Ein neuer Morgen

Ein neuer Morgen

Der Park hatte lange geschwiegen. Wochenlang hatten kahle Zweige im Wind geklirrt, und selbst die Wege schienen nur das Nötigste von sich preiszugeben. Doch an diesem Morgen lag etwas Neues in der Luft – ein kaum hörbares Versprechen, dass das Leben zurückkehren würde.
Es waren nur wenige Spaziergänger unterwegs zu dieser frühen Stunde. Eine Frau zog ihren Kragen höher, sie fror, das war ihr deutlich anzusehen. Ein älterer Mann führte einen kleinen Hund an der Leine und wartete geduldig, wenn dieser neugierig schnupperte, sein Beinchen hob und die nächste interessante Stelle ansteuerte.
Auf einer Bank, die noch kühl von der Nacht war, saß ein Mann mit einer Thermoskanne in den Händen. Der erste Dampf seines Kaffees stieg wie ein kleines Lebenszeichen in die Morgenluft. Und irgendwo, fast unbemerkt, hatte sich eine Krokusblüte durch die harte Erde geschoben.
„Guten Morgen“, sagte die Frau, die gerade die Bank erreicht hatte und zügig weitergehen wollte. Doch dann überlegte sie es sich anders, blieb stehen und fragte: „Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?“
Der Mann nickte und rückte ein wenig zur Seite.
„Gern“, sagte er. „Die Sonne kommt gleich um die Ecke, dann ist diese Bank der beste Platz im ganzen Park.“
Für einen Moment schwiegen sie, während irgendwo über ihnen ein Vogel begann, sein erstes vorsichtiges Lied zu probieren.
„A-Dur“, sagte der Mann. „Meine Lieblingstonart.“
Er lächelte.
Die Frau sah ihn interessiert an, stellte aber keine Fragen, sondern lauschte einfach dem Gesang des Vogels.
„Die Vögel wissen oft früher als wir, wann es Zeit ist aufzuwachen“, sagte er nach einer Weile. „Sie brauchen keinen Kalender dafür.“
Er drehte den Becher langsam in seinen Händen, als würde auch er noch ein wenig Wärme sammeln.
„Ich hatte heute Morgen auch das Gefühl, dass es Zeit wird, rauszugehen“, sagte die Frau. „Der Gedanke kam ganz plötzlich. Eigentlich bin ich eine Langschläferin, wissen Sie.“
„Ich stehe gern früh auf“, antwortete der Mann. „Sonst habe ich das Gefühl, das Beste vom Tag zu verpassen. Heute habe ich hier die erste Krokusblüte entdeckt und dem Gesang des Vogels lauschen dürfen. Morgen wird es wieder etwas anderes, etwas Neues sein. Das ist doch wunderbar, nicht wahr?“
Die Frau nickte langsam.
„Vielleicht“, sagte sie nachdenklich, „braucht man manchmal einfach einen neuen Morgen, um wieder anzufangen.“
Sie sah auf die kleine Krokusblüte, die sich unbeirrt dem Licht entgegenstreckte, als wüsste sie genau, dass sich das Durchhalten gelohnt hatte.
„So ist es“, sagte der Mann lächelnd. „Ich würde mich freuen, Sie einmal wieder hier zu treffen.“
Er erhob sich.
„Das wäre schön“, sagte die Frau und reichte ihm die Hand. „Alles Gute für Sie.“
Der Mann nickte, als hätte er genau diese Worte gebraucht.
„Ihnen auch“, sagte er leise, dann ging er langsam den Weg entlang, auf dem das Licht nun deutlich heller geworden war.
Die Frau blieb noch einen Moment sitzen, spürte die ersten warmen Sonnenstrahlen im Gesicht – und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie das Gefühl, dass dieser Tag ihr etwas schenken könnte.

