Pause – Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

mag es auch objektiv gesehen kein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung sein, so nehme ich in der mir eigenen Hybris natürlich zweifellos an, dass es von elementarer Bedeutung für alle Mitlesenden ist, wenn ich sie darüber in Kenntnis setze, dass hier in nächster Zeit erst mal eine Blogpause ansteht.

Auf der einen Seite scheine ich so etwa einmal im Jahr für eine Weile Abstand von dem ganzen Bumms hier zu brauchen – zumindest, wenn es darum geht, selbst etwas zu verfassen -, und der letzte solche Abstand ist schon wieder eine ganze Weile her, auf der anderen Seite deutet die Tatsache, dass bisher in diesem Jahr sage und schreibe erst geschätzte drei Beiträge erschienen sind, die dem eigentlichen Zweck dieses Blogs gerecht werden, darauf hin, dass das Bloggen an sich für mich gerade so ein wenig sein Mojo verloren hat. Und in der Tat käme ich aktuell, vor die Wahl gestellt, einen Blogbeitrag zu verfassen oder nicht doch lieber Verdünner zu trinken, ernsthaft ins Grübeln.

Ich hab in der jüngeren und ferneren Vergangenheit das eine oder andere Mal versucht, aktiv dagegen anzuschreiben, so richtig zufrieden ließ mich das aber auch nicht zurück.

Also lasse ich es halt einfach mal eine ganze Weile und lese vielleicht mal eine Zeitlang Bücher nicht mit dem Hintergedanken „Was schreibe ich bloß darüber!?“

Sobald das oben erwähnte Mojo wieder da ist, bin ich das auch. Mal schauen, ob und wann das der Fall sein wird. Und inwiefern die Happiness Engineers an dieser Stelle zwischenzeitlich wieder die Benutzeroberfläche geändert haben werden.

Gehabt euch wohl.

„Das erste Horn – Das Geheimnis von Askir I“ von Richard Schwartz

Der Autor: Richard Schwartz, geboren 1958 in Frankfurt, hat eine Ausbildung als Flugzeugmechaniker und ein Studium der Elektrotechnik und Informatik absolviert. Er arbeitete als Tankwart, Postfahrer und Systemprogrammierer und restauriert Autos und Motorräder. Am liebsten widmet er sich jedoch phantastischen Welten, die er in der Nacht zu Papier bringt – mit großem Erfolg: Seine Reihe um „Das Geheimnis von Askir“ wurde mehrfach für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. (Quelle: Piper)

Das Buch: Ein verschneiter Gasthof im hohen Norden: Havald, ein Krieger aus dem Reich Letasan, kehrt in dem abgeschiedenen Wirtshaus „Zum Hammerkopf“ ein. Auch die undurchsichtige Magierin Leandra verschlägt es hierher. Die beiden ahnen nicht, dass sich unter dem Gasthof uralte Kraftlinien kreuzen. Als der eisige Winter das Gebäude vollständig von der Außenwelt abschneidet, bricht Entsetzen aus: Ein blutiger Mord deutet darauf hin, dass im Verborgenen eine Bestie lauert. Doch wem können Havald und Leandra trauen? Die Spuren führen in das sagenhafte untergegangene Reich Askir … (Quelle: Piper)

Fazit: Mittlerweile vermittelt mein Blog in etwa den Eindruck einer verlassenen Fleischerei. Das große Schaufenster ist noch da, wenn auch leicht blind geworden, und drinnen erkennt man noch Fliesenwände und einen Tresen. Und vielleicht hängt noch das Firmenschuld über der Tür, das irgendwie immer übrig bleibt, wenn irgendwo ein Geschäft schließt. Aber im Grunde genommen merkt man, dass drinnen schon eine ganze Weile kein Betrieb mehr herrscht.

Insofern unternehmen wir jetzt einfach mal den zaghaften Versuch, dieser Entwicklung entgegenzuwirken und widmen uns vorerst dem ersten Band von Richard Schwartz‘ „Askir“-Reihe. Und alles Weitere sehen wir dann.

Tatsächlich liegt mir das Buch sogar in der „Askir – Die komplette Saga I“-Fassung vor, in dem die ersten drei Bände des Fantasy-Mehrteilers versammelt sind. Ich hab mich aber aus Gründen entschieden, einzeln über die Bücher zu schreiben. Legen wir also mit „Das erste Horn“ los.

Darin begegnen wir Havald, einem langsam in die Jahre kommenden Krieger vorerst unbekannter Herkunft, der im Gasthaus „Zum Hammerkopf“ die restlichen Wochen des Winters zu verbringen gedenkt. Zusammen mit den ersten Ausläufern eines gigantischen Schneesturms betritt dann Sera Maestra de Girancourt die Schankstube, die wir im Folgenden der Einfachheit halber Leandra nennen wollen, eben, weil sie so heißt. Leandra, in der Magie ebenso ausgebildet wie im Schwertkampf, ist im Auftrag ihrer Königin unterwegs und will Kontakt zum legendären Reich Askir aufnehmen, um sich gegen das Kaiserreich Talak zur Wehr zu setzen, das seit vielen Jahren ein Land nach dem anderen unter seine Kontrolle bringt. 

Der „Hammerkopf“ ist zudem, neben dem Gastwirt und seinen drei Töchtern, mit zahlreichen weiteren Gästen belegt. Mit Händlern, deren Geleitschutz, einer Gruppe Holzfäller sowie einer klar als solche erkennbaren Diebes- und Mörderbande unter dem Befehl eines gewissen Janos. Komplettiert wird das Figurenensemble durch die Dunkelelfe Zokora.

Kaum kommt Leandra mit dem zunächst verhalten bis ablehnend reagierenden Havald ins Gespräch, geschieht auch schon ein Mord und beide fühlen sich berufen, die Hintergründe desselben aufzuklären und kommen dabei dem ein oder anderen Geheimnis auf die Spur, das den Gasthof umgibt.

Nun habe ich in letzter Zeit genretechnisch alles Mögliche gelesen, meine Suche nach einer Fantasy-Reihe, die den Einstieg nicht durch grausames „Pacing“ erschwert und insgesamt zu längerfristigem Verweilen einlädt, habe ich aber nach wie vor nicht aufgegeben, was mich letztlich zu „Askir“ geführt hat. Und selten war die Frage nach dem längeren Verweilen so schwer zu beantworten wie hier.

Denn eigentlich macht Richard Schwartz hier einiges richtig. Eine Mordermittlung im Stile eines „Whodunit“ in ein Fantasy-Gewand zu kleiden, ist nämlich eigentlich keine schlechte Idee. Und der Fokus des Buches auf diesen einen Schauplatz tut dem Buch durchaus gut. Da sind wir nämlich schon wieder beim „Pacing“, das in anderen Auftaktbänden oft durch zahllose Schauplatzwechsel oder epische Einführungen in das Setting erschwert wird. Hier nicht. Primär beschäftigen sich Havard und Leandra eben zunächst mit der Frage, wer den armen Stallburschen ohne Sprechrolle – mehrheitlich gibt es im Reihenauftakt „Red-Shirts“-Tote – auf so grausige Weise um die Ecke gebracht hat. Und so ganz nebenbei stoßen sie dann eben hier und dort auf gewisse Geheimnisse des Gasthofs, aus denen sich bestimmte Informationen über das Setting ergeben. 

Schwartz findet also hinsichtlich des Erzähltempos einen gelungenen Mittelweg zwischen bspw. der atemlos-gehetzt wirkenden Erzählweise eines Dan Brown und der epischen Schilderung eines Wurstbrotes von Karl Ove Knausgård, die den Leser keinen Zentimeter voranbringt. 

Der Autor bringt seine Leserschaft so durchaus dazu, eben noch dieses eine Kapitel zu lesen, um zu erfahren, was denn nun hinter jener Tür ist oder dieses andere Kapitel, in dem vielleicht endlich die Hintergründe einer der Hauptfiguren aufklärt wird und dann vielleicht noch jenes, in dem man bestimmt mehr über die Welt erfährt, in der wir uns befinden. Ein bisschen fühlt sich das Ganze dann an wie in einer Pen&Paper-Runde, aber mir hat es Spaß gemacht. 

