Das 1901 bis 1903 gebaute Rathaus Pankow blickt mit seinen über 110 Jahren auf eine bewegte Geschichte zurück. Als Preußischer Prachtbau, gekrönt von einem Adler, zeugte es nach seiner Errichtung vom Wohlstand Pankows.
Rathaus Pankow 2017
Die übliche rote Ansicht unseres Rathauses wie sie jeder Pankower kennt. Auf fast allen bekannten Fotografien des Gebäudes ist es klassisch rot. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen das gelbe Rathaus Pankow zeigen.
Rückseite des Rathauses Pankow 2017
Für unsere große Geschichte vom Rathaus Pankow recherchieren wir seit einem halben Jahr, im Oktober haben wir Verstärkung bekommen. Den größten Teil unserer Bilder macht jetzt unsere Hausfotografin Ivonne.
Treppenaufgang im Rathaus vom Hof aus
In mehrtägiger Arbeit katalogisierte sie das gesamte Rathaus von innen und außen. Ich war mehr als überrascht beim Betrachten der Fotos. Mir fiel auf, dass der größte Teil des Rathauses gelb ist.
Abriss des DDR-Küchenanbaus am Ratskeller 2017
Zur Jahrhundertwende waren rote Prachtklinker teuer und symbolisierten Wohlstand. So war es zu dieser Zeit üblich, mit einer Blendfassade zu protzen. Auch das Dach war ursprünglich komplett mit Kupfer bedeckt. Das Kupferdach fiel dem ersten Weltkrieg zum Opfer. Preußen brauchte Metall zum Kanonenbau.
Christian Badel beim skizzieren und zeichnen
Ich war vom gelben Rathaus Pankow so begeistert, dass ich Christian Badel bat, uns ein Bild der Rückseite zu zeichnen. Er hat sich wie immer ins Zeug gelegt und uns eine beeindruckende Zeichnung angefertigt.
Illustration Christian Badel, Kikifax 2017
Auf der Zeichnung von Christian Badel ist der Rathaushof zu sehen. Die Szene zeigt einen Bagger beim Abriss der Küchenräume des Ratskellers. Aus historischer Sicht ist der Rückbau zum Urzustand sehr zu begrüßen.
Luftaufnahmen Rathaus Pankow 2017
Wir bedanken uns ausdrücklich bei der Pressestelle des Bezirksamts Pankow für die Unterstützung zu unserer Recherche „Rathaus Pankow“. Insbesondere bedanken wir uns bei Tobias Schietzelt für die erfolgreiche Zusammenarbeit.
Autor: Christian Bormann, 20.10.2017
red.Bearbeitung: Martina Krüger, 22.10.2017
Fotos u. Film: Ivonne Hempler, Christian Bormann, Guido Kunze
Wir rufen die Berliner auf 20.000 Plakaten auf mit uns auf Bärenjagd zu gehen. Melden Sie uns Berliner Bären die Sie im Stadtgebiet sehen. Sinn und Zweck von „Bormanns Bärenjagd“ ist es vergessene Berliner Bären im gesamten Stadtgebiet zu Katalogisieren und der Nachwelt zu erhalten. Bereits 2017 gab es ein erfolgreichen Probelauf auf dem Bezirksgebiet von Pankow. Jetzt weiten wir die Suche auf alle Bezirke aus. Unsere Bärenjagd begann mit dem Artikel: „Berliner Bär aus der Feuerwache von Ludwig Hoffmann, Fischerkiez 5 gerettet“. Der Artikel erschien im Mitteilungsblatt des Vereins der Berliner Bärenfreunde e.V. Nr. 67 II. Quartal.
Aufruf zur Bärenjagd 2017
Die Idee, vergessene Berliner Bären zu suchen begeisterte mich. Mit unserer Geschichte: „Vergessene Berliner Wappenbären in Pankow“ vom 5. Juni begann unser Projekt. In diversen sozialen Netzwerken riefen wir zur Bärenjagd in Pankow auf.
Vereinszeitung zur Bärenjagd, Berliner Bärenfreunde e.V.
Mit einem freundlichen Vorwort fand ich unsere Geschichte dann auch im Mitteilungsblatt Nr. 69 III. Quartal des Vereins der Berliner Bärenfeunde wieder. Auch Annemarie Harms, Redakteurin der „Dorfzeitung Pankow“, unterstützte unser Projekt.
Dorfzeitung Pankow Juli 2017
In der Ausgabe vom Juli 2017 findet sich unserer Geschichte ebenfalls auf dem Titel. Nach einem knappen halben Jahr ist es Zeit für eine kurze Zwischenbilanz.
