Verfrorene aber erholsame Ostertage mit dem Lebensgefährten -- alias Reisekamerad -- alias Lieblingsitaliener -- in Stein am Rhein verbracht. Unsere Lieblingsplätze wieder aufgesucht. Und sie immer noch für wunderschön befunden. Dieses Jahr waren nur sehr wenige Leute in den Gassen, es war wohl vielen einfach zu kalt. Die Burg Hohenklingen wartete am Ostermontag auf Gäste, die aber nur spärlich eintröpfelten. Wir wollten sie auch dieses Mal nicht auslassen, die sensationelle Aussicht.
Zurück im Büro die Erkenntnis; achja, Geldverdienen muss ja auch sein. Umpf. Hapere noch mit der Erkenntnis und weiss mich dabei in guter Gesellschaft.
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Mittwoch, 19. April 2017
Sonntag, 23. Oktober 2016
Ein Mosaikstück (Thema Bruder)
Vorsicht: Es geht um den Tod, den Suizid eines Angehörigen und dem Leben damit und um Sucht. Wer das nicht lesen mag oder kann, lässt es besser.
Dass mein Bruder eventuell auch Tabletten/Pillen irgendwelcher Art genommen hat, wurde mir gestern zugetragen. Das ist ein neues Mosaikstück, was mich gerade beschäftigt. Und es bestätigt die Situation, die ich gefühlt habe, dass eine (zusätzliche) Suchtmittel-Abhängigkeit (neben dem Alkohol) dagewesen sein könnte. Gestern hatte ich die Gelegenheit, einen anderen Blick auf seine Geschichte zu bekommen, weil ich mit jemandem geredet habe, der ihn auch gekannt hat und der ihn sehr gerne hatte.
Es war jemand aus der Familie, aber nicht zu nah dran. Da ist also genug Distanz für einen klaren Blick von einer anderer Seite. Ich habe es als extrem wohltuend empfunden, offen reden zu dürfen und mich austauschen zu können. Ich merke, dass es wichtig ist, Menschen zu haben, mit denen ich mich darüber austauschen kann und die ihn ebenfalls gekannt haben. Eine grosse Entlastung für mich.
Dass mein Bruder eventuell auch Tabletten/Pillen irgendwelcher Art genommen hat, wurde mir gestern zugetragen. Das ist ein neues Mosaikstück, was mich gerade beschäftigt. Und es bestätigt die Situation, die ich gefühlt habe, dass eine (zusätzliche) Suchtmittel-Abhängigkeit (neben dem Alkohol) dagewesen sein könnte. Gestern hatte ich die Gelegenheit, einen anderen Blick auf seine Geschichte zu bekommen, weil ich mit jemandem geredet habe, der ihn auch gekannt hat und der ihn sehr gerne hatte.
Es war jemand aus der Familie, aber nicht zu nah dran. Da ist also genug Distanz für einen klaren Blick von einer anderer Seite. Ich habe es als extrem wohltuend empfunden, offen reden zu dürfen und mich austauschen zu können. Ich merke, dass es wichtig ist, Menschen zu haben, mit denen ich mich darüber austauschen kann und die ihn ebenfalls gekannt haben. Eine grosse Entlastung für mich.
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Donnerstag, 14. Juli 2016
Eine Mimose auf Reisen -- hochsensibel unterwegs (Erfahrungen, Tipps, Tricks)
Viel auf Achse
Ich war sehr viel unterwegs die letzten Monaten. Ich geniesse inzwischen den durchs Reisen entstehenden Tapetenwechsel. Zweimal ging es um eine Familienfeier.
Beim Reisen, da ist mir auch aufgefallen, wie ich mich verändert habe. Ich bin wirklich gelassener geworden, auch im Umgang mit anderen Menschen und neuen Situationen.
Da ist auch das Verständnis für mich selbst gewachsen. Was brauche ich wann? Und wo wird es kritisch? Und ich erkläre mich nicht mehr jedem. Ich muss selber wissen, was gut für mich ist. Auch wenn ich an einem Fest halt einen Programmpunkt verpasse. Die anderen stecken nicht in meiner Haut!
Früher war fast jeder Ortswechsel und jeder auswärtige Anlass mit grossem Stress für mich verbunden. Ich weiss nicht, ob man sich das vorstellen kann, wenn man es nicht kennt. Manchmal bin ich seelisch halbtaub und nassgeschwitzt irgendwem hinterhergehinkt, weil mir alles einfach zuviel war. Das war schon zu meiner Schulzeit so. Ich erinnere mich an grossartige Schulausflüge (an die tollen Landschaften vor allem) -- aber auch schmerzhaft genau daran, dass ich jedesmal fast zusammengeklappt bin. Die Hitze, der Lärm und die vielen Eindrücke! Mein Kreislauf kam da fast nicht mehr mit.
Gegenseitige Rücksicht zu zweit
Hm, aber inzwischen ist die Schule zum grossen Glück Vergangenheit, und auch die Familienferien -- und ich bin mit einem Menschen zusammen (seit mehr als 12 Jahren), der ebenfalls sensibel ist. Und so können wir gegenseitig Rücksicht üben. Was vieles einfacher macht. Da brauche ich nicht mehr viel zu erklären, ich muss nur noch kurz melden, wenn etwas nicht geht -- und umgekehrt, auch er gibt an, wenn es schwierig wird.
Er schaut nicht blöd, wenn ich nicht mehr weiterkann. Und das passiert manchmal schnell. Da muss es dann auch nicht mehr Programm sein -- sondern wir setzen uns hin, trinken was und unterhalten uns. Vielleicht zeigen wir uns dann auch gegenseitig unsere Fotos. Irgendwann sind dann bei mir Seele, Geist und Körper beisammen -- und es geht weiter!
Reise-Routinen
So, und inzwischen lass ich mich nun eben auf dieses Unterwegssein ein. Ich habe eine gewisse Routine bekommen. Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie eine Überseereise gemacht habe, das stelle ich mir schon noch heftiger vor. Die Reisen die ich mache, wären für andere langweiliger Pipifax. Das weiss ich. Ich habs schon gemerkt. Doch das muss mich nicht kümmern. Ich merke, dass ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, und darum auch Dinge sehe, an denen andere achtlos vorbeigehen.
