Übersetzung aus dem Französischen: Michaela Meßner
Originaltitel: Célèbre
Gelesen von: Sandra Voss
Dauer: 10h 20min
Schon als Kind wusste Cléo: Sie will berühmt werden. Unbedingt. Kein Weg durfte daran vorbeiführen. Und wie wir gleich zu Beginn des Romans erfahren: Sie hat es geschafft. Gerade hat sie einen sündhaft teuren Urlaub auf einer einsamen Insel angetreten, um sich zu erholen und ungestört an ihrem nächsten Album arbeiten zu können. In Rückblicken erzählt sie uns ihren Werdegang, der von Kind auf durch grenzenlosen Ehrgeiz, Rachegedanken und Selbstinszenierung geprägt ist.
Ich war eine der vielen Leser*innen, die nach „Mein Mann“ mit seinem genialen Ende mit Spannung auf Maud Venturas zweites Buch gewartet haben. Wieder haben wir eine unfassbar selbstbezogene Ich-Erzählerin, die Geschichte ist jedoch eine ganz andere. Die Protagonistin ist ein Popstar, der hinsichtlich des Erfolges und ihres Äußeren sicher nicht nur mich an Taylor Swift denken lässt, ich glaube aber nicht, dass darüber hinaus ein näherer Bezug zu genau dieser Person besteht. Eins kann ich jedoch mit Sicherheit sagen: Wenn das Leben eines Popstars auch nur annähernd so ist wie das, was Ventura da schildert, dann ist das kein Geld der Welt wert. Der Popstar ist ein reines Kunstprodukt, dessen Leben fast komplett fremdbestimmt und durchgetaktet ist. So gut wie nichts ist echt.
Zwischen den Vergangenheitsepisoden kehren wir immer wieder kurzfristig zur Zukunfts-Cléo auf der einsamen Insel zurück. Die Rückblicke steigern sich dabei immer mehr in ihrer Intensität und dem Exzentrismus der Protagonistin. Achtung, es ist nicht einfach, dieser unausstehlichen Frau 10 Stunden lang zuzuhören. Doch es lohnt sich dranzubleiben. Denn die Frage, ob es Maud Ventura erneut gelingt, ein absolut verblüffendes Ende hinzulegen, kann ich nur folgendermaßen beantworten: Holy Shit! She’s done it again! Das Ende ist sogar noch krasser als das von „Mein Mann“. Der Wahnsinn.
Nicht nur dank meines sprachwissenschaftlichen Hintergrunds ist mir klar, wie wichtig Sprache in einer Gesellschaft ist. Mit Sprache und der Diskursverschiebung in Richtung Rechts schaffen Erzkonservative und Rechtsradikale es, dass immer mehr rechte und rechtsextreme Positionen in Deutschland akzeptabel werden. Das zeigt sich leider gerade mehr als deutlich. Der Literaturwissenschaftler Victor Klemperer war ein Zeitzeuge aus dem Dritten Reich, der in seinem großen Werk „LTI – Notizbuch eines Philologen“ (LTI = Lingua Tertii Imperii) dokumentierte, wie die Nationalsozialisten mit Sprache arbeiteten. Angesichts dessen, was wir gerade nicht nur aus rechtsextremen, sondern leider auch in zunehmendem Maße aus konservativen Kreisen zu hören bekommen, lesen sich die vorliegenden Auszüge weniger unfassbar. Auch wenn es Beispiele gibt, die an Absurdität nicht zu übertreffen sind: „… ich durfte dem Tierschutzverein für Katzen keinen Beitrag mehr zahlen, weil im „Deutschen Katzenwesen“ – wahrhaftig, so hieß jetzt das zum Parteiorgan gewordene Mitteilungsblatt des Vereins – kein Platz mehr war für artvergessene Kreaturen, die sich bei Juden aufhielten“. (Seite 55)
Victor Klemperers Ausführungen können uns dabei helfen, die Formulierungen aus dem rechtsextremen Spektrum als das zu entlarven, was sie sind: höchst manipulative Propaganda. Als ich diese von Heinrich Detering zusammengestellten Auszüge aus der Büchergilde Gutenberg gekauft habe, wusste ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, nicht, dass es sich nur um Teile eines Gesamtwerks handelt. Diese reichen jedoch durchaus aus, um sich ein Bild zu machen.
