Die Tritonbrücke am Weißen See

Die Gemeinde Weißensee erwarb unter dem Bürgermeister Dr. Carl Woelck 1908 den Weißen See sowie die angrenzenden Terrains.

Eislaufen auf dem Weißen See, Februar 2021

Am Ufer legte die Gemeinde einen Seeweg und den Trianonpark an. Die alte Badeanstalt von Sternecker wurde abgerissen und eine neue nach Plänen von Carl James Büring neu erichtet.

Carl James Brüning war es dann auch, nach dessen Plänen 1912 die Tritonbrücke am Weißen See entstand.

Aussichtsplattform auf der Tritonbrücke, Winter 2021

Der Brücke kamen mehrere Funktionen zu. Im Grunde war sie die Überdachung eines Regenwasserüberlaufes und Aussichtsplattform.

Tritonbrücke am Weißen See, Februar 2021

Ursprünglich konzipierte Brüning sie aber als Kühlwasserablauf des Elektrizitätswerks in der Großen Seestraße.

Die letzten baulichen Zeugnisse des Elektrizitätswerks wurden 1990 abgerissen. Unter der Brücke wurde über die Jahrzehnte immer wieder umgebaut.

Vermauertes Überlaufwerk Tritonbrücke am Weißensee, Februar 2021

Die drei großen Öffnungen wurden vermauert und vergittert. Einen Regenwasserablauf in den See durch das Bauwerk gibt es wohl nicht mehr.

Unter der Tritonbrücke, Regenwasserüberlauf, Februar 2021

Der See speist sich als Toteislinse ohne Zufluss von Regenwasser. Durch die zunehmende Flächenversiegelung um den See herum erreicht das natürliche Wasser den See kaum noch.

Überlaufbecken unter der Tritonbrücke am Weißen See, Februar 2021

Was die Niederschlagsmengen anbelangt, so liegen diese zwar im Gesamtschnitt, aber wenn nach einer längeren Trockenphase der Regen in kurzen Starkregenereignissen niederschlägt, so trifft dieser auf versiegelte Flächen und erreicht den See nicht mehr.

Historische Postkarte „Partie am Weißen See“, 1915

Der Weiße See selbst verfügt über eine Grundwasserpumpe. Dieses Wasser muss aber bezahlt werden. Um den 8,3 Hektar großen See zu füllen, wären für jeden Meter rund 27.000 € nötig und das Meter für Meter und Jahr für Jahr.

Das jetzt freistehende Überlaufbecken im Oktober 2022

Von seinem erbärmlichen Zustand im Sommer 2021 hat sich der See, zumindest was die Wassertiefe anbelangt, ganz leicht erholt. Seine 10,64 Meter Tiefe hatte er schon 2017 eingebüßt. Da ergab die Messung noch 8,56 Meter.

Alte Wasserrampe am austrocknenden Weißen See, November 2022

Zurück zur Tritonbrücke. Was machen Tritonen am Weißen See? Uns erinnern. Nämlich daran, dass Weißensee – im Gegensatz zum landwirtschaftlich geprägten alten Pankow – ein kleines Fischerdorf war.

Triton, Sohn Poseidons, als weiblich gelesenes Mischwesen mit Mandoline spielenden Knaben auf der Terrasse, Oktober 2021

Die Figure erschuf der Bildhauer Hans Schnellhorn aus Muschelkalkstein. Sie zeigen zur linken Brückenseite Triton, den Sohn Poseidons, als weibliches Mischwesen das einen Mandoline spielenden Jungen auf dem Rücken trägt.

Triton, Sohn Poseidons, als männlich gelesenes Mischwesen mit Mundharmonika spielendem Knaben auf dem Rücken, Oktober 2021

Rechtsseitig der Brücke ist Triton, ein männliches Mischwesen, das einen Mundharmonika spielenden Knaben auf dem Rücken trägt. Aufgestellt wurden die Figuren 1913.

Ausblick über die Seebrücke auf den Weißen See, Oktober 2021

Derzeit ist das Bezirksamt Pankow bemüht, das Seeufer neu anzulegen. Ein Bagger schottert derzeit das Ufer rechts der Tritonbrücke.

Nimm Dein Smartphone oder eine VR-Brille und schaue Dir den Weißen See in unserem 360° Panorama vom Winter 2021 an.

Link zum 360° Panorama auf Facebook Pankowerchronik:

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Link zum YouTube Video – Schotterarbeiten am Ufer des Weißen See im November 2025 –

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Autor: Christian Bormann

Redaktion: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann

☆coloriert: Hierbei handelt es sich um KI-basierte Nachfärbungen historischer Originale. Es kann zu farblichen Abweichungen oder gar Scheindarstellungen kommen. Mit KI colorierte Bilder stellen keine zuverlässigen historischen Zeugnisse mehr dar.

Das neue Rathausdach

Am 30. September 2024 begann die denkmalgerechte Sanierung des alten Rathausdaches. Über Jahre hinweg wurde das Dach immer wieder kleinteilig repariert.

Sturm Xaver hatte dem alten Dach im Oktober 2017 ebenfalls schwer zugesetzt, so dass am östlichen Seitenflügel die Sanierung schon vorab erfolgte. Hier hatte das Dach bereits große Löcher und Regenwasser suchte sich seinen Weg ins Rathaus.

