Marie Krøyer 

Das ist die J. H. Rubens Weberei in Frederiksberg, der Deutsche Wilhelm August Eduard Max Triepcke ist hier Direktor. Seine Tochter Marie Martha Mathilde wächst zusammen mit ihren beiden Brüdern im bürgerlichen Wohlstand auf. Sie will Malerin werden, aber die dänischen Kunsthochschulen lassen noch keine Frauen zu. Das Geld des Vaters erlaubt es der Sechzehnjährigen, privaten Unterricht bei Carl Thomsen und Kristian Zahrtmann zu nehmen. 

1885 gründete Marie gemeinsam mit der Malerin Agnes Slott-Møller in Kopenhagen Den lille Malerskole. Der berühmte Peder Severin Krøyer hält da Gastvorträge, was er nur ungern tut: Aah, diese Damen, diese Damen, die alle malen wollen – lasst mich frei sein – ich will auf keinen Fall Schülerinnen – fertig. Die Malweiber haben es nicht leicht in dieser Zeit. Marie kämpft für die Sache der Frauen, aber sie wird immer wieder von der Unsicherheit geplagt: Manchmal denke ich, die ganze Mühe ist vergeblich, wir haben viel zu viel zu bewältigen … was hat es schon für einen Sinn, wenn ich male, ich werde nie, nie etwas wirklich Großes erreichen … Ich möchte an unsere Sache glauben, auch wenn es manchmal furchtbar schwer sein mag.

Die junge →Marie Triepke (hier ein Selbstportrait) verlobt sich im Frühjahr1888 mit Robert Hirschsprung, dem Sohn des reichen Tabakfabrikanten →Heinrich Hirschsprung, der dabei ist, mit seiner Frau Pauline eine große private Kunstsammlung aufzubauen. Das wäre eine gute Partie gewesen, aber schon nach wenigen Monaten trennen sich Marie und Robert. Die Hirschsprungs (hier auf einem →Gemälde von P.S. Krøyer) nehmen ihr die Sache nicht übel: Marie wird der Familie, die auch ein Mäzen von →Peder Severin Krøyer ist, immer freundschaftlich verbunden bleiben. Vor zwei Jahren hat die Sammlung Hirschsprung eine →Sonderausstellung für Marie Krøyer gemacht. 

Marie wird Krøyer, den sie schon an der lille Malerskolekennengelernt hatte, in Paris wieder begegnen. Da studiert sie bei Gustave CourtoisAlfred Philippe Roll und Puvis de Chavannes Malerei. Und steht (oder besser sitzt) Krøyer Modell für das Bild →En Duet. Sie ist zwanzig und gilt als die schönste Frau Dänemarks. Es kommt, wie es kommen muss, im Juli 1889 heiratet Krøyer die schöne Marie. Übrigens in Augsburg, wohin ihre Eltern gezogen waren, weil ihr Vater seine Stellung bei der J. H. Rubens Weberei in Frederiksberg verloren hatte.

Ihre Hochzeitsreise wird sie durch halb Europa führen. Sie sind ein von der Presse beobachtetes Glamourpaar, die schönste Frau Dänemarks und der berühmteste Maler des Landes. In die Künstlerkolonie Skagen passen sie nicht so recht, aber da werden sie 1891 landen. Marie hatte in Paris Anna Ancher kennengelernt, die ihre beste Freundin wird. Krøyer wird die beiden malen, wenn sie in der heure bleue am Südstrand von Skagen spazierengehen. Das Bild ist ja zu einer Art Ikone geworden. Millionenfach auf Postkarten verbreitet (die Kunsthalle Kiel besitzt übrigens auch eins dieser →Strandbilder mit diesem Licht der blauen Stunde von Peder Severin Krøyer). Marie ist  die rechte von den beiden Frauengestalten auf dem Bild (das ich schon hundertfach als Postkarte verschickt habe), Anna hat den Hut abgenommen und geht nahe am Meer.

Marie ist jetzt →Krøyers Musegeworden, er malt sie immer wieder. Dieses Bild hat er 1890 in Amalfi während der →Hochzeitsreise gemalt. Sie malt jetzt kaum noch. Es kriselt in der Ehe der beiden, das Glück ist nicht von Dauer. Die Sommer in Skagen sind die schönste Zeit in ihrem Leben. Marie bewundert ihre Freundin Anna Ancher, die auch mit einem Maler verheiratet ist, aber ganz ihren eigenen malerischen Weg gefunden hat.

In den Sommern in Skagen sah ihr Leben vielleicht noch so aus wie auf diesem Jugendbild, das ihre Kollegin Bertha Wegmann 1885 gemalt hat. Die →Hirschsprung Sammlung hat das Bild gerade für drei Millionen Kronen erworben. Noch nie wurde für das Bild einer dänischen Malerin soviel Geld gezahlt. Es wird bei dem Preis auch eine Rolle gespielt haben, dass Marie Krøyer auf dem Bild ist. Die Hirschsprung Sammlung besitzt neben dem Skagener Museum die größte Anzahl der Bilder von Peder Severin Krøyer und Marie Krøyer.

P.S.Krøyer ist jetzt ständig in ärztlicher Behandlung. Marie schreibt an C.F. Dahlerup in Skagen: Armer Søren! Er ist sehr, sehr krank, er leidet an Melancholie und hat dauernd Halluzinationen, besonders nachts. Er glaubt, man wolle ihn festhalten … und er wurde in eine Kopenhagener Klinik eingewiesen. Man weiß nicht genau, woran er erkrankt ist. Es kann die manisch-depressive Psychose sein, die er von seiner Mutter geerbt haben kann. Es kann aber auch die Syphilis sein, man pumpt ihn auf jeden Fall mit Quecksilber voll, damals das Mittel der Wahl. Er wird beinahe auf dem linken Auge blind werden. Aber er malt weiter.

Er vollendet noch sein großes Bild über das Johannisfeuer am Strand von Skagen. Marie ist auch auf dem Bild, sie ist die weißgekleidete Frau, die sich im Hintergrund an ein Boot lehnt. Aber der Mann links neben ihr ist nicht ihr Ehemann. Sie können das →hier noch größer sehen. Das ist ihr neuer Lebensgefährte, das ist die Pikanterie an diesem Bild.

Der Mann neben ihr ist der schwedische Komponist Hugo Alfvén. Den hatte sie auf einer Reise nach Sizilien kennengelernt, die sie ohne ihren kranken Mann machte. Sie verliebte sich in ihn und wollte ihn unbedingt heiraten. Obgleich sie wusste, dass er sie von Anfang an betrog, aber sie wollte, dass ihre Kinder einen Vater haben. Sie wird für ihn als Architektin 1910 den Landsitz →Alfvénsgården erschaffen. Sie wird noch einige Achtungserfolge als Malerin und Innenarchitektin haben, indem sie die Wohnungen ihrer reichen schwedischen Freunde mit →Möbeln und Tapeten im englischen Arts & Crafts Stil ausstattet.  

Man weiß nicht genau, wieviele Gemälde von ihr erhalten sind, man schätzt, dass es zwanzig sind. Das letzte wird wohl der →Markt in einer französischen Stadt sein. Es gibt wenig Bilder von Marie im Internet. Das Bild mit der →Pergola in Ravello aus dem Jahre 1890 taucht mehrfach auf. Viel schöner finde ich dieses kleine Bild mit der Wäscheleine, das im Skagen Museum hängt. Es ist irgendwann zwischen 1891 und 1894 gemalt, zu der Zeit, als Marie die Malerei aufgibt, als sie mit ihrer Tochter Vibeke schwanger ist. 

Man hatte Marie Krøyer beinahe vergessen, aber seit der Hirschsprung Ausstellung 2023, die auch nach Skagen wanderte, hat sich das geändert. Der Skagener Ausstellungskatalog wird bei ebay für 499,99 Euro angeboten. Gerade ist bei der Yale University Press das Buch →Women Artists in Denmark 1880-1910: In Search of the Modern erschienen. Der deutsche Wikipedia Artikel zu Marie taugt überhaupt nichts, der →englische Artikel ist viel, viel besser. Wenn Sie mehr über ihr Leben wissen wollen, dann schauen Sie sich den Film ✺Balladen om Marie Krøyer an, den Bille August 2012 gedreht hat. Schöne Bilder, mit einer Schauspielerin (Birgitte Hjort Sørensen), die schon beinahe die schöne Marie Krøyer ist.

Marie Krøyer ist heute vor fünfundachtzig Jahren in Stockholm gestorben, da dachte ich mir, ich schreibe mal einen kleinen Post über die Künstlerin. Es ist nicht das erste Mal, dass sie in diesem Blog ist. Schauen Sie doch einmal in: NordlichterEufemiaMichael AncherFrühstückSkagen

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Pesne + Menzel

Er tänzelt ein wenig, dieser Maler. Er hält viele Pinsel in der Hand, einen im Mund. Es ist eine →Skizze auf Karton von Adolph Menzel. Er wird sie für ein anderes Bild noch einmal gebrauchen. Dann verwandelt sich Menzel in den Hofmaler Antoine Pesne, der am 23. Mai 1683 in Paris, geboren wurde, aber die Hälfte seines Lebens in Berlin lebte. Pesne wird der Maler von drei preußischen Königen sein und auch Direktor der Berliner Kunstakademie werden. Er ist berühmt dafür, dass er Friedrich den Großen als Feldherrn gemalt hat. Menzel wird auch dafür berühmt werden, dass er diesen Friedrich immer wieder gemalt hat. 

