Ösitanisches

8. April

Heute vor 125 Jahren, am 8. April 1901, fand in Wien das erste inoffizielle Länderspiel der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft statt, gegen die Schweiz. Da einige der Spieler noch zur Schule gingen und Schülern dazumals, auch wenn sie schon 17 oder 18 Jahre alt waren, das Fußballspielen in Vereinen verboten war, traten diese unter Pseudonymen an und trugen aufgeklebte falsche Bärte, um nicht erkannt zu werden. Als Goalgetter tat sich »der G’stutze« Johann Studnicka hervor, der später zu einer der herausragendsten Per­sön­lichkeiten der öster­rei­chi­schen Fußballge­schichte wurde.

(Das Schweizer Nationalteam kam nicht, wie spöttische Zeitgenossen kolportierten, auf ih­rem Mannschafts-Velo nach Wien angereist, sondern per Eisenbahn.)
Österreich gewann das sogenannte Ur-Länderspiel gegen die Schweiz mit 4 : 0.


Die österreichische Nationalmannschaft von 1901, einige Spieler mit aufgeklebten Bär­ten. Die Trikotfarben weiß/schwarz wurden für Auswärtsspiele bis heute beibehalten.

14. Dezember – Welttag des Chorgesangs

Aus der Reihe “Ösitanisch in Wort und Schrift“: Die Chorprobe

    Chorleiter:  »Oisdaun, olezaum: «
      1. Sänger:  »Weaola?«
    Chorleiter:  »Naeole.«
      1. Sänger:  »Aeia?«
    Chorleiter:  »Nanonaned. Oisdaun, olezaum: «
               Chor:  »♫ ♪ Freu-de, schö-ner Gö-tter-fun-ken! ♫ usw

Alle Jahre wieder ..

Wie mein lieber Wiener Schwiegerpapa einmal den Christbaum direkt neben einem Zen­tral­heizungskörper aufstellen wollte, wies ihn meine liebe Wiener Schwiegerma­ma zurecht:

»Duana dauna do. Doda dadiada da do, du Dodl du.«

[Übers. f. Außerösische: »Tu ihn weiter weg. Dort verdorrt er doch, du Dummkopf.«]

Blaulicht-Hubsi, der Ritter von der traurigen Gestalt

Erinnern Sie sich noch an “Blaulicht-Hubsi“ Gorbach, eine der herausragendsten politischen Knallchargen in Lügenkanzler Schüssels legendärem Witzfigurenkabinett? Grad geistert der wieder durch die Gazetten, mit der bizarren Nummer:
Da lasst sich der von irgendeinem obskuren Faschings-Ritterorden zeremoniell “zum Ritter schlagen“, und glaubt sodann er wär jetzt ein echter Ritter. Kann man nicht erfinden.
Was für eine Witzfigur. Die Type war mal Vizekanzler.

20. Mai

Heute vor 162 Jahren fand die feierliche Grundsteinlegung zum Bau der Wiener Staatsoper (vormals k. k. Hof-Operntheater) statt, obwohl die Bauarbeiten schon zwei Jahre zuvor be­gon­nen hatten. Die Bauzeit dauerte bis 1869. Errichtet wurde sie nach den Plänen der beiden Architekten August Sicard von Sicardsburg und Eduard van der Nüll im sogenannten Wiener Ring­stra­ßen­stil, einer besonderen Ausprägung des Historismus.
Zeitgleich wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Heinrichshof* erbaut, ein pri­va­tes Zinshaus riesigen Ausmaßes nach den Plänen ihres Konkurrenten Theophil Hansen, wel­ches indessen bereits nach zwei Jahren fertiggestellt war und nun die Monumentalität des ent­ste­hen­den Opern-Prachtbaus überschatten sollte, was zu Missfallen in der Wiener Öffent­lich­keit und einer garstigen Pressekampagne gegen die beiden Architekten führte.
Wie es sich für echte Wiener gehört, raunzten die längst über das neue Opernhaus, bevor es überhaupt fertig war. Ein damals kolportiertes Spottgedicht lautete:

    »Sicardsburg und van der Nüll
    haben beide keinen Stül:
    Klassik, Gotik, Renaissanz
    das ist denen alles ans.«

Hinzu kam, dass das Ringstraßenniveau vor dem Bauwerk erst nach bereits erfolgtem Bau­be­ginn nachträglich um einen Meter angehoben wurde, sodass dieses als “versunkene Kiste“ und als “Königgrätz der Baukunst“ abfällig kritisiert wurde.
Van der Nüll nahm sich die bissige Häme so zu Herzen, dass er sich ein Jahr vor der Fer­tig­stellung der Bauarbeiten erhängte. Sicardsburg starb nur wenige Wochen nach dem Selbst­mord seines lebenslangen Freundes und Partners (heute würde man wohl sagen “Lebens­mensch“) an gebrochenem Herzen, was bestimmt mit dem Verlust und der erlittenen Krän­kung zu­sam­men­hing, sodass beide Architekten die Eröffnung des “Ersten Hauses am Ring“, mit einer glanzvollen Premiere von Mozarts Don Giovanni, nimmer erlebten.
Später wurde in Wien nach den Herren Sicardsburg und van der Nüll je eine Gasse be­nannt, wobei der Name Siccardsburg jedoch falsch geschrieben wurde.