Zu den Aufgaben der Sanierung zählten Gerüstbau-, Zimmer-, Klempner- und Dacharbeiten. In erster Linie stand hier die Gefahrenabwehr und der Denkmalschutz der noch vorhandenen Substanz.

Immer wieder hatten sich über die Jahre Ziegel gelöst oder Autofahrer standen im Stau, weil mal wieder kleine Teile des Gesims ausgebrochen und auf den Gehweg gestürzt waren, was zu einem Feuerwehreinsatz führte.

Die Kosten für die Dachsanierung sollen sich laut Pressemitteilung vom 30.09.2024 auf 1.380.000 Euro belaufen.

Die Hoffnung vieler Pankower, den historischen Preußischen Adler wieder auf dem Rathaus an seinem angestammten Platz zu sehen, wurde nicht erfüllt. Die Aufstellung der Figur war auch nie geplant.

Mehrere Kulturschaffende um den Rosenthaler Kunsschmied Gösta Gablick hatten sich um die Wiederinstalation des historischen Kunstwerks bemüht. Bis heute vergebens.

Ging es in den vergangenen Jahrzehnten um persönliche Kränkungen, so scheinen es jetzt Geldforderungen zu sein, die seine Wiederkehr verhindern.

Die umfangreiche Restaurierung, für die das Hochbauamt verantwortlich war, wurde vom Denkmalamt sowie dem NABU begleitet. Ein besonderes Augenmerk lag auf dem Schutz von Turmfalken und Mauerseglern.

Eine weitere gute Nachricht ist die erfolgte Sanierung des Haupteinganges. Unschön für Paare, die während der Arbeiten an Dach und Eingang geheiratet haben. Sie hatten keine schöne Fotokulisse.

Freuen kann sich, wer sich zukünftig traut. Die letzte Sanierung des Haupteinganges war zur 750-Jahrfeier Berlins. Die war 1987. Nach über 35 Jahren war es wieder soweit.

Die Türen wurden in verschiedenen Zeitabschnitten entfernt, erst die Seitenteile dann die Haupttür. So blieb der Haupteingang für Gäste immer passierbar.

Die mittlere Haupttür wird um Automatiköffner ergänzt und das Erscheinungsbild zeigt jetzt wieder die historischen Holztüren ohne Farbauftrag.

Die Kosten für die Sanierung des Haupteinganges 2024 wurden in der Pressemitteilung vom 09.06.2023 mit 120.000 Euro angegeben.

Das Gerüst ist weg und das Rathaus begrüßt seine Gäste wieder in einem frischen historischen Gewand. Wer sich künftig traut der kann das vor einer wunderschönen historischen Flügeltür.

Video Luftaufnahme vom neuen Rathausdach 2025 auf YouTube.

Video Luftaufnahme vom alten Rathausdach 2017 auf YouTube.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Guido Kunze, Freundeskreis der Chronik Pankow

Wäscherei und Färberei IDE

In der damaligen Franz-Joseph-Straße, der heutigen Liebermannstraße, befanden sich die alten Gebäude der Vitascope-Filmfabrik.

Mit der Erfindung des Tonfilms waren die alten Stummfilmateliers Mitte der 1920er Jahre in Klein-Hollywood geschlossen worden.

Sie eigneten sich nicht für Tonfilmproduktionen. So zog Ende der 1920er Jahre die Wäscherei und Färberei IDE in die Ateliers.

Ursprünglich hatte der Verwaltungstrakt zur heutigen Liebermannstraße eine Jugendstilfassade. Im 2. Weltkrieg erlitt die Wäscherei nicht unerhebliche Schäden.

Die Fassade des Bürovorbaus wurde nur notdürftig und eher im Stil des Art Déco wiederhergestellt. Zum Schutz vor Luftangriffen wurde der Keller der Wäscherei mit Drucktüren ausgestattet.

Einem direkten Treffer einer Luftmine durch das Glasdach hätte der Luftschutzkeller nicht standgehalten.

Zum Schutz der Mitarbeiter wurde also ein versteckter Luftschutzbunker angelegt. Dieser existiert heute noch.

Nach dem 2. Weltkrieg stand die Wäscherei auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik.

Hier vereinte die REWATEX viele Wäschereien. So arbeitete auch die Wäscherei IDE bald unter dem Logo des Wäschemädchens.

Mit dem Ende der DDR wurden viele Grundstücke und Firmen an Alteigentümer übertragen.

Das Wäschemädchen der DDR REWATEX macht ihren Job wie eh und je, heute unter dem Firmennamen WARETEX. Die Waretex betreibt mehrere Filialen in Berlin. Hauptsitz ist Rummelsburg.

Was das Grundstück der Vitascope-Filmfabrik anbelangt, so ist es den Erben zu verdanken, dass dieses Objekt weitgehend erhalten blieb und als Gewerbehof für Handwerksfirmen und Künstler dient.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann,  Guido Kunze

Klein Hollywood- Die Vitascope Filmfabrik Weißensee

Jeder kennt Babelsberg und Hollywood, diese Namen stehen weltweit für Filmgeschichte. Doch wer hat schon mal von der Filmstadt Weißensee oder „Klein Hollywood“ gehört?

