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Freitag, 28. April 2023

Ressourcen // Mit anderen "können"

Mit den Ressourcen ist es ja so, dass sie zwar da sind, aber man nicht immer darauf zurückgreifen kann. Sie sind einer nicht in jeder Situation zugänglich. Dass ich viele Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen habe, heisst noch nicht, dass ich immer darauf zurückgreifen kann. Gerade bei (meinen) mentalen Schwierigkeiten kann alles von einem auf den anderen Moment eingefroren sein: Teilweise fordere ich mich auf so vielen Feldern gleichzeitig, dass es von einer Herausforderung zu einer puren Überforderung wird. Fight, Flight, Freeze. Die Schatztruhe meines Lebens schliesst sich und ich hab die Codes und Schlüssel für alle 7 Siegel vergessen ...

Je weiter ich mir Raum nehme, je mehr ich wage, desto näher komme ich meinen Verletzungen und alten Tabus. Es ist ein schmaler Grat zwischen Glück und Unglück, und es liegt :auch: an meinem Fokus. Wenn dieser überall auf einmal ist, ist der Systemabsturz vorprogrammiert. 

Gerade im sozialen Bereich, im Zusammensein mit anderen, sind Hemmungen und Ängste da. In Gruppen von Menschen bin ich besonders angespannt. Manche finden, ich würde so eine Ruhe ausstrahlen. Hm, es ist wohl die Ruhe des schlummernden Vulkans! Ich taste mich da heran, nehme wieder an Gruppenaktivitäten teil, doch es ist schnell zu viel. Ich darf das ernst nehmen. Es gibt kein Entweder-Oder, nur ein Herantasten an das, was für mich passt.


Samstag, 18. Mai 2019

Wochend-Aufräumarbeiten

Zwischendurch hab ich wirklich den Eindruck, reif für die Klinik oder mehr Therapie zu sein. Durch die Woche schleppe ich mich mit 'Augen zu und durch' aka 'Arbeiten'. Sobald der Druck von der Arbeitswoche weg ist, gehts mir schlechter.

Ich erlebe Krisen, in einer Art, wie ich sie nie hatte. Alles wechselt sich rapide ab. Ein heftiges Auf und Ab im Fünfminutentakt. Zwischen Glück und Elend hin und her. Ich spüre Stärke und ich spüre Schwäche, beides deutlichst, innere Aufruhr, fühle mich Abgekämpft. Beängstigendes mentales Kasperletheater aus Ängsten und Selbstabwertung. Heute hat mir erst die Einnahme von Bachblüten wieder mehr Halt gegeben. Diese nützen mir. Habs zu lang vergessen gehabt, sie zu nehmen.

Heute hatte ich einige Klarheitsmomente, was genau mich so stresst. Plötzlich hatte ich es! Da gab es einen Vorfall bei der Arbeit diese Woche, der mich sehr empört hat. Jemand war recht dreist, von dem ich es nicht erwartet hab. Das war Druck aus einer Ecke, aus der ich ihn nicht erwartet habe. Es war nur ein Detail, aber mir wurde mein Handlangerstatus (und der meines Teams) schön vor Augen geführt.

Dieses Regierenmüssen auf Kundenwünsche setzt mir zu. Alle unsere Kunden sind kleine Könige -- und manche nutzen das (aus).

Die Empörung hab ich runtergewürgt. Die Arbeit musste ich nicht machen, es hat sich herausgestellt, dass die Kundin eigentlich wusste, dass es ihr Job ist. Wir das gar nicht machen können. Aber sie wurde von ihrer Chefin angestiftet, das Ganze uns unterzuschieben. Nett. Wo bei uns grade alles überläuft.

Bei mir kommt gerade viel alter Scheiss hoch. Und Momente wie dieser lösen es aus. Ich drücke es weg. Aber es ploppt eben wieder hoch.

Zuvorkommend wie ich bin, will ich alles recht machen. Doch wenn alle gleichzeitig Plärren und 'Hier, ich zuerst' Schreien, dann ist bei mir Land unter. Das kann niemand leisten.

Über die Jahre habe ich mir angewöhnt, den Stress wegzudrücken und halt zu machen was geht. Die Auslöser bleiben natürlich. Und das Reagieren darauf auch.

Nicht bei allem gelingt mir, es ordentlich aufzufangen, die Nerven sind schon lange angespannt. Und nun ... ist es eine echte Zitterpartie geworden.

Die Mechanismen werden mir klarer. 'Verstanden' ist halt nicht gleich 'Umgesetzt'. Es braucht Geduld und viel Selbstliebe. Ich setz mich auf meine Art durch. Aufgeben und ins Schneckenhaus zurück, will ich nicht mehr. Es gibt auf dieser Welt auch Platz für mich. Weil ich es wert bin. Einfach weil es mich gibt. Ich bin da. Und ich bleibe da.

