„Zauber der Stille“ von Florian Illies

Buch: „Zauber der Stille“

Autor: Florian Illies

Verlag: S. Fischer

Ausgabe: Hardcover, 256 Seiten

Der Autor: Florian Illies, der »große Geschichtenerzähler« (»Süddeutsche Zeitung«), verwandelt die Vergangenheit in seinen Büchern in lebendige Gegenwart. Er verwebt in seinem mitreißenden und humorvollen Stil kurze Miniaturen zu großen historischen Panoramen und Epochenporträts. Mit seinem Welterfolg »1913. Der Sommer des Jahrhunderts« begründete Illies ein neues Genre.

Illies, geboren 1971, studierte Kunstgeschichte in Bonn und Oxford. Er war Feuilletonchef der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«, leitete das Auktionshaus Grisebach und ist jetzt Mitherausgeber der »ZEIT«. Bei S. FISCHER erschien zuletzt das inzwischen in 18 Sprachen übersetzte Buch über die 1920er und 1930er Jahre »Liebe in Zeiten des Hasses«. Sein Kunst-Podcast »Augen zu« (gemeinsam mit Giovanni di Lorenzo) gehört zu den meistgehörten Podcasts deutscher Sprache. (Quelle: S. Fischer)

Das Buch: Friedrichs abendliche Himmel wecken seit Jahrhunderten die leidenschaftlichsten Gefühle: Goethe macht ihre Melancholie so rasend, dass er sie auf der Tischkante zerschlagen will, Walt Disney hingegen verliebt sich so heftig in sie, dass er sein »Bambi« nur durch Friedrich’sche Landschaften laufen lässt. Von Hitler so verehrt wie von Rainer Maria Rilke, von Stalin so gehasst wie von den 68ern, von der Mafia so heiß begehrt wie von Leni Riefenstahl – am Beispiel von Caspar David Friedrich werden in diesem mitreißend erzählten Buch 250 Jahre deutscher Geschichte sichtbar. Und Friedrich, der Maler, wird zu einem Menschen aus Fleisch und Blut. (Quelle: S. Fischer)

Fazit: Dass ich dieses Buch gelesen habe, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Da wären nämlich auf der einen Seite meine Vorerfahrungen mit den Büchern von Florian Illies. So habe ich vor einer halben Ewigkeit zwar sein „Generation Golf“ gelesen, war über die Lobeshymnen aber dann doch erstaunt, hätte ich es selbst nämlich allenfalls als „ganz nett“ einsortiert. Noch deutlich schwerer hatte ich es mit „1913 – Der Sommer des Jahrhunderts“ oder auch „Liebe in Zeiten des Hasses“, die ich beide bis heute nicht durchgelesen habe, weil die kleinteilige, miniaturhafte Erzählweise mir zu erratisch war.

Zum anderen war da meine Beziehung zur Malerei und mein Verständnis davon. Erstere ist nämlich lediglich rudimentär, letzteres quasi nicht existent. Ich kann allenfalls sagen, ob ein Bild mir etwas gibt oder nicht, was aber immerhin schon mehr als nichts sei, wie eine ganz zauberhafte Person mir mal sinngemäß gesagt hat.

Hätte ich aufgrund dieser Vorbedingungen und Vorerfahrungen jedoch auf die Lektüre von „Zauber der Stille“ verzichtet, hätte ich die bis dato vermutlich schönste Leseerfahrung dieses Jahres nicht gemacht.

Auffällig ist gleich zu Beginn, dass Illies sein Buch in vier Abschnitte einteilt, die mit Feuer, Wasser, Erde und Luft überschrieben sind, und denen er entsprechende Bilder von Friedrich zuordnet, um die es dann in den entsprechenden Abschnitten geht. Beispielsweise beschäftigt sich der „Wasser“-Abschnitt viel mit dem Bild „Mönch am Meer“, der „Feuer“-Abschnitt unter anderem mit den Werken, die tragischerweise irgendwann mal ein Raub der Flammen geworden sind.

