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Sonntag, 28. Juli 2019

Schwachstellen und Vorwärtsgehen (Therapie)

(Werbung wegen Verlinkung zu Youtube, nichtkommerziell)

Es kommt gerade vieles hoch und das ist schwer auszuhalten. An den Wochenenden in ich oft im Ausnahmezustand. Allerdings empfinde ich es nicht als durchwegs schlimm. Es ist vielmehr ein Potpourri an verschiedensten Emotionen und es kostet Kraft, da durchzugehen. Nicht unbedingt das, was man sich an einem Wochende wünscht, wo Zeit und Raum wäre, sich zu erholen.

Manches Subtile, was ich verdrängt habe, kommt ins Bewusstsein. Meine grösste Angst ist, nicht gesehen zu werden. Oder dass was ich zu geben habe (Beruf, Beziehungen, Freundschaften), einfach nicht reicht. Ich merke, wie sich die Extreme in mir mildern, die Selbstzweifel bleiben mir treu. Und ich bin nicht die einzige in der Familienhistorie, die damit zu tun hat.

Seit Anfang Juni gehe ich wieder zu einem Homöopathen, nachdem ich mit meinem schwankenden Selbstwert und Angstzuständen (sowie Schlafstörungen) wieder dermassen zu ringen habe, dass ich Hilfe brauchte. Und es lässt sich vielversprechend an, es gibt einen Anstoss, dass wieder Bewegung in meine Resignation hineinkommt.

Darüber reden allein (seit Oktober wieder Psychotherapie), bringt es nicht. Es vermag Klarheit zu bringen, doch die Emotionen lindern, kann es nicht.  Ich bin bereit, genauer hinzusehen und woran es dann oft hapert, ist, mir in diesen Momentan liebevoll zu begegnen. Die neue Therapeutin ist empathisch und hört auch zu. Ich fühle mich erkannt als die, die ich bin. Mit meinen starken und schwachen Seiten.

Die vorherige Therapeutin konnte irgendwie nicht so recht mit mir, das habe ich gespürt. Wenn ich zurückschaue, hab ich mich auch nicht richtig gesehen gefühlt. Auf meine Ängste im Beruf hat sie lapidar geantwortet, dass dies allen Berufsanfängern so geht. Das war als Aufmunterung gemeint, war aber gar kein Trost. Mag sein, aber bei mir sind sie immer noch da, auch nach mehr als 7 Jahren. Schliesslich hat sie das Therapieverhältnis beendet, weil sie meinte, dass es mir gut genug gehe und sie sich um Leute kümmern wollte, die ernsthafte psychiatrische Probleme haben. Der Wortlaut war nicht genau der, aber darauf lief es hinaus. Heute denke ich mir: Was zur Hölle?!

Das Gute daran war, dass ich nicht mehr dort hingehe. Es war ein nötiger Bruch. Aber es hat mich auch soweit verunsichert, dass ich von Psychiatern genug hatte. Meine Hausärztin hat mich wunderbar begleitet. Die Allgemeinärzte erlebe ich _manchmal_ als dem Menschen zugewandter als die Fachspezialisten. Das ist an sich schräg.

Danach hab ich mich 6 Jahre ohne psychotherapeutische Hilfe durchgebracht. Wie sehr mich dieses Abspeisen verunsichert hat, merke ich erst jetzt, mit der neuen Therapeutin. Weil es hier ganz anders ist und sie mir gesagt hat, sie würde nie ein Therapieverhältnis von sich aus beenden!

Vieles an Emotionen ist noch ans Leistungsdenken und an ein Gefühl des Unwertseins gekoppelt und davon kann ich mich nur langsam lösen. Das Zuweniggutsein ... ich kenne es schon so lange. Wieviel davon werde ich in meinem Leben ablegen können?

Und mich hat es berührt, als mir mein Bruder dieses Lied von John Mayer als Link gesendet hat, ich habe es nun unzählige Male gehört und es bedeutet mir viel. Wahre Worte, wahre Fragen und doch ist auch was Erlösendes in diesem Lied, weil es anderen ebenfalls so geht und ich einen Bezug finde.




Samstag, 27. Juli 2019

Berufsleben

7 Jahre, 3 Monate.

Ich spiele nicht in einer andren Liga. Es ist eine andere Sportart. Mich jeden Tag meinen Ängsten zu stellen ist meine Herausforderung. Den bewertenden Gedanken in meinem Kopf weniger Gewicht zu geben, ich stelle mich dieser Aufgabe. Die tauchen auch Abends und am Wochenende auf. Und manchmal versinke ich bis über beide Ohren darin.

Es gibt in meinem Leben eigentlich keinen Tag komplett ohne Angst oder irgendeine Besorgnis. Wie ich damit umgehe, ändert sich langsam. Meine Geschichte kann ich nicht ändern. Aber den Umgang mit mir selber. Es braucht viel Zeit und Geduld.

Ich weiss, dass manche denken, ich mach es mir zu einfach oder ich könnte mich mehr einsetzen. Ja. Ich hab den Perfektionismus abgelegt. Weil ich es musste. Von meinen inneren Prozessen haben diese Menschen keine Ahnung. An manchen Tagen ist es eine Leistung für mich, nicht schreiend oder heulend aus dem Büro zu laufen. That's it. Das ist meine ganz eigene Leistungsshow.

Und während andere neben der Arbeit noch ein Studium absolvieren, mach ich eben meine Selbstwert-Arbeiten und halte mich möglichst emotional stabil. Mache meine eigenen Hausaufgaben. Suche Therapeuten auf, die mir weiterhelfen. Gehe Schwimmen, oder tue anderes, was mir gut tut. Momentan kostet es mich immer noch viel Kraft, das Arbeitsleben. Und da bin ich unterwegs. Es ist schon viel besser geworden. Die Herausforderung wurden aber auch grösser!

Da es mehr Luft gibt, wird auch Weiterbildung wieder möglich. Im August werde ich zwei Kurse machen die mir beruflich was bringen.

Eine Zusatzausbildung wäre schön, aber ich sehe momentan davon ab. Die mentale Kraft und die Kondition fehlen mir, das durchzustehen.

Mit dem fernen Mann bin ich weiter gekommen bei meiner mentalen Einstellung. Am Anfang hab ich seine Sprüche gehasst. Go with the flow. Don't beat yourself up. Be nice to yourself. Und so weiter. Erst nach und nach hab ich verstanden und es das annehmen lernen. Und er hat mir auch davon erzählt, wie gut er es selber kennt, das Leben mit der Angst.

Es hilft mir immens, dass er in einem ähnlichen Feld gearbeitet hat wie ich und daher die Strukturen versteht.

Ich will handeln statt nur zu Träumen.

Statt den grossen Traum zu leben, den ich nicht habe, will ich einen praktikablen Weg finden, meine finanzielle Existenz zu sichern und dabei das Leben zu geniessen. Kleine Träume leben. Erreichbare Ziele setzen. Das ist mein Weg.

Sonntag, 25. Februar 2018

Ent-Wicklung und eine Zeit der Grenzerfahrung

Die letzten Monate waren eine der Zeit der Grenzerfahrungen. Ich wurde bei der Arbeit so sehr gefordert, dass ich mich wirklich mit mir selber auseinandersetzen musste. Als wäre ich nonstop auf dem Prüfstand. Meine eigene Ernsthaftigkeit und Besorgtheit wurde mir voll bewusst. Ich musste sicheres Gebiet verlassen auf dem ich mich eingearbeitet hatte und mich auf ungewohntem Terrain behaupten und beweisen, zB darin, andere Menschen führen. Da fühlte ich mich so unwohl und da kam die Angst, dass ich wieder zu dominant auftrete, was mir schnell passiert, wenn ich meine eigene Unsicherheit nicht aushalte. Die Feedbacks waren jedoch durchwegs positiv. Mir sind meine Schwächen im Sozialverhalten durchaus bewusst und ich bleibe da dran.

Arbeit und Baustellen gibt es immer noch genug. Komfortzonen haben sich in meinem Leben sowieso selten nach Komfort angefühlt; eher nach "hier halte ich es einigermassen aus". Das "aber dir gehts doch jetzt gut?" und "das ist doch jetzt gar nicht so schwierig?" -- solche Aussagen von Mitmenschen haben mich immer irritiert. -- > Was weisst du denn, wie es IN mir aussieht? Was es mich kostet, jetzt nicht wegzulaufen!

Das innere Getriebensein war stets deutlich stärker als das kurzfristige Moment des Wohlbefindens. Doch ich will nun endlich ankommen in diesem meinem Leben!

So waren diese letzten Monate auch eine Chance, meinen Handlungsspielraum zu erweitern und mich selber auf andere Weise zu erfahren. Ich hätte mich sicher selber nie einem solchen Stress ausgesetzt. Doch aufgeben wollte ich an diesem Punkt auch nicht mehr. Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, ist irgendwann schluss mit Selbstzweifeln und Zögerlichkeit. Jetzt kann ich das rückblickend anerkennen, vorher empfand ich es einfach oft als Alptraum.

Geholfen hat mir mehr Bewegung und Sport. Viele Spaziergänge in der Mittagspause und an den Wochenenden. Das Training vom Montag und neu das Schwimmen am Freitag. Den angestauten Stress durch Bewegung abzubauen, funktioniert bei mir!

Geholfen hat mir auch der Mann an meiner Seite, mit offenen Ohren und Armen. Ein Mensch der seit 14 Jahren an mich glaubt, mit dem ich gemeinsam wachsen konnte.

