten. Minus: Viele der jahrelang gewachsenen Freiheiten, die ich jetzt habe, entfielen. Schon dem Team zuliebe. Sehr viele. Wie viele, soll das Gespräch mit Frau Cheffe aufzeigen. Schon jetzt weiß ich, dass der finanzielle Vorteil des Wechsels sehr, sehr teuer erkauft sein würde. Und ich frage mich, ob es sich lohnt, für nur eine kleine Stufe dieses Risiko einzugehen …

Die Antwort habe ich mir längst gegeben. Und nun hoffe und bete ich (ja …auch das) dass die vereinten Cheffes mir einen Vorschlag machen können, der mir die Möglichkeit gibt, zu bleiben wo ich bin und trotzdem finanziell sicherer zu stehen.

Ich fühle mich so verdammt wohl in meiner kleinen Spezialitätenküche. Auch wenn durch den Weggang von Faulpelz, die Pensionierung der Bürodiva und die Krankheiten von Jojo (benannt nach dem gleichnamigen Effekt) das Team ein wenig dem Freundeskreis junger Kinder mit maximal pigmentierter Haut aus dem Kinderlied ähnelt, deren Zahl stetig schrumpft. Momentan sind wir bei „da waren’s nur noch acht“. Was den Job, sagen wir mal: ehrgeizig macht.

Und trotzdem ist es seit elf Jahren der beste Job, den ich mir vorstellen kann. Bis auf das Geld eben.

Drückt mir Daumen, Zehen und alles was ihr habt …

 

 

 

 

Bin ich überhaupt Sch …?

Annika hat es mir wärmstens ans Herz gelegt: das schreiend pinkfarbene Pamphlet der Frau N. mit dem aggressiv die Zähne bleckenden Lama auf dem Titel. Gestern fischte ich es aus dem Postkasten und nach einer längeren Orgie des mütterlichen Gewissens versus Abendtermine gipfelnd in der Zubereitung von drei Mahlzeiten, die säuberlich aufgeteilt in Mikrowellengeschirr die Nachwuchsmänner in den nächsten Tagen am Leben und bei Laune erhalten sollen, schritt ich zur Lektüre. Die Autorin will so scheisse bleiben wie sie ist, sagt sie. Auf Seite 40 ereilte mich der Sudden Death. Erschöpfung um 20.30 Uhr und seltsame Träume in meinem vom Ohr-Presslufthammer genervten Kopf. Ich fuhr an meinem ehemaligen Wohnhaus, dem mit meiner schnuckligen Dachwohnung vorbei. Neben mir saß ein Mann im Auto, der sich um seine Eltern, die dort wohnten, sorgte. Meine Vermieter hatten einen Sohn … doch der war kein Objekt der Begierde, nie. Er fuhr mich in die Straße, in der meine Eltern wohnten. Immer weiter den Hügel hoch. Statt der Bungalowsiedlung plötzlich eine Landschaft wie in Südeuropa, Staub, gleißende Sonne, weiße flache Häuser. Ich stieg aus, er fuhr weg. Hinter einem Metallzaun mein Haus. Ich ging an den Abhang gegenüber, als plötzlich eine kleine, dicke Schlange sich vor mir kringelte und mich mit weitem Schlund anfauchte … ich sprang aus ihrer Reichweite … sie war nicht groß und etwas weiter weg. Am Zaun ein Schild, ich möge mich endlich um die Bepflanzung kümmern. Dann weckte mich mein Presslufthammer und ich stellte ihn mittels eines einseitigen Ohrstöpsels so ruhig, dass ich noch einige Stunden weiterschlafen konnte.

Aber zurück zu Frau N. und den ersten 40 Seiten. Die Beispiele leuchten ein … weil unrealistisch. Vom Tellerwäscher zum Millionär, mit 60 noch die große Liebe. Das Leben komplett umgekrempelt. Erfolgsgeschichten für Träumer und der Stoff, aus dem Karamellfilme sind. Mit Karamell kenne ich mich aus. Sowohl dem, das meine Taille zum Rettungsring umgestaltet als auch mit dem süß triefenden Single-Methadon aus dem TV. Ich bin also nicht so arg anfällig für die Plots.