Patrick Stewart: Making It So: A Memoir
(c) Simon & Schuster
Sprecher: Patrick Stewart
Dauer: 18 h 50 min
Patrick Stewart (oder vielleicht eher Captain Picard ;-)) ist einer meiner Helden. Star Trek TNG hatte in meiner Jugend großen Einfluss auf mich. Die Serie war für mich oft ein moralischer Wegweiser, präsentierte mir das Bild einer lebenswerten Zukunft und gab mir Hoffnung in einer Zeit, als das Mobbing mir das Leben zur Hölle machte. Auch hatte ich schon oft davon gehört oder gelesen, wie eng befreundet sowohl der Cast war und ist als auch die Crew, die dieser spielte. Das zeigte mir, dass es auch anders geht.
Dass Patrick Stewart von der Royal Shakespeare Company kam, wusste ich natürlich. Auch, dass er in seiner Kindheit häusliche Gewalt miterleben musste. Aber seine ganze Geschichte von ihm selbst erzählt zu bekommen, war etwas Besonderes. Die Autobiografie ist sehr detailliert, beginnt mit seiner zunächst glücklichen, dann weniger glücklichen Kindheit. Erstaunt hat mich, wie früh Stewart schon an seiner Schauspielkarriere arbeitete. Sein Werdegang ist wirklich beeindruckend und es hat mir sehr gefallen, von seinen ganzen Wegbegleitern zu hören, ganz früh etwa Brian Blessed oder später Ian McKellen, der sogar ihn und seine dritte Ehefrau traute. Obwohl das Ganze stellenweise in etwas viel Name Dropping ausartet. Auch dachte ich an manchen Stellen, dass er, was Privates angeht, manchmal ein bisschen zu viel ins Detail geht.
Sehr gelacht habe ich über die Anekdote über sein erstes Aufeinandertreffen mit dem ihm als reinem Klassikfan unbekannten Sting am Set von „Der Wüstenplanet“. Ein wenig geknickt war ich darüber, dass Gene Roddenberry Stewart so gar nicht in der Rolle des Captain Picard sehen wollte, im Nachhinein vollkommen unverständlich. Es sei angemerkt, dass Stewart sich auch über Menschen, die ihm weniger zugetan waren, nie negativ äußert.
Besonders schön war es natürlich, den Anekdoten rund um Star Trek – The Next Generation zu lauschen und den vielen wunderbaren Erinnerungen an die Zusammenarbeit mit einem großartigen Cast. Auch die Arbeit an den auf die Serie folgenden Kinofilmen und dem – zumindest für mich – überraschenden erneuten Zusammenkommen der alten Crew in Star Trek Picard kommt nicht zu kurz.
Ich habe viel gelacht beim Hören dieses Buches, aber am Schluss musste ich auch heulen. Deshalb gibt es von mir eben doch fünf Sterne.
Frances Hardinge: The Lie Tree
(c) Macmillan Children’s Books
Wir befinden uns im südlichen England des 19. Jahrhunderts. Faith und ihr kleiner Bruder setzen mit ihren Eltern auf eine Insel über, wo sie in Zukunft leben sollen. Faiths Vater ist Pfarrer und Hobbynaturforscher. Offenbar muss er vor einem Skandal fliehen, der etwas mit einer seiner Entdeckungen zu tun hat. Faith ist selbst brennend interessiert an Naturwissenschaften, muss aber immer wieder erleben, wie sie von allem, was damit zu tun hat, ausgeschlossen wird, weil sie ein Mädchen ist. Doch dann passiert etwas Schlimmes und Faith versucht, das Geheimnis ihres Vaters zu ergründen…
Frances Hardinges Jugendbuch ist ein packender Mystery-Thriller mit zahlreichen feministischen Anklängen. Es hat mir großen Spaß gemacht, mit Faith auf Entdeckungsreise zu gehen, und ich habe mich mit ihr über die Männer geärgert, die ihr beibringen wollten, dass das weibliche Gehirn nicht für die Wissenschaft gemacht sei. Ein wirklich schönes, mäßig gruseliges Abenteuer. Ich werde sicher mehr von der Autorin lesen.
