
Yassir Eric kommt in einer streng muslimischen, für die sudanesische Politik einflussreichen Familie zur Welt. Er wächst in einer Zeit auf, in der sich die Regierung des Landes vom eher moderaten Sozialismus verabschiedet und schließlich die Scharia einführt – teils unter dem Einfluss einiger Onkel von Yassir. Seinen Namen erhielt er übrigens zu Ehren von Yassir Arafat, dem Anführer der Palästinensische Befreiungsorganisation, der in seiner Verwandtschaft vor allem für seinen Judenhass gefeiert wurde.
Mit acht Jahren wird Yassir in eine Koranschule geschickt. Dort lernt er innerhalb weniger Jahre den gesamten Koran auswendig. Die Verse werden auf Schiefertafeln geschrieben – doch diese einfach wegzuwischen wäre zu profan, könnten doch die Worte Allahs so auf die Erde fallen. Deshalb wird das Wasser, mit dem die Tafeln gereinigt werden, sorgfältig aufgefangen und anschließend getrunken.
Die Zeit in der Koranschule ist hart und grausam. Dennoch scheint die Anerkennung, die Eric nach seiner Rückkehr von seiner Familie erhält, zunächst Lohn genug zu sein. Obwohl ihn von Anfang an irritiert, dass in seinem Umfeld kaum Verständnisfragen zugelassen werden, entwickelt er sich schnell zu einem Anführer. Schon bald steht er vor der Entscheidung, ob er einen missliebigen Christen an seiner Oberschule beseitigen soll.
Das Buch gewährt in drei Lebensbereiche von Muslimen einen authentischen und persönlichen Einblick. Zunächst eröffnet es einen Blick in radikal-islamistische Szenen. Eric zeigt eindrücklich, wie häufig sich ein liberaler Islam nicht durchsetzen kann. Besonders prägnant schildert er die Hinrichtung des Reformtheologen Mahmoud Muhammad Taha, der eine Scharia im Land für unislamisch hielt – und gerade deshalb von radikaleren Muslimen getötet wurde. Eric beschreibt, wie Gruppen wie die Taliban oder der sogenannte „Islamische Staat“ mit ihren Ideen in vielen eher gemäßigten islamischen Milieus auf einen bereits vorbereiteten Boden stoßen, der häufig in der Verachtung gegenüber Andersgläubigen wurzelt.
Durch eine Begegnung mit zwei koptischen Christen erfährt Yassir, dass Christen wirkungsvoll beten können. Diese Begegnung führt letztlich zu seiner Konversion – und damit zum Ausschluss aus seiner Familie. Bis heute ist der Autor unter muslimischen Konvertiten aktiv, insbesondere als Leiter der Communio Messianica, der er seit 2024 als Bischof vorsteht. Im Buch schildert er die Erfahrungen muslimischer Konvertiten nicht nur aus seiner eigenen Geschichte, sondern auch anhand zahlreicher Begegnungen mit anderen Betroffenen.
Schließlich schreibt der Autor das Buch auch aus der Perspektive eines Migranten. In zwei kürzeren Kapiteln spricht er Probleme der Integration sowohl auf Seiten der Migranten als auch des deutschen Staates in erfrischender Deutlichkeit an.
Leider merkt man dem Buch an, dass es nicht ganz abgeschlossen wirkt. Während die Etappen bis zur Konversion gründlich und biografisch dicht dargestellt sind, werden die weiteren Stationen seit 1995 nur noch skizzenhaft behandelt.
Lesenswert bleibt das Buch dennoch – vor allem aus folgendem Grund: Es bietet einen seltenen Einblick in das Leben eines muslimischen, später christlichen Konvertiten aus erster Hand und eignet sich damit besonders für Leser, die den Dialog mit Muslimen suchen.


Ich fragte Egelkraut damals, was sein Lieblingsbuch neben der Bibel wäre und er nannte mir einen damals gänzlich unbekannten Titel: 