Über einiges andere lässt sich das allerdings leider nicht in gleicher Form sagen.

Am wenigstens fällt hier wohl noch der recht einfach gehaltene Stil ins Gewicht. Eigentlich trägt der sogar eher dazu bei, dass man unkompliziert nur so durch die Seiten fegt. Zuweilen wirkt der eine oder andere Dialog vielleicht etwas holprig, aber wenn man nichts bis ins Detail sprachlich Geschliffene erwartet, dann geht das schon in Ordnung.

Dass die Figuren in ein bewährtes, stereotypes und klar erkennbares Gut-Böse-Schema passen, muss einem ebenfalls nicht gefallen. Ich persönlich hatte damit allerdings weniger Probleme, auch weil sich Schwartz bemüht, seine Protagonisten und Antagonisten im Verlauf der Handlung mit mehr Hintergrund und mehr Tiefe auszustatten. So richtig klappt das für mich zwar nicht, aber insgesamt kann ich auch mit oberflächlichen Figuren umgehen, gerade wenn die ja noch weitere Teile Zeit haben, sich entsprechend zu entwickeln.

Nein, was mir die Lektüre des Buches in signifikantem Maße verleidet hat, ist eine ganz simple und einfach zu benennende Tatsache: Es ist sexistisch. Phasenweise ist es sogar in ekligem Maße sexistisch. Dass Havald sich reihenweise an der Betrachtung dieser und jener „wohlgestalteten“ Frau im Raum ergötzt und es aus seiner Sicht „nicht wohlgestaltete“ in diesem Raum augenscheinlich nicht gibt, dass er mehrfach darüber sinniert, welche Freude ein Mann doch am reinen Anblick einer Frau haben kann: Geschenkt, meinetwegen soll der Protagonist doch ein wenig sexistisch sein, ich musste Protagonisten ja noch nie mögen und vollständig unrecht hat ja vielleicht nicht. Insgesamt würde ich das dann allenfalls als etwas unangebracht oder unangenehm empfinden, auch wenn die Häufigkeit derartiger Sexualisierungen befremdlich ist.

Nun wird die Stimmung im Gasthof allerdings immer aufgeheizter, eine Art Lagerkoller setzt ein. Und die weiter oben erwähnten Rohlinge unter dem Befehl von Janos werden gegenüber den die Gäste bedienenden Wirtstöchtern immer zudringlicher. In dieser Situation haut Havald jedoch nicht etwa auf den Tisch, um den Männern zu sagen, dass sie ihre Finger da behalten sollen, wo sie hingehören. Nein, er rät vielmehr dem Wirt, seine älteste Tochter diesen Männern praktisch zur sexuellen Selbstbedienung zu überlassen, damit die beiden jüngeren ungeschoren davonkommen. So als wäre eine Gruppenvergewaltigung in irgendeiner Weise eine Art unaufhaltsames Naturgesetz, dem man sich besser fügen sollte. Und das, obwohl Havald und Leandra mit den zudringlichen Mannsbildern eigentlich den Boden aufwischen könnten.

Nun, vielleicht glaubt Havald ja wirklich, dass Vergewaltigungen irgendwie unvermeidbar sind, wenn man Männer und Frauen zusammen in einen Raum sperrt. Denn an anderer Stelle schildert er, wie er als Teil einer Söldnertruppe selbst an einer Gruppenvergewaltigung beteiligt war. Aber hey, von allen Vergewaltigern des Söldnertrupps war er aber wenigstens derjenige, der sie anschließend in seinem Bett schlafen ließ, und getröstet hat und sie sich waschen ließ und was auch immer. Deswegen war sie anscheinend gar nicht so dolle böse auf ihn. Was immer Richard Schwartz geritten hat, insbesondere diese Passage – die anschließend nie wieder thematisiert wird – ins Buch einzubinden. Vielleicht sollte sie dazu dienen, den Protagonisten noch als halbwegs menschlich in einer insbesondere für Frauen grausamen Welt darzustellen. Falls das die Intention gewesen sein sollte, ging das aber mal nach allen Regeln der Kunst in die Hose.

Dass die Dunkelelfe Zokora in all dem als irgendwie nymphomanisch veranlagt dargestellt wird, und sie im späteren Verlauf des Buches ihren aktuellen Gespielen an einer Leine durch die Gegend führt – etwas, das ich mir mit umgekehrter Geschlechterverteilung nicht mal vorstellen möchte -, fällt da insgesamt kaum noch ins Gewicht.

Ich habe wirklich keine Ahnung, was Richard Schwartz zu dieser Art Darstellung bewogen hat. Denn er überschattet damit eine wirklich abseits davon weitgehend gut umgesetzte Idee, die eigentlich Lust auf die Fortsetzungen machen würde. Ich bin der guten Hoffnung, dass sich das in den Folgebänden etwas anders darstellt, ansonsten sehe ich für die weiteren etwa 800 Seiten eher … nun ja … „schwartz“. Man verzeihe mir den Kalauer.

Vielleicht stelle ich mich hier auch nur ein bisschen pingelig an, denn dem Großteil der Rezensenten in der weiten Welt des Internets scheint dieses Problem kaum aufzufallen. 

Nun, wir werden sehen …

Demnächst in diesem Blog: Keine Ahnung …

abc.Etüden Januar 2026 I

abc.etüden 2026 januar | 365tageasatzaday

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

die zauberhafte Christiane rief unlängst zu den ersten Etüden des neuen Jahres auf, zu einer Wortspende von ihr höchstpersönlich. Und ja, daran habe ich mich lange nicht beteiligt. Aus Gründen. Das bedeutet aber ja nun nicht, dass das immer so sein muss. Also steige ich an dieser Stelle mal wieder ein, mache das Ganze – wie eigentlich alles in meinem Blog – solange ich Lust dazu habe und dann schauen wir mal weiter.

Zum Wiedereinstieg erscheint mir das angemessen, was in der weiten Film-, Buch- oder Spielewelt mittlerweile eine gewisse Alltäglichkeit bekommen hat: ein „Reboot“. Wer hier also schon länger liest, kennt das folgende Setting schon. :-)

Wie üblich beginnen die 300 Worte nach Ende des kursiv gesetzten Textes.

Wir befinden uns in der Hölle, dem Stammsitz der Firma „Fate LLP“, deren Eigentümer und Geschäftsführer S. Atan zu einem bestimmte Behufe durch die unendlichen Gänge seiner Firma wandert, bis er auf einen Mitarbeiter stößt, der andächtig an einer überdimensionalen Dachlatte schnitzt.

„Guten Morgen.“

„Morgen.“

„Darf ich fragen, was Sie da tun?“

„Schnitzen.“

„Aha – warum?“

„Dienstanweisung.“

„Wofür?“

„Außendienst.“

„Könnten Sie vollständige Sätze formulieren?“

„Anweisung des Abteilungsleiters Außendienste: „Schnitz‘ dir ’ne Keule, zieh los und verprügele damit alle Leute, die online den Mord an Zivilisten durch staatlich legitimierte Hooligans relativieren, bis sie lachen. Und diejenigen, die sich darüber beschweren, dass vor einer Wetterlage gewarnt wurde, die weniger schlimm als befürchtet ausfiel, gleich mit. Alle. Bis sie lachen.“ Hat er gesagt. Also …“

„…sitzen Sie hier und schnitzen.“

„Genau.“

„Die Denke Ihres Abteilungsleiters gefällt mir. Wie heißt er?“

„Lübke.“

Der Schnitzer deutet mit dem Kopf auf die hinter ihm liegende Tür, die S. Atan umgehend öffnet, um den Raum dahinter zu betreten.