Tonio Schachinger: Echtzeitalter
(c) Argon Verlag
Sprecher: Johannes Nussbaum
Dauer: 11 h 12 min
Nur weil der Protagonist eines Buches ein Jugendlicher ist, muss es sich noch lange nicht um ein Jugendbuch handeln. Coming-of-Age passt da viel besser. Ein Buch über Jugend für Erwachsene. Ein solches ist der letztjährige Siegertitel des Deutschen Buchpreises, was viele überrascht hat. Tills Erwachsenwerden ist allerdings durch das Setting in einem strengen, elitären Wiener Teilinternats der Gegenwart auch ein Gesellschaftsroman, denn es geht indirekt auch um den Konservatismus, die Neue Rechte und jugendlichen Protest, letzterer in Form der hochbegabten, aber aufmüpfigen Schülerin Feli. Ich habe ja eine gewisse Schwäche für Internatsromane (im Gegensatz zu High-School-Jugendromanen, die sind üüüberhaupt nicht mein Ding) und die Einbettung dieses Buches in gesellschaftliche Themen macht es für mich zu einem wirklich ansprechenden Gegenwartsroman. Und dann geht es natürlich auch um Computerspiele und die Rolle, die diese inzwischen in unserer Gesellschaft spielen. Denn aus ihnen ist ein eigenständiges Berufsfeld fern der Programmierung entstanden, das war mir in diesem Maße noch nicht bewusst. Es gibt wirklich Menschen, die vom öffentlichen Spielen von Computerspielen leben können.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen bzw. gehört, zumal Johannes Nussbaum den Wiener Tonfall, den ich ja ohnehin liebe, wunderbar rüberbringt. Ein wenig gewurmt hat mich, dass Till sich nicht mehr gegen seinen Klassenleiter Dolinar wehrt, der völlig übergriffig das Leben seiner Schüler zu bestimmen versucht. Ich habe irgendwo gelesen, dass das Buch wohl schlecht altern wird, und zwar wegen der Anspielungen auf bestimmte politische Ereignisse, die in der Zukunft nur noch wenige verstehen werden. Das wird sich herausstellen.
Vielleicht kein experimentelles Sprachfeuer, aber ein wirklich schöner Roman.
Oha, vier Wochen kein Leseupdate, das wird schwierig… Ich mache es mal so: In diesem Artikel bespreche ich die Bücher, die ich seitdem beendet habe. Die Bücher, die ich aktuell lese, kommen dann nächste Woche.
Fangen wir mit den Büchern an, mit denen ich bei meinem letzten Leseupdate schon angefangen hatte.
Das zweite Gesicht von Kay Meyer
(c) Audible Originals
Dauer: 15 h 6 min
Sprecherin: Luise Helm
Ich hatte mich ja doch noch ein bisschen mit dem Buch angefreundet. Dann ging es mit meiner Meinung kurzfristig wieder bergab, als klar wurde, um welche Mythen bzw. Verschwörungstheorien es da ging. Es ist schwierig, hier nicht zu spoilern. Die Theorien waren mir jedenfalls definitiv zu abstrus. Dann habe ich aber recherchiert und herausgefunden, dass sie tatsächlich Teil der Philosophie von Rudolf Steiner und der Anthroposophen sind. Abgefahren. Das fand ich dann doch interessant. Das Ganze führt zu einem coolen Twist, den ich kurz vorher allerdings schon erahnt hatte. Nicht so gefallen hat mir der Showdown gegen Ende, sowas mag ich nicht besonders. Insgesamt aber ein wirklich unterhaltsames und gut umgesetztes Hörbuch, wenn man sich darauf einlässt.