Sonntag, 18. Juni 2017

Stresstest

Medizinischer Stresstest
Aus Neugier und Interesse habe ich mich einem medizinischen Stresstest unterzogen. Im Rahmen dieser (voll von mir bezahlten) Stressuntersuchung wurde bei mir festgestellt, dass ich eine leichte Nebennierenschwäche habe, Cortisol ist zu niedrig, Serotonin ist zu niedrig usw. Dagegen ist die Herzratenvariabilität (24h-Messung) ausgezeichnet, sogar überdurchschnitlich gut.*

Vorgeschlagen wurde von der Ärztin für die Nebennieren eine ganz leichte Cortisontherapie über mehrere Monate. Am Tag 2 der Einnahme hatte ich bereits eine Matschbirne, hatte unkontrollierbaren Heisshunger auf Süsses und fühlte mich emotional destabilisiert (wie schon länger nicht mehr).

Ich habe dann beschlossen, dass ich das nicht will und es sein lassen. Wahrscheinlich wird Frau Doktor beim nächsten Termin nicht sehr entzückt sein, aber das nehme ich in Kauf. Sie kennt mich und meinen Sturkopf schon. Und hat zum Glück inzwischen auch eine grosse Achtung vor meinem guten Körpergefühl.

Medi: Ich kenne es von anderen Medikamenten; erstmal ca. 5 Wochen Achterbahn, bis sich alles richtig eingependelt hat. Ich bin nicht hochsensibel, sondern hypersensibel ... Fakt.

Zweiter Vorschlag: Mikronährstoffmischung. Sackteuer und ich müsste alles selbst bezahlen. Würde über 2300 CHF pro Jahr kosten! Wahnsinn. Ich habe mich entschieden, dass ich auch das nicht will. Auf jeden Fall gibt es im Bereich Mikronährstoffe Gutes, ich schliesse es für mich nicht komplett aus. Aber ich versuche für mich, den Weg anders zu gehen. Auf jeden Fall nicht dieses grosse und teure Programm.

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Meine Lebensqualität ist inzwischen sehr gut geworden (die meiste Zeit) und ich arbeite weiter daran, diese zu verbessern. Das mache ich daran fest, dass ich grösstenteils souverän handeln kann, ohne im Dauerstress oder Kopfnebel zu sein und ewig Erholung zu brauchen. Die Erholungsintervalle sind weitaus kürzer geworden, das merk ich. Ich fühle mich auch die meiste Zeit meines Lebens nun fit, handlungsfähig und wach. Dass die körperlichen Reserven erst daran sind, sich wieder aufzubauen, ist mir bewusst, das spüre ich. Aber den Kopfnebel durch ein Medi, auch wenn es nur vorübergehend ist, den brauche ich deswegen mir nicht antun. Nach wie vor nehme ich noch ein niedrig dosiertes Antdepressivum.

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Die interessanten Kommentare zum Eisen waren auf jeden Fall schon aufschlussreich! Vielleicht lässt sich auch zum Aufbau der Nebennieren noch was finden.

Und vor allem will ich: Weiter an der Stressreduktion dranbleiben. Den Körper mit Nahrung versorgen, die mir gut tut. Wenig Reiz- und Genussmittel zu mir nehmen. Für mich Unverträgliches (zB auch gewisse Situationen) und allgemein Stress meiden, wo ich kann.

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* Ich bewege mich mit vorgenannten Untersuchungen sicher im Bereich der "Luxusmedizin", das ist mir bewusst. Dieser Post hier soll auch keine Werbung sein, sondern es sind einfach meine Erfahrungen.

Mehr Selbstfürsorge leben. Das war die Botschaft.

Mir hat die Untersuchung vor allem für mein Selbst-Verständnis geholfen, ich weiss jetzt noch besser, dass ich mir selber, und meinem Gefühl für mich, trauen darf. Ich realisiere den Stress, der hinter mir liegt erst jetzt so richtig. Ich habe es nun tatsächlich schwarz auf weiss auf einem Blatt stehen ... 


Donnerstag, 15. Juni 2017

Alles psychisch? Nein. Alles gehört zusammen. (2)

Hier gehts zu Teil 1

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(Bitte P.S. beachten!)

Die Stressmedizinerin hatte ich im Internet gefunden, wobei das mit der Stressmedizin habe ich da noch nicht wirklich wahrgenommen. Mir ging es in erster Linie eben um die Eiseninfusionen. Klingt ein bisschen nach Junkie, seufz. Doch mein Befinden hatte sich durch die ersten Infusionen dermassen verbessert, dass ich diesen Weg einfach weiterverfolgen wollte. Da war mehr dahinter, das spürte ich. Dermassen frappante Unterschiede bei meinem Wohlbefinden hatte ich vorher selten erlebt.