Manchmal beginnt ein neuer Abschnitt
nicht mit großen Worten,
sondern mit einem stillen Morgen.
© Regina Meier zu Verl

Eine Frau und ein Mann auf einer Parkbank, im Vordergrund ein lila Krokus
Morgen im Park – KI generiert

Matteo und das Osterlied

Matteo und das Osterlied
Der kleine Feldhase Matteo hatte sich den Wecker viel zu früh gestellt. Noch lag Raureif auf der Wiese, und die Ostereier in seinem Körbchen fühlten sich kalt an wie Kieselsteine. „Wer hat eigentlich beschlossen“, murmelte er und gähnte, „dass Ostern immer so früh am Morgen anfangen muss?“
„Aber Matteo!“, hörte er da in Gedanken die Stimme seiner Mutter. „So oft habe ich es dir schon gesagt: Kinder sind ungeduldig. Sie haben sich schon so lange auf ihre Ostereier gefreut!“
Matteo nickte ergeben. Mama war nicht mehr da, aber sie hatte ihm noch immer so manches mitzuteilen – und das war auch gut so.
Gerade, als Matteo zwei kleine Schokoeier neben der Terrassentür im Garten der Müllers versteckt hatte, hörte er einen spitzen Schrei:
„Das sind meine! Lass dir ja nicht einfallen, meine Ostereier wegzunehmen, dann setzt es was!“
Verwundert schaute sich Matteo um. Er hatte gar kein Kind gesehen. Woher kam dieser Schrei?
Da entdeckte er auf dem Gartenzaun ein kleines Rotkehlchen, das sich empört aufgeplustert hatte.
„Ich habe gestern schon gesehen, wie du hier unterwegs warst!“, piepste es aufgeregt. „Wenn du hier Eier verteilst, dann will ich auch eins – schließlich ist hier mein Revier!“
„Wer sagt das?“, wollte Matteo wissen. „Heute ist Ostern, da bekommen die Kinder Ostereier. Und auf keinen Fall ist heute ein Rotkehlchen-Beschenktag. Außerdem kannst du doch selbst Eier legen, und Schokolade ist für Rotkehlchen sowieso ungesund!“
Das Rotkehlchen legte den Kopf schief und sah Matteo eine Weile nachdenklich an.
„Eier legen kann ich wohl“, sagte es schließlich etwas kleinlauter, „aber niemand versteckt meine Eier so liebevoll im Gras.“
Dann hüpfte es ein Stück näher.
„Gibt es denn keinen Tag, an dem auch mal die kleinen Sänger des Gartens beschenkt werden?“
Matteo, der zwar nur ein kleines Herz hatte, aber darin doch jede Menge Platz für andere, versprach, darüber einmal mit dem Hasenfestausschuss zu reden. Er könne sich sogar vorstellen, dass seine Kollegen diesen Wunsch sicher gut finden würden.
Das Rotkehlchen schlug erfreut mit den Flügeln.
„Dann singe ich heute mein schönstes Osterlied für dich!“, rief es und setzte sich auf den höchsten Ast des Apfelbaums.
Und während Matteo weiterzog, begleitete ihn ein so fröhliches Zwitschern, dass ihm die Arbeit plötzlich viel leichter vorkam.
Der Apfelbaum, in dem das Rotkehlchen aus vollem Herzen jubelte, stand vor dem Fenster der kleinen Mia, die davon geweckt wurde. Fröhlich sprang sie aus ihrem Bett und erinnerte sich sofort daran, dass heute ein großer Feiertag war: Ostern.
Und ausnahmsweise durfte sie nach dem Anziehen direkt schon einmal im Garten nachschauen, ob der Osterhase schon dagewesen war.
Matteo hielt gerade inne, um ein buntes Ei zwischen zwei Gänseblümchen zu verstecken, als die Terrassentür aufging. Schnell duckte er sich hinter einen Blumentopf – Hasen waren zwar flink, aber entdeckt werden wollte er trotzdem nicht.
Durch einen schmalen Spalt sah er, wie Mia mit leuchtenden Augen in den Garten lief und plötzlich vor Freude rief:
„Mama! Er war wirklich da!“
Matteo lächelte still, nahm sein Körbchen und hoppelte weiter zum nächsten Garten.
Wer anderen eine Freude schenkt,
wird sich selbst freudig auf den Weg begeben.
© Regina Meier zu Verl

