Krieg in Nahost

Das US-Militär hat eine neue Angriffswelle gegen den Iran begonnen. Die gestern Abend gestarteten Angriffe zielten darauf ab, die militärischen Mittel des Iran, Handelsschiffe in der Straße von Hormus attackieren zu können, zu schwächen, teilte das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit. Damit greifen die USA in der inzwischen zehnten Nacht in Folge Ziele der Islamischen Republik an.

Teheran hatte zuvor Vergeltungsschläge gegen Länder mit US-Militärstützpunkten in den Golfstaaten und Jordanien ausgeführt.

US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit besonders harter Vergeltung. „Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten tötet, wird er diesen Tod um ein Vielfaches bezahlen!“, schrieb er auf Truth Social. Am Wochenende hatte das US-Militär erstmals seit den Anfangstagen des Iran-Krieges wieder den Tod von drei weiteren US-Soldaten nach iranischem Beschuss verkündet.

Bericht über neue Vermittlungsversuche

Unterdessen gibt es Berichte über einen neuen Anlauf zu einer Konfliktlösung auf diplomatischem Weg. Das iranische Außenministerium sprach von „indirekten“ Kontakten mit Washington. „Wir sind stets offen für Diplomatie“, so auch US-Außenminister Marco Rubio.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf einen iranischen Insider, Vermittler hätten eine neue Waffenruhe von zehn Tagen vorgeschlagen.

Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen verhängen nach eigenen Angaben eine „Seeblockade“ gegen Saudi-Arabien. Diese gelte ab sofort, teilte der Militärsprecher der Huthis gestern mit. Bereits vergangene Woche hatte die Miliz Saudi-Arabien mit Angriffen auf Ölanlagen gedroht.

Die Blockade sei eine Reaktion auf die seit fast zwölf Jahren andauernde „ungerechte und unterdrückende Belagerung unseres geliebten Volkes durch Saudi-Arabien“, hieß es. Dabei würden die Ressourcen im Jemen geplündert sowie die Häfen und Flughäfen blockiert.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete weiters, die Huthis würden auf Bitte Teherans eine Sperre des Seeweges für Öltransporte im Roten Meer vorbereiten. Vor der Küste des Jemen liegt die Meerenge Bab al-Mandab, der Zugang zum Roten Meer.

Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition kündigte eine entschlossene Reaktion auf die Drohungen an. Das sei eine eklatante Verletzung des Völkerrechts und stelle einen Akt der Piraterie dar, teilte das Bündnis mit. Es seien bereits Schutzmaßnahmen für Schiffe eingeleitet worden, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren.

Vierjährige Waffenruhe beendet

Die Huthi-Rebellen hatten vergangene Woche Raketen auf Saudi-Arabien abgefeuert, nachdem sie das Königreich beschuldigt hatten, einen unter ihrer Kontrolle stehenden Flughafen bombardiert zu haben.

Damit endete eine vierjährige Waffenruhe zwischen den schiitischen Huthis und dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien.

In drei Ortschaften im Südlibanon haben laut US-Außenministerium erste Maßnahmen zur Umsetzung einer zwischen Israel und dem Libanon vereinbarten Sicherheitsregelung begonnen. Die „Pilotzonen“ seien gemäß einem trilateralen Rahmenabkommen in den Orten Frun, Srifa und Sawtar al-Gharbiya etabliert worden, teilte das US-Außenministerium gestern mit.

Die US-Regierung wolle weiterhin mit beiden Parteien zusammenarbeiten, um das Rahmenabkommen umzusetzen, hieß es weiter. In den „Pilotzonen“ sollen die libanesischen Streitkräfte die Kontrolle übernehmen und die proiranische Terrororganisation Hisbollah entwaffnen, während sich die israelische Armee gleichzeitig schrittweise zurückzieht.

Die „Pilotzonen“ sollen zeigen, ob dieser Ablauf in der Praxis funktioniert, bevor das Vorgehen auf weitere Gebiete ausgeweitet wird. Aus Israel und dem Libanon gibt es bisher keine Bestätigung für den Schritt.

Ausland

Im Fall um die britische Brexit-Politikerin Ann Widdecombe ist der zuvor als Tatverdächtiger geltende 28-jährige Brite wegen Mordes angeklagt worden. Der Mann aus der Grafschaft South Yorkshire werde heute vor Gericht erscheinen, teilte der Crown Prosecution Service, die Anklagebehörde von England und Wales, mit.