Wenn ich nun in einen Spiegel schaue, sehe ich wirklich mich selbst, denn das Bild ist klar und deutlich. Ich fühle mich, sehe mich mit allen meinen Facetten. Es sind viele verschiedene Facetten. Manches lässt sich kaum gemeinsam in einem Menschen unterbringen und so ist immer eine Spannung da. Ich habe keine Angst mehr vor dem, was da ist. Es fühlt sich wahr an. Ich konnte mich weiter entwickeln, bin aber auch deutlich über meine Schattenseiten gestolpert. Es geht nun eindeutig nicht mehr zurück ins Schneckenhaus, weil ich da nicht mehr hineinpasse. Eine Ent-Wicklung raus aus alten Verstrickungen und aus dem gewohnten Verwirrtsein.

Ich gehe aufrecht.

Dienstag, 16. Januar 2018

Begrenzung/Entfaltung .. mein Weg

".. du hättest im Beruf viel mehr aus dir machen können, stattdessen ..."

Mir kommt dieser Satz in den Sinn, den mir mal jemand vor die Füsse geworfen hat, weil ich es provoziert hatte. Ich glaube diese Worte sind mir wieder eingefallen, weil ich mich innerlich mit der Begrenzung beschäftige, in der ich lebe. Hätte, hätte, Fahradkette! -- kommt mir dazu als nächstes in den Sinn.

Es sind immer noch Ängste da, vor allem sozialer Natur, Verlassenheitsängste und mentale Blockaden, doch ich lehne mich immer weniger dagegen auf. Ich nehme sie hin, reibe mich daran, setz mich mit ihnen zusammen ... oder auseinander. Ich arbeite mit dem, was ich habe!

Ich mache es eben, so gut ich kann und versuche, mich selber gern zu haben. Ich bin zunehmend im Reinen mit mir. Ich nehme es lockerer, übe es. Ich trage verschiedenes aus Vergangenheit und Gegenwart zusammen, um mir ein Bild zu machen. Auch um dem Bild von meinem beruflichen Weg mehr Facetten zu geben. Es sind viele Facetten und bunte Seiten dabei.

Ich kann mich selber finanziell versorgen. Wie lange konnte ich das nicht! War nicht dazu im Stande, brauchte viel Hilfe dabei, meinen Weg so gehen zu können. Und nun kann ich das, und es macht mich dankbar -- und auf eine stille Art zufrieden, ruhiger. Ich gehe meinen beruflichen Weg stetig, er ist noch lange nicht zu Ende! Mein Leben gehört nur mir. Bewusste Entscheidung. Ich teste und taste mich voran.

Und der eingangs erwähnte Satz schmerzt mich nicht mehr, er erreicht mich nicht mehr -- weil er keine Macht mehr über mich hat. Ich weiss wer ich bin -- und ich hungere nicht mehr nach der Bedeutung, die einem ein gewisser Status im Berufsleben gibt. Ich lebe und bin einfach ich selbst. Alles fügt sich. Amen.

Daraus lebe ich.

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Arbeit und die Grenzen

Es ist nicht so einfach, jemandem ruhig dabei zuzusehen, wie er sich bei der Arbeit ins kräftemässige Abseits manövriert. Wenn es menschlich passt und stimmt, kann ich was dazu sagen, ansonsten muss ich es zukünftig besser an mir abperlen lassen. Das Leben des anderen ist dessen Leben.

Ich kenn den Sog selber, wenn man meint, man müsse immer weiter gehen. Weiter als die Kräfte reichen und auch weiter als es die eigene Konstitution im Grunde zulässt.* Weil die Arbeit da ist, weil ein Projekt abzuarbeiten ist, weil man die Kollegen nicht hängen lassen will oder aus Ehrgeiz etwas zu schaffen/zu beweisen oder warum auch immer ...

In den verschiedenen Arbeits-Reha-Programmen, die ich als Teilnehmerin besucht habe, konnte ich auch sehen, wie das Leben eines Menschen nach einem körperlichen oder psychischen Total-Zusammenbruch aussehen kann. Menschen die nie mehr voll oder höherprozentig einsatzfähig werden, weil sie sich aufgerieben haben und dadurch gesundheitliche Schäden zurückgeblieben sind. Das hat mich geschockt. Auch die Geschichten dahinter. In die harten Drogen abgerutscht, weil der Leistungsstress anders nicht mehr zu ertragen war, das ist nur ein Beispiel.

Das hat sicher auch mit der persönlichen Geschichte/Verantwortung eines Menschen zu tun, ist jedoch auch ein gesellschaftliches Phänomen: Leistung um (fast) jeden Preis. Meine Meinung: Keine normale Arbeit ist ein Menschenleben oder die eigene Gesundheit wert. Es gibt immer Spitzenzeiten an Auslastung. Aber auf Dauer ist das, was krank macht eben einfach nur eines: krank.

Ein extremer Zusammenbruch ist mir in diesem Ausmass noch nie passiert, kleinere Episoden davon aber schon. Und es braucht seine Zeit, bis man das dann wieder überwunden hat. Ich will es zukünftig nicht mehr passieren lassen und und ich nehme auch die Erlebnisse anderer Menschen für mich als Mahnung.

Es gibt Grenzen und ich spüre sie genau. Das ist vielleicht das, was ich anderen voraushabe: Meine genaue Wahrnehmung für mich selbst. Diese wurde mir aber immer aberkannt und als "übertrieben" dargestellt. Irgendwie hatte und habe ich trotzdem diesen gesunden Egoismus in mir, und den Willen, mich nicht unterkriegen zu lassen. Meine Instinkte sind sicher und zuverlässig. Mein Körper meldet sich sehr genau und deutlich. Ich habe inwischen, dank meiner Stressmedizinerin, sogar medizinische "Beweise" dafür.

Und was das Leben der anderen Menschen anbelangt, ist das einfach ein anderes Paar Schuhe. Jedenfalls nicht meines. Ich will weder rechthaberisch noch übergriffig noch überbesorgt gegenüber anderen sein, bin es aber hin und wieder, daher werde ich auch mir selber gegenüber kritisch bleiben, was das "Einmischen" anbelangt.


*Die eigene Konstitution besser verstehen und anerkennen zu lernen, das ist ein Thema über das ich noch gesondert schreiben will.


Samstag, 24. Juni 2017

Angst-Demenz (Flashback) -- Teil 2

Es ist wieder passiert
An dem Tag, an dem ich über die Hitze im Büro schrieb, ist es mal wieder passiert. Durch die furchtbare Hitze im Raum und ein System/eine Software/das Content Management System, das/die ich bei der Arbeit nicht verstanden habe. Da war nur noch Mattscheibe, aber komplett.

Mein Hirn war einfach leeeeer. Niemand da.

Auch wenn der Mensch, der neben mir sass, mir geduldig -- und immer wieder -- half. Und sagte, jetzt musst du da und da klicken -- ich sah es einfach nicht (mehr). Das Nebeneinandersitzen hat es nicht verbessert. Da fühle ich mich sowieso schnell gestresst. Auch das Sehen ging nicht mehr wirklich: Ich klickte mich durch wie ein wildgewordenes Huhn. Mir verschwomm es vor den Augen. Danke, Hirn!

Was sonst nicht meine Art ist; wie wild rumzuklicken. An diesem Tag fühlte ich mich wie der legendäre DAU, der "dümmste anzunehmende User". Und für den ist dieses CMS auf jeden Fall schon mal nicht gemacht ;)

Vor Scham lieber sterben ...
Der Erklärer gab sich alle Mühe, aber der Groschen wollte bei mir einfach nicht fallen. Es war mir so peinlich. Ich wurde hektisch und ich nervte ihn. Was mir klar war. Irgendwann wurde er immer wortkarger. Habe dann noch alleine weitergearbeitet. Das Resultat sehe ich nächste Woche.

Auch wenn jemand Geduldiges mir hilft, verstehe ich nicht immer alles. Wenn ich mal dermassen feststecke, braucht es oft mehrere Anläufe und Pausen (manchmal Tage) dazwischen, damit ich mich wieder beruhigen kann. Vielleicht wird jetzt auch klar, warum der Stresstest für mich so wichtig war.

In diesem Fall war auch die Software des CMS mein zusätzliches Problem (zur Hitze, dem Neulernen und dem Nebeneinandersitzen), da die Nutzerführung alles andere als intuitiv zu verstehen ist. Alle Oberflächen sahen anders aus, sind anders strukturiert und ich wusste nie, in welchem Hierarchiebereich der Website ich nun bin.

Und dann ...
Schlussenlich habe ich mir viiiel Zeit genommen, die ganzen Prozesse durchzuspielen, um sie besser zu verstehen. Zeit die ich eigentlich nicht hatte, da sich nebendran die Arbeit stapelte. Doch beim Erklärer war es ja genauso. Er hat sich für mich extra Zeit genommen, mir zu helfen, obwohl er die selber auch nicht hatte. Und dann verstehe ich es nicht mal ....

Ich hatte ja bereits eine Schulung zu dem Ding. Aber ich verstand an dem Morgen nur Bahnhof, machte komplett zu. Da die Abteilung, die das veranstaltet hat, permanent überlastet ist, und die Leute dadurch oft gestresst, hab ich es dann auch aus Angst wieder schleifen lassen, mich weiter damit zu beschäftigen. Bis ich das System dann doch wieder gebraucht hab ... seufz

Was hilft?
Mich immer wieder dahinterzuklemmen. Pausen zu machen. Den Mut und den Selbstwert zu behalten. Ignorieren, was mein Hirn dazu laufend an Bewertungen produziert ("der denkt jetzt sicher du bist blöd", "du versagst ja schon wieder" etc. pp.). Mich selber in meiner Not ernst zu nehmen. Zu wissen, dass auch andere, die nicht viel damit arbeiten, mit diesem System rechte Mühe haben. Die Gewichtung aus der Situation rausnehmen (ich nutze das Programm sehr selten und punktuell), werde also nicht von nun an täglich gestresst sein ;)

Wie weiter ...
Ob das was ich produziert habe, nun läuft, weiss ich noch nicht. Das werde ich nächste Woche sehen. Aber ich habe jetzt erste Ansätze begriffen -- und kann nun auch endlich das Manual nutzen, das ich am Tag der Schulung bekommen hatte. Nicht mal das half mir nämlich.