Meine Ostergedanken

Ostern – das hat für mich immer auch etwas mit Neuanfang zu tun. Auferstehung – aufstehen, um neu zu beginnen, und das mit dem Wissen von gestern. Ist es nicht das, was wir uns alle wünschen? Fehler gar nicht erst zu machen, weil wir aus den alten gelernt haben? Und doch erleben wir immer wieder, dass wir in dieselben Muster zurückfallen, uns über uns selbst ärgern und uns fragen: Habe ich wirklich daraus gelernt?
Das ist nicht der klassische Ostergedanke, doch lässt er sich nicht damit verbinden? Könnten wir Ostern nicht tatsächlich als Einladung zu einem echten Neuanfang begreifen?
Und wie war das mit Jesus? Er hat, soweit überliefert, keine Fehler gemacht. Vielleicht hätte er nicht alles mit sich geschehen lassen sollen? Doch war das ein Fehler – oder vielmehr eine Lektion für uns Menschen? Seine Auferstehung war nicht sein persönlicher Neuanfang, sondern der Beginn eines neuen Weges für uns. Er hat uns seine Geschichte hinterlassen, eine Geschichte von Liebe, Vergebung und Hingabe. Eine Geschichte, die uns bis heute lehren sollte, was wirklich zählt.
Im Gegensatz dazu ist das Ende der Fastenzeit ein sehr persönlicher Moment. Wer wochenlang verzichtet hat, kehrt nun zum Genuss zurück. Das mag unserem Körper guttun, vielleicht fühlen wir uns leichter, bewusster, achtsamer im Umgang mit Nahrung und Genussmitteln. Doch es bleibt eine Veränderung, die vor allem uns selbst betrifft.
Wie viel wertvoller wäre es, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zu erneuern? Nicht nur auf Schokolade oder Wein zu verzichten, sondern auf Groll, Egoismus oder Gleichgültigkeit? Und nach der Fastenzeit nicht einfach ins alte Muster zurückzufallen, sondern gestärkt und mit frischen Ideen weiterzugehen?
Wie wunderbar wäre eine Verwandlung, die uns an unserem Platz in der Welt dazu anhält, für Frieden und Licht zu sorgen. Jeder kann in seinem eigenen Umfeld dazu beitragen, dass diese Welt ein friedlicherer, achtsamerer Ort wird – voller Liebe für unsere Mitmenschen.

Regina Meier zu Verl

Ein Ei schöner als das andere

Ein Ei schöner als das andere

Der Duft von heißen Eiern lag in der Luft, vermischt mit einem Hauch von Essig, während im Gemeindehaus emsiges Treiben herrschte. Auf dem Tisch stapelten sich Eierkartons, daneben Töpfe mit dampfendem Farbsud, Pinsel, Filzstifte – und eine Flasche, deren Inhalt nicht ganz zur Fastenzeit passte.
„Tilde, hast du wieder das ganze Jahr lang Zwiebelschalen gehortet?“ Katharina zog eine Augenbraue hoch, während sie ihr eigenes Farbpulver ausbreitete.
„Natürlich, Kathi. Und diesmal habe ich besonders schöne Blätter gesammelt.“ Tilde strich sanft über die feinen Farnblätter, bevor sie sie vorsichtig auf ein Ei legte und mit einem Stück Seidenstrumpf fixierte.
Bine, die bereits ihre Filzstifte zückte, grinste. „Hoffentlich sind die Strumpfhosen wenigstens gewaschen.“
Ulrike kicherte und flüsterte: „Wichtiger ist doch, ob ihre Eier wirklich so einzigartig sind, wie sie tut.“
Während Tilde die ersten Eier ins Zwiebelsud-Wasser gleiten ließ, sprühte Ulrike eine großzügige Portion Rasierschaum auf einen Teller. „Ich hab gehört, das hier gibt tolle marmorierte Effekte!“ Mit einem Zahnstocher zog sie bunte Schlieren durch den Schaum und rollte ein Ei vorsichtig hindurch.
Tilde verzog das Gesicht. „Ihr regt euch über meine Strümpfe auf, aber legt Eier in Rasierschaum? Wer soll die denn essen?“
„Wieso denn?“ Ulrike zuckte mit den Schultern. „Die Schale kommt doch eh ab.“
Hedi, die bisher still ihr Tablett vorbereitet hatte, nutzte den Moment. „Mädels, jetzt erstmal was für die Nerven!“ Mit einem breiten Grinsen verteilte sie kleine Waffelbecher, gefüllt mit goldgelbem Eierlikör.
„Wir fasten doch …“ begann Klärchen zaghaft.
„Einmal ist kein Mal!“ Hedi zwinkerte und prostete in die Runde. Ein zögerliches Nippen, ein genüssliches Lächeln – dann griffen alle beherzt zu.
Mit jeder Runde Eierlikör wurden die Bemerkungen spitzer, das Kichern lauter, die Hände kreativer. Filzstifte kreisten über Küchenkrepp, Eier tauchten in Farbbäder und der Speckschwartentrick wurde fleißig angewendet.
Als schließlich alle Eier gefärbt waren, begann Katharina zu singen: „Ein Hund kam in die Küche …“
Bald stimmten alle mit ein, lachten, klatschten – und als der Pastor neugierig zur Tür hereinschaute, empfing ihn eine ausgelassene Damenrunde mit roten Wangen und glänzenden Augen.
Sein Blick fiel auf die prachtvollen Eier. „Ich freue mich, dass ihr trotz der Fastenzeit so fröhlich seid!“
Hedi stieß mit Katharina an. „Na, wenn der wüsste …“

