Aus aktuelle Gegebenheit (gerade nicht in meinem eigenen Leben) musste ich darüber nachdenken, wie egozentrisch das Kranksein machen kann, gerade auch wenn Süchte und (deren Verleugnung) im Spiel sind.
Die Wahrnehmung dafür (ver)schwindet, dass ausserhalb der eigenen Nasenspitze noch eine andere Welt und andere Menschen existieren.
Mir tut es weh für einen Menschen, der akut davon betroffen ist, dass jemand anderes sein Leben nicht in den Griff kriegt und sich weigert, sich selber zu helfen oder helfen zu lassen. Trotz Hilfesangeboten, familiärer -- und fachlicher Unterstützung -- von verschiedenen Seiten. Es kommt nichts an, es wird nichts davon wirklich genutzt. Zeit und Fristen verstreichen. Es passiert nix von Seiten des Kranken.
Und ich sehe, was es mit einem Menschen macht, der immer wieder zu helfen versucht. Ich verstehe jetzt, wie das ist wenn sich jemand komplett verweigert und was das mit dem Umfeld macht. Wenn den Helfenden die Kraft ausgeht. Weil sie sich selber auch einen Weg bahnen müssen durch den Alltag und selber auch ein Erwerbsleben haben, das Kraft und Aufmerksamkeit fordert. Und dass die Kraft irgendwann nachlässt. Und langsam auch der Wille, ständig zur Verfügung zu stehen, Behördengänge zu regeln, Arzttermine zu vermitteln, mit Vermietern zu verhandeln. Dass man es müde wird, quasi im Alleingang diesen ganzen Rattenschwanz zu ordnen, den ein menschliches Leben eben so mit sich bringt.
Wie ermüdend es für andere ist, für die Helfenden, wenn eine Parelellwelt erichtet wurde, einst aus Not, die nun genau das tut, wofür sie wohl einst geschaffen wurde: Fluchten ermöglichen, Distanz schaffen, seine Ruhe haben. Die Not und Realität anderer kann so ausgeblendet werden. Die Verantwortung für das eigene Leben hat der Süchtige einfach wegdelegiert,
so dass er es bequem hat, weil ja nix geändert werden muss. Da ist diese Trennwand zwischen dem "ich" und den "anderen", die vom Kranken irgendwann gebaut wurde. Stabil. Irgendwo im Wolkenkuckucksheim.
- - -
Ich wünsche mir ganz viel Leben und Liebe für diese eine Person, an die ich gerade denke. Die soviel zu helfen versucht und doch langsam soweit kommt, dass sie aufgibt. Und einen Gruss sende ich auch (innerlich) ins Wolkenkuckucksheim, vielleicht gibt es da auch einen Anschluss nach draussen.
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PS: Im Nachhinein klingt es für mich sehr von oben herab. Vielleicht ist das eine bewusste Distanzierung von mir. Nicht zu nah ranlassen. Beim Schreiben war es mir nicht bewusst. Wenn ich vom "Kranken" und den "Kranken" schreibe, entsteht ein Machtgefälle, gestehe ich mir eine Macht zu, die ich nicht habe. Das wollte ich noch festhalten. Da ich oft genug "die Kranke"/"Hilfsbedürftige" war. Es bleibt bei dieser Momentaufnahme meiner Gedanken. Ich lasse den Text so stehen.
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Samstag, 1. Oktober 2016
Donnerstag, 4. August 2016
Traurigkeit
Ich weiss nicht genau, welchen Moment sie genutzt hat, um einzutreten, nun ist sie da. Die Trauer.
Ich lebe nicht das Leben, das ich gerne leben möchte. Was mich gerade schmerzt. Es fühlt sich stumpf und abgenutzt an. Und ich weiss, dass ich das JETZT ändern muss, beginnen muss, das zu ändern. Weil es sonst weiter runter geht.
