Sándor Márai: Die Glut – gelesen

Dieser Roman ist erstmals 1942 in Budapest erschienen, auf Deutsch 1950 und dann erneut 1999. Es geht um zwei alte Männer, 75 Jahre alt, den General Henrik, der auf einem Schloss lebt und den Konrad, sein Freund seit 65 Jahren, seit ihrem Besuch der Kadettenanstalt, der aus den Tropen nach London zurückgekehrt ist, besucht. Die intensive Freundschaft der beiden war nicht frei von Spannungen, und zwischen ihnen hat auch Krisztina gestanden, Henriks schöne Frau, die Konrad schon als Kind kannte und mit ihm durch die Liebe zur Musik verbunden war.

Diese Freundschaft hat vor 41 Jahren einen Bruch erlitten, als die beiden auf der Jagd waren und Henrik zu wissen glaubte, dass Konrad Anstalten machte, ihn hinterrücks zu erschießen, was dann aber doch nicht geschah. Am Abend dieses Tages haben die drei noch im Schloss zusammengesessen, am anderen Tag (2. 7. 1899) ist Konrad ohne Ankündigung in die Tropen aufgebrochen; Henrik war an diesem Tag erstmals in Konrads Wohnung, deren Einrichtung samt Doppelbett ihn verwunderte, zumal dann unangemeldet auch seine Frau in die Wohnung kam und auf die Nachricht von Konrads Abreise nur „Feigling“ sagte und verschwand. Wie man im Verlauf der Erzählung spät erfährt, hat Henrik seit diesem Tag nicht mehr mit seiner Frau gesprochen, auch nicht im Schloss bei ihr gewohnt; er hat vergeblich auf eine Erklärung oder ein Bekenntnis von ihr geweartet. Erst unmittelbar vor ihrem Tod acht Jahre später hat sie ihn zu sich gerufen.

Die Geschichte der Freundschaft, der Ehe Henriks und viele Gedanken des alten Mannes Henrik über Freundschaft, Liebe, Treue, Lebensaufgabe machen das erzählte Geschehen aus – und dann eben das Abendessen der beiden alten Freunde und ihr nächtliches Gespräch, auf welches der ganze Roman zusteuert, das aber ohne wirkliche Dramatik verläuft, weil vor allem Henrik redet, der angeblich „Rache“ nehmen will. Es ist Henrik klar, dass Konrad ihn erschießen wollte und dass der mit seiner Frau ein Verhältnis hatte. Er will daher von Konrad nur wissen, ob seine Frau wusste, dass Konrad ihn erschießen wollte – diese Frage beantwortet Konrad nicht, und das Tagebuch Krisztinas, in dem vermutlich die Antwort zu finden wäre, wirft Henrik ungeöffnet ins Feuer (paradox, oder?). Die zweite Frage lautet: Was haben wir beide damit gewonnen, dass wir Krisztina überlebt haben? Ist der Sinn des Lebens die Leidenschaft, die uns an eine einzige Person bindet oder auch nur an die Sehnsucht?

Das Buch stellt viele Fragen, die man normalerweise mit niemandem bespricht, die man sich nur selbst stellt. Dabei ist es nicht frei von Schwulst: „Es stimmt nicht, daß das Schicksal heimlich in unser Leben tritt. Nein, das Schicksal tritt durch die Tür herein, die wir ihm öffnen, und wir bitten es, doch näher zu treten. Kein Mensch ist stark oder klug genug, mit Taten oder Worten das Unglück abzuwenden, das mit eherner Gesetzmäßigkeit aus seinem Wesen, seinem Charakter folgt.“ Oder Henriks Gewissheit, dass er im Krieg unversehrt bleiben wird, weil noch die letzte Begegnung mit Konrad ihm bevorstehe. Und Mythisches: die verschiedenen Sorten Blut, die Krisztina in sich gehabt habe: italienisches, deutsches, ungarisches, vielleicht auch noch einen Tropfen polnisches.