Eine nur kurze, aber um so bedeutendere Rolle für die Entstehung des Films spielte die Filmstadt Weißensee, auch „Klein Hollywood“ genannt.

In den Dachateliers der Berliner Innenstadt wurde es zu eng und unpraktisch. So zogen viele Produktionsfirmen an den Rand der Berliner Vororte, hier gab es noch genügend Platz.

Es war Jules Greenbaum, der das große Gelände zwischen Franz-Joseph- heute Liebermannstraße und Rennbahnstraße pachtete. Zur Franz-Joseph-Straße hin ließ er von Otto Rehming ein Fabrikgebäude mit Verwaltungseinheit errichten.

Die 1913 errichtete Filmfabrik von Jules Greenbaum war zur Eröffnung die größte ihrer Art in Deutschland und konnte bereits auf dem Niveau der Bioscope in Neu-Babelsberg arbeiten.

Eine Fabrik mit Tageslichtateliers machte aber noch keine Filmstadt. Es siedelten sich ab 1913 zahlreiche Filmproduktionsfirmen in der Franz-Joseph-Straße an.

Zu den Erfolgreichsten Ihrer Zeit gehörten die Greenbaum-Film GmbH, Decla-Filmgesellschaft Holz u. Co sowie die May-Film GmbH. Regisseure von Fritz Lang über Robert Wiener, Harry Piel bis Joe May gaben sich hier die Klinke in die Hand.

An Schauspielern gäbe es etliche aufzuzählen. Besonders bekannt waren damals Albert Bassermann, Emil Jannigs, Mia May, Conrad Veidt aber auch Marlene Dietrich gab in Weißensee ihr filmisches Debüt.

Das Gelände der ehemaligen Rennbahn, welches ab 1913 zur Vitascope Filmfabrik gehörte, wurde für den Bau riesiger Monumentalfilmkulissen genutzt. Für den Film VERITAS VINCIT ließ die May-Film hier den Circus Maximus nachbauen.

Viele weitere Stummfilme enstanden hier auf dem Gelände. Beispiele für spätere Produktionen sind DIE HERRIN DER WELT, DAS INDISCHE GRABMAL und DAS CABINET DES DR. CALIGARI.

Mit den Möglichkeiten, die der neue Tonfilm Mitte der 1920er Jahre bot, war die Zeit des Stummfilms jäh beendet. Die Vitascope Filmfabrik war voll und ganz auf den Stummfilm ausgerichtet und eignete sich nicht für die Tonfilmproduktion.

Der Filmbetrieb wurde 1928 eingestellt. In die verlassenen Ateliers der Vitascope zog jetzt die Wäscherei und Färberei IDE ein. Joe May, der mit Geburtsnamen Joseph Otto Mandl hieß drehte noch einiges für den Deutschen Tonfilm.

Im Mai 1933 emigrierte Joe May über London in die USA. Genauer gesagt, ging er mit seiner Frau nach Hollywood. Hier drehte er noch einige B-Movies für Universal. Mit dem Eintritt der Amerikaner in den 2. Weltkrieg gab es kaum noch Beschäftigung für Deutsche in Amerika. May und seine Frau versuchten sich dann weiter als Gastronomen.

Die Wäscherei überstand den 2. Weltkrieg mit zahlreichen Gebäudeschäden. Die Fotos zeigen im Vergleich die Originalfassade der Filmfabrik und die notdürftig wiedererrichtete Fassade. Der Sprung reicht vom Jugendstil bis zum Ende des Art Déco. Im Großen und Ganzen ist damals aber vieles wiederhergestellt worden und die Wäscherei konnte ihren Betrieb nach den Kriegsbeschädigungen fortsetzen.

Das Areal der ehemaligen Pferderennbahn wurde parzelliert, verkauft und bebaut. Auf einem winzigen Rest der Rennbahn liegt heute die Laufbahn der Sportanlage Rennbahnstraße.

Ein vergessenes Zeitzeugnis aus dem 3. Reich befindet sich heute noch verborgen auf dem Grundstück. Es ist der Weltkriegsbunker der Wäscherei IDE später Teil des VEB REWATEX.

Gut getarnt hat er die Jahrzehnte bis heute überdauert. Den Nachfahren der Grundstückseigentümer ist es zu verdanken, dass die alte und denkmalgeschützte Filmfabrik noch als historisches Erbe von der Filmstadt Weißensee erhalten ist.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Bernd Kehl, Guido Kunze

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Weltkriegsbunker der Wäscherei IDE Berlin Weißensee

In der Liebermannstraße 24 bis 28 steht heute noch das Atelier der Vitascope Filmfabrik. Gebaut 1912 bis 1913 war es die größte Filmfabrik in Deutschland.

Mit dem aufkommenden Tonfilm in den 1920er Jahren konnten die Studios in der damaligen Franz-Joseph-Straße nicht mithalten und wurden nach nur wenigen Jahren geschlossen. Ende der 1920er siedelten sich in der alten Filmfabrik die IDE-Wäscherei und Färbereien an.

Die Wäscherei IDE saß jahrzehntelang erfolgreich auf dem Grundstück, bis sie wie viele andere Wäschereien in den VEB REWATEX überging und vom Privat- zum Volkseigentum wurde.