Auch beschloss ich bereits mit 16, dass gewisse Dinge einfach zu mir gehören und ich sie nicht im Dienste der sozialen Kompatibilität oder gar der Freundschaftsgewinnung aufgeben würde. Nach jahrelangem Leiden im Klassenverbund ging ich glücklich und Peer-Group-frei in die Oberstufe. Und – welch Wunder – gewann und festigte fürderhin dauerhafte Freundschaften mit Menschen, die mich genau für meine Eigenständigkeit und mit meinen „Marotten“ mochten und inzwischen sogar lieben – huhu – Allerbeste!

Es gibt allerdings Dinge, die ich sehr wohl an mir „optimieren“ musste und noch muss in meinem Leben. Nicht, weil andere das von mir verlangen. Nicht, weil ich dadurch der Mensch würde, der ich immer sein wollte. Sondern weil mein Leben durch die „alte Version“ sehr erschwert wurde. Zum Beispiel habe ich es immer geliebt, zu meiner natürlichen Aufwachzeit aufzustehen. Mit Kindern nicht möglich. Also musste ich mich umerziehen. Dasselbe gilt für meinen Hang zur Unordnung und die absolute Gleichgültigkeit gegenüber Haushaltspflichten. Darf ich als Mutter nicht. Wenn drei in einer Wohnung leben und nur eine haushaltet … dann ist die Meßlatte einfach da. Nicht perfektionistisch, aber eben das Notwendige. Und selbst das fordert mich. Bis zur Erschöpfung. Finanzmanagement – ebenso lebensnotwendig. Weil sein Fehlen mich in Situationen bringt oder bringen würde, die mir schaden.

In diesen Dingen darf ich nicht Scheisse bleiben. Geht nicht. Weil ich mir selbst oder meinen Kindern schade.

Nächste Baustelle. Job. Schuldig. Ich arbeite inhaltlich in einem Job, der meinem Traumjob ziemlich nahekommt. Aber trotzdem überlege ich gerade, die Kochzeile zu wechseln. Wegen des Geldes. Und dann wesentlich langweiligere Rezepturen für mehr Geld zu entwickeln. Ich bin nicht sicher, ob das gut für mich ist. Aber ich habe Angst vor der Zukunft. Es wäre ein Wechsel innerhalb der Küche. Also ohne Probezeitrisiko etc. Bevor ich das angehe, brauche ich Klartext. Ich treffe mich mit der dortigen Cheffe, um offen über Chancen und Risiken zu sprechen. Wir kennen uns gut. Arbeiten oft zusammen. Hier ist Offenheit der einzig gute Weg. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Job so gut sein kann wie in meinem jetzigen … obwohl ich die technischen Voraussetzungen mehr als mitbringe. Aber ich muss klären, was wirklich Sache ist. Und … es wäre eine völlig andere Arbeitsatmosphäre. Ich würde wahrscheinlich vieles vermissen. Aber kann ich wirklich auf dieser Gehaltsstufe bleiben dauerhaft? Die andere Möglichkeit wäre eine Kampfbewerbung innerhalb des eigenen Teams … ausbrechen aus dem Modell, in dem alle ein bisschen gewinnen und versuchen, zu „springen“. Dabei aber mehrere Kollegen auszubooten. Auch das eine offene Frage. Weil das hinterher ja auch noch lebbar sein muss.

Baustelle Sport. Hier bin ich milde zu mir. Solange ich meine Flussrunden mehr liebe als den Sport im Club, nutze ich letzteren halt als Dusche und Sauna. Hauptsache Bewegung. Denn die ist bei mir nicht Fitnessmittel, sondern das, was mich klar im Kopf und bei Kräften bleiben lässt. Mittel zum Wohlbefinden, nicht Stressfaktor. Und genau da will ich bleiben … beim Wohlbefinden.

