Hörbuch: Charles Dickens: The Pickwick Papers

Coverabbildung
(c) SNR Audio

Dauer: 36 h 7 min

Gesprochen von: Matt Addis

Deutscher Titel: Die Pickwickier

In Charles Dickens‘ Romandebüt geht es um die Mitglieder eines von Samuel Pickwick gegründeten Herrenclubs, die von London aus Reisen in die Umgebung unternehmen und ihre Beobachtungen festhalten. Der Plot ist schnell beschrieben, „a bunch of people going to each other’s houses“ und so. Die Unternehmungen der Pickwickier sind durchsetzt mit Anekdoten und von Charakteren erzählten Geschichten, die eine schöne Bandbreite abdecken und unter anderem eine Art „Proto-Scrooge“ hervorbringen. Natürlich werden auch die Herzen verschiedener Pickwickier und sonstiger Charaktere gewissen Herausforderungen gegenübergestellt. The Pickwick Papers ist eine Gesellschaftssatire und von Anfang an auch so zu lesen. Ich war zunächst ein wenig empört über die Darstellung der weiblichen Charaktere, die reihenweise in Ohnmacht fallen. Doch im Laufe der Geschichte bin ich zu dem Schluss gekommen, dass auch dies eine satirische Darstellung ist. Dickens war sicher alles andere als modern und aufgeschlossen bei der Darstellung von weiblichen Charakteren und auch hier finden sich die engelgleichen Damen,  die seinem offensichtlichen Idealbild einer Frau entsprachen, doch völlig überzogene Darstellungen sind ja typisch für Dickens‘ Humor und so werden die Ohnmachten hier offenbar auch eingesetzt. Auch in Dickens‘ erstem Roman findet sich eine Portion Sozialkritik, insbesondere bei der Darstellung des Schuldnergefängnisses „the Fleet“. Was mir bei der „Lektüre“ besonders auffiel, war, wie unfassbar treffend eine Satire aus dem 19. Jahrhundert heute immer noch auf unsere Gesellschaft angewandt werden kann. Herrlich etwa die Schilderungen einer Kleinstadt, in der ein todernster Kleinkrieg zwischen zwei Parteien herrscht, die sich lediglich dadurch unterscheiden, dass die eine Partei sich der Farbe Blau, die andere der Farbe Beige (buff) verschrieben hat. Großartig außerdem die Theorie von Sam Weller, Pickwicks Diener, über den Zusammenhang zwischen der scheinbaren Unsterblichkeit von „post boys“ und Eseln. Genau so entstehen Verschwörungstheorien!

Der Roman enthält zahlreiche weitere Humorelemente. Sam Weller und sein Vater vertauschen beispielsweise die Aussprache von v und w im Englischen, was Matt Addis sehr schön umsetzt und mich immer wieder zum Lachen brachte. Eine kurze Recherche ergab, dass Dickens dies vor allem bei East End-Cockney-Bewohnern Londons einsetzte. Das Hörbuch ist absolut empfehlenswert, die Hörer*innen sollten jedoch eine gewisse Erfahrung mit englischen Dialekten haben, ich hatte stellenweise schon Probleme, den Dialekt gewisser Figuren zu verstehen. Nichtsdestotrotz mach Addis das großartig.

Ich hatte sehr viel Spaß mit Dickens‘ Erstling, habe jedoch länger gebraucht, um mich in das Buch einzufinden, als etwa bei „Nicholas Nickleby“ und ich würde auch den Unterhaltungswert und den Humor nicht ganz so hoch bewerten wie bei letzterem Roman.

Zuletzt gelesene Bücher – Jahreswechsel-Edition Teil 2

Etwas später als geplant, aber besser als nie, berichte ich euch heute weiter von den Büchern, die ich Ende Dezember/Anfang Januar gelesen habe.