Und bis jetzt bin ich immer vom gleichen Flughafen losgeflogen, wenn es denn eine Flugreise war, nämlich von Zürich. Wenn ich nun von woanders aus fliegen würde, wäre das auch eine Hürde, die ich erst mal nehmen muss.
Nach wie vor habe ich zwar einen gewissen Stress dadurch, dass ich reise, doch er wirkt eher belebend auf mich. Ich mag eigentlich lieber, wenn die Dinge immer gleich bleiben ;) Was natürlich auch einschläfernd wirkt, mit der Zeit.
Und ich habe ein paar Tricks herausgefunden, die mir unterwegs helfen. Es ist hilfreich für mich:
Ich war sehr viel unterwegs die letzten Monaten. Ich geniesse inzwischen den durchs Reisen entstehenden Tapetenwechsel. Zweimal ging es um eine Familienfeier.
Beim Reisen, da ist mir auch aufgefallen, wie ich mich verändert habe. Ich bin wirklich gelassener geworden, auch im Umgang mit anderen Menschen und neuen Situationen.
Da ist auch das Verständnis für mich selbst gewachsen. Was brauche ich wann? Und wo wird es kritisch? Und ich erkläre mich nicht mehr jedem. Ich muss selber wissen, was gut für mich ist. Auch wenn ich an einem Fest halt einen Programmpunkt verpasse. Die anderen stecken nicht in meiner Haut!
Früher war fast jeder Ortswechsel und jeder auswärtige Anlass mit grossem Stress für mich verbunden. Ich weiss nicht, ob man sich das vorstellen kann, wenn man es nicht kennt. Manchmal bin ich seelisch halbtaub und nassgeschwitzt irgendwem hinterhergehinkt, weil mir alles einfach zuviel war. Das war schon zu meiner Schulzeit so. Ich erinnere mich an grossartige Schulausflüge (an die tollen Landschaften vor allem) -- aber auch schmerzhaft genau daran, dass ich jedesmal fast zusammengeklappt bin. Die Hitze, der Lärm und die vielen Eindrücke! Mein Kreislauf kam da fast nicht mehr mit.
Gegenseitige Rücksicht zu zweit
Hm, aber inzwischen ist die Schule zum grossen Glück Vergangenheit, und auch die Familienferien -- und ich bin mit einem Menschen zusammen (seit mehr als 12 Jahren), der ebenfalls sensibel ist. Und so können wir gegenseitig Rücksicht üben. Was vieles einfacher macht. Da brauche ich nicht mehr viel zu erklären, ich muss nur noch kurz melden, wenn etwas nicht geht -- und umgekehrt, auch er gibt an, wenn es schwierig wird.
Er schaut nicht blöd, wenn ich nicht mehr weiterkann. Und das passiert manchmal schnell. Da muss es dann auch nicht mehr Programm sein -- sondern wir setzen uns hin, trinken was und unterhalten uns. Vielleicht zeigen wir uns dann auch gegenseitig unsere Fotos. Irgendwann sind dann bei mir Seele, Geist und Körper beisammen -- und es geht weiter!
Reise-Routinen
So, und inzwischen lass ich mich nun eben auf dieses Unterwegssein ein. Ich habe eine gewisse Routine bekommen. Dazu muss ich sagen, dass ich noch nie eine Überseereise gemacht habe, das stelle ich mir schon noch heftiger vor. Die Reisen die ich mache, wären für andere langweiliger Pipifax. Das weiss ich. Ich habs schon gemerkt. Doch das muss mich nicht kümmern. Ich merke, dass ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, und darum auch Dinge sehe, an denen andere achtlos vorbeigehen.
Und bis jetzt bin ich immer vom gleichen Flughafen losgeflogen, wenn es denn eine Flugreise war, nämlich von Zürich. Wenn ich nun von woanders aus fliegen würde, wäre das auch eine Hürde, die ich erst mal nehmen muss.
Nach wie vor habe ich zwar einen gewissen Stress dadurch, dass ich reise, doch er wirkt eher belebend auf mich. Ich mag eigentlich lieber, wenn die Dinge immer gleich bleiben ;) Was natürlich auch einschläfernd wirkt, mit der Zeit.
Und ich habe ein paar Tricks herausgefunden, die mir unterwegs helfen. Es ist hilfreich für mich:
- immer ein Buch dabei zu haben und die Kopfhörern fürs Handy. Lesen oder Musikhören. Obwohl ich sonst gar nie Musikhöre!! So habe ich stehend sogar eine Zugfahrt von Milano bis Brig überstanden, mehrere Stunden in einem völlig überfüllten Zug (durch Zugausfall doppelt belegt), wir standen die ganze Zeit im Gang. Und ich weiss noch ganz genau, was ich gelesen hab ... Martin Suter!
- mich zurückzuziehen, wenn es mir zuviel wird. Auch wenn ich dadurch etwas nicht sehen kann, was man gesehen haben muss! Und wenn es eine Ansprache an einer Hochzeit ist ...
- möglichst nur mit Menschen unterwegs zu sein, die ich gut kenne und die Verständnis haben für mich.
- mich über den Ort und das Land vorher zu informieren, dazu nutze ich auch das Web und Google Maps und Google Street-View. So kenne ich mich vorher schon etwas aus.
- genügend zu Essen und auch Essen dabeizuhaben (Essen tue ich immer dann, wenn mir danach ist, auch wenns nur aus Stress ist, denn das hilft mir. Oder ich esse bereits im Voraus, wenn ich nicht weiss, wann es das nächste Mal etwas gibt. "Vernünftig" sein kann ich dann wieder daheim sein, wo alles von mir selber geregelt ist. Das sehe ich gelassen.)
- genügend zu Trinken, manchmal Unmengen. Gerne auch etwas gesalzenes Wasser, wenn es heiss ist. Und vor allem auch bei/nach Strapazen wie Fliegen/Wandern/Sommersonne. Hilft bei mir auch gegen Überlastungs-Migräne.
- nicht zuviel von mir zu erwarten. Ich muss nichts "schaffen", schliesslich bin ich zur Erholung und zum Genuss unterwegs.
- mich zu Erholen vom Unterwegssein. Ich muss jeweils einfach die ersten ein bis zwei Tage nach einer Ankunft gelassen nehmen. Das gilt auch für die Rückreise. Wenn ich daheim bin, muss ich erstmal wieder ankommen -- und das dauert eben seine Zeit. Meinen Körper nimmt eine Flugreise von 4 Stunden mit, der bekommt es irgendwie mit, dass er mehr als 10 000 Meter über Meer war, der ist nämlich schlau!!