Weil er Franz Kuglers Geschichte Friedrichs des Großen mit 398 →Illustrationen verziert hatte. Wenn wir an den →Preußenkönig denken, haben wir wahrscheinlich immer Bilder von Menzel im Sinn. Ob wir da an das berühmte Flötenkonzert denken oder an die Schlacht von Hochkirch. Oder an dieses Bild von der Nacht in Lissa, wenn Friedrich nach der Schlacht von Leuthen die österreichischen Offiziere mit den Worten begrüßt: Bonsoir, Messieurs. Gewiß werden Sie mich hier nicht vermuten. Kann man hier auch noch mit unterkommen? So steht die Geschichte auf jeden Fall bei →Franz Kugler. Mein Opa besaß das Werk. Bildhungrig wie ich war, bin ich damit aufgewachsen.

Ich wollte, ich hätte dieses schöne Bild hier früher gesehen. Menzel schließt seine Bilder von Friedrich dem Großen mit dem Bild →Kronprinz Friedrich besucht den französischen Maler Antoine Pesne auf dem Malgerüst in Schloss Rheinsberg ab. Wieder so eine vertrackte Perspektive mit der Treppe wie bei Bon soir, Messieurs!, aber diesmal herrscht hier keine nervöse Unruhe, sondern heitere Gelassenheit. Der Konzertmeister ✺Franz Benda, der für Friedrich Flötenkonzerte geschrieben hatte, steht auch auf dem Gerüst und spielt Bratsche (auf Menzels Flötenkonzert ist er auch zu sehen, er ist der zweite von rechts mit einem dunklem Rock). Ein Augenblick der Unbeschwertheit in der Jugend Friedrichs, dessen Figur durch einen Sonnenstrahl beleuchtet wird. Das ist etwas ganz anderes als das nachtdunkle Hochkirch Gemälde, auf dem Friedrich beinahe isoliert von den Seinen auf den Betrachter zureitet. Ein Weg ohne Ausweg. Hier blickt er nach oben auf den Hofmaler Maler Antoine Pesne, hier ist er der Freund der schönen Künste, nicht der einsame Feldherr im Augenblick der Niederlage. Alles Wichtige hat Menzel an den linken Rand des Gemäldes plaziert, den Kronprinzen, der mit seinem Baumeister Knobelsdorff die Treppe hinaufsteigt, und den Maler Antoine Pesne.

Der klebt beinahe unter der Decke, scheint zu tänzeln wie Menzel auf der kleinen Skizze und schäkert mit einem großbusigen Modell, das er noch an die Decke malen wird. Apollo vertreibt die Finsternis wird das Deckengemälde heißen. Vielleicht ist es dieses Gemälde, das Friedrich in seinem Poëme adressé au sieur Antoine Pesne beschreibt:

Quel spectacle étonnant vient de frapper mes yeux!
Oui, Pesne, ton pinceau te place au rang des dieux;
Tout respire, tout rit, tout plaît en ta peinture,
Ton savoir et ton art surpassent la nature,
Et du fond du tableau tes ombres font sortir
L’objet que de clarté ta main sut revêtir.
Tel est l’effet de l’art, tels en sont les prestiges;
Tes dessins, tes portraits sont autant de prodiges.
Quand d’un vaillant héros, des peuples estimé,
Tu nous traces les traits et les yeux animés,
On le voit plein de feu, tel qu’entouré de gloire,
Jadis dans les combats il fixait la victoire.
Quand de la jeune Iris, brillante de santé,
Tu nous montres l’image et la rare beauté,
Je sens pour tes couleurs tout ce qu’à mon jeune âge

Das Bild von Menzel, Gouache auf Papier, ist übrigens klitzeklein, 24 x 32 cm. Aber Kunst kann man nicht in Zentimetern messen, auch große Kunst kann ganz klein sein. Menzel konnte es nicht lassen, ein klein wenig von sich selbst in das Bild zu bringen. Nicht nur durch die Bewegung von Pesne, die dem kleinen Selbstportrait ähnelt. Nein, da ist noch etwas anderes. Der Stuhl, der zwischen dem Gehilfen, der Pesnes Palette reinigt und dem musizierenden Kapellmeister steht, ist Menzels eigener Stuhl: Die Mittelachse ist mit einer schweren pyramidalen Kombination aus Figur und Gegenständen besetzt. Darunter ist ein prächtig gedrechselter barocker Stuhl – unerwartet auf einem Malgerüst. Nur die wenigen Besucher von Menzels Atelier wußten damals: Es ist Menzels eigener Stuhl! Indem er ihn, was durchaus nicht naheliegt, dem Künstler des 18. Jahrhunderts zuordnet, identifiziert er sich mit ihm und wird selbst ›der Maler Friedrichs des Großen‹. Oder anders: Der Stuhl ist noch leer, es fehlt nur noch sein Besitzer, um das Bild eines Glücksmoments der Kunst zu vervollständigen. Dies zu legitimieren, mobilisiert Menzel allen Zauber und alle Subtilität seiner Malerei.

Sagt uns der Kunsthistoriker Claude Keisch. Und dem sollten wir glauben. Weil er 1995 die große Menzel Ausstellung Adolph Menzel: 1815–1905; das Labyrinth der Wirklichkeit gemacht hat, die auch in Paris und Washington zu sehen war. Das hervorragende Begleitbuch zur Ausstellung kann man antiquarisch noch preiswert finden. 2012 hat Keisch auch noch die Ausstellung So malerisch!: Menzel und Friedrich der Zweite organisiert. Den Katalog kann man auch noch preiswert finden. Wenn man sich in Menzels Welt einlesen will, sollte man sich an Claude Keisch halten. Als ich mich vor siebzig Jahren durch Franz Kugler arbeitete, gab es diese schönen Bücher noch nicht.

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Bildauswahl

Heute wird im Overbeck Museum in Vegesack die Ausstellung „Ist mir eine Ehre!“ – Die Lieblingsbilder unserer Ehrenamtlichen eröffnet. Die Ausstellung geht noch bis zum 10. August. Das Overbeck Museum feiert damit sein 35-jähriges Bestehen. Vorher hatte das Gebäude in der Alten Hafenstraße den Namen KITO. Das ist jetzt kein Tippfehler, es hat nichts mit einer Kita zu tun, hier saß mal eine Verpackungsfirma, die Kisten aus Wellpappe herstellte und die den schönen Namen Kistentod hatte. 

Jetzt ist es ein →Museum für die Bilder von Fritz Overbeck und Hermine Overbeck-Rohte und ein Ort für kulturelle Veranstaltungen. Das Packhaus ist um 1800 entstanden, man hat es neuerdings richtig aufgerüscht. Natürlich ist es schön, dass die Bilder von Fritz Overbeck, der ja von Worpswede nach Vegesack gezogen war, einen Platz gefunden haben, an dem sie gut zur Geltung kommen. Es ist viel Licht auf dieser Etage des Speichers, mehr Licht als in manchen Ausstellungsräumen in Worpswede oder Fischerhude. Es ist auch schön, dass aus dem etwas vergammelten Packhaus ein Kulturzentrum geworden ist.

Normalerweise bestimmt die Leitung eines Museums, was an die Wände gehängt wird, aber zum 35. Geburtstag des Museums hat die Direktorin Katja Pourshiraz sich etwas anderes einfallen lassen: Zum 35. Geburtstag des Overbeck-Museums bestimmen unsere Ehrenamtlichen, welche Bilder gezeigt werden. Lieblingsbilder, nahezu Unbekanntes und besondere Schätze – wer schon so viele Stunden ehrenamtlich Aufsicht in den Ausstellungsräumen gemacht hat, der hat zu manch einem Kunstwerk von Fritz Overbeck oder Hermine Overbeck-Rohte eine besondere Beziehung und kann etwas darüber erzählen. Deshalb sind den Bildern kurze Texte unserer Ehrenamtlichen zur Seite gestellt, die erzählen, was dieses Werk für sie persönlich bedeutet. Das kann man so machen, da hat jeder etwas davon. Meine beiden Overbecks sind noch bei mir im Wohnzimmer, aber eines Tages werden sie auch diesem Museum gehören, das habe ich schon ins Testament geschrieben.

Als ich die Sache mit der Bildauswahl durch die sechzig Ehrenamtlichen las, fiel mit eine kleine Geschichte ein, die ich in dem Post Russen hätte erzählen können, aber nicht erzählt habe. 1986 präsentierte der Kieler Kunsthallendirektor Jens Christian Jensen aufsehenerregende Neuerwerbungen: Malerei des 19. Jahrhunderts aus Russland und Polen. Erworben aus der Sammlung Georg Schäfer, zu der Jensen im Ruhestand als Kurator wechselte. Berater war er in Schweinfurt schon lange. Die Kunsthalle Kiel war plötzlich das einzige öffentliche Museum in der Bundesrepublik, das russische Malerei besaß. Das ist ungewöhnlich, von der russischen Malerei des 19. Jahrhunderts weiß man ja meistens nicht so viel, von der russischen Literatur schon. Dieses Bild von Iwan Kramskoj war wahrscheinlich das berühmteste Bild aus der Sammlung russischer Malerei. Das Bild der Dame, die von vielen für Anna Karenina gehalten wurde, hat hier schon den Post la belle inconnue.