Vorwort zu unserer Geschichte im Vereinsblatt der Berliner Bärenfreunde
Ein besonders gutes Auge bewies unserer Fotografin Ivonne. Während ihrer Arbeit für die Seite entdeckte sie in nur einer Woche mehr als 10 Bären. Viele Bären befanden sich an Schul- und Amtsgebäuden in Kartuschen oder thronend auf Konsolen.
ehem. Verwaltungsgebäude Krankenhaus Pankow 2017
Meine Favoriten sind die thronenden Bären am Rathaus Pankow und auf dem Ossietzky-Gymnasium. Es sind auch einige seltene Kartuschen entdeckt worden, so zum Beispiel in der Grabbeallee. An der historischen Gründerzeitvilla befindet sich im Giebel ein ritterliches Familienwappen mit Helm, Harnisch und gleich 3 Wappenbären.
ehem. Verwaltungsgebäude Krankenhaus Schlossallee 5, Fund: Christian Bormann
Der Firma Zweirad-Stadler ist es zu verdanken, dass sich die einstigen Hoheitswappen des Berliner Zentralviehofs mit Bär bis heute erhalten haben. Die beiden prächtigen Kartuschen befinden sich auf der Rückseite der alten Rinderauktionshalle des ehemaligen städtischen Schlachthofes.
ehem. Rinderauktionshalle Zweiradcenter Stadler August Lindemann Straße 2018
Ursprünglich befand sich der Zentralviehof vor den Toren Berlins. Im Rahmen der Eingemeindung nach Berlin fiel das Areal an Lichtenberg, darauf folgte Friedrichshain und zuguterletzt Prenzlauer Berg. Nach der Jahrtausendwende erfolgte eine erneute Bezirksreform und Prenzlauer Berg fiel an Pankow.
ehem. Rinderauktionshalle Zweiradcenter Stadler
Ein weiteren Bären erlegte Jutta Mach vom Freundeskreis der Chronik Pankow e.V. Ihr Bär befindet sich in einer Kartusche im Ludwig-Hoffmann-Quartier in Berlin-Buch. Das Foto stammt von Wilfried Woesener.
Wappenkartusche 1 von 2 Zweiradcenter Stadler, Fund: Christian Bormann
Weitere Bärentrophäen:
Nr.3
Wappenkartusche 2 von 2, Zweiradcenter Stadler
Nr.4
Ludwigquartier ehem. Verwaltungsgebäude Krankenhaus Buch 2013
Nr.4
Eingang Verwaltungsgebäude Ludwigquartier Buch
Nr.4
Wappenkartusche am Ludwigquartier Buch 2013, Fund Jutta Mach
Nr.5 und 6
Luftaufnahme Rathaus Pankow 2017
Nr.5
Rathaus Pankow, sitzender Bär 4 von 4 1903 – 2017
Nr.5
Rathaus Pankow sitzender Bär 4 von 4, Fund: Ivonne Hempler
Nr. 5
Rathaus Pankow sitzender Bär 4 von 4
Nr. 6
Rathaus Pankow sitzender Bär 2 von 4 ohne Kopf, Fund: Ivonne Hempler
Nr.7
Ratssaal Rathaus Pankow 2017
Nr.7
Wappenbär neben Friedenstaube und altem Bezirkswappen, Fund: Ivonne Hempler
Nr.8
Villa Grabbeallee
Nr.8
Giebel mit Familienwappen
Nr.8
Familienwappenkartusche mit 3 Wappenbären, Fund: Ivonne Hempler
Kurt-Schwitters-Oberschule Kartusche 1 von 2 Haupteingang, Fund: Ivonne Hempler
Nr.10
Kurt-Schwitters-Oberschule Kartusche 2 von 2 Durchfahrt, Fund: Ivonne Hempler
Nr.11, 12, 13 und 14
Schulgebäude Pasteurstraße Prenzlauer Berg 2017
Nr.11
musizierender Bär 1 von 4, Fund: Ivonne Hempler
Nr.12
musizierender Bär 2 von 4, Fund: Ivonne Hempler
Nr.13
einarmiger musizierender Bär 3 von 4, Fund: Ivonne Hempler
Nr.14
musizierender Bär 4 von 4, Fund: Ivonne Hempler
Nr.15
Ossietzky-Gymnasium Görschstraße, thronender Bär mit Wappenschild, Fund: Christian Bormann
Nr. 15
Bär mit Wappen thront auf dem Ossietzky Gymnasium
Nr. 16
Stallanlage Kinder- u. Säuglingskrankenhaus Buschallee
Nr. 16
Giebel dam Kuhstall des Krankenhauses, Fund: Christian Bormann
Collage zur Bärenjagd
Bärencollage der Jagdtrophäen 2017
Verantwortlich für den Aufruf zur Bärenjagd ist Pankowerchronik.de. Initiator und Herausgeber ist der Historiker, Journalist und Autor Christian Bormann.