Baustelle Übergewicht. Hier fühle ich mehr als ambivalent. Es ist völlig richtig, dass sich viel zu viele Menschen wegen zwei, drei Kilo oder einer Kleidergröße unendlich viel Druck machen. Und das halte ich für genauso falsch wie die Autorin. Trotzdem ist hier ein Feld, in dem ich zum Selbstoptimierungswunsch mehr als neige und mir genau den Druck mache, den Frau N. beschreibt. Weil mein Übergewicht beträchtlich mehr als zwei, drei Kilo ist und ich die gesundheitlichen Auswirkungen drosseln möchte. Keine Sorge, ich bleibe in jedem Fall Scheisse … denn eine Fünfzigjährige mit Bauchansatz und delligen Oberschenkeln  ist nicht optimiert. Aber eine locker sitzende 42/44 … das wäre ein Zustand, mit dem ich zufrieden und gefühlt wohler wäre. Dafür muss ich mich nicht grundoptimieren und quälen, sondern nur ein paar ganz üble Gewohnheiten abstoßen, die ich mir in Stressphasen angewöhnte. Ich sage nur Kuchendealer vor der Küche …

Liebe Annika, ich lese weiter … und vielleicht gelange ich im Laufe der Lektüre noch zu anderen Schlüssen … ich bin neugierig!

Erschöpfung … irgendwie

Gestern kam der Winter wieder. Schneeregen auf zugiger Brücke war genau der richtige Einstieg in den Arbeitstag post Krank-Wochenende. Alles irgendwie diffus. Inklusive Rezeptkommission mit Liberty am Nachmittag. Wider besseres Wissen die Nachwuchsmänner auf Selbstmachpizza angesetzt und zu viel Geld für einen Vorspeisenteller ausgegeben, der viel weniger gut war als bei meinem letzten Besuch. Weniger gegrilltes Gemüse, viel zu viel Käse und Meeresfrüchtesalat. Als ich um 20 Uhr heimkam (natürlich war die Bahn vor meiner Nase weggefahren und ich durfte laufen) ging ich in mein Schlafzimmer, zog mich aus und fand mich um 20.15 Uhr unter der Decke. Es ging gar nichts mehr. Kaputt.

Und der Presslufthammer in meinem Kopf ist diese Woche auch hartnäckig. Ich vermute das linke Ohr als Übeltäter, denn ein Ohrstöpsel in genau diesem verschafft Linderung. Irgendwann in diesem Jahr werde ich mich durchchecken lassen. Von Kopf bis Fuß. Aber nicht vor der Saison. Nicht, bevor meine Fortbildung geschafft ist. Ich hätte zu viel Angst, dass mich irgendetwas „aus dem Verkehr“ zieht. Kann ich nicht brauchen dieses Jahr. Zu viel vor. Ab September ist es mir weitestgehend egal. Nur noch ein einziges Seminar im November.

Die Pläne zu meinem 50. Geburtstag stelle ich gerade komplett infrage. Ich wollte in einem bestimmten Restaurant in einer bestimmten Stadt feiern. Doch inzwischen bin ich sicher, dass ich das eher nicht tun sollte. Aus Gründen. Zum einen, weil die Erwartungen der Teilnehmenden doch sehr auseinanderdriften würden und mich das in Stress setzen würde. Zum anderen, weil meine größte Angst eine Krill-Krise wäre … und die habe ich lieber an einem Ort, von dem aus ich fußläufig nach Hause gelange.

Weiterer Stressfaktor ist die alternde Familie. Mit meiner Familie und hier insbesondere meinem Vater kann ich nur feiern, wenn ich nach Dorf gehe. Und dann ist es ein Ort, den ich eigentlich gar nicht will. Patentante hingegen muss ich in Patentantenstadt besuchen, denn ich will es ihr nicht zumuten, für ein zweistündiges Essen nach Dorf zu reisen … und mir nicht zumuten, dann in Dorf mehrere Tage „Bespassung“ zu veranstalten … von frühmorgens bis zum letzten Bier am Abend.

Also überlege ich gerade, wie es gehen könnte. So, dass auch ich selbst etwas davon habe …

To be continued

Mutter ohne Grenzen?