Jensen, der erste hauptamtliche Direktor der Kunsthalle, hatte durch seine Tätigkeit das verschlafene Kiel aus der Regionalliga in die Champions League der Kunsthallen gebracht. Seine Nachfolger werden dafür sorgen, dass die Kunsthalle Kiel wieder Kreisklasse wird. Einer dieser Direktoren, der auch den schlechtesten Katalog der Kunsthalle zu verantworten hat, war darauf aus, immer in der Presse zu sein oder vor den Kameras des Regionalfernsehens aufzutreten. Und so behängte er die Außenwand der Kunsthalle mit 999 türkischen Fahnen und machte eine Ballermann Ausstellung, Bei der Ramona Drews, die Gattin des Königs von Mallorca, ihre Gemälde aufhängen durfte. Durch diese ganzen Remmidemmi Aktionen wurde die ständige Sammlung ein klein wenig vernachlässigt.

Und nun kommt eines Tages eine hochrangige Delegation russischer Kunstwissenschaftler und Direktoren der Eremitage nach Kiel. Die wollen gerne sehen, wie ihre russische Malerei, die es nur hier in Kiel gibt, gehängt worden ist. Ein legitimer Wunsch. Aber der Direktor kann den russischen Gästen die Bilder nicht zeigen. Nicht Iwan Kramskojs elegante Dame und auch nicht Isaak Iljitsch Lewitans schönes Bild Der stille Weg. Er bereite gerade eine ganz sensationell neue Ausstellung vor, sagt er den russischen Gästen. Bei dieser Ausstellung dürfen die Angestellten der Kunsthalte und die Hilfskräfte bestimmen, was an die Wände kommt. Die russische Delegation, die sich ein halbes Jahr zuvor angemeldet hatte, ist etwas konsterniert. Aber da sagt der Leiter der Delegation. Herr Direktor, ich gratuliere Ihnen. Lenin hat einmal gesagt, wenn meine Sekretärin an meinem Schreibtisch alles machen kann, was ich mache, dann ist der Höhepunkt des Kommunismus erreicht. Sie, Herr Direktor, haben jetzt den Höhepunkt des Kommunismus erreicht. Schöner geht Ironie nicht.Noch mehr Overbeck in den Posts: Fritz OverbeckIch bin nicht sentimentalGrünkohlWorpswedeWuddelHafenstraße

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Künstliche Intelligenz

Im April 1863 hatte der französische Kaiser Napoleon III angeordnet, dass die vom Salon abgelehnten Werke in einem Salon des Refusés gezeigt werden sollen. Eins der Werke, vielleicht das berühmteste, war Manets Frühstück im Grünen. Das Bild war schon mehrfach in diesem Blog, Edouard Manet auch. Immer wieder haben vom Pariser Salon abgelehnte Bilder Geschichte gemacht, ich habe zu dem Thema hier einen schönen ✺Film, der vor zehn Jahren mal bei arte gelaufen ist. Der Film fängt auch mit dem Skandal an, den Manets Bild verursachte. Nackte Körper in der Kunst sind eine gefährliche Sache. Im Jahre 2018 hat Facebook eine Abbildung der steinzeitlichen Statuette Venus von Willendorf als gefährlich pornografisch zensiert. Und eine Künstlerin namens Illma Gore bekam tausend Todesdrohungen, nachdem sie einen nackten Donald Trump gemalt hatte.

Auf der Suche nach einem Gedicht für den Tag, dachte ich mir, dass vielleicht ein französischer Dichter etwas zu Manets Bild geschrieben hätte. Wie zum Beispiel Charles Baudelaire, der wunderschöne Dinge über Eugène Boudin geschrieben hatte. →Manet und Baudelaire waren befreundet, Manet hat Baudelaire auch gezeichnet. Aber Baudelaire hat kein Gedicht über Manet geschrieben. Ich fand dann aber etwas Verblüffendes, als ich bei Google Frühstück im Grünen und poem eingab. Google präsentierte mir ein Gedicht, das die Künstliche Intelligenz produziert hatte:

Früh am Morgen, Sonne scheint,
Ein Picknick-Tuch, ganz fein und rein.
Mit Brot und Käse, Saft so süß,
Der Gartenzauber, uns’rer Seele lässt.

Grüne Wiese, Himmel blau,
Ein Festmahl, voller Freude, kaum.
Die Vögel singen, leise, sanft,
Ein Augenblick, der uns so sehr verwirrt.

Mit Freunden lachen, ganz so frei,
Ein Frühstuck, das uns glücklich macht, sei.
Die Natur umarmt, warm und mild,
Ein Bild, das immer in uns brennt, wie ein Wild.

Wenn die Künstliche Intelligenz so weitermacht, dann kriegt sie vielleicht irgendwann richtige Gedichte hin.

Noch mehr Manet in den Posts: Frühstück, SpargelEdouard ManetKindermädchenPräsenz der AbwesenheitGrundstückspreise,Ellen Andrée: nue et habilléeles grandes horizontalesBerthe MorisotImpressionisten

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Caspar David Friedrich (10)

Immer wenn ich ausländische Gastprofessoren betüddeln musste, ging ich mit ihren nicht in die Kunsthalle. Ich ging mit ihnen in die Gemäldegalerie der Stiftung Pommern im Rantzaubau des Kieler Schlosses, die die größte Sammlung romantischer deutscher Malerei hatte. Und ich führte sie vor dieses Bild: Neubrandenburg im Morgennebel. Das machte schon Eindruck auf Engländer und Amerikaner. Besonders wenn man ihnen der versicherte, dass dies eins der wichtigsten Gemälde von dem großen Maler Caspar David Friedrich sei. Ein Hauptwerk der Romantik. 

Und dass ich ihnen im Nebenraum noch einen zweiten Caspar David Friedrich zeigen könnte, eine Felsenschlucht im Harz. Und dass dieses schöne große Bild seines Bruders Christian wahrscheinlich nicht von seiner Hand sei, die Gelehrten stritten sich. Der Dr Helmut Börsch-Supan lehnte die Zuschreibung ab und brachte den Namen von Gerhard von Kügelgen ins Spiel. Der Professor Werner Sumowski hielt es aber für überlegenswert, dass es eventuell doch ein echter Caspar David Friedrich sein könne. Dann wäre dies Bild das einzige Ölportrait, das Friedrich gemalt hätte.

Da das Interesse der Ausländer an dieser Stelle etwas erlahmte, fügte ich noch hinzu, dass es hier auch einen van Gogh gäbe. Die drei (oder zwei) Caspar David Friedrichs interessierten die auswärtigen Gäste erstaunlich wenig, doch der kleine van Gogh interessierte sie sehr. Bei uns wäre Panzerglas davor, hier hängt das einfach so an der Wand, wunderte sich ein Professor aus New York. Panzerglas gab es damals im Kieler Schloss nicht, es war sowieso in Museen selten. Heute ist Glas ja wegen dieser sogenannten Klimaaktivisten eine nützliche Sache. Das erste Mal, dass ich Panzerglas in einer Kunsthalle sah, war 1969 in der Hamburger Kunsthalle bei der Meister Francke Ausstellung. Da hatte das Metropolitan Museum sein Exemplar der Belles Heures of Jean de France, Duc de Berry der Brüder Limburg ausgeliehen, bei einem solchen Schatz verstand man schon, dass das hinter dickem Panzerglas war. Die 50 x 60 Zentimeter große Allee bei Arles von Van Gogh hängt heute im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Ohne Panzerglas.

Wenn Amerikaner nichts von der Kunst der deutschen Romantik wissen, dann muss man bedenken, dass die Deutschen auch wenig von der Kunst der Romantik in Amerika kennen. Das Buch Die Maler der Romantik in Amerika von Friedrich Markus Huebner und Victoria Pearce Delgado aus dem Jahre 1953 ist lange vergriffen (ist aber antiquarisch noch zu finden). Den ersten Eindruck von der amerikanischen Malerei des 19. Jahrhunderts konnte man 1976 bei der Ausstellung The Hudson and the Rhine in Düsseldorf bekommen. Weil dort an der Düsseldorfer Akademie beinahe alle Maler der Hudson River School studiert hatten. Auch Emanuel Leutze,der damals den Katalog zierte. 

Die größte Schau amerikanischer Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts folgte zwölf Jahre später mit der Berliner Ausstellung Bilder aus der Neuen Welt. Ich empfahl diese Ausstellung unserem amerikanischen Gastprofessor, der bei seiner Rückkehr aus Berlin sagte: Gee, Jay, I didn’t know we had all that art. Die Kataloge der Ausstellungen The Hudson and the Rhine und Bilder aus der Neuen Weltkann man antiquarisch noch finden. Ebenso den Katalog der Gemälde der Stiftung Pommen von 1982. Das sind Bücher, die den Kauf lohnen.

Wenn Amerika eine neue Präsidentin oder einen neuen Präsidenten hat, dann kommt die deutsche Romantik auch nach New York. Im Metropolitan Museum of Art gibt es vom 8. Februar bis zum 11. Mai 2025 eine ganz große Caspar David Friedrich Ausstellung mit dem Titel The Soul of Nature. Zum ersten Mal werden dann auch die fünf Werke von Friedrich, die in amerikanischem Besitz sein sollen, zusammen zu sehen sein. 1990 hatte das Metropolitan Museum unter dem Titel The Romantic Vision of Caspar David Friedrich schon eine Caspar David Friedrich Ausstellung gezeigt, damals waren die Bilder aus russischem Besitz gekommen. Das wäre heute kaum noch möglich. Ich habe den Katalog dieser Ausstellung hier im →Volltext. Das Buch ist unter dem Titel Caspar David Friedrich: Gemälde und Zeichnungen aus russischen Sammlungen 1992 bei Schirmer/Mosel erschienen.