Diese weiteren Infusionen bekam ich dann in der neuen Praxis auch, nach dem meine Blutwerte dort gecheckt worden waren. Da es sich beim richtigen "Eisenwert" um eine individuelle Sache handelt, wird in dieser Praxis auch indivduell vorgegangen. Vitamin B12 Vitamin D3 werden ebenfalls ergänzt. Zusammen mit Akupunktur, die ich wegen meiner Rückenverspannungen erhielt und der einfühlsamen Art der Ärztin, spürte ich nach und nach eine wirkliche Besserung. Nach einigen Unverträglichkeiten (zB Zusatzstoffe von Medis, hochdosiertes Magnesium), lernte die Ärztin auch, dass meine Wahrnehmung für meinen Körper stimmt. Dadurch wuchs auch mein Vertrauen in sie. Ich habe mich von ihr ernst- und wahrgenommen gefühlt. Ich kann mich in dieser Praxis äussern, ohne als Hypochonderin angeschaut zu werden. Ahhh .. was für ein Weg bis da!

Dazu muss ich sagen, dass ich weiter an mir gearbeitet habe, damit ich weniger Stress in meinem Leben habe. Ich hab nicht nur den Arm hingehalten und die Ärztin pieksen und machen lassen. Ich habe mich auch selber um mich gekümmert, richtig zu kümmern begonnen. Ich habe mich intensiv auch mit meinem hausgemachten Stress beschäftigt, damit ich diesen reduzieren konnte.

Seit der ersten Stunde in dieser Praxis und heute sind fast 5 Jahre vergangen. Und mit Ups und Downs zusammengenommen kann ich sagen: Es hat sich so sehr gelohnt, dran zu bleiben!

P.S.: Jeder Mensch ist ein individuelles Wesen und hat andere Ansprüche, einen anderen Organismus und hat seinen ganz eigenen Weg. Mir geht es hier darum, über _meinen Weg_ zu schreiben. In meiner eigenen Art -- und aus meiner Sicht heraus -- zu schreiben. Ich empfehle weder eine bestimmte medizinische Behandlung noch kann ich anderen Menschen medizinische Ratschläge geben, denn dazu bin ich nicht berechtigt und das will ich auch nicht.

Aber wozu ich allen Menschen (vor allem mit psychischen) Problemen Mut machen möchte: Kümmert euch darum, wahr- und ernstgenommen zu werden! Lasst euch nicht beiseiteschieben. Nehmt euch selber ernst und pflegt euch, so gut ihr könnt. Auch wenn es manchmal schwer ist, das Schwerste überhaupt ist: Seid gut zu euch! So gut ihr könnt, seid gut mit euch. Seid stur. Lasst euch nicht nur schnell schnell medizinisch abspeisen. Nicht nach der Methode: Deckel drauf/Medi rein -- und gut is ... der Nächste bitte!

(Fortsetzung folgt)

Alles psychisch? Nein. Alles gehört zusammen. (1)

"Sie wissen doch, dass es psychisch ist, warum gehen Sie trotzdem noch zu den somatischen Ärzten?" 

Das fragte mich meine Psychiaterin vor ein paar Jahren. (Ich muss dazu sagen, ich verdanke ihr sehr viel, sie ist äusserst fähig, aber an diesem Punkt war ich nicht mit ihr einig und an einigen anderen auch nicht).

In einer akuten Krise mit starker körperlicher Schwäche war ich damals in eine Hausarztpraxis gegangen, statt mich gleich bei ihr zu melden. Ich fühlte mich (psycho)therapiemüde und diese Frage machte mich daher etwas ratlos und beschämte mich.

Ich sagte dann zur Psychiaterin dann irgendetwas in der Art von dass es mir eben gut tue, wenn sich auch körperlich um mich gekümmert würde. (Uhhhps, Hypochonderfalle .. das war blöd, doch es war das, was ich eben auf die Schnelle als Begründung zusammenbrachte, weil ich mich rgendwie dumm und ertappt fühlte).

Die körperlichen Beschwerden spürte ich ja ganz genau! Es war, als könne ich nicht mehr genügend Atmen, als würde mein Körper nie genug Sauerstoff bekommen. Die Eiseninfusion in der Hausarztpraxis hat mir dann auch etwas geholfen. Das war ein erstes grosses Ahaerlebnis. Ab da liess mich das nicht mehr richtig los, dass es auch anders besser werden kann.

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Heute würde ich ihr antworten: Wenn man von Psychosomatik und von psychosomatischen Beschwerden redet, also von der Zusammengehörigkeit von Körper UND Seele, dann gehört eben beides auch zusammen, oder? Dann darf doch auch der Körper angeschaut und behandelt werden?

Warum wird in der Medizin der Mensch in Fachgebiete aufgespalten, als wäre er eine Maschine, deren Teile man separat reparieren und dann wieder zusammensetzen kann? Oder gar eine Maschine, deren Teile keinen direkten Zusammenhang haben? Das wundert mich einfach. Wissenschaftlich ist das nicht zu begründen, nur ideologisch.

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Heute weiss ich, dass ich zu dem Zeitpunkt einfach erschöpft war vom jahrelangen Kämpfen, meinen Weg in die Gesellschaft zu finden, dass eben auch mein Körper ausgelaugt war. Vorher wurde zB mein (niedriger) Eisenwert nie richtig ernst genommen oder behandelt. Das war eben "psychisch bedingt" dass ich mich oft so schwach fühlte.