Ich will mein Leben nicht ewig auf "später" verschieben (wenn ich noch "stabiler" bin etc. haha) und immer vernünftig sein (ja nur nicht übertreiben), stets mit allem und jedem Mass halten, nur weil ich ein paar seelische Handicaps habe. Ich verzichte bereits auf genügend Dinge/Events/Aktivitäten, weil ich weiss, dass diese mir schaden oder die Zeit bei mir noch nicht reif ist dafür.
Die seelischen Handicaps/Altlasten schränken mich zwar ein, doch ich will mich trotzdem nicht aufhalten lassen. Ich möchte mich endlich wieder mal richtig lebendig fühlen. Mit der Vergleicherei (mit anderen in meinem Alter) aufhören. Und mich an meinem Können freuen, dass definitiv da ist und ausgebaut werden will.
Trotz all meinen Ängsten möchte ich jetzt endlich auch auf der beruflichen Ebene mehr Zufriedenheit erreichen. Ich habe den Eindruck, unter meinen Niveau zu leben. Nicht vom Finanziellen her, sondern von den Inhalten, mit denen ich mich beschäftige. Das ist nicht meins. Definitiv nicht mehr. Gewogen und für zu leicht befunden!
Ein lauwarmes Leben, ein halbwarmes Gefühl. Mein Blog habe ich damit nicht behelligt, da ich es mit mir selber ausmachen wollte -- und nicht in der relativen (Welt-)Öffentlichkeit des Blogs.
Nun drängt es mich aber, es auch hier festzuhalten. Auch aus dem Grund, dass ich es dann nicht mehr übersehen kann und ich mich "geoutet" habe ;)
Habe in den letzten Jahren das meiste in meinem Leben der Balance untergeordent (fit und stabil genug bleiben, Schlafen, Essen, Arbeiten, Urlaub) und der Vernunft. Und jetzt sehne ich mich nach den roten Schuhen*. Den selbstgemachten bitteschön. Das Verlangen nach Exzessen hält sich inzwischen in Grenzen. Ich mag es inwzischen, das Leben wachsen selber zu lassen -- statt nur nach den roten Früchten zu greifen.
Warum halte ich es dann unter Verschluss?!
Warum halte ich mich selber unter dem Deckel ...
... Seufz ...
Für mich kommt es auch nicht überraschend, dass dieses Leben wie ich es führe, jetzt auf dem Prüfstand steht. Dezent hat sich das schon länger abgezeichnet. Gewusst habe ich es auch, dass so ein "normales" Arbeitsleben für mich eben nicht ausreicht, mich nicht ausfüllt. Da muss Leben in der Bude sein! Da muss es doch mehr geben als das tägliche Bild in Grautönen und Pastell ..
Das letzte Mal, dass ich mich wirklich freu und gut gefühlt hab, war mit meiner alten Schulfreundin, als wir vor einiger Zeit klönend im Gras lagen. Oder als ich mit anderen Zeit verbracht habe.
Mit anderen etwas erreichen, das wünsche ich mir.
Mit anderen, die auch lebendig sind!
Habe mich ganz in der täglichen Routine verkrampft. Und wage mich keinen Schritt mehr weiter. Obwohl es Visionen gibt, von einem besseren Leben, einem, in dem ich mehr aus meinen Stärken heraus leben kann.
Was mir eben auch bewusst ist, deutlich bewusst, sind meine Grenzen -- und deshalb schwanke ich. Das stecke ich Neues oder Unvorhergesehenes nicht einfach weg. Da kann mich Kleinstes nachhaltig und hinterhältig erschüttern und verunsichern.
Es ist eben nicht so, dass alles "schon mit der Zeit kommt". Es gibt Bereiche, da konnte ich nichts Stabiles aufbauen bis jetzt, weil die Sicherheit immer wieder wegbricht. Einmal Erreichtes, das an einem schlechten Tag plötzlich unerreichbar wird, mir unter der Händen zerbröselt, als wärs nie dagewesen. Da ist dann wieder Aufbauarbeit gefragt.