Und das, was ich noch in Büchern wie „1913“ oder „Liebe in Zeiten des Hasses“ kritisiert habe, nämlich dieses kleinteilige Erzählen, das kommt auch in „Zauber der Stille“ zum Tragen. Allerdings funktioniert das hier für mich persönlich sehr viel besser. Illies hält sich nicht damit auf, das Leben seines Protagonisten durch eine zwar chronologische, aber banale Und-dann-und-dann-und-dann-Aneinanderreihung im Stile und mit dem Charme eines „Mein schönstes Ferienerlebnis“-Aufsatzes nachzuerzählen, sondern er setzt Schlaglichter, schreibt Miniaturen zu diesem und jenem Ereignis aus Caspar David Friedrichs Leben, und setzt daraus mosaikartig ein ganz wunderbares Ganzes zusammen.

Manche Ereignisse bleiben dann für sich stehen, und werden zuweilen mit einem ganz hintergründigen Witz erzählt, wie beispielsweise die Begebenheit, in der ein Gemälde von Caspar David Friedrich unerwartet in einem Nonnenkloster gefunden wurde und der Finder die Äbtissin darauf verweist, dass sie für dieses Werk doch sicherlich eine Brandschutzversicherung abgeschlossen habe. Die Äbtissin ihrerseits, die so eine Versicherung in Unkenntnis dessen, was da genau an ihrer Wand hing und hängt, natürlich nicht abgeschlossen hat, erkundigt sich, was so etwas ungefähr kostet, und kommt dann spontan zum Schluss, dass es mehr Sinn ergibt, das Gemälde gewinnbringend an ein Museum zu verkaufen. Und zum Schluss dieser Anekdote wiest Illies dann lapidar darauf hin, dass das Nonnenkloster später im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundmauern abgebrannt sei – die Brandschutzversicherung aber für Kriegsschäden sowieso nicht gezahlt hätte …

Andere Themen wiederum ziehen sich durch das gesamte Buch und Illies kommt immer wieder darauf zurück, beispielsweise was die Beziehung von Caspar David Friedrich zu Goethe und umgekehrt angeht. Goethe war zunächst ein Förderer Friedrichs, im Laufe der Zeit erkaltete seine Begeisterung für die Werke des Malers jedoch zusehends und man kann letztlich festhalten, dass die Begeisterung und der Respekt, die Friedrich dem Dichterfürsten entgegenbrachte, deutlich größer waren als andersherum. Unter anderem deswegen schien es Friedrich nicht möglich zu sein, den großen Dichter irgendwann einfach mal in Ruhe zu lassen …

Egal, ob der Autor einzelne Anekdoten aus Friedrichs Leben schildert, ob er versucht, ihn als Mensch, als Persönlichkeit nachzuzeichnen, oder einordnet, wie Friedrichs Malerei in der breiten Öffentlichkeit sowie der Nachwelt aufgenommen wurde, an jeder Stelle merkt man dem studierten Kunsthistoriker Illies die Begeisterung für seinen Protagonisten an. Und so entsteht dann letztlich ein tiefgründig-leichtes, humorvoll-melancholisches und lehrreich-unterhaltendes Buch, dass mit einer Leichtigkeit und Stille daherkommt, dass es den gewählten Titel mehr als rechtfertigt.

An wem dieses Buch bislang also vorbeigegangen ist, dem kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen, einen Blick hinein zu riskieren, selbst dann, wenn man, wie ich, mit Malerei und Kunst allgemein wenig am Hut hat.

Und sei es nur, um damit dazu beizutragen, dass dieses wunderbare Buch in der Spiegel-Bestseller-Sachbuch-Liste wieder am neuesten Pamphlet von Peter Hahne vorbeizieht …

Demnächst in diesem Blog: „Marseille 1940“ von Uwe Wittstock. Ein ähnlich lesenswertes Buch – das in der erwähnten Bestseller-Liste ebenfalls hinter Peter Hahne rangiert. Die Welt ist bekloppt geworden …

Rezensionsexemplar sucht neues Zuhause

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

wer regelmäßig über Bücher schreibt und Rezensionsexemplare erhält, wird früher oder später die Erfahrung machen, mit einem davon gar nicht zurechtzukommen. Dabei muss es sich dann gar nicht mal um ein schlechtes Buch im eigentlichen Sinne handeln, sondern, wie im vorliegenden Fall, vielleicht auch einfach nur um eines, bei dem man das Gefühl hat, einfach nicht der richtige Leser dafür zu sein.