Zurück zu IDE und in den zweiten Weltkrieg. Die alten Filmgebäude erlitten im Bereich der Hallen, vor allem aber an der Fassade zur Liebermannstraße große Bombenschäden.

Der Originalbau hat geschwungene Jugendstilzüge mit gerundeten Oberlichtern, wohingegen die wiederaufgebaute Fassade im völligen Gegensatz einen geometrischen Bauhausstil imitiert.

Während der Recherche zu den noch erhaltenen Resten der Filmfabrik und der Wäscherei bin ich hinter den Hallen auf eine Betonkante mit Erdloch gestoßen.

Beim Nachschauen entdeckte ich den Teil einer Notausstiegsklappe. Meine Neugier war wieder geweckt. Den Bunker einmal durch das Gebüsch abgesucht, fand ich den vermauerten Eingang. Zu meinem Glück war er teilweise aufgebrochen.

Es war bereits dunkel geworden, also Stirnlampe aus dem Auto geholt und ab durch die kleine Öffnung ins Innere der Zeitkapsel.

Unter der Wäscherei IDE befanden sich bereits leichte Luftschutzräume mit den entsprechenden Normeinrichtungen, Luftschutztüren etc.

Einem direkten Treffer durch eines der Hallenbäder hätte die Anlage aber nicht standhalten können und so legte die Firmenleitung einen ausgelagerten, versteckten Erdbunker hinter den Hallen an.

Die Stahlbetondecke misst 1,5 bis 2 Meter. Durch das Loch ins Innere geklettert habe ich Mühe, mich auf der verschütteten Treppe hinab zu halten. Der Zugang ist extrem schmal gehalten.

Ich bin gespannt, was mich um die Ecke erwartet. Es ist ein einziger zentraler Schutzraum für schätzungsweise 20 bis 30 Personen. Der Bunker scheint auch keiner Norm zu entsprechen, sondern zeugt vielmehr von der Not, in der er hier errichtet wurde.

Im Inneren ist noch einiges zu finden. Abgesehen von zwei völlig verwitterten Kisten, oder vielmehr ihren Resten, steht noch ein einfaches Holzregal für Konserven  im Schutzraum.

Einweckgläser aus den 1940er bis 1980er Jahren, Textilreste der REWATEX sowie Kunststoffmüll der Nachwendezeit, der durch die leicht geöffnete Notausstiegsluke geworfen wurde.

Der Bunker ist sicher keine historische Sensation, er erzählt aber, verborgen hinter der sichtbaren und historisch geschätzten Fabrik, ein weiteres, eben so reales deutsches Stück Geschichte.

Nach dem Fotografieren des Weltkriegsbunkers wird es Zeit für frische Luft. Ich steige über eine blaue Mülltüte aus der mich ein DDR Kinderspielzeug anschaut. Es ist ein kleiner Plüschhase.

Zusammen mit anderen Textilien war er wohl bis zur endgültigen Betriebsaufgabe der REWATEX Wäscherei nicht abgeholt worden und kurzerhand in den Müll gewandert. Wie diese eine Tüte den Weg in den Bunker gefunden hat?

Reste von Textilien finden sich auch auf der Stufe des Notausstiegs, lange der einzige Weg ins Innere.

Beim Hinausklettern über die verschüttete Treppe fällt mir auf, dass die Wände links und rechts eine grüne Beauflagung haben, die ich so intensiv noch nie gesehen habe.

Der alte Welkriegsbunker wird umgehend wieder geschlossen und ein Betreten des Grundstück ist nur den Mietern erlaubt.

Was es zu sehen gibt, ist hier ganz gut dokumentiert. Der Artikel selbst stellt lediglich eine Erweiterung zu zwei Hauptartikeln dar.

Weitere Hauptartikel sind, „Die Vitascope Film-Fabrik Berlin Weißensee“, „Wäscherei IDE und REWATEX Weißensee“, sowie die Bunker unter den Askanier-Werken.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann

Denkmal Alois Senefelder

Nördlich des alten Schönhauser Tores befindet sich der heutige Senefelder Platz. Er hieß ab 1882 erstmals Thusnelda-Platz. Zu dieser Zeit war es auch, als deutsche Druckarbeiter die Initiative ergriffen und dem 1771 in Prag geborenen und 1834 in München verstorbenen Schauspieler, Theaterschriftsteller und Erfinder des Steindrucks Alois Senefelder ein Denkmal setzen wollten.

Sie scheuten weder Kosten noch Mühen, und so konnte 1892 an der Südspitze des Thusnelda Parks das Alois Senefelder gewidmete Denkmal eingeweiht werden.

Die von Rudolf Phole im neobarocken Stil geschaffene Skulptur mit zwei Putten, einem Jungen und einem Mädchen, ist aus Carrara-Marmor.

Das Denkmal zeigt Senefelder im Kittel bei der Arbeit, wie er eine Lithographieplatte betrachtet. An seiner rechten Hosenseite hängt Werkzeug, welches auf seine Verdienste in der Kattundruckerei hinweist.

Auf der Vorderseite übt sich eine Putte in Spiegelschrift, während die zweite, weibliche, Putte versucht, das Geschriebene mit dem Spiegel zu lesen.