15. Mai

Heute vor 70 Jahren, am 15. Mai 1955, wurde im Wiener Schloss Belvedere von den vier alli­ier­ten Besatzungsmächten USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien sowie der öster­­reichischen Bundesregierung – vertreten durch Bundeskanzler Julius Raab & Außen­mi­nister Leopold Figl – der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet und damit die Souverä­ni­tät Österreichs als eigenständige Nation wiederhergestellt. Die Russen, als durchaus trink­feste Spezies bekannt, waren zuvor von den nicht minder trink­festen Öster­rei­chern in Mos­kau unter den Tisch getschechert und in den Vertragsklauseln über den­selben ge­zo­gen wor­den: man kennt die Geschichte.
Damit wurde Österreich als einziger europäischer Verliererstaat nach Kriegsende auf ver­trag­lichem Wege frei von allen Besatzungsmächten. Das Schicksal einer Aufspaltung in Ost- und Westzonen wie etwa DDR oder Berlin blieb Österreich und Wien erspart, und Figl konnte seinen legendären Satz ausrufen:

(Zeitungsmeldung, 16. Mai 1955)

(Tatsächlich rief er »Öfterreich ift frei!« – nicht »Österreich« wie es in der Zeitungsmeldung oben richtig geschrieben steht, obzwar mans leicht mit einem f verwechseln könnte. Figl hatte einen Sprachfehler. Aber man verstand, was er meinte.)
Die Teilung Österreichs und Wiens in vier Besatzungssektoren der Alliierten nach dem Vier­mächte-Status en­de­te somit wenige Wochen später, und auch die pittoresken Vier im Jeep ge­hör­ten der Vergangenheit an.

Bumstifiziertes

Ausgerechnet. Der diensteifrigste Heimat-Diensterweiser Ibiza-Bumsti¹) kritisiert einen anderen dafür, dass der ihr keinen guten erweist, indem er nicht den VoKaKi macht. Kann man nicht erfinden.

¹) Der Ibiza-Bumsti nämlich, der seine Heimat gern an eine falsche Oligarchin verschachert hätte wenn die eine echte gewesen wäre.

(Bei der Wiener Landtagswahl im April will der übrigens mit einer “Liste Bumsti 2.0“ neuerlich auftreten, kein Witz. Man darf gespannt sein, ob sichs dermal wiederum für ein “zweistelliges“ Ergebnis ausgeht.)

3. November

Heute vor 106 Jahren, am 3. November 1918, wurde vor dem historischen Hinter­grund der rus­sischen Oktoberrevolution die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) gegründet und ist so­mit eine der ältesten kommunistischen Parteien der Welt.
Erste Aktion der frischgebackenen ösitanischen Towarischtschi war es damals, sich sogleich einmal heillos unterein­an­der zu zerstreiten, wie sich das für eine ordentliche Partei gehört. Wes­halb ihre zweite Aktion unmittelbar nach Parteigründung, nämlich ein äußerst un­pro­fes­si­onell orga­ni­sier­ter (und überdies von den Sowjets nicht autorisierter) Putschver­such, na­tür­lich scheitern musste und binnen Stunden niedergeschlagen werden konnte.
Im politischen Geschehen spielt die KPÖ heute praktisch keine Rolle mehr, ihr Wäh­ler­stim­menanteil liegt nur knapp im einstelligen Prozentbereich. (Ihre Parteipa­role lau­tet sin­ni­ger­weise: »Mit uns nicht!«.)

(Fällt mir eine Schnurre aus meiner Heimatgemeinde ein: in Neulengbach kriegten die Kom­mu­nisten seit Jahrzehnten zuverlässig bei jeder Wahl eine einzige Stimme. Einer, Kummerl¹ ge­nannt, stand unter Verdacht jener einzige KPÖ-Wähler zu sein, was der aber beharrlich ab­leug­nete und nie zugeben wollte. Einmal, um es herauszufinden, wettete der Neulengbacher Bahn­hofs­wirt mit Kummerl um hundert Schilling, dass die Kommu­nisten bei der nächsten Wahl zwei Stimmen statt nur einer kriegen, und Kummerl wettete dagegen. Also machte der Bahn­hofs­wirt sein Kreuzerl am nächsten Wahltag für die Kommunisten, damit die eine zweite Stimme kriegen – aber als die Sprengel­ergebnisse später in der Zeitung standen, hatten die wie­derum nur eine gekriegt: wie gewöhnlich. Kummerl kassierte seinen gewonnenen Hun­der­ter, und musste sich vom Bahnhofswirt anhören: »Du Verräter, für einen Hunderter verratest du deine Partei, du Judas.« – Kummerl indessen entgegnete: »Wieso denn? Hätt’ ich nicht gewettet, dann hätten die auch nicht mehr Stimmen gekriegt als wie sowieso, aber ich um einen Hun­der­ter weniger.« Dass er derjenige war, der sein Kreuzerl jahrzehntelang stets, nur dieses ein­zi­ge­mal nicht für die Kommunisten gemacht hat, hat er freilich weiterhin abge­stritten.)
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¹ (Kummerl = österr. für Kommunist)

18. Oktober: »Männer, die auf Krädern grüßen«

Der ÖAMTC ist als Nachfolgeverein des Oesterreichischen Automobil-Club einer der ältesten und heute mit über zwei Millionen Mitglieder der siebentgrößte Auto­mobilclub der Welt.

Heute vor 70 Jahren, am 18. Oktober 1954, er­folgte die erstmalige Ausfahrt der ÖAMTC-Pan­nen­hilfefahrer, auf Mo­tor­rad-Bei­wa­gengespannen worin sie ihr Werkzeug mit sich führten. Auslösend für die Idee zur Gründung eines mo­to­ri­sier­ten Pan­nen­diens­tes war damals ein Fischhändler, der seine Ware im Bei­wagen eines alten Krads auslieferte und an einem heißen Sommertag, um Hilfe an­su­chend, zu Fuß zur Club­werk­statt kam. Sein Motorrad hatte unterwegs ge­streikt und der Fisch­transport drohte in der Hitze zu ver­der­ben. Also machte sich ein Clubmechaniker mit seinem Pri­vat­auto­mo­bil auf den Weg, und es gelang das liegengebliebene Mo­tor­rad des Fisch­händ­lers wieder flott­zu­machen.