Kurz darauf liess ich dann auch diese Hausarztpraxis hinter mir. Weitere Eiseninfusionen wollten sie mir dort nicht mehr geben (nach 2x), stattdessen bekam ich diese Eisentabletten, von denen mir übel wurde. Ich machte mich auf die Suche nach jemandem, der sich mit dem Eisen auskennt. Und fand eine Stressmedizinerin, die mir helfen konnte.


(Fortsetzung hier)


Samstag, 13. Mai 2017

Der Krieg ist vorbei

... der Krieg in deinem Leben ist doch vorbei, du kannst die Waffen endlich ruhen lassen, sagt mein Freund. Das stimmt.

Doch es ist nicht nur eine Kopfsache. Keine Sache, die ich einfach entscheide und dann ist es so. Deshalb ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt Hilfe brauche. Und diese habe ich auch in Gang gebracht.

Die letzten Monate stand ich dermassen unter Druck, dass ich wieder in den Stressmodus geraten bin.

Geredet über alles, das habe ich in meinem Leben und in der Therapie genug. Aber Reden, das ist wie zu kleine Pflaster aufkleben. Ich kenne Ursachen und Auswirkungen. Nur die Ausmasse des "Krieges", über die stolpere ich immer noch. Lange Jahre meines Lebens wurde ich gehetzt. Das hat mich traumatisiert. Punkt.

Ich scheute dieses grosse Wort lange Zeit: Trauma. Da haben andere weitaus Schlimmeres erlebt. Aber der sich erneuernde Schrecken lähmt mein Leben, Fühlen und Denken, wiederholt. Und zu gewissen Zeiten in einem Ausmass, das mir den Atem und die Lebensfreude nimmt.

Schlimm ist das, was man als schlimm erlebt (hat). Und das ist sehr individuell. Es gibt keinen Massstab.

Ich merke ... wenn ich mir die Wahrheit eingestehen, nimmt der Schrecken ab und auch der Schmerz. Ich werde weicher und menschlicher, fühle mich wieder, fühle mich lichter und lebendiger, statt nur taub zu sein.

Man hat es früher zu lange marginalisiert, wie es mir wirklich geht. Und es ist eine Erlösung, wenn ich mich selber in meiner Not anerkenne.

Da ist seit einer Woche unter Schmerzen leide, ist auch klar, dass es nicht von heute auf morgen gehen wird, dem Frieden zu vertrauen. Vertrauen in andere Menschen ist da, wenigstens zwischendurch. Und das Vertrauen zu mir selber wächst auch.

Ich möchte es wieder fühlen können, dass der Krieg vorbei ist!

Freitag, 12. Mai 2017

Fragen bei Kraftlosigkeit

Die letzten Tage war Kraft- und Mutlosigkeit immer wieder ein Thema für mich. Ich habe mir ein paar Fragen notiert, die mir dabei helfen, den Ursachen auf den Grund zu gehen.

- ist der Kraftaufwand, bei dem was ich gerade tue, verhältnismässig?
- gibt es einen leichteren einfacheren Weg?
- ist es zweckmässig was ich tu oder spule ich es einfach aus Gewohnheit ab?
- ist jetzt der richtige Zeitpunkt? wenn ich gerade keinen Ausweg sehe: ist es evtl Zeit, mich einfach nun zu erholen?
- macht es mir Freude oder «muss» ich es tun? (meine ich es tun zu müssen?)
- was will ich wirklich?

Nach mehreren getroffenen «Massnahmen» muss nun auch mal wieder Ruhe einkehren, das wird mir bewusst.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Wieder besser

Gestern wirklich am Limit gewesen. Inzwischen wieder ruhiger geworden. Zwei Gespräche geführt, mit Menschen, die mich wahrgenommen haben. Zwei unterstützende Hilfstellungen für mich organisiert. Und jetzt: Ruhig werden und Vettrauen haben, Ballast loslassen.

Dienstag, 28. Februar 2017

Adieu Bootcamp!

Nach 2x Kurs und 2x Kursausfall weil es mir nicht gut ging, hab ich beschlossen, dass ich es zwar ausprobiert habe, es aber von nun lasse weil es nicht pssst. Ich habe mich vom Kurs abgemeldet. Dermassen hochgeputscht, vollgepumpt mit Adrenalin zu sein, dass ich gar nicht einschlafen kann, das brauch ich nicht noch mal zu erleben. Ich merke, dass dieser Entscheid mir Erleichterung bringt. Der Schlaf ist wichtiger und ich werde einen anderen körperlichen Ausgleich finden, der weniger "hochtourig" läuft.

Der Sport ist für mich da und nicht umgekehrt!

Dienstag, 24. Januar 2017

Fight for your rights [Notiz an mich selbst]

 (Aus Selbstschutz ohne genauen Sachverhalt geschrieben, aber trotzdem verständlich.)

