AMORE und Geheimnisse…

…stehen sich hier in Sacro Monte dem Wallfahrtsort von Varese gegenüber.

Hier wird nicht gekleckert sondern geklotzt.

Warum?

Ein sehr schöner breit gepflasterter Weg, die Via Sacra führt entlang an den 14 Kapellen vorbei zu dem Heiligen Berg hinauf. Jede Kapelle hat ein eigenes Thema, welches dem Rosenkranzmysterium gewidmet ist und zur Wallfahrtskirche Santuario María del Monte aus dem 15.Jh. hochführt.

Die 1. bis 5. Kapelle der Freudenreichen Geheimnisse

Die 6. bis 10. Kapelle der Schmerzhaften Geheimnisse

Die 11. bis 14. Kapelle der Glorreichen Geheimnisse

Aber!

Das kostbarste Geheimnis ist irdisch und die Rezeptur dieses Schatzes ist ein leckeres Likörchen das sich unter Verschluss befindet. Geheim das Rezept köstlich das Elixier aus Orangen und Kräutern aus dem Hause Borducan dem Romantic Hotel mit einem Hauch Kolonialzeit, welches sich hoch oben auf dem Heiligen Berg befindet.

Als ich die Räumlichkeiten gegen acht Uhr abends betrat, klang mir Klaviermusik aus den letzten 20gern entgegen. Der Speisesaal wurde von einem Lichtermeer von Kerzen beleuchtet und war mit langstieligen roten Rosen dekoriert.

Mein Blick schweifte weit hinaus in die Ferne und ich sah ins Tal bis hin nach Mailand, dass von den abendlichen Lichtern fortgeführt wurde. Es hatte kurz vor meiner Ankunft geregnet und es roch um uns herum nach Pilzen, Wald und Kräutern. Begleitet wurde der Abend durch Vogelgezwitscher und einem Uhu als Solist. Das Menü im Kerzenschein war ein Gedicht. Es war ein außergewöhnlicher Aufenthalt in diesem romantischen Hotel von dem der Geist des Verstorbenen Davide Bregonzio in den Räumlichkeiten immer noch rumgeistert. Dieser Herr führte in diesem Jugendstilbau aus dem Jahre 1924 das Infus des Großvaters weiter und hatte Erfolg.

Ein Weggehen ohne diesen Likör probiert zu haben gleicht einer Sünde.

Außerdem…

…sollte man jemanden um Rat bitten, dann kann man dies bei den Ordensschwestern die in Clausur leben auch tun. Ein kurzes Klingeln an der Pforte und einer der noch 27 Ordensschwestern sprechen. Diese hört durch das Türgitter hindurch zu ohne sich zu zeigen.

Das Geheimnis bleibt hinter dessen Mauern bis in aller Ewigkeit.

Salzkristalle (Teil 10)

Meine Großmutter verstand sich gut mit dem Pfarrer. Sie hatten eine ganz eigene Art der Kommunikation. Der Pfarrer bemühte sich in Latein mit ihr zu sprechen, welches sehr dem italienisch ähnelt und zusätzlich unterstützt wurden die Gespräche mit einer ausgeprägten Handgeste. Man verstand sich und der Umgang der beiden war sehr herzlich.

Der Nachhauseweg war dann auch immer sehr entspannt und auch hier kamen wir an unserem Eis nicht vorbei. Denn der Kiosk in der Stadt hatte immer sehr gute Schwarzwaldeisbecher in der Eistruhe. Der Verkäufer kannte uns schon und legte immer zwei Becher für seine Lieblingskundinnen zurück. 

Er nannte meine Großmutter liebevoll Nonna Siziliana war im gleichen Alter wie sie und schaute sie immer sehr verliebt an. 

Wir steuerten mit unserer deutschen Eisdelikatesse die ganz anders als das italienische Gelato schmeckte den Nachhauseweg an.

Jeder für sich tief in seinen Gedanken.

Nach dem sonntäglichen Mittagessen mit meinen Großeltern gab es hinterher immer einen guten Kaffee den ich traditionell für uns vorbereitete. Beide genossen es immer, wenn ich den Kaffee so wie meine Tante aus Salerno mit dem legendären Zuckerschaum und der Kaffeemaschine auf dem Herd zubereitete.

Während der Zubereitung fing meine Großmutter plötzlich an wie schön doch ihre neue Unterwäsche sei und wie gut sie sitzen würden.

Der Strasstein würde der Wäsche einen ganz besonderen Touch geben.

Mein Großvater gefiel dieses Gespräch und seine Augen schauten die Liebe seines Lebens mit seinen feurigen Augen an, die ansonsten einen strengen Blick hatten. Er zeigte sich uns beiden von einer ganz anderen Seite als bei den übrigen Verwandten und Kollegen. Bei dem Anblick seiner geliebten Ehefrau schmolz er immer dahin.

Mein Großvater war sehr angetan von diesem Gespräch und meinte das Qualität eben zu Qualität gehöre und legte mit seinem breiten Gesicht ein einzigartiges Grinsen auf.

Meine Großmutter wurde aber strenger in ihrem Ton, um ihm zu verstehen zu geben, dass sie ihn jetzt nicht aufreizen wollte.

Es ging einzig und alleine um den Strass der der Unterwäsche den Qualitätssiegel gab.

Er versuchte seine Frau zu verstehen. Aber da sie sich auch nicht richtig ausdrücken konnte und dies für sie noch ein schwieriges Thema war bat sie mein Großvater abzuwarten. Er war nicht nur klug sondern auch sehr geduldig und gewitzt. Gut dann vertagen wir das Gespräch, dass dein Herzens Wunsch beinhaltet auf einen anderen Zeitpunkt. Die richtige Zeit wird kommen, wenn die Zeit reif dafür ist.

Fortsetzung folgt…

Aufbewahrte Liebesbriefe

Ein spätsommerlicher Sonnenstrahl verfängt sich im Spiegel und vergoldet mein silbernes Haar bei meiner morgendlichen Hygiene. Ich sehe dem Gegenüber, der für mich schon immer mein geheimnisvoller Freund war, der mich auf der anderen Seite des Spiegels „anschaut“.