Beinahe alles, was in Deutschland in fünf verschiedenen Ausstellungen in diesem Jahr zu sehen war, soll nach Amerika wandern. Man wagt nicht, sich vorzustellen, wie hoch die Versicherungssumme für die fünfundsiebzig Caspar David Friedrich Gemälde sein wird. Einen großen Teil der Kosten der Ausstellung trägt die Art Mentor Foundation Lucerne Stiftung. Und ein amerikanischer Millionär, der einmal Amerikas Botschafter in Österreich war. Wahrscheinlich hat den der Direktor des Metropolitan dazu überredet, denn der ist auch Österreicher. Der bedeutendste Maler der deutschen Romantik, Caspar David Friedrich, lässt unser Naturverständnis als eine spirituelle und emotionale Landschaft erstrahlen. Diese erste große Retrospektive des beliebtesten deutschen Malers in den Vereinigten Staaten ist eine Feier zu Ehren seines 250. Geburtstags in diesem Jahr, hat Max Hollein gesagt. Ob Friedrich der →beliebteste deutsche Maler ist, das weiß ich nicht. Das Bild von →Neubrandenburg, das ich damals meinen amerikanischen Gästen anpries, wandert auch nach New York. Wahrscheinlich wird es dann mehr Aufmerksamkeit bekommen als bei meinen Führungen im Rantzaubau.

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Caspar David Friedrich (9)

Zwei Männer betrachten den aufgehenden Mond, der eine sichelförmige Scheibe ist. Wir können sie nur, wie so häufig bei Caspar David Friedrich, in einer →Rückenansicht sehen. Wenn Sie den Link anklicken, landen Sie in einer 279-seitigen Dissertation zum Thema der Rückenfigur, die von einer Studentin aus Tokio geschrieben wurde. Die beiden Herren tragen eine mittelalterliche Kleidung, die am Anfang des 19. Jahrhundert in gewissen deutschen Kreisen, vornehmlich Künstlern und Studenten, ein Teil der Herrenmode geworden war. Was einmal in ganz Europa die sogenannte Werthertracht gewesen war, gelbe Reithosen und eine blaue Frackjacke, hat offenbar ausgedient. Wer fortschrittlich sein will, trägt jetzt angeblich die Altdeutsche Tracht. Der Dichter Karl Förster berichtet in seinen Lebenserinnerungen von einem Besuch in Friedrichs Atelier, wo dieser über das Bild Zwei Männer in Betrachtung des Mondes ironisch gesagt habe: Die machen demagogische Umtriebe.

1814 war Ernst Moritz Arndts Schrift →Ueber Sitte, Mode und Kleidertracht erschienen, die von vielen Kritikern als die geistige Grundlage der altdeutschen Tracht gewertet wird. Nach Arndt sollte das Vorbild für eine deutsche Nationaltracht die Kleidung der Reformationszeit sein. Und wir finden da Sätze wie: den Hals befreit er von dem knechtischen Tuche und låsset den Hemdkragen über den kurzen Rockkragen auf die Schultern fallen. Das ist heute wieder modern, wo kaum noch jemand eine Krawatte trägt. Aber wie man auf einer →Seite im Internet lesen kann, entstand ein Patchwork an Bekleidungselementen, die man auf Bildern von Dürer fand oder auch historischen Vorlagen nicht-deutschen Ursprungs entnahm. So entstammte die Halskrause der spanischen Renaissancemode.

Trachten hat es schon vor den Befreiungskriegen gegeben, es hat auch schon Festlegungen gegeben, wer was tragen darf: Nachdem ehrlich, ziemlich und billich, daß sich ein jeder, weß Würden oder Herkommen der sey, nach seinem Stand, Ehren und Vermögen trage, damit in jeglichem Stand unterschiedlich Erkäntüß seyn mög, so haben Wir Uns mit Churfürsten, Fürsten und Ständen nachfolgender Ordnung der Kleidung vereiniget und verglichen, die Wir auch bey Straff und Pön, darauff gesetzt, gänzlich gehalten haben wöllen. Diese Sätze finden sich 1530 in der Augsburger Kleiderordnung, aber an Kleiderordnungen will man sich nicht mehr halten. Man will nicht mehr aussehen wie die bürgerliche Gesellschaft des 18. Jahrhunderts auf diesem Bild. Die altdeutsche Tracht wird übrigens vornehmlich von Männern getragen, sagen uns Modehistoriker. Die Damen nehmen diese vestimentären Verunstaltungen nicht an und tragen lieber eine modifizierte Empiremode.

Wir haben in dieser Zeit schon Modejournale, in denen die altdeutsche Tracht auftaucht. Allerdings ziemlich spärlich. Auf diesen Bildern aus dem Journal des Luxus und der Moden ist sie noch nicht zu sehen. Die Zeit der Revolution ist auch eine Zeit der Revolution der Mode. Der deutsche Philosoph Christian Garve schreibt im Revolutionsjahr 1792 das Buch Über die Moden (ich habe dieses sehr kluge Buch hier im Volltext für Sie). Die Moden kommen und gehen, nichts hält sich wirklich lange. Und wir wissen auch, dass die Kleidung, die sich in Modebüchern und Modejournalen findet, nicht unbedingt auf der Straße getragen wird.

Die bürgerliche Herrenkleidung im frühen 19. Jahrhundert sieht so aus, wie sie der Däne Constantin Hansen auf dem Bild festgehalten hat, das er von seinen Künstlerfreunden in Rom gemalt hat. Wir nehmen den auf dem Boden sitzenden Martinus Rørbye mit seiner orientalischen Verkleidung einmal aus; der Rest der Herren trägt Zylinder, eine Art Frack und lange Hosen. Die Reithosen, die für den Dandy Beau Brummell noch Pflicht waren, hat man inzwischen aufgegeben.

Das hier vorne links ist der Maler Carl Philipp Fohr. Er hat seinen Hund bei sich, mit dem ist er über die Alpen nach Rom gewandert. Die Herren auf der rechten Seite des Bildes tragen die →Mode der Zeit, Fräcke und Zylinder wie auf dem Bild von Constantin Hansen. Nur Fohr ist ohne Zylinder, er trägt solch eine altdeutsche Tracht. Diese Tracht war zu Hause bei den Heidelberger Studenten sehr chic. Wenige Jahre zuvor hatten sich die Heidelberger Studenten noch nach der Mode der französischen Feinde gekleidet, worüber sich der österreichische Feldmarschall Graf von Sztarray im Jahre 1800 bei der Universität Heidelberg beschwerte. Die Moden wechseln jetzt schnell. Carl Philipp Fohr bringt die neue Mode nach Italien. Der Kronprinz von Bayern, der Fohr in Rom kennenlernt, übernimmt diese neue Mode. Ohne zu wissen, daß er damit die Tracht der studentischen Revolutionäre hoffähig machte (sein Sohn Max wird die Lederhosen hoffähig machen). 

Aber Ludwig trägt auch griechische Tracht, weil er die Griechen bewundert und dem Land Baiern ein griechisches Ypsilon verpasst. Sein Sohn Otto wird griechischer König werden. Der wird dann nicht wie sein Bruder Lederhosen tragen, sondern in griechischer Nationaltracht auftreten. Auch Lord Byron wird griechische Tracht tragen, wir sind in der Zeit des Philhellenismus, wo ein Dichter wie Wilhelm Müller so etwas Romantisches wie Die schöne Müllerin schreibt, andererseits aber die Griechen bewundert. Da geht in diesen Jahren modisch viel durcheinander.

Ob Caspar David Friedrich selbst ein Anhänger dieser Mode der Studenten und Künstler gewesen ist, ist von den Portraits her schwer zu entscheiden. Der schwarze Mantel, den er auf dem mittleren Bild trägt, könnte so etwas wie eine altdeutsche Tracht sein. Es könnte aber auch einfach nur der schwarze Mantel gewesen sein, den Friedrich bei der Beerdigung seines Vaters im November 1809 getragen hat. Am linken Arm trägt Friedrich einen Trauerflor. Einige Interpreten haben diese Binde auch als ein geheimes Zeichen des antinapoleonischen Kampfes verstanden. Man sollte allerdings bedenken, dass im Jahre 1810, als dieses Bild entstand, die altdeutsche Tracht noch keinerlei Konjunktur hatte. Das Bild, das lange als ein Selbstportrait galt, hat die Malerin Caroline Bardua gemalt. Friedrich trägt diesen Mantel auch auf einem gezeichneten Selbstportrait, das Carl Gustav Carus besessen hat. Man kann aus diesen Bildern kaum eine politische Gesinnung ableiten. Es gibt eine Theorie, dass ihm die volle Professur in Dresden wegen seiner politischen Einstellung verweigert wurde. Beweisen kann man das aber nicht.