Der Blick in meinen Kühlschrank, ein Kommentar von Matercorvus und das Telefonat mit der Allerbesten. Drei Mütter. Eine Wahrnehmung und Frage: wo bleiben eigentlich ich und meine Eigenständigkeit bei aller Mutterliebe? Beste Freundin ist der Champion – seit 24 Jahren Mutter, vier Söhne, der älteste 24, der jüngste fünf Jahre alt. Wenn er 18 Jahre alt wird, hat sie schon ihren 63. Geburtstag gefeiert. Die Allerbeste war immer gerne Mutter. Ich kenne niemanden, den schwanger sein und gebären so glücklich machte. Sie ist aus Überzeugung Familienfrau … bloss ist sie halt auch noch mehr als das. Nämlich Schreiberin, Künstlerin, Denkerin. Und das bräuchte allmählich mehr Raum. Gefühlt mehr Raum. Außerdem ist da das Umfeld. Ihr Jüngster ist fünf. Und um sie herum Mitmütter, die im Durchschnitt das Alter ihres Ältesten haben. Tiefer Süden. Land. Da wird früher geheiratet. Stelle ich mir nicht so einfach vor. Und der Zeitpunkt relativer Freiheit sitzt für sie zehn Jahre später als bei mir … Mitte 60. Da kommen sicherlich auch die Ängste auf, ob dann überhaupt noch Körperkraft und Energie für das „Eigene“ reichen. Die Single-Sorge hat Allerbeste zumindest nicht. Dafür sicherlich andere Sorgen … aber die Anstrengung des Krill-Schwimmens bleibt ihr erspart. Noch verdrängt sie die Sehnsucht …

Matercorvus hingegen ist kindertechnisch in ähnlicher Gemengelage. Kinder fast flügge, ein wenig mehr als die Nachwuchsmänner sogar, aber eben noch nicht ganz.

Was mich zum Nachdenken über die Grenzen von Aufzucht und Hege und deren Verschiebung in unserer älter werdenden Gesellschaft bringt. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es normal, dass Kinder (außer in der ländlichen Großfamilie) mit Anfang 20 ihre eigene Familie gründeten. Sie arbeiteten oft mit 15 schon. Waren mit 18 Gesellen, verdienten gut und konnten für ihre Familie sorgen. Ich ging mit 22 „raus“, kam mit 23 nochmals für wenige Monate nach einem Auslandsaufenthalt zurück und blieb nur so lange im Elternhaus, bis ich eine Wohnung fand. Völlig selbständig mit 23 Jahren und 7 Monaten … empfunden sehr spät, da Freunde, die kein Abitur machten, schon mit 21 alleine wohnten. Heute ist das anders. Zum einen durch die unglaublich langen Schul- und Ausbildungszeiten, zum zweiten durch den seltsamen Job-Markt, der junge Leute von Schule zu Schule zu Praktikum zu Praktikum wirbelt. Es dauert lange, bis es endlich einen festen Job gibt mit zeitlich unbefristetem Vertrag … wenn überhaupt. Und so viele fallen durch das Netz. Bekommen erst gar keine Startposition.

In meiner Generation war es einfacher. Auch Hauptschüler konnten einen Job finden. Realschüler sowieso. Und als Gymnasiastin war es einfach … sogar ohne Studium. Nein, ich beneide sie nicht, die Generation Praktikum und Berufsorientierungsjahr. Wenn KINDER mit 15 schon fast „ausgelistet“ sind, dann macht diese Gesellschaft etwas falsch. Wäre es nicht richtiger, diesen Jugendlichen feste Jobs zu geben, anstatt Ältere immer länger im Berufsleben zu halten?

Ja … ich weiß, die Rente explodiert eh. Aber so erst recht. Eine gesunde Gesellschaft sorgt dafür, dass junge Menschen ins Arbeitsleben eingebunden sind und sich entwickeln, Verantwortung übernehmen. Aber ich schweife ab. Das Sozialpakt-Dilemma werde ich nicht im Ein-Frau-Verfahren lösen können. Diese Gesellschaft hat die Büchse der Pandora geöffnet. Das ist ein Fakt.