- bequeme und schützende Kleidung. Diesen wichtigen Punkt spricht Luzia im untenstehenden Kommentar an. Für mich hat sich im Allgemeinen die Viskose für die Oberbekleidung als ideal herausgestellt. Ich schwitze damit viel viel weniger, als zB mit Baumwolle. Leinen trage ich nicht, das kratzt mir zu sehr. Zudem habe ich immer ein grosses Halstuch dabei, das für vieles dienen kann. Als Kleidungsstück am Hals natürlich (Klimaanlagen, ...), zum Warmgeben (auch anstelle eines Pullovers), als Sonnenschutz, als Sichtschutz, als Decke auf der Wiese oder als Zudecke, .. Auf Reisen habe ich auch meistens warme Beinstulpen dabei, sie nehmen nicht viel Platz weg.
Freitag, 24. Juni 2016
Hilfe geben, Hilfe annehmen
Hilfebrauchen, Hilfegeben. War die letzte Zeit das Thema. Einerseits war ich selber immer wieder am Limit und froh um Hilfe (im Haushalt zum Beispiel) und andererseits konnte ich selber anderen helfen. Das geschah fast abwechselnd. Was ich interessant fand und auch schön. Manchmal auch überraschend.
... es gäbe noch einiges dazu zu schreiben, was mich auch noch beschäftigt ist, aber für heute ist das für mich ausreichend.
- Man kann Hilfe selten 1:1 zurückgeben. Und es ist auch nicht nötig. Wenn es 1:1 zurückgefordert wird, dann ist der Helfer selber zu bedürftig. Und man kann Hilfe nicht unbedingt an diejenigen Personen zurückgeben, von denen man selber Hilfe empfangen hat. Auch wenn man das gerne möchte. Was ich aber schön finde: Wenn das Leben seinen Lauf nimmt, ist man im besten Fall mal in der einen und mal in der anderen Position. Jeder gibt das dazu, was eben geht. Kein Beitrag ist zu gering. Es gibt eigentlich immer Möglichkeiten, wenn man die Augen und das Herz offen hält.
- Es gibt verschiedene Formen von Hilfe. Mal ist sie materiell, mal ist es moralische Unterstützung oder eine andere Form von Hilfe. Auch ein Gebet kann helfen -- und den Kreislauf der Hilfe weiterbringen. Daran glaube ich. Manchmal zünde ich einfach eine Kerze an und widme diese in stillen Gedanken einem Menschen oder einem Geschehnis. Und ich habe es immer wieder auf diese Art erfahren, dass mir Hilfe zukam. Auch in Momenten in denen ich gar nicht mehr weiterkam und plötzlich ging es wieder, wurde ich auf geheimnisvolle Weise unterstützt. Und ein paar Mal erfuhr ich später, dass jemand für mich um Hilfe gebeten hat. Wir bekommen Hilfe und Unterstützung nicht immer in der Form, in der wir sie erwarten. Die Wege der Höchsten sind unergründlich ... Das Herz offen halten, auch für ungewöhnliche Lösungen.
- Auch wenn von mir Hilfe (ab)verlangt wird, bin ich nicht dazu genötigt, diese zu geben. Und über die Form und die "Grösse" der Hilfe bestimme ich selber. Das bin ich gerade am Lernen. Ich habe mich auch schon zurückgezogen und in der Stille für jemanden gebetet, weil alles andere zu sehr an meinen Kräften zehrte. Es gibt Momente und Situationen, da kann ich nur ein Stossgebet beisteuern, weil ich mich zum anderweitigen Helfen nicht im Stande sehe
... es gäbe noch einiges dazu zu schreiben, was mich auch noch beschäftigt ist, aber für heute ist das für mich ausreichend.
Freitag, 19. Dezember 2014
Nach der Krise
Heute war ich wieder bei der Arbeit. Gestern Abend hab ich stundenlang mit meinem Freund über die Dinge geredet, die mich im Arbeitsleben belasten. Er hat mir bestätigt, aber auch gemeint, dass ich mich an manche Unstimmigkeiten und Irritationen einfach gewöhnen muss. Weil das Arbeitsleben heute eben so sei. Ich hasse es, das zu hören - und weiss doch, dass es leider wahr ist. Scheinbar muss ich wirklich lernen, einiges weniger ernst zu nehmen, mich weniger aufzuregen. Huh ...
Ich weiss, dass ich härtere Bandagen brauche, mehr an mir abperlen lassen muss, mich besser abgrenzen muss, es scheint mir aber sooo schwer. Da spielt auch mein Handicap rein; eine gewisse traumatische Vorbelastung, ein paar Gene ..
Es entsteht ein latenter Alarmzustand in den ich komme, wenn ich von Ereignissen überwältigt werde, auch wenn diese gar nichts mit mir direkt zu tun haben. Es ist wie ein feines Beben in meinem Nervensystem, wenn dieses lange genug anhält, wird es immer stärker und ich werde buchstäblich zerrüttet. Diese enorme Müdigkeit manchmal, die stammt von diesen vielen kleinen Alarmbeben in meinem System, hunderte Fehlalarme gehen auf einen echten Alarm. Das zermürbt. Dazu kommt die anstrengende Saison vor Jahresende, die immer besonders viele Arbeiten mit sich bringt, die termingerecht ausgeführt sein wollen.
Längere Zeit hab ich jetzt vieles für mich behalten, da ich eh immer nur das Gleiche zu erzählen hatte und nicht dauernd meinen Frust bei meinem Freund abladen wollte. Darüber hat er gelächelt, mich fest gedrückt, als ich es ihm erzählt hab. Er hat gemeint: - - - Das bringt doch nichts, das muss doch raus, ich hab gemerkt, dass du komisch bist - nicht mehr die Anne, die ich kenne. - - - Das tat gut, diese Nähe zu spüren, dieses Verständnis - und nach einigen Tränen konnte ich auch wieder freier atmen, der grosse Druck war plötzlich weg, der auf meiner Brust lag. Heute morgen ging ich mit etwas wackligen Beinen zur Arbeit. Ich wusste, ich muss wieder hin und ich will auch hin. Die Zeit der hinter mir abgerissenen Brücken und der Scherbenhaufen ist vorbei, das passt nicht mehr zu mir.