Das Nachwort von Dominik Graf fand ich stellenweise ein bisschen fragwürdig.
Lost & Dark Places – Saarland von Holger Mathias Peifer
(c) Bruckmann Verlag
Ich hatte ja letztes Mal schon relativ viel zu dem Buch gesagt. Die restlichen Kapitel interessierten mich nicht mehr ganz so sehr, da die besprochenen Orte aus jüngerer Zeit stammten. Ansehen möchte ich mir noch die Burg Frankenstein; dieser Ort, durch den der Zug nach Mannheim fährt, hatte schon länger mein Interesse geweckt, sieht vom Zug aus spannend aus. Außerdem den Park des ehemaligen Schlosses Karlsberg (krass, dass ein ganzes Schloss fast restlos verschwinden kann) und eventuell die Blaufabrik in Sulzbach. Interessant fand ich auch die Area 1 aus dem Kalten Krieg.
Die vollständige Maus von Art Spiegelman
(c) Fischer Taschenbücher
Auch zu diesem Buch habe ich eigentlich hier schon alles gesagt. Kurz zusammengefasst: Großartig. Sollte jeder lesen! Gerade jetzt.
Fan Fiction – A Mem-Noir: Inspired by True Events von Brent Spiner
(c) Macmillan Audio
Dauer: 6 h 53 min
Sprecher*innen: Barrie Kreinik, Brent Spiner, Gates McFadden, Genie Francis, Hallie Todd, Jeanne Darst, Jonathan Frakes, LeVar Burton, Marina Sirtis, Matie Argiropoulos, Matt Godfrey, Michael Dorn, Patrick Stewart, Saskia Maarleveld, Sean Patrick Hopkins
Vorab: Man sollte unbedingt Star Trek – The Next Generation gesehen haben, bevor man dieses Buch liest. Es geht nämlich um einen (fiktiven?) Stalking-Fall, den Brent Spiner aka Commander Data während der Dreharbeiten zur vierten Staffel der Serie erlebt. (Inwiefern das „True Events“ sind, ist mir absolut unklar.) In der Folge „The Offspring“ der dritten Staffel hatte Data einen Androiden namens „Lal“ geschaffen, der sich selbst entschied, die Form einer Menschenfrau anzunehmen. Data sah diese als seine Tochter. Nun bekommt Spiner plötzlich Briefe, die mit „Dear Daddy“ beginnen, einen äußerst beunruhigenden Inhalt haben und mit „Lal“ unterzeichnet sind. Daraus entspinnt sich ein Kriminalfall, der mir einen Riesenspaß bereitet hat. Ich habe oft laut lachen müssen. Das Ganze ist natürlich total überzeichnet, Spiner nimmt sich selbst und das Fandom gehörig auf die Schippe, was im Hörbuch allein durch seine Betonungen und die beim Vorlesen verschiedener Briefe gespielte Musik deutlich wird. Überhaupt ist das Hörbuch mehr ein Hörspiel, an dem der gesamte Cast von TNG und weitere Sprechrollen beteiligt sind. Besonders Patrick Stewart hört man an, dass er dabei seinen Spaß hatte. Ein urkomisches Werk und Riesenvergnügen für Star Trek-Fans. Unbedingt zum englischen Hörbuch greifen!