„Lübke?“

„Wer will das wissen? Oh – der Chef!? Was kann ich für Sie tun?“

„Ich habe einen Job zu vergeben. Ich suche einen Assistenten der Geschäftsleitung. Haben Sie Interesse?“

„Haben Sie nicht schon einen?“

„Njaaa – da ist etwas schiefgelaufen. Irgendeine dubiose Arbeitnehmerüberlassungsfirma hat mir Gandhi zugeteilt. Nicht tragbar in dieser Position! Ich bin sicher, das haben die absichtlich gemacht. Da stecken die Typen von ganz oben dahinter …“

„Nochmal zum Mitschreiben: Gandhi hat im Vorzimmer des Teufels gearbeitet?“

„Na ja, jetzt nicht mehr – also, wie siehts aus?“

„Tja – danke, zunächst mal. Aber im Grunde bin ich ja einerseits Gewohnheitstier und andererseits schon seit  vielen Jahren in dieser Abteilung …“

„Lübke – Sie sitzen hier und lassen Mitarbeiter Keulen schnitzen, um Ihren Frust an Leuten auszulassen …“

„Die es zweifellos verdient haben!“

„Zweifellos. Stattdessen könnte ich Sie aber in die Schaltzentrale der Macht bringen. Sie könnten jeden Tag diabolische Pläne aushecken. Unheil über die Welt bringen! Also?“

„Wie lange habe ich Zeit, darüber nachzudenken?“

„Ich erwarte Sie morgen früh um 8 Uhr im Büro.“

„Ich werde da sein.“

300 Wörter.

„Elefanten vergessen nicht“ von Agatha Christie

Die Autorin: Agatha Christie begründete den modernen britischen Kriminalroman und avancierte im Laufe ihres Lebens zur bekanntesten Krimiautorin aller Zeiten. Ihre beliebten Helden Hercule Poirot und Miss Marple sind – auch durch die Verfilmungen – einem Millionenpublikum bekannt. 1971 wurde sie in den Adelsstand erhoben. Agatha Christie starb 1976 im Alter von 85 Jahren. (Quelle: Hoffmann und Campe)

Das Buch: Seit zwanzig Jahren sind Celias Eltern nun bereits tot. Die rätselhaften Todesumstände konnten nie geklärt werden und das Vergessen hat sich über die Tragödie gebreitet. Doch bei einem geselligen Abendessen reißt eine unerwartete Frage alte Wunden auf und Ariadne Oliver, Celias Patentante, muss sich der Wahrheit endlich stellen: Wer hat hier wen getötet, der Vater die Mutter, oder war es umgekehrt? Hercule Poirot ermutigt seine alte Freundin, es wie die Elefanten zu machen und ihrer Erinnerung zu vertrauen. Denn Poirot weiß: „Elefanten können sich erinnern – denn Elefanten vergessen nicht.“ (Quelle: Hoffmann und Campe)

Ausgabe: Hardcover, 219 Seiten (Loewe Verlag, 1994)

Fazit: Man kann von Geburtstagen und Weihnachten meinetwegen halten, was man will. Ich persönlich bin insbesondere von Letzterem kein besonders großer Fan und weiß seit dem letzten Weihnachtsfest auch wieder, warum. Der positive Nebeneffekt beider o.g. Anlässe besteht allerdings zumindest in einem verlässlich eintrudelnden Buchpaket, mit dem mir eine ganz zauberhafte Person, der an dieser Stelle mein immenser Dank ausgesprochen gilt, regelmäßig diverse Bücher aus dem Bereich „Klassiker“ zukommen lässt.

Dazu gehören seit einiger Zeit eigentlich immer auch Agatha Christies Bücher um ihren belgischen Detektiv Hercule Poirot.

Vor dem Hintergrund, dass Agatha Christie, wenn ich mich nicht irre, 32 Poirot-Romane sowie diverse Kurzgeschichtenbände verfasst hat, ergibt sich erstens, dass ich noch so einige vor mir habe und zweitens, dass nahezu folgerichtig auch mal ein Roman dabei sein muss, der mich nicht so ganz abgeholt hat. Und das war bei „Elefanten vergessen nicht“ nun einmal der Fall.

Zu Beginn des Romans treffen wir auf die ebenfalls in einigen Poirot-Büchern auftauchende Krimiautorin Ariadne Oliver, die sich ausnahmsweise entscheidet, entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten ein Krimiautoren-Treffen zu besuchen. Dabei wird sie von einer Frau angesprochen, die sich als Schwiegermutter in spe von Ariadnes Patentochter Celia herausstellt. Diese möchte von Ariadne genauere Informationen über die Umstände des Todes von Celias Eltern bekommen, bevor sie ihrem Sohn die Heirat erlaubt. Celias Eltern starben vor rund 20 Jahren gemeinsam. Man vermutet einen gemeinschaftlichen Suizid, genau konnten die Umstände seinerzeit aber nie geklärt werden. Celias potenzielle Schwiegermutter möchte nun aber diese Klärung. Denn es könnte ja sein, dass der Vater oder die Mutter ggf. unter irgendeiner Geisteskrankheit litten und so etwas mendelt sich ja vielleicht durch und … nun ja, andere Zeiten damals.

Nach anfänglicher Ablehnung wendet sich Ariadne an ihren Freund, den belgischen Detektiv Hercule Poirot. Dieser versucht nun, Weggefährten der verstorbenen Eltern zu finden, um aus deren Erinnerungen entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen.

Nun gebe ich zu, der Ansicht zu sein, dass die besten Poirot-Krimis die klassischen Whodunits sind. Krimis mit einer überschaubaren Anzahl Verdächtiger an einem mehr oder weniger abgeriegelten Schauplatz. Und damit hat „Elefanten vergessen nicht“ nun wirklich nicht viel gemein.

Allerdings kann man ein Buch naturgemäß nicht dafür kritisieren, was es nicht ist, was es subjektiv empfunden aber vielleicht hätte sein sollen. „Elefanten vergessen nicht“ bietet allerdings ausreichend Gelegenheit, es für das zu kritisieren, was es eben ist. Und zwar in erster Linie hinsichtlich der Story selbst. Denn diese ist eigentlich vergleichsweise dünn.

Und eigentlich ist das auch nicht schlimm, denn 219 Seiten sind halt nun auch recht wenig, um einen komplexen Kriminalfall auszuarbeiten. Das Problem ist aus meiner Sicht, dass die Autorin versucht, einer einfachen Geschichte den Anstrich von Komplexität zu verleihen, beispielsweise dadurch, dass plötzlich Figuren ins Spiel kommen, von denen vorher nie die Rede war oder uralte Handlungselemente aus der goldenen Zeit der Kriminalromane eingebunden werden, auch wenn die zum Erscheinen des Romans so uralt noch nicht waren. Außerdem werden einzelne Sachverhalte der Begebenheiten rund um den Tod von Celias Eltern wieder und wieder erwähnt, weil sie halt vielleicht schon mal gesagt wurden, nur eben noch nicht von jedem und weil man möglicherweise nicht bei noch weniger als 219 Seiten landen wollte.

Auch dass der Titel des Buches offensichtlich dadurch gerechtfertigt werden muss, dass man die Zeugen aus damaliger Zeit permanent als „Elefanten“ bezeichnet, in Anspielung auf das überdurchschnittliche Langzeitgedächtnis der Rüsseltiere, und man wieder und wieder erwähnt, dass Elefanten ja nicht vergessen, wirkt irgendwann albern bis befremdlich, auch weil es einen „So redet doch kein Mensch!“-Effekt erzeugt.

So gelangt man dann an das Ende des Buches, das der Verfasser dieser Zeilen in etwa so überzeugend fand wie die Treffsicherheit von Sturmtrupplern – die Rechtschreiberkennung bemängelt das Wort „Sturmtruppler“, was ich hiermit als Skandal anprangere! -, selbiges aber eben einfach so hinnahm, im vollen Bewusstsein, beim nächsten Buch bestimmt wieder mehr Glück zu haben.

In der weiten Welt der Poirot-Romane ist „Elefanten vergessen nicht“ also nicht unter den besseren einzuordnen. Von besseren wird allerdings bald die Rede sein.