Es geht weiter. Weil ich es so will. Ich bin nicht am Ziel, auch nicht nah dran, aber der Weg entsteht bekanntlich beim Gehen ..
Ich weiss, dass ich härtere Bandagen brauche, mehr an mir abperlen lassen muss, mich besser abgrenzen muss, es scheint mir aber sooo schwer. Da spielt auch mein Handicap rein; eine gewisse traumatische Vorbelastung, ein paar Gene ..
Es entsteht ein latenter Alarmzustand in den ich komme, wenn ich von Ereignissen überwältigt werde, auch wenn diese gar nichts mit mir direkt zu tun haben. Es ist wie ein feines Beben in meinem Nervensystem, wenn dieses lange genug anhält, wird es immer stärker und ich werde buchstäblich zerrüttet. Diese enorme Müdigkeit manchmal, die stammt von diesen vielen kleinen Alarmbeben in meinem System, hunderte Fehlalarme gehen auf einen echten Alarm. Das zermürbt. Dazu kommt die anstrengende Saison vor Jahresende, die immer besonders viele Arbeiten mit sich bringt, die termingerecht ausgeführt sein wollen.
Längere Zeit hab ich jetzt vieles für mich behalten, da ich eh immer nur das Gleiche zu erzählen hatte und nicht dauernd meinen Frust bei meinem Freund abladen wollte. Darüber hat er gelächelt, mich fest gedrückt, als ich es ihm erzählt hab. Er hat gemeint: - - - Das bringt doch nichts, das muss doch raus, ich hab gemerkt, dass du komisch bist - nicht mehr die Anne, die ich kenne. - - - Das tat gut, diese Nähe zu spüren, dieses Verständnis - und nach einigen Tränen konnte ich auch wieder freier atmen, der grosse Druck war plötzlich weg, der auf meiner Brust lag. Heute morgen ging ich mit etwas wackligen Beinen zur Arbeit. Ich wusste, ich muss wieder hin und ich will auch hin. Die Zeit der hinter mir abgerissenen Brücken und der Scherbenhaufen ist vorbei, das passt nicht mehr zu mir.
Es geht weiter. Weil ich es so will. Ich bin nicht am Ziel, auch nicht nah dran, aber der Weg entsteht bekanntlich beim Gehen ..
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Donnerstag, 4. Dezember 2014
Freundschaften - und unter Menschen sein
Freundschaft, ja -- aber ...
Je besser es mir geht, desto schwieriger finde ich sie, die Freundschaften. Weil es mir heute gut geht, habe ich viel weniger Zeit als früher, denn jetzt gehe ich Arbeiten. --- Ich bin echt kritisch geworden, mit wem ich wann meine Zeit verbringe. Ich "sortiere" viel mehr als früher, gebe mehr acht auf mich. Weil ich weniger freie Zeit und Musse habe, mich besser kenne. Das Arbeitsleben ist ein aufreibender täglicher Ringkampf. Da brauch ich nicht noch zusätzliche Belastung in der Freizeit..
Es gibt so ein paar Eigenheiten und Dinge, die mich in Freundschaften besonders stören, das sind:
Bei aller "Sortiererei" merke ich, wie wenig _ wirklich enge_ soziale Kontakte ich eigentlich habe. Und wie kritisch ich bin, wie schnell mir jemand auf den Geist geht. Im Sinne von "störe mir nur ja meine Kreise nicht". Wobei es mir wichtig ist, dass ich einem Menschen auch vertrauen kann. Und die Menschen im engsten Kreis, denen vertraue ich. Das war nicht immer so, doch ich habe es gelernt.
Es gibt für mich ein paar Tricks:
Langer Rede kurzer Sinn
Wenn ich meine Mitte verliere kann ich selber schnell zu einem Ekelpaket und hypochondrischen Jammerlappen werden. Dass ich selber _auch_ anstrengend bin, anstrengend sein kann, ist mir zu Genüge bewusst. Ich kenne mich. Aber viele Menschen kennen sich selber schlecht. Das ist leider so. Daher muss ICH also auf MICH aufpassen. Das kann ich und das tue ich. Doch es ist auch gut, selber _noch_ etwas gelassener zu werden. Allgemein und auch insbesondere was menschliche Eigenschaften und Eigenarten (alias Macken) anbelangt .. Denn eigentlich mag ich Menschen, bin sogar inzwischen gerne unter ihnen und auch gerne selber ein Mensch - sie sind nur manchmal so furchtbar anstrengend .. also übe ich. Ommmmmm ----
Achja - und Freundschaft heisst für mich, man meint es ernst miteinander, man geht aufeinander ein, man bemüht sich umeinander und zwar beidseitig.
Und wenn das nicht gegeben ist, nicht gegenseitig gelebt wird, dann ist es keine Freundschaft sondern allerhöchstens eine Bekanntschaft.
- - -
*Zu diesem Teil mit der hohen Empfindsamkeit alias Hochsensibilität (und dem "Kleinkindkörper" der fordert wie ein Baby; Wärme, Nahrung, Entspannung, Ruhe ...) gibts auch gute Bücher. zB "Zart besaitet" von Georg Parlow.
Je besser es mir geht, desto schwieriger finde ich sie, die Freundschaften. Weil es mir heute gut geht, habe ich viel weniger Zeit als früher, denn jetzt gehe ich Arbeiten. --- Ich bin echt kritisch geworden, mit wem ich wann meine Zeit verbringe. Ich "sortiere" viel mehr als früher, gebe mehr acht auf mich. Weil ich weniger freie Zeit und Musse habe, mich besser kenne. Das Arbeitsleben ist ein aufreibender täglicher Ringkampf. Da brauch ich nicht noch zusätzliche Belastung in der Freizeit..
Es gibt so ein paar Eigenheiten und Dinge, die mich in Freundschaften besonders stören, das sind:
- Menschen die zu hektisch sind, zuviel auf einmal los haben, bei denen jedes Treffen noch irgend eine zusätzliche Action beinhalten sollte/muss (etwas angucken gehen, gemeinsam irgend einen Anlass/Event besuchen, mehrere andere Leute kommen ebenfalls etc.), werden mir definitiv zu anstrengend. Da passe ich gut auf, dass es mir wirklich in den Kram passt, mich zu verabreden.
- Menschen, die sich nicht auch einmal von selber dazu aufraffen, ein Treffen zu vereinbaren, bei denen melde ich mich nicht mehr. Dadurch sind einige Kontakte komplett eingeschlafen. Bei manchen tuts weh, bei anderen weniger.