© Regina Meier zu Verl
Eine weitere Ostergeschichte: Da lachen ja die Hühner

Noch eine: Ein ganz besonderes Ei

Ein ganz besonderes Ei

Ein ganz besonderes Ei

Als der kleine Feldhase, ein Cousin des Osterhasen, am Ostermorgen durch die Felder hoppelt, passiert etwas, das er niemals vergessen wird. Das Gras ist noch taubenetzt, doch die Morgensonne strahlt schon und lässt hier und da einen Wassertropfen aufblitzen. Schön sieht das aus. Der kleine Feldhase liebt diese Zeit des Tages besonders. Er ist noch beinahe allein in den Feldern, es sind nur wenige Tiere unterwegs und Menschen schon gar nicht. Vor denen hat der kleine Hase nämlich Angst – große Angst. Man erzählt sich da in Hasenkreisen so Dinge, die möchte er lieber nicht erleben.

Während er da so fröhlich durch die Felder hoppelt, glitzert plötzlich etwas direkt vor ihm. Der kleine Hase bleibt sofort stehen und schaut sich das Ding genauer an, ein Ei war es – oder doch kein Ei? Nun ja, es hätte auf jeden Fall ein Osterei sein können. Vielleicht hatte einer seiner Osterhasencousins eines verloren. Er nimmt das Ei zwischen seine Vorderpfoten und betrachtet es genauer. Hübsch ist es, ein gesprenkelt und  türkisblau. Ein außergewöhnliches Ei, schöner als alle, die er bisher entdeckt hat. Er schnuppert dran, riecht aber nichts, er schüttelt es leicht und hält es dann an seine Löffel. Da – ist das nicht ein Geräusch, ganz leise zwar, aber doch zu hören. Der kleine Hase atmet tief durch und lauscht wieder. „Pick, pick, pick“, macht es im Ei.

Der kleine Hase traut sich nun nicht mehr, es zu schütteln. „Da lebt was drin!“, flüstert er ergriffen und da das Ei so klein ist, hat er auch gar keine Angst. „Ob es ein Küken ist?“, murmelt er und betrachtet das Ei ganz genau. Da sieht er, dass sich ein kleiner Riss bildet, die Schale knackt und das Picken wird lauter. Der kleine Hase stellt sich darauf ein, dass ein Küken das Licht der Welt erblicken wird. Was sonst schlüpft aus einem Ei? Ein Hase jedenfalls nicht, der wird geboren und ein Mensch kann es auch nicht sein. Es muss ein Küken sein, vielleicht von einem Huhn, einer Ente oder einem Vogel – und sehe da, ein spitzer Schnabel schaut aus dem Riss und er pickt und pickt und schon bald wird ein winziges Köpfchen sichtbar. Die ganze Zeit trägt der kleine Feldhase das Ei sicher auf seinen Pfoten, damit ihm ja nicht passiere.