Sonst gilt bei Systemen/Geräten in der IT ja (zu Recht) stets die goldene Regel, bevor es ans Beantworten von Userfragen geht:

RTFM! Read the fucking manual! ^_^



(Fortsetzung folgt)

Angst-Demenz (Flashback) -- Teil 1

.. wahrscheinlich heisst das anders. Mir geht es darum, zu schildern, wie drastisch ich es empfinde. Ich meine damit die Denkblockaden, die sich bei mir einstellen, wenn ich unter Druck komme.

Demenz nenne ich es deshalb, weil ich plötzich auch einfache Dinge nicht mehr kann oder weiss, die mal gut gingen, die sonst selbstverständlich sind. Oder ich es einfach nicht schaffe, neues Wissen aufzunehmen. Was andere oft nicht nachvollziehen können. Dann kommt etwas ein "aber das ist doch nicht so schwierig!". Dadurch wird alles nur noch schlimmer. Ich fühle mich dumm und behindert dadurch. Da ist nur noch ein weisses Rauschen in meinem Kopf. Kein Anschluss unter dieser Nummer!

Natürlich kommt das Denkvermögen bei mir nach und nach wieder zurück, das schon. Aber es kann auch sein, dass ich eine Sache oder Aufgabe aufgebe, weil es mich zu sehr stresst.

- - -

Es gibt Momente, da stehe ich neben mir.  Früher war das ein gewohnter Zustand, sobald es um Ausbildung oder Arbeitsleben ging. Mit kurzen und längeren Zeiträumen, in denen es leichter war, weil ich etwas tun konnte, in dem ich gut war oder mich sonst sicher fühlte. Die Blockaden können aber auch auftreten bei Dingen, die ich gerne mache, zum Beispiel bei Leistungsdruck, Abgabeterminen etc. Ich erkenne es heute als eine vorwiegend soziale Angst.

Heute ist es meistens leichter, auch im Alltag, also hat sich das Verhältnis umgekehrt. Innere Ruhe ist meistens da -- und die Blockaden nur noch gelegentlich. Ich habe mich, auch Dank der Psychotherapie, nach und nach "umprogrammiert". Das hat Jahre gebraucht, soweit zu kommen, dass ich unter anderen Menschen in der Arbeitswelt in einem Büroalltag nicht komplett dauergestresst bin.

Zudem lerne ich einfach anders als andere. Eher optisch und assoziativ: Wenn in einem Lehrbuch jede Seite gleich aussieht, prägt sich mir nichts ein. Wenn ich Tabellen oder Grammatik auswendig lernen muss, fällt mir das wieder "aus dem Speicher". Ausser ich kann etwas damit assoziieren oder es hat zB zusätzlich Bildergeschichten/Fotos auf den Seiten. Dafür kann ich mir alle möglichen Verbindungen, unnützes Wissen und viele Wörter fremder Sprachen merken. Alles was ich ohne Druck lerne und in entspannter Umgebung, geht oft spielerisch leicht und bleibt mir im Kopf. Ich kann Wissen im Grunde schnell aufnehmen und auch in Verbindung setzen. Nur eben ...

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Ich habe Jahre mit diesen Angstzuständen und sozialen Ängsten verbracht. Mir fehlen im Vergleich zu anderen Berufsleuten, circa 10 Jahre Berufserfahrung einfach dadurch, dass ich psychisch erkrankt war. Von 17 bis 27 Jahren hab ich mich arbeits- und ausbildungstechnisch irgendwie durchgehangelt und vor allem diese Angst, diese Blockaden, zu vermeiden versucht. Zwischendrin dann wieder (Erschöpfungs)Depression. Unaushaltbar schien mir vor allem die Angst.

Therapie hatte ich genug. Heute denke ich, da hätte man therapeutisch anders damit umgehen können/müssen. Aber es ist eben so gelaufen, wie es lief.

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(Fortsetzung folgt)

Mittwoch, 5. April 2017

Was für ein Tag

... Ein von Anfang bis Ende vermurkster Arbeitstag. Ich murkste, andere waren auch irgendwie vermurkst drauf und die Technikgötter waren mir auch nicht wohl gesinnt. Irgendwie hab ich schon morgens gespürt, dass "im Bett bleiben" eine gute Option gewesen wäre. Aber so bin ich ja nicht (mehr). Der morgige Tag kann nur besser werden. Abschütteln und weitergehen...

P.S. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, was ich selber ändern kann. An Murkstagen zeigen sich manchmal Muster. In der letzten Zeit bin ich meinen Aufgaben nur hinterhergehetzt. Selten war Zeit um die künstlichen von den echten Prioritäten zu sortieren. Ich hab mich ins Bockshorn jagen lassen. Dadurch ist was liegen geblieben, was ich eher hätte angehen sollen. Ich merke auch, das solche Momente der Klärung dienen können und nicht einfach nur die "totale" Katastrophe sind. Wenn ich den Kopf an solchen Tagen nicht in den Sand stecke, habe ich auch Perspektiven. Diese schnelle Resignation will ich überwinden lernen und die Blockaden nach und nach auflösen. Das macht mir Mut. Weil ich mögliche Wege finde, das zu verbessern.

Mit dem Kopf im Sand ists einfach nur perspektivelos duster, staubig und Atmen ist dadurch auch schwierig ^_^

Samstag, 25. Februar 2017

Selbstbestimmt leben mit hoher Sensibilität (meine Erfahrungen)

Aktueller Stand
Nachdem sich der gröbste Stress bei der Arbeit gegen Freitag gelegt hat, konnte ich endlich auch wieder ruhiger werden. Seit Wochen habe ich gestern Abend mal wieder den "Boden" des Abteilungs-Mailpostfach gesehen. Wow ...

Das befürchtete Gespräch fand nicht in dieser Form statt und stattdessen wurde ein Termin verschoben. Jedenfalls ist der Druck weg. Sobald ich wieder Boden unter den Füssen hatte, fragte ich mich: Was war denn da nur mit mir los? Ich verstehe mich immer besser. Es ist seltsam, aber mein Befinden ist sehr von der Wetterlage abhängig. Den Sturm habe ich vorausgespürt, manchmal spüre ich heftig Wetterfronten mehr als 48h voraus. Föhn, Westwind, Bise, Regenwetter, Schnee. .. In früheren Zeiten hätte ich damit Geld als "Wetterwahrsagerin" und Frühwarnsystem verdienen können

... Wenn dann mehreres zusammenkommt (den weiblichen Zyklus gibts ja auch noch) dann zittere ich innerlich wie Espenlaub und als wäre ich ans Stromnetz angeschlossen. Der Druck steigt und steigt ...

Und ich habe am Donnerstag zwei Telefonate erledigen können, die mir unangenehm waren. Telefonieren bei der Arbeit mag ich meistens nicht. Es ist zum Glück auch selten nötig. Immer wieder passiert es mir, dass ich mich dabei verhasple und ins Stocken gerate. Vor allem wenn ich jemanden nicht gut kenne. Im persönlichen Kontakt bin ich oft weniger gehemmt. Da ich aber nur per Mail mit meinen Kunden kommuniziere, ergibt sich selten Gelegenheit zum Kennenlernen. Zum Glück gingen die Telefonate recht flott und ich konnte souverän bleiben. Ein gutes Gefühl, das dann doch erledigt zu haben. Jede Angsthürde, die ich zu nehmen lerne, ist wertvoll.

Ich merke, dass es mir wichtig ist, meinen Teil bei der Arbeit zu leisten, die anderen nicht hängen zu lassen. Bei uns ist das ein gegenseitiges "Geschäft", es funktioniert. Auch ich werde unterstützt. Deshalb ist mir Konstanz wichtig, immer wieder aufzupassen dass ich nicht ausfalle, Routine zu gewinnen und auch zu merken, wann ich eine Pause brauche.

Mein Teil an Arbeit und Verantwortung ist grösser geworden, ich bin stärker geworden und ich arbeite seit Anfang Februar 80% (verteilt auf 5 Tage, vorher waren es auch 5 Tage, aber mit 70%). Dennoch definiere ich mich nicht über meine Arbeit. Mir ist es wichtig, dass ich konstant bleiben kann. Ich gebe nicht mehr Vollgas um dann in ein Loch zu fallen, sondern ich wäge besser ab, was drinliegt und kann nun auch besser Prioritäten setzen.

Ebenso froh bin ich, dass ich wieder einsatzfähig geworden bin, nach der Migräneattacke (war auch teilweise wetterbedingt). Die Erschöpfung ist da, ist vorhanden, ist auch normal in dieser Saison. Ich kann es einordnen, ich muss mich nicht mehr permanent fragen, was mit mir los ist.

Bei uns ist auf der Arbeit jedes Jahr volle Action um diese Zeit. Daher plane ich meinen Urlaub seit einigen Jahren entsprechend auf Anfang März. Ich würde sagen, es geht mir viel besser als in den Vorjahren. Da war ich mental meistens dermassen fertig, dass ich mich von Tag zu Tag geschleppt habe, immer unter Druck und gefühlt am Rande meiner Existenz. Jetzt bin ich einfach abgekämpft, aber ich fühle mich trotzdem lebendig.