- Menschen mit (für mich) zu ideologischen Vorstellungen (was zB Politik, Ernährung, Lebensführung etc. betrifft) nerven mich schwerst. Ich finde sie viel zu anstrengend. Zum Glück sinds manchmal nur vorübergehende Phasen. (Seeehr wahrscheinlich habe ich die selber auch ;)
- Menschen die mich mit ihrer Jammerei und ihren Wehwehchen nur belasten, meide ich grossräumig, so es geht. Meistens stecken sie nicht nur akut in einer Krise, sondern es ist mehr so eine Dauerkrise. (Zu dieser Sorte gehört ich einst selber, zum Glück ist das vorbei!!).
Bei aller "Sortiererei" merke ich, wie wenig _ wirklich enge_ soziale Kontakte ich eigentlich habe. Und wie kritisch ich bin, wie schnell mir jemand auf den Geist geht. Im Sinne von "störe mir nur ja meine Kreise nicht". Wobei es mir wichtig ist, dass ich einem Menschen auch vertrauen kann. Und die Menschen im engsten Kreis, denen vertraue ich. Das war nicht immer so, doch ich habe es gelernt.
Es gibt für mich ein paar Tricks:
- Ich achte zuerst auf mich. Wenn es mir zuviel ist, sage ich auch etwas bereits Vereinbartes wieder ab. Weil ich erst mich selbst wieder ins Lot bringen muss. Ich plane Treffen möglichst im Voraus und lasse davor und danach immer genug freie Zeit im Kalender, in denen ich keine fixen Dinge los habe.
- Ich achte darauf, dass das Treffen möglichst nicht zu starken Eventcharakter bekommt, vor allem wenn man sich vor allem auch über Persönliches und Gefühlsdinge austauschen will oder jemand von beiden sich in einer akuten Krise befindet, dazu brauche ich eine stabile und möglichst geräuscharme Umgebung und Situation. Nicht zu viele Sinnesreize auf einmal.
- Gute Ausreden und taktisches Vorgehen können manchmal nicht schaden ;) Gut zu sich zu schauen, das braucht manchmal ziemliches Durchsetzungsvermögen und psychologisches Feingefühl. Nicht alle mögen es hören, wenn einem etwas "zuviel" ist (zB ein zu lautes Restaurant*), schnell entsteht der Eindruck, man weiche im Leben allem aus und sei einfach zuuu sensibel. Was bei mir definitiv nicht so ist, ich stelle mich täglich meinem Leben, gehe auch an und über meine Grenzen, teste aus was geht und komme weiter. Aber ich muss mir nicht alles antun, was als "Normal" gilt. Manches tut mir einfach nicht gut, und dazu stehe ich inzwischen!
- Essen. Ganz wichtig! Entweder bin ich satt wenn ich zum Treffen komme, habe Proviant dabei oder wir Essen/Kochen gemeinsam etwas. Hungrig gehts bei mir gar nicht und unterzuckert darf ich auf keinen Fall sein, sonst gerate ich schnell auf eine total schiefe Bahn.
- Wärme. Sobald mir kalt ist, gehts mir psychisch schlechter. Daher habe ich immer ein Halstuch/einen Schal/ein Plaid und Arm-/Beinstulpen dabei. Zudem habe ich immer wärmende Chai-Teebeutel (Gewürztees) im Gepäck.*
- Schatten. Lange in der prallen Sonne sitzen oder wandern geht gar nicht.*
- Wenn mir jemand etwas sehr Emotionales / Belastendes erzählt, dann besser auf einem Spaziergang, so es sich einrichten lässt! Bewegung baut bei mir zuverlässig einen Teil der entstehenden Spannung ab.
- Nicht zu viel Neues auf einmal. Das gilt auch für neue Menschen und Anlässe für Feste etc.
- Sollte das Treffen länger gehen, ziehe ich eine Übernachtung in Betracht. Durch den menschlichen Kontakt "durchlässig" geworden, bin ich nicht mehr gerne unterwegs. Vor allem nicht Nachts.
- ... to be continued ...
Langer Rede kurzer Sinn
Wenn ich meine Mitte verliere kann ich selber schnell zu einem Ekelpaket und hypochondrischen Jammerlappen werden. Dass ich selber _auch_ anstrengend bin, anstrengend sein kann, ist mir zu Genüge bewusst. Ich kenne mich. Aber viele Menschen kennen sich selber schlecht. Das ist leider so. Daher muss ICH also auf MICH aufpassen. Das kann ich und das tue ich. Doch es ist auch gut, selber _noch_ etwas gelassener zu werden. Allgemein und auch insbesondere was menschliche Eigenschaften und Eigenarten (alias Macken) anbelangt .. Denn eigentlich mag ich Menschen, bin sogar inzwischen gerne unter ihnen und auch gerne selber ein Mensch - sie sind nur manchmal so furchtbar anstrengend .. also übe ich. Ommmmmm ----
Achja - und Freundschaft heisst für mich, man meint es ernst miteinander, man geht aufeinander ein, man bemüht sich umeinander und zwar beidseitig.
Und wenn das nicht gegeben ist, nicht gegenseitig gelebt wird, dann ist es keine Freundschaft sondern allerhöchstens eine Bekanntschaft.
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*Zu diesem Teil mit der hohen Empfindsamkeit alias Hochsensibilität (und dem "Kleinkindkörper" der fordert wie ein Baby; Wärme, Nahrung, Entspannung, Ruhe ...) gibts auch gute Bücher. zB "Zart besaitet" von Georg Parlow.
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Freitag, 25. Juli 2014
Ziemlich rumgekommen ... (2)
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| Kleine Hüpfer und Flieger .. (die Schmetterlinge hat meine Mutter fotografiert) |
Der Garten
Vom schweizerischen zum schwäbischen Jura..
Jedes Jahr im Sommer fahre ich nun seit einigen Jahren mit meiner Mutter nach Deutschland (Schwäbische Alb) zu unseren Verwandten. So wars auch dieses Jahr.. Dort kümmern wir uns um den Garten meiner Grosseltern. Die beiden sind schon vor einigen Jahren gestorben. Schon vor ihrem Tod wurde es mit der Bewirtschaftung schwierig. Mit 90 noch an steilen Hängen herumkraxeln ist schwer!
