Wie das alte Sporthotel Weißensee Teil des Sportforum Berlin Hohenschönhausen wurde.

Das damalige Sporthotel Weißensee wurde 1960 bis 1962 auf Anweisung des Ministeriums des Inneren und dem Ministerium für Staatssicherheit als Erweiterung für die Sporthalle des SC Dynamo gebaut.

Die Sporthalle für den SC Dynamo enstand schon 1958 als Teil des Gesamtensembles Sportforum, das Arbeitskollektiv wurde geleitet von Walter Schmidt. Als Vorzeigeanlage des DDR-Sports wurde die Sporthalle unter Anwesenheit von Walter Ulbricht am 25. Januar 1958 eingeweiht.

Das Sporthotel Weißensee gehörte als Erweiterung ab 1962 zur Anlage Sport- und Kongresszentrum Berlin der DDR zum Sportforum Berlin. Neben dem rechteckigen Plattenbau, in dem die Hotelzimmer untergebracht waren, gab es über die Rezeption, die im würfelförmigen Haupteingang am Weißenseer Weg lag einen Übergang zum Restaurant und Kongresszentrum.

Das Kongresszentrum mit seiner auffälligen geometrischen Architektur beherbergte neben dem Restaurant auch eine Großküche, Kinosaal, Konferenzräume und zahlreiche andere kulturelle Angebote rund um den Sport.

Inzwischen ist das Sporthotel nach Jahrzehnten gar nicht mehr als Sporthotel Weißensee, sondern nur noch als Sportforum Berlin oder Sportforum Hohenschönhausen bekannt.

Ähnlich wie bei dem Sport- und Erholungszentrum SEZ an der Landsberger Alle wurde auch diese Immobilie von der öffentlichen Hand abgestoßen und unter Investoren herumgereicht.

Während sich Teile des SEZ noch im Wachkoma bis heute erhalten haben, ist das Sporthotel schon seit zwei Jahrzehnten Geschichte. Die Pläne der Investoren waren groß. Sogar Drillingshochhäuser wollte man hier 2011 errichten.

Aus dem Abriss 2015 wurde auch nichts, dafür hat die Immobilie hat seit 2023 wieder einen neuen Besitzer. Dieser plant, hier Wohnungen zu errichten.

Die Immobilie ist heute vom Sportforum Berlin ausgegliedert. Während die Zukunft des Grundstücks trotz neuer Pläne in den Sternen steht, bemüht sich der Berliner Senat um eine Aufwertung der Gesamtanlage Sportforum Berlin und hatte hierfür schon 2021 einen Architekturwettbewerb ausgeschrieben.

Vom Sport- und Kongresszentrum ist heute kaum mehr geblieben als eine schaurige Lost Place-Kulisse. Viele Menschen verbinden Erinnerungen mit diesem Ort. Geschichten, die schon oft erzählt wurden und jene, die noch darauf warten von Zeitzeugen, die hier zu Besuch waren oder arbeiteten erzählt zu werden.

So erfuhr ich, dass mein Opa damals mit seiner Brigade für die Installation der gesamten Telefon- und Nachrichtenanlage zuständig war. Im Keller soll sich eine Bäckerei befunden haben, so schildert es einer der Zeitzeugen. Wenn sie als Kinder vom Sport kamen und am Gebäude vorbei liefen, gab es schonmal ein paar warme Schrippen für die Kinder durchs Kellerfenster auf die Hand.

Ich war als Erwachsener das erste Mal 2014 mit meinem Bekannten Nick im Sporthotel. Damals war die Einrichtung zwar schon stark beschädigt aber noch zum größten Teil erhalten. Die Hotelzimmer waren noch eingerichtet und auch im Kongressanbau waren Böden, Decken und Wände erhalten geblieben. Viele Möbelstücke und Interieur waren vor Ort zurückgeblieben.

Damals konnte ich noch einen Aktenbestand in den Trümmern der Einrichtung retten. Die Unterlagen reichten von Einkaufslisten und Dienstplänen für das Restaurant bis hin zu Lageplänen des Gebäudes. Während wir uns also mehrere Stunden durch das Gebäude fotografierten, versuchten wir noch die Funktionen der einzelnen Räumlichkeiten zu erkennen.

Die Hotelzimmer waren mit Ihrer Einrichtung noch gut zu erkennen, abgesehen von vergilbten Gardinen und der abgeplatzten Deckenfarbe, die die alten Möbel überzog, glich die Einrichtung noch sehr dem Original bei der Eröffnung .