„Die Ermittlungen der Polizei zu den Motiven des Angeklagten dauern an, darunter auch die Prüfung eines möglichen politischen oder terroristischen Hintergrunds“, sagte der Chief Crown Prosecutor Frank Ferguson. „Wir werden die Polizei auch im weiteren Verlauf der Ermittlungen weiterhin unterstützen.“ Der Angeklagte habe das Recht auf ein faires Verfahren.

Schwere Verletzungen

Die mutmaßliche Ermordung von Widdecombe hatte in Großbritannien enormes Aufsehen erregt. Die 78 Jahre alte frühere Abgeordnete und Brexit-Befürworterin Widdecombe war Anfang Juli in ihrem Haus im Dartmoor in der Grafschaft Devon tot aufgefunden worden. Ihre Leiche wies schwere Verletzungen auf. Daraufhin wurde eine Mordermittlung eingeleitet.

Widdecombe war jahrelang Abgeordnete für die Konservativen im britischen Unterhaus und saß schließlich als überzeugte Befürworterin des EU-Austritts für die Partei von Nigel Farage als Abgeordnete im Europäischen Parlament.

Die ungarische Schachgroßmeisterin Judit Polgar hat einen Vorschlag von Ungarns Regierungschef Peter Magyar abgelehnt, die neue Präsidentin des Landes zu werden. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Kraft habe, die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen“, schrieb Polgar gestern in Onlinediensten. „Daher kann ich die Einladung nicht annehmen.“

Magyar hatte zuvor auf Facebook erklärt, dass er Polgar treffen und sie um die Übernahme des Amtes der Staatschefin bitten wolle. „Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können“, erklärte Magyar.

Die frühere ungarische Schachspielerin Judit Polgar
IMAGO/ZUMA Press/Netflix

Die 49-jährige Polgar gilt als die größte Schachspielerin aller Zeiten. Sie war rund ein Vierteljahrhundert lang die Nummer eins der Frauen im Schach und ist bis heute die einzige Frau, die es unter die besten zehn aller Kategorien weltweit geschafft hat.

Der bisherige Präsident Tamas Sulyok, ein Vertrauter von Ex-Regierungschef Viktor Orban, hatte aufgrund einer Verfassungsänderung sein Amt verloren.

Der berüchtigte mexikanische Drogenboss Ismael „El Mayo“ Zambada ist in den USA zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Ein Bundesgericht in New York verhängte gestern die Strafe gegen den 76-jährigen Mitbegründer des Sinaloa-Kartells.

Eine Gerichtszeichnung zeigt5 Ismael „El Mayo“ Zambada
AP/Elizabeth Williams

Zambada sei Anführer einer kriminellen Vereinigung gewesen und habe „fast vier Jahrzehnte damit verbracht, amerikanische Gemeinden zu vergiften“, erklärte Staatsanwalt Joseph Nocella. „Heute schließt sich dieses Kapitel endgültig.“ Dem US-Justizministerium zufolge ist eine Haftentlassung ausgeschlossen.

Umstrittene Festnahme

Zambada hatte zusammen mit Joaquin Guzman, der später als „El Chapo“ weltbekannt wurde, das mexikanische Sinaloa-Kartell gegründet. Festgenommen wurde er im Juli 2024. Die Festnahme sorgt noch heute für Verstimmungen im Verhältnis zwischen den USA und Mexiko.

Zwar behaupten die US-Behörden, das FBI sei nicht an einem möglichen Komplott beteiligt gewesen, doch daran gibt es Zweifel. Die mexikanische Regierung pocht immer wieder darauf, dass US-Behörden ohne ihre Zustimmung keine Aktionen auf mexikanischem Boden ausführen dürfen.

Ukraine-Krieg

In dem tagelangen Streit über die ukrainische Militärführung hat sich erstmals der Oberkommandierende Olexander Syrskyj geäußert, der möglicherweise vor der Entlassung steht. Es sei für ihn überraschend gewesen zu erfahren, dass er einen Konflikt mit dem entlassenen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gehabt haben solle, schrieb Syrskyj gestern in der offiziellen Militärzeitschrift „Militarnyj“.

Er habe das für unterschiedliche Auffassungen zwischen Ministerium und Militär in Sachfragen gehalten. „So sollte es zwischen zwei Institutionen während eines großen Krieges auch sein“, erklärte der General. Er sei manchmal hart. „Falls ich jemanden in irgendeiner Weise gekränkt habe: Mychajlo Albertowitsch, bitte entschuldigen Sie!“

In der Ukraine gibt es seit Tagen Proteste, weil Präsident Wolodymyr Selenskyj Verteidigungsminister Fedorow entlassen hat. Dieser gilt als Reformer, der vor allem die erfolgreiche Drohnenkriegsführung vorangetrieben hat. Zugleich fordern die Demonstranten den Rücktritt Syrskyjs, dem vorgehalten wird, zu sehr an taktischem Denken aus Sowjetzeiten festzuhalten.

