Johannes Fried hat eine Darstellung der mittelalterlichen Geschichte und Kultur geschrieben, die für weitere Kreise bestimmt ist. Das macht sie gut lesbar, auch wenn man die zahlreichen Namen und Verwicklung bald wieder vergisst, macht sie aber auch in mancherlei Hinsicht oberflächlich: „Über Hus und die Hussiten, über die Böhmischen Brüder führte der Weg, den John Wiclif geebnet hatte, hin zu Martin Luther, der den Antichristen in Rom residieren sah, führte weiter zu Huldreich Zwingli und Johannes Calvin…“ (S. 511) – was weiß oder versteht man, wenn man solche Sätze liest? Aber wenn man für 1000 Jahre 550 Seiten zur Verfügung hat, geht es nicht ohne Bilder und Abkürzungen.
Fried macht deutlich, dass das Mittelalter keineswegs nur „finster“ war, und zeigt in seinen Ausführungen wie noch einmal im Epilog, welche Leistungen das Mittelalter erbracht hat. Unter Karl dem Großen wurde die aristotelische Logik und Dialektik wiederentdeckt, wurde in Schulen gelehrt, ermöglichte ein neues Denken und Sprechen. In der Auseinandersetzung mit den Mongolen erweiterte sich der Horizont, Unis und Schulen brachten Gelehrte, speziell auch Juristen und Notare hervor, ohne die die modernere Verwaltung und die rationale Herrschaft nicht möglich gewesen wären. Die Technik machte Fortschritte, es bildete sich eine rationale Geldwirtschaft aus, Transporte zu Lande und zu Wasser nachmen zu, das Weltbild veränderte sich (Kugelgestalt der Erde), die Bildung von Nationen begann, nur Deutschland zersplitterte sich, teils in der Folge des Kaisertums und seiner unseligen und teuren Züge nach Italien; Herrschaft wurde ausgebaut und begrenzt, die reichen Bürger in den Städten meldeten sich zu Wort: Die Einheit Europas wurde begründet.
Mich als ehemaligen Lehrer hat vor allem beeindruckt, welch große Bedeutung die Einsicht in die Grammatik des Satzes, das Verständnis der Kategorien des Aristoteles und der Ausbau der Schulen in Klöstern und Städten hatte.