Auf diesem Portrait von Georg Friedrich Kersting aus dem Jahre 1811 trägt der Maler eine bequeme Hausjacke, lange Hosen und Pantoffeln, hier ist keine altdeutsche Tracht zu sehen. Es wird häufig argumentiert, dass die altdeutsche Tracht eine politische Gegenbewegung gegen die Franzosen gewesen sei. Aber das Paris, in dem die Sansculotten und das Militär den Ton angeben, ist keine Stadt der Mode mehr. Und als Friedrich 1819 die erste Fassung des Bildes Zwei Männer in Betrachtung des Mondes malt, ist Napoleon längst besiegt, da braucht man keine revolutionäre Kluft mehr. Das Argument, dass Friedrich mit dem Bild gegen die Karlsbader Beschlüsse von 1819, die die Gesinnungstracht verbieten, protestiert, funktioniert auch nicht so richtig. Friedrich hatte das Bild mit Zeichnungen viel früher als 1819 begonnen.

Es erschließt sich nicht auf den ersten Blick, weshalb im Zeitalter der Eisenbahn die Kleidung von Albrecht Dürer modern sein soll. Aber es wird immer wieder argumentiert, dass man in den Freiheitskriegen dem französischen Geist und der welschen Mode etwas Nationales entgegensetzen wollte. Selbst wenn man von Napoleons Truppen überrollt worden war, oder mit ihm paktierte. Was der junge Hoffmann von Fallersleben hier auf dem Bild im Jahre 1819 trägt, mit Hosen, die wie Jeans aussehen, soll auch eine altdeutsche Tracht sein. Jahre später ist er gegen diese Mode und wird in seinem Gedicht Dunkelmannstracht schreiben:

Unsre Freuden, unsre Leiden

Wollen wir in Schwarz nur kleiden;
Schwarz ist Anstand überall
Bei dem Grab und auf dem Ball.

Tragt die Nacht nicht am Gewande,
Jagt sie lieber aus dem Lande!
Finsternis und Traurigkeit
Herrscht genug in unsrer Zeit.

Nach dem Sprichwort unsrer Alten
Sollet ihr auf Farbe halten.
Kleidet euch in Sonnenschein!
Nacht stellt sich von selber ein.

Manche Maler malen die Mode der Zeit in ihre Bilder, das können wir bei den englischen Malern des 18. Jahrhundert sehen. Dazu gibt es hier schon den langen Post 18th century: Fashion. Caspar David Friedrichs französischer Zeitgenosse Louis-Léopold Boilly zeigt uns auf seinen Bildern, was man in Paris trägt. Davon hat Caspar David Friedrichs Werk nichts, so etwas will er nicht malen, so etwas kann er auch nicht malen. Das Bild, das er von seinem Kollegen Knud Baade malt, zeigt seine malerischen Defizite auf, ein Modejournal würde ihn kaum als Zeichner nehmen.

Ein Wesenszug der Romantik ist, dass sie uns zurückwirft in eine andere Zeit, dass sie mit der Industriellen Revolution nichts zu tun haben will. Maler malen mittelalterliche Motive, wie hier Carl Philipp Fohr mit seinem verirrten Ritter im Wald. Schriftsteller schreiben Ritterromane, und die Architekten kehren zur Gotik zurück. 

Und so könnten wir natürlich auch annehmen, dass die beiden Herren im Mondlicht von Caspar David Friedrich nicht im 19. Jahrhundert leben, sondern dass dies eine Szene aus dem Mittelalter ist. Aber die Interpretation des Bildes zielt heute auf die demagogischen Umtriebe, wie Friedrich das ironisch nannte. So liest der Kunsthistoriker Werner Busch das Bild. Sie können seine schöne Interpretation →hier lesen. Davon will →Helmut Börsch-Supan, dessen Interpretation des Bildes Sie hier auch lesen können, nichts wissen. Für ihn ist das mal wieder alles rein christliche Symbolik.

Aber der Berufsrevolutionär Harro Harring, der Friedrich kannte und einmal in Dresden bei Johan Christian Clausen Dahl studiert hatte, hat das Bild (das da links hängt und klitzeklein ist) als Aufruf zur Revolution verstanden. Er schreibt es 1828 in seinen Roman Rhongar Jarr hinein: Was seit Jahrhunderten Fremd war, tritt wieder ans Tageslicht; der Deutsche hat sich einen Rock machen lassen, wie ihn die Väter trugen, und schreitet in diesem Rock einer Zukunft entgegen – die so herrlich vor ihm ausgebreitet liegt, geschmückt mit allen Segnungen des Friedens, reich an Verheißungen und reich an stolzen Hoffnungen! … Geheimnisvoll rauscht es in den deutschen Eichen von wundersamen Dingen, von einer kräftigen Zeit … ‚Der Morgen graut!‘ das Licht der Freiheit dämmert, und es regt sich der Geist, der da gesunken lag, gebeugt unter dem Joche der Knechtschaft … Es ist der Wind, der durch die Kronen der Eichen dahinfährt.

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Caspar David Friedrich (8)

Eine Dame am Meer, einem Boot zuwinkend. Eine →Rückenfigur, sieht ein bisschen nach Caspar David Friedrich aus. Im Internet können wir lesen: Das Kunstwerk ‚Dame am Strand‘ ist ein Gemälde, das zwischen 1830 und 1840 entstand. Das Kunstwerk, mit einer Breite von 0,295 Metern und einer Höhe von 0,21 Metern, befindet sich derzeit im Nationalmuseum in Stockholm, Schweden. Der Schöpfer dieses Werkes ist leider unbekannt

Wir bekommen auf der Seite auch noch eine Interpretation des Gemäldes: Das Gemälde zeigt eine einsame Frau, die auf einem großen Felsen an einem menschenleeren Strand thront. Die Frau, gekleidet in ein dunkles Gewand, hält ein weißes Tuch hoch, das im Wind weht. Das Meer um sie herum ist aufgewühlt, in Aufruhr versetzt von einem unsichtbaren Sturm. Ein einzelnes Segelboot kämpft in der Ferne gegen die Elemente und unterstreicht die Weite und Kraft der Natur. Der Himmel darüber ist eine turbulente Mischung aus dunklen und hellen Wolken, die das Drama erahnen lassen, das sich unten abspielt.

Wir könnten uns damit abfinden, wenn auf der →Seite nicht noch stehen würde: Diese Beschreibung wurde von einem KI-Sprachmodell generiert und kann Ungenauigkeiten enthalten. Sie sollte als Interpretation und nicht als Analyse eines maßgeblichen menschlichen Experten betrachtet werden. Bitte prüfen Sie kritische Details an anderer Stelle. Hier wird uns wieder einmal vor Augen geführt, welchen Unsinn die sogenannte Künstliche Intelligenz anrichten kann. 

Die Interpretation, die eine große Dramatik in dem Bild sieht, ist natürlich völliger Quatsch. Die Dame auf dem Felsen sitzt da eher leger. Das Bild könnte ein Komplementärbild zu dem 1818 enstandenen Bild einer →Frau am Strand von Rügen sein. Ist das Winken mit dem Tuch ein Abschiedswinken, so wie die kreolischen Schönheiten mit ihren foulards winkten, oder ist es nur ein Gruß für einen Vorbeisegelnden? Wir wissen es nicht, das Bild gibt an Details zu wenig her. Man wünschte sich, dass der Photograph, der das Bild einst ablichtete, einen Film mit weniger Körnigkeit verwendet hätte.

Wenn Sie im Stockholmer Nationalmuseum fragen, wo denn das Bild mit der Dame am Meer hängt und ob das wirklich ein Caspar David Friedrich ist, wird man Sie etwas seltsam angucken. Die haben das Bild nämlich gar nicht, haben auch kein Bild von Caspar David Friedrich. Auch Kopenhagen, wo er studierte, hat kein Bild von ihm. Nur im Nationalmuseum Oslo hängen zwei Bilder von ihm, eins ist diese Ansicht von Greifswald. Das Osloer Museum besitzt auch das vollständig erhaltene →Skizzenbuch von 1807.

Aber wo ist das Bild, von dem wir diese Schwarzweiß Photographie haben? Wir werden es nie zu sehen bekommen, es ist am 6. Juni 1931 beim Brand des Münchner Glaspalastes verbrannt. Wie acht andere →Ölgemälde von Friedrich. Manche der Bilder hatten dem Sammler Johann Friedrich Lahmann gehört, der die Bilder testamentarisch für die Kunsthalle Bremen und die Dresdner Galerie vorgesehen hatte.

Das Photo des Bildes, das im Internet kursiert, findet sich in dem Buch Verlorene Meisterwerke Deutscher Romantiker, das Georg Jacob Wolf zusammen mit der Glaspalast Künstlerhilfe München 1931 bei F. Bruckmann herausgegeben hatte. Das Bild hier zeigt die zweite Auflage von 1932 mit einem Gemälde von Philipp Otto Runge auf dem Cover. Man kann das Buch antiquarisch noch finden, mein Exemplar hat mich 2,75 € gekostet. Das verbrannte Bild hatte dem Herzoglichen Museum Gotha gehört, die es für die Münchener Ausstellung ausgeliehen hatten. Offenbar fanden sie das Bild Kreuz im Gebirge zu wichtig, um es 1931 nach München auszuleihen.

Das hier ist keine nachträglich kolorierte Photographie des Gemäldes, das ist ein Kunstwerk.→ Slawomir Elsner hatte für eine Dresdner Galerie die neun verbrannten Bilder Friedrichs künstlerisch nachempfunden. Ich frage mich nur, warum niemand auf die Idee kommt, mit Hilfe der Artificial Intelligence aus dem Photo einen richtigen Caspar David Friedrich zu machen. Das müsste doch gehen, alte Filme kann man ja auch restaurieren. Ich hätte die winkende Dame gerne in bunt.