![]() |
| Die Kuckucksuhr ist etwas lädiert, der Kuckuck ist abgefallen, die Zeit einzustellen geht nimmer recht, aber "gekuckuckt" wird noch lautstark, und das ist doch die Hauptsache! |
Früher lag der Garten in Magerwiesen eingebettet, ich erinnere mich, in denen einzelne Büsche und Bäume wuchsen. Nun ist es eher ein von Busch- und Waldland umgebenes "grünes Reservat". In Handarbeit wurde er in den 50er Jahren terassiert, es sind etwa 6 bis 7 Etagen. Efeuumrandete Terassen, Trockensteinmauern. Sehr kalkhaltige Erde: Schwäbischer Jura! Einige Obstbäume und ein Walnussbaum stehen dort. Alles ist überwuchert. Meine Mutter fährt mehrmals im Jahr hin um zu jäten und zu roden, Herbst-Blätter vom Dach zu holen und vieles mehr. Zwischendrin, inmitten des Grüns, behaupten sich die gesetzten und gezogenen Blumen, Bäume, Stauden und anderen Pflanzen. Es ist ein Insekten- und Eidechsenparadies! Wilde Orchideen hats auch ..
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| Quittenblüte. Die Quitte trägt dieses Jahr zum ersten Mal zwei Früchte.. Den Baum schenkte mir meine Mutter, er steht bereits ein paar Jahre. Das Bild stammt von meiner Mutter. |
Es sind regelmässig Rodung- und Jätarbeiten nötig um hier den Wald vor der Übernahme des Gartens abzuhalten! Bergahorne, Eschen, Cotoneaster, Haselsträucher; Kanadische Goldruten; Himbeerbüsche, alle wollen sie einen Platz an der Sonne ...
Waldgarten würde heute als Name passen. Hinter dem grossen Gartenhaus steht ein riesiger Bergahorn, der sich das Gemäuer drückt und einen Teil des Dachs eingedellt hat. Kein Wasser, kein Strom, kein direkter Zufahrtsweg! Dieser Garten wurde immer nur in Handarbeit bewirtschaftet. Und das ist noch heute so! Leider merke ich hier, dass ich zur Büroarbeiterin geworden bin, war jeden Tag sowas von völlig geschafft am Abend ..
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| Die Apfelbaumveteranen tragen immer noch ... Foto stammt von meiner Mutter. |
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| Wo ist die Gärtnerin? Meine Mutter in Aktion .. |
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| Laubkompostbewohnerin .. |
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| Wer kann schon, von seiner Immobilie aus, einen solchen Blick sein eigen nennen? Und das während man auf dem Plumpsklo sitzt ... |
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| Eine Neuerwerbung von diesem Jahr, Name vergessen .. Mal schauen wie sie sich macht! |
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| Vintage... Original Gartenhaus mit der Gärtnerin Nummer 2 |
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Donnerstag, 17. Juli 2014
Ziemlich rumgekommen ... (1)
Creux du Van
Am 5. Juli ging es mit meinem Bruder und meinem Freund zum Creux du Van im Neuenburger/Waadtländer Jura. Diese Felsenarena hat mich vor ein paar Jahren so beeindruckt, dass ich unbedingt einmal wieder dorthin wollte. Da es zum Hochkommen eine sehr gute Kondition braucht, haben wir diesen Punkt ausgelassen und sind mir dem Auto gefahren. Angekommen sind wir bei kaltem und nebligem Wetter - unser erstes Ziel war die Berghütte Le Soliat auf dem gleichnamigen Plateau.
So proppenvoll hatte ich mir das Bergrestaurant nicht vorgestellt, sie fragten uns sogar, ob wir reserviert hätten.. Auf die Idee, bei diesem Wetter, wäre ich nie gekommen >_< trotzdem schafften wir es, drei Plätze zu finden und angesichts des Wetters gabs ein wunderbares Fondue, das beste das ich bisher gegessen habe!
Danach genossen wir die beeindruckende Sicht .. durch die Nebelschleier bekam alles einen mysteriösen Hauch .. Wieder einmal beeindruckten mich die Pflanzen dieser Bergwelt
ebenso wie die Landschaft.
Von dieser Jura-Landschaft gings ein paar Tage später zu einer anderen, Bericht folgt hier ..
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| Durchblick in die Felsenarena .. |
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| So entspannt liegt nur eine Kuh herum, die sich wohl fühlt.. das Kalb gleich mit! |
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| Gelber Enzian Ganz in der Nähe, im Val de Travers wird der berühmte Absinth daraus gemacht |
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| Die ersten Blüten der Türkenbundlilien öffnen sich ... |
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| Ein Bild, das mein Freund gemacht hat |
Samstag, 22. Februar 2014
Welches ist dein Handicap?
Nicht beim Golf, sondern im normalen Leben!
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir alle Handicaps haben. Grössere, kleinere. Sichtbare, unsichtbare. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Bei mir, bei anderen .. Wie gehen andere mit mir um? Und ich selber?
Als menschliches Wesen das direkt von einer "Leistungseinschränkung" betroffen ist, habe ich viel Gelegenheit, selber Erfahrungen mit Handicaps zu machen. Bei mir sind sie psychisch bedingt. Unsichtbar, meist.
Ich wollte schon länger darüber schreiben, bin aber erst heute im Netz durch diese Kampagne von pro infirmis wieder aufs Thema gekommen. Interessant auch die Reaktionen im Web auf diesen Film und die Kampagne. Meinungen wie "Die Behinderten werden blossgestellt" tauchen auf. Was ich seltsam finde. Es handelt sich bei den Teilnehmenden ausnahmslos um erwachsene, mündige Menschen, die freiwillig mitmachen!
Mich hat Jasmin Rechsteiner, Miss Handicap 2010*, sehr beeindruckt. Sie machte bei der Kampagne auch mit. Ich traf sie vor ein paar Jahren sie als Ehrengast an der Lehrabschlussfeier meiner Ausbildungsstätte und sie überreichte mir persönlich mein Lehrabschluss-Diplom. Mich hat diese Frau fasziniert. Da ist eine sehr starke Präsenz und Charisma spürbar. Ansteckend! Und natürlich ist sie sehr sehr hübsch .. :)
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Da ich körperlich keine Handicaps habe, spüre ich bei körperlichen Krankheiten und auch bei Behinderungen Hemmungen. Sie sind mir fremd. Seltsam auch, wenn jemand eine Etage tiefer sitzt, im Rollstuhl. Die Blickkontakte gestalten sich ganz anders.