Johanna Romberg: Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht

(c) Quadriga Verlag

Für mich als langjährige Geo-Abonnentin ist Johanna Romberg eine alte Bekannte. Ihre Reportagen habe ich immer besonders gern gelesen. Inzwischen hat sie auch zwei Bücher veröffentlicht, zunächst „Federnlesen: Vom Glück, Vögel zu beobachten“ (steht natürlich auch auf meiner Liste), dann das vorliegende, wunderschön illustrierte Werk. Rombergs Anliegen ist es, die weitverbreitete Sorge um unsere Umwelt mit dem tatsächlichen Erleben der kleinen Wunder vor unserer Haustür zu verbinden und konkrete Beispiele und Vorschläge dafür zu präsentieren, wie wir tatsächlich etwas bewirken können. Alles, ohne zu verleugnen, dass es sehr schwierig werden wird, die Natur zu bewahren. Teichmuscheln, Torfmoose und Nachtfalter, ihre Eigenschaften und die Menschen, die sich mit ihnen beschäftigen, sind Beispiele für die Themen des Buches. Dabei lernt man etwa, was eine „Schirmart“ oder was „Luftplankton“ ist oder „Paludikultur“ und wie letztere zur nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten eingesetzt werden könnte. Das macht Spaß zu lesen und Mut. Ein sehr lesenswertes Buch.

Kate Moore: The Radium Girls: The Dark Story of America’s Shining Women

(c) Sourcebooks

Derzeit scheint keine englische Übersetzung vorzuliegen

Aus heutiger Sicht ist es schier unfassbar, wie Radium zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in den USA vermarktet wurde, teilweise gar als Allheilmittel, obwohl es schon früh Hinweise gab, dass das Material schädlich, ja tödlich war. Ein Einsatzgebiet für das radioaktive Element war die Uhrenindustrie, in der mithilfe von Radium eine Farbe hergestellt wurde, die – auf Ziffernblätter aufgetragen – leuchtete und es so ermöglichte, die Uhrzeit im Dunkeln abzulesen. Was unter anderem im Krieg ein Vorteil war. Um die feinen Pinselstriche ausführen zu können, tauchten die Frauen (Männer wurden hierfür offenbar nicht eingesetzt) ihre Pinsel in die radioaktive Farbe und nahmen die Pinselspitze in den Mund, um sie entsprechend zu formen. Dass die Frauen im Dunkeln zu glühen begannen, fanden sie lustig, manche malten sich gar die Farbe auf die Lippen um des Effektes willen. Die Radiumfarbe war ja völlig ungefährlich. Wie man es ihnen immer und immer wieder versicherte. Doch dann begannen einige Frauen, Probleme mit dem Kiefer zu entwickeln. Zunächst war es oft nur ein schmerzender Zahn, der dann vom Zahnarzt behandelt wurde. Das Endergebnis war entsetzlich: Die Kiefer der Frauen zersetzten sich regelrecht, begannen zu brechen, unter unerträglichen Schmerzen. Und nicht nur der Kiefer war betroffen. Andere Körperteile begannen auch schmerzhaft zu erkranken, die Frauen entwickelten Tumore. Und begannen zu sterben, eine nach der anderen. Der Arbeitgeber leugnete jede Verantwortung, einige der Frauen wehrten sich jedoch, strebten Prozesse an, was sich jedoch so lange hinauszog, dass es für viele Frauen zu spät war. Die Firma ließ nichts unversucht, um vor Gericht gegen die Frauen zu bestehen – unterdessen wurden Frauen in der Branche munter weiter unter Verwendung des Radiums beschäftigt. Kate Moores packendes Buch erzählt uns nicht nur die Geschichte der Radium Girls, es bringt sie uns auch nahe, lässt uns an ihrem Schicksal teilhaben, was allerdings die schrecklichen Leiden der Frauen umso schwerer erträglich macht. Was die Radium Girls in Bezug auf Arbeitnehmerrechte erreicht haben, ist unschätzbar.

