Mathematisches

Fallzahlenmathematisches

Wie sich die Schätzung der Vereinten Nationen mathematisch ausgehen soll, derweil ein Jahr 525.600 Minuten hat, erscheint rätselhaft.
Da hat die News-Redakteurin offenkundig einen tagesschau.de-Artikel falsch abgeschrieben: »Alle zehn Minuten wird eine Frau in der Familie getötet« steht dort vielmehr, und mit den »rund 50.000 Frauen und Mädchen, die weltweit im vergangenen Jahr von Partnern oder Familienangehörigen getötet wurden« geht sichs mit den kolportierten zehn Minuten aus.

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Ergibt in Summe 49.800, übrig bleiben 200 für Australien und Ozeanien: Zahlenhuberei ohne jeglichen Aussagewert. Welchen Sinn soll das haben, die Fallzahlen je nach Kontinenten zusammenzuaddieren und in absteigender Reihenfolge ohne Bezugnahme auf die Gesamteinwohnerzahl aufzulisten? In Asien leben 4,8 Milliarden Einwohner, in Amerika 1 Milliarde – demzufolge ist die Femizidrate in Amerika mehr als doppelt so hoch wie in Asien, in Australien eineinhalb mal so hoch wie in Europa. Dieser Fallzahlenzinnober mit dem Gewaltrisiko im Kontinente-Ranking ist mit­hin schierer Unsinn.

Phantasiemathematisches (II): Fantastilliardisches

(Fortsetzung)

»1 zu 893,35 Billiarden. Das ist die Wahrscheinlichkeit für das, was dem 20 Jahre alten D. McWilliams wiederfuhr. Er wurde von einem Hai gebissen, von einem Bären angegriffen und erlitt einen Klapperschlangenbiss – und das alles innerhalb von drei Jahren.« *

Nach welcher phantasiemathematischen Rechenmethode der “National Geographic“-Autor diese Wahr­schein­lich­keits-Fantastilliarden ausgerechnet haben will, verrät er im vorletzten Absatz seines Artikels. Schau mer mal, auf welche Zahlen wir kommen:

»Die Chance dafür, in Gewässern der USA von einem Hai angegriffen zu werden, stünde jedoch bei 1 zu 11,5 Millionen.« *

Pro Jahr, wohlgemerkt. Für jeden Einzelnen von 333,3 Millionen US-Amerikanern, egal ob Surfer oder Nichtschwimmer, ob Säugling in der Wiege, Gefängnis- oder Pflegeheiminsasse. Für einen 20 Jahre alten US-Amerikaner stünde somit die statistische Chance dafür, in Gewässern der USA einmal im Verlauf seiner bisherigen Lebenszeit von einem Hai angegriffen worden zu sein, theoretisch bei 1 zu 575.000.

»McWilliams [..] schaffte es auch entgegen dieser Wahrscheinlichkeit von 1 zu 2,1 Millionen, von einem Bären verletzt zu werden.« *

Pro Jahr. Folglich also entgegen einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 1 zu 105.000, in 20 Lebensjahren einmal von einem Bären verletzt zu werden.

»Die Chance dafür, in den USA von einer Giftschlange gebissen zu werden, wird auf 1 zu 37.500 geschätzt. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu sterben, ist mit 1 zu 112 bedeutend höher.« *

Das ist allerdings eklatanter Unsinn. Nach dieser Rechnung gäbe es in den USA bei einer Bevölkerung von 333,3 Millionen jährlich rund 3 Millionen Tote durch Autounfälle. Tatsächlich aber liegt die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall zu sterben, in den USA ungefähr bei 1 zu 8.000.
Hingegen trifft die Schätzung der Chance dafür, in den USA von einer Giftschlange gebissen zu werden, zumindest annäherungsweise zu:

»In den USA werden jedes Jahr etwa 45.000 Schlangenbisse gemeldet, von denen 7000 bis 8000 giftig sind. Die meisten Opfer von Schlangenbissen sind junge Männer zwischen 17 und 27 Jahren, von denen wiederum 50% alkoholisiert sind und die absichtlich mit der Schlange herumspielen oder sie belästigen.«  *(msdmanuals.com)

Das erhöht die faktische Chance, gebissen zu werden, für solche jungen Männer freilich sig­nifikant – die Berechnung bezieht sich jedoch auf die statistische Chance: und die beträgt auf Grundlage der angeführten Zahlen für einen 20-Jährigen in den USA grob gerundet durchschnittlich 1 zu 2.000, einmal im Leben von einer Giftschlange gebissen worden zu sein.

