Tad Williams: Into the Narrowdark

Noch nicht auf Deutsch erschienen
Achtung, Spoiler möglich für diejenigen, die The Witchwood Crown und Empire of Grass noch nicht gelesen haben.
Den dritten Teil einer Reihe zu rezensieren, ohne zu viel zu verraten, ist nur eingeschränkt möglich, zumal wenn der zweite Teil mit einem fiesen Cliffhanger endet. Deshalb fasse ich mich hier kurz: Ist gut.
Nein quatsch, kann schon noch dazu sagen, dass auch dieser Teil wieder sehr spannend war und ich sehr mit meinen Lieblingsfiguren mitgelitten habe. Dass Simon die Nachricht von Miris mutmaßlichem Tod verkraften muss, ist schon schlimm genug, aber Tad Williams weiß das durchaus noch zu toppen. Aufgelockert wird das Ganze durch die gemeinsamen Abenteuer von Morgan und Nezeru, die gar nicht wissen, dass sie verwandt sind. Ansonsten könnt ihr euch auf einen weiteren Cliffhanger gefasst machen. Das Warten auf The Navigator’s Children hat begonnen.
Chigozie Obioma: The Fishermen

Deutscher Titel: Der dunkle Fluss
Benjamin lebt mit seinen drei Brüdern und seinen Eltern in einer nigerianischen Kleinstadt. Eines Tages verkündet der Vater, dass er beruflich in einer weiter entfernten Stadt eingesetzt werden wird und die Familie daher nur noch zu Besuchen sehen wird. In dieser Zeit entdecken die vier Jungs den nahe gelegenen Fluss für sich, üben sich im Fang kleiner Fische. Der Fluss hat jedoch einen üblen Ruf, der tief im nigerianischen Volksglauben verankert ist. Dann macht ein örtlicher als verrückt bekannter Mann, auf den sie treffen, eine düstere Prophezeiung und außerdem werden die Jungen von einer Nachbarin am Fluss gesehen. Das gibt erst mal Ärger mit den Eltern. Doch die Prophezeiung des Verrückten wird vom ältesten Bruder, den sie betrifft, ernst genommen und vergiftet für immer die Beziehungen zwischen den Brüdern. Das Unglück nimmt seinen Lauf. Das Debüt des nigerianischen Schriftsteller Chigozie Obioma ist ein düsterer, fesselnder Blick auf die Nachwirkungen der Kolonialisierung und des Einflusses des alten Glaubens auf die heutige nigerianische Gesellschaft. Das Buch steckt voller Symbolismus, was mir persönlich sehr gut gefallen hat, in der Leserunde aber auch auf Ablehnung gestoßen ist. Mir hat der Roman sehr gut gefallen und mir Lust auf weitere afrikanische Literatur gemacht.
Maja Lunde: Die Geschichte des Wassers
Übersetzung aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein
2017. Die ältere Norwegerin Signe erfährt, dass in ihrem Heimatdorf ein Projekt geplant ist, dass einen wertvollen Bachlauf samt Wasserfällen zerstören würde. Sie sabotiert das Projekt und nimmt mit ihrem Boot Kurs auf Südfrankreich, wo einer der Initiatoren des Projekts lebt, um ihm das Eis, das Produkt, das er vermarkten will, vor die Füße zu werfen. Das Pikante: Es handelt sich um ihren ehemaligen Freund. In Rückblenden erinnert sich an ihre gemeinsame Jugend. 20 Jahre später erreicht ein junger Franzose mit seiner Tochter ein Flüchtlingscamp im südlichen Frankreich. Eine jahrelange Dürre hat die Trinkwasserversorgung lahmgelegt, Menschen flüchten aus südlichen Regionen in die „Wasserländer“ im Norden Europas. Die Zukunft sieht düster aus.
Im zweiten Teil ihres Klimaquartetts springt Maja Lunde wieder zwischen den verschiedenen Erzählsträngen hin und her. Das liest sich gut und spannend. Ein wenig blass bleiben die Figuren, es wirkt alles ein wenig konstruiert. Was Lunde jedoch durchaus gelingt, ist, den Leser*innen unsere mögliche Zukunft vor Augen zu halten. Zwar wissen wir um die Auswirkungen des Klimawandels, aber es in einer solchen Geschichte vor Augen geführt zu bekommen, lässt das Ganze doch etwas realer erscheinen. Insgesamt durchaus lesenwert, kommt aber erzählerisch nicht an Die Geschichte der Bienen heran. Trotzdem werde ich das Quartett weiterlesen.
James Robertson: News of the Dead

Derzeit liegt keine deutsche Übersetzung vor.
Sprecher: Sheila Reid, David Monteath, David Rintould
Dauer: 14 h 30 min
James Robinsons historischer Roman ist aus drei verschiedenen Erzählperspektiven verfasst. In der Gegenwart erzählt uns Maja, die älteste Bewohnerin eines fiktiven schottischen Tals namens Glen Conach, von ihren Begegnungen mit Lachie, einem Jungen, der glaubt, immer wieder einen Geist zu sehen, von ihrem Wissen über den Einsiedler Conach, der in früheren Zeiten in dem Tal lebte, und schließlich auch von der Geschichte eines stummen Mädchens, das kurz nach dem Krieg im Tal auftauchte. Tagebucheinträge des Antiquars Charles Kirkliston Gibb berichten von dessen Aufenthalt im Tal im frühen 19. Jahrhundert zu dem Zweck, das „Book of Conach“, ein altes Manuskript über das Leben des „Beinahe-Heiligen“ Conach zu transkribieren. Unterkunft findet er bei dem lokalen Laird und seiner Familie. In einer dritten Erzählperspektive lesen bzw. hören wir den Wortlaut des fraglichen Manuskripts, das in einer entsprechend sagenartigen Form verfasst ist. Diese drei Perspektiven machen den Roman zu einem sehr ungewöhnlichen und originellen historischen Roman. Vor allem der Bericht von Gibb hat dabei seine Längen, ich möchte ihn nicht langweilig nennen, aber richtig fesseln konnte mich die Geschichte nicht. Was mich schließlich doch noch veranlasst hat, dem Buch vier statt drei Sterne zu geben, war der letzte Teil, in dem Maja von „The Dumb Girl“ berichtet, und ganz besonders die mitreißende Performance der Erzählerin Sheila Reid, die für ein außergewöhnliches Hörbucherlebnis sorgt. Die beiden anderen Perspektiven werden von David Monteath und David Rintould gesprochen, die ihren Job ebenfalls sehr gut machen. Den Twist gegen Ende habe ich relativ früh vorhergesehen. Insgesamt erhalten wir in dem Buch ein sehr schönes Panorama eines einsamen schottischen Tals und seiner Geschichte und seiner Bedeutung für seine Bewohner.