Senefelders Erfindung war nicht Ergebnis jahrelanger Forschung, eher ein Zufall der Geschichte. Es galt, eine Rollenpassage günstig zu vervielfältigen, wie am Theater üblich.

Hierbei erfand Alois Senefelder den Steindruck. Er experimentierte weiter und schuf so die Grundlagen des Offsetdrucks. Für diese Verdienste wurde er nicht nur posthum von der Druckergilde mit einem Denkmal geehrt, schon 1809 wurde er zum Direktor der Königlichen Steindruckerei ernannt.

Erst 1896 wurde der Thusnelda Platz auf Anordnung des kaiserlichen Kabinetts zum Senefelder Platz. Von der  Bedeutung des Platzes zeugt auch das heute noch erhaltene Café Achteck oder auch der Madai-Tempel am nördlichen Ende des Platz.

Heute handelt es sich um eine der ältesten öffentlichen Bedürfnisanstalten, die noch in Betrieb sind. Zurück zum Denkmal Senefelders, das in über 150 Jahren viel erlebt und noch mehr erlitten hat.

Bereits im zweiten Weltkrieg wurde die männliche Putte am Sockel zerstört. Die erste erwähnte Restaurierung erfolgte 1963. Hierbei wurde die fehlende Putte ersetzt.

Kurz nach der Wiedervereinigung wurde das Denkmal mit Vorsatz erneut beschädigt. Ein oder mehrere bis heute Unbekannte stahlen den Arm mit Spiegel der weiblichen Putte.

Über zehn Jahre lang wurde das inzwischen stark biogen bewachsene und verfallene Denkmal aufwendig gereinigt, fehlende Teile ersetzt und zu guter Letzt an seinen historischen Originalstandort zurückversetzt.

Eine nachempfundene historische Einfriedung umgibt heute das nun weiß strahlende Carrara-Marmor-Denkmal von Alois Senefelder.

Es sollte nicht die letzte Reparatur sein. Schon in den Jahren 2017 und 2018 wurde das Denkmal erneut durch Vandalismus beschädigt.

Dem Besucher fällt als Erstes der überdimensioniert wirkende, große, helle Schirm über dem Denkmal auf.

Der Anblick ist gewöhnungsbedürftig, trägt aber dem empfindlichen Carrara-Marmor Rechnung und dem schnell voranschreitenden biogenen Befall.

Mit dem Fernhalten von Wettereinflüssen auf die Skulptur wird auch der Befall und Verfall entschleunigt, auf dass Herr Senefelder noch sehr lang viele Besucher in strahlendem Weiß empfängt.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Pankowerchronik

☆coloriert

Hierbei handelt es sich um KI-basierte Nachfärbungen historischer Originale. Es kann zu farblichen Abweichungen oder gar Scheindarstellungen kommen. Mit KI colorierte Bilder stellen keine zuverlässigen historischen Zeugnisse mehr dar.

Weltkriegsbunker und Abteilung Personenschutz im Askaniahaus

In den 1920er Jahren befand sich in der Liebermannstraße 75 die Chemische Apparatefabrik Carl Otto Raspe. Die Fabrik benötigte schnell mehr Platz und so ließ Raspe 1939 bis 1941 ein L-förmiges Fabrikgebäude mit drei Etagen und einem siebenstöckigen Verwaltungsturm von Otto Schubert errichten.

Kurz darauf, im Jahr 1943, siedelten sich bereits die ausgebombten Askania-Werke an. Hierauf geht auch der Name Askaniahaus zurück.

Die Werke arbeiteten jetzt fast ausschließlich in der Rüstung. Instrumente und Apparate für die Luftwaffe wurden hier gebaut.

Mit Ende des zweiten Weltkriegs wird das Askaniahaus kurz als Rathaus genutzt, was heute noch gut am Schriftzug über dem Haupteingang zu sehen ist.

Ab 1946 ist das Areal Sitz der Hauptverwaltung der SAG-Betriebe, die Sowjetische Aktiengesellschaft in Deutschland.

Mit der allmählichen Übergabe der Staatsgewalt an die DDR-Organe zieht die SAG aus und das Ministerium für Staatssicherheit zieht in die alten Askaniawerke ein.

Im Gegensatz zur Kugellager- und Werkzeugfabrik Riebe haben die neuen Askaniawerke an der Berliner Allee den Krieg gut überstanden.

Mit dem Mauerfall in der DDR erobern sich Bürgerkomitees und Oppositionelle die alten Liegenschaften der Staatssicherheit, so auch in der Liebermann- und Neumagener Straße.

Viele waren schockiert über die Entdeckungen, die hier gemacht wurden. Mit Übernahme des Grundstücks hatte die Abteilung Personenschutz und die Staatseskorte hier ein überdimensioniertes Waffen- und Munitionslager angelegt.

Auf dem Hof befindet sich neben der erhaltenen Hauptwaffenkammer auch noch die unterirdische Raumschießanlage des MdI.

Seiner Entstehungszeit geschuldet verfügten die Askaniawerke über zahlreiche Schutzräume auf Kellerniveau.

Einige dieser Luftschutzeinrichtungen wurden von der Abt. Personenschutz ebenfalls als Waffenkammern genutzt, da die Schutzräume bereits über Luftschutztüren verfügten und einfach gesichert werden konnten.