Zu den allerersten Pannenhilfefahrern, die wegen ihres »fliegenden« Nothilfediens­tes so­wie der gelben Lackierung ihrer Fahrzeuge bald »Gelbe Engel« genannt wurden, gehörte dazu­­mals auch mein Schwiegervater, der beim ÖAMTC eine Lehre zum Auto­mo­bil-Me­cha­ni­ker ge­macht hatte. Einmal führte ihn sein Beruf zu einem Gastspiel in der Film­branche.

Die ÖAMTC-Pannenfahrer patrouillier­ten anfangs auf fixen Routen auf den meist­be­fah­re­nen Bun­des­straßen hin & her (damals gab es in Österreich noch keine Autobahnen) und hielten Aus­schau nach Automobilisten, die zufällig irgendwo mit einer Panne liegengeblieben waren. War kein solcher anzutreffen, stell­ten sie sich irgendwo entlang der Strecke in gut sichtbarer War­te­po­si­tion auf und warteten darauf, ob zufällig einer vorbeikam, der ihnen mit­teil­te dass er zu­fällig einen an­ge­troffen hätte, der irgendwo mit einer Panne liegengeblieben war.
Weiters hatten die Pannenfahrer die strikte Order, jeden, wiederhole: jeden vorüberfah­ren­den Autofahrer durch Salutieren zu grüßen, wie der Schwiegervater hier auf dem Foto de­mon­striert. Freilich fuhren dazumals in einer Stunde grad soviel Autos vorüber wie heute in fünf Minuten. Man stelle sich vor, einer müsse heutzutags an einer Hauptverkehrsstraße jedem vor­bei­fah­ren­den Autofahrer salutieren: der täte womöglich einen Tennisarm kriegen.

Ab 1959 wurden die Beiwagen-Motorräder sukzessive außer Dienst gestellt und durch vier­räd­ri­ge Pannenhilfe-Fahrzeuge ersetzt: Steyr-Puch 500, die le­gen­dä­ren gelben »Renn­sem­meln«. (Mein Schwiegervater nannte sie »Regen­pe­le­ri­ne mit Rädern«.)

4. September

Heute vor 200 Jahren kam in Ansfelden bei Linz Anton Bruckner (1824-1896) zur Welt, einer der bedeutendsten und innovativsten Komponisten seiner Epoche.
In Kontrast zu seinem genialen musikalischen Schaffen stand Bruckners persönliches Auf­tre­ten als reichlich linkische, rustikale Type, was seine Zeitgenossen des öfteren befremdete. (Sein Kollege Gustav Mahler, von Bruckners musikalischer Genialität und Provinztölpel­haf­tig­keit gleichermaßen beeindruckt, nannte ihn einen “gott­begna­de­ten Trottel“.)
Einmal, als Gast bei einem eleganten Souper, schaufelte sich Bruckner mit großem Appetit den Bauch voll wie ein Futterknecht, und als ihn der Gastgeber amüsiert fragte ob noch ein Nachschlag konveniere?, da lehnte Bruckner ächzend ab: “Na, mehr kann i nimmer, sonst speib i mi an.“

2. September

Heute vor 130 Jahren erblickte im galizischen Brody (heute Ukraine) der große öster­rei­chi­sche Schriftsteller Joseph Roth (1894-1939) das Licht der k. & k. Donau­mo­nar­chie.

Roth war in gleichem Maße glühender Monarchist und exzessiver Alkoholiker. 1939 traf er im Exil in Paris mit Otto von Habsburg zusammen, dem Sohn des letzten Kaisers von Österreich & Königs von Ungarn. Kaisersohn Otto war darüber besorgt, dass der halt­lose Alkoholkonsum den großen Dichter über kurz oder lang zu Tode bringen würde, deshalb ließ er ihn vor sich antreten und sprach ein Machtwort: in scharfem Ton befahl er Roth, augenblicklich mit dem Trinken aufzuhören.
Roth schlug die Hacken zusammen und rief: »Jawoll, Majestät!« – und rührte fortan keinen Tropfen Alkohol mehr an.
Kurz darauf starb er. Todesursache war der abrupte Alkoholentzug.

22. August – Die Eroberung Venedigs

Heute vor 175 Jahren, am 22. August 1849, kapitulierte die Republik Venedig nach achtwö­chiger Seeblockade durch die k.u.k. Kriegsmarine und wurde von den Öster­­­rei­chern erobert.

Mit dem Abwurf von Brandbomben, die an Wasserstoffballons schwebten, hatte die öster­­rei­chische Artillerie den ersten Luftangriff der Kriegsgeschichte ausgeführt. Die Ballon­­bom­ben wurden von einem vor der Lagune kreuzenden Raddampfer gestar­­tet und detonierten über Murano, verursachten jedoch keinen nen­nens­werten Sach­schaden. Die psychologische Wir­kung war indessen beträchtlich, weil die Venezianer ih­re weltbe­rühmten Glaswerkstätten auf Murano in flagranter Bedrohung sahen, durch das öster­­rei­­chi­sche Luftbombardement in Scherben zu enden, und deshalb die weiße Flagge hissten.

Heutzutage braucht sich vor Luftangriffen seitens der österreichischen Kriegsmarine keiner mehr zu fürchten.