Meine eigene Wahrheit nähren
Ich habe nun gelernt, auch unter diesem Druck, bei mir und meiner Wahrheit zu bleiben. Ich glaube mir selbst, vertraue mir selber mehr. Diese Wahrheit zu hüten, zu pflegen, sie zu nähren -- aber sie auch nicht jedem unter die Nase reiben zu müssen. Ich kenne mich, kenne meine Wahrheit. Ich erkenne mich und kann mich immer wieder auch anerkennen. Nicht jedes Hüsteln eines Kollegen hat mit mir zu tun, diese Paranoia hat sich gebessert.

Womit identifiziere ich mich? Mit meiner Stärke oder mit meiner Schwäche?
Das starke Gefühl von Unwert, von Scham, die ständige Bedrohung meiner (mentalen) Existenz konnte ich deutlich als Muster der Vergangenheit erkennen und sie auch dorthin verweisen. Hin und wieder kommt das alles hoch, es ist ein Teil von mir. Ich kenne und anerkenne meinen Weg, aber ich muss mich nicht selber bemitleiden. Was war, das war. Ich identifiziere mich nicht mehr damit!

Es gibt noch gewisse Überlebensmuster und diese werden gelegentich selbständig aktiv. Ich bin aber mehr als das. Viel mehr. Dies zu erkennen, war ein wichtiger Schritt, um mein Leben aktiv gestalten zu können.

Es war sehr viel Sortierarbeit und sie war mühsam, zeit- und kraftraubend. Ich bin froh, dass mein Lebensgefährte mir dabei geholfen hat. Ich habe nun seit 5 Jahren, seit ich diese Stelle habe, Meile um Meile zurückgelegt, um so weit zu kommen und ich war oft genug am Limit. Es ging mir _nicht_ in erster Linie darum, endlich ein "wertvolles Mitglied der Gesellschaft" zu werden. Ich habe die Arbeit nicht erfunden, Arbeit ist für mich kein Selbstzweck. Damit verdiene ich nur mein Geld. Ich war und bin auch sonst wertvoll. Arbeitengehen. Es geht mir weniger um Geld und Status, sondern darum, dass ich mit meiner Umwelt klarkomme.

Die Gedanken auf ihren Platz verweisen
Ich habe damit begonnen, meinen Gedanken von Unwert ein klares NEIN entgegenzusetzen, mich nicht mehr auf diese Nachtgespenster einzulassen. Der Paranoia habe ich erklärt, dass ich sie sehe, aber lieber selber überprüfe, wie sich die Dinge verhalten. Klarer zu kommunizieren, das kam nebenbei, weil die Selbsterkenntnis sich verbessert hat. Zu erkennen, dass meine Gefühle anderen Menschen gegenüber keineswegs konstant sind, war ein weiterer Mosaikstein. Genausowenig bin ich konstant mir selber gegenüber. Aber ich lass es jetzt eher mal stehen und steigere mich mit meinen Gedanken nicht mehr rein. Es zu erkennen, ist oft schon wichtig und reicht jetzt auch meistens aus.

Diesen übergrossen Weltschmerz will ich nicht mehr
Das Geschehen in der Welt begann ich bewusst auszublenden, weil es mir den Boden unter der Füssen wegnimmt. Stattdessen reduziere ich diese Form von Aussenreiz, so weit ich kann. Dies macht mich widerstandsfähiger. Wenn jemand in meiner Umgebung Hilfe benötigt, kann ich da sein.
Wenn ich in Weltschmerz verfalle, kann ich es nicht. Ich habe erkannt, das gewisse Formen von Trauer und Mitleid grosse Ressourcenfresser sind und ich meine Energie da nicht mehr reingeben will. Das hat mich etwas härter werden lassen aber auch klarer. Ich verschwende mich nicht mehr an jeden.

Ständige Betroffenheit -- will ich das denn?
Ich habe schon lange einige Vorstellungen von einem selbstbestimmten kreativen Leben, in dem mir nicht jeder Windhauch und jede Hürde zu schaffen macht, in dem ich nicht von allem und jedem, was um mich herum passiert "betroffen" und "mitgenommen" bin. Ich will doch endlich auch mal mein Potential leben!

Dieses Gefühl von Ausgeliefertsein und von Resignation hat mich schon so lange begleitet, dass ich wusste, _hier_ muss ich noch an mir Arbeiten. Manchmal dachte ich "das bin halt ich". Bis ich merkte: Nein, das ist vor allem Ballast. Sonst komme ich nie soweit, mein Leben zu schaffen oder Träume zu verwirklichen. Oder ich schaffe es irgendwie, aber das Leben fühlt sich nicht als meines an. Die Dinge geschahen mit mir in meiner Vergangenheiz -- und ich wusste nicht, wie ich meinem Leben Herrin werden konnte.

Als mir bewusst wurde, dass mich alles und jedes "mitnimmt", war mir auch klar, dass ich genau da ansetzen musste. Dieser Punkt, ständig ohnmächtig der Welt gegenüber zu sein, den wollte ich verbessern. Und daher bin ich an diesem Weg ins Arbeitsleben drangeblieben. Es wurde mir so deutlich klar, dass ich aus dieser Opfer- und Betroffnenhaltung rausmusste und dass dies nur über diese Konfrontation mit der Aussenwelt geht. Es waren teilweise sehr schmerzhafte Erfahrungen.

Ich habe mich sehr oft nach dem Schneckenhaus zurückgesehnt, inzwischen ist es besser geworden. Ich bin nicht teflonbeschichtet.Auch sensible Menschen haben einen Platz in dieser Gesellschaft. Davon bin ich überzeugt. Dafür wehre ich mich. Und das gebe ich auch an andere weiter.

- - -

Alles in allem gebe ich jeden Tag sehr viel, um weiter zu kommen, aber ich gewinne auch viel zurück. Die Bilanz ist ausgeglichen. Es fühlt sich weitaus besser an als all die Jahre zuvor.




Samstag, 27. August 2016

Ernüchterung und neue Chancen (Arbeit 2)

Hier gehts zu Teil 1

 

Ich war mal n Star, die Party ist vorbei

Im geschützten Arbeitsleben war ich sowas wie ein Star. Weil ich mich reingenkniet habe und endlich auch mal drangeblieben bin. Das konnte ich mir dann im normalen Arbeitsalltag ganz schnell abschminken. Als kleines Rädchen im Getriebe lobt dich selten jemand: Ach du tolles Rädchen, fein machst du das! 

Aber am Anfang war das ein Drama für mich. Darüber kann ich heute (liebevoll) grinsen.

 - - -

Es geht halt doch immer weiter, das schon. Aber WIE geht es weiter?! Immer mehr vom Gleichen bis zur Rente oder gibts da auch noch ein Leben? Krass ausgedrückt .. ;)

Dass ich nicht vorwärts komme ist auch nur ein Teil der Wahrheit. Meine Fortschritte bei der Arbeit sind immens. Was mir letztens mein Chef genauso gesagt hat. Und ich "weiss" es auch. Ich bin jetzt mehr als vier Jahre an dieser Stelle und bin eine ganz andere Frau geworden. Oder mehr die, die ich eigentlich bin.

Weil ich ganz viele Ängste abbauen konnte, und auch meine Kompetenz für diesen Job immer weiter ausbauen konnte. Nur ist er etwas ... beschränkt ... der Job. Ich unterschreite täglich meine (kreativen) Möglichkeiten, weil die Kunden es so wollen und nichts anderes gewünscht wird.

Ich schmeisse Werbung in die Welt, deren Inhalte ich wenig bis gar nicht mitbestimmen kann. Und ich habe keinerlei strategischen Einfluss auf diesen Prozess. Ich kann keine grösseren Entscheidungen beeinflussen oder treffen, auch nicht, was unseren Arbeitsbereich anbelangt.

Ernüchterung und neue Chancen (Arbeit 1)

Oder: Was die letzten 10 Jahre geschah


Per aspera ad astra -- hat das mein Vater einmal genannt, weil er es auch kennt.. Durch die Mühsal zu den Sternen. Und es passt wie die Faust aufs Auge.

Am Freitag hatte ich so einen Moment, an dem mir plötzlich bewusst wurde, wie viel ich schon an mir gearbeitet habe. Ich hatte einen ganz klaren Entscheidungsmoment -- wo ich mich für meine eigene Wahrheit entschieden habe (innerlich) und standhaft geblieben bin, in einer Situation, in der ich sonst in Panik verfalle. Das tat so gut.

Mir ist klargeworden, dass ich sehr viele "vernünftige" Entscheidungen getroffen habe die letzten Jahre. Erst kamen die beruflichen Abklärungen für psychisch Angeschlagene (2006). Die Berufswahl war ein besserer Kompromiss. Ich wollte die Lehre unbedingt im geschützten Bereich absolvieren und da sind die Berufe nicht so vielseitig. Die Lehre durchzustehen war ein Knochenjob (aufgrund meiner Ängste) und der Suizid meines Bruders fiel genau in den Beginn meiner Lehre (Herbst 2007). Ab da hab ich mich nur noch mehr reinversenkt. Da war dieses Gefühl von "jetzt erst recht". Ich war wirklich verbissen. Manches habe ich nur noch im Tunnelblick erlebt. Doch ich habe meine Erstausbildung mit 32 Jahren auf diese Weise abgeschlossen. In dem ich drangeblieben bin. Mir haben sehr viele Menschen geholfen, dass ich die Spur nicht verloren habe. 2010 war ein Scheissjahr, aber irgendwie ging auch das vorüber ... seither nehme ich halt wieder ein Medikament für die Psyche.  Ich habe 2011 eine vollwertige vierjährige Lehre abgeschlossen. Nur die praktische Prüfung, da hats vor Prüfungssstress haarscharf noch für "genügend" gereicht. Trotz guter bis sehr guter Leistungen über die ganze Lehrzeit.