Hier nun der vorletzte Absatz des Artikels:

»Was bedeutet das in Zahlen? Da jedes Ereignis für sich allein steht, werden die Wahrscheinlichkeiten miteinander multipliziert, was zu einer Chance von 1 zu 893,35 Billiarden führt, dass einem alle drei Dinge passieren.« *

Wie der “National Geographic“-Autor bei der Multiplikation seiner Zahlen zu diesem Ergebnis gekommen sein will, ist rätselhaft: wers nachrechnet kommt so stattdessen nämlich auf 905,625 Billiarden. Mit unseren Zahlen kommt nach der beschriebenen Wahr­schein­lich­keits­rech­nungs­methode dagegen überhaupt was ganz anderes heraus, nämlich: 120,75 Billionen. Erkennen Sie den Unterschied zwischen Billionen und Billiarden.

Indessen ist eine Berechnung mittels Multiplikation von Wahrscheinlichkeiten mehrerer Er­eig­nis­se, deren »jedes für sich allein steht«, von vornherein grober Humbug. Die statistisch errechnete Wahrscheinlichkeit eines Schlangenbisses bleibt ja für jeden US-Einwohner die gleiche, unabhängig davon ob der zuvor schon mal von einem Bären angegriffen wurde oder nicht. Heißt also, ein Bärenangriff verringert nichts an der statistischen Wahrscheinlichkeit, ob und wie oft man früher oder später von einem anderen Land- oder Wassertier ebenfalls angegriffen wurde oder wird. Daher lässt sich die mathematische Wahrscheinlichkeit für einen Einzelnen, innerhalb von drei Jahren von drei verschiedenen Tieren gebissen zu werden, mitnichten so ausrechnen indem man die drei jeweiligen Wahrscheinlichkeiten miteinander multipliziert.¹)

»McWilliams schreibt es einfach dem Umstand zu, dass er zur falschen Zeit am falschen Ort war. [..] „Ich gehe immer noch wandern, ich fange immer noch Klapperschlangen und ich werde weiter im Meer schwimmen“, erzählte er.« *

Eh logisch, dass ein Mann der in der Großstadt lebt und ins Hallenbad schwimmen geht eine evident geringere Chance hat von Hai, Bär und Schlange gebissen zu werden als der im Artikel dargestellte anekdotische Evidenzfall eines ambitionierten Wildcampers und Klapperschlangenfängers. Schon deswegen ist diese Phan­ta­sie-Wahr­schein­lich­keits­berechnung voll­kommen re­a­litätsfern und unsinnig.
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¹) (Wenn sich ein Radfahrer bei einem Sturz verletzt und ein andermal beim Schifahren ein Bein bricht, dann wird ja infolge dieser zwei »jeweils für sich allein stehenden« Ereignisse seine statistische Chance von 1 zu 8.000, nächstesmal bei einem Autounfall ums Leben zu kommen, deshalb auch nicht millionenmal geringer.) (Außer in umgekehrter Reihenfolge, dann schon ;)

Probabilistisches: Milchmädchenmathematisches

Der Milchmädchenmathematiker von der “Augsburger Allgemeinen“ rechnet vor:

»Laut Experten [..] sterben in Deutschland pro Jahr ungefähr vier Menschen an einem Blitzschlag. Bei einer Einwohnerzahl von rund 80 Millionen liegt die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden demnach bei eins zu 20 Millionen.« *

Das ist so nicht richtig. Sondern richtig wäre nach dieser Berechnung die Wahrscheinlichkeit von eins zu 20 Millionen, in Deutschland einmal pro Jahr vom Blitz getroffen zu werden.