Es gilt die Unmutsverschuldung

»Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.«  (Karl Valentin)

Kommentare und Stellungnahmen zur Causa Schilling gibts ja mittlerweile aus allen Ecken hinlänglich zur Genüge, manche von den kolportierten Behauptungen Betroffene treten nun auch, mutmaßlich gar zu Recht, mit Entgegnungen öffentlich hervor.

Nicht erschließt sich (mir zumindest) aber, was einen grünen Ex-Nationalratsabgeordneten umtreiben mag, sich ebenfalls mit der Vorbringung einer Gegendarstellung zu seinem Fall neuerlich zu exponieren anstatt darüber stillzuhalten. Der musste voriges Jahr zurücktreten, nachdem von Schilling gegen ihn erhobe­ne Belästigungsvorwürfe zu Handgreiflichkeiten mit einem Journalisten geführt hatten, welcher der vorgeblich Belästigten “zu Hilfe geeilt“ war. Diese Belästigungsvorwürfe gab es zwar, aber Belästigung gab es keine, beharrt der Ex-Grüne nun ausdrücklich darauf, dies festgestellt zu wissen. – Na schön, aber irgendwas musste ja wohl zu der Auseinandersetzung geführt haben, welche unbestritten stattfand:
Da lässt sich (zumindest so wie ich das lese) ein fünfzigjähriger Bekannter, der altersmäßig ihr Vater sein könnte, von einer kaum halb so alten Schilling zu einer Disco-Party einladen, um ihr dort im Verlauf der Veranstaltung mutmaßlich, in welcher Form auch immer (in Schillings gern gepflogener Diktion:) “am Oasch zu gehen“, worüber die sich infolge ringsum beklagt und besagter Journalist zur vermeintlichen Damsel-in-Distress-Hilfeleis­tung antritt. Belästigung oder nicht – kaum anzunehmen jedenfalls, dass der Journalist sich veranlasst sah dazwischenzugehen, nur weil die beiden sich grad nett unterhielten.
Allein diese Konstellation müsste für den ehemaligen grünen Abgeordneten doch eh schon peinlich genug gewesen sein – wieso stellt der die Nummer, worin er eine zweifellos unelegante Rolle spielte, jetzt aufs neue zur Diskussion und bringt sich selber wieder ins Gerede? Nicht nachvollziehbar, find ich zumindest.

21. März – Der stärkste Mann der Welt

Heute vor 145 Jahren wurde Pepi Steinbach (1879-1937) ge­bo­ren, der stärkste Mann der Welt.
Steinbach stellte im Laufe seiner Karriere als Gewicht­heber nicht weniger als 35 Weltrekorde auf – eine Zahl, die für sich wiederum einen Weltrekord darstellt. Seine internationale Po­pu­larität, wie auch die seiner Athleten­kollegen – mit denen er etwa 1906 bei den Olympischen Spielen in Athen auch in der Disziplin Mann­schafts-Tauziehen (sic) antrat – brachte seiner Heimatstadt Wien weiland den Ruf der »Stadt der starken Männer« ein. Beim Olym­pia-Finale im Ge­wicht­he­ben gegen seinen grie­chi­schen Kon­kur­renten wurde der Wiener Favorit aller­dings vom Publikum mit Steinen beworfen und musste seinen Rekordversuch abbrechen. Während der Grie­che als Olympiasieger gefeiert wurde, brachte Steinbach des­sen Rekordgewicht abseits des Podiums sechsmal (!) spie­lend zur Hoch­strecke. Daneben errang Steinbach auch als Rin­ger be­acht­li­che Erfolge.
Nach Beendigung seiner Athleten­karriere betrieb »der starke Pepi« eine beliebte Likör­stube in Wien Erd­berg.

Sein Sohn Poldi Steinbach wurde später Eu­ro­pa­mei­ster im Boxen.
Josef Steinbach erhielt ein Ehrengrab auf dem Wiener Zen­tralf­riedhof.

7. Dezember

Hermann Maier vulgo Herminator hat heute Geburtstag.

Nach seinem spektakulären Sturz in Nagano 1998 erklärte er vor der internationalen Presse, zur Behandlung von Prellungen bewähre sich vortrefflich Mankei-Schmalz (alpen­län­disch für Murmeltierfett) als probates Hausmittel.
Der Dolmetscher übersetzte das als monkey grease, und die daraufhin kolportierte Presse­mel­dung rief weltweit Empörung unter Tierschützern hervor:

    »In Österreich werden zu pharmazeutischen Zwecken Affen gekocht.«

28. Oktober

Heute vor 130 Jahren kam der Wiener Kabarettist Karl Farkas (1893–1971) zur Welt. Farkas hatte eine riesige Nase. Solch ein riesen Pfrnak im Gesicht sei äußerst praktisch, erklärte er, »weil man auch unter der Dusche rauchen kann.«

Von Karl Farkas (nicht Karl Kraus, wie meist fälschlich zugeschrieben) stammt u. a. auch das Bonmot: »Österreicher und Deutsche unterscheiden sich durch ihre gemeinsame Sprache.«

Mit seinem kongenialen Doppelconférence-Partner Ernst Waldbrunn (1907–1977) als “Herr Berger und Herr Schöberl“:

Farkas: »Vorm Schlafengehen trink ich keinen Kaffee.
Wenn ich einen Kaffee trink, kann ich nicht schlafen.«
Waldbrunn: »Bei mir ist das genau umgekehrt: wenn
ich schlaf’, kann ich keinen Kaffee trinken.«

3. Oktober – Aviatisches

Heute vor 122 Jahren, am 3. Oktober 1901, beabsichtigte der österreichische Flugpionier und Konstrukteur Wilhelm Kreß (1836-1913) am Wienerwaldsee nahe Wien den ersten bemann­ten Motorflug der Luftfahrtgeschichte durchzuführen. Bemerkenswerterweise handelte es sich bei seiner Konstruktion um ein Wasserflugzeug, da er vermeinte, die Auswir­kun­gen im Falle ei­ner eventu­ellen Bruchlandung wären am Wasser weniger dramatisch als zu Lande. Vor dem ersten eigentlichen Startver­such mit seinem Flug­apparat entschied sich Herr Kreß, zu­vor noch zu einer Er­probungsfahrt auf dem See auszulaufen.
Im Zuge dieser Erprobungsfahrt fand Herr Kreß alsbald heraus dass sein Wasserflugzeug nicht schwimmtüchtig war, und es versank unverzüglich im Wienerwaldsee.