Die Spur habe ich nie komplett verloren. Auch dann nicht, als ich 2012 den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt geschafft habe. Vorher bekam ich noch ein Coaching, damit ich mich darauf vorbereiten konnte. Also auf den Schritt vom geschützten Bereich in die Freie Wildbahn (alias freier Arbeitsmarkt). Ich habe sehr viel Hilfe bekommen und auch die Zusammenarbeit mit den Fachpersonen und Ämtern habe ich als hilfreich und konstruktiv erlebt. Mir wurde wirklich Verständnis entgegengebracht. Horrorgeschichten habe ich keine erlebt.

Die Angst ist trotzdem meine ständige Begleiterin. Und ich versuche, mich mit ihr zu arrangieren.

Donnerstag, 4. August 2016

Traurigkeit



Ich weiss nicht genau, welchen Moment sie genutzt hat, um einzutreten, nun ist sie da. Die Trauer.

Ich lebe nicht das Leben, das ich gerne leben möchte. Was mich gerade schmerzt. Es fühlt sich stumpf und abgenutzt an. Und ich weiss, dass ich das JETZT ändern muss, beginnen muss, das zu ändern. Weil es sonst weiter runter geht.

Ich will mein Leben nicht ewig auf "später" verschieben (wenn ich noch "stabiler" bin etc. haha) und immer vernünftig sein (ja nur nicht übertreiben), stets mit allem und jedem Mass halten, nur weil ich ein paar seelische Handicaps habe. Ich verzichte bereits auf genügend Dinge/Events/Aktivitäten, weil ich weiss, dass diese mir schaden oder die Zeit bei mir noch nicht reif ist dafür.

Die seelischen Handicaps/Altlasten schränken mich zwar ein, doch ich will mich trotzdem nicht aufhalten lassen. Ich möchte mich endlich wieder mal richtig lebendig fühlen. Mit der Vergleicherei (mit anderen in meinem Alter) aufhören. Und mich an meinem Können freuen, dass definitiv da ist und ausgebaut werden will.

Trotz all meinen Ängsten möchte ich jetzt endlich auch auf der beruflichen Ebene mehr Zufriedenheit erreichen. Ich habe den Eindruck, unter meinen Niveau zu leben. Nicht vom Finanziellen her, sondern von den Inhalten, mit denen ich mich beschäftige. Das ist nicht meins. Definitiv nicht mehr. Gewogen und für zu leicht befunden!

Ein lauwarmes Leben, ein halbwarmes Gefühl. Mein Blog habe ich damit nicht behelligt, da ich es mit mir selber ausmachen wollte -- und nicht in der relativen (Welt-)Öffentlichkeit des Blogs.

Nun drängt es mich aber, es auch hier festzuhalten. Auch aus dem Grund, dass ich es dann nicht mehr übersehen kann und ich mich "geoutet" habe ;)

Habe in den letzten Jahren das meiste in meinem Leben der Balance untergeordent (fit und stabil genug bleiben, Schlafen, Essen, Arbeiten, Urlaub) und der Vernunft. Und jetzt sehne ich mich nach den roten Schuhen*. Den selbstgemachten bitteschön. Das Verlangen nach Exzessen hält sich inzwischen in Grenzen. Ich mag es inwzischen, das Leben wachsen selber zu lassen -- statt nur nach den roten Früchten zu greifen.

Warum halte ich es dann unter Verschluss?!
Warum halte ich mich selber unter dem Deckel ...
... Seufz ...

Für mich kommt es auch nicht überraschend, dass dieses Leben wie ich es führe, jetzt auf dem Prüfstand steht. Dezent hat sich das schon länger abgezeichnet. Gewusst habe ich es auch, dass so ein "normales" Arbeitsleben für mich eben nicht ausreicht, mich nicht ausfüllt. Da muss Leben in der Bude sein! Da muss es doch mehr geben als das tägliche Bild in Grautönen und Pastell ..

Das letzte Mal, dass ich mich wirklich freu und gut gefühlt hab, war mit meiner alten Schulfreundin, als wir vor einiger Zeit klönend im Gras lagen. Oder als ich mit anderen Zeit verbracht habe.

Mit anderen etwas erreichen, das wünsche ich mir.
Mit anderen, die auch lebendig sind!

Habe mich ganz in der täglichen Routine verkrampft. Und wage mich keinen Schritt mehr weiter. Obwohl es Visionen gibt, von einem besseren Leben, einem, in dem ich mehr aus meinen Stärken heraus leben kann.

Was mir eben auch bewusst ist, deutlich bewusst, sind meine Grenzen -- und deshalb schwanke ich. Das stecke ich Neues oder Unvorhergesehenes nicht einfach weg. Da kann mich Kleinstes nachhaltig und hinterhältig erschüttern und verunsichern.

Es ist eben nicht so, dass alles "schon mit der Zeit kommt". Es gibt Bereiche, da konnte ich nichts Stabiles aufbauen bis jetzt, weil die Sicherheit immer wieder wegbricht. Einmal Erreichtes, das an einem schlechten Tag plötzlich unerreichbar wird, mir unter der Händen zerbröselt, als wärs nie dagewesen. Da ist dann wieder Aufbauarbeit gefragt.

"Sie möchte am liebsten immer wieder von vorne anfangen", so hat es einer meiner Lehrmeister liebevoll und wohlmeinend ausgedrückt. Und er hatte recht. Wenn das Selbstvertrauen weg ist, kann ich scheinbar GAR NIX mehr. Black- und Whiteouts treten auf und dann ist da nur noch Rauschen.

Das kann mir jederzeit passieren. Da müssen nur ein paar Auslöser zusammentreffen und dann ist alles weg. (Scheinbar). Blockaden, Ängste und massive Selbstzweifel treten manchmal auch in der Freizeit auf. Das ist nicht mal davon abhängig, wie anspruchsvoll die Tätigkeit ist, mit der ich mich gerade beschäftige. Es ist mehr meine mentaLe Verfassung und die jeweilige Umgebung (inkl. Mitmenschen).

- - -

Die feine Art der Traurigkeit, die stille und doch so grosse Sehnsucht in mir nach "mehr" -- die überraschen mich in ihrer Heftigkeit dann doch. Dass etwas so Feines so stark sein kann. Das ist keine Flucht in Tagträume mehr -- das ist ein ausgewachsener Hunger nach Leben!

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Ich habe, vor lauter Erleichterung darüber, ein Leben wie die anderen zu führen, endlich führen zu können, meine innere Stimme schon länger unterdrückt.

So im Sinne von: Das muss doch jetzt reichen.
Nein tut es eben nicht! Ganz und gar nicht ..

Habe auch verdrängt, dass ich so ein Leben gar nie angestrebt habe. Ich habe gemacht, was ich den Eindruck hatte, was man von mir erwartet.

- - -

Und was erwarte ich eigentlich von mir?!
Kommt da plötzlich eine lustvoll-sinnige Frage aus meinem Innern ...

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Das wäre dann auch eine erste Antwort auf eine der beiden Fragen, die ich mir im vorletzen Post gestellt habe: Was brauche ich auf meinem beruflichen Weg?

Lebendigkeit,
Leben,
Freude!

Ja ...






*Die roten Schuhe -- ein Märchen von Hans Christian Andersen

Samstag, 3. Oktober 2015

Arbeitsintegration -- eigener Druck -- Handicaps -- Arbeit an mir selbst

Freitag, 7. August
An einem Tag wie heute wäre ich früher daheim geblieben. Jetzt bin ich da, bin bei der Arbeit, und versuche das Beste daraus zu machen. Es sind auch meine hohen Ansprüche an mich selbst, die den Druck auslösen. Wenn ich im Kopf keine Klarheit habe, fühle ich mich unsicher. Es hat mit dem alten Gefühl des Ausgeliefertseins zu tun, und mit dem Bedürfnis, mich schützen zu wollen. Aber manches klärt sich eben erst mit der Zeit. Es hilft mir, wenn ich eins nach dem anderen mache, mehr können andere auch nicht tun :)

Diesen Text liess ich unveröffentlicht, bin aber heute wieder darauf gestossen und finde ihn wichtig. Dass ich mir selber den meisten Druck mache, wurde mir erst mit der Zeit klar. Zum Glück ist mir das bewusst geworden. Ich bin heute so stabil und routiniert, dass ich auch die weniger guten Tage bei der Arbeit meistern kann.

Dieses Jahr hatte ich noch keinen einzigen Fehltag aus psychischen Gründen. Die letzten Jahre waren es immer mehrere Tage, an denen ich ausfiel. Einmal konnte ich aus Angstgründen kaum das Bett verlassen.

Dieses Jahr war ich zweimal krank, einmal erkältet und einmal grippig. Da ich bei der Grippe auch Fieber hatte, blieb ich einige Tage daheim. Das dauerte aber insgesamt einige Wochen, bis ich mich wieder richtig erholt hatte. Die Erkältung war zwar heftig, aber ich bin trotzdem zur Arbeit, da dort gerade Not an der Frau war. Nicht dass ich das propagiere, krank Arbeiten zu gehen, aber ich kann nun verstehen, dass man sein Arbeitsumfeld nicht hängen lassen will.