Warum ist es ok für mich, jemand anderen zu verteidigen, emotional zu unterstützen, oder mich sonstwie für ihn/sie einzusetzen, aber bei mir selber knicke ich ein?! ...

Ich weiss, dass ich in einer Sache Recht(e) habe und bin dann doch vor eine Wand gelaufen. ... Systemabsturz. Vor Wut und Verwirrung kann ich dann fast nicht mehr sprechen, geschweige denn Denken. Es kommt zu Blockaden auf vielen Ebenen. Und ich liege Nachts wach, weil ich so unter Strom stehe. Das passiert immer seltener, aber wenn es vorkommt, ist es akut.

Doch eben erst wenn ich so richtig wütend oder verletzt bin, mache ich den Mund auf. Ich werde trotzig. Oder/und ich beginne zu heulen. Nicht besonders cool im Alltag und vor anderen. Aber es ist mal wieder soweit gekommen, grosser Gefühlsausbruch. Dadurch hat sich die Sachlage scheinbar wieder "ein paar Meter" zum Besseren verändert. Bin auch schön bei den "Ich-Botschaften" geblieben und habe einfach geschildert, wie ich mich in dieser Zwangslage fühle. Das vermochte scheinbar etwas zu bewegen.

Doch bevor es soweit kommt, da (ver)zweifle ich schier an mir. Immerhin kommen die Gefühle inzwischen raus, statt dass ich auf längere Zeit depressiv werde -- und ich habe auch den Weglauf-Reflex im Griff. Früher habe ich einfach alle Brücken hinter mir abzubrechen versucht, mich aus dem Staub gemacht, wenn der Druck durch die Emotionen zu gross wurde. Einfach weg, nur weg.

Diese Blösse mag ich mir nicht mehr geben, klein beizugeben. Letztendlich macht Davonlaufen mich nur verletzbarer. Das ist mir bewusst geworden. Ich kann gut mit Worten umgehen, also mache ich es halt Schritt für Schritt, Wort für Wort statt in einem grossen umfassenden Plädoyer das alle sprachlos macht und sie auf meine Seite bringt. Etwas durchzustehen und wieder bei mir selber anzukommen, lässt mich wachsen und stärker werden. Flüchten schürt Ängste und hält mich in Unsicherheit. Mich für mich selber zu wehren hilft mir dabei, meine Gesundheit zu schützen. Es ensteht dadurch kein Hass sondern es entsteht Klarheit.

Für mich da zu sein heisst auch, dass ich eben akzeptiere, dass ich in manchen Situationen meine (emotionalen) Grenzen habe und ich mir deswegen Sorge tragen darf. Ich schäme mich nicht mehr für meine Gefühle. Punkt.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Eine Mimose auf Reisen -- hochsensibel unterwegs (Erfahrungen, Tipps, Tricks)

Viel auf Achse
Ich war sehr viel unterwegs die letzten Monaten. Ich geniesse inzwischen den durchs Reisen entstehenden Tapetenwechsel. Zweimal ging es um eine Familienfeier.

Beim Reisen, da ist mir auch aufgefallen, wie ich mich verändert habe. Ich bin wirklich gelassener geworden, auch im Umgang mit anderen Menschen und neuen Situationen.

Da ist auch das Verständnis für mich selbst gewachsen. Was brauche ich wann? Und wo wird es kritisch? Und ich erkläre mich nicht mehr jedem. Ich muss selber wissen, was gut für mich ist. Auch wenn ich an einem Fest halt einen Programmpunkt verpasse. Die anderen stecken nicht in meiner Haut!

Früher war fast jeder Ortswechsel und jeder auswärtige Anlass mit grossem Stress für mich verbunden. Ich weiss nicht, ob man sich das vorstellen kann, wenn man es nicht kennt. Manchmal bin ich seelisch halbtaub und nassgeschwitzt irgendwem hinterhergehinkt, weil mir alles einfach zuviel war. Das war schon zu meiner Schulzeit so. Ich erinnere mich an grossartige Schulausflüge (an die tollen Landschaften vor allem) -- aber auch schmerzhaft genau daran, dass ich jedesmal fast zusammengeklappt bin. Die Hitze, der Lärm und die vielen Eindrücke! Mein Kreislauf kam da fast nicht mehr mit.

Gegenseitige Rücksicht zu zweit
Hm, aber inzwischen ist die Schule zum grossen Glück Vergangenheit, und auch die Familienferien -- und ich bin mit einem Menschen zusammen (seit mehr als 12 Jahren), der ebenfalls sensibel ist. Und so können wir gegenseitig Rücksicht üben. Was vieles einfacher macht. Da brauche ich nicht mehr viel zu erklären, ich muss nur noch kurz melden, wenn etwas nicht geht -- und umgekehrt, auch er gibt an, wenn es schwierig wird.

Er schaut nicht blöd, wenn ich nicht mehr weiterkann. Und das passiert manchmal schnell. Da muss es dann auch nicht mehr Programm sein -- sondern wir setzen uns hin, trinken was und unterhalten uns. Vielleicht zeigen wir uns dann auch gegenseitig unsere Fotos. Irgendwann sind dann bei mir Seele, Geist und Körper beisammen -- und es geht weiter! 