"Sie möchte am liebsten immer wieder von vorne anfangen", so hat es einer meiner Lehrmeister liebevoll und wohlmeinend ausgedrückt. Und er hatte recht. Wenn das Selbstvertrauen weg ist, kann ich scheinbar GAR NIX mehr. Black- und Whiteouts treten auf und dann ist da nur noch Rauschen.
Das kann mir jederzeit passieren. Da müssen nur ein paar Auslöser zusammentreffen und dann ist alles weg. (Scheinbar). Blockaden, Ängste und massive Selbstzweifel treten manchmal auch in der Freizeit auf. Das ist nicht mal davon abhängig, wie anspruchsvoll die Tätigkeit ist, mit der ich mich gerade beschäftige. Es ist mehr meine mentaLe Verfassung und die jeweilige Umgebung (inkl. Mitmenschen).
- - -
Die feine Art der Traurigkeit, die stille und doch so grosse Sehnsucht in mir nach "mehr" -- die überraschen mich in ihrer Heftigkeit dann doch. Dass etwas so Feines so stark sein kann. Das ist keine Flucht in Tagträume mehr -- das ist ein ausgewachsener Hunger nach Leben!
- - -
Ich habe, vor lauter Erleichterung darüber, ein Leben wie die anderen zu führen, endlich führen zu können, meine innere Stimme schon länger unterdrückt.
So im Sinne von: Das muss doch jetzt reichen.
Nein tut es eben nicht! Ganz und gar nicht ..
Habe auch verdrängt, dass ich so ein Leben gar nie angestrebt habe. Ich habe gemacht, was ich den Eindruck hatte, was man von mir erwartet.
- - -
Und was erwarte ich eigentlich von mir?!
Kommt da plötzlich eine lustvoll-sinnige Frage aus meinem Innern ...
- - -
Das wäre dann auch eine erste Antwort auf eine der beiden Fragen, die ich mir im vorletzen Post gestellt habe: Was brauche ich auf meinem beruflichen Weg?
Lebendigkeit,
Leben,
Freude!
Ja ...
*Die roten Schuhe -- ein Märchen von Hans Christian Andersen
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Mittwoch, 9. Dezember 2015
Mental gegen die Wand knallen
Aus aktuellem Anlass beschäftigt es mich, wenn ich den Eindruck habe, jemand fährt sein Leben mental immer wieder gegen die Wand. Also auf jedes Gespräch kommen zig (scheinbar) rationale Ausflüchte, warum es eben nicht anders geht. Man darf sich zwar das andauerende Gejammer anhören, kann aber der betroffenen Person nur schwer helfen. Die Umstände sind schuld -- oder andere Personen. Aber nie der jammernde Mensch selbst. Auf diese Weise bleibt alles beim alten -- und man hat auch immer einen Grund, sich zu beschweren. Praktisch.
Ich muss das jetzt wieder weglegen, aber es fällt mir schwer. Ich weiss, ich habe auch lange so gelebt, ich verstehe erst jetzt, wie es für mein Umfeld gewesen sein muss. Autschn.
Bin froh, dass ich da einen Schritt weiter gekommen bin. Und die Menschen in meiner Umgebung sind es auch ...
Ich muss das jetzt wieder weglegen, aber es fällt mir schwer. Ich weiss, ich habe auch lange so gelebt, ich verstehe erst jetzt, wie es für mein Umfeld gewesen sein muss. Autschn.
Bin froh, dass ich da einen Schritt weiter gekommen bin. Und die Menschen in meiner Umgebung sind es auch ...
Samstag, 22. Februar 2014
Welches ist dein Handicap?
Nicht beim Golf, sondern im normalen Leben!
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir alle Handicaps haben. Grössere, kleinere. Sichtbare, unsichtbare. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Bei mir, bei anderen .. Wie gehen andere mit mir um? Und ich selber?
Als menschliches Wesen das direkt von einer "Leistungseinschränkung" betroffen ist, habe ich viel Gelegenheit, selber Erfahrungen mit Handicaps zu machen. Bei mir sind sie psychisch bedingt. Unsichtbar, meist.