Marzahn, mon amour von Katja Oskamp
(c) Hanser Berlin
Da es bei der Schriftstellerin Katja Oskamp nicht so lief, machte sie kurzweg eine Ausbildung zur Fußpflegerin und begann, in einer Praxis in Berlin-Marzahn zu arbeiten. Im liebevoll betitelten Marzahn, mon amour erzählt sie von den Menschen des Stadtteils, deren Füße sie im Laufe der Zeit behandelte. Da erfahren wir von einsamen Witwen und Witwern, von Frauen, die während des Kriegs flüchten mussten, überwiegend von älteren, „einfachen“ Menschen, die nicht viel haben, oft auch nicht viele menschliche Kontakte, aber sich doch irgendwie durchwurschteln. Oskamp kommentiert die Schicksale nicht, sie berichtet nur, und doch tut sie das auf eine Art und Weise, die tief berührt und aufrichtiges Interesse an den Menschen weckt. Ein ganz wunderbares, kleines Buch, das völlig zu Recht den Dublin Literary Award gewonnen hat. Ein echtes Jahreshighlight.
Da ich letzte Woche keine Zeit für den Artikel hatte, sind seit meinem letzten Update drei Wochen vergangen und ich habe einiges beendet. Legen wir mal los.
Beendet: John Steinbecks The Grapes of Wrath
(c) Penguin
Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt und gleichzeitig gut unterhalten. Mich interessiert Sozialgeschichte allgemein und die Weltwirtschaftskrise und die Dust Bowl insbesondere. Es ist ein bitteres Buch, das Steinbecks Wut auf den Kapitalismus deutlich spüren lässt.
„The works of the roots of the vines, of the trees, must be destroyed to keep up the price, and this is the saddest, bitterest thing of all. Carloads of oranges dumped on the ground. The people came for miles to take the fruit, but this could not be“…
„There is a crime here that goes beyond denunciation. There is a sorrow here that weeping cannot symbolize. There is a failure here that topples all our success. The fertile earth, the straight tree rows, the sturdy trunks, and the ripe fruit. And children dying of pellagra must die because a profit cannot be taken from an orange. And coroners must fill in the certificates – died of malnutrition – because the food must rot, must be forced to rot.“ …
„… and in the eyes of the hungry there is a growing wrath. In the souls of the people the grapes of wrath are filling and growing heavy, growing heavy for the vintage.“ (Seite 364-365)
Sprachlich und inhaltlich ganz große Klasse. Ich freue mich darauf, mehr von diesem intelligenten Autor zu lesen.
Beendetes Hörbuch: Druidendämmerung von Mira Valentin
(c) Argon Verlag
Sprecher: Robert Frank
Dauer: 13 h 8 min
Nach meinem ersten Update zu diesem Buch fällt mir ehrlich gesagt nicht mehr allzu viel ein. Es ist ein solides, unterhaltendes Fantasybuch, das sich liest wie das Retelling einer keltischen Sage. Ich kann nicht sagen, dass es mich wirklich gepackt hat. Ich hab es durchaus gern gehört, aber es ist meiner Meinung nach nichts, was man gelesen haben muss. Es ist aber sicher eine gute Wahl für Leser*innen, die sich für die zahlreichen Fabelwesen der keltischen Mythologie interessieren.
Beim letzten Update wegen des Gruppenreads pausiert hatte ich Die Söhne der Wölfin von Tanja Kinkel. Inzwischen habe ich es fertiggelesen.
(c) dot.books
Ich bezeichne dieses Buch ja als mein liebstes von Tanja Kinkel, was vor allem an meiner Faszination für die Entstehung Rom liegt. Auch beim zweiten Lesen hat mich das Szenario mit der Konfrontation von Latinern und Etruskern gepackt. Dennoch muss ich feststellen, dass meine Begeisterung nicht so groß war wie beim ersten Lesen. Was mich ein wenig stört, ist, dass große Teile des Buches eben nicht im Latinum spielen, sondern in Griechenland und Ägypten. Ich kann das verstehen, Tanja Kinkel wollte sicher ein Panorama der damaligen, griechisch geprägten antiken Welt schaffen. Das ist ihr auch durchaus gelungen, aber ich wäre lieber in Italien geblieben. Auch die Darstellung von Romulus als seit seiner Jugend intellektuell überlegenen, aber zornigen und boshafteren Zwilling hat mir dieses Mal weniger gut gefallen. Bei allen Fehlern, die die Serie „Romulus“ hat, deren Charakterisierung der Zwillinge und Erklärung des Brudermordes finde ich interessanter. Auf jeden Fall will ich demnächst Sachbücher über Rom lesen. Ich schaue gerade die zweite Staffel der Serie „Rom“ noch einmal und mein Gott, was war das für eine faszinierende Stadt und Zeit.