Mit einem Grinsen lege ich die Haarbürste auf ihren gewohnten Platz zurück – in Gedanken wische ich den Staub, vor dem Ablegen der Bürste, wie gewohnt ab. Dabei schaue ich zufrieden in den Spiegel.

Ich und Es mein Spiegelfreund. Wir verstehen uns. Er ist geduldig aber auch kritisch mit mir.

Oft hatten wir nur einen schnellen Gedankenaustausch, wir schnitten Grimassen zusammen, weinten vor Wut oder Glück und in unseren Gesprächen, teilten und teilen wir immer noch unsere tiefsten Geheimnisse.

Das Geheimnis der Liebesworte und deren Wirkung.

Es liegt viel Zeit zwischen dem öffnen des ersten Liebesbriefes und dem öffnen meiner Schachtel in der ich diese schönen Briefe voller Liebe und Hoffnung aufbewahrt halte. Ich weiß, dass das Bild im Spiegel meine Gedanken sehr gut kennt.

Öffne die Schachtel und lies! „Es“ mein Gegenüber im Spiegel kennt mich…

Beim Öffnen der Schachtel kommt mir der Geruch meines gelebten Lebens entgegen und dabei habe ich immer wieder den gleichen Gedanken …mein Spiegelfreund ist mir treu.

Diese Gedanken stimmen mich glücklich und ich muss aufpassen, dass ich das Papier wieder gut zusammenfalte. Es hat Gebrauchsspuren. Viele Wörter sind nur noch zu erahnen und dessen Erinnerungen trage ich in meinem Herzen. Die Zeit ist wie der Sand durch meine Finger verronnen. Es ist Sand aus einer vergangenen Zeit. Eine Reise die ich nie gegangen bin. Es sind Dokumente eines Lebens. Die nicht vergessen lassen.

Es fehlen die allerersten Briefe…ich habe sie zerrissen!

Sie fehlen mir aber auch nicht. „Es“ gegenüber schaut mich an und zwinkert mir zu.

Das sich entdecken auf Reisen

Im letzten Jahr bin ich durch verschiedene Länder gereist. Das Ankommen und der erste Eindruck sind für mich die schönsten Momente meiner Reisen. Es ist noch alles unentdeckt, fremd und es riecht noch alles nach Abenteuer.

Vorsichtig gehe ich auf Erkundungsreise. Tauche in fremde Welten. Fasziniert hatte mich 2022 Brighton, Istanbul und Ägypten.

Das 9 Euroticket war ein Geschenk.

Mit dem 9 Euroticket entdeckte ich nicht nur die Schönheit der Landschaft und Städte in Deutschland wieder, sondern es gab mir die Freiheit, weder ein Automaten zu benutzen, noch sich an einen Fahrplan zu halten. 

Der Bodensee wurde von mir neu erkundet. Konstanz, Radolfzell, Überlingen, Meersburg, Lindau und viele Orte dazwischen. Ich stieg ein und aus gerade wo es mir passte. Genossen habe ich die Fahrten entlang am See. Doch auch die Städte Freiburg, Heidelberg und Karlsruhe habe ich besucht. Sogar bis München habe ich es geschafft und es hat auch bis in das schöne Straßburg gereicht. Der vergangene Sommer mit den vielen Sonnentagen war durch diese Kurzreisen ein wahres Erlebnis. Begeistert hat mich Lindau mit seiner Altstadt und seinem Bahnhof. Die Weite des Sees und der Blick zu den Bergen gibt dieser bayerischen Stadt einen ganz eigenen maritimen Flair.  Die Uferpromenade mit dem Biergarten lädt zum gemütlichen Vesper ein. Aber eigentlich lädt jeder Ort entlang des Sees zum verweilen ein. In Friedrichshafen kann man Kaffee trinken und dabei die Füße im Kiesel des Sees kühlen. Gespräche ergaben sich mit anderen Personen ganz von alleine.

In Brighton am Strand saß ich gerne im Kiesel. Die Luft schmeckte nach Salz. Surreal wirkte der verbrannte Västra Pir im Wasser, egal ob bei Sonnenuntergang oder bei Nebel. Eine Busfahrt entlang der Küste bis zu den Seven Sisters ist beeindruckend. Der weise Kalk der Felsen, die sich farblich der Atmosphäre anpasst ist hier besonders magisch. Unter den Füßen gibt der Kiesel seinen eigenen Ton an. 

Am liebsten schlenderte ich durch die Straßen von Brighton in denen es scheint, als wolle man die Zeit der 60er und 70er Jahren konservieren. Die Abende lasse ich bei einer guten Tasse Tee im „The Grandhotel Brighton“ ausklingen.

Der Flieger rollt über die türkische Landebahn. Ich bin in Istanbul gelandet, sitze im Taxi und bestaune durch das Fensterglas die glutrot angestrahlte Bosporus Brücke. Ich verlasse den Orient und fahre in Richtung Okzident, in die Nacht hinein und werde von einem Lichtermeer empfangen. Tage vor meiner Abreise schaute ich mir im Fernsehen ein Spielfilm an, welcher in Istanbul spielt und ich finde mich in der Metropole sofort zurecht. Nahe dem Topkapi Palast, wo der berühmte Dolch von Topkapi und der Löfflerdiamant ausgestellt sind, befindet sich mein Hotel. Beim Hochlaufen zur Hagia Sophia berühre ich die Palastmauer und spüre die Macht der Vergangenheit. Beeindruckend aber nicht fremd der Besuch der Moscheen mit dem gegenseitigen Zurufen des Muezzin. In den Straßen wird Mokka getrunken, gelacht und sehr viel Süßes gegessen. Im großen Basar Istanbuls wird in den alten verzierten arabischen Gängen gehandelt und gefeilscht was das Zeug hält. Es macht kein Unterschied, ob es um Gewürze oder Leder, ob es um Echtes oder Unechtes, Gold und Diamanten geht. Hier findet alles seinen Markt.