Sara Collins: The Confessions of Frannie Langton (Hörbuch)

(c) Penguin Books

Deutscher Titel: Das Geständnis der Frannie Langton

Dauer: 12 h 14 min

Gelesen von: Sara Collins, Roy McMillan

London 1826: Der ehemaligen Sklavin Frannie Langton wird wegen der Ermordung von Mr und Mrs Benham, in deren Dienst sie stand, der Prozess gemacht. Die Beschuldigte kann sich an die Mordnacht nicht erinnern, ist sich jedoch ganz sicher: Mrs Benham kann sie nicht umgebracht haben. Denn sie hat sie geliebt. Frannie beginnt im Gefängnis, ihre Geschichte aufzuschreiben.

In Rückblicken erzählt Sara Collins die Geschichte ihrer Protagonistin seit ihrer Kindheit in Jamaika. Dabei springt sie zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her, was aber nur an wenigen Stellen etwas verwirrend ist. In diesem Buch werden zahlreiche Themen angesprochen: Rassismus und Sklaverei, Phrenologie und Menschenversuche und die für den Zeitpunkt der Handlung undenkbare lesbische Liebe und gleichzeitig Liebe zwischen einer schwarzen und einer weißen Frau. Sara Collins entlarvt die Motive vieler scheinbarer Fürsprecher der Schwarzen als reinen Eigennutz und zeigt, wie viele Schwarze in Großbritannien trotz Verbotes der Sklaverei dennoch wie solche behandelt werden.

Gleichzeitig handelt es sich auch um einen historischen Krimi mit der Besonderheit, dass die vermeintliche Täterin gar nicht weiß, ob sie eventuell doch schuldig ist. Gelungenes Debüt der caymanisch-britischen Autorin, die den Roman selbst liest. Ihr Vortrag ist ein wenig eintönig, aber gut zu verfolgen. Gerichtsdokumente werden von Roy McMillan gelesen.

Carolin Kebekus, Mariella Tripke: Es kann nur eine geben (Hörbuch)

(c) Argon Verlag

Dauer: 8 h 32 min

Gelesen von Carolin Kebekus

Da ich nicht viel fernsehe und mich in der deutschen Comedy-Szene nicht sehr gut auskenne, wusste ich nicht viel über Carolin Kebekus. Auf der Frankfurter Buchmesse 2021 ist sie mir dann unter anderem durch ihre Fürsprache für Jasmina Kuhnke positiv aufgefallen und auch über ihr Buch über Feminismus hörte ich viel Gutes. „Es kann nur eine geben“ ist ein Buch über Feminismus allgemein und Konkurrenz von Frauen untereinander im Besonderen. Denn, beispielsweise im Comedy-Bereich hieß und heißt es häufig: Eine Frau haben wir schon. Wie gesagt, es kann nur eine geben. Als ob das Patriarchat nicht schon schwierig genug in echte Gleichberechtigung umzuwandeln wäre, machen sich Frauen auch noch untereinander das Leben schwer. So berichtet Kebekus von dem Shitstorm, den eines ihrer YouTube-Videos nach sich zog. Ein Shitstorm wegen schwabbeliger Unterarme. Die negativen Kommentare waren allesamt von Frauen. Carolin Kebekus greift sich jedoch auch an die eigene Nase und räumt ein, sie habe selbst in der Vergangenheit Witze auf die Kosten anderer Frauen gemacht. Auch Mütter haben es nicht immer leicht mit anderen Müttern. Da Kebekus keine Kinder hat, wurde das entsprechende Kapitel von Mariella Tripke verfasst.