Nun ist das Leben aber, wenigstens wenn man mal die 40 überschritten hat und auf die 50 zugeht, eindeutig zu kurz, um es damit zu verbringen, Bücher zu lesen, die einem nicht wirklich liegen.

Folgerichtig stellt sich dann die Frage: Was tun?

Man könnte sich durcharbeiten, dann greift aber wieder das Argument der Kürze des Lebens. Man könnte einfach beschließen, gar nicht drüber zu schreiben, das wäre Autoren und Verlag gegenüber aber irgendwie unfair. Oder man könnte irgendetwas Negatives aufs virtuelle Papier bringen, was aber auch irgendwie unfair wäre, wenn ganz klar erkennbar ist, dass weniger das Buch, sondern man selbst das Problem darstellt.

Also habe ich dem Verlag als Alternative kurzerhand vorgeschlagen, den Versuch zu unternehmen, das Rezensionsexemplar weiterzureichen. Da zur Entscheidungsfindung irgendwie beitragen könnte, zu wissen, worum es sich eigentlich handelt, sei hier nun gesagt, dass es um

„INTOXIKATION“ von Kristina Schippling und Matthias A. K. Zimmermann

geht, über das es im Klappentext heißt:

„Toxisch ist das Berliner Künstlerleben zwischen Drogentrips und Wutausbrüchen für die berühmte Malerin Kara Kowalski allemal – mit giftigen Substanzen kreiert sie ihre Werke. Im Zustand des Rausches verwandelt sie ihr Atelier in ein albtraumhaftes Szenario, als sie ihren Ex-Freund irrtümlich für einen Eindringling hält und im Wahn tötet. Zerrissen von Schuldgefühlen und verfolgt von der Polizei, beginnt sie ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel, um die Leiche verschwinden zu lassen und ihre Tat zu vertuschen. Doch als eine erpresserische Videoaufnahme auftaucht und sie in die Enge treibt, droht ihr sorgfältig konstruiertes Lügengebäude einzustürzen. Kara plant die perfekte Vergeltung auf eine ungewöhnlich kreative Art – aber dann kreuzt Malina, eine verführerische Unbekannte, ihren Weg und alles gerät außer Kontrolle!“

Wer sich bemüßigt fühlt, sich mit diesem dem Psychothriller-Genre zuzurechnenden Buch zu beschäftigen, möge also bitte einfach Bescheid sagen. Dann kriegen wie das schon hin.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

„Die Welt von morgen“ von Robert Menasse

Buch: „Die Welt von morgen – Ein souveränes, demokratisches Europa – und seine Feinde“

Autor: Robert Menasse

Verlag: Suhrkamp

Ausgabe: Hardcover, 192 Seiten

Der Autor: Robert Menasse wurde 1954 in Wien geboren und ist auch dort aufgewachsen. Er studierte Germanistik, Philosophie sowie Politikwissenschaft in Wien, Salzburg und Messina und promovierte im Jahr 1980 mit einer Arbeit über den »Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb«. Menasse lehrte anschließend sechs Jahre – zunächst als Lektor für österreichische Literatur, dann als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie – an der Universität São Paulo. Dort hielt er vor allem Lehrveranstaltungen über philosophische und ästhetische Theorien ab, u.a. über: Hegel, Lukács, Benjamin und Adorno. Seit seiner Rückkehr aus Brasilien 1988 lebt Robert Menasse als Literat und kulturkritischer Essayist hauptsächlich in Wien. (Quelle: Suhrkamp)

Das Buch: In Die Welt von Gestern schildert Stefan Zweig das kosmopolitische Europa vor 1914. Als er seine Erinnerungen niederschreibt, existiert es nicht länger, »weggewaschen ohne Spur« von der faschistischen Barbarei. Zweig stirbt 1942. Aber das übernationale Europa bekommt nach 1945 eine zweite Chance. Visionäre stoßen ein epochales Friedensprojekt an, Grenzen fallen, der Nationalismus weicht der Kooperation.

