Nun folgten die Tage an denen ich mit Oma, Opa und Tante in Salerno verbrachte.
Es waren die drei Personen die mein Leben geprägt haben.
Knapp als einjährige wurde ich nach Salerno von meinem Vater zu meinen Verwandten gebracht.
Ich hatte dort eine unbeschwerte und freie Kindheit.
Den ich konnte mich in diesem Alter nicht an diese Trennung erinnern. Somit ging das kurze Aufwachsen und die Trennung für ein paar Jahre ohne Probleme ineinander über. Meine Oma war eine kluge Dame die selbst im Kindesalter ihre Eltern durch Krankheit verloren hatte. Damit verbunden, mit ihrem Bruder zusammen, auch noch Haus und Hof. Zwei ledige Tanten hatten die Waisenkinder aufgenommen und ihnen später das Land, welches sie besaßen vermacht. Dadurch sagte sie immer wieder den Spruch: „was zu einem gehört, kann man nicht verlieren. Was zu einem gehört, findet den Weg zu einem.“ Dieser Satz sollte mich ein Leben lang begleiten.
Zudem hatte sie als junges Mädchen zwei Weltkriege durchlebt und sieben Kinder geboren. Davon starben zwei im Kindesalter, zwei davon erlitten schwere Unfälle im Straßenverkehr und mein Vater verlies nach der Militärzeit sein Heimatort für immer und zog nach Deutschland, wo er bis ins hohe Alter blieb und auch in Deutschland verstarb. Die zwei Mädchen eine davon heiratete und eine blieb ledig. Bei dieser ledigen Tante wuchs ich auf.
Meine Großmutter hatte, obwohl sie ihr Hab und Gut verloren hatte, vieles wieder zurück bekommen können. Sie besuchte in der Stadt eine höhere Schule und bildete sich im örtlichen Kloster in Latein weiter. So konnte sie sich in der Farbenlehre und im bedrucken von Keramikkacheln spezialisieren und fand eine Anstellung in der Textilmanufaktur, bei welcher ihr Bruder und später mein Vater eine Anstellung fanden. Dort lernte sie die Liebe ihres Lebens kennen. Bereits weit über zwanzig und für die damalige Zeit viel zu alt für die Ehe heiratete sie meinen Opa. Er war fünf Jahre jünger als sie und zwei Köpfe kleiner. Sie eine rassige Grand Dame hochgewachsen schon fast aristokratisch durch ihre Bewegungen. So war mein Opa zart, hellhäutig und hatte die Augenfarbe des Meeres.
Das ungleiche Paar fiel auf, aber nicht wegen ihres unterschiedlichen Aussehens, sondern wegen ihrer liebevollen Art miteinander umzugehen.
Er nannte meine Oma liebevoll mio Amore und sie erwiderte es mit einem stillen Nicken.
Mein Opa kam aus bescheidenen Verhältnissen und hatte sich durch die Auslandsarbeit in Nordafrika, bei der er als Abgesandter einer italienischen Gasflaschen Fabrik arbeitete eine gute Grundlage für seine weitere Existenz geschaffen.
Nach ein paar Jahren Ausland fand er dann eine Anstellung in der Textilfirma, bei welcher er meine Oma kennenlernte.
Meine Oma und Ihr Bruder arbeiteten schon ein paar Jahre in dieser Firma. Denn sie waren durch ihre Farbkenntnisse und dem Textildruck Fachkräfte.
Ihre Vorfahren produzierten und entwickelten seit je her schon Farben aus Rinde, Früchten, Pflanzen und vor allem aus Beigaben der Sepia Tinte.
Die Rezepturen dazu wurden in einem hölzernen Wandschrank in der ehemaligen Küche aufbewahrt. Dieser wurde nicht abgeschlossen, denn mit den Notizen konnte keiner was anfangen. Es war zwar für jede Farbe die richtigen Zutaten und sogar die Mengenangaben aufgeführt. Das allein nützte aber nichts, denn zur richtigen Farbherstellung und dessen Brillanz, braucht es auch die richtige Temperaturfeuchte. Daher spielen viele Faktoren zusammen, um diesen schönen Farben den richtigen Schliff zu geben, wie bei einem Brillanten.
Dies waren sehr oft die Gespräche bei den Spaziergängen mit meiner Oma und mein Opa am heimatlichen Strand.
Außerdem fügte Oma immer hinzu, dass sie ein ganz persönlichen und natürlichen Leibwächter rund ums Haus hätte. Man würde die Viper nicht sehen, aber den Unterschied zu den anderen Kriechtieren könne man bemerken. Da es bekannt war, dass in dieser feuchten Gegend viele dieser mystischen Tiere sind, überlegte ein Einbrecher zweimal, ob er es wagt, in das Haus einzubrechen und es auszurauben.
Eine falsche Bewegung oder Schritt durch einen Schlangenbiss und man war sofort tot.
Jahre später hatte ich aus Scherz, weil mich die Warnschilder der Deutschen mit dem Schäferhund und „hier Wache ich“, so gut gefallen hatten, für meinen Opa ein Schild mit einer Schlange mit dem gleichen Spruch gebastelt . Mein Opa hing es stolz an den Eingang des Gartens.
Bei unseren Gesprächen entlang des Strandes, schauten wir immer wieder fasziniert auf das glitzern des Meeres.
Selbst der Sand mit den klitzekleinen Sandkörner glitzerten mit dem Meereswasser um die Wette.
Ich lebte in einer echten Glimmer Welt, dass durch die Liebe von Oma und Opas unterstrichen wurde und wenn sich ihre Augen begegneten sprühte es Funken.
Als ich auf das Meer hinaus schaute, in diese einzigartige Bilderbuch Atmosphäre, bei welchem eine Handvoll Kinder mit ihren Optimisten das segeln übten und Yachten und andere Boote draußen auf dem Meer sich sanft bewegten und sich in der Sonne spiegelten, spürte ich in diesem Moment, dass ich niemals in dieser Stadt wohnen und bleiben würde. Zumal ich die Nacht davor einen seltsamen Traum hatte. Ich träumte, dass mein Vater das Auto fertig gepackt hatte und wir alle eingestiegen sind. Beim losfahren schaltete er nicht in den ersten Gang, sondern in den Rückwärtsgang, dabei wachte ich auf.
Der Traum bewahrheitete sich und ich kehrte nie wieder zum Wohnen in meine Heimatstadt Salerno zurück.
Fortsetzung folgt…
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