Inland

Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) will das Sexualstrafrecht nun auch in Hinblick auf Videos von Vergewaltigungen verschärfen. Im Rahmen einer im Herbst startenden Arbeitsgruppe werde geprüft, ob der bloße Besitz derartigen Materials strafbar sein solle.

„Ich wäre dafür“, sagte Sporrer heute im Ö1-Mittagsjournal. Derzeit gilt das laut Opferschutzorganisationen als blinder Fleck im österreichischen Sexualstrafrecht.

Gewalt gegen Frauen sei „nicht hinzunehmen“, sagte Sporrer. Sie werde sich gemeinsam mit der Frauenministerin dafür einsetzen, dass künftig nicht nur Kinder, sondern „auch erwachsene Opfer, die von diesem Missbrauchsmaterial betroffen sind, geschützt werden“.

Grüne mit Vorstoß

Zuvor hatten die Grünen entsprechende Anpassungen im Gesetz gefordert. Österreich brauche „einen eigenen Straftatbestand für den Besitz und die Weitergabe solcher Aufnahmen“, sagte Frauensprecherin Meri Disoski.

Anfang Juli hatten die internationalen Ermittlungen der „Operation Medusa“ gegen ein länderübergreifendes Missbrauchsnetzwerk für Betroffenheit gesorgt. Dabei hatten die Behörden laut Europol mehr als hundert Männer, die ihre Partnerinnen erst betäubten, sie dann sexuell missbrauchten und währenddessen filmten, identifiziert.

Wie das Bundeskriminalamt erneut klarstellte, gebe es in den Datensätzen der „Operation Medusa“ auch weiterhin keinen Österreich-Bezug.

Ermittlungen zu Fall in Tirol

Am Wochenende hatte Ö1 über den Fall eines 44-Jährigen berichtet, der in Tirol seine Lebensgefährtin und möglicherweise auch weitere Personen mehrmals betäubt und vergewaltigt haben soll. Der Mann sitzt wegen dringenden Tatverdachts in Untersuchungshaft.

Laut Staatsanwaltschaft Innsbruck besteht der Verdacht, dass Foto- und Videomaterial hergestellt wurde.

Wirtschaft

Eine Bundesrichterin in Kalifornien hat die geplante Übernahme des Film- und Medienkonzerns Warner Bros Discovery (WBD) durch den Konkurrenten Paramount Skydance vorübergehend auf Eis gelegt. Die Richterin in Oakland nahe San Francisco erklärte gestern laut einem Gerichtsdokument, sie wolle den Fall zunächst eingehend prüfen.

Kalifornien und elf weitere US-Bundesstaaten hatten vor einer Woche eine Klage bei dem Bundesgericht eingereicht. Sie argumentieren, die bereits genehmigte Übernahme führe zu „höheren Preisen, geringerer Qualität und weniger Inhalten“ für das Publikum.

Die zwölf von Demokraten regierten Bundesstaaten berufen sich auf ein Bundesgesetz, das Fusionen untersagt, wenn sie den Wettbewerb erheblich verringern könnten.

Die US-Regierung hatte die Übernahme, die auch den bekannten Nachrichtensender CNN umfasst, im Juni ohne Auflagen genehmigt.

Der britische Energiekonzern BP verkauft sein österreichisches Tankstellen- und Ladesäulennetz an das Schweizer Unternehmen Volenergy. Die Vereinbarung umfasse 250 BP-Tankstellen sowie die Infrastruktur für das Laden von Elektroautos, teilte BP gestern mit.

Die Tankstellenstandorte in Österreich sollen nach Abschluss der Transaktion, die bis Ende 2026 erwartet wird, im Rahmen einer Markenlizenzvereinbarung weiterhin unter der Marke BP betrieben werden, hieß es in einer Aussendung.

Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Der Verkauf von 100 Prozent der Anteile an der BP Retail Austria GmbH stehe noch unter dem Vorbehalt der behördlichen Genehmigungen. Zudem trenne sich BP von seinen Anteilen an drei Gemeinschaftsunternehmen.