Viele Gedanken sind die eines alten Mannes, der am Ende seines Lebens einen anderen Blick hat als die Jungen und der auch in seiner zuerst so hoch gelobten Freundschaft einen tiefen Hass erkennt: „Ist die Treue nicht ein entsetzlicher Egoismus, und auch eitel, so wie die meisten Belange eines Menschenlebens? Wenn wir Treue fordern, wollen wir dann das Glück des anderen? Und wenn er in der subtilen Gefangenschaft der Treue nicht glücklich sein kann, lieben wir ihn dann wirklich, wenn wir trotzdem Treue von ihm fordern?“

Anfangs reißt der Roman einen mit, auf die Dauer wiederholen sich Themen und Überlegungen. Am Schluss ist Henrik nach dem Abschied seines Freundes mit sich und Krisztina versöhnt.

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Alina Bronsky: Pi mal Daumen (2024) – gelesen

Ein wunderbares Buch, das ich mit den lebensnotwendigen Unterbrechungen in einem Rutsch gelesen habe: Ein mathematisch hochbegabter junger weltfremder Adeliger von 16 Jahren, Oscar, und eine etwas chaotische Frau und Großmutter von 53 Jahren, Moni, begegnen sich an der Uni als Erstsemester und werden zu einem Paar, das sich gegenseitig unterstützt und durch Geben und Nehmen Freundschaft schließt und drei Jahre gemeinsam nicht nur arbeitet, sondern schließlich auch in einer Art WG lebt. Nicht nur die Verwandten der Frau mischen mit; ein früherer Mitschüler und ein ehemaliger Lehrer Monis treten als Professoren auf und greifen in das Leben der beiden ein – und Mister Brown, der unsichtbare Tutor Oscars, der sich in schwierigen Situationen meldet, erweist sich zum Schluss als der in die vierte Dimension entwichene Bruder Monis. Inmitten der vielen mathematischen Klausuren und menschlichen Probleme reift Oscar zu einem jungen Mann, während Moni sich von ihren familiären Verpflichtungen löst und zu ihrem eigenen Leben findet, auch wenn sie am Schluss die Bachelorprüfung nicht schafft.

Ein völlig „unrealistisches“ Geschehen, das mit großer Menschlichkeit und Herzenswärme erzählt wird – ein fabelhaftes Buch! Und da es in Cochin gesetzt ist, habe ich hier auch in Cochin geschrieben.

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St. Höfler: Helsin Apelsin und der Spinner – gelesen

Helsin Apelsin und der Spinner (2021) ist ein „Roman für Kinder“. Er ist gelungen insofern, als darin von den Problemen der Kinder einer zweiten Klasse erzählt wird:

  • Ein neuer Junge kommt aus Schweden in die Klasse, Louis.
  • Er gibt dem dynamischsten Mädchen Helsin einen Spitznamen.
  • Das Mädchen schlägt ihn, es rastet manchmal aus (hat einen „Spinner“).
  • Er ist ungewöhnlich intelligent.
  • Das Mädchen klaut seinen Leguan.
  • Es verstrickt sich in Lügen und bekommt Probleme mit seinen Eltern.
  • Es stiehlt deshalb zu Hause Geld, weil es fliehen will.
  • Es freundet sich mit dem Neuen an und arbeitet mit ihm in einem Projekt hervorragend zusammen.
  • Dadurch wird sein bisheriger Freund Tom zurückgestoßen, der das Bild der beiden heimlich zerreißt.

Dramatisiert wird das Geschehen dadurch,

  • dass Helsin ein Adoptivkind unbekannter Herkunft aus Finnland ist,
  • dass nach Jahren sich ihre richtige Großmutter meldet (woher kannte sie Namen und Adresse?),
  • dass der Opa des Neuen herzkrank im Altersheim liegt,
  • dass er mit den Kindern heimlich ein bislang verstecktes Boot besteigt und fährt,
  • dass er dabei einen Herzanfall bekommt,
  • dass Helsin ihren Eltern Versprechen gibt, die sie nicht ehrlich hält…

Zum Schluss wird alles gut: Der Opa wird gerettet, Helsin gesteht notgedrungen alles, die Eltern lieben sie nach wie vor und der alte Freund Tom versöhnt sich wieder mit Helsin. Und sie besiegt zum Schluss ihren Spinner, wozu Louis’ Opa beiträgt, der gesteht, früher auch einen gewaltigen Spinner gehabt zu haben. Zum Schluss ist die Welt nicht nur in Ordnung, sondern sogar noch schöner geworden: Alle Probleme sind gelöst, alle haben sich lieb, was nach den etwas bemühten Dramatisierungen noch stärker wirkt.

