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KI auf der Platte – geschenkt oder Lockangebot?

Schieb.de macht auf ein Angebot von Google (bekannlich not evil</ironie) aufmerksam: LM Studio – ein Programm für Windows, Mac und Linux, ein Einstieg in lokale KI. Die Daten bleiben auf dem Rechner, man bemüht kein externes Rechenzentrum. Das ist schon ‘mal nett, doch der Satz, man

gewöhnt sich an das Ökosystem. Sobald mehr Leistung, Skalierung oder professioneller Support nötig werden, wartet Google Cloud.

sollte misstrauisch machen.
Wer die Geschichte von unzähligen Software-Angeboten seit Web 2.0 Revue passieren läßt, weiß, dass irgendwann die Daumenschrauben angezogen werden und der Spruch mit “not evil” halt nicht mehr stimmt. (Weswegen ihn Google ja auch ausradieret hat) – Das Angebot ist sicher attraktiv, auch in seiner Ausformung, insbesondere für jene, die sich aus Klimagründen bisher zurückgehalten haben. Doch sie sollten den Haken im Blick behalten. Vielleicht sollte man noch auf Open-Source-Modelle warten. Schwierig.
[via rivva] (Dank an @[email protected] für die Beratung!)

“Suchmaschinen gaben uns Quellen, KI-Systeme geben uns Antworten”

“Das Ende der Suche” lautet der Titel des Beitrags von Maren Burghard im Blog des Deutschen Museums betitelt, der – wie ich finde – den Paradigmenwechsel bei der Recherche gut auf den Punkt bringt:

Hier zeigt sich die eigentliche Verschiebung der medialen Ordnung. KI-Systeme organisieren Wissen nicht mehr als offenes Netz von Verweisen, sondern als schlüsselfertig erzählte Einheit. Sie bestimmen, was relevant ist und wie es erscheint. Für alle, die Informationen öffentlich zugänglich machen – ob Institutionen, Redaktionen, Organisationen oder einzelne Personen –, verändert sich damit die Situation grundlegend. Digitale Sichtbarkeit hängt nicht mehr allein davon ab, ob Informationen irgendwo im Netz bereitstehen, sondern ob sie in den Antworten der Systeme überhaupt noch vorkommen – und in welcher Form sie dort erzählt werden.

Das macht es auch so schwer, es in die Informationskompetenz-Curricula zu integrieren, da es sich nicht – wie bisher – darum handelt, etliche neue Quellen mit knappen Anweisungen ins Skript/in den Ablauf zu integrieren, sondern um die Frage, wie und wo das methodisch seinen Platz hat und wieviel von den “alten” Inhalten man weiterhin vermittelt.

Die Ökosysteme werden zur Brache – Bedenkenswertes zur KI

Wie kann das sein, dass KI(-Nutzung) zum Niedergang von Webseiten, Dienstleistungen und ganzen Ökosystemen führt? Und was bedeutet das für die Wissensproduzenten und Kuratierenden? – Der Blogbeitrag auf Leitmedium führt das an einem einfachen Beispiel eines Open Source-Angebots aus. Übrig bleibt – und das Wort sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen – eine “parasitäre Simulation” eines einst funktionierenden Ökosystems. [via hmbl]

Verantwortungsvolle KI in der Zivilgesellschaft

“Das Projekt „Code of Conduct Demokratische KI“ wurde erfolgreich abgeschlossen. D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt arbeitete hierfür mit mehr als 50 gemeinwohlorientierten Organisationen zusammen, um eine Selbstverpflichtung für den verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu schaffen: den Code of Conduct Demokratische KI. Ziel war es, gemeinwohlorientierte Organisationen dabei zu unterstützen, einen informierten und reflektierten Umgang mit KI zu finden und so die Zusammenarbeit sowie das Engagement der Zivilgesellschaft zu stärken.”

“Konkrete Handlungsempfehlungen für gemeinwohlorientierte Organisationen” steht noch weiter unten: Der “Code of Conduct Demokratische KI” ist für Organisationen und Institutionen als Handlungsleitlinie sehr zu empfehlen. Das Netzwerk Grüne Bibliothek hat ihn bereits unterzeichnet.

Langsame, systematische Austrocknung der Internetquellen

Erste große Website wegen Googles AI Suchergebnissen geschlossen
Übersicht mit KI: Erste große Website macht ganz konkret wegen Googles AI Suchergebnissen dicht – weil sie deshalb keine Besucher mehr “erfährt”.

Der Diebstahl der KI und die Effekte, die dies für die Internetnutzug und -recherche haben wird, wird hier plastisch geschildert. Holland-Cycling.com schließt 2026 seine Homepage. Artikel auf Herrmontag.

arte-Doku: KI: Der Tod des Internets

“Filmemacher Mario Sixtus stößt während seiner Entdeckungsreise im sterbenden Netz auf Suchmaschinen, die ihre Orientierung verlieren und aus Ratlosigkeit an ihrer eigenen Abschaffung arbeiten. Er führt vor, wie ein oder zwei in KI-Software eingetippte Befehlssätze ausreichen, um sinnfreie Ratgeberbücher und aus purem Unsinn bestehende News-Videos zu produzieren.”

Die Dokumentation (52 Minuten) soll noch bis Ende des Jahres zugänglich sein. Der Buchmarkt spielt eine prominente Rolle in der Doku.

Servierfertig: Neue Quengelware von Microsoft

Die Büroklammer ist wieder auferstanden, jene, die man vor einem Vierteljahrhundert schier nicht wegbekam. Jetzt nennt sie sich “KI” und ist ebenso aufdringlich. Heise.de meldet, dass “Copilot” jetzt überall integriert werden kann und natürlich taucht das Wort “Datenschutz” erst in den Kommentaren auf! Einmal mehr sollen sich die Nutzerdaten als Quelle für das Training herhalten. – Die taz rät zu kritischem Denken und begründet das auch sehr gut!

Es gibt keine “künstliche Intelligenz”, sondern nur “datenbasierte Systeme”

“KI-Systeme sind jedoch keine Freunde, Begleiter oder Agenten und werden es auch niemals sein. Sie sind und bleiben Maschinen. Wir sollten ehrlich sein und uns gegen irreführende Marketingstrategien wehren, die etwas anderes suggerieren.”

Ein Artikel im Standard (kann sein, dass man sich anmelden muss, es geht bei mir aber schon seit einem Jahr ohne große Belästigungen) von Peter G. Kirchschläger, der die ethischen Implikationen dieses Maschinenhandelns untersucht.