Zurück zu meinen halbflüggen Nachwuchsmännern. Der zielstrebige Blue wird ein Sozialjahr machen aka sein dirty Hobby ein Jahr lang ausleben und dabei die Weichen für sein Studium stellen. Wird laufen. Ich hoffe, er bekommt einen Platz in der Nähe und ist in einigen Jahren fertig. Sorgen macht mir eher sein planloser Bruder. Das wird schwieriger. Und ich muss mir Gedanken machen, wo ich ihn „unterbringe“, damit er nicht irgendwann zum lebensuntüchtigen Gamer im dunklen Zimmer wird.

Und ich gebe es zu … am meisten Angst macht es mir, dass noch zu viel zwischen mir und meiner Wieder-Unabhängigkeit stehen könnte. Dass ich noch länger warten muss als bis zum 55. Geburtstag. Dass ich Nesthocker haben könnte, die mich nicht aus ihrer Umklammerung entlassen.

Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich meine Brut irgendwann aus dem Nest werfen will?

Oder hat unsere Gesellschaft einfach inzwischen ein total verkorkstes Mutterbild?

 

P.S.  Gefahr Nummer 2 beschwöre ich gar nicht erst herauf … liebes Universum, bitte sorge dafür, dass meine Nachwuchsmänner mich keinesfalls vor ihrem 30. Geburtstag zur Oma machen und bitte, bitte, bitte achte darauf, dass dann einige hundert Kilometer Luftlinie zwischen uns liegen!

 

 

 

Berühre mich!

Einer der größten Mängel im Leben einer Singelin ist der Mangel an zärtlicher Berührung. Deshalb halten so viele Singles Katzen oder Hunde. Und deshalb gehe ich so gerne am Fluss entlang. Bereits im Vorgarten begegnet mir die erste Katze … der schwarze Kater mit den weißen Socken geniesst die Streicheleinheit genauso wie ich. Handschmeichler auf Pfoten.

Am Fluss ist das Revier der Hunde und ihrer Halter. An einem guten Tag kommen drei oder vier auf mich zu, stupsen mit ihren Schnauzen meine Hand an zur Begrüßung oder lassen sich auch mal kräftig durchkraulen. Die Hundehalter in den Flusswiesen sind von der guten Sorte. Achten auf ihre Tiere und auch auf die Körpersprache der entgegenkommenden Menschen. An einem guten Tag nicht nur Hundekraulen, sondern Lächeln, Smalltalk, Freundlichkeit. An einem schlechten Tag immerhin der schöne Weg und die Sonne im Gesicht.

Heute war ein sehr guter Tag. Eine wunderbare Flussrunde. Eine schöne Begegnung. Ein gutes Gespräch. Und ein Anruf von der Allerbesten. Gott, wie ich diese Frau liebe! Jedes Jahr ein bisschen mehr. Und jedes Mal, wenn ich denke, dass wir uns noch näher nicht kommen können, passiert wieder etwas, dass uns noch ein bisschen mehr im Gleichtakt atmen lässt. Wenn ich die guten Dinge in meinem Leben zusammenrechnen sollte, stünde diese Freundschaft ganz, ganz oben.

Die wesentlichen Dinge. Nicht Kompromisse. Der entfernte Mann ist ein Kompromiss. Und mein Gefühl hat längst gegen ihn entschieden. Mehr Gründe als Wege, sage ich nur. Gerade whazzapte es wieder … und ich bin mehr genervt als erfreut. Ein klares Nein. Ich denke, ich werde das in den nächsten zwei, drei Tagen auch kommunizieren.

Weil ich die Zeit gerade ganz doll für mich selbst brauche … um mit mir und meinem Alleinsein anders klarzukommen. Paradox, gelle? Sie will nicht mehr allein sein und verweigert ein Treffen mit einem interessierten Mann! Interessiert … aber eben nicht richtig für mich … glaubt mein Gefühl. Und JETZT nicht richtig vor allem. Nicht mit 49,5 … nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, nur weil Ms. Panic hektisch mit der Zielflagge wedelt.