Mit dem Schritt treibt BP die Vereinfachung seines Portfolios voran. Der Konzern will Kosten senken und sich wieder stärker auf Investitionen in das Öl- und Gasgeschäft konzentrieren. Zuvor hatte sich BP bereits von seinem Tankstellengeschäft in den Niederlanden, der Türkei und der Schweiz getrennt.

Chronik

Ein 43 Jahre alter Mann ist in Bologna in Italien nach einem Polizeieinsatz gestorben. Die Polizei war am Samstag in den Stadtteil Pilastro gerufen worden, nachdem Anrainer gemeldet hatten, der aus Marokko stammende Mann habe sich aggressiv verhalten.

Laut Angaben der Behörden schlug er unter anderem auf einen Streifenwagen ein. Der Mann starb laut Berichten von Augenzeugen, nachdem sich zwei Polizisten längere Zeit auf ihn gesetzt hatten, während er auf dem Boden lag.

Wegen des Todesfalls kam es gestern Abend zu gewaltsamen Protesten. Sicherheitsbeamte setzten Tränengas und Wasserwerfer ein, nachdem Protestierende unter anderem einen Feuerwerkskörper in der Nähe eines Polizeigebäudes gezündet hatten. Hunderte Menschen versammelten sich zur Demonstration im Zentrum Bolognas.

Video veröffentlicht

Die Beamten setzten eigenen Angaben zufolge Pfefferspray ein und fixierten den Mann mit Handschellen beziehungsweise Kabelbindern an den Handgelenken. Kurz darauf habe der Festgehaltene aber einen medizinischen Notfall erlitten und sei trotz des Eingreifens des Rettungsdienstes gestorben.

Die Tageszeitung „La Repubblica“ veröffentlichte ein Video, auf dem zu sehen ist, wie der Mann mehrfach um Hilfe ruft, ohne dass die beiden Polizisten von ihm ablassen. Später gibt er keine Lebenszeichen mehr von sich.

Angehörige erheben schwere Vorwürfe

Die Familie des Verstorbenen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Seine Schwester erklärte, ihr Bruder sei misshandelt worden und forderte Aufklärung. Sie sprach von einem gewaltsamen Vorgehen der Beamten und forderte Gerechtigkeit.

In einer ersten Reaktion wies die Polizei die Vorwürfe entschieden zurück. Man sei auf Anforderung und aufgrund von Beschwerden von Nachbarn eingeschritten. Der 43-Jährige war polizeibekannt und litt nach Angaben von Angehörigen unter gesundheitlichen Problemen. Ob diese letztlich für seinen Tod ausschlaggebend waren, soll nun eine Obduktion klären.

Innenminister Matteo Piantedosi erklärte, er habe volles Vertrauen, dass die Untersuchung den Sachverhalt aufklären werde. Die Polizei in Bologna kündigte an, den Ermittlern die Aufnahmen der Bodycams der beteiligten Beamten zur Verfügung zu stellen.

Umwelt & Klima

Waldbrände toben in weiten Teilen Siziliens und Sardiniens. Allein auf Sizilien waren gestern mehr als 100 Einsätze von Zivilschutz, Feuerwehr und Forstbehörden erforderlich. Mehrere Brände konnten unter Kontrolle gebracht werden, andere flammten erneut auf. Besonders kritisch war die Lage in Castronovo di Sicilia in der Provinz Palermo.

Waldbrand in Sizilien
IMAGO/Anadolu Agency/Alberto Lo Bianco

Auch in der Provinz Enna war die Situation angespannt. Am Ortsrand von Nissoria bedrohten Flammen mehrere Wohnhäuser, vier Feuerwehrmannschaften sind dort im Einsatz. Weitere Brände wurden in der Provinz Trapani gemeldet, wo ein Wald unmittelbar an den Ort grenzt. Im Hinterland von Agrigent zerstörte ein Feuer rund 250 Hektar Staatswald und mediterrane Macchie.

Parallel verschärfte sich die Lage auf Sardinien. Einsatzkräfte kämpften mit Hubschraubern und Löschflugzeugen gegen Waldbrände. In Oniferi in der Provinz Nuoro erreichten die Flammen den Ortsrand und bedrohen Wohnhäuser.

Bei Überschwemmungen in der afghanischen Provinz Nuristan sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 80 weitere Menschen seien verletzt worden, 100 Menschen würden zudem noch vermisst, teilte die afghanische Katastrophenschutzbehörde ANDMA gestern im Onlinedienst X mit.

Die Opfer wurden den Angaben zufolge in der Provinzhauptstadt Parun und in anderen Gebieten von Nuristan gemeldet. Die Provinz liegt im Osten Afghanistans und grenzt an Pakistan.