   

Die Blaue Moschee wie die vielen andere Gebetshäuser fand ich besonders beeindruckend. In der Hagia Sophia Moschee faltete ich automatisch meine Hände zu meinem christlichen Gebet. Das ehemalige Gotteshaus wurde zu einer Moschee umgewandelt und ich fand beide Religionen darin vereint. 

Die abendliche Bootsfahrt entlang dem Bosporus wirkten durch die vielen bunten Lichtern die die Gebäude, Brücken und den schönen  angestrahlten Paläste  wie in 1000 und 1 Nacht. Es war wie aus einer alten vergangenen Zeit. Junge Männer in ihren Nadelstreifenanzügen mit ihren Chillet sassen gut frisiert an einem Tisch. An Nebentischen gut gekleidete junge Frauen, die ihr Haupt mit schönen Tüchern gekonnt bedeckten. Hätte ich ein Schwarzweißbild mit meiner Kamera besessen, hätte ich mich wie in der Zeit, als der Orientexpress noch eine große Attraktion auf dem schönen Bahnhofs Istanbul war, gefühlt.

Doch auch auf meiner nächsten Reise folge ich den Gebeten Allah und fliege nach Hurghada in Ägypten. Bei meiner Ankunft hatte ich ein Deja vu. Mein Cousin der in Mogadischu lebte, beschrieb mir in seinen Briefen die Landschaft und die Umgebung seiner Heimat im Ressort. Seine abendlichen Spaziergänge unter einem mit Sternen bedeckten Himmel. Als ich ankam hatte ich das Gefühl er würde mich am Eingang des Hotels abholen um entlang am  Wasser zu spazieren. Alles bewegte sich in dieser Anlage sehr langsam. Auch die Freiheit hatte seine Grenzen. Alles wurde untersucht. Autos, Rucksäcke und der Mensch wurde nach Waffen abgetastet. Dadurch war es manchmal mühsam, die alten Ausgrabungen zu besuchen. 

Aber ich habe mich davon nicht abschrecken lassen!

Luxor war umwerfend. Die geheimen Hieroglyphen und die vielen verzierten und bemalten Säulen  des Tempel mit den beeindruckenden Statuen sind mehr als beeindruckend. Im Tal des Totes mit den geschmückten Gräbern und Sarkophage gibt dieser Reise den Eindruck, dass der Tod geschützt und versteckt werden muss. 

Aber an einem ganz anderem Ort, verspürte ich die Wichtigkeit des Sterbens und dessen Aufbewahrung. Die Fahrt in Richtung Kairo war ein Erlebnis für sich. Ich fuhr nachts von Hurghada los und die Sonne ging langsam hinter mir auf und die Wüste wechselte ihre Farbe von dem Dunkel der Nacht in ein Gold des Sonnenlichts. Die Straßen sind breit und bewacht. Mit schweren Waffen wird der Tourismus  hier beschützt.

Das ägyptische Museum ein Highlight und die Mumie von Tutanchamun das Herzstück dieses Gebäude. Viele alte Schriften, Schmuck, besondere Persönlichkeiten sind mumifiziert oder in Statuen ausgestellt. Es gibt viel zu bestaunen. Aber bevor es an die Hauptattraktion dieser Fahrt weiter geht werde ich in einem nahegelegenen Restaurant mit einer guten traditionellen Mahlzeit verköstigt. Ich liebe den Milchreis und hole mir einen gefüllten Teller und dazu Tee. Als ich durch die Scheiben des verstaubten Restaurantfenster nach draußen schaue, sehe ich die Pyramiden. Ich bin meinem Ziel ganz nah und doch habe ich das Gefühl diese Gräber sind unnahbar. Wir werden an die Pyramiden gefahren und dürfen in das Grab hinabsteigen. Hier bekomme ich zum ersten mal ein beklemmendes Gefühl. Eng und niedrig ist die Öffnung und der Eingang ist nur rückwärts zu begehen. Ganz anders wie die Gräber im Tal des Totes die geräumig  hell und schön verziert sind. Hier ist der Gang dunkel und eng. Erst in der Grabkammer ist es ein großer und geräumiger Raum aber ohne  besondere Schriften und Zeichen.  Einfach schlicht, dafür ist die Pyramide selbst ein imposantes Bauwerk. Bis heute  wird geforscht, aus welchen Grund so  aufwendig für den Tod gebaut wurde. Keiner konnte bis heute dieses Geheimnis wirklich lüften. Auf der langen Rückfahrt in Richtung meines Hotels hatte ich gute Gespräche über dieses Land. Und mir wird während meiner Rückreise klar, das Völker ihr kulturelles  Erbe notfalls auch mit Kriegen verteidigen. Ohne  Kenntnis der Wurzeln der Herkunft kann keine  gute Weiterentwicklung stattfinden.

Mein Ankerplatz zwischen den Meeren…

…Migration hat viele Facetten!

Ein jüdischer Bekannter sagte mir mal…manche Menschen werden von einem Rohdiamanten zu einem funkelnden Diamanten geschliffen.

Ich stellte mir die Frage, ob dies dem Rohdiamant bis zu seinem brillanten Aussehen wehtun würde…bestimmt! Perfektion tut weh!

Wenn ich über meine Großeltern geschrieben habe (Salzkristalle 1 – 23) die eine harmonische Ehe führten, dann nur weil diese zwei Paare mich tun ließen und mich akzeptierten, so wie ich bin. Wir hatten Respekt zueinander, dies war ganz klar die Voraussetzung für eine gute Beziehung unter uns.

Ich emigrierte tatsächlich im Alter von 13 Monaten bis kurz vor meiner Einschulung von Deutschland nach Italien.

Warum?

Meine Eltern arbeiteten Schicht und daher konnten sie sich nicht um mich sorgen.

Ich verließ mein Geburtsort Deutschland mit einem Koffer voller Tränen und kam in meinem Paradies, Salerno an.

Dort verbrachte ich meine Kindheit mit meiner Tante und Großeltern väterlicherseits.

Meine Tante und ich verbrachten Stunden mit Spaziergängen am Golf von Salerno. Sie baute mit mir zusammen Sandburgen, wir sammelten Muscheln und schauten in die Weite, wo Himmel und Wasser am Horizont ineinander flossen.