Die ist aber ebenfalls nicht richtig, denn:

»Laut Ärzte Zeitung überleben ungefähr 70 Prozent der Menschen, die von einem Blitz getroffen wurden, den Schlag.« *

Wenn folglich ungefähr 30 Prozent, nämlich vier Menschen, pro Jahr an einem Blitzschlag in Deutschland sterben und ungefähr 70 Prozent einen überleben, dann ergibt das in summa ungefähr dreizehn Menschen die pro Jahr in Deutschland vom Blitz getroffen werden. Für jeden einzelnen von rund 80 Millionen Einwohnern liegt die Wahrscheinlichkeit demnach nicht bei eins zu 20 Millionen gemäß Augsburger Milchmädchenmathematik, sondern bei eins zu 6 (sechs) Millionen: pro Jahr, wohlgemerkt.
Vorausgesetzt, die »laut Ärzte Zeitung« zitierten Prozentsätze treffen tatsächlich so zu und wären keine Phantasiezahlen: mithin beträge etwa für einen 60-jäh­ri­gen deutschen Einwohner die statistische Wahrscheinlichkeit rund eins zu 100.000, einmal im Leben vom Blitz getroffen worden zu sein.
Erkennen Sie die Differenz zwischen 100.000 und 20 Millionen.

»Laut den Experten [..] liegt die Wahrscheinlichkeit vom Blitz getroffen zu werden bei eins zu 20 Millionen.
„Wer jede Woche Lotto spielt, wird mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 270 Tausend in einem Jahr sechs Richtige tippen“, schreiben die Blitz-Experten weiter. Damit sei die Wahrscheinlichkeit im Laufe eines Jahres vom Blitz getroffen zu werden, fünfmal geringer als die Wahrscheinlichkeit, einmal im Jahr sechs Richtige im Lotto zu haben.« *

Wie bitte – »fünfmal« geringer? Wären demnach also 20 Millionen = fünfmal 270 Tausend? Ob der Augsburger Mathematik-Spezi diesen Blödsinn selber falsch ausgerechnet oder bloß von den Blitz-Experten falsch abgeschrieben hat, spielt keine Rolle: Blödsinn bleibt Blödsinn. So wie der Blödsinn, den er von der Schweizer Handelszeitung abgeschrieben hat:

»Die Wahrscheinlichkeit sieben Mal vom Blitz getroffen zu werden, liegt laut der Schweizer Handelszeitung übrigens bei 1 zu 16 Quadrillionen. Eine Zahl mit 24 Nullen:
16.000.000.000.000.000.000.000.000.« *

Das ist nun freilich Blödsinn zur Potenz. Wenn die Wahrscheinlichkeit im Laufe eines Jahres vom Blitz getroffen zu werden, laut obiger Annahme bei eins zu 20 Millionen liegt, dann liegt die Wahrscheinlichkeit im Laufe von sieben Jahren sieben Mal vom Blitz getroffen zu werden: ebenfalls bei eins zu 20 Millionen, erraten.
Erkennen Sie die Differenz zwischen 20 Millionen und 16 Quadrillionen.
(Wenn die Aktienkurse in der Schweizer Handelszeitung von demselben Einfaltspinsel ausgerechnet werden wie die Blitztreffer-Fantastillionen, sollte man die lieber nicht für bare Münze nehmen.)
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C. censeo: Man muss nicht alles glauben, was in der Zeitung steht.

Genderquotenmathematisches, ..

.. oder: Definieren Sie den Begriff  “ganz erheblich“

Die Sprachwissenschaftlerin Luise F. Pusch gilt als “die Mutter der feministischen Linguistik“ in Deutschland, und postuliert:

 (SZ)

»Luise F. Pusch schreibt öfters Kommentare zu aktuellen Ereignissen. [..] Wenige Tage nach dem Absturz des Germanwings-Flugs 9525 veröffentlichte Pusch im März 2015 einen Kommentar in der Zeitschrift Emma, in dem sie eine Frauenquote unter Pi­loten fordert.« *

Ich bin weder Linguist noch Mathematiker, und postuliere aber: feministisch-linguistische Postulate sollte man vernünftigerweise den Linguist/innen überlassen und quotenmathema­tische den Mathematiker/innen, nicht umgekehrt. In dem betreffenden “Emma“-Kommentar zum Germanwings-Absturz im März 2015, welcher durch den Piloten absichtlich herbeige­führt wurde, stellte Frau feministische Linguistin Pusch unter dem Titel »Frauenquote fürs Cockpit!« die Behauptung auf:

»Die Selbstmordquote [..] ist bei Männern viermal so hoch wie bei Frauen. Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich redu­­zieren.« *

(Dass die 4:1-Selbstmordquote bei Männern und Frauen, wie Frau Pusch »im Radio gehört« haben will, auf Piloten und Pilotinnen längst nicht gleichermaßen zutreffen muss, bleibe hier mal außer Acht gelassen.¹)

Mal nachgerechnet, welche »ganz erhebliche« – wie von Frau Pusch behauptet – Reduktion des Risikos eines Pilot/innen-Selbstmordes auf einem Luft­han­sa-Flug da­bei herauskäme:
  • Im Berechnungszeitraum seit 2015 (vom Zeitpunkt des Germanwings-Piloten­selbst­­mor­des) bis 2020 führte die Lufthansa ca. 5 Millionen Flüge durch, wo­bei es zu einem (ebendem genannten) Fall von Pilotenselbstmord kam.
  • Das Risiko »dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord miss­brauchen« betrug somit 1 zu 5.000.000.
  • Die Lufthansa hat ca. 11.000 Pilot/innen, von denen somit im Berechnungszeitraum jede/r durchschnittlich ca. 455 Flüge pilotierte.
  • Wäre also auf 455 von 5 Millionen Flügen im Berechnungszeitraum eine Frau (mit nur 25-prozentiger Selbstmorddisposition gegenüber einem Mann) Pilotin gewesen an­statt einem männli­chen Pilot, hätte das Risiko nur mehr 1 zu 5.000.400 betragen.
Resultat: Die Lufthansa könnte also das Risiko »dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbst­­mord und vielfachem Mord missbrauchen« mit jeder Frau, die sie seit dem “Emma“-Ar­ti­kel von Frau Lin­guistin Pusch zur Pilotin ausbilden, um ungefähr ein Zwölf­­tau­­send­­fünf­­hun­­dert­­stel = 0,08 ‰ (Pro­mille) reduzieren.

Als »ganz erheblich« möchte man das freilich nicht definieren. Jedenfalls nicht gemäß lin­gu­­is­ti­scher Definition.
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¹) Gemäß Statistik gab es in der kommerziellen Luftfahrt zwischen 1980 und 2020 weltweit zehn Flugunfälle, die zumindest mutmaßlich auf Pilotensuizid zurückzuführen sind. Alle 10 Piloten waren männlich, null Pilotinnen weiblich. D. h. die Selbstmord­quote ist bei Piloten mit­nichten viermal so hoch wie bei Pilotinnen, wie es Frau feministische Linguistin Pusch dar­stellt, sondern mit einer Quote von 10 zu 0 unendlich ∞ mal so hoch. Würde nun ihr lin­­gu­is­tisches Postulat über die grundgesetzwidrige Grammatik auf ebenso unfundierten Prämissen be­ru­hen wie ih­re Pilotenselbstmordrisiko-Be­rech­nungs­nummer, dann möchte wohl nicht allzu­viel dahinterste­cken.

14. März: Mathematisches

Heute ist übrigens der Internationale Tag der Mathematik, auch als Pi-Tag bekannt.

Der Mathematik-Spezialist von Österreichs bedeutendstem Volksinformationsorgan rech­net vor:

 (Kronen Zeitung)

Mehr als 5 Promille! Das wäre heftig. Ab einer Blutalkoholkonzentration von etwa 4 Pro­mille fällt man für gewöhnlich ins Koma, 5 Promille überleben die wenigsten. Schwer vorstellbar, in diesem Zustand noch ein Auto stehlen zu wollen. Hier die Erklärung:

Gemeinsam. Das hat der Mathematik-Spezi von der Krone äußerst pfiffig ausgerechnet: weil nämlich laut Polizeibericht jeder der beiden mehr als 2,5 Promille intus hatte, folglich hatten die zwei gemeinsam mehr als 5 Promille – Adam Riese lässt grüßen.