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Putbus


Das ist Wilhelm Malte I, der Fürst zu Putbus, in jungen Jahren in der Uniform eines schwedischen Dragoners. Die Säbeltasche ist mit den goldenen tre kronor bestickt. Die Binde an seinem linken Oberarm ist die sogenannte Alliiertenbinde, sie zeigt, dass er als schwedischer Offizier an der Völkerschlacht von Leipzig teilgenommen hat. Das Bild hängt im Jagdschloss Granitz, das in Teilen von Karl Friedrich Schinkelentworfen wurde. Die rügensche Linie des Hauses Putbus war 1702 ausgestorben, danach herrscht auf Rügen der dänische Zweig der Familie. Man ist allerdings inzwischen schwedisch geworden, weil Vorpommern und Rügen von 1648 bis 1815 den Schweden gehören. Wilhelm Malte ist schwedischer Reichsgraf und wird 1807 durch König Gustav IV Adolf in den schwedischen Fürstenstand erhoben. Drei Jahre später gründet er die Stadt Putbus, eine am Reißbrett entworfene Musterstadt um Schloss und Schlosspark herum. Alles weiß gestrichen, im klassizistischen Stil.

Das überlebensgroße→Denkmaldes Fürsten, das seine Witwe 1859 von Friedrich Drake errichten ließ, blickt heute auf den leeren Schlossplatz. Das Schloss ist nicht mehr da, es wurde in den 1960er Jahren gesprengt und abgerissen, die DDR hatte es nicht so mit dem Adel. Die Nazis auch nicht. Malte zu Putbus starb 1945 im Konzentrationslager Sachsenhausen. Die Besitzungen der Familie waren von den Nazis unter Zwangsverwaltung gestellt worden, durch die sogenannte Bodenreform der DDR verlor die Familie ihren Grundbesitz, wogegen Franz von und zu Putbus vergeblich klagte.

Franz von und zu Putbus kaufte sich eines der Kavalierhäuser am Circus zurück, diesem kreisförmigen Platz vor dem Schloss, um den der ganze Ort herumgebaut worden ist. Dieser Platz hat natürlich sein Vorbild in dem Circus der englischen Stadt Bath mit der Architektur von Robert Adam. Das hatte der Fürst Malte auf einer seiner Englandreisen gesehen, und so etwas wollte er auf Rügen auch haben. 1828 wurde der Rodellplatz angelegt, 1848 ist er mit weißen klassizistischen Häusern umgeben, die jedes Jahr neu gestrichen werden mussten, das hatte der Fürst verfügt. Einmal die Woche musste der Bürgersteig gefegt werden und jeder Besitzer des Hauses musste einen Rosenstock anpflanzen. Das ist noch heute so, der Denkmalschutz achtet darauf.

Wilhelm Malte, dem ein großer Teil der Insel Rügen gehört, baut mit Hilfe der preußischen Architekten SchinkelStüler und Steinmeyer im großen →Stil Schlösser, Theater, das Fürstliche Pädagogium, eine Orangerie und Badehäuser, vieles nach englischem Vorbild. Eine seiner Englandreisen war eine offizielle Mission, der preußische König schickte ihn als Gesandten zur Krönung von Victoria. Sein Freund, der Fürst Pückler, den er 1814 in →London knnenlernte, ist auch häufig in →England. Der gibt sein Geld für Parks und Landschaftsgärten aus. Zwei Adelige aus klitzekleinen Fürstentümern zeigen uns jetzt, da Napoleon besiegt ist, dass der deutsche Adel noch Kultur hat. Pückler sprach davon, dass man ein feuriges Bild des Lebens unserer Familie oder vaterländischer Aristokratie zeigen wollte. Ich habe hier einen interessanten →Aufsatzzu den beiden Herren. Wilhelm Malte sammelt auch Kunst, er hatte sich in Rom einige Plastiken von Bertel Thorvaldsen gekauft. Er hatte in seinem Schloss auch eine Gemäldegalerie und eine Antiquitätencollection. Wahrscheinlich hat der Freiherr Heinrich Menu von Minutoli ihm beim Zusammentragen der Werke geholfen. 

Der Fürst Wilhelm Malte I, Königlicher General-Gouverneur der Provinzial-Behörde von Neu-Vorpommern, preußischer Staatsrat, Generalmajor und Kunstsammler, ist heute vor hundertsiebzig Jahren gestorben, deshalb hatte ich mal in seinen Wikipedia Artikel geschaut. Das ist eigentlich ein guter Artikel, aber ein Name fehlt darin, der in solch einem Lexikonartikel auf keinen Fall fehlen sollte. Birgit Poppe sagt uns in ihrem Roman →Die Frau am Fenster: Ein Leben an der Seite von Caspar David Friedrich, dass im Schloss des Fürsten Gemälde von Caspar David Friedrich hingen. Sagt uns aber leider nicht, welche und wie viele. Ein Bild, das Wilhelm Malte im Oktober 1814 gekauft hatte, hing da auf jeden Fall. Es ist eine Winterlandschaft, der Reiter, dessen Pferd schon verloren ging, eilt dem Tod in die Arme, ein Rabe krächzt ihm das Todtenlied nach. So steht es im Katalog seiner Kunstsammlung, in der es auch einen Veronese gab. 

Der Fürst war der erste, der Caspar David Friedrich sechs →Sepiazeichnungen mit Motiven von Rügen abkaufte, leider sind diese Blätter verloren gegangen. →Kurt Karl Eberlein erwähnt 1939 den Fürsten als einen der ersten Sammler von C.D. Friedrich Bildern und schreibt: Graf Putbus zu Putbus auf Rügen, der nicht nur später einige der besten Bilder erwarb, sondern sogar in Wien von Duvivier nach Friedrichs Sepiablättern Bilder malen ließ. Leider gibt es für diesen Satz keinerlei Beweise. Ein Landschaftsbild von Ignace Duvivier ist in diesem Jahr für 600 Euro verkauft worden. Man wagt nicht sich vorzustellen, was die Kopie eines Friedrich Bildes von Duvivier kosten würde, wenn es je auf den Markt käme. Aber der Nazi Eberlein ist als Kunsthistoriker ein unzuverlässiger Geselle. Das einzige, das von seinen Ausführungen sicherlich stimmt, ist, dass Wilhelm Malte ein früher Förderer von Caspar David Friedrich gewesen ist. Und das hätte im Wikipedia Artikel erwähnt werden sollen.

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Caspar David Friedrich (6)

Ich habe im Februar, als ich den Post Caspar David Friedrich (1) schrieb, gesagt, dass ich bis zu seinem Geburtstag im September noch einige andere Posts zu dem Maler schreiben würde. Was ich auch getan habe. Die meisten dieser Posts hatten sehr viele Leser, nur der über den Chasseur im Walde nicht. Dies Bild von Friedrich stand schon in meiner nie veröffentlichten Autobiographie, die ich schrieb, bevor ich das Internet entdeckte. Ich stelle mal einen Absatz davon hier ein, der sich in einem Kapitel über den deutschen Wald findet (mit viel Adalbert Stifter darin):

James Fenimore Cooper hat wunderbare Wälder in seinen Romanen, aber er ist ja auch in den großen Wäldern des Staates New York als Sohn eines Großgrundbesitzers aufgewachsen. Der Anfang von The Pioneers ist, waldmäßig betrachtet, sehr schön. Viele Schriftsteller können das nicht, die rollen nur ein Versatzstück auf die Bühne, auf dem wie bei Shakespeare ein Wald steht. Aber die schönsten Wälder sind bei Eichendorff, der kann Wälder. Ist es die Romantik, die uns die Sehnsucht nach dem Wald vermittelt? Oder ist es etwas tief Deutsches in uns, das sich nach dem Wald verzehrt?

Mein Nachbar Uli, der eine Doktorarbeit über die Auswirkungen des sauren Regens geschrieben hat, sieht Wälder anders als ich. Zwischen Altdorfers Heiligem Georg und Caspar David Friedrichs Chasseur im Walde liegen dreihundert Jahre. Und doch sind beide Bilder sehr ähnlich. Und sehr deutsch. Hinter dem großen Garten von Tante Margret gab es für mehr als einen Kilometer, bis zum Waldrand des Wiehengebirges hinauf, früher nur Wiesen und Felder. Heute hat sich die Bebauung bis an den Waldrand heran geknabbert. James Fenimore Cooper wird eine Gruppe von englischen Adligen den Hudson hinauf begleiten. Ein zukünftiger englischer Premierminister wird ihn bei Glen Falls auf dieses schöne romantische Motiv hinweisen. Das wäre doch etwas für einen Roman, Mr. Cooper? Mr. Cooper wird die Wasserfälle in The Last of the Mohicans hineinschreiben. Aber  die Begeisterung seiner Gefährten für das romantisch Pittoreske (die die Engländer ja überall hin mitnehmen) interessiert ihn kaum. Er registriert nur das Anwachsen der Fabriken am Hudson. Die zum Teil schon längst wieder aufgegeben sind und jetzt God’s Own Paradiseverschandeln. Cooper wird der erste amerikanische Schriftsteller sein, dem die Probleme bewusst sind, die wir heute als die wichtigsten der Welt ansehen. The Pioneers ist reine Ökoliteratur. Es ist nicht Thoreau mit seinem Walden, es ist Cooper mit dem autobiographischen Roman über seine Kindheit in Cooperstown, der die Amerikaner warnt. Henry David Thoreau wäre sowieso ein schlechtes Vorbild. Der hat mal aus Unachtsamkeit einen ganzen Wald abgefackelt. Und dann nicht mal bei den Löscharbeiten geholfen.