Bei geistig behinderten oder spastisch gelähmten Menschen spüre ich ebenfalls Hemmungen, abrupte Bewegungen und laute Schreie ängstigen mich. Wie begegnen? Selber ruhig bleiben. Wahrscheinlich könnte ich es lernen.
Spüre ich, dass ich bei psychischen Schwierigkeiten anderer Mühe hab, ziehe ich mich zurück. Ich weiche aus, um nicht reingezogen zu werden. Manchmal, wenn es passt, biete ich anderen Hilfe an. Ich muss aufpassen, dass ich mich dann mit den Problemen anderer nicht überfordere. Gebranntes Kind in dieser Hinsicht.
Bei manchen Menschen spürt man genau, dass sie mit sich selber und ihren Handicaps im Reinen sind, bei anderen ist das Gegenteil der Fall. Ich bin auf dem Weg. Mal geht es besser, mal weniger gut. Dass ich heute mit meiner eigenen Biografie, auch im Berufsleben, offener umgehen kann, das musste ich erst lernen. Die Worte fehlten mir früher oft. Oder sie waren da, fanden aber nicht den Weg nach draussen!
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Meinen Platz in der Gesellschaft habe ich mir erobert, ich gehe seit 2,5 Jahren als gelernte Berufsfrau durchs Leben. Seit fast 2 Jahren habe ich eine Teilzeitstelle in der freien Wirtschaft. Zur Zeit arbeite ich 70%. Mehr geht nicht. Schon das ist für mich am tatsächlichen Limit. Was mir finanziell zu Leben fehlt, bekomme ich vom Staat als Rente, es sind etwas über 4000 CHF im Jahr.
In der Vergangenheit habe ich sehr viel Hilfe bekommen: Von Ämtern, von Menschen in meinem Umfeld, durch staatliche Gelder, Ärztinnen, Therapeutinnen und Coaches. Ich gebe und tue mein Bestes. Seit 10 Jahren habe ich einen lieben Lebenspartner, der mir nach Kräften hilft, wenns nötig ist – und vor allem lachen wir sehr viel zusammen. Auch er hat keine 0815-Biografie. Vielleicht ist genau das so wichtig und richtig?! Er meint, auch ich habe ihm bei vielem geholfen, was ich manchmal gar nicht glauben mag.
Ich brauche immer weniger Hilfe, und das ist gut so. Momentan bin ich kräftemässig aber am Limit. Noch weiss ich nicht genau, wie ich da wieder rauskomme. Ich weiss einfach, dass es sich lohnt, dranzubleiben, auch bei der Arbeit, doch ich bin so müde. Meine eigenen Leistungsideale, schwierige Kunden, die zur Zeit unüberschaubare Arbeitsmenge ... Ich weiss, es geht vielen anderen ebenfalls so, die beruflich leistungsfähiger sind. Die Welt dreht sich immer schneller. Selbst in der Freizeit. Zuviel Leistung macht doch schlicht krank! Ich glaube, dass gerade Herzprobleme, Depressionen und Ängste die Kehrseite dieser Medaille sind.
Sind wir Menschen dabei, uns gerade selber abzuschaffen?
Checken wirs noch nicht … aber vielleicht bald, gezwungenermassen?
Ich bin überzeugt, dass alle einen Platz in unserer Gesellschaft verdient haben. Aber es wird immer mehr selektioniert. Leistung überall. Das fängt ja heute schon im Mutterleib an: Lebenswertes Leben oder dem Tode geweiht? Weiter gehts mit Spielgruppe, Kindergarten, Schule: Ist dein Kind passend zum Mainstream oder ist es ein behindernder Störfaktor den man ruhig stellen muss?…Rasend gehts weiter in Ausbildung und Beruf. Blöd nur, wenn du nicht arbeiten kannst oder krank bist; denn du rentierst dann nicht, du Kostenfaktor!!
Wenn sich mehr Menschen zu ihren Handicaps bekennen würden, zu Stärken und Schwächen gleichzeitig stehen würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Sich ernst nehmen, andere ernst nehmen. Das würde auch dieses verdammte Leistungsideal relativieren und Menschen dürften einfach auch mal Menschen sein. Einfach sein!
Deshalb finde ich die Kampagne von pro infirmis gut. Ohne wenn und aber. Weil sie die Augen öffnet! Ich bin sehr dankbar dafür.
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* Über Sinn oder Unsinn von Misswahlen und anderen "Leistungsschauen" mag ich hier nicht schreiben.
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir alle Handicaps haben. Grössere, kleinere. Sichtbare, unsichtbare. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Bei mir, bei anderen .. Wie gehen andere mit mir um? Und ich selber?
Als menschliches Wesen das direkt von einer "Leistungseinschränkung" betroffen ist, habe ich viel Gelegenheit, selber Erfahrungen mit Handicaps zu machen. Bei mir sind sie psychisch bedingt. Unsichtbar, meist.
Ich wollte schon länger darüber schreiben, bin aber erst heute im Netz durch diese Kampagne von pro infirmis wieder aufs Thema gekommen. Interessant auch die Reaktionen im Web auf diesen Film und die Kampagne. Meinungen wie "Die Behinderten werden blossgestellt" tauchen auf. Was ich seltsam finde. Es handelt sich bei den Teilnehmenden ausnahmslos um erwachsene, mündige Menschen, die freiwillig mitmachen!
Mich hat Jasmin Rechsteiner, Miss Handicap 2010*, sehr beeindruckt. Sie machte bei der Kampagne auch mit. Ich traf sie vor ein paar Jahren sie als Ehrengast an der Lehrabschlussfeier meiner Ausbildungsstätte und sie überreichte mir persönlich mein Lehrabschluss-Diplom. Mich hat diese Frau fasziniert. Da ist eine sehr starke Präsenz und Charisma spürbar. Ansteckend! Und natürlich ist sie sehr sehr hübsch .. :)
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Da ich körperlich keine Handicaps habe, spüre ich bei körperlichen Krankheiten und auch bei Behinderungen Hemmungen. Sie sind mir fremd. Seltsam auch, wenn jemand eine Etage tiefer sitzt, im Rollstuhl. Die Blickkontakte gestalten sich ganz anders.