Demnächst in diesem Blog: „Hercule Poirots Weihnachten“. Ich sagte ja gerade …

„Eine wie Frankie“ von Graham Norton

Buch: „Eine wie Frankie“

Autor: Graham Norton

Verlag: Rowohlt

Ausgabe: Hardcover, 400 Seiten

Der Autor: Graham Norton, Schauspieler, Comedian und Talkmaster, ist eine der bekanntesten Fernsehpersönlichkeiten der englischsprachigen Welt. Geboren wurde er in Clondalkin, einem Vorort von Dublin, aufgewachsen ist der Sohn einer protestantischen Familie aber im County Cork im Süden Irlands. Sein erster Roman «Ein irischer Dorfpolizist» überraschte viele durch seine Wärme und erzählerische Qualität, er avancierte in Irland und Großbritannien zum Bestseller, wurde mit dem Irish Book Award 2016 ausgezeichnet und wird nun auch zu einer Fernsehserie. «Möglicherweise war es Verschwendung, dass der Mann die ganzen Jahre im Fernsehen war», schrieb Bestsellerautor John Boyne in der «Irish Times». (Quelle: Rowohlt)

Das Buch: New York, 1965: Völlig mittellos strandet Frances Howe mit Mitte zwanzig in New York City. Für die junge Frau aus der irischen Provinz ist die fremde Großstadt beängstigend, aber auch wild und aufregend. Die Wolkenkratzer sind endlos, die Nächte lang, in den Straßen von Greenwich Village vibriert das Leben. Und Frankie, die bisher immer eine Nebenrolle im eigenen Leben gespielt hat, lässt sich treiben. Dann lernt sie Joe kennen, der als Chauffeur arbeitet, aber eigentlich als Künstler erfolgreich werden will. Joe und Frankie verlieben sich und tauchen gemeinsam ein in die Kunstszene der Stadt. Ein Leben, das vor Intensität nur so lodert. Frankie hilft in einem französischen Restaurant aus und macht es bald zum angesagtesten Lokal des Viertels. Endlich, so scheint es, spielt sie die Hauptrolle in ihrem Leben. Doch dann kommt auch Joe zu Ruhm. Frankie erkennt den Mann, den sie liebt, kaum noch wieder. Und plötzlich droht ihr alles, wofür sie gekämpft hat, zu entgleiten … (Quelle: Rowohlt)

Fazit: Da es ja nun nur noch eine Frage der Zeit sein kann, bis eine russische SSO-Einheit sich über dem Bundeskanzleramt abseilt, um Friedrich Merz zu entführen – ein Vorgang, dessen rechtliche Beurteilung der amerikanische Präsident später als „komplex“ bezeichnen wird, wohingegen die Mehrheit der Wahlberechtigten es als deutliche Verbesserung empfindet, weswegen aus gewissen Parteikreisen auch immer wieder echtes Unverständnis über dieses Völkerrechts-Gebrabbel zum Ausdruck gebracht werden wird und lediglich Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, die Einordnung des Präsidenten als „merkwürdig“ empfindet und zaghaft von einem „Fragezeichen hinter der Völkerrechtskonformität dieses Schrittes“ (O-Ton) sprechen wird und anscheinend nur Katarina Barley und ein einsamer, kleiner Buchblogger vom duckmäuserischen, verbalen Rumgeeier der westlichen Welt irritiert sind -, bevor all das also passiert und danach ohnehin alles im Eimer ist, finde ich, dass man sich den schönen Dingen des Lebens zuwenden sollte. Literatur zum Beispiel. Die schlechten Dinge kommen für gewöhnlich ohnehin von alleine.

Wenden wir uns also Graham Norton und seinem neuen Roman zu. Jener Graham Norton wusste mich bereits 2017 mit seinem Debüt „Ein irischer Dorfpolizist“ zu überzeugen, geradezu ein wenig zu verzaubern. Auch das ein Jahr später erschienene „Eine irische Familiengeschichte“ wusste mich noch zu überzeugen. Von allen Folgeromanen, von „Heimweh“ über „Der Schwimmer“ bis hin zu „Ein Ort für immer“ habe ich dann lieber die Finger gelassen, weil ich unterschwellig immer den Eindruck hatte, dass Norton vom schmalen Grat zwischen emotionaler Geschichte und gefühlsduseligem Kitsch – was völlig wertfrei und subjektiv gemeint ist – irgendwann mal auf die falsche Seite abrutschen könnte. Vermutlich habe ich ihm damit unrecht getan, aber es ist nun mal, wie es eben ist.

Mit „Eine wie Frankie“ war es nun aber endlich mal wieder Zeit, sich eines seiner Bücher anzunehmen. Und ich habe Frankies Lebensgeschichte auch durchaus gerne gelesen, kann aber nicht ganz in die allenthalben vernehmbaren Lobeshymnen über das Buch einstimmen.

Zu Beginn des Buches lernen wir Damian kennen, einen jungen Mitarbeiter eines mobilen Pflegedienstes, sowie die mittlerweile 84-jährige Frances „Frankie“ Howe. Damian wurde angeheuert, sich vorübergehend um die ältere Dame zu kümmern. Im Zuge seiner Aufenthalte bei Frankie kommen die beiden so langsam ins Gespräch und Frankie beginnt, dem jungen Pfleger ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die die Leser vom ländlich geprägten Irland bis ins vor Leben pulsierende London und New York der 60er führen wird.

In bewährter aus zwei Zeitebenen bestehender Erzählweise schildert Norton so die unglückliche Kindheit der jungen Frau, den Tod ihrer Eltern, ihr Aufwachsen bei der Tante und ihrem fundamentalreligiösen Pfarrer-Ehemann. Einzige Konstante in Frankies Lebens ist ihre Freundin Norah – auch auch die wird aus besagtem Leben später für längere Zeit verschwinden.

All das ist zwar solide erzählt und emotional zuweilen berührend, aber irgendwie wollte ich mit der ganzen Geschichte nicht wirklich warm werden. Nach langer Grübelei bin ich zum Schluss gekommen, dass das sehr wahrscheinlich in der Protagonistin begründet liegt. Denn die passt irgendwie nicht zu dem, was Graham Norton – mutmaßlich – erzählen will.

Aus meiner Sicht ist „Eine wie Frankie“ in erster Linie eine Geschichte über das, was man heutzutage neudeutsch „Empowerment“ nennt und in zweiter die Darstellung der Lebensumstände der LGBTQ-Community in den 60ern. Nur gehört Frankie Letzterer im Grunde gar nicht aktiv an. Und zur Darstellung des Empowerments taugt sie auch nur bedingt bzw. lange Zeit des Romans eigentlich gar nicht. Denn über weite Strecken und zahllose Buchseiten ist Leben etwas, das Frankie passiert und nichts, was sie gestaltet.

Natürlich, das muss vor dem Hintergrund der Zeit und dem Ort betrachtet werden, in der und an dem die Handlung stattfindet. Die Möglichkeiten eines Mädchens bzw. einer jungen Frau im Irland der 50er, deren Eltern verstorben sind, ihr Leben eigenständig und selbstbestimmt zu gestalten – das Wort „selbstbestimmt“ kennt die Rechtschreibkorrektur an dieser Stelle übrigens nicht, worüber wir jetzt alle mal 5 Sekunden nachdenken -, sind begrenzt und das lasse ich auch völlig durchgehen.

Aber im späteren Verlauf gibt es verschiedene Begebenheiten, die sich nur dadurch hätten klären lassen, wenn Frankie einfach mal interveniert, einfach mal widersprochen, notfalls einfach mal eine mit „Jetzt hör mir mal zu!“ beginnende Szene gemacht hätte. Aber das tut sie nicht. Sie ist offensichtlich nicht mal in der Lage, ihren Widerspruch zu äußern, wenn die „Woo-Girls“, mit denen sie sich in London so umgibt, beginnen, ihren Namen von Frances in Frankie zu ändern, außer in der Form, dass sie sinngemäß darauf hinweist, nicht zu wissen, ob ihr das so wirklich recht sei, woraus sich für gewöhnlich ergibt, dass es das ganz und gar nicht ist. Aber wie in so vielen Fällen lässt Frankie auch das einfach über sich ergehen.