Wir nehmen mal eben Abschied vom Wald, bleiben aber bei Caspar David Friedrich und dem Autobiographischen. Bei den staatlich geförderten Berlinreisen, bei denen man Ende der fünfziger Jahre für fünfzig Mark eine Woche der Schule entkam (ich habe die schon in dem Post Karl Lemke erwähnt), hatte ich ein kleines Ritual. Ich besuchte bei jeder Reise das Charlottenburger Schloss, um mir das Portrait von Harry Graf Kessler anzuschauen. Guckte mir danach natürlich auch jedesmal Caspar David Friedrichas Mönch am Meer an, das nicht so weit von Kessler entfernt einsam in einem großen Zimmer hing. Damit ich zu Hause ja sagen konnte, wenn die Eltern fragten: Hast Du den Caspar David Friedrich gesehen? Caspar David Friedrich kennt jeder. Wer kannte schon Harry Graf Kessler? Der Dandy Harry Graf Kessler ist eigentlich nicht einmal besonders gut gemalt, ist aber sehr plakativ. Und der Dandyismus interessierte mich damals mehr als die Einsamkeit eines Strandspaziergangs. Die kannte ich aus tausend einsamen Strandspaziergängen zu allen Tageszeiten, mit allen Wetterbedingungen, an Nord- und Ostsee. Von Egmond an Zee bis rauf nach Skagen. Ich hatte immer gute Jacken für die Strandwanderungen, mein Vater nannte sie beachcomber Jacken. Die Strandspaziergänge waren vielleicht ebenso ein Zeichen meiner Selbstinszenierung wie meine Begeisterung für den Dandyismus des Grafen Kessler. Die beiden Bilder hängen heute an anderen Stellen in Berlin. Es ist nach der Wende alles umgeschichtet worden.

 Caspar David entdeckte ab 1801 die Insel Rügen für sich, und er entdeckt damit auch die Landschaftsmalerei. Er wird viele Sepiabilder zeichnen. Ich habe hier den langen Aufsatz →Caspar Davids frühe Sepien als Vorstufe zur romantischen Landschaft von Werner Busch für Sie zum Lesen. Für die Sepiabilder hatte er Abnehmer wie den Fürsten Malte von Putbus, der auch den Chasseur im Walde gekauft hat. Friedrich malt diese Landschaftsbilder auf Bestellung, auch Ludwig Theobul Kosegarten und die Prinzessin Marianne von Preußen kauften ihm Blätter ab. Das Kap Arkona mit aufgehendem Mond wie hier, hat er mehrfach gemalt.

Als Ergebnis der sieben Reisen nach Rügen zwischen 1801 und 1826 werden zwei Bilder entstehen, die zum Hauptwerk von Friedrich zählen. Das eine ist der Mönch am Meer, das andere sind die Kreidefelsen auf Rügen. Das Bild lassen wir einmal weg, das hatte 2013 schon den ausführlichen Post Kreidefelsen, der beinahe zehntausend Mal gelesen wurde. Das erste Gemälde, das manchmal auch Wanderer am Gestade des Meeresheißt, war das größte, das Friedrich bisher begonnen hatte. Es wurde 1810 zusammen mit der Abtei im Eichwald vom preußischen König →Friedrich Wilhelm III auf Wunsch des fünfzehnjährigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm gekauft. 

Der Maler hat sein Bild in einem Brief an den Theologen Johannes Schulze so beschrieben: Da hier einmal von Beschreibungen die Rede ist, so will ich Ihnen eins meiner Beschreibungen mitheilen, über eins meiner Bilder so ich nicht unlängst Vollendet habe; oder eigentlich, meine Gedanken, über ein Bild; denn Beschreibung kann es wohl nicht genannt werden. Es ist nemlich ein Seestük, Vorne ein öder sandiger Strand, dann, das bewegte Meer, und so die Luft. Am Strande geht Tiefsinnig ein Mann, im schwarzen Gewande; Möfen fliegen ängstlich schreiet um ihn her, als wollten sie Ihm warnen, sich nicht auf ungestümmen Meer zu wagen. – Dies war die Beschreibung, nun kommen die Gedanken: Und sännest Du auch vom Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zur sinkenden Mitternacht; dennoch würdest du nicht ersinnen, nicht ergründen, das unerforschliche Jenseits! Mit übermüthigen Dünkel, wennest [wähnst] du der Nachwelt ein Licht zu werden, zu enträzlen der Zukunft Dunkelheit! Was heilige Ahndung nur ist, nur im Glauben gesehen und erkannt; endlich klahr zu wissen und zu Verstehn! Tief zwar sind deine Fußstapfen am öden sandigen Strandte; doch ein leiser Wind weht darüber hin, und deine Spuhr wird nicht mehr gesehen: Thörigter Mensch voll eitlem Dünkel! Es ist viel über das Bild geschrieben worden, auch →Jacques Derrida und Gérard Genette kann man bemühen, um es zu begreifen. Wenn Sie es einfach und klar haben wollen, schauen Sie sich dieses ✺Video an, das die Staatlichen Museen ins Netz gestell thaben.

Friedrich hat lange an diesem Bild gearbeitet, wir wissen von Zeitgenossen, die das Bild zu verschiedenen Zeiten gesehen haben, dass das Bild immer wieder ganz anders ausgesehen hat. Das ist auch vor zehn Jahren bei der Restaurierung des Bildes ans Licht gekommen, genauer ans →Infrarotlicht. Der einsame Wanderer auf der Rügener Schaabe war links und rechts von Segelbooten umgeben, und Fischernetze gab es (ähnlich wie auf dem Bild Meeresstrand mit Fischer) auch noch. Das wurde 2015 als neue Erkenntnis verkauft, steht aber schon 1974 in dem Hamburger Katalog. All das hat Friedrich wieder übermalt, um die endgültige radikale abstrakte Form zu finden. Der amerikanische Kunsthistoriker Robert Rosenblum hat in seinem Buch Die moderne Malerei und die Tradition der Romantik eine Verbindung zwischen Caspar David Friedrich und der abstrakten Malerei gesehen. Sein Buch über die Bilder von Friedrich, die in russischem Besitz sind, ist als →Volltext bei Google Books lesbar.

Friedrich hatte sich gewünscht, dass seine Bilder Abtei im Eichwald und Mönch am Meerin der Berliner Akademieausstellung nebeneinander aufgehängt würden. Man hängte sie übereinander. Im Katalog der Ausstellung waren die beiden Bilder unter einer Nummer als Zwei Landschaften verzeichnet. Heute hängen sie so, wie sich Friedrich das vorgestellt hat. Am 13. Oktober 1810 veröffentlichte Heinrich von Kleist in den Berliner Abendblättern seine Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft, einen Aufsatz, an dem auch Clemens Brentano und Achim von Arnim mitgeschrieben hatten:

Herrlich ist es, in einer unendlichen Einsamkeit am Meeresufer, unter trübem Himmel, auf eine unbegrenzte Wasserwüste, hinauszuschauen. Dazu gehört gleichwohl, daß man dahin gegangen sei, daß man zurück muß, daß man hinüber möchte, daß man es nicht kann, daß man alles zum Leben vermißt, und die Stimme des Lebens dennoch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, dem einsamen Geschrei der Vögel, vernimmt. Dazu gehört ein Anspruch, den das Herz macht, und ein Abbruch, um mich so auszudrücken, den einem die Natur tut. Dies aber ist vor dem Bilde unmöglich, und das, was ich in dem Bilde selbst finden sollte, fand ich erst zwischen mir und dem Bilde, nämlich einen Anspruch, den mein Herz an das Bild machte, und einen Abbruch, den mir das Bild tat; und so ward ich selbst der Kapuziner, das Bild ward die Düne, das aber, wo hinaus ich mit Sehnsucht blicken sollte, die See, fehlte ganz. Nichts kann trauriger und unbehaglicher sein, als diese Stellung in der Welt: der einzige Lebensfunke im weiten Reiche des Todes, der einsame Mittelpunkt im einsamen Kreis. Das Bild liegt, mit seinen zwei oder drei geheimnisvollen Gegenständen, wie die Apokalypse da, als ob es Youngs Nachtgedanken hätte, und da es, in seiner Einförmigkeit und Uferlosigkeit, nichts, als den Rahm, zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es betrachtet, als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären. Gleichwohl hat der Maler zweifelsohne eine ganz neue Bahn im Felde seiner Kunst gebrochen; und ich bin überzeugt, daß sich, mit seinem Geiste, eine Quadratmeile märkischen Sandes darstellen ließe, mit einem Berberitzenstrauch, worauf sich eine Krähe einsam plustert, und daß dies Bild eine wahrhaft Ossiansche oder Kosegartensche Wirkung tun müßte. Ja, wenn man diese Landschaft mit ihrer eignen Kreide und mit ihrem eigenen Wasser malte; so, glaube ich, man könnte die Füchse und Wölfe damit zum Heulen bringen: das Stärkste, was man, ohne allen Zweifel, zum Lobe für diese Art von Landschaftsmalerei beibringen kann. – Doch meine eigenen Empfindungen, über dies wunderbare Gemälde, sind zu verworren; daher habe ich mir, ehe ich sie ganz auszusprechen wage, vorgenommen, mich durch die Äußerungen derer, die paarweise, von Morgen bis Abend, daran vorübergehen, zu belehren.