Mit meinem Großvater verbrachte ich Zeit mit Erzählungen über die Sterne, welche sich um die Wette in der Nacht spiegelten und ein glitzernder Silberstreifen im Meer hinterließen. Oder wir spazierten an der alten Mole am Golf entlang und ich freute mich darüber am nächsten Morgen, das ich ein Stern im Meer wiedersah.

Dann kam die Rückkehr von Italien nach Deutschland zu meinen Eltern.

Sie nahmen mich einfach mit!

Es fehlte mir die Beziehung zu ihnen.

Die Sehnsucht stellte sich ein zu meiner gewohnten Umgebung und zu meinen Verwandten väterlicherseits. Das Meer und die damit verbundene Freiheit. Das unbekümmerte und das Spielen mit den Kindern in meiner Sprache (damals nur Italienisch). Die Gerüche der Mahlzeiten meiner Großmutter, der Duft der Wiesen und Felder und mein geliebter wilder Zitronenbaum im Garten meiner Großeltern.

Es fehlte das Salz in der Luft!

Ich bekam schnell ein Schliff von meinen Eltern verpasst und das in höchster Brillanz. Ich durfte nicht auffallen. In meinen ersten Zeugnis stand als Bemerkung – sie ist still. Ich saß oft im Dunkeln und verstand die Welt um mich herum nicht mehr. Es roch nach Moder und die Räume waren feucht und verrußt.

Aus dem Küchenfenster hörte ich Kinder spielen und lernte ihre Sätze, auswendig und sprach sie nach ohne zu verstehen, was ich von mir gab. Oftmals wurde ich ausgelacht, ja sogar verspottet!

Ein Traum voller Hoffnung auf ein besseres Leben treibt Menschen in ein unbekanntes Land. Auf unterschiedlichste Weise finden sie auch ein Weg in dem Gastland zu wohnen. Dabei vergessen viele Eltern, dass ihre Kinder eigene Gefühle und Verwurzelung haben. So kommt es in den Familien durch die Migration zu Konflikten.

So war es in meinem Fall.

Meine Tränen halfen mir aus der Patsche, sie schmeckten salzig und ich fand die Heimat in mir.

John F. Kennedy sagte mal…jede Träne, jede Schweissperle aus unserem Körper enthält Salz. Wir kommen vom Meer und gehen dahin zurück.

Wir sind alle Kinder des Meeres.

Salzkristalle (Teil 23)

Jedes Jahr pünktlich zu Ostern besuchte ich meine verrückte Zia. Das war nun ein Ritual das nicht wegzudenken war. 

Denn ich bekam immer zu jedem meiner Geburtstage ein riesengroßes Osterei, dass in buntem hauchdünnem glitzerndem Papier eingehüllt war und auch immer das größte. Es gab die Auswahl für Jungs und Mädchen und in der hauchdünnen Schokoladen Hülle verbarg sich ein Schatz, diesmal war es ein Paar Ohrringe. Es waren schöne Ohrstecker die phantastisch funkelnden. Es war immer eine preziöse Bijouterie darin zu finden. Ich hatte alle Stücke die ich über die Jahre bekommen hatte in einer sehr schönen Schmuckschatulle aufbewahrt. Diese war aus silbernem Metall zu einer Muschel geschmiedet. Sie war sehr alt und eigentlich ein kleines blechernes Täschchen, dass meine Oma schon als Kind besaß und diese mir weitervererbt hat. Hierin bewahrte ich jedes einzelne Stück das ich zu Ostern bekam.

Die Ohrringe zog ich aber diesmal an. Sie passten zu meiner jetzigen Situation. Normaler Weise zogen nur verheiratete Frauen Weissgoldenen Schmuck der mit Brillanten besetzt war an. Diese waren zwar Bijouterie aus dem Osterei, aber der Zufall wollte es, dass ich Erwachsenen Schmuck trug.

Ich wohnte seit ein paar Jahren genau wie meine Tante alleine in einer kleinen Mansardenwohnung in Deutschland ganz in der Nähe meiner Geburtsstadt.

Wir machten uns chic für die Messe. Nun trug auch ich gerne dunkle Spitzenkleider und Nylonstrümpfe mit einer schwarzen Naht. Ich kannte meine Tante nur mit diesen edlen Strümpfen, denn sie hatte in Ihren vielen Tätigkeiten auch noch die Reparatur der Strümpfe in ihrem Firmen Portfolio.

Beim verlassen der Wohnung zog sie ihren Verlobungsring an.

Nun fühlte ich mich durch diese Ohrringe erwachsen und wir gingen die Straße hinunter um zu unserer Kirche im Quartier zu gelangen.

Auf dem Weg dahin fing meine Tante an mir zu erzählen, das es auch in der Stadt ein Pärchen gäbe, die ohne Heirat zusammenziehen würden. Jugendliche die das Elternhaus verlassen und sich eine eigene Wohnung nehmen. Mit dem Vorwand das sie keine Arbeit in der Nähe des Elternhauses finden. 

Ich hatte auch als sehr junges Mädchen mein Elternhaus verlassen ohne Vorwand. Die elterlichen Ansichten passten nicht mehr zu den meinen. Die Italienischen Migranten waren noch konservativer als die in der Heimat verbliebenen. Man sollte sich nicht schämen müssen, wenn man die Verwandten besuchte. So lebte man in alten Traditionen weiter und folgende Generation hatte nicht die Chance sich zu integrieren. 

Durch das Jobangebot in der Hilfsarbeiter in den frühen Jahren der Zuwanderung, wurden die Kinder der Migranten nach der Hauptschule gleich in die Arbeit gesteckt. Sie konnten im Gegensatz zu ihren Eltern Deutsch sprechen und waren billige Arbeitskräfte. Wenige von ihnen hatten eine Ausbildung oder besuchten eine weiterführende Schulen.

Die Angst war zu groß, dass man das Land verlassen musste, da man nur einen befristeten Aufenthalt hatte und vielleicht wieder in die Heimat zurück musste. Da war das schnelle verdiente Geld besser und man erlangte die Möglichkeit sich in der Heimat eine Immobilie zu bauen.