Sprachlich ist die Autorin Stefanie Höller ein bisschen unbedarft; es wird mir einfach zu viel gegrinst, und die Kinder sprinten, zischen, rasen und galoppieren auch dann, wenn es sachlich unangemessen oder unmöglich ist. Vermutlich meint sie, das müsse in einem Roman für Kinder so sein. Trotzdem (oder deshalb?) liest sich das Buch flott; die Zeichnungen von Anke Kuhl sind für das erzählte Geschehen belanglos.

Friedrich Schiller: Die Bürgschaft – Interpretation

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich …

Text

https://www.friedrich-schiller-archiv.de/inhaltsangaben/schiller-die-buergschaft-inhaltsangabe-interpretation-und-quelle/ (Schiller-Archiv: Text mit Erläuterungen; die Entstehung ist in Wikipedia ausführlicher belegt; Aufbau: problematisch; Versmaß: knapp)

oder https://www.textlog.de/schiller-gedichte-buergschaft.html

oder https://archive.org/details/ausgewhlteball00heuwuoft/page/96/mode/2up (Heuwes: Text mit Erläuterungen zu Worten und sprachlichen Eigenheiten; Fabel des Hyginus S. 125)

Ergänzung und Korrektur der Erläuterungen im Schiller-Archiv

V. 1 Tyrann: ein Regent, welcher seine Gewalt zur Grausamkeit und Gewalttätigkeit missbraucht

V. 2 Möros: So heißt der Attentäter in Schillers Quelle, einer Fabel des Hyginus, sein Freund Selinuntius; bei einem anderer antiken Erzähler der Geschichte heißt der Attentäter Damon. Für die Prachtausgabe seiner Gedichte, die erst nach Schillers Tod erschienen ist, hat dieser als Überschrift „Damon und Pythias“ vorgesehen und in V. 2 Möros durch Damon ersetzt.

V. 13 Bürge: jemand, der einem Menschen verspricht, notfalls die Schuld eines anderen bei ihm zu bezahlen oder für dessen Verpflichtungen selber zu haften

V. 15 mit arger List: arglistig, bösartig

V. 20 erblassen: erbleichen, weil er stirbt

V. 22 gebeut: eine alte Präsensform von „gebieten“ (er gebietet)

V. 24 bezahle: büße

V. 24 frevelnd: unrechtmäßig, gesetzeswidrig

V. 28 die Bande: Plural zu „Band“

V. 37 die Quellen: das Wasser

V. 42 des Gewölbes: der Brücke

V. 66 Rotte: ein Haufen unter einem gemeinsamen Befehlshaber stehender Soldaten, wobei die Rotte etwa aus 6 bis 100 Mann besteht; am häufigsten nur ein kleiner Haufen

V. 68 schnauben: heftig atmen; im übertragenen Sinn für Gefühlsäußerungen, die mit heftigem Atmen verbunden sind

V. 83 verschmachten: verdursten

V. 111 den mutigen Glauben: „mutig“ heißt, vorher gesehenen Gefahren in Erwartung eines guten Ausgangs ohne Furcht entgegengehen; der Freund hat diesen Mut und Glauben an die Treue und Ehrlichkeit seines Freundes

V. 112 Hohn: Spott

V. 114 Es muss „als“ ergänzt werden: als ein Retter erscheinen (kommen)

V. 115 Es muss „mit“ ergänzt werden: mit ihm vereinen

V. 117 die Pflicht brechen: die Verpflichtungen brechen

V. 118 Er rechnet mit der Bosheit des Tyrannen, obwohl dieser ihm versprochen hatte, ihn zu schonen, falls er seinen Freund ermordet.

V. 131 Wundermär: Geschichte eines Wundes, eine unglaubliche Geschichte

V. 132 Rühren: Rührung, er ist gerührt

V. 138 Genosse: Genossen sind einander gleich, sie gehören einer anderen geschlossenen Gemeinschaft an (siehe V. 140: euer Bund).

Aufbau des Gedichts und Zeitstruktur des erzählten Geschehens

Die Erzählung steht unter der Idee, dass der Freund dem Freund die Treue hält.