Und auch die positiven Entwicklungen in ihrem Leben sind häufig auf glückliche Fügungen zurückzuführen, auf zufällige Treffen mit im späteren Verlauf wichtigen Personen, aber nicht darauf, dass Frankie beschließt, jetzt aber endlich mal aktiv dieses oder jenes anzugehen.

All das ändert sich dann im letzten Viertel des Romans durchaus und ab da erreicht mich die Geschichte sowohl inhaltlich als auch emotional mehr als in den ersten drei Vierteln zusammen, was dann eben dazu führt, dass ich das Buch trotzdem gerne gelesen habe. Wäre es allerdings kein Rezensionsexemplar gewesen, wäre die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich dieses letzte Viertel vermutlich nie gelesen hätte.

In Summe glaube ich, einfach der falsche Leser für das Buch gewesen zu sein. Vielleicht hatte ich während der Lektüre auch einfach schlechte Laune, die nicht auf das Buch, sondern auf den Dezember zurückzuführen war. Es ist insofern also nicht auszuschließen, dass die mehrheitlich positiven Stimmen durchaus im Recht sind. Aber mich persönlich hat „Eine wie Frankie“ eben nicht vollumfänglich überzeugt.

Ich danke dem Rowohlt Verlag für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein kostenloses Rezensionsexemplar handelte, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Weitere Rezensionen:

Buchmomente

Demnächst in diesem Blog: „Elefanten vergessen nicht“ von Agatha Christie. 

„Sieben Jahre“ von Tanja Kinkel

Buch: „Sieben Jahre“

Autorin: Tanja Kinkel

Verlag: Hoffmann und Campe

Ausgabe: Hardcover, 848 Seiten

Die Autorin: Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, studierte Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und erhielt diverse Literaturpreise und Stipendien. Sie ist u. a. Mitglied im Deutschen PEN, Präsidentin der Internationalen Feuchtwanger Gesellschaft L. A. und wurde mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Tanja Kinkel ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen. (Quelle: Hoffmann und Campe)

Das Buch: 1756: Friedrich II. von Preußen steht im Zenit seiner Macht – bis es seiner Erzfeindin Maria Theresia gelingt, das junge Königreich Preußen nahezu vollständig zu isolieren. Der König geht zum Angriff über. Sein Feldzug, der als Siebenjähriger Krieg in die Geschichte eingehen wird, verlangt auch seiner Familie alles ab: Während sein Bruder und Thronfolger Wilhelm unter dem Druck zerbricht, erweist sich der bisher als leichtfüßig verrufene Heinrich als brillanter Stratege, gleichzeitig Friedrichs schärfster Kritiker und wichtigste Stütze, und seine Schwester Amalie schickt sich an, auf unerhörte Weise eigene Wege zu gehen. Im Inferno von Krieg und Familiendrama steht ausgerechnet der rechtelose schwarze Pagen Hannibal an ihrer Seite, der gleichzeitig voller Mut für eine eigene bessere Zukunft kämpft … (Quelle: Hoffmann und Campe)

Fazit: Hätte ich eine sogenannte „bucket list“, so stünden auf dieser vermutlich Dinge drauf wie „Wenigstens noch einmal ins Weserstadion“ oder „Mindestens einmal ein Volbeat-Konzert besuchen“ – weil ich offensichtlich unterhaltungsorientiert denke, und die Baumpflanzungen und den Häuserbau anderen überlasse.

Auf dieser Liste stünde mit absoluter Sicherheit aber auch „Wenigstens einmal auf eine Buchmesse gehen“, denn das war mir bislang noch nicht vergönnt. Und sollte ich das mal schaffen, würde ich dort sehr wahrscheinlich primär nach zwei Personen Ausschau halten: Tanja Kinkel und Kai Meyer. In beiden Fällen zum Zwecke der allgemeinen Huldigung sowie des Büchersignierens, im Falle von Tanja Kinkel vielleicht noch zusätzlich dazu, um ihr mein Bedauern darüber auszudrücken, dass diese Zeilen erst jetzt zu lesen sind.

Denn „Sieben Jahre“ erschien bereits am 14. Oktober und das Rezensionsexemplar war auch pünktlich da. Und die ersten 100 Seiten habe ich geradezu rauschhaft in ganz kurzer Zeit gelesen – dann schlug aber irgendwie das Leben, das Universum und der ganze Rest zurück, weswegen es besagte Zeilen nun eben erst jetzt gibt.

Zu Beginn muss ich entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten mal ein paar Worte über die äußere Gestaltung des Buches verlieren. Der schon länger hier mitlesende Teil der Leserschaft weiß, dass ich das für gewöhnlich nur dann tue, wenn es über den Inhalt des Buches selbst wenig zu berichten gibt – diesbezüglich kann aber, so viel sei vorab verraten, Entwarnung gegeben werden. Nein, diesmal muss ich davon reden, weil man einfach davon reden muss. In meiner Vorstellung muss es sich so zugetragen haben, dass sich ein paar Mitarbeiter verschiedenster Verlage in einer Kneipe trafen und sich jemand rühmte, dass sein Verlag zweifellos das hübscheste Buch des Jahres gestaltet habe. Woraufhin der anwesende Vertreter von Hoffmann und Campe so etwas Ähnliches gesagt haben muss wie: „Hold my beer …“

„Sieben Jahre“ ist mit seiner farblichen Gestaltung sowie mit seinem Farbschnitt – und das sage ich als jemand, der Farbschnitte für vollkommen unnötig hält – tatsächlich nicht weniger als ein echter Hingucker, ein Träumchen in Gold. Es würde vermutlich sogar dann weiterhin mein Regal zieren, wenn es mir inhaltlich nicht gefallen hätte.

Da nun aber der der Ausspruch „Never judge a book by it’s cover.“ auch bei einem buchstäblichen Verständnis desselben durchaus seine Berechtigung hat, wenden wir uns nunmehr endlich dem Inhalt zu.

Vordergründig geht es in „Sieben Jahre“ um den – man ahnt es – Siebenjährigen Krieg, in dem sich auf der einen Seite Preußen und England, sowie weitere kleinere Verbündete – unter anderem meine heimische Grafschaft Schaumburg-Lippe übrigens – einem Bündnis aus Heiligem Römischen Reich, Frankreich, Russland, Schweden und ebenfalls weiteren Verbündeten auf der anderen Seite gegenüberstehen.

Darüber hinaus geht es aber eben auch – und vielleicht noch viel mehr – um die preußische Herrscherfamilie. Um Friedrich II., seine Geschwister – in erster Linie die Brüder August Wilhelm und Heinrich sowie seine Schwester Amalie -, seine Eltern.

Und Tanja Kinkel gelingt hierbei das Kunststück, dass Leserinnen und Leser mit unterschiedlichen Vorlieben auf ihre Kosten kommen.

Auf der einen Seite die historisch Interessierten. Historische Begebenheiten und Zusammenhänge in Büchern darzustellen, ohne dass sie wirken wie ein knochentrockenes Proseminar an der Historischen Fakultät der Uni Bonn, ist, wie ich aus meiner Erfahrung als Leser abschätzen würde, vermutlich gar nicht mal so einfach, aber in „Sieben Jahre“ gelingt das vollumfänglich. Sowohl die politische Vorgeschichte des Krieges, die sich elementar verändernde Bündnispolitik in Europa, als auch den Verlauf des Krieges selbst schildert die Autorin auf eine durchweg spannende Art, und zuweilen weht ein Hauch von Tolstois „Krieg und Frieden“ durch die Seiten. Zumindest der Teil von „Krieg und Frieden“, den ich tatsächlich auch gelesen habe …

Mich als Lokalpatriot freute zusätzlich, dass irgendwann auch die Schlacht bei Minden Erwähnung findet, denn Minden liegt zwar im Westfälischen und daher per Definition jenseits der Zivilisationsgrenze, aber dennoch von hier aus praktisch nebenan. Schade nur, dass „mein“ heimischer Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe (1724-1777), der später den Oberbefehl über die Artillerie der gesamten Armee der preußischen Verbündeten erhalten sollte, keine Erwähnung findet, ohne dessen effizienten Artillerieeinsatz in besagter Schlacht … – aber lassen, wir das, man kann halt nicht alles haben. :-) Im Nachgang der Schlacht erschien übrigens ein von Georg Philipp Telemann komponiertes Oratorium mit dem schönen Titel „Hannover siegt, der Franzmann liegt“. Ich lass das mal unkommentiert so stehen …

Auf der anderen Seite holt Tanja Kinkel dann aber eben auch die Leser ab, die in erster Linie Interesse an Familiengeschichten aufbringen. Die Autorin stellt diese Familie dabei primär als im Wesentlichen dysfunktionale Gruppe dar, in der allerhöchstens einzelne Personen untereinander so etwas wie echte menschliche und familiäre Gefühle füreinander aufbringen können. Ansonsten herrscht zwischen den Familienmitgliedern aber überwiegend irgendwas zwischen Indifferenz und Eiseskälte.