Carolin Kebekus hat ähnlich überzeugende Argumente wie Margarete Stokowski in „Untenrum frei“, erreicht jedoch wahrscheinlich durch ihre Popularität, wie schon andere Rezensent*innen angemerkt haben, ein breiteres Publikum. Ihre bestechenden Argumente bettet sie in eigene Erfahrungen und Beispiele ein – und diese sind außerdem, wie es sich für eine Comedian gehört, sehr sehr komisch wiedergegeben. Als ich mit dem Hörbuch unterwegs war, musste ich oft laut lachen, was sicher ein wenig seltsam wirkte. ;-)

Eine echte Überraschung, die ich gerne weiterempfehle

Rezension: Virginia Woolf: Orlando

(c) Feedbooks

England unter Elizabeth I. Orlando ist der Spross eines reichen Adelsgeschlechts mit monströsem Anwesen. Er versucht sich als Poet, jedoch nicht zu seiner Zufriedenheit. Als attraktiver Jüngling ist er vor Elizabeths Tod einer ihrer Favoriten, auch später hat er Erfolg beim weiblichen Geschlecht. Nach einer unglücklichen Liebschaft zieht es ihn als Botschafter nach Konstantinopel. Und dort passiert es: Orlando fällt ihn einen Schlaf, aus dem ihn niemand erwecken kann, und als er schließlich aufwacht, ist er eine Frau. Sie nimmt das zur Kenntnis, hat aber keine Probleme, sich auf das neue Geschlecht einzustellen. Nach einer Episode des Lebens mit „Zigeunern“ kehrt sie nach England zurück, wo sie sich mit Literaten umgibt und bei Langeweile nach Belieben mittels ihrer Kleider das Geschlecht wechselt. Und das bis ins 20. Jahrhundert.

Ich wusste, Virginia Woolfs Schreibstil liegt mir nicht besonders, ich habe damals auch den Fehler gemacht, „Mrs Dalloway“ als Hörbuch zu hören. Doch in ihren Roman „Orlando“ habe ich viel besser reingefunden, ich fand den Stil hier viel angenehmer als in „Mrs Dalloway“ und ihre Beschreibung der englischen Adelsgesellschaft absolut amüsant. Am meisten beeindruckt hat mich und andere Mitglieder der Lesegruppe eine Szene auf der vereisten Themse, als die Eisschollen plötzlich zu brechen beginnen und die Themse hinabfließen. Das war ein ganz starkes Bild.

Nach Orlandos Geschlechtswechsel begann der Plot für mein Dafürhalten aber nachzulassen, es ging viel um Orlandos Gesellschaften mit Adligen und Dichtern, um belanglose Gespräche, und ich begann, mich zu langweilen. Woolfs Gesellschaftskritik, der Esprit, mit dem sie sich über die noble Gesellschaft mokiert, das gefiel mir schon, doch mir fehlte es an Handlung, diese wurde auch stark beschleunigt, es müssen in dem schmalen Band ja ein paar Jahrhunderte bewältigt werden, einzelne Ereignisse, etwa die Begegnung mit ihrem zukünftigen Ehemann, stechen heraus, werden jedoch eher oberflächlich abgehandelt. Etwas amüsanter waren Passagen, in denen Orlando sich mit Dirnen anfreundet, deren Gesellschaft interessanter ist als die der Adligen. Doch vor dem Ende konnte das Buch mich nicht wirklich zurückgewinnen.

Ich erkenne absolut an, wie bahnbrechend Virginia Woolfs Roman im Hinblick auf die Gender-Debatte und LGBTQ-Themen ist. Orlandos Geschlechtswechsel, ihre Heirat mit einem ebenfalls gender-nonkonformem Partner, Virginia Woolf war ihrer Zeit weit voraus. Interessant wäre es außerdem, sich mit ihrer Beziehung zu Vita Sackville-West zu befassen, denn diese diente als Vorbild für Orlando.

Ich kann nicht behaupten, dass ich die Lektüre über die Hälfte hinaus genossen habe. Dennoch ein hochinteressantes, in jeder Hinsicht richtungsweisendes Werk, ich bin froh, es gelesen zu haben.