Die Julilektüre unserer Lesegruppe auf Goodreads war The Promise von Damon Galgut und ich habe sie auch schon beendet.
(c) Vintage
Ich muss gestehen, das ist erst mein zweites Buch eines südafrikanischen Autors. Literarisch habe ich Apartheid-Südafrika bisher nur mit Trevor Noah besucht, in seinem Memoir „Born a Crime“, das ich großartig fand. „The Promise“ ist nun ein Buch eines weißen Südafrikaners und es spielt auch im Umfeld auf der Farm einer recht gutsituierten weißen Familie in der Nähe von Pretoria. Interessant ist das Buch vor allem strukturell, es ist unterteilt in die Kapitel „Ma“, „Pa“, „Astrid“ und „Anton“ und spätestens ab dem dritten Kapitel kann man sich denken, wieso. Bei dem titelgebenden Versprechen handelt es sich um das Versprechen der Mutter an ihr schwarzes Hausmädchen Salome, dass diese das Haus auf dem Grundstück der Familie, das sie bewohnt, bekommen soll. Der Rest der Familie ist gegenüber diesem Versprechen jedoch nicht sehr aufgeschlossen. Die Erzählperspektive wechselt im Buch zwischen den einzelnen Familienmitgliedern. Eine Art Hauptfigur ist dabei die jüngste Tochter Amor, die Zeugin des Versprechens an Salome wurde. Das Buch ist sprachlich ganz fantastisch geschrieben. Ich habe mir zahlreiche Sätze und Passagen unterstrichen. Den Ton emfand ich insgesamt als recht zynisch, wirklich sympathisch ist bis auf Amor niemand, und etwa die Art des Ablebens des Familienvaters ist auf morbide Art regelrecht komisch. Auch auf der Interpretationsebene birgt der Roman großes Potential, in unserer Lesegruppe wurde unter anderm darauf verwiesen, dass Freuds Konzept von Eros vs. Thanatos eine Rolle spielen könnte und der Bruder Anton dabei für Thanatos und die Schwestern Astrid und Amor als Eros interpretiert werden könnten. Schon Amors Name deutet ja darauf hin, dass sie für Liebe steht. Ich kenne mich selbst damit leider nicht aus, aber es ist schon spannend, was in einem solchen Werk alles drinstecken kann. Ein in meinen Augen unkonventioneller Familienroman, der Lust auf mehr von Galgut macht.
Seit dem letzten Update habe ich außerdem Tom Feltons Memoir Beyond the Wand gelesen.
(c) Grand Central Publishing
Sprecher: Tom Felton
Dauer: 6 h 36 min
Memoirs lese ich besonders gerne im Hörbuchformat, vor allem, wenn der Autor sie selbst vorliest. Ich bin jetzt kein Mega-Harry-Potter-Fan, bin ja auch zu alt, um damit aufgewachsen zu sein, aber ich hab die Bücher schon mit Begeisterung gelesen und auch zumindest die ersten vier Filme mehrfach geschaut. Tom Felton hat Draco Malfoy meiner Meinung nach großartig dargestellt, zuerst der kleine, dann der große Fiesling, der jedoch selbst auch unter großem Druck steht und am Ende einen großen inneren Konflikt auskämpfen muss. Nach dem, was ich von Felton über seine Darstellung des Draco Malfoy in den späteren Filmen gehört habe, will ich diese auch unbedingt noch einmal sehen.