Dass über ihm die Amsel aufgeregt kreist und zwitschert, bemerkt der kleine Feldhase gar nicht, so ist er mit der Geburtshilfe beschäftigt. Endlich hat sich das kleine nackte Wesen von den Schalen befreit. Das Herz des kleinen Hasen klopft immer schneller vor lauter Freude und die Amselmutter singt ihm ein Loblied. Dankbar ist sie, doch eine Sorge bleibt ihr. Wie soll sie das Junge in ihr Nest bekommen? Das sagt der kleine Feldhase: „Mutter Amsel, mach dir keine Sorgen. Wenn du dein Kind fütterst, dann sorge ich dafür, dass ihm hier auf dem Boden nichts passiert, ich nehme es in meine Obhut, das verspreche ich!“

In den Augen der Amselmama glitzern Tränen und auch der kleine Feldhase ist sehr ergriffen. Er beschützt das Kleine und drei Mal am Tag kommt die Amselmutter, um es zu füttern. Ist das nicht eine wunderbare Osterfreude?

Schon nach zwei Wochen lernt das Amselküken das Fliegen und darf endlich seine Geschwister im Nest kennenlernen. Der Feldhase und die Amselmama aber bleiben Freunde, ein Leben lang.

© Regina Meier zu Verl

Ärger in der Osterhasenschule

Ärger in der Osterhasenschule

„Ha, ha, wie siehst du denn aus?“, kicherte das Hasenmädchen Peppi. Sie konnte sich gar nicht wieder beruhigen, so lustig fand sie den Anblick des kleinen Hasenjungen, der neu in der Malschule war.
„Du hast ja Knickohren!“, lästerte sie und mit ihrem Gekicher steckte sie die anderen Hasen an, die alle mit einstimmten.
„Guck mal der, der heißt wohl Knickohr, hihi!“, rief auch Pucki, die sonst immer ausgelacht wurde. Endlich galt das Gelächter einmal nicht ihr und niemand rief „Dickerchen“. Das tat gut.
Die Lehrerin Fräulein Möhrfeld schlug mit dem Zeigestock auf ihr Pult und rief: „Ruhe! Seid sofort ruhig, oder ihr sitzt alle nach heute!“
Nachsitzen wollten die Hasenkinder nicht, auf keinen Fall, also schwiegen sie still und freuten sich auf die Pause, denn dann würden sie ihre Ärgerei wiederaufnehmen. Es machte einfach zu viel Spaß.
Doch zuerst mussten sie Schleifen und Kreise auf ihre Schiefertafeln malen, immer schön ordentlich. Danach durften sie es dann an einem Ei versuchen und wenn das gelang, dann gab es ein hübsches Tauschbildchen für die Sammlung.
„Ab morgen, liebe Schüler, werden wir dann die richtigen Ostereier bemalen. Es sind ja nur noch ein paar Tage bis zum Fest und wir müssen uns sputen, damit wir alle Eier fertigbekommen. Sonst sind die Menschenkinder enttäuscht und das wollen wir doch nicht, nicht wahr?“
Fräulein Möhrfeld zeigte auf eine Palette mit bunt gefärbten Eiern, die noch verziert werden mussten. Das war viel Arbeit, aber die Hasenkinder freuten sich, dass sie in diesem Jahr mitmachen duften. Es war ja eine sehr wichtige Arbeit. Das hatten ihre Eltern ihnen immer wieder erzählt.
Fräulein Möhrfeld ging durch die Reihen und schaute sich die Probeeier der Kinder an. Beim neuen Schüler mit den Knickohren blieb sie stehen.
„Peter, du hast ja noch gar nicht angefangen!“, stellte sie fest. Der kleine Peter hatte weder auf der Schiefertafel geübt, noch hatte er versucht Schleifen und Kreise auf das Ei zu malen. Unglücklich schaute er die Lehrerin an und dicke Tränen kullerten aus seinen Augen.
„Na, na, was ist denn los?“, fragte Fräulein Möhrfeld, doch Peter konnte nicht antworten. Pucki kam ihm zur Hilfe.
„Wir waren so gemein zu ihm!“, sagte sie und weinte gleich ein bisschen mit. „Wir haben ihn wegen seiner Ohren aufgezogen und nun ist er traurig!“
„Die Dicke ist ‚ne Petze!“, rief Pit. „Ne dicke olle Petze!“ Stolz schaute er seine Mitschüler an. Schließlich traute er sich was, ja, er war der Tollste. Das dachte er jedenfalls. Die anderen Hasenkinder sahen das wohl nicht so, sie schämten sich. Am meisten schämte sich Peppi, die als erste einen blöden Spruch gelassen hatte. Wäre sie doch nur still gewesen!
Sie stand auf und ging zu Peters Platz. Dort reichte sie ihm die Pfote. „Es tut mir so leid!“, sagte sie und Pucki und die anderen Hasenkinder schlossen sich ihr an.
Fräulein Möhrfeld musste gar nicht weiter eingreifen und wenn sie sich eben noch über ihre Hasenkinderklasse geärgert hatte, so war sie nun sehr stolz, dass die Kinder das ganz allein wieder geradegebogen hatten.
Selbst der Pit war mit gesenktem Kopf zu Peter gegangen und hatte sich entschuldigt.
„Und du …“, sagte er zu Pucki. „Bist gar nicht dick!“ Er hielt ihr sein Pausenbrot hin und Pucki griff zu. Eigentlich hatte sie ihn ja gern, den Pit.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle HelgaKa/pixabay