Doch auch dieses Projekt könnte schon bald Geschichte sein. Demokratische Defizite führen zu Protest. Mannigfaltige Krisen machen den Menschen Angst. In vielen Mitgliedstaaten schüren Politiker, die von den Erfahrungen der Gründer nichts mehr wissen (wollen), einen neuen Nationalismus. Heute steht Europa wieder am Scheideweg. Wie wird die Welt von morgen aussehen?

Robert Menasse erklärt und verteidigt die europäische Idee, lädt aber auch dazu ein, die systemischen Widersprüche der Union zu kritisieren und zu überwinden. Die Alternative, vor der wir stehen, ist nicht kompliziert: Entweder gelingt das historisch Einmalige, nämlich der Aufbau einer nachnationalen Demokratie, oder es droht ein Rückfall in das Europa der Nationalstaaten. Das wäre eine weitere Niederlage der Vernunft – mit den Gefahren und Konsequenzen, die uns aus der Geschichte nur allzu bekannt sein sollten. (Quelle: Suhrkamp)

Fazit: Ich bin vergleichsweise spät auf Robert Menasse gestoßen, nämlich erst mit seinem 2017 erschienenen Roman „Die Hauptstadt“ sowie der Quasi-Fortsetzung „Die Erweiterung“ aus dem Jahr 2022, die ich allerdings beide mit ziemlicher Begeisterung gelesen habe. Nichts lag also näher, als sich auch mit „Die Welt von morgen“ zu beschäftigen – und sich Zweigs „Die Welt von gestern“ mal für später zu merken.

Menasses neuestes Buch ist allerdings kein Roman, sondern ein Essay, man findet sich also im weitesten Sinne im Sachbuchbereich wieder. Das tut dem Lesevergnügen als solches aber keinen Abbruch.

Der Autor selbst stellt im Laufe des Buches irgendwann fest, dass er zwischenzeitlich etwas mäandernd erzählt, und da möchte ich ihm auch gar nicht widersprechen. Bei genauerer Betrachtung findet sich jedoch durchaus ein roter Faden, der in einem historischen Rückblick auf die Gründung der EU und die Intention dieser Gründung seinen Anfang nimmt, dann irritierend lange im Habsburger Reich, will sagen, in Österreich-Ungarn verweilt, und dann mal hier, und mal dort langläuft.

Und eigentlich gibt es überall hier und überall dort etwas Interessantes zu sehen. Da wäre zum Beispiel Menasses genauer Blick auf die Frage, wie die Menschen – vorrangig in Deutschland und Österreich – denn so zur EU stehen. Nahezu folgerichtig muss dann die reflexhafte, wutbürgerliche Ablehnung der EU von Menschen, die ihr bockiges „Gegen-alles-sein“ als kritisches Denken missverstehen, thematisiert werden. Menasse macht Angst als Ursprung dieser Ablehnung aus, und kritisiert in diesem Zusammenhang, unter vehementem Kopfnicken meinerseits, dass der Umgang mit Angst, ja geradezu die Definition des Begriffes „Angst“, in den letzten Jahren massiv verändert wurde, dahingehend, dass gebetsmühlenartig auch von politischer Seite wiederholt wird, man müsse „die Sorgen der Menschen ernst nehmen“ – so hanebüchen diese Ängste auch sein mögen. Anstatt darauf zu verweisen, dass diese Ängste unbegründet sind.

Auf der anderen Seite dann steht Menasse selbst, der beklagt, dass er seinerseits nun wieder starke Angst vor eben diesen wütenden Menschen habe, während sich dann aber keiner fände, der darauf dränge, auch diese Angst ernst zu nehmen.

Ein zweiter größerer Themenblock beschäftigt sich mit den Problemen, die die EU in ihrer jetzigen Form so hat, ausgehend unter anderem von einem in den letzten Jahren immer größer werdenden Einfluss der Nationalstaaten über den Europäischen Rat, der sich zudem Kompetenzen zugesichert hat, die ihm auf Basis der entsprechenden Verträge eigentlich gar nicht zustehen. In Summe war für mich persönlich dieser Teil der lehrreichste und erhellendste.