13. April – Laut einer aktuellen Statistik

Heute ist übrigens der ÖBB Pünktlichkeitstag, kein Witz.
Dass ebenfalls heute (sic) sämtliche ÖBB-Züge in ganz Ostösterreich Verspätung hat­ten, ist ebenfalls keiner.

Haben Sie gewusst, dass es gemäß Österreichischem Eisenbahn-Bundesgesetz (BGBl I Nr. 25/2010) verboten ist, dass die Eisenbahn Verspätung hat.

Laut einer aktuellen ÖBB-Statistik haben übrigens 97 Prozent aller Züge in Österreich keine Ver­spätung, wer’s glaubt.
(Wie die ÖBB-Statistiker das vermutlich herausgefunden haben: Die Statistiker stellen sich an den Bahn­hof und warten auf die ersten drei Züge. Alle drei Züge haben Verspätung. Dann gehen sie heim und rechnen das Ergebnis hoch: 3 Züge sind 3 Prozent von 100 Zügen. Somit ergibt sich: wenn 3 Prozent aller Züge Verspätung haben, dann haben 97 Prozent aller Züge keine Verspätung.)
Da braucht’s keinen Taschenrechner dafür, um das auszurechnen.

9. März

Heute vor 164 Jahren wurde Peter Altenberg (1859-1919) geboren, legendäres Parade­ex­em­p­lar des typischen Wiener Kaffeehausliteraten und Schnorrers.

Altenberg verbrachte den größten Teil seines Lebens im Kaffeehaus, und wenn er einmal nicht im Kaffee­haus war, so hieß es, dann sei er grad auf dem Weg dorthin. Auf seiner Visitenkarte gab er als Adresse das Café Cen­tral an, auch seine Post ließ er sich dort hinschicken.
Schon sein Lehrer nannte den späteren Meister der lite­­ra­ri­schen Skizze & fragmentarischen Kurzprosa ein »Genie ohne Fähigkeiten« – wie überliefert, sei er bei der Matura deswegen durchgefallen, weil er als Aufsatz über das Thema »Der Einfluss der Neuen Welt (Amerika) auf die Alte« nur ein einziges Wort hingeschrieben hatte: »Kartoffeln.«
Altenberg trat zeitlebens als vorgeblich mittelloser Schnor­rer auf, der sich von Kollegen und Gönnern finanziell aushalten ließ. (Um seine Mittellosigkeit zu illustrieren, lief er grundsätzlich in Holzsandalen ohne Socken herum, selbst wenn er als Theaterkriti­ker Vor­stellungen besuchte.) Einmal schrieb er an seinen Bruder ein Telegramm: »Bitte schicke mir 100 Kronen, habe mein ganzes Geld zur Sparkassa getragen und starre nun dem Hungertod entgegen.« Oder, als er seinen Freund Karl Kraus einmal um 10 Kronen an­schnorrte, dieser aber bedauerte nicht so­viel da­bei­zu­haben, da bot ihm Altenberg an: »Ich leih’ dirs inzwischen, damit du mirs schnorren kannst.«

Als nach Altenbergs Tod sein Testament bekannt wurde, stellte sich zum nicht gerin­gen Erstaunen heraus, dass der angeblich zeitlebens Mittellose auf diese Weise ein durchaus statt­liches Vermögen von über 100.000 Kronen auf der Sparkassa angehäuft hatte. Dieses hinterließ er zur Gänze wohltätigen Einrichtungen.

Kulinarisches – De gustibus non est disputandum

Das ist »zum Krenreiben«, sagt man in Österreich wenn etwas unnütz, unnötig, nicht zu ge­brauchen ist.