Zur Abwechslung warte ich nicht auf das Lichtlein von außen … ich zünde es lieber selbst an und tue etwas für MICH!

 

 

Zeig mir deinen Kühlschrank …?

Du bist, was du isst, heisst es. Dieser Satz kam mir in den Sinn, als ich heute morgen meinen Kühlschrank öffnete. Und feststellte, dass Rückschlüsse auf MICH wohl nur teilweise möglich wären in einem Haushalt, dessen Speisezettel von den Bedürfnissen zweier schnellessender Nachwuchsmänner bestimmt wird. Einen Moment lang stand ich vor dem offenen Kühlschrank und sinnierte über einer Kilopackung Gnocchi. Und ich fragte mich, was ich wohl sehen würde, wenn ich alleine lebte und nur für mich planen und einkaufen müsste.

Im Gemüsefach keine großen Änderungen. Kleine Tomaten, Paprika, Möhren und Lauchzwiebel auch weiterhin in den üblichen Verpackungseinheiten. Süßkartoffeln kaufe ich auch jetzt meist einzeln. Frische Kräuter und Zitronen – auch Standard in der Single-Ernährung. Der Eisbergsalat entfällt. Den mag ich nicht. Die Nachwuchsmänner schon. Die verschmähen dafür Pflücksalat und Rucola, Frisée und Radicchio, die ich so gerne esse.

Bei den Saucen entfielen Ketchup und Mayo sowie die Fertig-Hollandaise und -Bechamel. Sonst auch alles Single-Zubehör – von Feigensenf bis selbst gemachtes Chutney. Milchprodukte in kleineren Mengen als jetzt. Der Riesenpott Kräuterfrischkäse und der Emmentaler Reibekäse entfielen ersatzlos. Bleiben Parmesan, Mozzarella und Ziegenkäse. Weg mit der Salami im Wurstfach. Gelegentlich eine kleine Packung Parmaschinken reicht. Beim Fleisch blieben die Putenschnitzel, Bratwurst im Viererpack esse ich alleine nicht. Dafür die Krabben … die bleiben. Und natürlich reichen für eine Person sechs Eier im Monat … nicht 10 pro Woche.

Was definitiv wegfällt ist die Notration. Fertigspätzle, das Gnocchi-Kilo, Pizzateig, Quicheteig, zweimal Fertigsauce Arrabiata.

Ich bin, was ich esse? Bei Tischgemeinschaften eher nicht. Momentan kaufe ich für 50 bis 70 Euro in der Woche ein … und all das verbrauchen wir auch. Allein das Wasser in Flaschen ist ein großer Posten.

In den vergangenen 18 Jahren war ich noch nie mehr als eine Woche am Stück alleine. Und das meist noch nicht einmal. Ich würde gerne wieder wissen, wie sich ein Single-Kühlschrank anfühlt. Austesten, ob ich mit einem 20 Euro-Einkauf die Woche bestreiten kann. Könnte ich wahrscheinlich.

Was soll der Kühlschrank-Content? Nun … mit dem Kleiderschrank habe ich auch auf diese Weise begonnen. Self-Assessment heisst das Zauberwort. Durch kontinuierliche Bewusstmachung eine Verhaltensänderung herbeiführen.

Beim Kleiderschrank scheint es zu helfen. Während ich in jedem anderen Jahr seit ich denken kann nach den Brauchtumstagen danach lechzte, mir die neue Frühjahrsmode in die Tüte und den Schrank zu holen, bin ich diesmal innerlich entspannt. Ich brauch sie nicht, die neue Mode. Sie ist kein Wunsch. Kein Drang. Ich habe endlich verstanden, dass es nicht der neue Fetzen ist, der mich plötzlich zu einer begehrenswerteren/erfolgreicheren/ beliebteren/geliebteren (Nichtzutreffendes bitte streichen) Person machen wird. Es wird auch weiterhin Situationen geben, in denen ich eine „Rüstung“ brauche. Und Wünsche, bestimmte Dinge in meiner Grundgarderobe zu haben. Aber auch die Erkenntnis, dass ich nur einen Teil meiner Garderobe auch wirklich trage. Sei es, weil mal wieder alles drückt und kneift, sei es, weil mein Lebensstil mit Morgenrunden am Fluss nicht korrespondiert (Mitnahmefähigkeit). Also reduzieren. Immer weiter. Bis alles in meinem Schrank gern und oft getragen wird. Ansonsten fliegt es raus.