Rezension: Kristof Magnusson: Ein Mann der Kunst

(c) Verlag Antje Kunstmann

Sprecher: Devid Striesow

Dauer: 6 h 15 min

KD Pratz ist ein berühmter Künstler, der als kauzig gilt und sehr zurückgezogen in einer Burg am Rhein wohnt. In Frankfurt gibt es ein kleines Museum, dessen Förderverein einen Anbau finanzieren möchte, in dem Gemälde von KD Pratz untergebracht werden sollen. Zu diesem Förderverein gehören Konstantin Marx und seine Mutter Ingeborg, die ein besonders großer Fan des Malers ist. Obwohl dieser als  extrem schwierig gilt, organisiert der Museumsleiter eine Reise des Fördervereins an den Rhein, um KD Pratz kennenzulernen und sein Studio zu besichtigen. Die Gerüchte um den schwierigen Künstler erweisen sich bald als wahr…

Klingt an sich nicht besonders spannend, aber das Buch wurde unter anderem von Dennis Scheck gelobt und sollte eine amüsante Satire über den Kunstbetrieb sein.

Und über lange Strecken war das Buch genau das, recht amüsant, aber umgehauen hat es mich nicht. Von Anfang an erinnerte mich das Szenario ans Isabel Bogdans „Der Pfau“, doch an dessen Humor kam es nicht ganz ran. Es hat aber durchaus Spaß gemacht, wie Konstantin und Ingeborg die anderen Mitglieder des Fördervereins sehen, etwa das „Einstecktuch“, und wie die Situation im Umgang mit KD Pratz langsam eskaliert, bis es schließlich zum finalen Streit kommt. Der markiert nicht das Ende des Romans, dieses folgt aber bald und war tatsächlich so köstlich und hat mir so viel Vergnügen bereitet, dass ich die Wertung des Romans von drei auf vier Sterne erhöht habe.

Kristof Magnusson nimmt den Kunstbetrieb, einschließlich seiner oft als „abgehoben“ empfundenen Ausdrucksweise und der kunstinteressierten Intellektuellen wunderbar aufs Korn. Das Buch ist kein Meisterwerk, aber durchaus unterhaltsam und enthält darüber hinaus auch noch einen netten Fußballwitz.

Devid Striesow macht seinen Job solide, verstellt seine Stimme nicht zu sehr, bringt aber die Eigenheiten der Charaktere gut zum Ausdruck.

Rezension: Alan Bennett: The Uncommon Reader

(c) Picador

Deutscher Titel: Die souveräne Leserin

Als die Queen gerade mit ihren Corgis im Park von Windsor unterwegs ist, bemerkt sie einen Lieferwagen, in dem eine mobile Bibliothek eingerichtet ist. Als sie sich für das Gebell der Hunde entschuldigen will, kommt sie mit dem Fahrer und einem jungen Mann ins Gespräch, der dabei ist, sich Bücher auszuleihen. Wo sie nun schon mal da ist, leiht sie auch ein Buch aus. Und schon ist es um sie geschehen. Die Queen wird zur begeisterten Leserin und nimmt ihre Bücher zum Ärger bestimmter Mitglieder ihres Personals sogar mit in die Kutsche.

Ich hatte bereits gehört, dass dieses Buch von Alan Bennett ein echtes Kleinod und darüber hinaus sehr lustig ist. Beides stimmt. Ich habe mich durch die nur 120 Seiten durchgekichert. In erster Linie ist es natürlich ein Buch für Bibliophile, erst dann eines für Fans der Queen. Die Queen wird hier tatsächlich zur idealen Leserin, was Bennett den Literatursnobs und Feulletonisten genüsslich auftischt:

„All readers were equal, herself included.“ (Seite 30)

Bennetts Sympathie für die Queen ist offensichtlich, was sich in Sätzen zeigt wie „… but to her, everybody’s name was immaterial, as indeed was everything else, their clothes, their voice, their class. She was a genuine democrat, perhaps the only one in the country.“ (Seite 28)

Der Humor, der sich durch das ganze Buch zieht, ist sehr britisch und genauso, wie man ihn von der Queen und ihrem Gatten, der auch auftritt, erwartet.

Viel mehr gibt es über das kleine Buch nicht zu sagen, es ist unbedingt lesenswert und das reinste Vergnügen.