In einer von den Usern der Food-Plattform “Taste Atlas“ erstellten Liste der hundert schlech­testen Gerichte der Welt rangiert auf Platz 14 das Beuschel, ein klassisches Gericht der Wie­ner Küche: nämlich ein Rahmragout aus Kalbslunge und Herz, serviert mit Semmelknödel. Was denn nun daran so schlecht sein soll, lässt sich nicht für jedermann nachvollziehen, Ge­schmäcker sind bekannt­lich verschieden. Als Kind musste ich einmal zwei Wochen lang im Krankenhaus liegen, und als ich wieder rausdurfte hatte meine Oma mir zuliebe Beuschel ge­kocht: es war die köst­lichste Mahlzeit mei­nes Lebens! Danach aber mochte ich Beuschel nie wieder und habs seit­her nim­mer gegessen.
Grundsätzlich sind derlei Ranking-Listen sowieso zum Krenreiben. Und Exempel für heraus­ra­gen­de regionaltypische Gaumengrauslichkeiten gibts überdies wesentlich trefflichere, z.B.:
Eine traditionelle Spezialität ostösterreichischer Hausmannsküche ist Krenfleisch, d. i. gekochtes (sic!) Bauchfleisch mit Schwarte vom Schwein unter einem Haufen geraspeltem Kren (für Außerö­si­sche: Meerrettich) – wahrhaft eine kulinarische Obszönität, Schweinsfleisch in Wasser zu kochen! Abscheulich. Manche mögen es dennoch, andere hinwiederum beutelt es darob vor Grausen.
Apropos Kren: Die Asiatische Küche, wie man weiß, ist mitunter von außerordentlich schar­fer Gewürzung ge­prägt – im Ge­gensatz zur Schärfe von Pfeffer oder Chili, welche auf Zunge und Gaumen wahrgenom­men wird, wird die des Krens von diversen Senfölen her­vor­ge­ru­fen und erst später in Ra­chen und Nasehöhle spür­bar, und reizt draufhin zum Tränen­fluss¹). Diese Art der Wurzel­schärfe ist, mit Aus­nahme des japanischen Wasabi, in Asien aber weitgehend unbekannt und vermag deswegen arglose Asi­a­ten beim erstmaligen Krenverzehr gars­tig zu übermannen: so be­richtete mir meine Tochter heute von ihrem taiwanesischen Kolle­gen, den beim Besuch des gestrigen Wiener Opernballs anlässlich des Verzehrs eines Paars Frank­fur­ter mit Senf & Kren un­versehens dermaßen heftiger Rotz- und Tränen­fluss befiel, sodass man beinah ernsthaft in Erwägung zog, die Sanität zu bemühen.
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¹) Die in Österreich und Bayern sowie im Schlesischen für Meerrettich seit dem 13. Jahrhun­dert verwendete Bezeichnung Kren ist ein Lehnwort aus dem slawischen Sprachraum, wo “krenas“ angeblich “weinen“ bedeute, wie allenthalben kolportiert wird, was freilich Unsinn ist. Tat­sächlich bedeutet slawisch křen, chren, хрен (verkürzt von kořen) schlicht: Wurzel.

Österreich: Geschichte einer Kolonialmacht

Da schreibt einer im Standard »über die koloniale und imperiale Vergangenheit Österreichs und verortet einen akuten Handlungsbedarf.« – Haben Sie gewusst, dass Österreich einst­mals eine Kolonialmacht war:
Anno 1777 wurde, gemäß dem Motto »A.E.I.O.U«, ein Landstück an der Maputo-Bucht in Mosambik/Südostafrika in kaiserlichen Besitz genommen, indem man es einem einheimischen Stammeshäuptling abkaufte, eine Besatzung bestehend aus 10 (zehn) Mann stationierte und zur ersten österrei­chischen Überseekolonie erklärte. Leider gehörte das betreffende Landstück gar nicht dem Häuptling, sondern längst den Portugie­sen, welche es den Österreichern kur­zer­hand wieder wegnahmen.
Gleiches widerfuhr den Österreichern ein Jahr später, 1778, als sie den eingeborenen Insu­la­nern ein paar Nikobaren-Inseln abkauften, mit 6 (sechs) Mann besetzten und zu öster­rei­chi­schen Kronkolonien ausriefen: weil die pfiffigen Insulaner nämlich besagte Inseln zuvor längst an Dänemark verkauft hatten. Unverzüglich nahmen die Dänen den Ösis die Inseln wieder weg und schickten das sechsköpfige Kolonistentrüpplein heim nach Wien, wo sie sich beim Salz­amt darüber beschweren durften.
Damit endete Österreichs Auftritt in der Kolonialgeschichte.
(Zwar wurde in weiterer Folge, um 1783, noch in Betracht gezogen, die Insel Madagaskar zu er­obern, welche sich aber bei näherem Augenschein als zu groß & unübersichtlich erwies, wo­rauf­hin man von den Eroberungsplänen wieder Abstand nahm und diese so­zusagen im Ko­lo­nia­kü­bel landeten.)
(Die österr. Bezeichnung Koloniakübel für Abfallbehälter hat mit der glücklosen Kolo­nial­ge­schichte jedoch nix zu tun.)

Obligates: Pour le Mérite

Der deutsche Bundespräsident fordert, dass mehr Frauen das Bundesverdienst­kreuz ver­lie­hen bekommen.
Haben Sie gewusst: In Österreich kriegen ausnahmslos alle, Männer wie Frauen, obli­gat das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik nachgeschmissen, so­bald die als Nationalratsabge­ordnete im Österr. Parlament zehn Jahre auf ihren Hintern ab­­ge­­ses­sen haben – ungeachtet jeglicher darüber hinausgehender Leistungen: egal ob die dort bloß ge­pennt oder Dickpics gewhatsappt oder in der Parla­ments­kantine ge­bürschtelt haben. Das hat zur Folge, dass selbst Figuren wie ein Bumsti Strache, ein Herbert Haupt, oder Typen wie ein Hubsi Gorbach sowie zahllose weitere poli­tische Blindgänger mit einem goldenen Or­den für ihre “Ver­dienste“ zum Wohle Österreichs herum­hampeln dürfen.