Das Hörbuch beginnt aber nicht mit Toms Potter-Jahren, sondern setzt schon früher ein, denn er war ja als Kinderstar schon zuvor in den Filmen „Ein Fall für die Borger“ und „Anna und der König“ zu sehen. Was Felton von seiner Familie, seinen ersten schauspielerischen Bemühungen und seinen Co-Stars erzählt, ist absolut unterhaltsam und stellenweise sehr komisch, ich habe sehr viel gelacht. Den größten Teil des Buches nehmen natürlich die langjährigen Dreharbeiten an den Harry Potter-Filmen ein. Felton verschweigt dabei auch nicht, dass er schon ein paar Mal in Schwierigkeiten geriet. Über seine Schauspielerkollegen berichtet Tom in sehr warmem Ton, das ist sehr sympathisch zu lesen und weckt nostalgische Gefühle, vor allem, wenn er von dem verstorbenen Alan Rickman oder auch von Robbie Coltrane erzählt, der inzwischen ja auch verstorben ist. Ich wusste auch nicht, dass Felton und Emma Watson sich so nahe stehen. Felton gibt einige Aussagen von Emma über sich selbst wieder, die mich wirklich beeindruckt haben. Tom liest seine Geschichte sehr engagiert, die Kapitelankündigungen schreit er regelrecht raus, oft ist auch eine Art nervöses Lachen zu hören, auch das wirkt durchaus sympathisch. Die letzten eineinhalb Stunden des Buches befassen sich mit der Zeit nach Potter und da wird auch der Ton ernster, denn obwohl Tom gleich eine Rolle in „Planet der Affen – Prevolution“ angeboten wurde, hatte er es danach nicht immer so leicht. Nach einiger Zeit war er in Hollywood, wo er mit seiner Freundin hingezogen war, auch sehr unglücklich, ohne es wirklich zu realisieren. Die Folge war ein höchst ungesunder Lebensstil mit viel Alkohol, eine Reha, aus der er floh und weitere Therapien. Der Schluss ist dann wieder sehr positiv, zugegebenermaßen auch ein wenig pathetisch.
Ein für alle Fans der Harry Potter-Filme ein wirklich lesens- bzw. hörenswertes Buch.
Begonnen habe ich mit Der Name des Windes von Patrick Rothfuss.
(c) Klett-Cotta
Ich bin ca. auf Seite 270. Das Buch gefällt mir bisher gut, vor allem der Anfang hat mich sprachlich beeindruckt und ich ärgere mich jetzt ein bisschen, dass ich es nicht im Original habe. Bisher kann ich allerdings nicht nachvollziehen, warum der Roman so viel besser sein soll als andere Fantasy, das kann aber natürlich noch kommen. Was mir außerdem auffällt, ist, dass das mal wieder eine sehr männerlastige Fantasy ist, bis auf die Mutter des Protagonisten gab es bisher kaum weibliche Figuren. Ich lese es aber gern und bin gespannt, wie es weitergeht.
Als Hörbuch habe ich mir den nächsten Teil der Phileasson-Saga heruntergeladen, Silberflamme, aber noch nicht damit begonnen.
So viel zu meiner Lektüre in den letzten drei Wochen :-)
Eine deutsche Übersetzung liegt meines Wissens nicht vor.
Wer etwa in meinem Alter ist, hat sie als Kind garantiert gesehen: Die US-Fernsehserie „Unsere kleine Farm“, die auf den autobiografischen Büchern von Laura Ingalls Wilder beruht. Wie ihr vielleicht wisst, habe ich die Bücher alle mehrfach gelesen und halte nicht allzu viel von der Serie, da sie, vor allem in späteren Folgen, die Geschichte unerkennbar verändert und auch die Charaktere gänzlich anders als in der Realität gezeichnet hat. Dennoch habe ich die Serie gern gesehen und schaue mir auch heute, wenn ich den Fernseher nebenher laufen habe und zufällig darauf stoße, gerne die ein oder andere Folge wieder an. Das liegt vor allem an einer Person: Nellie Oleson. Es war einfach ein Vergnügen, das verzogene Biest zu hassen! Als ich erfahren habe, dass die Darstellerin Alison Arngrim ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben hat, wusste ich: Das muss ich lesen.