Sowohl das Zusammenspiel der Familienmitglieder untereinander – oder eher das Fehlen davon – als auch die Charakterisierung der einzelnen Figuren ist ähnlich überzeugend wie alles bisher Geschilderte gelungen. Spannend ist in dem Zusammenhang, dass sich entgegen meiner Erwartungen zumindest für mich kein zweifelsfreier Protagonist des Buches aufzeigen lässt. Zwar sollte man Friedrich II. als diesen vermuten, im Vergleich bekommt sein Bruder Wilhelm phasenweise, sein Bruder Heinrich über die gesamte Länge des Buches aber deutlich mehr erzählerische Aufmerksamkeit. Dieser Ansatz ermöglicht es zudem, mit dem Pagen Hannibal eine weitere Figur einzufügen, die nicht direkt zur Familie gehört, die aber durch mehrfachen Wechsel in verschiedene Haushalte der Familienmitglieder Einblicke in eben diese Haushalte gestattet.

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob es diese Figur wirklich gebraucht hätte, denn der eben beschriebene erzählerische Effekt hätte sich sicher auch anders erzielen lassen und ich persönlich bin über die gesamte Länge des Buches nicht mit Hannibal warm geworden. Tanja Kinkels Ansatz, so wie in „Im Wind der Freiheit“ eine fiktive Figur in den Mittelpunkt zu stellen, und auf historische Persönlichkeiten treffen zu lassen, funktioniert für mich offenbar besser als eine zwar auf historische Darstellungen beruhende, aber ansonsten weitgehend der Fantasie entsprungene Figur als einen von vielen Charakteren in ein erzählerisch mehr oder weniger gleichberechtigtes Ensemble historischer Persönlichkeiten einzufügen. Letztlich ist das aber Leiden auf hohem Niveau.

Wer also ein Interesse an historischen Romanen, an Familiengeschichten oder beidem mitbringt, sollte mit „Sieben Jahre“ voll auf seine Kosten kommen. Und wer Freude an Vertretern der Kategorie „Wälzer“ hat, in die ich den Roman ob seiner immerhin 848 Seiten nun einfach mal einsortiere, ebenfalls.

Klare Leseempfehlung.

Ich bedanke mich bei Hoffmann und Campe für die freundliche Übersendung des Rezensionsexemplars. Die Tatsache, dass es sich um ein kostenloses Rezensionsexemplar handelt, beeinflusst meine Meinung selbstredend nicht.

Weitere Rezensionen: 

Leser-Welt

Demnächst in diesem Blog: „Eine wie Frankie“ von Graham Norton

„Finde den Mörder – Die Blumen von Elysium“ von Anthony Johnston

Der Autor: Antony Johnston ist englischer Autor von Kriminalromanen, Graphic Novels und Videospielen, unter anderem »Atomic Blonde« (verfilmt mit Charlize Theron), »Dead Space« und »Resident Evil Village«. Diese Expertise im soghaften prozeduralen Erzählen bringt er bei seinem interaktiven Kriminalroman voll zum Tragen. Antony Johnston sitzt im Videospielausschuss der Writers‘ Guild of Great Britain und war stellvertretender Vorsitzender der Crime Writers‘ Association. Er lebt und arbeitet in Lancashire, umgeben von zu vielen Büchern und nicht genug Hunden. (Quelle: S. Fischer Verlage)

Das Buch: Geschäftsmann Harry Kennedy ist von einem Balkon gestürzt, der nur über eine verschlossene Tür betreten werden kann. Noch dazu hat er eine rote Rose im Mund. Nun kommst du ins Spiel, Detective Chief Inspector: Verhöre Verdächtige, achte auf kleinste Hinweise und finde den Mörder. Aber Achtung – jede Entscheidung, die du triffst, hat Konsequenzen. Und manche davon können fatal enden … (Quelle: S. Fischer Verlage)

Fazit: Ich bin ja bekennender RPG-Fan, sowohl in Form von PC-Spielen als auch in solcher einer Pen&Paper-Runde. Nun muss man in Ersteres heutzutage meistens eine ganze Menge Zeit investieren, die kontinuierlich rarer zu werden scheint. Zudem ist passender Nachschub ebenfalls rar gesät, weil die Larian Studios nicht alle sechs Monate ein neues Baldur’s Gate produzieren können, was sie allerdings würden und sollten, wenn die Welt perfekt wäre. Und noch rarer als all das sind passende Pen&Paper-Runden, insbesondere solche, die das Ganze ernsthaft genug aber nicht zu ernsthaft betreiben.

Da derlei Problematiken für passionierte RPGler nicht sonderlich neu sind, ist auch die Lösung dafür nicht sonderlich neu: Solo-Abenteuer. Für viele der etablierten RPG-Systeme wie DSA oder D&D gibt es mittlerweile gar nicht mal so wenige davon. Das hilft meinem Vergangenheits-Ich, dem das noch wichtiger gewesen wäre, zwar wenig, denn das Zauberwort des vorangegangenen Satzes lautet „mittlerweile“, aber hey, immerhin.

Und das Prinzip dieser Solo-Abenteuer ist vergleichsweise einfach: Man wird als Protagonist mittels einer kurzen Exposition in die Handlung geworfen. Und in dieser kann man – naturgemäß mit entsprechenden Einschränkungen – Entscheidungen treffen. Und je nachdem, ob man sich für Option A oder B oder C entschieden hat, geht die Geschichte dann eben an Stelle X oder Y oder Z weiter.

Und wenn nun jemand wie Anthony Johnston, der meine Hochachtung allein dafür verdient, an Sachen wie „Dead Space“ oder „Resident Evil Village“ mitgearbeitet zu haben, auch wenn ich beides nicht bzw. nicht bis zum Ende gespielt hab, weil meine Atmung bei Vertretern dieses Genres sich früher oder später immer der eines Apnoe-Tauchers in 253 Metern Tiefe anpasst, gelegentliches Atmen aber ja nun lebensverlängernd wirken soll – wenn nun also jemand aus dem eingangs beschriebenen Konzept eine Krimi-Version macht, dann kann ich daran unmöglich vorbeigehen.

Und so stürzte ich mich an der Seite der Kollegin Sergeant McAdam aus Nortumbria ins Abenteuer.

Dieses führt uns ins Wellness-Hotel „Elysium“. Der dort residierende Geschäftsmann Harry Kennedy ist nämlich – offensichtlich unfreiwillig – vom Balkon gefallen. Auch die Harke in seiner Brust wird er sich nicht selbsttätig dorthin befördert haben. Nun ist es an uns, herauszufinden, wer Harry Kennedy übelwollte.

Streng nach dem eingangs beschriebenen Konzept können wir nun beispielsweise damit beginnen, entweder den Toten selbst oder aber zunächst den Tatort einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, geht die Handlung dann bei Kapitel X oder Kapitel Y weiter. Wo uns dann weitere Entscheidungen erwarten, die uns beispielsweise zu Kapitel Z weiterführen. Wenn man es denn Kapitel nennen möchte, wahrscheinlich wäre allerdings „Textabschnitte“ die bessere Bezeichnung.