Bewusstmachung .. das ist der Schlüssel, der Hebel. Auch im Schwimmen mit dem Krill. Ich las vor längerer Zeit ein Buch über Techniken der Selbstheilung. Die Autorin sprach davon, in die eigenen Abgründe einzutauchen und auszuhalten, was da ist. Zu versöhnen und zu verzeihen, wenn nötig. Sich selbst in den Arm zu nehmen mit allem, was da an Mangel, Unzulänglichkeit und Schmerz ist. Und je länger ich mich mit mir, meinem Leben und meinen Baustellen, Sehnsüchten und Träumen auseinandersetze, desto näher komme ich diesem Schwarzen, Unbekannten. Schwarz hat mich immer fasziniert mit der Fülle an unsichtbaren Farben im Dunklen. Der Januar war ein erstes Eintauchen in die Randgebiete der schwarzen Stellen in meinem Inneren.

Man sagt, ein Süchtiger müsse ganz nach unten, um den Weg nach draußen wieder zu finden. Weg von der Sucht. Zurück in ein normales Leben. Meine Sucht hieß immer Liebe. Eines von den Suchtmitteln, die niemand auf Null setzen kann. Schwimmen im Krill heisst Akzeptanz dessen, dass eine Liebe, wie ich sie ersehnte, vielleicht oder sogar ziemlich wahrscheinlich nicht kommen wird. Heisst, das Loch in der Seele nicht mehr zu füllen, sondern das Wasser hindurchströmen zu lassen. Wie in meinem Reiki-Wachtraum vor zwei Jahren. Mein inneres ich als durchsichtiger Tubus, der durch das hindurchströmende Wasser gereinigt und geheilt wird.

Es ist nicht Verzweiflung … es ist harte Arbeit. Self-Assessment. Das Ziel liegt nicht im Ergebnis, sondern im Durchlaufen des Prozesses. Vielleicht wird es gar kein Ergebnis geben. Ich werde nicht plötzlich ein geläuterter Mensch oder gar ein „guter Single“. Ich bleibe (obwohl ich das von Annika so empfohlene und gestern endlich georderte Buch noch nicht las) genauso besch … oder auch nicht wie ich bin. Auch mein Zynismus wird nicht verschwinden … dafür macht er mir viel zu viel Freude. Was sich ändert, ist eigentlich nur eine Sache zwischen mir und mir. Denn je besser ich mich kenne und je schärfer mein Selbstbild und das Fremdbild zusammengehen … desto besser komme ich mit mir selbst aus.

Das Bild vom inneren Club hat mir in den vergangenen Jahren, nachdem der Traumaprinz vom weißen Ross fiel und zum Drachen wurde, oft geholfen, meine Gefühle zu sortieren. Bin ich allein mit mir, füllt der Club den Kühlschrank. Frau Ratio kauft gesundes Gemüse ein, das Seelchen braucht ab und an einen Schluck Rosé und die Latinas schmuggeln die Frivolitäten des Lebens ein … die Chilipaste, die Trüffeln und den viel zu teuren Käse mit dem Rosmarinmantel.

Ratio, Emotion und Libido … sie drücken sich im Essen aus wie im Fühlen.

 

 

 

 

 

Krill-Kontemplationen …

Hundert. Zahl, die in primitiven Kulturen und von kleinen Kindern als das fast Ultimative an Menge gesehen wird. Ultimativer ist nur Tausend. Was aber dann schon – siehe tausendmal berührt – unter Sagenkreis fallen dürfte. Von anderen Tausenderassoziationen in der Vergangenheit lohnt erst gar nicht zu sprechen … glücklicherweise reichte es hier nur für den knapp zweistelligen Zahlenraum.