Hörbuch: Marc-Uwe Kling: Qualityland

(c) Hörbuch Hamburg

Sprecher: Marc-Uwe Kling

Dauer: 8 h 26 min

In einer nahen Zukunft in einem Land, das in Qualityland umbenannt wurde, fristet Peter Arbeitsloser (die bisherigen Nachnamen wurden durch die Berufe der Eltern zum Zeitpunkt der Zeugung geändert) sein Leben als nicht erfolgreicher Maschinenverschrotter. Er hat gerade so Level 10 von 200 möglichen und droht damit, in die Kategorisierung als „Nutzloser“ abzurutschen. Dann ist auch noch Schluss mit seiner Freundin, der die Partnervermittlung Qualitypartner eine bessere Partie zugeteilt hat. Als ihm TheShop, der weltweit größte Versandhändler, bei dem man gar nicht mehr erst bestellen muss, sondern anhand des allmächtigen Algorithmus automatisch alles zugesandt bekommt, was man haben möchte, ihm einen pinken Delfinvibrator schickt, läuft das Fass über. Den will er überhaupt nicht! Doch das gute Stück zurückzugeben, erweist sich als schwieriger denn angenommen…

Die Frage „was kommt von Marc-Uwe Kling nach dem Känguru“ hing bis zum Erscheinen seines ersten tatsächlich als Roman angelegtem Buch einigermaßen groß im Raum. Die Angst vor Enttäuschung war bei vielen Fans sicher groß. „Qualityland“, das in einer hellen und einer dunklen Version erschienen ist (der Unterschied sind die immer am Kapitelanfang stehenden Nachrichtenmeldungen, Werbetexte etc.; die jeweils andere Version dieser kann im Internet nachgeschaut werden) kommt jedoch keineswegs als schwächelndes Stiefkind des Kängurus daher: Marc Uwe-Kling legt mit einer realitätsnahen, gleichzeitig beängstigenden und irre komischen Dystopie noch einen drauf. Man muss das Buch gar nicht mit der Känguru-Trilogie vergleichen, es kann prima alleine stehen (wobei für Känguru-Liebhaber da schon ein paar Stellen eingebaut wurden ;-)). Beim Lesen lacht man über die absurden gesellschaftlichen Entwicklungen, bis einem klar wird: Das ist alles andere als abwegig. Genau so oder so ähnlich kann es kommen. Das Leben eines jeden wird bestimmt von seinem Profil, das gleichzeitig für alles gilt in einem allumfassenden sozialen Netzwerk. Selbst, welche Partei man wählt, wird vorgeschlagen, und wenn man sich anders entscheidet, wird nachgefragt „möchtest du wirklich…“

Auch wenn das Werk völlig eigenständig ist, setzt Kling unter anderem auch auf bewährte Stilmittel: Hier sind es nicht die falsch zugeordneten Zitate, sondern wie oben bereits erwähnt Nachrichtenmeldungen und Werbebotschaften, die den Kapiteln vorausgehen, und auch der ein oder andere Running Gag kommt vor, was wir Fans natürlich lieben. Der Loser Peter Arbeitsloser wird von einer Reihe von defekten Robotern unterstützt, darunter ein Kampfroboter und ein Sexroboter sowie eine Drohne mit Flugangst.

Bei allem Humor – und dieses Buch ist wirklich, wirklich sehr komisch und hat mich oft laut lachen lassen – hier hält Marc-Uwe Kling unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und fragt uns: Wollen wir das wirklich? Denn das ist, worauf es hinausläuft in unserer vernetzten, personalisierten und eben auch zunehmend gläsernen Welt. Das ist Satire, und zwar vom Feinsten. Eine hundertprozentige Empfehlung für alle, nicht nur Känguru-Fans! 10 Sterne!

Wie auch beim Känguru gilt: Marc-Uwe Kling ist live am besten zu genießen. Daher sei das Hörbuch, ein Live-Mitschnitt, unbedingt empfohlen. Wobei ich mir wahrscheinlich die dunkle Edition als Printexemplar gönnen werde. ;-)