Exposition: Der als Attentäter ergriffene Möros (oder Damon) bekommt vom Tyrannen Dionys eine Gnadenfrist und gewinnt seinen Freund dafür, mit seinem Leben dem König für Möros zu haften; er hat drei Tage Zeit, seine Schwester zu verheiraten und heimzukehren. Möros reist ab, verheiratet die Schwester und kehrt heim.

Die Exposition besteht aus zwei Szenen, dem Gespräch des Königs mit Möros und dem Gespräch des Mörus mit seinem Freund, die beinahe zeitdeckend erzählt werden. Stark gerafft werden Attentat und Festnahme des Mörus und seine Abreise berichtet – das alles ist Geschehen eines Tages (bis Str. 5, Vers 3). Die Hochzeit und der Aufbruch zur Heimreise werden nur erwähnt (Str. 5, V. 4-7, ein Tag), die Hinreise ist ausgespart.

Den Hauptteil macht die Heimreise am vierten Tag aus. Sie wird durch drei Hindernisse erschwert, die es Möros beinahe unmöglich machen, rechtzeitig heimzukehren, die er jedoch in Sorge um den bedrohten Freund überwindet.

  • Er steht vor einem reißenden Fluss, findet weder Brücke noch Fähre und schwimmt nach langem Warten hindurch (Str. 6-9). Eine Zeitangabe (Sonne im Süden, Str. 8, V. 4 f.) gibt es für die viele Stunden (Str. 8, V. 4; Str. 9, V. 3) dauernde Aktion.
  • Als zweites Hindernis taucht eine Räuberbande auf, die er in seiner Verzweiflung besiegt und aus dem Weg räumt (Str. 10 f.); der Kampf mag einige Minuten gedauert haben.
  • Eine indirekte Zeitangabe gibt es beim nächsten Hindernis: Die Sonne „versendet glühenden Brand“ (Str. 12, V. 1); das kann frühestens gegen 16 Uhr gewesen sein (vgl. die Mittagszeit in Str. 8 und die in Str. 9 genannten Stunden nebst dem Kampf, Str. 11). Er bricht „ermattet“ zusammen (Str. 12, V. 3); da rettet ihn eine Quelle, die er zufällig entdeckt (Str. 13), nachdem er zur Gottheit gebetet hat (Str. 12), Str. 12-13).

Nach einem Zeitsprung – es wird auf die Abendsonne verwiesen (Str. 14, V. 1-13), es mag also gegen 18 Uhr sein – wird vom letzten Teil der Heimreise erzählt, die Möros sehr lange vorkommen muss, weil ihm zweimal bedeutet wird, er könne zu spät kommen, um den Freund noch zu retten: Zuerst hört er zufällig den Spruch der Wanderer, dass der Freund jetzt ans Kreuz geschlagen werde (Str. 14); dann warnt ihn sein Hausverwalter, den Weg fortzusetzen, weil sein Freund „eben“ (Str. 16, V. 3; vgl. „Jetzt“ Str. 14, V. 7) den Tod erleide, was er um der Treue willen energisch ablehnt (Str. 15-18). Diese beiden Episoden sind retardierende Momente im Erzählen, sie steigern die Spannung: Kann der Freund noch vor dem Tod gerettet werden?

Der Hauptteil endet mit des Möros Ankunft in Syrakus, als die Sonne gerade untergeht (Str. 18, V. 1): Im letzten Moment erreicht er das für seinen Freund bestimmte Kreuz und bietet sich selbst als Opfer an (Str. 18).

Berichtet werden noch Erfolg und Belohnung der Anstrengungen des Möros (Str. 19-20):

  • Erstaunen des Volkes
  • Schmerz und Freude“ der Freunde
  • Rührung der Menschen, auch des Königs
  • Bitte des Königs, in den Freundschaftsbund aufgenommen zu werden.

Hat der König sein Angebot an Möros „mit arger List“ (Str. 3, V. 1) gemacht, so fühlt er zum Schluss „ein menschliches Rühren“ (Str. 19, V. 6) und bekennt: „Ihr habt das Herz mir bezwungen.“ (Str. 20, V. 3). Erfolg und Belohnung stellen sich wie im Märchen ein; dem übermenschlichen Einsatz des Möros hat die göttliche Hilfe (Gebet in Str. 8 und Str. 13; Hilfe ausdrücklich erwähnt in Str. 9, V. 7) entsprochen.