Unter einigen der Textabschnitte steht zudem neben der Info, an welcher Stelle es weitergeht, die Aufforderung, sich beispielsweise „C3“ zu notieren. Oder B4. Oder F5, S2, J7 oder welche Buchstaben-Zahlen-Kombination auch immer. Diese brauchen wir, denn im späteren Verlauf steht dann unter einem Textabschnitt beispielsweise sinngemäß: „Wenn du dir C3 notiert hast, lies bei Abschnitt XY weiter, sonst bei Abschnitt YZ“.

Und so navigiert, ermittelt und rätselt man sich eben durch die Handlung. In selbiger kristallisieren sich recht schnell ein halbes Dutzend Verdächtige heraus. Von einer Parlamentsabgeordneten über den Eigentümer des Wellness-Hotels bis hin zu einem Geschäftspartner von Harry Kennedy, der sich selbst den geradezu poetischen Namen „Tank Destroyer“ gegeben hat. All diese Verdächtigen haben einerseits ein mehr oder weniger stichhaltiges Motiv, andererseits aber auch ein mehr oder weniger stichhaltiges Alibi. Und es ist zum Ende des Buches allein an uns, diesen oder jenen Verdächtigen zu beschuldigen – und dann zu prüfen, ob wir damit recht hatten.

Nun bin ich schon immer schlecht in so etwas gewesen. Ein Krimi könnte noch so schlecht konzipiert sein, ich wäre vermutlich trotzdem von der Auflösung überrascht. Selbst wenn jemand mit noch rauchendem Revolver in der Hand über dem Mordopfer steht und „Ich war es nicht!“ stammelt, würde ich denken: „Na, wenn er das sagt …“

Und so mag es nicht verwundern, dass ich auch hier nicht auf die richtige Lösung gekommen bin. Auch nicht im zweiten Versuch. Oder im dritten. Reden wir nicht drüber.

Das macht aber eigentlich auch nichts, denn auch wenn man nicht zur richtigen Lösung gelangt, macht „Finde den Mörder“ richtig Laune. Wer also Spaß am Rätseln hat und/oder es immer besser weiß, als die Ermittlerfiguren in den handelsüblichen Krimis, der möge sich mit einem Stift, ein paar Zetteln und – ganz wichtig! – einem Lesezeichen bewaffnen und den Versuch unternehmen, es besser zu machen als ich.

Demnächst in diesem Blog: Wenn es nach mir ginge, dann wäre als Nächstes endlich mal Tanja Kinkel mit „Sieben Jahre“ dran. Es wäre zwar überraschend, wenn es mal nach mir ginge, aber schaun mer mal.

„Das Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz

Buch: „Das Geheimnis des weißen Bandes“

Autor: Anthony Horowitz

Verlag: Insel Verlag

Ausgabe: Taschenbuch, 352 Seiten

Der Autor: Anthony Horowitz, geboren 1956 in Stanmore, gehört zu den erfolgreichsten Autoren der englischsprachigen Welt, in Deutschland ist er vor allem durch seine Jugendbuchreihe um Alex Rider bekannt. Neben zahlreichen Büchern hat Anthony Horowitz Theaterstücke und Drehbücher zu verschiedenen Filmen und Fernsehserien (unter anderem Inspector Barnaby) verfasst. Seit seiner Jugend ist er Sherlock-Holmes-Fan. Im Insel Verlag erschien zuletzt Mord stand nicht im Drehbuch (2024). Anthony Horowitz lebt mit seiner Familie in London. (Quelle: Suhrkamp)

Das Buch: Am Abend eines ungewöhnlich kalten Novembertages im Jahr 1890 betritt ein elegant gekleideter Herr die Räume von Sherlock Holmes‘ Wohnung in der Londoner Baker Street 221b. Er wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, dem einzigen Überlebenden einer amerikanischen Verbrecherbande, die mit seiner Hilfe in Boston zerschlagen wurde. Ist ihm der Mann über den Atlantik gefolgt, um sich zu rächen? Als Holmes und Watson den Spuren des Gangsters folgen, stoßen sie auf eine Verschwörung, die bis in die höchsten Kreise reicht – und den berühmten Detektiv ins Gefängnis bringt, verdächtig des Mordes … (Quelle: Suhrkamp)

Fazit: Es sei vergleichsweise „ruhig geworden“ in meinem Blog, stellte unlängst eine ganz zauberhafte Leserin meines Blogs fest, als wir uns begegneten, und lag damit selbstverständlich vollkommen richtig. Nun hat das zwar durchaus Gründe, soll aber natürlich nicht zum Dauerzustand werden, und das nicht nur, weil mir beispielsweise ein parasozialer Fiebertraum suggeriert, dass Tanja Kinkel geradezu ungeduldig auf meine Zeilen über ihren neuen Roman wartet, sondern in erster Linie, weil Blogs, die dauerhaft nicht mit Inhalt gefüllt werden, sehr anschaulich die Sinnlosigkeit allen irdischen Seins verdeutlichen.

Schreiten wir also mal wieder zur Tat und wenden uns hierbei – Auswahl hätte ich genug – zunächst Anthony Horowitz‘ „Das Geheimnis des weißen Bandes“ zu. Auf meiner Suche nach Krimis, die dem Zeitgeist-Trend widerstehen, das Genre immer mehr in Richtung blutiger Gewaltorgien zu treiben, wendet man sich nun mal entweder den Originalen der goldenen Zeit des Kriminalromans zu, oder solchen, die selbige quasi imitieren. Horowitz tut Letzteres und tut das sehr, sehr gut, wie die Tatsache, dass sein Krimi das erste nicht von Arthur Conan Doyle verfasste Sherlock-Holmes-Buch ist, das vom Conan Doyle Estate genehmigt wurde, erahnen lässt.

Wie bei seinem großen Vorbild, so fungiert auch in Horowitz Buch Dr. Watson als Erzähler. Selbiger beschließt in fortgeschrittenem Alter, einen letzten Fall, über den er sich – aus, wenn man das Buch gelesen hat, naheliegenden Gründen – bislang nicht zu schreiben getraut hat, zu Papier zu bringen. Watson wirft dabei auch einen Blick auf die Frage, wie es anderen Figuren aus dem Holmes-Kosmos, wie beispielsweise Inspektor Lestrade oder natürlich dem großen Sherlock Holmes selbst, zwischenzeitlich so ergangen ist. Schon hier wirkt „Das Geheimnis des weißen Bandes“ nicht wie irgendeine willkürliche Fanfiction, sondern wie eine sinnvolle Ergänzung des genannten Kosmos.

Das gilt im Folgenden auch für das Figurenensemble selbst. Keiner von Horowitz Protagonisten handelt nennenswert oder auch nur erkennbar „out of character“ sondern so, wie man es von ihnen aus den Holmes-Büchern eben gewohnt ist.

Unterstützt wird der positive Gesamteindruck noch dadurch, dass Horowitz, zumindest in der deutschen Übersetzung, einen Ton trifft, der – wie ich feststellte, als ich zwischendurch immer mal wieder ein paar Geschichten aus dem Gesamtwerk von Sir Arthur Conan Doyle gelesen habe – wirklich frappierend nah am Original ist. Lediglich an gefühlt etwa einem halben Dutzend Stellen fällt der Autor kurzzeitig sprachlich aus dem Rahmen, das tut dem Ganzen allerdings keinen Abbruch.

Nun kann man ja noch so behutsam mit Figuren und Sprache des großen Vorbildes umgehen – das bringt ja leider alles nichts, wenn die Geschichte selbst Mist ist. Hierbei kann allerdings glücklicherweise ebenfalls Entwarnung gegeben werden. „Das Geheimnis des weißen Bandes“ erzählt eine spannende Geschichte, die einzelne Handlungselemente enthält, die man so oder ähnlich aus den Originalbüchern kennt oder von denen man schwören könnte, dass sie bestimmt darin enthalten sind und die Figuren in den Fokus rückt, die in den Originalen eher ein Nischendasein führen.