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Ein Handicap im Arbeitsleben war lange noch mein Selbstmitleid und mein Opfergefühl. Aus dem geschützten Arbeitsumfeld war ich mir gewöhnt, ein "Star" zu sein und immer wieder Lob für meinen Einsatz zu erhalten. Dieses "Gestreichel" fiel dann im normalen Arbeitsumfeld weg. Daran hatte ich zu knabbern .. Den Selbstwert beziehe ich seither viel mehr aus mir selbst. Das musste ich erst lernen.

Für mich war diese vorherige Phase im geschützten Umfeld, die immerhin 5 Jahre gedauert hat, wichtig gewesen, denn ich bekam wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten. Durch Coachings wurde ich nach und nach mutiger. Aber dieses geschützte Umfeld hat seine eigenen Mechanismen und Tücken. Eine behütete Pflanze aus dem Treibhaus muss auch einmal ins Freiland .. so drückte es eine meiner fachlichen Begleitpersonen aus. Wie recht sie mit diesem Symbol hatte, das fällt mir erst im Nachhinein auf!

Ich habe Mittel und Wege gefunden, wie ich mich heute auch in schwierigen Zeiten entlasten kann. Das habe ich intus. Dabei hat mir auch die langjährige Psychotherapie geholfen (abgeschlossen 2013). Unter anderem bin ich auch so weit, dass ich es meinem Umfeld bei der Arbeit sage, wenn es mir nicht gut geht. Da ich ansonsten zuverlässig und genau arbeite, kommt auch mein Chef damit klar. Ich habe schon bei der Bewerbung und beim Vorstellungsgespräch keinen Hehl aus meiner lückenhaften Arbeitsbiografie und psychischen Schwierigkeiten der Vergangenheit gemacht -- und stets mit offenen Karten gespielt.

Meine guten Leistungen in der Berufsschule und einige gewonnene Gestaltungs-Wettbewerbe halfen dabei sicher mit. Ich bin froh, dass die Schule mir leicht fiel und ich damit einen Leistungsausweis hatte, denn für mich konnte ich mir kein anderes Vorgehen vorstellen als bei einem Vorstellungsgespräch ehrlich zu sein. Und da gehört eben meine gewundene Biografie dazu.

Erstaunlich dass es auf diese Art und Weise geklappt hat. Da kam mir auch viel Wohlwollen von seitens meines Arbeitgebers entgegen. Das muss auch gesagt werden! Eine solche Chance auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten, ist nicht selbstverständlich.

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Trotzdem war der Einstieg für mich eine harte Zeit. Meine Befindlichkeit wurde unwichtig und die Arbeit rückte in den Vordergrund. Kunden wollten zufrieden gestellt werden, Arbeiten speditiv und doch genau erledigt werden -- und das forderte mich heraus. Es sind nun 3 1/2 Jahre an diesem Arbeitsplatz, eine Zeit in der ich viel an mir und meinen Ängsten, auch meinen Eitelkeiten, meiner Egozentrik, gearbeitet habe. Es gab und gibt Krisen -- aber ich habe heute das Rüstzeug dazu, diese zu meistern. An schwachen Tagen schaue ich heute noch, wie ich mir selber helfen kann -- zB genaue Prioritäten setzen und auch mal fünfe grade sein lassen. Mich macht es Stolz, dass ich meinen Lebensunterhalt selber verdienen kann.

Es ist nicht immer nur das (Arbeits-)Umfeld, das den Einstieg schwierig macht. Man steht sich oft auch selbst im Weg. Psychische Krankheit kann wirklich egozentrisch machen .. die Gedanken kreisen stets um einen selbst oder um die eigene Wirkung nach aussen. Bis zum Exzess: Nachdenken hat einen grossen Teil meiner Kraft und Zeit in Anspruch genommen. Das Grübeln musste ich mir wirklich abgewöhnen! Die Gedanken immer wieder ins Konstruktive lenken -- oder sie einfach laufen lassen ohne ein Drama daraus zu spinnen.

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Die Rente, die ich zusätzlich bekomme, macht nur 10% von meinem gesamten Verdienst aus. Ich verdienen einen Lohn, der unter dem schweizerischen Mindestlohn liegt, da ich nur Teilzeit arbeite. Ein 100% Pensum lassen meine Kräfte (noch) nicht zu. Mit meiner Erwerbsminderungsrente, damit decke ich nicht mal die monatliche Krankenkassenprämie. Trotzdem fühle ich mich reich. Ich habe einen langen Weg hinter mir und ich fühle mich in der Gesellschaft angekommen. Nach und nach entfalte ich mich und ich freue mich darauf, noch mehr bei mir und meinen Fähigkeiten anzukommen. Denn ich spüre, da geht noch was ...


Samstag, 7. März 2015

Wieder mal geschafft - Auszeit für die Seele

Nun ist es endlich soweit, und ich kann zwei Wochen ausspannen. Ich freue mich so an dieser freien Zeit. Das ist Gold für mich. Um mehr Abstand und einen klaren Kopf zu bekommen, ist eine Flugreise geplant. Am Montag fliege ich mit meinem Lebensgefährten für 12 Tage nach Teneriffa.

Dass ich nun die Zeit bis zu meinen Ferien doch noch geschafft habe, hat mich selber erstaunt. Keine Fehltage gehabt bei der Arbeit seit Anfangs Jahr. Im Gegenteil. Noch nie hatte ich soviel Überzeit. Nicht dass ich es darauf angelegt habe. Es war einfach zuviel Arbeit. Und ich wollt nicht alles meinem Kollegen überlassen.

Ich kann inzwischen mehr leisten bei der Arbeit und ich tue es auch. Es ist ein ständiger Balanceakt und ich habe die letzten Monate kräftemässig oft am Limit gelebt. So richtig ermessen kann das nur ich selber. Ich glaube nicht, dass meine Umgebung (auf der Arbeit oder auch privat) das richtig versteht. Privat habe ich niemanden, der mich wirklich unterstützt. Ausser meinem Lebensgefährten, der mich kennt und versteht wie niemand anders es tut. Meine grösste Hilfe in meinem Leben.

Ich war sehr erschöpft in letzter Zeit, was man wohl auch an meinen Posts gemerkt hat. Zeitweise fiel es mir einfach nur schwer, den Kopf oben zu behalten und weiterzumachen.

Zeitweise wollte ich einfach nicht mehr (so) weitermachen. Doch die Zeiten der Verweigerung sind vorbei. Die Zeiten von verbrannter Erde und abgebrochenen Brücken hinter mir. Das ist mir zu extrem. Das macht zu vieles noch schwerer. Zerbrochenes Geschirr und schnelle Fluchten haben mich bisher auch nicht weiter gebracht. Ich bin zu oft aus schwierigen Situationen abgehauen. Seit fast 10 Jahren stelle ich mich nun meinen Ängsten, denn 2006, da begann mein Weg in die Arbeitswelt. Einer Welt die ich immer noch als "draussen" empfinde und in der ich oft fremd bin.

Mein Selbstvertrauen wächst in kleinen Schritten. Wirklich langsam. Es gibt immer wieder Tiefs. Die Ängste sind meist nur einen Schritt weit weg. Die Hektik und Oberflächlichkeit des modernen Lebens ist nicht mein Ding. Sie stressen mich. Es wird oft schnell entschieden und gehandelt ohne längerfristigen Plan dahinter. Ich bin eher bedächtig. Manchmal auch im Denken bei der Arbeit. Manche würden es "langsam" nennen. Doch meine Arbeit hat Qualität, ich denke mit bei Prozessen, denke voraus --- und habe den Kunden und seine Zufriedenheit im Sinn.

Perfekte Arbeit abzuliefern ohne dass es auch zwischenmenschlich passt, ist nicht meine Sache. Ich habe viele positive Feedbacks diesbezüglich bekommen in letzter Zeit. Meine Arbeit wird von den Kunden geschätzt. Vor der "Sache" kommt bei mir immer der Mensch.

Auch ist mir bewusst geworden, dass ich eher jemand bin, der im Hintergrund wirkt. Ich bin in der zweiten oder dritten Reihe wohl, oder auch weiter hinten, und bin keine Frau für die "Front". Ich stehe mehr für Konstanz und Überlegtheit als für schnelle Aktionen.

Ich weiss, dass es wieder besser kommt in meinem Leben. dass ich meinen Platz finden werde. Ich ruhe in mir selbst und ich fühle mich beschützt und begleitet. Ich habe ein gutes Gefühl für mich selbst und auch für andere. Dies wird mir die Zukunft weisen.




Mittwoch, 4. März 2015

Nach der Krise

.. ist immer vor der Krise? Irgendwie habe ich mich daran gewöhnt. Allerdings sind diese letzten 3 Jahre (Einstieg ins Arbeitsleben) hartes Brot gewesen und nach wie vor ist an jedem Brot mehr Kante als Weiches dran. Scheint mir. Ich bin nicht hart im Nehmen. Bin oft zu ernst. Bin schnell mitgenommen. Ich lebe damit. Der letzte Post ist ein Beispiel, wie ich mich täglich auf die kleinen Dinge fokussiere. Denn diese Kleinigkeiten helfen mir dabei, nicht unterzugehen. Schönheit finden. Interessantes entdecken.


Mache auch kleine kreative Fingerübungen. Immer wieder. Ich schreibe nicht mehr gerne in mein Blog, weil ich mich gerade nicht mehr erklären mag. Einen auf heiter zu machen gelingt mir auch nicht so recht. Ich hab momentan nicht viele Antworten.


Samstag, 22. Februar 2014

Welches ist dein Handicap?

Nicht beim Golf, sondern im normalen Leben!

Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass wir alle Handicaps haben. Grössere, kleinere. Sichtbare, unsichtbare. Die Frage ist: Wie gehe ich damit um? Bei mir, bei anderen .. Wie gehen andere mit mir um? Und ich selber?

Als menschliches Wesen das direkt von einer "Leistungseinschränkung" betroffen ist, habe ich viel Gelegenheit, selber Erfahrungen mit Handicaps zu machen. Bei mir sind sie psychisch bedingt. Unsichtbar, meist.

Ich wollte schon länger darüber schreiben, bin aber erst heute im Netz durch diese Kampagne von pro infirmis wieder aufs Thema gekommen. Interessant auch die Reaktionen im Web auf diesen Film und die Kampagne. Meinungen wie "Die Behinderten werden blossgestellt" tauchen auf. Was ich seltsam finde. Es handelt sich bei den Teilnehmenden ausnahmslos um erwachsene, mündige Menschen, die freiwillig mitmachen!

Mich hat Jasmin Rechsteiner, Miss Handicap 2010*, sehr beeindruckt. Sie machte bei der Kampagne auch mit. Ich traf sie vor ein paar Jahren sie als Ehrengast an der Lehrabschlussfeier meiner Ausbildungsstätte und sie überreichte mir persönlich mein Lehrabschluss-Diplom. Mich hat diese Frau fasziniert. Da ist eine sehr starke Präsenz und Charisma spürbar. Ansteckend! Und natürlich ist sie sehr sehr hübsch .. :)

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Da ich körperlich keine Handicaps habe, spüre ich bei körperlichen Krankheiten und auch bei Behinderungen Hemmungen. Sie sind mir fremd. Seltsam auch, wenn jemand eine Etage tiefer sitzt, im Rollstuhl. Die Blickkontakte gestalten sich ganz anders.

Bei geistig behinderten oder spastisch gelähmten Menschen spüre ich ebenfalls Hemmungen, abrupte Bewegungen und laute Schreie ängstigen mich. Wie begegnen? Selber ruhig bleiben. Wahrscheinlich könnte ich es lernen.

Spüre ich, dass ich bei psychischen Schwierigkeiten anderer Mühe hab, ziehe ich mich zurück. Ich weiche aus, um nicht reingezogen zu werden. Manchmal, wenn es passt, biete ich anderen Hilfe an. Ich muss aufpassen, dass ich mich dann mit den Problemen anderer nicht überfordere. Gebranntes Kind in dieser Hinsicht.

Bei manchen Menschen spürt man genau, dass sie mit sich selber und ihren Handicaps im Reinen sind, bei anderen ist das Gegenteil der Fall. Ich bin auf dem Weg. Mal geht es besser, mal weniger gut. Dass ich heute mit meiner eigenen Biografie, auch im Berufsleben, offener umgehen kann, das musste ich erst lernen. Die Worte fehlten mir früher oft. Oder sie waren da, fanden aber nicht den Weg nach draussen!

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Meinen Platz in der Gesellschaft habe ich mir erobert, ich gehe seit 2,5 Jahren als gelernte Berufsfrau durchs Leben. Seit fast 2 Jahren habe ich eine Teilzeitstelle in der freien Wirtschaft. Zur Zeit arbeite ich 70%. Mehr geht nicht. Schon das ist für mich am tatsächlichen Limit. Was mir finanziell zu Leben fehlt, bekomme ich vom Staat als Rente, es sind etwas über 4000 CHF im Jahr.

In der Vergangenheit habe ich sehr viel Hilfe bekommen: Von Ämtern, von Menschen in meinem Umfeld, durch staatliche Gelder, Ärztinnen, Therapeutinnen und Coaches. Ich gebe und tue mein Bestes. Seit 10 Jahren habe ich einen lieben Lebenspartner, der mir nach Kräften hilft, wenns nötig ist – und vor allem lachen wir sehr viel zusammen. Auch er hat keine 0815-Biografie. Vielleicht ist genau das so wichtig und richtig?! Er meint, auch ich habe ihm bei vielem geholfen, was ich manchmal gar nicht glauben mag.

Ich brauche immer weniger Hilfe, und das ist gut so. Momentan bin ich kräftemässig aber am Limit. Noch weiss ich nicht genau, wie ich da wieder rauskomme. Ich weiss einfach, dass es sich lohnt, dranzubleiben, auch bei der Arbeit, doch ich bin so müde. Meine eigenen Leistungsideale, schwierige Kunden, die zur Zeit unüberschaubare Arbeitsmenge ... Ich weiss, es geht vielen anderen ebenfalls so, die beruflich leistungsfähiger sind. Die Welt dreht sich immer schneller. Selbst in der Freizeit. Zuviel Leistung macht doch schlicht krank! Ich glaube, dass gerade Herzprobleme, Depressionen und Ängste die Kehrseite dieser Medaille sind.

Sind wir Menschen dabei, uns gerade selber abzuschaffen?
Checken wirs noch nicht … aber vielleicht bald, gezwungenermassen?

Ich bin überzeugt, dass alle einen Platz in unserer Gesellschaft verdient haben. Aber es wird immer mehr selektioniert. Leistung überall. Das fängt ja heute schon im Mutterleib an: Lebenswertes Leben oder dem Tode geweiht? Weiter gehts mit Spielgruppe, Kindergarten, Schule: Ist dein Kind passend zum Mainstream oder ist es ein behindernder Störfaktor den man ruhig stellen muss?…Rasend gehts weiter in Ausbildung und Beruf. Blöd nur, wenn du nicht arbeiten kannst oder krank bist; denn du rentierst dann nicht, du Kostenfaktor!!

Wenn sich mehr Menschen zu ihren Handicaps bekennen würden, zu Stärken und Schwächen gleichzeitig stehen würden, wäre die Welt ein besserer Ort. Sich ernst nehmen, andere ernst nehmen. Das würde auch dieses verdammte Leistungsideal relativieren und Menschen dürften einfach auch mal Menschen sein. Einfach sein!

Deshalb finde ich die Kampagne von pro infirmis gut. Ohne wenn und aber. Weil sie die Augen öffnet! Ich bin sehr dankbar dafür.

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* Über Sinn oder Unsinn von Misswahlen und anderen "Leistungsschauen" mag ich hier nicht schreiben.






Samstag, 19. Oktober 2013

Ein neuer Tag und ein Rückblick

Das Einschlafen gestern war nicht so leicht. Ich war noch so aufgewühlt. Mein Freund erzählte mir dann eine einschläfernde Gutenachtgeschichte, bunt gemischt aus all den Tiersendungen, die wir zusammen im Fernsehen gesehen haben … Zwischendurch kicherte ich. Er ist ein lustiger Erzähler. Das half.

Heute ist er auf der Arbeit und ich mit meinen Gedanken allein. Ich fühle mich heiterer und gelöster, die Ängste sind trotzdem da. Damit sie mich nicht zu sehr fordern, schreibe ich sie lieber auf.

Vernünftig – das war ich die letzten 7 Jahre. Ich habe mich der Notwendigkeit gebeugt, eine Berufslehre anzufangen und durchzuziehen. Der vierte Anlauf. Die bisherigen Versuche scheiterten an meinen Ängsten.

Der Staat half mir dabei. Sponserte mich. Coachte mich … Die Abschlussprüfung habe ich, als fleissige Schülerin, knapp vergeigt: ungenügend. Die Angst war zu gross. Ich war blockiert. Beim Nachkorrigieren haben sich zwei übersehene Punkte zu meinen Gunsten geändert. Ich kam mit der Mindestnote durch – und war nun Berufsfrau.

Die Angst war damit nicht weg, im Gegenteil. Frühzeitig gleiste ich mit staatlicher Hilfe (Schweizerische Invalidenversicherung) eine "Nachsorge" auf. Für die Stellensuche bekam ich einen Coach an meine Seite. Er organisierte für mich Trainingsarbeitsplätze – und die Stellensuche lief nebenher. Das hat sich als die richtige Strategie herausgestellt: Kleine Schritte, ein überschaubarer Rahmen, nahe Ziele. Meine Wahnsinnsangst* blieb dadurch vorhanden, doch ich konnte mit ihr umgehen. Nach 8 Monaten zermürbender Stellensuche fand ich tatsächlich eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt. Die wollten MICH! Und dort arbeite ich nun seit 1,5 Jahren …

Die ersten paar Monate waren recht easy und ich wiegte mich in Sicherheit. Es kam gut. Ich stand zwar unter Stress, doch die Auftragslage war ruhig und die Einarbeitungszeit fruchtete. Ich verdiente mit fast 33 Jahren zum ersten Mal in meinem Leben meinen kompletten Lebensunterhalt! Mit dem ersten Lohn lud ich meinen Freund zu Kaffee und Kuchen ein – und wir machten einen Wochenendtrip …

Danach kam ein grosses internes Projekt, an dem ich nicht direkt beteiligt war, das aber viele Kräfte in unserer Abteilung bündelte und (übermässig) forderte, so dass ich eine grössere Verantwortung und mehr Arbeit bekam. Meine Stellenprozente stockte ich von 50 auf 70% auf. Zu dem Zeitpunkt wusste ich bereits, dass dies ein Risiko ist. Jedoch war ich mit 50% zuwenig gefordert. Vor allem da sich meine Arbeitszeit auf 5 Tage die Woche erstreckt, ich also jeden Tag nur wenige Stunden dort war.
Gleichzeitig merkte ich, das der berufliche Einstieg mich mehr Kräfte gekostet hat, als ich zugeben wollte. Ich steuerte auf eine Krise zu. Da ich das länger verdrängt und vor mir selber runtergespielt hab,  erlitt ich einen körperlichen Zusammenbruch. Danach stieg ich aber wieder ein.