Reise-Routinen
So, und inzwischen lass ich mich nun eben auf dieses Unterwegssein ein. Ich habe eine gewisse Routine bekommen. Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie eine Überseereise gemacht habe, das stelle ich mir schon noch heftiger vor. Die Reisen die ich mache, wären für andere langweiliger Pipifax. Das weiss ich. Ich habs schon gemerkt. Doch das muss mich nicht kümmern. Ich merke, dass ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, und darum auch Dinge sehe, an denen andere achtlos vorbeigehen.

Und bis jetzt bin ich immer vom gleichen Flughafen losgeflogen, wenn es denn eine Flugreise war, nämlich von Zürich. Wenn ich nun von woanders aus fliegen würde, wäre das auch eine Hürde, die ich erst mal nehmen muss.

Nach wie vor habe ich zwar einen gewissen Stress dadurch, dass ich reise, doch er wirkt eher belebend auf mich. Ich mag eigentlich lieber, wenn die Dinge immer gleich bleiben ;) Was natürlich auch einschläfernd wirkt, mit der Zeit.

Und ich habe ein paar Tricks herausgefunden, die mir unterwegs helfen. Es ist hilfreich für mich:
  • immer ein Buch dabei zu haben und die Kopfhörern fürs Handy. Lesen oder Musikhören. Obwohl ich sonst gar nie Musikhöre!! So habe ich stehend sogar eine Zugfahrt von Milano bis Brig überstanden, mehrere Stunden in einem völlig überfüllten Zug (durch Zugausfall doppelt belegt), wir standen die ganze Zeit im Gang. Und ich weiss noch ganz genau, was ich gelesen hab ... Martin Suter!
  • mich zurückzuziehen, wenn es mir zuviel wird. Auch wenn ich dadurch etwas nicht sehen kann, was man gesehen haben muss! Und wenn es eine Ansprache an einer Hochzeit ist ...
  • möglichst nur mit Menschen unterwegs zu sein, die ich gut kenne und die Verständnis haben für mich.
  • mich über den Ort und das Land vorher zu informieren, dazu nutze ich auch das Web und Google Maps und Google Street-View. So kenne ich mich vorher schon etwas aus.
  • genügend zu Essen und auch Essen dabeizuhaben (Essen tue ich immer dann, wenn mir danach ist, auch wenns nur aus Stress ist, denn das hilft mir. Oder ich esse bereits im Voraus, wenn ich nicht weiss, wann es das nächste Mal etwas gibt. "Vernünftig" sein kann ich dann wieder daheim sein, wo alles von mir selber geregelt ist. Das sehe ich gelassen.)
  • genügend zu Trinken, manchmal Unmengen. Gerne auch etwas gesalzenes Wasser, wenn es heiss ist. Und vor allem auch bei/nach Strapazen wie Fliegen/Wandern/Sommersonne. Hilft bei mir auch gegen Überlastungs-Migräne.
  • nicht zuviel von mir zu erwarten. Ich muss nichts "schaffen", schliesslich bin ich zur Erholung und zum Genuss unterwegs.
  • mich zu Erholen vom Unterwegssein. Ich muss jeweils einfach die ersten ein bis zwei Tage nach einer Ankunft gelassen nehmen. Das gilt auch für die Rückreise. Wenn ich daheim bin, muss ich erstmal wieder ankommen -- und das dauert eben seine Zeit. Meinen Körper nimmt eine Flugreise von 4 Stunden mit, der bekommt es irgendwie mit, dass er mehr als 10 000 Meter über Meer war, der ist nämlich schlau!!
  • bequeme und schützende Kleidung. Diesen wichtigen Punkt spricht Luzia im untenstehenden Kommentar an. Für mich hat sich im Allgemeinen die Viskose für die Oberbekleidung als ideal herausgestellt. Ich schwitze damit viel viel weniger, als zB mit Baumwolle. Leinen trage ich nicht, das kratzt mir zu sehr. Zudem habe ich immer ein grosses Halstuch dabei, das für vieles dienen kann. Als Kleidungsstück am Hals natürlich (Klimaanlagen, ...), zum Warmgeben (auch anstelle eines Pullovers), als Sonnenschutz, als Sichtschutz, als Decke auf der Wiese oder als Zudecke, .. Auf Reisen habe ich auch meistens warme Beinstulpen dabei, sie nehmen nicht viel Platz weg.
... to be continued

Donnerstag, 26. Mai 2016

Angststörungen als Volkskrankheit

Die Tage habe ich in einer Gratiszeitung gelesen, dass Angststörungen die neue Volkskrankheit sind, vorallem bei den Jungen. Da fällt mir ausser «Kein Wunder!» nix weiter dazu ein.