Fortsetzung folgt…

Salzkristalle (Teil 22)

Zwischenzeitlich war nicht nur meine Großmutter in Sizilien verwitwet, sondern mein Opa väterlicherseits war ebenfalls verstorben.

Nun waren meine engsten Verwandten nur noch meine Großmutter mütterlicherseits und meine Tante die Schwester meines Vaters in Salerno.

Wir nannten sie liebevoll die verrückte Zia verrückte Tante), weil sie die Gabe hatte aus dem Unmöglichen das Mögliche zu machen.

Die beiden Frauen also meine Tante und Großmutter verstanden sich sehr gut und hatten in all den Jahren in denen sie sich kurz sahen immer interessante gemeinsame Themen.

Oftmals fand die Kommunikation zwischen den beiden Damen erstmal über den brieflichen Kontakt mit meinem Vater statt. Er schrieb meiner Großmutter in Sizilien und meiner Tante in Salerno. Hierbei gab es aber immer Passagen für die jeweils andere Personen und so waren sie immer auf den neusten Stand mit den aktuellen Geschehnissen.

Mittlerweile war es auch so, dass wenn meine Großmutter uns besuchte, sie nur für einen Weg mit dem Zug kam und den Rückweg nach Salerno mit uns im Auto mitfuhr. Also verbrachten wir eine gemeinsame Zeit in Salerno.

Hier begegneten sich die beiden Damen dann herzlich zum Gespräch, denn meine Großmutter blieb auch eine längere Zeit mit uns in Salerno.

Immer nach dem Mittagessen zelebrierten sie ihren Kaffee. Meine Großmutter lobte meine Tante für die besondere Art der Zubereitung. Bei wichtigen Gästen, wie meine Großmutter, kaufte meine Tante in der Stadt in ihrem Stammgeschäft Kaffee ein. Dort wurden noch grüne Kaffeebohnen verkauft, welche sie dann in ihrem Labor, so nannte sie ihre Küche zubereitete.

Es war wahrhaftig eine Hexenküche mit vielen getrockneten Kräutern und es duftete auch danach. Sie experimentierte gerne herum und oftmals wurde sie in den Restaurants der Stadt nach alten Rezepturen um Rat gefragt.

Sie fungierte als Beraterin in den Lebensmittelgeschäften und den guten Restaurants, hier hatte sie eine Nische für sich entdeckt.

Sie war der modernen Zeit nicht abgeneigt, aber die Touristen, die die teuere Küste besuchten, wollten heimische Spezialitäten nach alter Art der Zubereitung. Bei der Fischzubereitung war sie eine Königin und der Kaffee mit Zuckerschaum ihr gut gehütetes Geheimnis.

Während sie die grünen Bohnen auf dem Gasherd röstete und als Beigabe Kräuter aus dem elterlichen Garten beigab, kam auch schon meine Großmutter um mit ihr den Nachmittagskaffee zu genießen. Sie brachte dann meistens ein köstliches Gebäck mit. Meine Großmutter liebte diese Art der Zubereitung des Kaffees und das Treffen war mittlerweile auch zum Ritual geworden. Wenn sich die Blicke der beiden Frauen zum Gespräch trafen dann glitzerte es in den Augen. Man hätte meinen können sie hätten ein Geheimnis.

Sie waren mittlerweile Verbündete, die einen geheimen Plan verfolgten. Einmal konnte man durch das offene Küchenfenster sehen, wie jede an dem jeweiligen Tischende saß und wie sie einen Vertrag ausarbeiteten.

Als ich zur Verabredung dazukam verstummte das Gespräch sofort und ich sah in den beiden ein glitzern, das zu einem liebevollen funkeln überging. Sie brauchten mir gar nicht zu sagen, wie sehr sie mich liebten und ich erwiderte es mit dem selbigen.

Während wir unseren Kaffee genossen und ich leicht scherzte, das einer der Gewürzbeigaben frische Myrte Blätter waren, sagte sie scherzend, das ich zur richtigen Zeit die Informationen bekommen würde und warf meiner Großmutter einen geheimnisvollen Blick zu. Ich merkte das mit den Jahren dieses Auseinanderreißen der Familie durch die Migration ein ernsthaftes Problem geworden war und die Idee, auch wenn nur symbolisch, mit dem Diamanten aus Totenasche, sich tief in den Gedanken der beiden Damen reingebohrt hatte.

Fortsetzung folgt…

Salzkristalle (Teil 21)

Nach dem Auszug aus meinem Elternhaus bevorzugte ich künftig meine Weihnachten mit meiner Großmutter in Sizilien zu verbringen. Mittlerweile war sie verwitwet und lebte in ihrem großen Haus ganz alleine. Bis zu meiner Heirat verbrachte ich dieses Fest jedes Jahr alleine bei ihr. Es war eine weite Reise mit dem Zug aber ich liebte die Fahrt, denn ich löste eine Fahrkarte bei der ich die Möglichkeit hatte an vielen Destinationen auszusteigen und meine anderen Verwandten in Italien zu besuchen.

Meine Großmutter war am weitesten entfernt und so war es immer mein erstes Reiseziel.

In Palermo angekommen ließ es sich meine Großmutter nicht nehmen mich mit dem Auto meines Cousins abholen zu lassen. Es war immer ein herzliches Wiedersehen. Von Palermo aus fuhren wir durch die kleinen Dörfer in die Berge Richtung Corleone. Es war alles weihnachtlich geschmückt und es erinnerte ein bisschen an den Orient. Die Bäume waren mit bunten Lichterketten behängt und bei einigen Orangenbäumen hing sogar Lametta. Meistens waren es Myrte, Orangen oder Mandarinenbäumchen die den Wegrand schmückten. Tannen waren selten zu sehen, denn die musste man importieren, also ganz anders, wie in Deutschland.