Ich wollte schon länger darüber schreiben, bin aber erst heute im Netz durch diese Kampagne von pro infirmis wieder aufs Thema gekommen. Interessant auch die Reaktionen im Web auf diesen Film und die Kampagne. Meinungen wie "Die Behinderten werden blossgestellt" tauchen auf. Was ich seltsam finde. Es handelt sich bei den Teilnehmenden ausnahmslos um erwachsene, mündige Menschen, die freiwillig mitmachen!
Mich hat Jasmin Rechsteiner, Miss Handicap 2010*, sehr beeindruckt. Sie machte bei der Kampagne auch mit. Ich traf sie vor ein paar Jahren sie als Ehrengast an der Lehrabschlussfeier meiner Ausbildungsstätte und sie überreichte mir persönlich mein Lehrabschluss-Diplom. Mich hat diese Frau fasziniert. Da ist eine sehr starke Präsenz und Charisma spürbar. Ansteckend! Und natürlich ist sie sehr sehr hübsch .. :)
- - -
Da ich körperlich keine Handicaps habe, spüre ich bei körperlichen Krankheiten und auch bei Behinderungen Hemmungen. Sie sind mir fremd. Seltsam auch, wenn jemand eine Etage tiefer sitzt, im Rollstuhl. Die Blickkontakte gestalten sich ganz anders.
Bei geistig behinderten oder spastisch gelähmten Menschen spüre ich ebenfalls Hemmungen, abrupte Bewegungen und laute Schreie ängstigen mich. Wie begegnen? Selber ruhig bleiben. Wahrscheinlich könnte ich es lernen.
Spüre ich, dass ich bei psychischen Schwierigkeiten anderer Mühe hab, ziehe ich mich zurück. Ich weiche aus, um nicht reingezogen zu werden. Manchmal, wenn es passt, biete ich anderen Hilfe an. Ich muss aufpassen, dass ich mich dann mit den Problemen anderer nicht überfordere. Gebranntes Kind in dieser Hinsicht.
Bei manchen Menschen spürt man genau, dass sie mit sich selber und ihren Handicaps im Reinen sind, bei anderen ist das Gegenteil der Fall. Ich bin auf dem Weg. Mal geht es besser, mal weniger gut. Dass ich heute mit meiner eigenen Biografie, auch im Berufsleben, offener umgehen kann, das musste ich erst lernen. Die Worte fehlten mir früher oft. Oder sie waren da, fanden aber nicht den Weg nach draussen!
- - -
Meinen Platz in der Gesellschaft habe ich mir erobert, ich gehe seit 2,5 Jahren als gelernte Berufsfrau durchs Leben. Seit fast 2 Jahren habe ich eine Teilzeitstelle in der freien Wirtschaft. Zur Zeit arbeite ich 70%. Mehr geht nicht. Schon das ist für mich am tatsächlichen Limit. Was mir finanziell zu Leben fehlt, bekomme ich vom Staat als Rente, es sind etwas über 4000 CHF im Jahr.
In der Vergangenheit habe ich sehr viel Hilfe bekommen: Von Ämtern, von Menschen in meinem Umfeld, durch staatliche Gelder, Ärztinnen, Therapeutinnen und Coaches. Ich gebe und tue mein Bestes. Seit 10 Jahren habe ich einen lieben Lebenspartner, der mir nach Kräften hilft, wenns nötig ist – und vor allem lachen wir sehr viel zusammen. Auch er hat keine 0815-Biografie. Vielleicht ist genau das so wichtig und richtig?! Er meint, auch ich habe ihm bei vielem geholfen, was ich manchmal gar nicht glauben mag.
Ich brauche immer weniger Hilfe, und das ist gut so. Momentan bin ich kräftemässig aber am Limit. Noch weiss ich nicht genau, wie ich da wieder rauskomme. Ich weiss einfach, dass es sich lohnt, dranzubleiben, auch bei der Arbeit, doch ich bin so müde. Meine eigenen Leistungsideale, schwierige Kunden, die zur Zeit unüberschaubare Arbeitsmenge ... Ich weiss, es geht vielen anderen ebenfalls so, die beruflich leistungsfähiger sind. Die Welt dreht sich immer schneller. Selbst in der Freizeit. Zuviel Leistung macht doch schlicht krank! Ich glaube, dass gerade Herzprobleme, Depressionen und Ängste die Kehrseite dieser Medaille sind.