Ärger in der Osterhasenschule

Ärger in der Osterhasenschule

„Ha, ha, wie siehst du denn aus?“, kicherte das Hasenmädchen Peppi. Sie konnte sich gar nicht wieder beruhigen, so lustig fand sie den Anblick des kleinen Hasenjungen, der neu in der Malschule war.
„Du hast ja Knickohren!“, lästerte sie und mit ihrem Gekicher steckte sie die anderen Hasen an, die alle mit einstimmten.
„Guck mal der, der heißt wohl Knickohr, hihi!“, rief auch Pucki, die sonst immer ausgelacht wurde. Endlich galt das Gelächter einmal nicht ihr und niemand rief „Dickerchen“. Das tat gut.
Die Lehrerin Fräulein Möhrfeld schlug mit dem Zeigestock auf ihr Pult und rief: „Ruhe! Seid sofort ruhig, oder ihr sitzt alle nach heute!“
Nachsitzen wollten die Hasenkinder nicht, auf keinen Fall, also schwiegen sie still und freuten sich auf die Pause, denn dann würden sie ihre Ärgerei wiederaufnehmen. Es machte einfach zu viel Spaß.
Doch zuerst mussten sie Schleifen und Kreise auf ihre Schiefertafeln malen, immer schön ordentlich. Danach durften sie es dann an einem Ei versuchen und wenn das gelang, dann gab es ein hübsches Tauschbildchen für die Sammlung.
„Ab morgen, liebe Schüler, werden wir dann die richtigen Ostereier bemalen. Es sind ja nur noch ein paar Tage bis zum Fest und wir müssen uns sputen, damit wir alle Eier fertigbekommen. Sonst sind die Menschenkinder enttäuscht und das wollen wir doch nicht, nicht wahr?“
Fräulein Möhrfeld zeigte auf eine Palette mit bunt gefärbten Eiern, die noch verziert werden mussten. Das war viel Arbeit, aber die Hasenkinder freuten sich, dass sie in diesem Jahr mitmachen duften. Es war ja eine sehr wichtige Arbeit. Das hatten ihre Eltern ihnen immer wieder erzählt.
Fräulein Möhrfeld ging durch die Reihen und schaute sich die Probeeier der Kinder an. Beim neuen Schüler mit den Knickohren blieb sie stehen.
„Peter, du hast ja noch gar nicht angefangen!“, stellte sie fest. Der kleine Peter hatte weder auf der Schiefertafel geübt, noch hatte er versucht Schleifen und Kreise auf das Ei zu malen. Unglücklich schaute er die Lehrerin an und dicke Tränen kullerten aus seinen Augen.
„Na, na, was ist denn los?“, fragte Fräulein Möhrfeld, doch Peter konnte nicht antworten. Pucki kam ihm zur Hilfe.
„Wir waren so gemein zu ihm!“, sagte sie und weinte gleich ein bisschen mit. „Wir haben ihn wegen seiner Ohren aufgezogen und nun ist er traurig!“
„Die Dicke ist ‚ne Petze!“, rief Pit. „Ne dicke olle Petze!“ Stolz schaute er seine Mitschüler an. Schließlich traute er sich was, ja, er war der Tollste. Das dachte er jedenfalls. Die anderen Hasenkinder sahen das wohl nicht so, sie schämten sich. Am meisten schämte sich Peppi, die als erste einen blöden Spruch gelassen hatte. Wäre sie doch nur still gewesen!
Sie stand auf und ging zu Peters Platz. Dort reichte sie ihm die Pfote. „Es tut mir so leid!“, sagte sie und Pucki und die anderen Hasenkinder schlossen sich ihr an.
Fräulein Möhrfeld musste gar nicht weiter eingreifen und wenn sie sich eben noch über ihre Hasenkinderklasse geärgert hatte, so war sie nun sehr stolz, dass die Kinder das ganz allein wieder geradegebogen hatten.
Selbst der Pit war mit gesenktem Kopf zu Peter gegangen und hatte sich entschuldigt.
„Und du …“, sagte er zu Pucki. „Bist gar nicht dick!“ Er hielt ihr sein Pausenbrot hin und Pucki griff zu. Eigentlich hatte sie ihn ja gern, den Pit.