Da sind einfach zu viele Baustellen in diesem heutigen Leben -- und soviel Schein nach aussen. Der Mensch lässt sich nicht unendlich beschleunigen ohne irre zu werden. Es wird suggeriert, dass heute alles möglich ist, wir alle frei sind. Egal wie viele E-Mails im Postfach sind.

Wir sind so frei!

Dabei ist es das Zeitalter der Disclaimer. Scheinbare Freiheit -- zwischen Leitplanken.

Bombardiert mit Infos, Werbung, digitalem Schrott. 24/7. Musts, Don'ts. Must-Haves und Nice-To-Haves, Must-Have-Seens, und immer schön leistungsfähig bleiben.

Mittwoch, 18. Februar 2015

Im Arbeitsalltag gelandet

Ich habe keinen stressigen Job bei dem der Chef direkt hinten dran steht und auf die Uhr tippt --- ich habe gleitenden Arbeitszeiten, selbstständige Arbeitseinteilung, einen Chef der mit sich reden lässt, und trotzdem ist die Arbeit stets hinter mir her. Hetze ist es manchmal. Anspruchsvoll ist es meistens. Zuviel ist es ab und an auch. Gerade jetzt ist eine besonders strenge Zeit.

Ich bin ich jeden Tag froh, wenn sich abends die Bürotür hinter mir schliesst. Ich bin fitter geworden, kann mehr leisten ... aber müder werd ich innerlich dadurch auch. Leerer auch? Stumpfer? Hm, ein Teil mag stimmen. Andererseits wachse ich gerade jetzt besonders an diesen Herausforderungen. Deshalb halte ich es auch aus. Ich sehe einen Sinn darin. Oder besser: Ich sehe einen Sinn dahinter.

An sich ist mir dieses Arbeitsleben immer noch fremd. Weshalb ich auch lange eine Riesenangst davor hatte. Ich hasse es, in einem festen Rahmen festzustecken. Ich lasse mich halt gerne treiben und tue das, wozu es Zeit ist, das was mich gerade was angeht. Spüre den Gezeiten nach. Im Innen wie im Aussen.

Visionäres wächst immer zwischen den Zeilen und Zeiten.

Ich nutze lieber die Qualität des Augenblicks, folge der jeweiligen Zeitqualität, statt einem künstlichen Terminplan hinterher zu hetzen. Ja, ich glaube daran und ich spüre, dass es so etwas wie die Qualität der jeweiligen Zeit gibt. Und das habe ich mit vielen anderen Sensiblen gemeinsam.

Abwarten, Abwägen, Sinnieren. Besonnen handeln. Modern ist das nicht. Für alles gibt es heute ein Zeitfenster, eine Roadmap, eine Time-Schedule .. selbst fürs Schwangerwerden und Kinder haben! Alles nach Plan. Organisch ist das nicht. Das ist reines Menschenwerk. Oder ist es kristallin? Jedenfalls ist es starr. Wir erstarren!

Ich habe viel Zeit bekommen, um mich hier "einzugliedern" auf diesem Planeten, äh in der Arbeitswelt, um mich daran zu gewöhnen, ein Rädchen im Getriebe dieser Welt zu sein. Nun bin ich halt so ein Rädchen. Was ich auch mit etwas Humor betrachten kann, inzwischen. Ich gehe Arbeiten. Tatsächlich!

Ich mache es, weil ich gesund genug bin, es zu tun, sehe es als Notwendigkeit an, um finanziell über die Runden zu kommen. Pläne habe ich andere, ja, da sind welche. Arbeiten, ja, aber anders. Die Pläne, sie müssen noch wachsen: Sie schlafen gerade ihren Wachstumsschlaf!

Psst, nicht stören... sie brauchen noch Ruhe und Zeit. Bitte leise sein ..


Freitag, 18. Oktober 2013

Tretmühlentage

Bevor ich es nicht selber erlebt hab, konnte ich meinen verstorbenen Bruder nur zu einem Teil verstehen. Warum konnte er den Druck bei der Arbeit nicht abbauen, wieso konnte er das nicht mit seiner Chefin klären? Ich mache meistens irdgendwann den Mund auf. In letzter Zeit immer weniger. Weil ich mich ratlos fühle.

Jetzt verstehe ich es besser: Wenn man mal in dieser Tretmühle namens Arbeitsleben drin ist, Teil eines Teams ist und auch sein will, dann will man auch mitziehen können, möchte nicht das schwächste Glied in der Kette sein. Vor allem wenn man pflichtbewusst ist. Und das ist meine Familie. Die anderen Kollegen bewältigen die Arbeit ja auch, dann muss man das selber doch ebenfalls können. Das muss einfach zu schaffen sein ... Das muss muss muss.

In der Freizeit versucht man sich abzulenken, so gut es geht. Beim Bruder waren es die Wochenenden: Alkohol, Ausgehen und Musikmachen. Bei anderen in meiner Familie ist es das Reisen … Und das exzessiv. Ich selber versinke vor dem Fernsehen, in Büchern oder im Internet.