Als wir bei Großmutters Haus angekommen waren wurde der Weihnachtsbaum angemacht, elektrisch versteht sich! Meine Großmutter betonte, dass sich die Investition lohnen müsse, denn sie habe nicht den kleinsten Baum ausgesucht und dann auch noch mit vielen bunten Lichtern. Das schönste an diesem Baum war der oberste Stern. Das war auch der einzigste Baumschmuck an dieser künstlichen Tanne dafür war er voll mit Strass Steinen besetzt und mittendrin ein großer Stein. Es glitzerte überall und es roch nach italienischem Weihnachtsgebäck. Der Duft von Zimt und getrockneten Feigen vermischt mit selbst gemachtem Zitronat.

Meine Großmutter betonte, dass sie die Sprühdose mit dem Tannenduft nicht zum Weihnachtsbaum dazu gekauft hatte, da wir beide den Duft kannten aus dem Schwarzwald. Beim Kauf des Baumes konnte man den Duft aus der Sprühdose mit kaufen, so bekam die Tanne auch eine Lebendigkeit. Sie wusste wie schrecklich ich diese Sprühdose fand und stattdessen roch es deshalb nach sizilianischem weihnachtlichem Gebäck ganz nach Großmutters Art. Sie zwinkerte mir zu und betonte das ihre Schwester also meine Großtante ihr beim Backen geholfen habe. Sie hatten viel Spaß bei den Vorbereitungen und es war auch reichlich da.

Nach dem üblichen Kaffee trinken und dem Verabschieden der Verwandten, die kamen um mich nach der langen Zeit zu sehen, folgte der gemütliche Teil. 

Wir machten es uns im Bett bequem und ließen uns einfach vom Fernseher berieseln.

Am nächsten Morgen war auch schon Heiligabend. Das verlief für uns beide immer sehr entspannt ab, denn wir wurden immer von der Verwandtschaft eingeladen.

So ging meine Großmutter mit mir im Dorf shoppen. Sie hatte einen guten Geschmack und wir waren uns fast immer einig im kaufen der Kleider.

Mittlerweile trug sie nur noch Trauerkleider und wenn sie das Haus verließ, dann nicht ohne Kopftuch, welches aus feinster Spitze war. Ihre schönen grau melierten Haare schimmerten durch das schwarze Tuch durch. Das ließ sie sehr apart wirken.

Wir kehrten mit unseren vielen Einkaufstüten nach Hause zurück und machten es uns bei einer Tasse Kaffee und Gebäck gemütlich.

Ich packte meine erstandenen Klamotten aus und fing an eine kleine Modenschau zu veranstalten.

Hierbei übergab ich meiner Großmutter mein Weihnachtsgeschenk. Denn sie wünschte sich von mir immer diese Unterwäsche aus dem Wäscheladen aus dem Ort in Deutschland in der sie viele Jahre eingekauft hatte. Es war die Unterwäsche mit dem Herzkristall das Großvater so liebte. Bei diesem Anblick wurde sie melancholisch denn es waren die ersten Weihnachten ohne ihn. 

Sie schaute den Weihnachtsbaum an und in diesem Moment funkelte der große Strass Stein im Stern der Baumspitze. Ihre Augen füllten sich mit Tränen und ein bisschen Wut. Es war viel zu früh für sie um alleine zu sein.

Aber es war keine Zeit mehr um Traurigkeit aufkommen zu lassen. Wir waren eingeladen und an Weihnachten wurde sehr lange bei den Verwandten getafelt. Das Essvergnügen wurde nur durch die Abendmesse unterbrochen. Mit einer sehr feierlichen Prozession wurde die Weihnachtsmesse eröffnet. Ein Krippenspiel mit einem Esel und Kuh und alles was zu einem Krippenspiel dazugehörte war die Attraktion jedes Heiligabend in diesem Ort. Als Jesuskind wurde ein Neugeborenes von der Kirchengemeinde auserwählt. Der Opferstock wurde dann diesem Kind geschenkt. Das Geld wurde gut angelegt um später ein Teil seiner Ausbildung damit zu finanzieren.

Die Kirche war immer brechend voll an diesen Abenden und es wurde auch dann erst bekannt wer das Jesuskind spielen durfte. Mir gefielen die Gesänge begleitet von einer Orgelmusik. In diesen Gottesdiensten war es mit den Gesängen der deutschen Ave Marias genau so wie in Deutschland. Deutsche Ehefrauen die ihre Italienischen Ehemänner in die Messe begleiteten sangen die Gebetslieder in ihrer deutschen Sprache. Es waren sehr schöne Momente und sehr intensive, denn ich gehörte in gewisser Weise dazu, auch wenn mein Vater von der Amalfi Küste stammte. Aber für mich war es eben das kleine Teil Heimat in mir in der Nähe meiner geliebten Großmutter. Nach der Messe liefen wir wieder zu meinen Verwandten zum gemütlichen Teil des Heiligabend bei welchem es köstliches traditionelles sizilianisches Gebäck gab und dazu selbstgemachte Liköre. Der Raum füllte sich mit Weihrauch das an unseren Kleider von der Weihnachtsmesse stammte. Ich fühlte mich so richtig wohl. Es wurde gelacht und Bingo gespielt und sogar bei guter Musik getanzt. Nur meine Großmutter schien mir sehr nachdenklich zu sein.

Unsere Blicke kreuzten sich und wie immer wussten wir ohne es auszusprechen, dass wir nun aufbrechen würden und gemeinsam nach Hause laufen würden.

Wir machten es uns im Ehebett gemütlich das sie nur noch dann benutze wenn ich bei ihr zu Besuch war.

Sie fing an unter dem Bett zu kramen und holte ein Karton hervor. Zuerst dachte ich es wäre ein Schuhkarton aber der Karton war weiß hatte einen schwarzen Rand und ein Schwarzes Kreuz in der Mitte.

Meine Großmutter schaute mich mit einem lieben Blick an und sagte ich bereite mich vor und dann fing sie schallend an zu lachen. Sie hatte sich mit ihrer Schwägerin und dessen Freundinnen bei einer Hausparty bei welchem Grabschmuck wie der Bilderrahmen für das Grabbild oder Kerzenhalter und was sonst so ein Grab ziert schon vorab gekauft. Sie hatten so viel Spaß daran das sie schon an den nächsten Termin für die nächste Totenparty gebucht hatte. Es bei der Party gab es Totengebäck Kaffee und  Hauseigenen Likörwein da kommt man ganz schön in Stimmung und es hilft bei der Trauerverarbeitung.