(»Mehr als dreieinhalb Meter! So groß waren zwei Tagelöhner aus Ungarn usw. ..«)

Exxpressionistisches: Milchmädchenmathematisches

»Menschen werden Journalist*innen, weil sie gerne Geschichten erzählen
– und Mathe hassen.«  (Scott Maier)*

Da hat der Tweet-Abschreibebeauftragte vom “eXXpress für Selberdenker“ wieder mal einen Tweet entdeckt und artig abgeschrieben:

Der ORF-Journalist Hannes Auer rechnet auf Twitter vor:

»Österreichische Vollmilch kostet in Italien nur 0,89 Euro, in Österreich kostet die glei­che Milch 1,29 Euro. Das sind rund 45 Prozent mehr.«

Daraufhin extemporiert der “eXXpress“-Milchmädchenmathematiker:

Geht’s noch? Wenn die Milch in Österreich um 45 Prozent mehr kostet als in Italien, dann ist sie deswegen in Italien nicht um 45 Prozent billiger als in Österreich, stupido! Würde etwa die Milch in Österreich doppelt soviel kosten wie in Italien, das sind 100 Prozent mehr – so wäre die nach eXXpress-Mathematik in Italien also um 100 % billiger und kostet dort gar nix.
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(Rechnung für Selberrechner: Wenn die Milch in Italien mit 0,89 Euro um 40 Cent weniger kos­tet als in Österreich mit 1,29 Euro, dann ist sie dort um rund 31 % billiger.)

Alkoholisches (II)

Dass der Alkoholgehalt im Atem in Milligramm pro Liter Atemluft gemessen wird, der Alko­­holgehalt im Blut hingegen in Promille pro Liter Blut, hat jeder mal im Fahrschul­un­­ter­richt gelernt, wers nicht verpennt hat. So wie die Kollegen beim SPIEGEL offenbar:

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Kaum anzunehmen, dass das ein Polizeisprecher tatsächlich so sagte – man muss nicht alles glau­ben, nur weil’s so im SPIEGEL steht:

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Mal nachgerechnet, wenn das so zutreffen würde wie es im SPIEGEL steht: 4 Promille Alkohol im Atem wären also 4 Milliliter pro Liter Atem­luft – d. h. wenn die 64-Jährige zehnmal hintereinander tief Luft holt und in ein 4cl-Schnapsglas hineinhaucht, wäre das von dem aus­geatmeten Alkohol schon wieder voll und die könnte sich gleich nochmal einen Doppelten reinpfeifen, ohne nachzuschenken.
Muss man sich mal bildlich vorstellen.

Bumsti-Mathematik

Das österreichische Volksbegehren für ein Rauchverbot in Gastronomiebetrieben wurde von 881.569 (= 13,8 Prozent) der 6.378.210 Stimmberechtigten unterstützt. Mathematik-Bumsti Strache rechnet nun vor:

»Ich denke, die Mehrheit der Bevölkerung wünscht das so [= wünscht kein Rauchverbot]. Das Volksbegehren ist beachtlich, aber letztlich haben 85 Prozent es nicht unterstützt.«

Soll also heißen: weil 10 Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung per Volksbegehren für ein Rauchverbot stimmen, so ist daraus der logische Folgeschluss zu ziehen dass die übrigen 90 Prozent dagegen sind – ? Eine völlig absurde Hochrechnung nach Bumstischer Äpfel-minus-Bananen-Ma­the­ma­tik, wie sie uns auch Österreichs bedeutendstes Volks­in­for­mationsorgan vorrechnen will.

Déjà-vu: die nämliche Nummer mit der Bumsti-Mathematik brachte Österreichs auflagen­stärk­ste Verschenk-Volksinformationspostille übrigens bereits im April 2010 zur Darbietung, betreffs einer damaligen IFES-Umfrage zum Rauchverbot:

Wenn 10 Prozent der Befragten die Frage »Mögen Sie lieber Äpfel oder Bananen?« mit »mag lieber Äpfel« beantworten, dann ergibt sich aus der Umfrage das Resultat: »90 Prozent der Bevölkerung mögen keine Bananen.«

Bruchrechnen für Spezialisten

»Menschen werden JournalistInnen, weil sie gerne Geschichten erzählen
– und Mathe hassen.«  (Scott Maier)