Deutlich sind die Spuren der Zeit und die mehrmalige Umnutzung der Räumlichkeiten zu sehen. Immer wieder vermauerte Türen und Durchgänge.

Während die meisten dieser Kellerbunker heute von Künstlern oder kleinen Gewerbetreibenden genutzt werden, sind einige von ihnen noch im Zustand der 1990er Jahre, als die Waffen entfernt und die Räume für Jahrzehnte wieder verschlossen wurden.

In der Nachwendezeit befand sich das Finanzamt im Askaniahaus. Hiervon zeugt noch ein Fund Zehntausender Steuerunterlagen, die in der Waffenkammer der Staatseskorte von mir gefunden worden.

Kaum zu glauben, aber auf dem Hof des Askaniahaus ist die Zeit fast stehen geblieben. In den Kellern und Hofgebäuden sieht man noch die Reste der einstigen DDR.

Das gesamte Areal war ein Hochsicherheitsgebiet und mit Postentürmen gesichert. Geschichtsfreunde wird es freuen zu lesen, dass hier sämtliche Industriebauten denkmalgeschützt sind, soweit das Auge reicht.

Während wir Luftaufnahmen der Askaniawerke, Niles-Werke, der Kugellager-u. Werkzeugfabrik Riebe sowie den Resten vom Sternradio-Werk für neue Geschichten machen, sehe ich, dass eine der ehemaligen Bunkertüren offen steht.

Ich nutze die Gelegenheit gleich, um ein paar Fotos zu machen. Der Keller scheint so feucht zu sein, dass eine Nutzung ausgeschlossen ist. Das gleiche Bild wie in allen Kellern des Areals. Viel Grundwasser, viele Pumpen.

Fast ein Glück, in allen nutzbaren Kellereinheiten sind die Spuren der Geschichte verschwunden, in den unbenutzbaren steht die Zeit seit dem Auszug des Ministeriums für Staatssicherheit still.

Die Mischung aus Denkmalschutz und Unnutzbarkeit der Räumlichkeiten kommt mir hier zugute. Seit 2023 arbeite ich mich durch den Industriekomplex und bin überrascht, wie gut der Denkmalschutz hier gearbeitet hat, aber auch, wie viele ungenutzte und weitgehend erhaltene Teile es gibt, trotz einer so großflächigen Durchsanierung.

Der Keller, den ich betrete, gehört zur den wenigen Ungenutzten unter dem Produktionsgebäude Liebermannstraße. Das Gebäude wurde bei seiner Errichtung mit über einem Dutzend Luftschutzeinheiten im Keller ausgestattet. Diese waren damals noch untereinander verbunden und verfügten über mehrere Notausgänge.

Spätestens mit dem Einzug des Ministeriums für Staatssicherheit wurden die Bunkereinheiten getrennt. Türen und Gänge sowie die Notausgänge wurden vermauert. In den ehemaligen Askaniawerken saß jetzt die Abteilung Personenschutz und die Staatseskorte.

Das Ministerium benutzte die einstigen Luftschutzbunker und leichten Schutzräume als Waffenkammern. Die Hauptwaffenkammer befand sich wahrscheinlich auf dem Hof im alten Raspe-Werk, später auch Teil der Askaniawerke.

Gut erhalten haben sich auch die Parkplätze der Eskorte. Praktisch unberührt und nur teilberäumt harren die Räumlichkeiten der Zeit.

Nach den ersten Medienberichten über meine Entdeckungen auf dem Hof der Askaniawerke wurden sämtliche Räumlichkeiten nachgesichert.

Wer hier gearbeitet hat, wird von mir ermutigt sich zu melden und seine Geschichte zu erzählen.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Fotos: Christian Bormann, Guido Kunze, Pankowerchronik

Deutsches Zelt und Brechthaus Weißensee

Erbaut 1857 als Vorstadtvilla am Weißen See, sollte es hier mit der Ruhe nur nach wenigen Jahren schon vorbei sein. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde hier gefeiert, was das Zeug hielt.

Rund um den See entstanden Fahrgeschäfte, Gastwirtschaften und viele weitere Attraktionen wie Sterneckers Weltetablissement oder ab 1900 das Deutsche Zelt. Es waren die typischen Berliner Vorstadtvergnügungen, wie sie auch in Schönholz („Bolle reiste jüngst“) und in vielen weiteren Vororten des damals noch recht kleinen Berlins stattfanden.

Auch der See selbst wurde in die Vergnüglichkeiten mit einbezogen. So brach in der Mitte des Sees in Abständen ein kleiner Vulkan aus.

Der See konnte mit Booten befahren werden und ringsum gab es Speis und Trank.

Spätestens mit dem ersten Weltkrieg gingen diese Festlichkeiten ein. Männer mussten an die Front und wer daheim war, dem war nicht zum Feiern zumute. Die Ära der großen Berliner Vorortplätze war in den 1920er Jahren vorbei. Auch die einstigen Vororte selbst wurden jetzt zu Berliner Bezirken.

Aus den Festflächen wurden Wohnquartiere und das Feiern verzog sich nach Ende des 1. Weltkriegs in die Kneipen, Clubs und Bars der Städte.