Traurig war sie einzig und alleine darüber das sie nicht rechtzeitig und ausführlich Großvater über unser Geheimnis eingeweiht hatte. Sie hätte sehr gerne mit ihm darüber gesprochen und ihn über seine Meinung gefragt. Es war ein diffiziles Thema denn der Ort in dem sie lebten war streng katholisch. Daher war das kremieren ein Tabuthema.

Sie hatte auch den Ansatz gefunden und deutete auf den Strass an ihrer Unterwäsche. Da schaute er sie nur verliebt an.

Aber mein Großvater merkte recht bald, dass meine Großmutter ernsthaft mit ihm sprechen wollte. So erzählte sie mir das sie es sich mit einem guten Jahrgang aus den eigenen Weinanbaugebiete auf ihrer Dachterrasse saßen und in die Ferne das Glitzern des Meeres zuschauten. 

Sie erzählte ihm von unserem Geheimnis und das sie darüber nachgedacht hatte. Sie fand es einfach irgendwie schön, dass man etwas für die Ewigkeit hatte. Natürlich hatte sie auch über ihre Bedenken gesprochen und es dürfte nicht zur Ware werden. Am nächsten Tag erlitt er beim Nachhauseweg von den Reben und Olivenfeldern ein Herzinfarkt in seiner geliebten orangefarbenen Ape.

Fortsetzung folgt…

Salzkristalle (Teil 20)

Unser sonntägliches Kaffee trinken im Bett führten wir wie gewohnt weiter. Mit dem Unterschied, dass meine Großeltern in ihrem Bett in Sizilien lagen und ich in meinem Bett mit meinem gut duftendem Kaffee in meiner kleinen Mansardenwohnung in Deutschland. Das Gespräch am Telefon drehte sich um die Wurst.

Denn es ging um die Sizilianische Wurst! La Salsiccia

Die Schwägerin meiner Großeltern, also Tante Lina, deren Enkel hatte nach seiner Ausbildung als Metzger im Anschluss den Metzgermeister im Ort gemacht. Da dieser junge Mann in Deutschland bei uns im Ort geboren wurde und somit in seinem Pass der Deutsche Geburtsort eingetragen war spürte auch er seine Wurzeln aus der Geburtsheimat.

Er liebäugelte sowieso mit der Tochter der deutschen Ehefrau eines Einheimischen. Die Besuche waren anfänglich auf die Rezeptur des berühmten Deutschen Wurst „die Lyoner„ reduziert. Und wenn das Ehepaar an Weihnachten nach Deutschland zu ihrer Verwandtschaft flog, dann brachten sie unter anderem die Lyoner mit. Dazu wurde der Enkel von Tante Lina eingeladen und es wurden Geschmackserinnerungen in ihm wach. Immerhin wurde er mit der Lyoner groß, denn er besuchte den Kindergarten in Deutschland.

Die Familie besorgte ihm auch alles in Deutschland, denn die Ehefrau hatte eine gute Beziehung zu einem Metzger.

Es ging dann auch nicht lange und zur Eröffnung seiner eigenen kleinen Metzgerei gab es neben der italienischen Salami ein Extrafach mit dem Schildchen Wurst. Dem besagten Lyoner.

Meine Großeltern waren zur Eröffnung der Metzgerei eingeladen.

Tante Lina, so die Erzählung meiner Großmutter, hatte sich von Kopf bis Fuß neu eingekleidet. Beim Friseur war sie auch gewesen und hatte sich schminken und auch gleich die Maniküre dazu machen lassen. Kurzum, so meine Großmutter, sie sah aus wie ein geschmückter Weihnachtsbaum. Mein Großvater bestätigte dies mit einem herzlichen Lachen.

Ihre Spitzen durften nicht fehlen. Sie ließ mich auch ganz lieb Grüßen und sie denkt nicht, dass jemals einer ihrer Kinder zurück kommt und gar ein Geschäft aufmacht. Darauf gaben meine klugen Großeltern keine Antwort, denn sie wollten an so einem schönen Tag kein Familienstreit entfachen. Außerdem mochten Sie den jungen Metzger sehr.

Meine Großmutter meinte nur damit hat sie wenigstens für einander Tag ihr Lieblingsthema mit dem Tod vergessen. Als wir beide uns gleichzeitig durch das Telefon lachen hörten, wussten wir das wenn sie von unserem Diamanten Geheimnis wüsste wäre sie sofort dabei, mit Haut und Haaren.

Meine Großeltern waren von der Metzgerei sehr angetan und von der Idee der Deutschen Wurstherstellung.

Sie meinten, es gäbe sowieso sehr viele Mischehen mittlerweile im Ort und es wäre ein gutes Nischenprodukt. 

Außerdem war der Enkel von Tante Lina blond und hatte schöne blaue Augen. Es passte einfach und der Laden hatte ein nordisches Flair erzählten sie mir durchs Telefon.

Während der Eröffnungsfeiern, bemerkte man recht bald, dass zwischen dem jungen Metzger und der Tochter der deutschen Dame sich etwas anbahnte. Also ging es nicht nur um die Rezeptur der Wurst.

Das gefiel meinen Großeltern sehr. Sie meinten, es sei vielleicht eine Hochzeitsfeier in Sicht.

Wir stellten uns immer eine Uhr, wenn wir telefonierten, denn es war purer Luxus sich so oft anzurufen. Die Telefongespräche waren damals sehr teuer.

Wir verabschiedeten uns meistens mit Küsschen durch das Telefon und wünschten uns eine gute Woche. 

Beim Auflegen des Telefons begann auch schon wieder die Vorfreude auf das kommende Gespräch.

Fortsetzung folgt…

Salzkristalle (Teil 19)

Nun folgten die Tage an denen ich mit Oma, Opa und Tante in Salerno verbrachte.

Es waren die drei Personen die mein Leben geprägt haben.

Knapp als einjährige wurde ich nach Salerno von meinem Vater zu meinen Verwandten gebracht.

Ich hatte dort eine unbeschwerte und freie Kindheit.