Wenn einer der größte Mensch der Welt ist und ein anderer nur halb so groß, ist der andere also der zweit­größte Mensch der Welt? Jedenfalls, wenns der ORF-Bruch­rech­nungs­spezialist ausrechnet:

Die Cestius-Pyramide in Rom: die viertgrößte Pyramide der Welt? Das war bisher noch nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass sie ein Viertel so hoch ist wie die größte Pyramide der Welt, die Cheops-Pyramide. Ob der ORF-Bruchrechnungsspe­zi sein Rechenexempel: “Viertel so hoch = viertgrößte“ im Kopf ausgerechnet hat oder dazu einen Taschenrechner be­müh­te, ist nicht überliefert.

(Wenn der Kollege Steppenhund das liest,
kriegt ers wieder mit dem Blutdruck ;)

Luftnummer (I)

Was sie dem Schweizer Gratiszeitungkollegen ins Müesli getan haben, bevor er diese bizarre Luft­num­mer ausheckte, ist nicht überliefert, aber was rezeptfreies wars bestimmt nicht:

100 Meter, das ist so lang wie ein Fußballfeld – so weit sollte ein Töff (=Motorrad) durch die Luft geflogen sein?
Man muss kein Fachmann sein um sich ausrechnen zu können, wie absurd die Vorstellung ist, ein Motorrad würde nach der Kollision mit einem stehenden Auto abheben und genausoweit durch die Luft fliegen wie Motorrad-Stuntman Robbie Maddison bei seinem 100-Meter-Welt­rekordsprung.

Wers dennoch ausrechnen will: um erst rund 100 Meter weiter entfernt auf dem Boden auf­zu­prallen, müsste ein Objekt mit einer Geschwindigkeit von 31 m/s (=110 km/h) ungebremst im 45°-Winkel von diesem abheben und am Scheitelpunkt der ballis­ti­schen Flug­pa­ra­bel eine Gip­fel­höhe von mehr als 25 Meter über­schrei­ten – d. h. wenn dort ein Haus im Weg steht, würde das Motorrad im fünften Stock beim Fenster rein­fliegen. Was für aberwitzige Vor­stellung:

Luftnummer, siehe: ▶️ ▶️

Neues vom Grundrechnungsbeauftragten

Der Grundrechnungsbeauftragte der meistgelesenen Schweizer Gratis-Tageszeitung rechnets den Lesern vor:

(Zwischenfrage: wieviele Stunden dauert ein Tag in der Schweiz eigentlich?)
Welcher Informationsgewinn den Lesern aus diesem Rechenexempel ersprießen soll, lässt sich ohnehin nicht erraten, denn:
  • Dass jeder Schweizer Autofahrer im letzten Jahr 2,5 Jahre im Stau ge­standen wäre,
    dürfte kaum zu vermuten sein.
  • Sollten dagegen alle Schweizer Autofahrer zusammen im letzten Jahr insge­samt 26’000 Stunden im Stau gestanden sein, so wäre das durchschnittlich für jeden einzelnen weniger als eine halbe Minute.
Was der Grundrechnungsbeauftragte den Lesern mit dieser Nonsens-Nummer vorzu­rech­nen sich bemüht, bleibt wohl sein Geheimnis.

Definieren Sie den Begriff »fast«

»Das Denken fällt oft schwer, indes, das Schreiben geht auch ohne es.«
(Wilhelm Busch)


Das hat der SPIEGEL-Kollege sehr schön ausgerechnet. Mit einem Taschenrechner oder im Kopf , ist nicht überliefert. Aber warum eigentlich »fast«?
Schau mer mal:

Donald Sterling (born [..] April 26, 1934)

Ah so. Also ist der gar nicht 81, sondern 80. Das mit dem »fast« ist also de facto richtig. Wo der SPIEGEL-Kollege die »81« falsch abgeschrieben hat, ist unbekannt. Copy, & passt. Fast.
Aber: wie gedankenlos muss sich einer beim Abschreiben (von welchen Quellen auch immer) anstellen, um einen Satz wie den oben zitierten nicht bescheuert zu finden.