© Regina Meier zu Verl

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Bildquelle HelgaKa/pixabay

Erzähl mir was vom Osterhasen – Frage und Antwort *

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Bildquelle RitaE/pixabay

Der folgende Dialog ergab sich, als meine Tochter mir vor vielen Jahren genau diese Frage stellte: Mama, ist der Osterhase lila? So dumm war die Frage nicht, denn in so manchem Osternest fand sich eben der Osterhase in genau dieser Farbe. Es sollen ja auch schon Kinder gefragt haben, warum die Kühe eigentlich nicht lila sind, das sind dann aber wohl eher die Kinder, die in den Städten leben. Hier bei uns auf dem Land hat man noch jede Menge Gelegenheit, Kühe zu betrachten.
Erzähl mir was vom Osterhasen – Frage und Antwort
„Mama, ist der Osterhase eigentlich lila?“
„Nein, nur die Schokoladenhasen sind in lila Papier verpackt. Der Osterhase hat doch ein Fell, vielleicht ist es braun oder auch weiß. Ich kann es dir nicht sagen! Auf jeden Fall ist es nicht lila, kein Tier hat ein Fell in dieser Farbe, soweit ich das weiß.“
„Könnte es auch schwarz sein, Mama?“
„Ja, das könnte auch gut sein, es gibt sogar mehrfarbige Hasen.“
„Mama, eine Frage habe ich noch: legen Hasen Eier?“
„Nein, wenn es so wäre, dann wären es wohl eher die Häsinnen. Aber die gebären ihre Jungen genau wie andere Säugetiere und die Menschen. Es ist nur eine größere Anzahl an Kindern, die mit einem Wurf zur Welt kommen.“
„Komisch! Werfen sie die denn weg, die armen kleinen Häschen?“
„Nein, sie gebären nicht, sie werfen. So nennt man das bei den Hasen, übrigens auch bei den Hunden.“
„Mama, ich verstehe das nicht. Wenn Hasen keine Eier legen, wo kommen dann die ganzen Ostereier her?“
„Die legen die Hühner. Du weißt doch, wo unsere Frühstückseier herkommen, oder?“
„Legen die Hühner auch die aus Schokolade?“
„Nein, die nicht. Die werden dort hergestellt, wo Pralinen und Schokolade gemacht werden.“
„Und der Osterhase?“
„Der verteilt dann alle Eier!“
„Und wie trägt er die? Oma kriegt doch immer so ein Riesenei, das kann ein Hase doch gar nicht tragen.“
„Er hat eine Kiepe auf dem Rücken, ich zeig dir das nachher mal in einem Buch. Da passt auch ein Riesenei hinein.“
„Mama …“
„Ja?“
„Ich kann das nicht glauben. Wenn der Osterhase so ein … Dingens auf dem Rücken hat, dann kullern doch alle Eier raus beim Hoppeln!“
„Ja, das stimmt, deshalb liegen sie ja auch alle im Garten verstreut, weißt du doch!“
„Ach so, stimmt ja auch. Na, dann ist ja alles gut.“
© Regina Meier zu Verl

Osterhäsin wartet auf ihren Mann