Sehr schnell wird dann deutlich, was zudem das Anliegen des Herrn Menasse ist: Er plädiert dafür, ein nachnationales, quasi staatenloses Gesamteuropa zu bilden, und untermauert diese Forderung unter anderem mit der Behauptung, dass ein Europa der Staaten eben immer noch kein wirklicher Friedensgarant wäre, wie beispielsweise der Jugoslawien-Krieg gezeigt hat.

Unabhängig davon, wie man zu dieser Forderung steht, ist Menasses Essay nicht an jeder Stelle lehrreich und erhellend. So springt seine Argumentation zuweilen zu kurz. Er argumentiert beispielsweise, dass der Nationalismus in Deutschland von der Mitte auf die Ränder übergegriffen habe, unterstützt durch die WM 2006, die dazu beigetragen habe, „wir sind wieder wer“ zu denken, und wieder Fahnen aufhängen zu dürfen und so weiter. Wohin der Nationalismus und das rechte Gedankengut führt, konnte man aber bereits anlässlich solcher Anschläge wie dem in Mölln oder Solingen oder den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen sehen. Und das war Anfang der 90er. In der Zeit zwischen 1990 und 1993 hat rechte Gewalt nach entsprechenden Angaben bis zu 58 Menschenleben gefordert. Der Nationalismus und die hässliche Fratze des Gedankengutes dahinter sowie die Folge von beidem war zum Zeitpunkt der WM also schon lange im Land, ja, war eigentlich nie wirklich weg. Dass in diesem Zusammenhang das Aufhängen einer Deutschlandfahne anlässlich einer Grillfeier zu einem WM-Spiel das personifizierte Böse darstellen soll, um das mal überspitzt zu formulieren, erscheint da doch eher skurril.

Ähnlich verhält es sich mit Menasses Betrachtung zu den Folgen der Deutschen Einheit, bei der er Problemstellungen definiert, die meines Erachtens an den Tatsachen vorbeigehen.

Darüber hinaus macht er es sich mit seiner Argumentation, insbesondere wenn es um die Argumente der Verfechter des Nationalstaates steht, ein bisschen zu leicht. Regelmäßig erklärt er alles, was gegen seine Sichtweise eingewendet werden kann, pauschal als nicht stichhaltig. Und auch wenn es mal konkret wird, wie beispielsweise bei dem Gegenargument, dass auch ein nachnationalstaatliches Europa letztlich nichts anderes sei, als ein neuer Superstaat, bleibt die Gegenrede schwach. Dem entgegnet Menasse nämlich lapidar, dass das ja niemand wolle, und was niemand wolle, könne demnach niemals eintreten. Ein Blick in die Weltgeschichte zeigt aus meiner Sicht, dass diese Gegenbehauptung allerdings schwer haltbar sein dürfte.

Darüber hinaus könnte ich darauf verweisen, auch kein unbedingter Anhänger von Menasses Idee zu sein, wäre in der Pauschalablehnung sämtlicher Gegenargumente für den Autor damit aber wohl einer jener „Nationalisten, die sich selbst nie so bezeichnen würden“. Ich kann damit leben …

Alles in allem ist Menasses Essay aber eine sehr lehrreiche und lesenswerte Lektüre, die ich allen wärmstens empfehlen kann. Insbesondere, da demnächst Europa-Wahl ist, zu der ich übrigens bitte, zahlreich hinzugehen. Nicht nur, aber sicherlich auch, weil die Leute, die alkoholisierte, wohlstandsverwahrloste Blagen, die rassistische Lieder auf Urlaubsinseln singen, als Gaudi oder Kavaliersdelikt oder etwas, dass man schon mal machen kann, hinstellen, ganz sicher zu dieser Wahl gehen werden.

Demnächst in diesem Blog: Vielleicht „Marseille 1940“, vielleicht „Zauber der Stille“ – mal schauen.