Dabei wurde ich allerdings das diffuse Gefühl nicht los, all das Erzählte irgendwie schon zu kennen. Vor dem Hintergrund, dass das Buch bereits 2013 erschienen ist, möchte ich daher nicht ausschließen, es sogar schon mal gelesen zu haben, ohne mich daran erinnern zu können, das getan zu haben. Soll ja vorkommen …

Diejenigen, die einerseits Interesse für klassische Krimis aufbringen, vielleicht aber schon alle davon gelesen haben, und an denen andererseits „Das Geheimnis des weißen Bandes“ bislang vorbeiging, können bedenkenlos zugreifen.

Weitere Rezensionen:

Krimikiste

Buchwurm

Demnächst in diesem Blog: „Felix Blom. Der Häftling aus Moabit“ von Alex Beer

„Jeder im Zug ist verdächtig“ von Benjamin Stevenson

Buch: „Die mörderischen Cunninghams – Jeder im Zug ist verdächtig“

Autor: Benjamin Stevenson

Verlag: List

Ausgabe: Taschenbuch, 320 Seiten

Der Autor: Benjamin Stevenson ist preisgekrönter Stand-up-Comedian und USA Today-Bestsellerautor. Er ist der Autor der weltweit beliebten Krimireihe Die mörderischen Cunninghams, deren erster Band Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen derzeit als große HBO-TV-Serie adaptiert wird. Jeder im Zug ist verdächtig ist der zweite Band der Reihe. Seine Bücher haben sich über 750.000 Mal in 29 Ländern verkauft und waren acht Mal als »Buch des Jahres« nominiert. (Quelle: Ullstein)

Das Buch: Ernest Cunningham ist im Stress: Seit sein letztes Buch zu einem Bestseller wurde, ist er ein gefragter Autor. Auf der Suche nach neuer Inspiration folgt er der Einladung zu einem ganz besonderen Krimifestival in einem Langstreckenzug. Dieser ist tagelang durch das australische Outback unterwegs. Die illustre Gesellschaft ist bereits mitten im Nirgendwo, als ein Fahrgast stirbt. Zunächst gehen alle von natürlichen Umständen aus, doch dann wird in einer Kabine eine zweite Leiche gefunden, daneben ein Manuskript, auf dem die Tinte noch trocknet. Ernest muss gemeinsam mit den anderen Krimiautoren den Mörder stoppen, bevor es weitere Opfer gibt. Doch wem kann er trauen, wenn alle ihr Geld damit verdienen, perfekte Verbrechen zu planen?

Fazit: Schon der erste Teil der „Die mörderischen Cunninghams“-Reihe mit dem schönen Untertitel „Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen“ konnte mich derart begeistern, dass der zweite Teil praktisch unmittelbar nach Ende der Lektüre des Reihenauftakts geordert wurde. Benjamin Stevenson vereinte darin eine spannende Krimihandlung mit skurrilen Charakteren und einem Humor, der wie jeder Humor Geschmackssache ist, bei mir aber gezündet hat.

Dementsprechend vorfreudig stürzte ich mich also auf „Jeder im Zug ist verdächtig“.

Üblicher Dramaturgie folgend müsste ich ab jetzt natürlich darüber lamentieren, dass diese Vorfreude rasch einer maßlosen Enttäuschung wich, die ja so typisch für Fortsetzungen sei usw. – aber: nein. Nein, wirklich, all das Positive, das man über den ersten Teil sagen kann, lässt sich auch für Teil 2 sagen.

Daran, dass Ernest Cunningham beispielsweise ein absolut verlässlicher Erzähler ist, der Autor dahinter uns also mitnichten irgendwelche erzählerischen Volten auftischen will, daran also hat sich so gar nichts geändert. Ernest selbst mag zwar nach dem plötzlichen Erfolg seines Buches, mit dem er die Geschehnisse von „Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen“ verarbeitet hat, nun völlig überfordert sein, als es daran geht, einen weiteren Roman zu schreiben – oder schreiben zu müssen -, für den er so gar keine Inspiration verspürt,  an seiner Verlässlichkeit braucht man aber weiterhin nicht zu zweifeln. Das geht dann nicht nur so weit, dass er uns vorab verrät, auf wie viele Todesopfer wir uns im Folgenden einzustellen haben. (Es werden neun sein. Etwas weniger als im ersten Teil.) Nein, es geht sogar so weit, dass uns Ernest verrät, wie oft der Name des Täters/der Täterin/der Täter im Laufe des Buches auftauchen wird, und fügt gelegentlich diesbezügliche Strichlisten ein.

Auch das Figurenensemble hat ähnlich viel Charme wie im ersten Teil. Ein Rudel mehr oder weniger verhaltensorigineller Autorinnen und Autoren, die miteinander durch mal größere, mal kleinere Animositäten verbunden sind, das hat halt einfach was. Ergänzt durch eine mit der Gesamtsituation und seiner Schreibblockade erkennbar überforderte Hauptfigur, die sich dennoch daran macht, herauszufinden, was denn nun in diesem Zug vorgefallen ist. Schließlich schreibt er ja eigentlich Bücher darüber, wie man Krimis schreibt – und selbst, wenn die sich für gewöhnlich, wohlwollend formuliert, eher schleppend verkaufen, muss irgendwas davon ja nun hängengeblieben sein.

Für die Krimihandlung selbst kann ebenfalls der Daumen gehoben werden. Vor dem Hintergrund der oben erwähnten vollkommen verlässlichen Erzählweise, bei der alle notwendigen Informationen offen vor der Leserschaft ausgebreitet werden, lohnt sich sicherlich eine aufmerksame Lektüre, wenn man der Lösung des Falls selbst auf die Spur kommen will. Aber auch Menschen, die dahingehend eher schlecht sind – Menschen, wie ich also -, werden mit einem unterhaltsamen Buch belohnt.

Letztlich ist „Jeder im Zug ist verdächtig“ erkennbar eine zauberhaft Hommage an die Klassiker des Krimigenres, ein gelungener Seitenhieb auf den Literaturbetrieb und eine würdige Fortsetzung. Eine Fortsetzung, mit der man übrigens auch vergleichsweise problemlos in die Reihe einsteigen kann, wenn man den ersten Teil noch nicht gelesen haben sollte.

Weitere Rezensionen:

Ullas Leseecke

Susanne Edelmann

Alexandra Scherer

Demnächst in diesem Blog: „Das Geheimnis des weißen Bandes“ von Anthony Horowitz

Happy birthday toooo meeeeeee #11

Errungenschaft: 11. Jahrestag

Hallo, liebe Leserinnen und Leser,

nun mag an dieser Stelle in jüngerer Vergangenheit recht wenig passiert sein, was primär damit zu tun hat, dass ich ziemlich damit beschäftigt bin, mich durch die „Legion of Boom“ des Lebens zu drängeln – ich wollte an dieser Stelle schon immer mal wieder eine Football-Anspielung bringen -, was mit einem entsprechenden Verlust an verfügbarer Zeit für Lektüre und Texte einhergeht. Zum anderen geht damit auch einher, dass man Dinge verdrängt, die man andernfalls auf dem Schirm hätte.

Glücklicherweise wird man in solchen Fällen heutzutage zuverlässig von der Technik auf das Versäumte hingewiesen. In diesem Fall: Auf den mittlerweile 11. Geburtstag dieses meines Blogs.

In der mir eigenen weitschweifigen Art könnte ich ob dieses Anlasses nun umfassend losschwafeln – hab dazu aber ehrlicherweise keine Lust, auch weil ich vollumfänglich damit beschäftigt bin, mich über irgendwas mit „Stadtbild“ und „Fragen Sie mal Ihre Töchter“ zu echauffieren. Vielleicht sollten wir die Kanzlerschaft zukünftig auch im Losverfahren vergeben …

Wie dem auch sei, aufgrund der erwähnten Gemengelage belasse ich es bei einem kurzen Dank an alle die hier noch oder erst kurz oder vielleicht wieder mitlesen und hoffe auf eine baldige Lücke in der Seahawks-Verteidigung, die das Leben ist.

Gehabt euch wohl.