Der König spricht die Idee des Erzählers bzw. des Dichters aus, die am Beispiel gezeigt werden sollte: „Und die [Freundes]Treue, sie ist doch kein leerer Wahn“ (Str. 20, V. 4). Des Möros Treue zu seinem Freund, der für ihn mit dem Leben bürgt, zeigt der Erzähler immer wieder auf:

  • Trotz des Angebots des Königs, sich selber durch eine Flucht zu retten (Str. 3, V. 4-7),
  • und wegen des Freundes, der ohne Diskussion als Bürge haftet (Str. 5, V. 1 f.),
  • bricht Möros alsbald zur Heimreise auf (Str. 5, V. 6 f.),
  • sorgt er sich um des Freundes Leben, als er selbst in Gefahr ist (Str. 8, V. 3-7),
  • nimmt er den Kampf mit den Räubern auf (Str. 11, V. 4-7),
  • betet er erneut um Rettung, als er ermattet (Str. 12, V. 4-7),
  • hat er Angst, dass er zu spät kommen könnte (Str. 15, V. 1 f.),
  • will er um der Treue willen notfalls sein Leben als Opfer darbringen (Str. 17),
  • stoppt er die Hinrichtung und bietet sich selbst an (Str. 18, V. 6 f.).

Auch der Freund hat in scheinbar aussichtsloser Lage nie an des Möros Treue gezweifelt: „Ihm konnte den mutigen Glauben / Der Hohn des Tyrannen nicht rauben.“ (Str. 16, V. 6 f.)

Aus der Zeitstruktur ergibt sich, wie der Erzähler die Akzente setzt: Dem Geschehen des ersten Tages (Attentat, Verhaftung, zwei Gespräche, Geiselnahme des Freundes, Abreise des Möros) – das alles mag etwa vier Stunden gedauert haben – sind vier Strophen und drei Verse gewidmet. Die Reise zur Schwester wird nicht erwähnt (Zeitsprung: ein Tag), am nächsten Tag ist die Hochzeit der Schwester (Str. 5, V. 3 f. – zwei Verse). Die Heimreise erfolgt am übernächsten Tag (Str. 5, V. 6 f. bis Str. 20 – vielleicht 16 oder 18 Stunden). Dem Bemühen des Möros, die Frist zur Rettung des Freundes nicht zu verpassen, und seiner Treue, in der er alle Hindernisse überwindet, gilt also das Hauptinteresse des Erzählers.

Zeitdeckend werden nur die Gespräche berichtet, wobei für die Bitte an den Freund nur sieben Verse reserviert sind, während dieser selber kein einziges Wort sagt – es ist wohl selbstverständlich, dass er für Möros einsteht. Die meiste Erzählzeit wird auf den Anfang, wo das Problem der Treue gestellt wird (Str. 1-4), und dann vor allem auf die Rückreise, wo sich des Möros Treue bewährt (Str. 6-18), verwendet.

Links zu Analyse und Interpretation

https://archive.org/details/schillersgedich02schigoog/page/n592/mode/2up (Viehoff: Quelle und Geschichte des Stoffs; Prinzipien der Bearbeitung durch Schiller; Kritik der Kritik am Gedicht; die Zeitangaben; das Metrum; Möros vs. Damon)

Vgl. zum Stoff die Geschichte „Damon und Phintias“ (in: Der Born Judas, Bd. 3, S. 234 f. = https://archive.org/details/derbornjudaslege03berd/page/234/mode/2up) und „Die Bürgschaft“ (in: Der Born Judas, Bd. 4, S. 20-22 = https://archive.org/details/derbornjudaslege04berd/page/20/mode/2up), dort jeweils in den Quellenangaben am Ende des Buches nachschauen!