So erging es auch dem Brechthaus in Weißensee. Wurde hier unter Carl Heerdt noch gespeist, gefeiert und getrunken, galt es jetzt Wohnraum für die städtischen Arbeiter zu schaffen.

Aus Heerdts Ausflugslokal wurde 1925 ein Wohnhaus und aus dem einstigen Biergarten mit Seeblick ein Hinterhof.

So blieb es fast 20 Jahre bis zum Ausbruch des 2. Weltkriegs, nach dessen Ende viele private und staatliche bzw. städtische Immobilien von den Sowjets beschlagnahmt wurden.

So befand sich nach Kriegsende von 1947 bis 1949 hier eine Außenstelle der Sowjetischen Kommandantur, die ihren Hauptsitz in der Breiten Straße im Rathaus Pankow hatte. Über die Außenstelle ist heute kaum etwas bekannt.

Die Gebäude, die auf dem Gebiet von Pankow zum Zwecke der Kommandantur beschlagnahmt wurden und in denen Deutsche keinen Zutritt hatten, wurden 1949 an den Magistrat von Berlin rückübertragen.

Von 1949 bis 1953 wurde das Haus von Bertold Brecht und Helene Weigel bewohnt. Mit der Gründung des Ost-Berliner Ensembles im Frühjahr 1949 brauchten dessen Intendantin Helene Weigel und der künstlerische Leiter Bertold Brecht ein Obdach.

In Berlin herschte nach dem Krieg noch Wohnungsnot. So zogen beide in die Berliner Allee 143. 

Nach nur 4 Jahren zogen sie wieder aus und im Rahmen der Aufbauprogramme der Deutschen Demokratischen Republik wurde die Villa 1955 zum Clubhaus der Volkssolidarität.

Das Haus war bald hundert Jahre alt und schon sehr renovierungsbedürftig. So verwundert es dann auch nicht, dass sich die Türen der alten Vorstadtvilla 1986 wegen ebendieser Renovierungsbedürftigkeit schlossen.

Im gleichen Jahr entstand dafür anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins das Wandbild „Der Kirschendieb“ nach Brecht am Brandgiebel der Berliner Allee 177, nur wenige Meter neben dem geschlossenen Brechthaus.

Teilrenoviert eröffnete das Haus 1992 noch ein letztes Mal. Es zogen Künstler ein und das Kulturamt selbst unterhielt hier einige Büros.

Wie in allen so genannten neuen Bundesländern war auch das Brechthaus vom Alteigentümerrückübertragungsforderungen betroffen. Genauer gesagt waren es die Erben der Alteigentümer.

Die geschichtsträchtige Vorstadtvilla wurde an die Erben rückübertragen und ihre Türen schlossen sich Anfang der 2000er Jahre für die Öffentlichkeit.

Spaziert man heute vom Askaniahaus die Berliner Allee hoch, ist bis auf die alte Felssteinkirche nicht viel Historisches zu sehen. Das Brechthaus, inzwischen äußerlich stark verwittert, versteckt sich hinter einer großen Hecke.

Im Sommer, wenn das Fenster im ersten Stock zur Straße offen steht, kann man als Spaziergänger die vielen Gitarren an den Wänden sehen und mit etwas Glück hört man auch eine von ihnen.

Das Wandbild der Kirschendieb verschwand schon 2018 hinter einem neuen Wohnhaus und die nächste Baugrube wartet bereits darauf, auch die kleine Brechtvilla in seinem Schatten verschwinden zu lassen.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann, Pankowerchronik

Café Achteck oder die Toilette am Senefelder Platz

Wer kennt es nicht, das kleine, achteckige, historische Toilettenhaus am Senefelder Platz, in Sichtweite des Denkmals für Alois Senefelder.

Furchtbar muss es noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Städten gestunken haben. Die heutige Kanalisation nach dem Vorbild Hobrechts gab es noch nicht. Fäkalien wurden zumeist an Ort und Stelle belassen.

Das galt nicht nur für die Heimfäkalien. Auch wer unterwegs war, musste sich erleichtern. Das geschah in Berlin zumeist von Brücken nicht jeder Berliner hatte gleich eine Spreebrücke beim Spazieren vor der Nase. Zudem war auch das Urinieren von Brücken strengstens verboten und für Frauen kam das sowieso nicht in Frage.

Zwei Toiletten sind allerdings überliefert, sie dürfen getrost als die ersten Aborte Berlins bezeichnet werden. Unter einem der Stadtschlossportale soll sich 1737 eine Urintonne befunden haben. Im Stadtschloss selbst soll sich eine sogenannte Comodität befunden haben. Sie lag über der Spree, wohin dann auch die Hinterlassenschaften nach verzichtetem Geschäft verschwanden.

Anfang des 19. Jahrhunderts kam es zum Streit zwischen Magistrat und Polizeipräsidenten über die Errichtung öffentlicher Bedürfnisanstalten. Zu langsam schritt die Entwicklung der öffentlichen Berliner Aborte voran. Am Askanischen Platz und an der Fischerbrücke sollen 1863 die ersten zwei enstanden sein.