Wie sehr Nellie Oleson die Gemüter bewegt hat, zeigt folgende Episode, die Arngrim zu Beginn des Buches schildert. Eine Dame nähert sich ihr während einer Autogrammstunde:
„… She quickly went from what seemed to be abject shock and horror to boiling rage. She was even shaking. She shut her eyes and took several long, deep breaths through her nose, in an obvious effort to compose herself. She then swallowed hard and opened her eyes. I thought she was going to burst into tears, but she held her head up proudly, looked at me, and announced in all seriousness, „I forgive you!“.“ (Seite x der Einführung)
Alison Arngrim schildert jedoch nicht nur ihre Zeit als Kinderschauspielerin, sondern beginnt mit ihrer früheren Kindheit. Was ich nicht wusste: Sie wurde als Kind jahrelang von ihrem Bruder missbraucht und hat sich noch als junges Kind selbst aus der Situation befreit, indem sie ihm mit der Polizei drohte. Angesichts dieser Erlebnisse ist es wirklich bemerkenswert, wie Arngrim sich ihren Humor bewahrt hat, der sich durch das ganze Buch zieht. Heute engagiert sie sich auch ehrenamtlich für Organisationen zum Schutz von Kindern vor sexuellen Übergriffen.
Arngrim erzählt uns weiterhin, wie sie zu der Rolle in „Unsere kleine Farm“ kam. An die Szene, die sie vorspielen musste, kann ich mich aus der entsprechenden Folge erinnern und zeigt eindrücklich, wie fantastisch Arngrim diese Rolle spielte. Wir nahmen Nellie Oleson alle für „granted“, aber welche schauspielerische Leistung dahinter steckt, muss man sich erst mal überlegen. Tatsächlich war Arngrim wirklich eng mit Melissa Gilbert und den meisten Cast-Mitgliedern befreundet. (Melissa Sue Anderson hat sich wohl selbst etwas von den anderen isoliert.) Wir erfahren von einigen haarsträubenden und urkomischen Situationen bei den Dreharbeiten, aber auch vom Ausstieg aus der Serie und der Trauer um Michael Landon, als dieser starb.
Eine kleine Kritik muss ich anbringen. Über Michael Landon sagt sie: „Instead, he brought about the true nature of all the characters, he said things about them that Laura Ingalls herself only implied“. (Seite 54)
Dem muss ich ganz entschieden widersprechen. Ich habe wie schon erwähnt sämtliche Bücher mehrfach gelesen und auch die einschlägigen Biografien über Laura Ingalls Wilder sowie die Urfassung ihrer Geschichte „Pioneer Girl“. Meiner Meinung nach hat Michael Landon die Charaktere bis hin zur Unkenntlichkeit verändert. Laura teilte nur einige Eigenschaften mit ihrer Serienversion und dasselbe gilt auch für die anderen Charaktere. Ich kann nicht beurteilen, inwiefern das für eine lang laufende Serienadaption nötig war und meine das auch eher als Feststellung denn als Kritik. Und es ist verständlich, dass Arngrim Landons Arbeit mit anderen Augen sieht. Ihre Verbundenheit mit ihren Schauspielerkollegen ist offensichtlich.
Es ergibt sicher wenig Sinn, dieses Buch zu lesen, wenn man „Unsere kleine Farm“ nicht gesehen und Nellie Oleson gehassliebt hat. Aber für diejenigen, die das getan haben, ist dies ein sehr unterhaltsames und Erinnerungen weckendes Buch einer Frau, die viel netter ist als das Mädchen, das sie gespielt hat.