Laut einer aktuellen Studie

Sozialbetrüger meist aus Österreich
Sozialbetrug wird selten von Ausländern, aber zu drei Vierteln von Österreichern begangen.
Sozialbetrug wird zu drei Vierteln von Österreichern begangen - und damit viel seltener von Ausländern, wie dies in der Öffentlichkeit oftmals vermutet wird.
Eine Studie der Linzer Johannes Kepler Universität widerlegt die gängige Klischee­mei­nung, dass Sozial­betrug vor allem von Ausländern begangen wird. [..] Sozial­be­trug wird selten von Ausländern, aber zu drei Vierteln von Österreichern begangen.
Mal nachgerechnet: der Ausländeranteil in Österreich beträgt 8,9 Prozent. Ein Viertel des Sozialbetrugs wird von diesen 8,9 Prozent begangen, drei Viertel von den übrigen 91,1 Prozent Österreichern.
Resultat: Sozialbetrug wird von Ausländern mehr als dreimal so häufig begangen wie von Öster­reichern.
Woher man aus diesem Resultat das Fazit ziehen will, Sozial­betrug werde »selten von Aus­län­dern begangen«, bleibt ein Rätsel.

Schwadronantes: Unerklärliches

»Menschen werden JournalistInnen, weil sie gerne Geschichten erzählen
– und Mathe hassen.« (Scott Maier, Journalismus-Professor)

Dass Gewicht in Kilogramm gemessen wird und nicht in Pferdestärken, lernt man eigentlich schon in der Grundschule, aber mit der Mathematik stehen die Kollegen beim “profil“ ja bekanntlich auf Kriegsfuß. Da erfährt man etwa, der Lamborghini Countach werde ..


Das wären somit satte 127.600 PS, bei 1450 Kilogramm Leergewicht.
Wie der Kollege Motorjournalist diesen Blödsinn ausgerechnet hat, ist völlig unerklärlich. Mit 455 PS hat der Lamborghini Countach ein Leistungsgewicht (= Fahrzeuggewicht dividiert durch Motor­lei­stung) von knapp 3,19 kg/PS (oder 0,31 “PS pro Kilogramm“).

Aber vielleicht lässt sich der Blödsinn ja erklären durch ..

.. *


Was auch immer diese Schwadronanz bedeuten will.
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(Wenn der Kollege Steppenhund das liest,
schlagt sichs wieder auf seinen Blutdruck.)

Laut einer aktuellen Umfrage

(Kurier.at)

Sehr schlau ausgerechnet. Zehn Partnerwechsel, bei einer durchschnittlichen Lebens­er­war­tung von 80 Jahren = durchschnittlich alle acht Jahre einer. Von der Wiege bis zur Bahre, vom Säuglings- bis ins Grei­sen­alter. Milchmädchen lässt grüßen.

(Was von der statistischen Hochrechnung solcher Umfrageresultate auf die Gesamtbe­völ­ke­rung grundsätzlich zu halten ist, steht sowieso auf einem andern Blatt.)

Laut einer aktuellen Studie: Gagaistisches

Das überrascht allerdings, weil 27% der EU-Bevölkerung (knapp über 500 Millionen) mit­­nichten »83«, sondern knapp über 135 Millionen Menschen sind.
Nun hat man von den Fußpflegetipp-Spezialisten von “Österreichs größtem wöchentlichen Frauen-Magazin“ nicht notwendigerweise zu erwarten, dass die zugleich Prozent­rechnungs-Kapa­zun­der sein müssten, aber auf der Suche, woher die ihre Zahlen falsch abgeschrieben haben, stößt man auf einen SPIEGEL-Artikel vom Vorjahr, demzufolge –

Das überrascht wiederum, weil nämlich rund 38 Prozent der Bevölkerung der Europä­ischen Union sowie der Schweiz, Norwegen und Island (rund 515 Millionen) nicht etwa »knapp 164«, sondern mehr als 195 Millionen Menschen sind.
Jetzt hätte man gern gewusst, wo die beim SPIEGEL ihre Zahlen falsch abgeschrieben haben, und findets in einer Pressemitteilung der TU Dresden, dort steht was anderes:

  • Die Studienergebnisse [..] beziehen sich auf alle 27 EU Staaten sowie Schweiz,
    Island und Norwegen.
  • Jährlich leiden 38,2 Prozent aller Einwohner der EU (164,8 Millionen Menschen)
    unter einer klinisch bedeutsamen psychischen Störung.
Das ist zwar ebenfalls falsch, weil 38,2 Prozent aller Einwohner der EU nicht »164,8«, son­­dern 191,9 Millionen Menschen sind, aber beim SPIEGEL schreibt man die falschen Zahlen der TU Dresden nicht einfach ab, sondern schreibt sie noch dazu falsch ab.
Fazit: Bei Deutschlands bedeutendstem Nachrichten-Magazin versteht man vielleicht weni­ger von Fußpflege als bei Österreichs größtem wöchentlichen Frauen-Magazin, aufs Zahlen falsch Abschreiben versteht man sich freilich ebensogut.
Weil die betreffende Studie innerhalb der 38,2 Prozent aller Einwohner der EU u. a. auch die 7 Prozent der Gesamtbevölkerung auflistet, die einmal pro Jahr an Schlafstö­rungen (sic) lei­­den, erscheint überdies die Schlagzeile einigermaßen gagaistisch:

Mathematik für Spezialisten

Österreichs auflagenstärkste Verschenk-Volksinformationspostille informiert:

(Heute)

Eh klar, bei 200 Millionen Facebook-Usern, da läppern sich täglich allerhand Meldungen zu­sam­men ..
(Frag so einen Verschenkblatt-Einfaltsdimpfel nach dem Unterschied zwischen einer Million und einer Billion, dann denkt der wahrscheinlich nach und sagt dann: »Ein Buchstabe?«)

profil: Mathematik für Experten

»Hundert Millionen (in Zahlen: 100.000.000) Euro – das ist schon eine Stange Geld. Man kann sich zum Beispiel einen ganzen Eurofighter darum kaufen.«  (profil)

Man muss nicht unbedingt Mathematik-Experte sein, um den Unterschied zwischen ein paar hun­dert Millionen und ein paar hundert Milliarden zu erkennen. Vorher halbwegs logisches Nach­den­ken würde allein schon ausreichen, damit hinterher nicht solcher Blödsinn in der Zei­tung steht:

Zum Vergleich:
  • Gesamt-Bruttoinlandsprodukt Österreich:  280 Milliarden Euro
  • Anschaffungskosten 15 Stück Eurofighter:  1,56 Milliarden Euro
  • Baukosten Eurotunnel (Ärmelkanal, 50 km):  15 Milliarden Euro

profil: Prozentrechnen für Experten

»Menschen werden JournalistInnen, weil sie gerne Geschichten erzählen
 – und Mathe hassen.«  (Scott Maier)*

»Expertenschätzungen gehen davon aus, dass [..] im Schnitt etwa jedes fünfte Kind Opfer sexueller Gewalt wird.«

»Bei einer österreichweiten Umfrage gaben fünf Prozent der Befragten an, selbst in ihrer Kindheit sexuell missbraucht worden zu sein. Auf Österreich hochgerechnet, ergibt dies um die 400.000 Betroffene.«

Was für Expertenschätzungen das konkret sein mögen, wird in dem Artikel nicht ver­raten – Experten für Prozent­rechnung warens jedenfalls keine: »fünf Prozent« heißt nicht »jedes fünfte« Kind, sondern jedes zwanzigste. Erkennen Sie den Unterschied.

Ein klarer Fall

Wenn 19 Prozent für etwas sind und 9 Prozent dagegen, und die restlichen 72 Prozent sind entweder für was anderes oder verratens nicht – wieviel sind dann insgesamt dagegen? 81 Prozent, klarer Fall.

Nicht klar? Österreichs auflagenstärkste Verschenkzeitung rechnets vor:

Klarer geht’s kaum noch. Rundweg.
Und so schaut die betreffende IFES-Umfrage konkret aus:

Aus 9 mach 81. (k.A. heißt übrigens: keine Angabe.)
Jetzt rechnen wir noch alle dazu, die an der Umfrage gar nicht teilgenommen haben, dann kommen wir locker auf ein paar tausend Prozent, die das Rauchverbot rundweg ablehnen.
Ein klarer Fall von kreativer Mathematik. Dafür gibts diesmal keine gute Note.