Seit einigen Monaten arbeite ich an der Geschichte der Grundstücke Buchholzer Straße/Grumbkowstraße. Es handelt sich um zwei Großkomplexe, zum einen das ehemalige Kasernengelände des Grenzkommando 35 sowie die alte Kfz-Stelle der Volkspolizei Berlin-Pankow.

Zu beiden Themenkomplexen konnten wir jeweils einen Zeitzeugen finden. Bei der letzten Begehung der alten Kfz-Stelle mit dem Zeitzeugen Bernd M., der hier seit den frühen 1960er Jahren bis zur endgültigen Schließung der gesamten Anlage 1996 arbeitete, konnten viele Fragen beantwortet werden.


Zum Einen stellte sich generell die Frage nach Schutzeinrichtungen, wie Bunkeranlagen auf dem Gelände. Wesentlich interessanter war aber die Frage nach einer unterirdischen Raumschießanlage der Volkspolizei Pankow, die hier vor 30 Jahren vermauert und vergessen worden sei.

Bis heute war die unterirdische Raumschießanlage nur ein Gerücht und ihre Lage, so sie denn tatsächlich existierte, unbekannt. Das Grundstück war zu DDR-Zeiten von Wachtürmen umgeben. Wer hier vor der Wende arbeitete, war Geheimnisträger.


Ehemalige Angehörige haben heute die verschiedensten persönlichen Gründe, über ihre Tätigkeiten auf der Anlage keine Angaben zu machen. Zeitzeuge Bernd M. war ein Glücksfall und auch er sagt, alles könne auch er nicht erzählen, da er auch heute im Alltag noch auf ehemalige Vorgesetzte treffe.

Einen Schutzbunker gibt es wirklich. Damals üblicher Standard. Er befindet sich unter dem ehemaligen Verwaltungsgebäude und ist über einen Fluchttunnel erreichbar, der unter einem Gullideckel hinter dem Plattenbau endet.

Die gesuchte Raumschießanlage existiert tatsächlich. Parallel zur Grumbkowstraße verläuft 30 Meter weiter auf dem ehemaligen Gelände der Volkspolizei Niederschönhausen ein Grünstreifen. Er blieb übrig als Teil einer aus in den 1930er Jahren existierenden Kleingartenanlage.

Einzig verbliebene Zeugen der Kleingartenanlagen sind zwei Einfamilienhäuser aus den 1930er Jahren. Der Grünstreifen wurde ausgebaggert, die unterirdische Anlage ausgebaut und wieder verdeckt. Über der Anlage wurde auf einer zur Tarnung angelegten Wiese Sport betrieben.

Unter anderem gab es zwei Tischtennisplatten, wie sie überall in der DDR zu finden waren. Von der einst gepflegten Wiese ist nichts mehr zu sehen. Ein kleines Waldstück hat die Anlage überwuchert. Mit der Wende kam das Ende der Gesamtanlage. Die letzten Teile, wie das Verwaltungsgebäude, wurden noch bis 1996 genutzt.

Die Tischtennisplatten sind fast bis zur Unkenntlichkeit überwuchert. Zwei Schächte, die in die Anlage führten, wurden mit Schutt und Baumabfällen zugeschüttet. Der Zeitzeuge erklärt mir geduldig die Funktionen der Gebäude und gab die ein oder andere historische Anekdote zum Besten.


Nachdem wir das gesamte Areal durchstreift hatten, widmeten wir uns der Raumschießanlage. Diese soll hier tatsächlich vor 30 Jahren vermauert worden sein. Die Gerüchte um die Existenz der Schießanlage waren also richtig.


Möglicherweise stimmt es dann auch, dass die Anlage nicht groß beräumt wurde und sich hier eine historische Zeitkapsel aus der Wendezeit vom Anfang der 1990er Jahre befindet.

Vorab wollen wir einen kleinen Einblick in die zwei Eingänge der unterirdischen Anlage gewähren. Es riecht nach Erde und altem Holz, der typische Geruch, wie er aus alten Bunkern und Gemäuer strömt.

Zu retten ist hier nichts mehr, Feuchtigkeit und die Natur haben ganze Arbeit geleistet. Spinnenweben soweit das Auge reicht, Rost und Schimmel überziehen Türen und Wände, von den Decken quillt der faulige Putz, in den Ecken steht das Wasser.


Im den nächsten Wochen erscheinen weitere Beiträge zum Komplex „Grenzkommando 35 Niederschönhausen“ und „Die Kfz-Stelle der Volkspolizei Niederschönhausen“.
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Link zum Liftschutzbunker der KFZ Stelle:
Autor: Christian Bormann
Red. Bearbeitung: Martina Krüger, 21.04.2025
Bilder: Christian Bormann, Martin Fleischer, Guido Kunze