18. November

Heute vor 111 Jahren, am 18. November 1911, erblickte der Grubenhund das Licht der Öf­­fentlichkeit. Damals veröffentlichte die “Neue Freie Presse“, das führende Nachrichtenblatt der Habsburgermonarchie, eine Leserzuschrift des Wiener Ingenieurs Arthur W. Schütz, wo­­rin sich dieser unter dem Pseudonym “Dr. Ing. Erich Ritter v. Winkler, Assistent der Zentral­­versuchsanstalt der Ostrau-Karwiner Kohlenbergwerke“ in gleichermaßen hochtrabendem wie haarsträubendem pseudowissenschaftlichem Nonsens über ein unbedeutendes lokales Erd­beben in Mährisch-Ostrau ausließ, welches zuvor in der Presseberichterstattung übertrie­ben auf­gebauscht worden war:

      »Ich saß allein im Kompressorenraum, als – es war genau 10 Uhr 27 Minuten – der große 400pferdekräftige Kompressor, der den Elektromotor für die Dampfüberhitzer speist, eine auffällige Varietät der Spannung aufzuweisen begann. Da diese Erscheinung oft mit seismischen Störungen zusammenhängt, so kuppelte ich sofort den Zentrifugal­­regulator aus und konnte neben zwei deutlich wahrnehmbaren Longitudinalstößen ei­nen heftigen Ausschlag (0∙4 Prozent) an der rechten Keilnut konstatieren. [..]
      Völlig unerklärlich ist jedoch die Erscheinung, daß mein im Laboratorium schlafen­­der  G r u b e n h u n d  schon eine halbe Stunde vor Beginn des Bebens auffallende Zei­­chen größter Unruhe gab.«

Als Urheber dieses Stückes wurde fälschlicherweise Karl Kraus verdächtigt, weil der bereits drei Jahre davor die “Neue Freie Presse“ ebenfalls mit einem Leserbrief zu einem Be­richt über ein Erdbeben vorgeführt hatte, indem er unter dem Pseudonym “Zivilingenieur J. Ber­dach aus der Glockengasse“ (seiner Privatadresse) ebensolchen offensichtlichen plumpen Nonsens wie »Varia­­bilität der Eindrucksdichtigkeit« oder »tellurische Erdbeben, die im Ne­benzimmer nicht bemerkt werden« u. ä. einher­fa­bulierte, welcher nichtsdes­totrotz prompt ver­­öffentlicht wurde. Kraus war es indessen, der dem Grubenhund des Ing. Schütz in ei­nem sati­­rischen Artikel in seiner Zeitschrift “Die Fackel“ als Gattungsbezeichnung für solcherlei Zei­­tungs­en­ten zur Popularität verhalf.
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Kollege Jules van der Ley bringt in seinem Teestübchen eine launige Bildergeschichte über einen “Grubenhund“ zur Darbietung.

26. Oktober

Warum der Österreichische Nationalfeiertag am 26. Oktober ist und nicht an einem anderen beliebigen Datum, ist ein bissel kompliziert. Als Nationalfeiertag, an dem die österreichische Nation sozusagen das Licht der Weltgeschichte erblickte, wäre eigentlich z.B. der 17. Septem­­ber naheliegender gewesen.

Bis 1967 hieß der Nationalfeiertag in Österreich “Tag der Fahne“, warum ist nicht bekannt. Warum er danach umbenannt wurde, ebenfalls nicht.

Zu Zeiten der Österreichisch-Ungarischen k. & k. Donaumonarchie war der Nationalfeiertag am 18. August, dem Geburtstag S.M. Kaiser Franz Joseph I.
In Bad Ischl im Salzkammergut feiern sie den heutzutags noch immer.

12. Oktober

Heute vor 120 Jahren, am 12. Oktober 1902, fand das erste offizielle Länderspiel der Fuß­ball­geschichte auf dem europäischen Kontinent statt, welches Österreich gegen Ungarn mit 5 : 0 gewann.
Heutzutage pflegt Österreich für gewöhnlich nimmer so hoch zu gewinnen.

Die siegreiche cisleithanische österreichische Nationalmannschaft von 1902: ganz rechts am Foto der Wiener Johann Studnicka (1883-1967), der an diesem Tag seinen 19. Geburtstag feierte und drei der fünf Tore erzielte. Studnicka war ziemlich klein und stämmig (»der G’stutzte«) und hatte markante O-Beine, aber seine Anhänger erklärten, dass ihm sein Schnei­der bloß krumme Hosen gemacht habe. Er wurde zu einer der herausragendsten Per­sön­lich­keiten der österreichischen Fußballgeschichte und erhielt posthum den zwei­maligen Titel des Welttorjägers.

28. September

Heute vor 75 Jahren wurde Herbert “Ich-sage-es-in-aller-Klarheit“ Haupt geboren, einer der schrägsten Käuze in Lügen­kanzler Schüssels legendärem Witzfigurenkabinett.
Herr Haupt kasperte unter anderem als Witzekanzler & FrauenministerIn durch die öster­rei­chische Bundespolitik, wofür er zweimal das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik um­ge­hängt kriegte. Für seine Verdienste um die Pflege der sinnentleerten Satzver­schach­te­lung wurde in zahlreichen österreichischen Ortschaften eine Straße nach ihm be­nannt.

Wahlversprechungen: Herr Brunner »beendet ein Chaos« und rettet die Welt

(Heute.at)

Michael Brunner, Kandidat der Coronaleugner-Partei MFG zur österreichischen Bundes­prä­sidentschaftswahl, erklärte im ORF-Interview*, welch allerlei Vorhaben er nach seiner Wahl zum Bun­des­präsidenten alsogleich in die Tat umzusetzen gedenke:

  • Als erste Amtshandlung wolle er zuvörderst »sofort die gesamte Bun­des­re­gie­rung ent­lassen, um ein Chaos zu beenden.«
  • Ja eh, war ja wohl klar. (Wer danach weiterregieren soll, verrät er nicht – um das herauszu­finden, müsste man ihn halt erstmal wählen: dann würde man’s schon sehen.)