Den ich konnte mich in diesem Alter nicht an diese Trennung erinnern. Somit ging das kurze Aufwachsen und die Trennung für ein paar Jahre ohne Probleme ineinander über. Meine Oma war eine kluge Dame die selbst im Kindesalter ihre Eltern durch Krankheit verloren hatte. Damit verbunden, mit ihrem Bruder zusammen, auch noch Haus und Hof. Zwei ledige Tanten hatten die Waisenkinder aufgenommen und ihnen später das Land, welches sie besaßen vermacht. Dadurch sagte sie immer wieder den Spruch: „was zu einem gehört, kann man nicht verlieren. Was zu einem gehört, findet den Weg zu einem.“ Dieser Satz sollte mich ein Leben lang begleiten. 

Zudem hatte sie als junges Mädchen zwei Weltkriege durchlebt und sieben Kinder geboren. Davon starben zwei im Kindesalter, zwei davon erlitten schwere Unfälle im Straßenverkehr und mein Vater verlies nach der Militärzeit sein Heimatort für immer und zog nach Deutschland, wo er bis ins hohe Alter blieb und auch in Deutschland verstarb. Die zwei Mädchen eine davon heiratete und eine blieb ledig. Bei dieser ledigen Tante wuchs ich auf.

Meine Großmutter hatte, obwohl sie ihr Hab und Gut verloren hatte, vieles wieder zurück bekommen können. Sie besuchte in der Stadt eine höhere Schule und bildete sich im örtlichen Kloster in Latein weiter. So konnte sie sich in der Farbenlehre und im bedrucken von Keramikkacheln spezialisieren und fand eine Anstellung in der Textilmanufaktur, bei welcher ihr Bruder und später mein Vater eine Anstellung fanden. Dort lernte sie die Liebe ihres Lebens kennen. Bereits weit über zwanzig und für die damalige Zeit viel zu alt für die Ehe heiratete sie meinen Opa. Er war fünf Jahre jünger als sie und zwei Köpfe kleiner. Sie eine rassige Grand Dame hochgewachsen schon fast aristokratisch durch ihre Bewegungen. So war mein Opa zart, hellhäutig und hatte die Augenfarbe des Meeres. 

Das ungleiche Paar fiel auf, aber nicht wegen ihres unterschiedlichen Aussehens, sondern wegen ihrer liebevollen Art miteinander umzugehen.

Er nannte meine Oma liebevoll mio Amore und sie erwiderte es mit einem stillen Nicken.

Mein Opa kam aus bescheidenen Verhältnissen und hatte sich durch die Auslandsarbeit in Nordafrika, bei der er als Abgesandter einer italienischen Gasflaschen Fabrik arbeitete eine gute Grundlage für seine weitere Existenz geschaffen. 

Nach ein paar Jahren Ausland fand er dann eine Anstellung in der Textilfirma, bei welcher er meine Oma kennenlernte.

Meine Oma und Ihr Bruder arbeiteten schon ein paar Jahre in dieser Firma. Denn sie waren durch ihre Farbkenntnisse und dem Textildruck Fachkräfte.

Ihre Vorfahren produzierten und entwickelten seit je her schon Farben aus Rinde, Früchten, Pflanzen und vor allem aus Beigaben der Sepia Tinte. 

Die Rezepturen dazu wurden in einem hölzernen Wandschrank in der ehemaligen Küche aufbewahrt. Dieser wurde nicht abgeschlossen, denn mit den Notizen konnte keiner was anfangen. Es war zwar für jede Farbe die richtigen Zutaten und sogar die Mengenangaben aufgeführt. Das allein nützte aber nichts, denn zur richtigen Farbherstellung und dessen Brillanz, braucht es auch die richtige Temperaturfeuchte. Daher spielen viele Faktoren zusammen, um diesen schönen Farben den richtigen Schliff zu geben, wie bei einem Brillanten.

Dies waren sehr oft die Gespräche bei den Spaziergängen mit meiner Oma und mein Opa am heimatlichen Strand.

Außerdem fügte Oma immer hinzu, dass sie ein ganz persönlichen und natürlichen Leibwächter rund ums Haus hätte. Man würde die Viper nicht sehen, aber den Unterschied zu den anderen Kriechtieren könne man bemerken. Da es bekannt war, dass in dieser feuchten Gegend viele dieser mystischen Tiere sind, überlegte ein Einbrecher zweimal, ob er es wagt, in das Haus einzubrechen und es auszurauben.

Eine falsche Bewegung oder Schritt durch einen Schlangenbiss und man war sofort tot. 

Jahre später hatte ich aus Scherz, weil mich die Warnschilder der Deutschen mit dem Schäferhund und „hier Wache ich“, so gut gefallen hatten, für meinen Opa ein Schild mit einer Schlange mit dem gleichen Spruch gebastelt . Mein Opa hing es stolz an den Eingang des Gartens.

Bei unseren Gesprächen entlang des Strandes, schauten wir immer wieder fasziniert auf das glitzern des Meeres.

Selbst der Sand mit den klitzekleinen Sandkörner glitzerten mit dem Meereswasser um die Wette.

Ich lebte in einer echten Glimmer Welt, dass durch die Liebe von Oma und Opas unterstrichen wurde und wenn sich ihre Augen begegneten sprühte es Funken.

Als ich auf das Meer hinaus schaute, in diese einzigartige Bilderbuch Atmosphäre, bei welchem eine Handvoll Kinder mit ihren Optimisten das segeln übten und Yachten und andere Boote draußen auf dem Meer sich sanft bewegten und sich in der Sonne spiegelten, spürte ich in diesem Moment, dass ich niemals in dieser Stadt wohnen und bleiben würde. Zumal ich die Nacht davor einen seltsamen Traum hatte. Ich träumte, dass mein Vater das Auto fertig gepackt hatte und wir alle eingestiegen sind. Beim losfahren schaltete er nicht in den ersten Gang, sondern in den Rückwärtsgang, dabei wachte ich auf.

Der Traum bewahrheitete sich und ich kehrte nie wieder zum Wohnen in meine Heimatstadt Salerno zurück.

Fortsetzung folgt…