Bei geistig behinderten oder spastisch gelähmten Menschen spüre ich ebenfalls Hemmungen, abrupte Bewegungen und laute Schreie ängstigen mich. Wie begegnen? Selber ruhig bleiben. Wahrscheinlich könnte ich es lernen.
Spüre ich, dass ich bei psychischen Schwierigkeiten anderer Mühe hab, ziehe ich mich zurück. Ich weiche aus, um nicht reingezogen zu werden. Manchmal, wenn es passt, biete ich anderen Hilfe an. Ich muss aufpassen, dass ich mich dann mit den Problemen anderer nicht überfordere. Gebranntes Kind in dieser Hinsicht.
Bei manchen Menschen spürt man genau, dass sie mit sich selber und ihren Handicaps im Reinen sind, bei anderen ist das Gegenteil der Fall. Ich bin auf dem Weg. Mal geht es besser, mal weniger gut. Dass ich heute mit meiner eigenen Biografie, auch im Berufsleben, offener umgehen kann, das musste ich erst lernen. Die Worte fehlten mir früher oft. Oder sie waren da, fanden aber nicht den Weg nach draussen!
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Meinen Platz in der Gesellschaft habe ich mir erobert, ich gehe seit 2,5 Jahren als gelernte Berufsfrau durchs Leben. Seit fast 2 Jahren habe ich eine Teilzeitstelle in der freien Wirtschaft. Zur Zeit arbeite ich 70%. Mehr geht nicht. Schon das ist für mich am tatsächlichen Limit. Was mir finanziell zu Leben fehlt, bekomme ich vom Staat als Rente, es sind etwas über 4000 CHF im Jahr.
In der Vergangenheit habe ich sehr viel Hilfe bekommen: Von Ämtern, von Menschen in meinem Umfeld, durch staatliche Gelder, Ärztinnen, Therapeutinnen und Coaches. Ich gebe und tue mein Bestes. Seit 10 Jahren habe ich einen lieben Lebenspartner, der mir nach Kräften hilft, wenns nötig ist – und vor allem lachen wir sehr viel zusammen. Auch er hat keine 0815-Biografie. Vielleicht ist genau das so wichtig und richtig?! Er meint, auch ich habe ihm bei vielem geholfen, was ich manchmal gar nicht glauben mag.
Ich brauche immer weniger Hilfe, und das ist gut so. Momentan bin ich kräftemässig aber am Limit. Noch weiss ich nicht genau, wie ich da wieder rauskomme. Ich weiss einfach, dass es sich lohnt, dranzubleiben, auch bei der Arbeit, doch ich bin so müde. Meine eigenen Leistungsideale, schwierige Kunden, die zur Zeit unüberschaubare Arbeitsmenge ... Ich weiss, es geht vielen anderen ebenfalls so, die beruflich leistungsfähiger sind. Die Welt dreht sich immer schneller. Selbst in der Freizeit. Zuviel Leistung macht doch schlicht krank! Ich glaube, dass gerade Herzprobleme, Depressionen und Ängste die Kehrseite dieser Medaille sind.
Sind wir Menschen dabei, uns gerade selber abzuschaffen?
Checken wirs noch nicht … aber vielleicht bald, gezwungenermassen?
Ich bin überzeugt, dass alle einen Platz in unserer Gesellschaft verdient haben. Aber es wird immer mehr selektioniert. Leistung überall. Das fängt ja heute schon im Mutterleib an: Lebenswertes Leben oder dem Tode geweiht? Weiter gehts mit Spielgruppe, Kindergarten, Schule: Ist dein Kind passend zum Mainstream oder ist es ein behindernder Störfaktor den man ruhig stellen muss?…Rasend gehts weiter in Ausbildung und Beruf. Blöd nur, wenn du nicht arbeiten kannst oder krank bist; denn du rentierst dann nicht, du Kostenfaktor!!
Wenn sich mehr Menschen zu ihren Handicaps bekennen würden, zu Stärken und Schwächen gleichzeitig stehen würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Sich ernst nehmen, andere ernst nehmen. Das würde auch dieses verdammte Leistungsideal relativieren und Menschen dürften einfach auch mal Menschen sein. Einfach sein!
Deshalb finde ich die Kampagne von pro infirmis gut. Ohne wenn und aber. Weil sie die Augen öffnet! Ich bin sehr dankbar dafür.
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* Über Sinn oder Unsinn von Misswahlen und anderen "Leistungsschauen" mag ich hier nicht schreiben.
Donnerstag, 26. September 2013
Zur Ruhe kommen dürfen
Nach einer Phase, in der ich viel geschafft und erreicht habe, merke ich, wies mich plötzlich verlangsamt. Ich mag nicht mehr leisten. Jegliches Erreichenwollen erlischt, die Tatkraft schläft ein. Morgens habe ich Mühe, aus dem Bett zu kommen. Sonst schaff ich das problemlos..
Weil ich trotzdem weiter am Ball bleibe, folgen depressive Momente und Angstzustände. Ich werde krank.
Heute hab ich im Büro angerufen und um zu sagen, dass ich noch nicht so fit bin wie gehofft. Mein Kollege meint, es gehe gerade mit der Arbeitsauslastung, ich solle mich doch morgen auch noch erholen. Mich durchzuquälen bringe es nicht. Da tun sich wieder Möglichkeiten auf, die ich mir gar nicht eingeräumt hab. Doch er hat sie gesehen, die Möglichkeit. Ich DARF mich erholen. Manchmal ist es so, dass andere besser erkennen was Not tut als man selbst..
Weil ich trotzdem weiter am Ball bleibe, folgen depressive Momente und Angstzustände. Ich werde krank.
Heute hab ich im Büro angerufen und um zu sagen, dass ich noch nicht so fit bin wie gehofft. Mein Kollege meint, es gehe gerade mit der Arbeitsauslastung, ich solle mich doch morgen auch noch erholen. Mich durchzuquälen bringe es nicht. Da tun sich wieder Möglichkeiten auf, die ich mir gar nicht eingeräumt hab. Doch er hat sie gesehen, die Möglichkeit. Ich DARF mich erholen. Manchmal ist es so, dass andere besser erkennen was Not tut als man selbst..
Samstag, 15. Juni 2013
Ordnung ins eigene Leben bringen
«Es kommt schon gut, wirst sehen …» wie schön, wenn ich diesen Satz höre, aus dem Mund von jemandem, dem ich vertraue.
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