Sind wir Menschen dabei, uns gerade selber abzuschaffen?
Checken wirs noch nicht … aber vielleicht bald, gezwungenermassen?
Ich bin überzeugt, dass alle einen Platz in unserer Gesellschaft verdient haben. Aber es wird immer mehr selektioniert. Leistung überall. Das fängt ja heute schon im Mutterleib an: Lebenswertes Leben oder dem Tode geweiht? Weiter gehts mit Spielgruppe, Kindergarten, Schule: Ist dein Kind passend zum Mainstream oder ist es ein behindernder Störfaktor den man ruhig stellen muss?…Rasend gehts weiter in Ausbildung und Beruf. Blöd nur, wenn du nicht arbeiten kannst oder krank bist; denn du rentierst dann nicht, du Kostenfaktor!!
Wenn sich mehr Menschen zu ihren Handicaps bekennen würden, zu Stärken und Schwächen gleichzeitig stehen würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Sich ernst nehmen, andere ernst nehmen. Das würde auch dieses verdammte Leistungsideal relativieren und Menschen dürften einfach auch mal Menschen sein. Einfach sein!
Deshalb finde ich die Kampagne von pro infirmis gut. Ohne wenn und aber. Weil sie die Augen öffnet! Ich bin sehr dankbar dafür.
- - -
* Über Sinn oder Unsinn von Misswahlen und anderen "Leistungsschauen" mag ich hier nicht schreiben.
Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir alle Handicaps haben. Grössere, kleinere. Sichtbare, unsichtbare. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Bei mir, bei anderen .. Wie gehen andere mit mir um? Und ich selber?
Als menschliches Wesen das direkt von einer "Leistungseinschränkung" betroffen ist, habe ich viel Gelegenheit, selber Erfahrungen mit Handicaps zu machen. Bei mir sind sie psychisch bedingt. Unsichtbar, meist.
Ich wollte schon länger darüber schreiben, bin aber erst heute im Netz durch diese Kampagne von pro infirmis wieder aufs Thema gekommen. Interessant auch die Reaktionen im Web auf diesen Film und die Kampagne. Meinungen wie "Die Behinderten werden blossgestellt" tauchen auf. Was ich seltsam finde. Es handelt sich bei den Teilnehmenden ausnahmslos um erwachsene, mündige Menschen, die freiwillig mitmachen!
Mich hat Jasmin Rechsteiner, Miss Handicap 2010*, sehr beeindruckt. Sie machte bei der Kampagne auch mit. Ich traf sie vor ein paar Jahren sie als Ehrengast an der Lehrabschlussfeier meiner Ausbildungsstätte und sie überreichte mir persönlich mein Lehrabschluss-Diplom. Mich hat diese Frau fasziniert. Da ist eine sehr starke Präsenz und Charisma spürbar. Ansteckend! Und natürlich ist sie sehr sehr hübsch .. :)
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Da ich körperlich keine Handicaps habe, spüre ich bei körperlichen Krankheiten und auch bei Behinderungen Hemmungen. Sie sind mir fremd. Seltsam auch, wenn jemand eine Etage tiefer sitzt, im Rollstuhl. Die Blickkontakte gestalten sich ganz anders.
Bei geistig behinderten oder spastisch gelähmten Menschen spüre ich ebenfalls Hemmungen, abrupte Bewegungen und laute Schreie ängstigen mich. Wie begegnen? Selber ruhig bleiben. Wahrscheinlich könnte ich es lernen.
Spüre ich, dass ich bei psychischen Schwierigkeiten anderer Mühe hab, ziehe ich mich zurück. Ich weiche aus, um nicht reingezogen zu werden. Manchmal, wenn es passt, biete ich anderen Hilfe an. Ich muss aufpassen, dass ich mich dann mit den Problemen anderer nicht überfordere. Gebranntes Kind in dieser Hinsicht.