Das grosse Projekt in der Firma artete immer mehr in eine Art Stellungskampf aus. Die Nachwehen zogen sich bis in den Frühsommer dieses Jahres. Mein direkter Arbeitskollege, mit dem ich ein 2er Büro teile, erlitt ein Burnout, vor allem seelischer Natur. Ich sass nebendran und litt mit. Es schlauchte uns beide. Die Arbeit zog er aber weiter – und ich auch. Ich bekam immer mehr Angst vor seinen Launen. Dieses Projekt ist nun durch, die nächsten stehen an. Und ich fürchte mich jeden Tag, dass es wieder so schlimm wird wie beim letzten Mal.

Am Montag habe ich Mitarbeitergespräch mit meinem Chef und ich bin gespannt, zu wie viel Klartext ich in der Lage bin. Zu verlieren habe ich nichts. Ich war die letzten Tage ganz unten. Diese ganzen Monate haben einfach einen zu grossen Tribut gefordert. Ich erwarte mir mehr Rückhalt für unser Team, intern.

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Wahnsinnsangst* = Angst vor dem Ausgeliefertsein, Angst vor Bestrafung, Angst vor Autorität, Angst vor Denkblockaden aus Stress, …

Freitag, 18. Oktober 2013

Tretmühlentage

Bevor ich es nicht selber erlebt hab, konnte ich meinen verstorbenen Bruder nur zu einem Teil verstehen. Warum konnte er den Druck bei der Arbeit nicht abbauen, wieso konnte er das nicht mit seiner Chefin klären? Ich mache meistens irdgendwann den Mund auf. In letzter Zeit immer weniger. Weil ich mich ratlos fühle.

Jetzt verstehe ich es besser: Wenn man mal in dieser Tretmühle namens Arbeitsleben drin ist, Teil eines Teams ist und auch sein will, dann will man auch mitziehen können, möchte nicht das schwächste Glied in der Kette sein. Vor allem wenn man pflichtbewusst ist. Und das ist meine Familie. Die anderen Kollegen bewältigen die Arbeit ja auch, dann muss man das selber doch ebenfalls können. Das muss einfach zu schaffen sein ... Das muss muss muss.

In der Freizeit versucht man sich abzulenken, so gut es geht. Beim Bruder waren es die Wochenenden: Alkohol, Ausgehen und Musikmachen. Bei anderen in meiner Familie ist es das Reisen … Und das exzessiv. Ich selber versinke vor dem Fernsehen, in Büchern oder im Internet.

Mit meinem Vorgesetzten hab ich ein paar Mal bereits geredet. Er hat Verständnis. Und besteht dann doch darauf, dass dieses und jenes noch erledigt wird, auch wenn ich geistig bereits im Feierabend bin. Wie Chefs eben so sind. Selber Priorisieren zu dürfen, das wär mal was …  Er fragt zwar immer nach, ob er was tun kann oder ob es mit der Arbeit zu tun hat, wenn es mir mal nicht gut geht. Ich antworte ausweichend, spreche Manches an, eher die Details. Ans Eingemachte traue ich mich nicht ran.

Da es auch Persönlichkeiten und Strukturen in unserem Team und in der Firma betrifft. Das ist mir ein zu heißes Eisen. Da hab ich weder das Selbstvertrauen noch den langen Atem, um das Auszufechten. Menschen und Abläufe ändern sich nicht einfach so. Ich fühle mich müde, habe immer wieder mich mit vielem auseinandergesetzt. Meist hab ich auch etwas bei mir geändert. Ich mag nicht mehr. Mag mich nicht mehr auflehnen, mich aber auch nicht mehr anpassen.

Pattsituation.

Freitag, 28. Dezember 2012

Raus aus Angst und Ohnmacht (4)



Zu Teil 1
zu Teil 2
zu Teil 3


Auftrieb
Die Lehre verlieh mir Auftrieb. Ich ging mit Leuten in die Berufschule die 10 Jahre jünger waren als ich. Das forderte mich heraus. Es war wie ein Nachholen meiner Jugend, endlich war ich einmal Teil einer Gruppe ... Die Lehre war aber auch anstrengend. Ich hatte nicht mehr viel Energie für meine Freizeit und andere Menschen. Ich konzentrierte mich ganz auf meinen Weg. Alles andere blendete ich aus. Das war meine Chance, diese Ausbildung, die wollte ich packen. Ich wusste, dass ich einen weiteren Anlauf wahrscheinlich nicht mehr nehmen würde.

Abschied in Trauer – und Wut
Mein Bruder. Ich hatte mir eingeredet, dass er es schon schaffen würde, schliesslich hatte ich es ja auch geschafft! Doch er hat aus seinen Schwierigkeiten keine Konsequenzen gezogen, hat professionelle Hilfe verweigert. Unsere Gespräche halfen ihm jeweils für eine Weile. Doch heftiges Partymachen und nächtelang seine Musik aufnehmen und sampeln plus eine Ausbildung, davon brachte ich ihn nicht ab. Wenn ich ihn traf, war er oft verkatert, vorallem an den Wochenenden. 

Er wurde müde, zu müde zum Leben. Dann nahm sich mein kleiner Bruder mit 23 Jahren das Leben … 

Das beschäftigt mich bis heute. Obwohl ich der Überzeugung bin, dass jemand auch aktiv etwas für sich tun muss, wenn man ihm die Chance bietet. Seine Verweigerung seine Probleme anzugehen, das löste in mir Hilflosigkeit und auch Wut aus. Warum machte er einfach so weiter? Ich verstand es nicht und kümmerte mich wieder mehr um mich. Bis heute weiss ich nicht, ob er es spontan entschied oder plante.

Ich verdränge einen Teil davon bis heute. Und ich glaube daran, dass jeder Mensch für sich selber verantwortlich ist. Stark sein für andere, das kann ich nicht, so bin ich nicht gebaut. Sonst hätte ich selber keine Energie mehr. Es kommt alles immer wieder stückweise aus der Erinnerung hoch. Auch bei ihm kam der Knick in der Pubertät und mit dem Eintritt in die Erwachsenenwelt. Vorher war er ein Strahlemann und Goldjunge gewesen, immer fröhlich. Bis die Schwermut durchschlug …

Ich bin immer noch hin und hergerissen zwischen Wut und Trauer. Er war kein einfacher Mensch. Ich vermisse ihn.

Weitermachen!
Das geschah im dritten Monat meiner vierjährigen Ausbildung. Nur nicht zur Besinnung kommen! Das war danach mein Motto. Ich stürzte mich erst recht in die Arbeit und Ausbildung. Obwohl ich immer weniger Energie hatte ging es bis zu meiner Krise 2010 (letztes Ausbildungsjahr) auch einigermassen gut. Dann war ich so erschöpft und leer und wünschte mir den Tod. Einfach Ruhe. Aktiv wurde ich in dieser Hinsicht nicht. Eher total passv. Ich wollte nur nicht mehr. Seither nehme ich wieder Psychopharmaka. Ansonsten hätte ich die Ausbildung aufgeben müssen. Das war aber der rote Faden in meinem Leben. Etwas woran ich mich festhielt.

Selbstbestimmung
2010 wechselte ich von meiner Psychologin zu einer Psychiaterin. Es war ein Abschied nach 13 gemeinsamen Jahren. Die Ärztin begleitete mich durch die Krise und von ihr erhielt ich nun auch wieder ein Medikament. Ich rang massiv mit mir selber, sollte ich wirklich wieder etwas nehmen? Doch weiter runter ging es nicht mehr – ich wollte wieder Leben in mir fühlen.

Dabei ist es mir diesmal wirklich gelungen, eine gute Verhandlung mit der behandelnden Psychiaterin zu führen: Was für ein Mittel? Wogegen? Wofür? Welche Nebenwirkungen sind akzeptabel? Wie handhaben wir das mit der Dosierung? Ich konnte es in der Tropfenform einschleichen. Es ist geglückt, das für mich passende Mittel zu finden und auch die richtige Dosis zu treffen. Damit kann ich leben. (Substanz Sertralin, 25mg). Wobei ich auch parallel Alternativmedizin in Anspruch nehme. Das Entweder-Oder habe ich für mich abgehakt: Warum nicht das Hilfreiche aus allem wählen?!

Wie weiter 2013?
2012 war wieder ein Jahr der Krisen, auch wieder Erschöpfung. Scheinbar ist es mein Muster, mich bis zur Selbstaufgabe in etwas zu vertiefen. Das wurde ja auch meinem kleinen Bruder zum Verhängnis, diese Grenzenlosigkeit. Eine Familie von Grenzgängern … Nun hat die Ärztin gemeint, dass ich mein Mittel 2013 absetzten kann, weil es mir wieder viel besser geht. Ich will das nicht. Es ist noch zu früh. Eine weitere Verhandlung ist also fällig. Sie meint, der psychiatrische Teil sei eigentlich abgeschlossen, nun käme allenfalls noch der psychotherapeutische. Vielleicht gehe ich auch nochmal zu jemand anderem, hab ich mir gedacht. Zudem werde ich dieses Jahr wieder auf Jobsuche gehen. Das ist nötig. Wir müssen wir also noch schauen, wie wir weiter machen. Fühle mich stärker in diesen Besprechungen mit ihr, einer nüchternen und pragmatischen Fachfrau, da ich meine Impulse (Übertragungen) besser reflektieren kann. Das klingt nach Gesundung, auch wenn ich mich oft anders fühle. Doch, ich sehe und fühle klarer. Ich werde sehen. 

2013 wird auf jeden Fall ein interessantes Jahr … da bin ich mir sicher. 

Ich war noch nie so sehr DA ^_^