Kurz darauf enstanden 54 weitere Bedürfnisanstalten. Auf Weisung des damaligen Polizeipräsidenten Guido von Madai wurden geräumige Pissoirs mit achteckigem Grundriss aufgestellt. Im Urprung waren das Dach sowie die Galerie aus Glas, der Rest bestand aus Guseisenplatten. Spätere Varianten hatten kein Glas mehr und waren in Gänze aus verzierten Gusseisenplatten.

Der heutige Fachausdruck ist wohl „Café Achteck“, der einfache Berliner sprach vom „Madai-Tempel“. Sogenannte Vollanstalten, die auch von Frauen und Kindern genutzt werden konnten, waren sehr selten. Die erste Vollanstalt wurde im Roten Rathaus eingebaut.

Findige Unternehmer erkannten schnell, welches finanzielle Potenzial in öffentlichen Bedürfnisanstalten steckte. So schossen die privaten ab 1870 wie Pilze aus dem Boden. Ein neuer Markt war geschaffen. Das Bauen und Unterhalten dieser Einrichtungen war eine lukrative Angelegenheit.

Der erfolgreichste Unternehmer dieser Zunft soll ein Herr Protz gewesen sein. Seine privat betriebenen öffentlichen Toiletten sollen rechteckig gewesen sein. Es waren Vollanstalten mit sechs getrennten Closetts. Nachdem der Markt geschaffen war, wollte Berlin sich das Geschäft mit dem Geschäft nicht entgehen lassen. Und so wurde der Betrieb der Anlagen zur Pacht ausgeschrieben.

Nach etwa zwei Jahrzehnten wurde der Toilettenmarkt vom Magistrat liquidiert. Die Stadt betrieb die öffentlichen Bedürfnisanstalten ab 1906 selbst. Das kleine grüne Achteck ist heute noch ein echter Hingucker und nach wie vor in Betrieb.

Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Bilder: Christian Bormann Pankowerchronik

Grabbeallee 67, die Villa mit Blumenjunge

Ganze 994 Meter soll die Grabbeallee lang sein. Einst der Weg nach Schönhausen, machte sich in den 1880er Jahren eine Terraingesellschaft daran, das Waldstück westlich des Schlosses Schönhausen zu erschließen.

Es waren die Schönhauser Fichten, die sich einst bis zur Jungfernheide erstreckten. Das verbliebene Waldstück ist die Schönholzer Heide. Auf dem Messstichblatt von 1872 gab es hier am Weg nach Schönhausen nur einige Gehöfte mit dazugehörigen Äckern.

Das Areal wurde „Bismarcksruh“ genannt. Höchstwahrscheinlich geht auch der Name Wilhelmsruh auf eine solche Terrainbenennung zurück. Bis zu 150 Vorstadtvillen sollten entstehen. Aus dem Weg nach Schönhausen wurde die Lindenstraße. Vom Bürgerpark bis zum Pastor-Niemöller-Platz enstanden herrliche Historismusvillen.

Von der einstigen Villensiedlung an der Lindenstraße sind heute nur noch sieben Häuser zur Straße hin sichtbar geblieben. Die herausragenden zwei Häuser sind das Haus Horridoh und die Villa mit Blumenjunge. Beide stehen unter Denkmalschutz. Die Historismusvilla Grabbeallee 68, ehemals Lindenstraße 42, wurde im September 2025 abgerissen.

Den Namen Grabbeallee erhielt die Lindenstraße 1936. Vom Haus Horridoh sind heute spannende historische Details vom Leben der Bewohner überliefert. Zum Beispiel die Affenzucht eines Pankgrafen, der hier bis zu seinem Umzug wohnte.

Die Villa mit Blumenjunge steht derzeit zum Verkauf. Die Front zur Straße scheint noch im unrestaurierten Originalzustand zu sein. Die denkmalgerechte Sanierung muss sich der Käufer erst einmal leisten können.

Wer das nötige Kleingeld und ein Herz für historische Gebäude hat, ist herzlich eingeladen die Villa zu kaufen und zu restaurieren. Für die alte Villa Grabbeallee 68 ist es schon zu spät.

Der Abrissbagger brauchte keine Woche, um das Historismusgebäude von 1876 zu einem Haufen aus Holz und Stein zu verwandeln. Ein trauriger Anblick, aber Alltag in Ballungsräumen.

An der Fassade hing sogar noch die 149 Jahre alte historische Hausnummer der Lindenstraße. Beim Wechsel auf die neue Straßennummerierung wurde sie ausgekreuzt, aber hängengelassen. Die damals neue Nummer 68 wurde einfach daneben genagelt. Beide Nummern konnte ich in Absprache mit dem Abrissunternehmer sichern.

Die restlichen 6 Villen sind saniert. Nicht mehr mehr viel erinnert an die einst prächtigen Stuckbehänge. Dennoch bietet ihr Anblick eine willkommene Abwechslung zu den Mehrfamilienhäusern, die heute das Bild der Grabbeallee bestimmen.

Es bleibt spannend, wie es mit den zwei denkmalgeschützten Villen Haus Horridoh und der Villa mit Blumenjunge weitergeht. Von der Hausnummer 68 ist nur ein Trümmerhaufen geblieben.

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Autor: Christian Bormann

Red. Bearbeitung: Martina Krüger

Foto: Christian Bormann

Bormann's Pankower Chronik. Sagen, Mythen und Legenden aus Pankow. Autor Christian Bormann.