Meine kleinen rituellen Besuche im Charlottenburger Schloss dauerten nie länger als eine halbe Stunde, für die Gemäldegalerie in Dahlem und die Museumsinsel im Osten hatte ich die ganze Woche Zeit. Ich bin kein Caspar David Friedrich Fan, das habe ich schon 2010 in dem Post Caspar David Friedrich gesagt. Ich habe mehr als fünfzig Bilder von ihm gesehen, habe den Katalog von Helmut Börsch-Supan und Karl Wilhelm Jähnig, den Hamburger Katalog von 1974 und ein halbes Dutzend Bücher über den Maler. Aber das ist es denn auch. Ich wäre nie in Versuchung, ein Bild von Friedrich zu stehlen. Das wäre bei Constable oder Gainsborough anders. 

Eine Kuriosität muss ich zum Schluss noch anmerken. Ein gewisser Dr Hans-Thomas Tillschneider hat im Landtag von Sachsen-Anhalt einen Antrag für eine Auslobung eines Caspar-David-Friedrich-Preises für Malerei eingebracht. Er hat auch gesagt: Ich bin mir sicher, würde Caspar David Friedrich heute leben, würde er das Geld der AfD spenden. Dr Tillschneider ist Abgeordneter der AfD. Wenn man seinen →Antrag liest, der eine nationale deutsche Kunst fordert, hat man das Gefühl, dass man das alles schon einmal gelesen hat. Und zwar bei einem Mann namens Kurt Karl Eberlein in seinem Buch →Was ist deutsch in der deutschen Kunst, das 1933 erschien. Dr Tillschneider wird vom Verfassungsschutz beobachtet, das ist das Beruhigende an der Sache.

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Caspar David Friedrich (7)

Die Holländer hatten im 17. Jahrhundert die Landschaftsmalereiperfektioniert, den Horizont tief gelegt und viel Himmel gemalt. Im 18. Jahrhundert war die Landschaftsmalerei ein wenig in Vergessenheit geraten. Für Sir Joshua Reynolds war die Landschaftsmalerei kein Thema. Gainsboroughmöchte am liebsten Landschaften malen, aber er verdient sein Geld mit Portraits. John Constable möchte nur Landschaften und Himmelmalen, aber er hat Schwierigkeiten, seine Bilder zu verkaufen. Caspar David Friedrich malt Landschaften, er kann nichts anderes. Wenn er Personen malen muss, sind es Rückenansichten. 

In dem ersten wichtigen Buch über die Geschichte der Landschaftsmalerei  →Landscape into Art hat Kenneth Clark 1948 nur wenige Zeilen für Friedrich übrig: For Friedrich, for all the intensity of his imagination, worked in the frigid technique of his times, which could hardly inspire a school of modern painting. In seiner weltberühmten Serie Civilisationerwähnt er Friedrich einmal, in seinem Buch The Romantic Rebellion: Romantic Versus Classic Art auch einmal. Das ist alles. Wir mögen das als unfair empfinden, aber es ist etwas daran. Friedrichs Zeitgenosse Carl Blechen nimmt den Impressionismus vorweg, Friedrich nimmt nichts vorweg. Er begründet keine Schule, niemand wird ihm folgen. Der Maler Friedrich, für den Goethe kein gutes Wort übrig hatte, war nach seinem Tod schnell vergessen.

Ein Jahr Feiern zum 250. Geburtstag des Malers, viele Ausstellungen, viele Bücher. Alte Bücher wurden wieder aufgelegt, neue geschrieben. Florian Illies hat mit →Zauber der Stille wahrscheinlich einen Bestseller geschrieben. Nicht wieder aufgelegt wurde das Buch →Caspar David Friedrich Studien von Werner Sumowski, das Helmut Börsch-Supan 1970 als die wichtigste Arbeit, die bisher über Caspar David Friedrich erschienen ist, bezeichnete. Auch eine Neuauflage verdient hätte der Katalog der Hamburger Kunsthalle aus dem Jahre 1974. Den hatte ich das ganze Jahr über zur Hand, wenn ich über Caspar David Friedrich schrieb. Man kann den Katalog für zehn Euro bei ebay finden, das fünfzig Jahre alte Werk ist in keinem Punkt überholt. Von der kunsthistorischen Qualität ist er dem →Hamburger Katalog von 2024 überlegen.

Das Beste, das dem Werk Caspar David Friedrichs passierte, war dass Karl Wilhelm Jähnig unter schwierigsten Bedingungen einen Katalog  der →Gemälde, Druckgraphik und bildmäßigen Zeichnungen erstellte. Das Schlimmste, das dem Werk Caspar David Friedrichs zustieß, war dass Helmut Börsch-Supan den überarbeitet. Der Kunstkritiker der New York Times John Russell vernichtete Börsch-Supan in seiner →BesprechungBut it is quite another thing to take Friedrich, as Dr. Börsch‐Supan does, and interpret every single one of his images in terms of a tight, unvarying formula. Friedrich may well have had the life to come continually in mind, and it may even be that many of his imaginings were structured by the contrast between that life and our own one. But it is quite implausible that an art as limited in its reverberations as Dr. Börsch‐Supan suggests would exert so lasting and so intense a thraldom upon us. Alles in Friedrichs Bildern, vom kleinsten Grashalm und fliegendem Piepmatz wird für Börsch-Supan zu einem christlichen Symbol. Dieses symbol hunting ist schon ein wenig pathologisch.

Im Dresdner Kunstblatt war wenige Tage nach Friedrichs Tod ein anonymer Nachruf zu lesen: … Sein Leben war ein langes Unglück. Die Erinnerung an seinen Bruder, der ertrank, als er ihn beim Schlittschuhlaufen retten wollte, warf einen tiefen Schatten über sein ganzes Leben, da er sich als Ursache dieses Todes betrachtete. Er floh seine Heimat (Greifswald), kam hierher (Dresden) ohne Unterstützung und ernährte sich anfänglich durch Kolorieren schlechter Dresdener Prospekte für einen Bilderhändler, bis er allmählich durch seine Landschaften in Ruf kam. Seine Werke wurden nun geschätzt und gesucht, und er hätte mit den Seinen sorgenfrei leben können, wenn er nicht bis zum Übermaß gegen Dürftige wohltätig gewesen und oft auch gemißbraucht worden wäre. Im kräftigsten Alter fing er plötzlich an zu kränkeln, und war schon seit vielen Jahren untätig aus Schwäche des Körpers. Noch in den letzten Tagen seines Lebens erhielt er durch den russischen Thronfolger eine Unterstützung, die ihn für ein Jahr wenigstens aller Sorgen überhob, die er aber leider nicht selbst mehr genießen konnte.

Friedrichs Freund Carl Gustav Carus schreibt in seinen Lebenserinnerungen: Einen Freund, aber allerdings einen bereits längere Zeit mir halb Toten, nahm dieser Mai nun auch hinweg: meinen alten Friedrich! Er hatte so viele Kirchhöfe gemalt – er muss sich ganz heimisch dort vorgekommen sein! Carus war der Meinung, dass der Nachruf des Kunstblatts ein wenig mickrig ausgefallen war. Er veröffentlicht im Kunstblatt in zwei Heften einen längeren Nachruf mit dem Titel Friedrich der Landschaftsmaler, in dem er Friedrich als einen Erneuerer der deutschen Landschaftsmalerei sieht, die zur bloßen Prospektmalerei verkommen war. Das ist ein Thema, in dem Carus zuhause ist, denn er hatte 1831 seine →Neun Briefe über Landschaftsmalerei veröffentlicht.

Hier soll diese Einleitung nur auf eins uns hier zunächst Liegende  aufmerksam machen, nämlich, dass in der Landschaftsmalerei namentlich Friedrich es war, welcher mit einem durchaus tiefsinnigen und energischen Geiste und auf absolut originale Weise in den Wust des Alltäglichen, Prosaischen, Abgestandenen hineingriff, und, indem er ihm mit einer herben Melancholie niederschlug, aus dessen Mitte eine eigentümlich neue, leuchtende poetische Richtung hervorhob. Wir wollen damit keineswegs die Art seiner Auffassung der Landschaftskunst als die allein wahre und noch weniger als die allein zu verfolgende hervorheben, aber wer sich jenen früheren nachbetenden, trivialen Zustand dieser Kunst vergegenwärtigen will und noch vergegenwärtigen kann, der wird fühlen, dass das Auftauchen einer solchen neuen urgeistigen Richtung, wie sie Friedrich erschien, auf jedes empfängliche Gemüt durchaus anregend, ja erschütternd einwirken musste. […] Friedrich ist nun tot, schon mehrere Jahre war durch die Folge eines Schlagflusses seine geistige und künstlerische Tätigkeit gelähmt, allein noch fanden sich auf der Dresdner Kunstausstellung 1840 einige und besonders eines seiner letzten Bilder, welche beweisen, mit wie seltener und eisenfester Eigentümlichkeit er bis in seine letzten Lebensjahre dieselbe tief melancholische und immer geistig lebendige Romantik der Poesie in seinen Werken walten ließ. 

Als Carus diesen Aufsatz in →Buchform veröffentlichte, fügte er ihm alles bei, was Caspar David Friedrich über die Landschaftsmalerei gesagt hatte. Beginnend mit dem Satz: Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch zu malen, was er vor sich sieht. Sonst werden seine Bilder den Spanischen Wänden gleichen, hinter denen man nur Kranke und Tote erwartet.

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