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_B%C3%BCrgschaft (Entstehung und Idee, Wirkung)

https://literaturkritik.de/id/7772 (Helmut Koopmann: Hintergrund der Balladen Schillers; Erzähltechnik und Dramatisierung in „Die Bürgschaft“; Wirkung Schillers; Charakterisierung seiner Balladen; Schillers Intentionen; der bürgerliche und christliche Untergrund von Schillers Balladen; Kritik an Schiller, relativiert)

https://www.litde.com/gedichte-aus-sieben-jahrhunderten-interpretationen/die-brgschaft-friedrich-schiller.php (Jürgen Stenzel: antirevolutionäre Lesart; Interpretation aus Schillers Kunstverständnis)

https://archive.org/details/aufgabenausschil03teet/page/110/mode/2up (Teetz: Sprachliche und metrische Eigenheiten der Schillerschen Balladen)

Kommentar Heinrich Viehoffs

https://www.abipur.de/referate/stat/678736177.html (schülerhaft)

https://stiftung-rosenkreuz.org/text/buergschaft-schiller-dionys-ethik-treue-damon/ (gnostisch-hermetische Lesart, vieles ist spinnert und Phantasie)

http://www.goethezeitportal.de/wissen/illustrationen/friedrich-schiller/die-buergschaft/die-buergschaft-lithographiert-und-verlag-von-joseph-trentsensky.html (Lithographien zum Gedicht)

http://archiv.lily-braun-gymnasium.de/a2002/buergsch1.html (Comic)

Rezitation

https://www.youtube.com/watch?v=fIclhGLGGVk (Anna M. Bössen, gut)

https://www.youtube.com/watch?v=-jAO9bVpqV8 (Fritz Stavenhagen, etwas zu ruhig)

https://www.youtube.com/watch?v=KfEJE2Kq4Lk (ab 4:45, Oskar Werner, zu schnell)

https://www.youtube.com/watch?v=-b4aEjmz_rw (M. D. Cremer, zu eintönig)

https://www.youtube.com/watch?v=SidKAcrBUC8 (Axel C. Schulz: durch Gestik unterstützt, interessanter Versuch) und weitere sowie Verfilmungen auf youtube

https://www.youtube.com/watch?v=vHQC7f5P-fU (Parodie: P. Frankenfeld)

Schillers Balladen muss man nicht (nur) lesen, sondern sprechen – so lange, bis man auch die Feinheiten sprachlich bewältigt.

Ich weise noch darauf hin, dass der Freundschaftsbund zwischen Karlos und Posa ein beherrschendes Motiv in Schillers „Don Karlos“ ist, vgl. Norbert Tholen: Friedrich Schiller: Don Karlos. Krapp & Gutknecht 2008, S. 18-21

Gedichte über Freundschaft:

https://www.lyrikmond.de/gedichte-thema-11-100.php

und natürlich Goethe: An den Mond, und Schiller: Ode an die Freude und Die Freundschaft.

K. Grahame: Der Wind in den Weiden – eine Leseempfehlung

Der Wind in den Weiden“ (1908) wird normalerweise als Kinderbuch verkauft – in Wahrheit ist es ein zauberhaftes Buch vom Geheimnis des Lebens und von der Freundschaft: Zuerst freunden sich der Maulwurf und die Wasserratte an; dann besuchen sie im wilden Wald den Dachs, der sich ihrer in der Kälte des Winters annimmt; schließlich machen sie sich auf, um den Kröterich zu einer vernünftigen Lebensweise zu bewegen. Kröterich ist nämlich ein leichtsinniger, flotter Angeber, ein Lebemann, der sich seit neuestem ins Autofahren verliebt hat…

Die Tiere sind sehr menschlich gezeichnet, tragen auch Kleider und rauchen nach dem Essen eine Zigarre. Anderseits sind sie der Natur ganz nah und offenbaren deren Zauber. Und vor allem halten sie in unverbrüchlicher Freundschaft zum Kröterich, der immer wieder zur Einsicht gebracht und immer wieder rückfällig wird. Die vier Freunde erobern schließlich die Villa Kröterichs zurück, die sich die Wiesel und Hermeline während des Gefängnisaufenthalts ihres Besitzers unter den Nagel gerissen hatten.

Aus aller Beschränktheit der einzelnen Figuren spricht die Weisheit des Autors Kenneth Grahame, alle Dummheiten des Kröterichs werden von der wahren Freundschaft der anderen Tiere egalisiert. Ein Buch, das auch Erwachsene erfreut und im Herzen berührt: wie der Maulwurf die Welt der Wasserratte entdeckt, welche Abenteuer Kröterich mit den Menschen erlebt, wie Tiere menschlich sein können. Wer es nicht kennt, sollte es unbedingt lesen; und wer es kennt, kann es getrost zweimal lesen, wie ich es zuerst 2004 und gestern und heute wieder getan habe.

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