Bei manchen Menschen spürt man genau, dass sie mit sich selber und ihren Handicaps im Reinen sind, bei anderen ist das Gegenteil der Fall. Ich bin auf dem Weg. Mal geht es besser, mal weniger gut. Dass ich heute mit meiner eigenen Biografie, auch im Berufsleben, offener umgehen kann, das musste ich erst lernen. Die Worte fehlten mir früher oft. Oder sie waren da, fanden aber nicht den Weg nach draussen!
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Meinen Platz in der Gesellschaft habe ich mir erobert, ich gehe seit 2,5 Jahren als gelernte Berufsfrau durchs Leben. Seit fast 2 Jahren habe ich eine Teilzeitstelle in der freien Wirtschaft. Zur Zeit arbeite ich 70%. Mehr geht nicht. Schon das ist für mich am tatsächlichen Limit. Was mir finanziell zu Leben fehlt, bekomme ich vom Staat als Rente, es sind etwas über 4000 CHF im Jahr.
In der Vergangenheit habe ich sehr viel Hilfe bekommen: Von Ämtern, von Menschen in meinem Umfeld, durch staatliche Gelder, Ärztinnen, Therapeutinnen und Coaches. Ich gebe und tue mein Bestes. Seit 10 Jahren habe ich einen lieben Lebenspartner, der mir nach Kräften hilft, wenns nötig ist – und vor allem lachen wir sehr viel zusammen. Auch er hat keine 0815-Biografie. Vielleicht ist genau das so wichtig und richtig?! Er meint, auch ich habe ihm bei vielem geholfen, was ich manchmal gar nicht glauben mag.
Ich brauche immer weniger Hilfe, und das ist gut so. Momentan bin ich kräftemässig aber am Limit. Noch weiss ich nicht genau, wie ich da wieder rauskomme. Ich weiss einfach, dass es sich lohnt, dranzubleiben, auch bei der Arbeit, doch ich bin so müde. Meine eigenen Leistungsideale, schwierige Kunden, die zur Zeit unüberschaubare Arbeitsmenge ... Ich weiss, es geht vielen anderen ebenfalls so, die beruflich leistungsfähiger sind. Die Welt dreht sich immer schneller. Selbst in der Freizeit. Zuviel Leistung macht doch schlicht krank! Ich glaube, dass gerade Herzprobleme, Depressionen und Ängste die Kehrseite dieser Medaille sind.
Sind wir Menschen dabei, uns gerade selber abzuschaffen?
Checken wirs noch nicht … aber vielleicht bald, gezwungenermassen?
Ich bin überzeugt, dass alle einen Platz in unserer Gesellschaft verdient haben. Aber es wird immer mehr selektioniert. Leistung überall. Das fängt ja heute schon im Mutterleib an: Lebenswertes Leben oder dem Tode geweiht? Weiter gehts mit Spielgruppe, Kindergarten, Schule: Ist dein Kind passend zum Mainstream oder ist es ein behindernder Störfaktor den man ruhig stellen muss?…Rasend gehts weiter in Ausbildung und Beruf. Blöd nur, wenn du nicht arbeiten kannst oder krank bist; denn du rentierst dann nicht, du Kostenfaktor!!
Wenn sich mehr Menschen zu ihren Handicaps bekennen würden, zu Stärken und Schwächen gleichzeitig stehen würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Sich ernst nehmen, andere ernst nehmen. Das würde auch dieses verdammte Leistungsideal relativieren und Menschen dürften einfach auch mal Menschen sein. Einfach sein!
Deshalb finde ich die Kampagne von pro infirmis gut. Ohne wenn und aber. Weil sie die Augen öffnet! Ich bin sehr dankbar dafür.
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* Über Sinn oder Unsinn von Misswahlen und anderen "Leistungsschauen" mag ich hier nicht schreiben.
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