Archäologie und Bauforschung
Die ehemalige Stiftskirche war von 1994 bis 1998 Schauplatz einer großangelegten Renovierung, die durch wachsende Feuchtigkeitsschäden an Fresken und Innenausstattung notwendig wurde.
Die Trockenlegungsarbeiten erforderten vorausgehende archäologische Untersuchungen, die ab Februar 1995 durch die Abteilung für Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes unter der Leitung von AR Johann Offenberger durchgeführt wurden. Ergraben wurde dabei beinahe die gesamte Innenfläche der Kirche und ein unterschiedlich breiter Streifen des daran anschließenden Außenbereichs.
Durch die Grabungsergebnisse kann die Entwicklungsgeschichte von der Zeit vor der Besiedlung / Rodung über die Entstehung der ersten Kirche und des Klosters mit allen Ausbaustufen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nachvollzogen werden.
Der spätere Bauplatz von Kirche und Kloster lag an den Ausläufern eines Hanges, der nach Westen zu in eine sumpfige Senke überging. Ein kleiner befestigter Bach floss entlang des Hanges, die Ufer waren ebenso wie die Senke mit einem lichten Auwald bestanden, dessen Wurzelstöcke am gesamten Grabungsgelände aufgefunden wurden. Eine Holzkohle- Aschenschicht zeigte die Brandrodung des Platzes an.
An diesem gerodeten Platz wurde über dem ältesten Siedlungs- und Bestattungshorizont eine erste Steinkirche erbaut, die wohl bereits vor der Gründung des Klosters bestand und als erste provisorische Klosterkirche adaptiert und durch ein Seitenschiff erweitert wurde. Ein Plankenweg durchquerte östlich der Kirche nahe dem Bächlein die sumpfige Senke.
Bei der Errichtung des großzügigen romanischen Neubaus, einer dreischiffigen Pfeilerbasilika, blieb die Südwand der ersten Kirche bestehen, da daran bereits Kreuzgang und Kloster angebaut worden waren. Von den Fußböden hat sich unter anderem ein qualitätsvolles Ziegelmosaik erhalten und es konnten verschiedenste ornamentierte Bodenfliesen geborgen werden.
Freigelegt wurden inner- und außerhalb der Kirche über 300 Bestattungen, die von Anthropologen des Instituts für Humanbiologie der Universität Wien untersucht worden sind. Die Geschlechts- und Altersbestimmungen liegen bereits vor. Von den Auswertungen in Zusammenschau mit dem archäologischen Befund sowie den Beigaben und Trachtbestandteilen sind besonders interessante Ergebnisse zu erwarten.
Der feuchte Untergrund begünstigte die Erhaltung organischen Materials, so sind Reste von Holzsärgen unterschiedlicher Machart aufgefunden worden, die unsere Kenntnis der Bestattungssitten erweitern, aber auch Aufschluss über Art und Qualität der Holzbearbeitung geben. Als spektakulärster Holzgegenstand wurde in einem Grab im Mittelschiff der Kirche ein Abtstab, eine sogenannte „Krümme“ aufgefunden, ein äußerst seltener und für Österreich einmaliger Fund.
Die Holzproben werden an der Universität für Bodenkultur bestimmt, dendrochronologische Untersuchungen (Altersbestimmung durch Jahrringmuster) erlauben im günstigsten Fall eine jahrgenaue Datierung der Hölzer.
Die Bedeutung der Kleinmariazeller Befunde für die Klosterforschung in Mitteleuropa sind kaum hoch genug einzuschätzen. Eine derart umfassende archäologische Ausgrabung einer Klosterkirche und Teilen des anschließenden Klosterbereichs ist in Österreich einmalig und auch im gesamten deutschen Sprachraum nur sehr selten durchgeführt worden.
Gegenständlicher Teilbereich wird sich folgenden Schwerpunkten widmen:
1. Aufarbeitung der Grabungsdokumentation (bisher nicht erfolgt) und Übertragung in digitale Systeme
2. Bauforschung vorhandener und nicht mehr vorhandener (abgerissenes Klostergebäude) Bausubstanz
3. Erfassung und Digitalisierung der gefundenen und noch verbauten Spolien
4. Georadarmessungen in Bereichen, wo Grabungen nicht erfolgt sind und derzeit nicht mögich sind, speziell im Bereich der abgerissenen Pfarrkirche St. Thomas und der Michaelskapelle
BearbeiterInnen: Marina Kaltenegger, Michaela Zorko, Iris Winkelbauer, Gabor Tarcsay
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Administratorin (10. Januar 2015). Archäologie und Bauforschung. MCellA. Abgerufen am 26. Juli 2026 von https://mcella.hypotheses.org/53