Historiker Christian Bormann
Melden Sie uns ihre Bären mit Bild, Ort und Datum an:
Vor nicht allzu langer Zeit lud mich der Pankower Künstler und Zeichner Christian Badel in sein Atelier in der Pestalozzistraße ein. Herr Badel ist nicht nur Künstler, er interessiert sich ganz besonders für das historische Pankow.
Christian Badel, Florakiezfest 2017
Nachdem er mich durch das ehemalige Intrac-Gebäude führte, in dem sich sein Atelier befand, behielten wir den Kontakt bei. Seither hat Christian schon die ein oder andere einzigartige Illustration für unsere Geschichten gezeichnet.
Gemeinschaftsarbeit Badel u. Bormann Geschichten aus Schönholz 2017, Illustration Badel
Auch die letzten Heide-Geschichten aus Schönholz wären ohne seine Bilder nicht die selben. In Zukunft werden hoffentlich noch viele unserer Geschichten mit seinen histostorischen Illustrationen geschmückt.
Christian Bormann unter dem Luna Lager Schönholz 2017
Gern bin ich als Historiker mit ihm auf den Spuren des alten Pankow’s unterwegs. Unter der Kategorie: „Illustration Christian Badel“ werden ab heute alle Geschichten mit seinen Illustrationen auf einen Blick angezeigt. Diese Woche bekam ich meine Neugestaltung des Bolle-Bilds vom ihm. Ich habe nicht schlecht gestaunt. Die einzelnen Bildelemente weisen mit Ausnahme der Flugzeuge am Himmel alle auf einzelne Geschichten auf Pankowerchronik.de hin.
Neuauflage des historischen Bolle-Bildes von Christian Badel 2017
Um mal einige kleine Beispiele zu nennen, beginnen wir mit dem roten Ballon rechts oben im Bild. Hierhinter verbirgt sich der Hinweis auf unsere Geschichte zu einer der ersten Ballonfahrten der Welt durch Blanchard, der mit diesem in Karow auf dem Ballonplatz landete. Das von mir wiederentdeckte Rettschlag-Tor, sowie das alte Schloss Schönholz und das Riesenrad, welches einst im Traumland Schönholz stand, sind ebenfalls abgebildet. Das Bild lädt den Betrachter ein, Element für Element zu ergründen und die dazugehörige Geschichte auf unserer Seite zu finden. Auch für den geübten Pankower kein leichtes Unterfangen bei inzwischen über 150 Geschichten.
Schon vor dem Ende des 19. Jahrhunderts florierte in Pankow das Vereinswesen. Beispielhaft hierfür ist der Gründer und 1. Präsident des 1. FC Bayern München, Franz John. Der Pankower Fotograf aus der Kreuzstraße war keine Ausnahme.
Vorplatz der Kirche in Buchholz 2017
Auch in Buchholz existierten um 1890 zahlreiche Vereine. Zu den einflussreichsten Gesellschaften gehörten oft die Schützenvereine. So hatte der Buchholzer Schützenverein sein Heim zentral am Dorfplatz neben der Kirche.
Kaiserdenkmal Buchholz 1914
Ein weiterer war der Männerturnverein Buchholz. Dieser war es auch, der auf die Idee kam, auf dem Kirchenvorplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. errichten zu lassen. Kaiser Wilhelm I. war ab 1861 König von Preußen und ab 1871 Kaiser von Deutschland.
Kaiserdenkmal Wilhelm I. Buchholz 1904
Gesagt getan, im Handumdrehen hatten die Vereinsmitglieder einen nicht unerheblichen Spendenbeitrag aufgebracht. Und so lud die Gemeinde Buchholz schon am 22. März 1897 zur Einweihungsfeier auf den Kirchenvorplatz.
Kaiserdenkmal Buchholz 1914
Nach dem 1. Weltkrieg hatten die Deutschen genug vom Kaisertum. Nach 23 Jahren sollte Wilhelm vom Dorfplatz verschwinden. Das gesamte prächtige Kaiserdenkmal wurde 1920 abgetragen und an Ort und Stelle vergraben. Bis heute ruht das Denkmal knappe 2 Meter unter seinem einstigen Standort und wartet auf seine Wiederentdeckung.