Afrikakunde

Hubertus Knabe, der Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die sich redlich müht, die “zweite deutsche Diktatur” mindestens so schlecht aussehen zu lassen wie die andere, käme wohl nicht einmal in einem Alptraum auf die Idee, sich ein T-Shirt mit dem Schriftzug “CCCP” überzustreifen, um damit Besucher durch seine Gedenkstätte zu führen und ihnen von den Schrecknissen der DDR zu erzählen.

Und weil das nie passieren wird, wird man von Hubertus Knabe auch nie hören, er habe mit einem solchen T-Shirt doch nur daran erinnern wollen, daß er in seiner Jugend begeistert der Musik der Band CCCP gelauscht habe. Selbst wenn er tatsächlich ein Anhänger diese Band gewesen sein sollte, wüßte er, daß der Schriftzug weniger mit Musik assoziiert wird als mit einem, wie man wohl so sagt, Unrechtsregime.

Volkhard Knigge leitet die Gedenkstätte in Buchenwald und traf vor zwei Jahren sich mit Tuvia Tenenbom, der im Auftrag des Rowohlt-Verlags gerade Deutschland bereiste und ein Buch über seine Abenteuer schreiben sollte, das Rowohlt dann aber nicht mehr veröffentlichen wollte. Nun hat Suhrkamp das Buch publiziert. Und Volkhard Knigge ist unglücklich, darf er doch auch in der deutschen Fassung noch mitwirken.

“Herr Tenenbom hatte eine Brille auf, die er nicht absetzen wollte: Er wollte seine Vorurteile bestätigt wissen. Als er begann, mir das Wort im Mund umzudrehen, war Schluss. Dann habe ich nur noch übers Wetter geredet.”

Und über eine Bar in der israelischen Hauptstadt Jerusalem. Die heißt Uganda und wird von verschiedenen Reiseführern übereinstimmend als Treffpunkt eines Milieus beschrieben, das nicht nur ziemlich genau weiß, weshalb die Bar ihren Namen trägt, sondern auch sonst eher mit jenen sympathisiert, die die jüdische Demokratie lieber gestern als morgen ausgelöscht sehen:

“Much like the nation after which it’s named, Uganda sympathizes with the Palestinian plight, and it’s your best bet for finding shaggy American ISM volunteers fighting against oppression one Taybeh at a time.”

“The British government once floated the idea of establishing the Jewish state in Uganda rather than politically volatile Ottoman Palestine. It came to naught, but a century or so later Uganda established itself in the Jewish state…or at least a hip cafe/bar/record store/comics shop called Uganda did.”

Volkhard Knigge gefiel das Uganda so gut, daß er sich ein Fan-T-Hemdchen kaufte, das er offenbar nicht ungern trägt, wenn er Gästen erklärt, was in Buchenwald von Deutschen angerichtet wurde. Das fiel Tuvia Tenenbom auf, und er schrieb es nieder. Denn er “hatte eine Brille auf, die er nicht absetzen wollte: Er wollte seine Vorurteile bestätigt wissen”. Dabei ist Volkhard Knigge – unschuldig:

“The Uganda Bar is an establishment which presents artistic events and is very popular among young Israelis. I enjoyed going to that bar with my Israeli wife of many years, who is herself an artist. [T]hey serve good humous there and play interesting music. [..]

Mr. Tenenbom reproduces the conversations he held with me and the head of the memorial education department in distorted form. I never at any time said that Jews should have been settled in Uganda. Nor is the T-shirt from the Uganda Bar in Jerusalem a propaganda T-shirt [..].”

“Ich will die Gräueltaten nicht schmälern”, gibt der Gedenkstättenleiter auch zu Protokoll, “aber Buchenwald war kein Vernichtungslager.” Sondern nur “am Ende des Krieges [..] das größte KZ im Deutschen Reich. Über 56.000 Menschen sterben an Folter, medizinischen Experimenten und Auszehrung. In einer eigens errichteten Tötungsanlage werden über 8000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen.”

Mit der gezielten Vernichtung menschlichen Lebens hat das aber gewiß nichts zu tun.

Tuvia Tenebom regt an, Volkhard Knigge abzulösen. Keine schlechte Idee.

tw24

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..