  • Daraufhin wolle er »nach Russland reisen und dann in die Ukraine, an­schließend zu den “indirekten Kriegsparteien – nämlich EU und USA“, und den Frieden her­stellen.«
  • Herr Brunner beabsichtigt den Frieden herzustellen, da schau her. Na wenn das ein Politiker im Wahlkampf verspricht, wird man das wohl glauben müssen.

  • Alsdann werde er »die Teuerung beenden und die Energiekrise stoppen.«
  • Hat der wahrhaftig so versprochen, kein Witz. Kann man nicht erfinden.
    Jetzt brauchen die Österreicher den Spezi nur noch zum Bundespräsidenten zu wäh­len, und alles wird gut: die Welt darf hoffen.

    27. August – Ösizistisches

    Gerhard Berger vulgo “Hättiwari“ hat heute Geburtstag: der personifizierte
    Kon­junk­tivus Aus­triacus, wie ihn Kollegin Thera trefflich titulierte.

    Der populäre KURIER-“Kopfstücke“-Kolumnist Herbert Hufnagl (1945-2005) war es weiland, der Berger den Beinamen Hättiwari [= “Hätte ich, dann wäre ich“] und der Redensart damit eine neue Dimension als eigenständiges Substantiv verlieh, welches daraufhin als Ösi­zis­mus gebührliche Aufnahme in den Duden fand.

    Rundfunk(un)gebührliches

    Die aktuelle Affäre um den ungebührlich nonchalanten Umgang einer RBB-Intendantin mit Firmengeldern führte auch zur Debatte über die geradezu obszön opulenten Gehälter öffent­lich-rechtlicher Rundfunk-Intendanten in Deutschland – bei gleichzeitig drastischen Einspa­rungen beim TV-Programm:

    Den österreichischen Rundfunkgebührenzahler vermögen derlei astronomische Summen in­des­sen kaum zu be­ein­drucken, denn:
    • 420.000 Euro beträgt das Jahresgehalt eines ORF-Generaldirektors (=Intendant).
    • 248.000 Euro beträgt das jährliche Durchschnittsgehalt aller 14 (in Worten: vierzehn) ORF-Direktorinnen und -Direktoren.*
    Somit gebührt also einem ÖRR-Senderchef in Österreich ein noch opulenteres Salär als sämt­lichen seiner deut­schen Kollegen. Klarer Fall von Sender-Pay-Gap.

    Anbetrachts der chronisch drohenden Pleite des österreichischen Staatsrundfunks kündigte der vormalige ORF-Generaldirektor Wrabetz seinerzeit rigide Sparmaßnahmen an, indem er gleichzeitig eine Gebührenerhöhung sowie obendrein zusätzliche 57 Millionen Euro staat­­­li­­cher Zu­­schüsse ein­forderte:
      »Beim Programm soll allerdings nichts eingespart werden, denn beim Programm
      geht’s nicht mehr.« *)
    *) (Sagte der übrigens, nachdem er im Jahr davor »die größte Programmreform in der Ge­­schichte des ORF« angekündigt hatte.)

    Das mit dem Sparprogramm las sich dann laut Budgetplan allerdings bissel anders, ge­plant waren danach:
    • Einsparungen beim ORF-Gesamtaufwand: 85 Millionen Euro
    • davon Einsparungen beim TV-Programm: 70 Millionen Euro
    Von eventuell geplanten Einsparungen bei den exorbitanten Gagen der ORF-Chefetage stand darin freilich nix zu lesen.

    Heute vor 24 Jahren:

    Aus welchen Gründen die FPÖ damals einen raschen Beitritt für so dringlich hielt, lässt sich heute nimmer herausfinden. Unterdessen ist das Thema wiederum aktuell:

    Im Falle eines NATO-Beitritts Österreichs wäre freilich die Schweiz sodann von der NATO vollständig umzingelt. Man weiß aber auch welche Folgen es nach sich ziehen kann, wenn sich eine Nation bedroht wähnt, von der NATO umzingelt zu werden. Dass von einer dringli­chen FPÖ-Forderung nach einem NATO-Beitritt Österreichs mitt­lerweile nix mehr zu hö­ren ist, muss jedoch nicht unbedingt damit zusammenhängen:

    Derweil sich in Österreich vor einer “Sonderoperation zur Entnazifizierung“ vonseiten ei­nes Nachbarstaates eh niemand erstlich zu fürchten braucht. Nicht einmal die FPÖ. (Ach­tung, Sar­­kas­mus.)

    Apotheotisches

    Wenn einer, der es binnen vierjähriger Amtszeit als Lügenkanzler 2.0 zuwege brachte, mit skrupellosen in­triganten Machenschaften, Korruption und Klüngelpolitik sein Land auf das Niveau einer Bana­nen­republik zugrunde zu regieren – wenn so einer zu sei­nem er­zwun­ge­­nen Abtritt von einer älteren Parteikollegin solch eine Huldigungsnachrede hin­ter­­her­­ge­lob­hudelt kriegt:

    »Beeindruckend und ehrlich, das muss ihm erst jemand nachmachen, eine beeindru­ckende zehnjäh­rige politische Karriere, eine enorme Leistung, in diesen zehn Jahren sehr viel zustande gebracht, hohes Ansehen genossen, sehr offen und fair, sehr reif und nicht egomanisch, sehr jung, sehr fähig, sehr kompetent, undsoweiter blabla ..«  (ORF)

    .. dann muss man sich ernsthaft fragen, was mit der Frau los ist: Von wem spricht die bitte? Hat sie vergessen ihre Medikamente einzunehmen? Oder hat sie die letzten vier Jahre in ei­nem Schrank gelebt?
    Glatt schlecht werden könnt’ einem von dem Lobhudelgesülze beim Zuhören. Zum Speiben.