Deena Mohamed: Shubeik Lubeik (2022/2025) – gelesen

Es war eine Empfehlung in der SZ, es ist ein Weihnachtsgeschenk für mich: ein schönes Buch, Deena Mohameds „Shubeik Lubeik“: eine graphic novel, die man von hinten nach vorn liest und von rechts nach links, weil sie aus dem Ägyptischen (von Laila und Resel Rebiersch) übersetzt ist. Es geht um das Wünschen und seine Problematik.

Wünschen ist, so lernt man in dem Buch, strenggläubigen Moslems nicht erlaubt, weil es Gottes Güte in Frage stellt. Und wenn man sich nicht an die Vokabel „wünschen“ klammert, kann man auch an die vergessenen Gebote resp. Verbote am Ende des Dekalogs erinnern: „Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört.“ (Ex 20,17) Es geht um das Begehren, dem im Kapitalismus propagierten Antrieb der Menschen im Umgang mit der Welt. Es gibt offenbar erst-, zweit- und drittklassige Wünsche; der Handel mit drittklassigen Wünschen ist in Ägypten und vielen Ländern verboten, weil aus ihnen viel Unheil entsteht. So verliert einer Arm und Bein, weil er sich gewünscht hat, zehn Kilo leichter zu sein, oder man bekommt ein Spielzeugauto, wenn man sich einen Mercedes gewünscht hat.

Das erzählte Geschehen kreist um einen Kioskbesitzer, dem von einem Italiener drei erstklassige Wünsche geschenkt worden sind, mit einem Zertifikat ihrer Echtheit. Als Moslem glaubt er sie nicht nutzen und auch nicht verkaufen zu dürfen. So liegen sie fein säuberlich in einer Kiste – und werden dann doch verkauft, zumindest der erste und der zweite. Für den ersten hat eine Frau jahrelang geschuftet; als sie ihn endlich hat, fällt sie einem Polizisten und dann der ägyptischen Justiz in die Hände: Eine arme Frau könne sich solche Wünsche nicht leisten, das Zertifikat nützt nichts, sie wird enteignet und kommt ins Gefängnis. Der zweite Wunsch geht an einen Studenten, der an einer Depression leidet und der mit seinem Wunsch nicht nur keinen Erfolg hat, sondern auch trotz Psychotherapie vereinsamt, bis er einem anderen hilft und so aus seiner Krise findet. Mit dem dritten Wunsch will der Besitzer nach langen Überlegungen und mit großen Skrupeln einer krebskranken alten Frau helfen, die sich aber absolut weigert, den Wunsch anzunehmen – warum sie das tut und wie sie nach Erfüllung eines erstklassigen Wunsches gelebt hat, ist dann eine Geschichte für sich. Schließlich verwendet der Besitzer seinen dritten Wunsch für einen abgehalfterten alten Esel, der sprechen kann und den er in einen Menschen verwandelt, einen jungen Mann von 20 Jahren.

Man liest viel von den zahlreichen Vorschriften über den bürokratischen Umgang mit Wünschen und von der Entwicklung der entsprechenden Gesetze in Ägypten. Auch die verhaftete Frau und der einst deprimierte Student tauchen wieder auf – ein rundum gelungenes Buch, das einen prächtig unterhält und über die simpelste Sache der Welt nachdenken lässt: über das Wünschen, seinen Sinn und Unsinn. https://www.radiodrei.de/themen/literatur/rezensionen/comic/2025/deena-mohamed-shubeik-lubeik.html

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Ph. Roth: Portnoys Beschwerden (1969) – gelesen

Philip Roth habe ich erst kürzlich als Autor einer beeindruckenden Erzählung kennengelernt. „Portnoys Beschwerden“ (1969) ist der erste Roman von ihm, den ich lese – ein fulminantes Buch, das 1969 Aufsehen erregte und auch 2025 noch zu fesseln vermag. Es gibt einen umfangreichen Artikel in der Wikipedia, so dass ich mich mit einigen Hinweisen begnügen kann; um mich mit diesem Artikel auseinanderzusetzen müsste ich das Buch noch zweimal lesen, wozu ich aber keine Lust habe; wenn man die Hälfte gelesen hat, kommt nämlich nichts wesentlich Neues mehr. Erst zum Schluss berichtet der Ich-Erzähler Alexander Portnoy, 33 Jahre alt, noch von vergangenen gescheiterten Beziehungen zu normalen Mädchen.

Die Situation: Portnoy ist (liegt?) bei seinem Psychiater Spielvogel und berichtet ihm von seinem unerfüllten Leben: Seine Mutter hat ihn mit ihrer Sorge, ihrer Liebe, ihren Verboten schrecklich klein gehalten; da die Eltern Juden sind, kommen spezifisch jüdische Verbote hinzu – und die Minderwertigkeit der kleinen Juden gegenüber der alten weißen Herrschaftsclique in den USA. Portnoys Ausweg aus diesen Zwängen ist bei vorbildlichem sozialem Engagement sein heimliches ungezügeltes Masturbieren und später ein hemmungsloses Sexualleben mit seinem „Äffchen“ (und anderen Frauen), einem dummen Model für Damenunterwäsche, das ausgesprochen hübsch und wild ist und Portnoy unbedingt heiraten will. Er lässt sie in Athen sitzen und fliegt allein weiter nach Israel, wo ihm aber auch keine Umkehr gelingt.

Als Portnoy seine Beichte beendet hat, sagt der Arzt: „So. Dann wollen wir mal [mit der Therapie] anfangen. Ja?“ Ende offen – über einen möglichen Erfolg der Therapie zu spekulieren verbietet sich.

Die Mutter als Schicksal“, das kennen wir aus Felix Schottlaenders glänzender Analyse (1967 bereits als Taschenbuch). Eine jüdische Mutter ist anscheinend noch einen Grad schlimmer. Der Aufstand gegen die „Mütter“ ist der Weg zur Befreiung.

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