Hörbuch: Walter Tevis: Mockingbird

Coverabbildung
(c) Tantor Audio

Dauer: 9 h 42 min

Sprecher*innen: Robert Fass, Nicole Poole

Deutscher Titel: Die Letzten der Menschheit

Robert Spofforth ist – unter anderem – der Dekan der New Yorker Universität. Wenn man das, was in dieser Zukunft existiert, noch so bezeichnen kann. Tatsächlich können die wenigen verbleibenden Menschen nicht lesen, sie dürfen es nicht mal. In den komplett von Robotern verwalteten Bildungseinrichtungen lernen sie nur noch, dass die Privatsphäre des Individuums über allem steht und strenge Regeln diktiert, etwa, dass zwei Menschen nicht länger als eine Woche zusammen leben dürfen – „quick sex is best“. Für die täglichen Bedürfnisse haben sie eine Kreditkarte, über die sie über ebenso von Maschinen gesteuerte Ausgabestellen Dinge des täglichen Bedarfs sowie Nahrung und die Drogen, mit denen sie ruhiggestellt werden, beziehen können.

Um zu Robert Spofforth zurückzukommen, er ist das ultimative Robotermodell (wir würden ihn heute eher als Androiden bezeichnen), von denen er der letzte ist, und sein größter Wunsch ist: zu sterben. Dummerweise ist ein Suizidverhinderungsmechanismus in ihn eingebaut. Eines Tages erhält Spofforth Besuch von einem Mann namens Paul, der sich mithilfe einer alten Fibel das Lesen beigebracht hat und es gerne an der Universität unterrichten würde. Das geht natürlich nicht, doch Spofforth erlaubt ihm, alte Stummfilme, die nur mit Untertiteln versehen sind, zu synchronisieren. Als dritte Protagonistin lernen wir Mary Lou kennen, die sich dem KI-Staat entzogen hat und in dem von Robotertieren und Roboterkinderimitaten bevölkerten Zoo lebt.

Angesichts der KI-Debatte könnte diese Dystopie aus dem Jahr 1980 gar nicht aktueller sein. Sie zeigt auf, welche Risiken eine grenzenlose Mechanisierung aller Prozesse birgt. In dieser Beziehung hat das Buch starke „The Machine Stops“-Vibes (eine Geschichte von E. M. Forster), denn die Menschen haben längst verlernt, wie man Maschinen bedient und KIs programmiert und sind vollkommen von diesen abhängig. Auch die beste Maschine zeigt jedoch irgendwann Abnutzungserscheinungen, was harmlosere Folgen haben kann, wie etwa, dass es keine Toaster mehr gibt, weil in der entsprechenden Fabrik eine Schraube in eine Maschine gefallen ist, und kein Mensch da ist, der das Ganze überprüft. Oder aber auch gravierende Konsequenzen, wie dass die Menschheit am Aussterben ist. Es ist unmöglich, alle Folgen abschätzen zu können, die eine Programmierung mit sich tragen kann, so wie das auch in „Views“ von Marc-Uwe Kling geschieht. Es ist nicht so, dass die Roboter bösartig werden, aber auch, sie so zu programmieren, dass die Menschen zufrieden sind, kann tragische Konsequenzen haben.

Die Auflösung dieses großartigen und ungeheuer hellsichtig erscheinenden Science-Fiction-Romans hat meiner Meinung nach eine kleine Schwäche, die sich mit etwas gutem Willen jedoch erklären lässt und der Genialität dieser Dystopie keinen Abbruch tut. Jahreshighlight. Unbedingte, dringende Leseempfehlung.

Zum Hörbuch: Die Umsetzung ist gelungen und empfehlenswert, die Aussprache des Englischen sehr gut verständlich, Mary Lous Passagen liest Nicole Poole, Spofforths und Pauls Passagen Robert Fass.