Hundert Blogbeiträge. Davon allerdings 45 „gepfuscht“, d.h. in Monatsbatzen aus dem alten Blog übertragen. Hätte ich das einzeln getan, hätte ich vermutlich a) die Tausend locker geknackt und b) die nächsten drei Monate mit copy and paste verbracht.

Fakt ist jedenfalls: wordpress zählt die 100. Und ich denke darüber nach, was in den letzten Jahren an einem 21. Februar passierte.

2011 zog ich um. An einem knackig kalten, sonnigen Tag. Und saß auf dem Balkon einer neuen Wohnung, schaute in einen wunderhübschen Innenhof und wusste, dass ich diesen Ort niemals so lieben würde wie meine so unzulängliche Dachgeschosswohnung mit ihren vielen Macken … mein Paradies. Und wusste irgendwie auch schon, dass eine andere Liebe zum Tod verurteilt war … wollte es nicht wahrhaben.

2012 war dieser Blog neun Monate alt. Und schwieg stille. Weil die andere Liebe tot war. Und ich innerlich wie äußerlich verstummte. Ich hatte zu viel mit überleben zu tun, um noch schreiben zu können.

2013 hatte ich mit Visavis auch den vergangenen Hang zu schädlichen Beziehungsmustern zum Teufel gejagt. Und räumte mit Reiki bei Frau Laufpartnerin mein Unterbewusstsein auf.

2014 feierte ich einen umwerfenden Premieren-Erfolg als Brauchtumsbotschafterin, erhielt gruslige Paarreime von einem D*chungelmann und traf einen weiteren, der so wenig Eindruck hinterliess, dass ich mich mit Mühe noch an sein eher spießiges Aussehen, aber nicht mehr an seinen Namen erinnere.

2015 versprühe ich Viren statt Charme, habe meine Zugehörigkeit zur großen Schwarmintelligenz von Krill am unteren Ende der s*xuellen Futterkette entdeckt und stelle mit Bestürzung fest, dass Männer gerade nicht vorkommen in meinem Leben.

Blogeintrag Nummer 100 ist also keine weltbewegende Neuigkeit. Statt Breaking News ein Resumé aus vier Jahren Broken Heart sozusagen. Es geht mir nicht schlecht damit heute abend. Ich bin nicht depressiv. Seit ich weiß, dass ich definitiv Krill bin .. Frau Pl*nkton war mir ein bisserl depressiv … deshalb lieber Krill, geht es mir besser. Es ist wie mit ärztlichen Diagnosen … die winzig kleine Hoffnung kann zerstörerischer sein als die klare, aber grausame Prognose. In other words: wenn ich definitiv davon ausgehe, dass für mich in diesem Universum keine glückliche Partnerschaft vorgesehen ist und dass ich unsichtbar und unberührbar bin … dann brauche ich es nicht mehr versuchen. Brauche mich nicht anzustrengen und nicht zu verbiegen, um vielleicht doch noch marktfähig zu sein. Dann tue ich einfach, was ich wirklich will. Das kann heißen, das Leben auf meiner Insel der Frauen zu genießen. Das kann aber auch sein, keine Rücksicht mehr auf Moral oder Konventionen zu nehmen. Was nützt die Anständigkeit, wenn sie nur Einsamkeit bedeutet?

Ganz böse gesagt: wenn sich so viele Ehemänner von ihren Frauen trennen, dann muss ich mir doch eigentlich nur einen untreuen Ehemann suchen?

Löst natürlich nicht das Nähe-Sehnsucht s-Problem. Damit muss ich wohl einfach leben lernen. Aber es ist einfacher, wenn ich es als gegeben annehme. Dann kann ich mich „einrichten“.

Blogeintrag Nummer 100 und ein Programm … Lernen, mit dem Krill zu schwimmen … und die verdammte Futterkette hoffentlich ordentlich aufmischen!