Mit meinem Vorgesetzten hab ich ein paar Mal bereits geredet. Er hat Verständnis. Und besteht dann doch darauf, dass dieses und jenes noch erledigt wird, auch wenn ich geistig bereits im Feierabend bin. Wie Chefs eben so sind. Selber Priorisieren zu dürfen, das wär mal was …  Er fragt zwar immer nach, ob er was tun kann oder ob es mit der Arbeit zu tun hat, wenn es mir mal nicht gut geht. Ich antworte ausweichend, spreche Manches an, eher die Details. Ans Eingemachte traue ich mich nicht ran.

Da es auch Persönlichkeiten und Strukturen in unserem Team und in der Firma betrifft. Das ist mir ein zu heißes Eisen. Da hab ich weder das Selbstvertrauen noch den langen Atem, um das Auszufechten. Menschen und Abläufe ändern sich nicht einfach so. Ich fühle mich müde, habe immer wieder mich mit vielem auseinandergesetzt. Meist hab ich auch etwas bei mir geändert. Ich mag nicht mehr. Mag mich nicht mehr auflehnen, mich aber auch nicht mehr anpassen.

Pattsituation.

Samstag, 31. August 2013

Leistung bis zum ... oder gehts auch anders?

Gedanken, Erlebnisse, Notizen zum Leistungsideal

Wie ich schon schrieb, ist es mein Ziel, meine Arbeit zu erledigen ohne selbst total erledigt zu sein. Wenn ich meine Gesundheit an die erste Stelle setzte, hab ich langfristig etwas davon und kann auch meine Arbeit zuverlässig erledigen. Im Endeffekt ist das auch für meinen Arbeitgeber interessant!
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Leider hat es fast etwas anrüchiges, gut für sich zu sorgen.
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Nur noch eben schnell was wegarbeiten ...
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Wir werden alle immer mehr zu Dienstleistern.
Wie diese Hochleistungskühe..
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Ich leiste, also bin ich!
Ists nicht so?!

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Ich bin keineswegs ein Spitzentier in der Arbeitswelt. Den Sprung von der Schulzeit in die Arbeitswelt habe ich sehr sehr lange nicht geschafft. Ich spüre meine Grenzen sehr deutlich. Wenn ich mich nicht daran halte, fahren Körper und Seele sozusagen automatisch herunter..

Ich schaffte es dann doch noch eine Ausbildung zu machen. Aber erst auf dem circa dritten Anlauf. Meine Ausbildung habe ich nicht in der freien Wirtschaft sondern in einem Ausbildungszentrum für "Menschen mit Einschränkungen" absolviert. Eine vollwertige vierjährige Lehre, aber unter entschärften Bedingungen: So hat es geklappt. Ich bin dankbar, habe ich diese staatliche Hilfe bekommen!!

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Gut zu sich zu schauen, das schaffte mein Bruder, der Verstorbene mein ich, nicht. Immer hatte er mindestens zwei Eisen im Feuer... Arbeit, Musikmachen bis spätnachts, Ausgehen und Feiern mit Freunden - und auch Trinken..                    
                                         
Ich glaube er brachte sich auch deshalb um, mit 23 Jahren, weil er bei der Arbeit unter Druck stand. Er arbeitete mit Behinderten, befand sich in der zweiten Ausbildung, zum Sozialpädagogen. Er konnte die geforderte Zeitlimite für die Pflegezeit pro Person nicht einhalten, war zu langsam und litt darunter. Dieses Gefühl kenne ich so gut, nicht mit anderen mithalten zu können.Wir haben unsere Begabungen mehr im musischen Bereich ...

Ein paar Mal riet ich ihm dazu, diese extremen Stresssituationen mit seiner Chefin zu besprechen. Riet ihm, dies unbedingt mit ihr zu klären, wie sehr ihn der Zeitdruck stresst. Ich dachte daran, er könne eventuell auch ein Attest oder etwas ähnliches anstreben, damit er in diesem Gebiet weniger unter Druck steht. Ansonsten war er sehr gut im Job, glaube ich. Er wurde auch geschätzt. Von Kollegen und Bewohnern. Eben auch wegen seiner feinen Art und der Sensibilität im Umgang mit besonderen Menschen war er geschätzt.
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Ich riet ihm dazu, sich mehr Zeit zum Erholen zu schaffen, weniger zu Saufen, und einfach Zeit für sich selber zu haben . . .Ich riet und riet ...
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Diese Hilfe zu suchen, sich selber Raum zu geben - und etwas an seinem exzessiven Lebensstil zu ändern, das hat er sich dann nicht mehr erlaubt.
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Es geht. Es geht. Es geht nicht mehr.
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Die Selbstmorde zweier Spitzenleute der Schweizer Wirtschaft, Carsten Schloter und Pierre Wauthier, werfen ein gewaltiges Schlaglicht auf dieses fragwürdige Leistungsideal. Wie lange ertragen wir es noch?! Ich glaube wir könnten es uns gar nicht leisten ...

Und das betrifft nicht nur die Spitzenleute sondern alle!