Auf den Fotos von Ulrich Kohls, die zwei Jahre nach der Eröffnung entstanden, sind die Hotelzimmer mit ihrer ursprünglichen Einrichtung noch zu sehen. Bei meiner Begehung 10 Jahre später ist der Hotelbau schon teilweise entkernt.

Über die Rezeption im Eingangsbereich geht es zum Übergang ins Kongresszentrum. Hier hat ein Brandstifter ganze Arbeit geleistet. Die Anlage weist mehrere Brandherde auf, aber nirgends zeigt sich das ganze Ausmaß der Brandstiftungen so deutlich wie im Gebäudeübergang.

Der Aufgang zum Restaurant ist bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Das Dach ist unter dem Feuer eingestürzt, zwischen verbogenen Metallgeländern wachsen die ersten kleinen Bäume Richtung Himmel. Übriggeblieben ist nur noch der Treppenaufgang zum Restaurant.

Die Räumlichkeit des Hotelrestaurants ist als solche erhalten geblieben, jedoch ohne jegliche Einrichtung. Auf den Fotos von Ulrich Kohls ist auch der 60er Jahre-Charme des recht einfach ausgestatteten Restaurants zu erkennen.

Der heutige Rohbau ließ nicht mehr viel von seinen zahlreichen Funktionen erkennen, aber einige Bereiche sind dennoch unverwechselbar. So ging ich über die große Steintreppe, die sich mittig im Eckbau befindet, in den zweiten Stock. Während im 1. OG noch Deckenpaneele und einige Wandverkleidungen vorhanden waren, schien das 2. OG fast gänzlich entkernt.

Zu meiner Überraschung war nicht das gesamte 2.OG entkernt. Teile der Großküche existierten noch und nicht nur die. Bei der Begehung 2014 mit Nick hatten wir in der Großküche eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht.

Der Raum der zur Küche gehörigen Ausgabe war in der Mitte geteilt und der Zugang von der Küche aus vergittert. Das  haben wir uns damals genauer angeschaut und waren überrascht, als wir eine Waffenkammer entdeckten. Es war die Kulisse einer Sat.1 Produktion aus den 1990er Jahren.

Dennoch war es kein alltäglicher Anblick, hinter der Essenausgabe eine vermeintliche Waffenkammer in der Großküche zu finden. Sinn ergab das schon, so wäre im Notfall die Essenausgabe zur Waffenausgabe geworden. Die Staatssicherheit hatte auch hier hin und wieder internationale Gäste zu schützen.

Noch größer war meine Überraschung aber, dass die Kulisse der Waffenkammer 2024 immer noch so erhalten war wie 2014. Trotz aller Zerstörung ringsum war der kleine Raum wohl uninteressant für Randalierer und deswegen verschont geblieben.

Ich war mir anfangs nicht einmal sicher, ob ich die Kammer noch finden würde angesichts des schlechten Zustands des Gebäudes. Die Gittertüren in der Küche waren aber nicht zu übersehen.

Von der Ausgabe der Großküche ging es weiter in den Kinosaal oder besser Vorführsaal. Komplett zerstört ließ er sich dennoch gut erkennen. Abgesehen von seiner Größe ist die Rückseite der Leinwand noch zu erkennen.

Neben den Aufbauten der Leinwand sind auch große Teile der Saalverblendung, hinter denen sich die Technik befand erhalten geblieben. Ein Blick zur Decke hinauf lässt den Vorführraum erkennen.

Eine Stahltreppe fürt hinauf zum technischen Herzen des Vorführsaals. Auch dieser ist in Gänze zerstört. Schaltschränke sind zerschlagen und  umgeworfen. Am Boden liegen Schallschutzmatten zertreten herum und an der Wand kündigt ein Poster noch Kultur von 1992 an.

Der Blick vom Vorführraum in den Saal lohnte den Aufstieg. Von hier aus konnten Techniker über Stahltreppen hinter die Saalverblendung.

Der Abriss wurde oft angekündigt und deshalb hier nochmal dokumentiert. Die Waffenkammer ist eine von vielen Geschichten, die wie das Gebäude selbst und die Menschen die ihm einst Leben einhauchten auch irgendwann Geschichte sind.

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Da kiekste wa?

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Video/Luftaufnahmen vom Sport- und Kongresszentrum:

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, Ulrich Kohls 1964 Bundesarchiv,