Barbara Schedl: Inhaltliche Zusammenfassung des Meetings der Arbeitsgruppe “MCellA 12. und 13. Jhdt.“
„Wir sind in einer Zeit [Anm: frühes 12. Jh.], in der die viele Dinge, die uns vertraut sind, erst im Werden sind“ Karl Brunner
Vorstellung der einzelnen Themenbereiche durch die jeweiligen BearbeiterInnen. Im Zuge dessen eröffnen sich neue Fragen und Diskussionen, die in eine künftige Publikation einfließen sollen.
Eröffnung der Diskussion aus Sicht der Kunst- Architekturgeschichte von Barbara Schedl
Im 19. Jhdt. erste Versuche sich mit der Anlage aus kunst- und architekturhistorischer Perspektive zu beschäftigen – auffallend sind die Portale an der Westseite (Eingang in Kirche) und an der Nordseite, die mit reichem Baudekor versehen sind und dem Riesentor von St. Stephan sehr ähnlich sind. In der kunstwissenschaftlichen Forschung werden fortan folgende Positionen zum Bauprozess bzw. zur Entstehung der Anlage festgemacht, wobei man sich bei der Datierung an der historischen Forschung orientiert:
- Kirchenbau wurde im 12. Jhdt. errichtet.
- Im 13. Jhdt. gab es Veränderungen, was entweder mit den Zerstörungen durch die Kumanen (1252) bzw. mit der Vergünstigung Herzog Friedrichs II. in Verbindung zu bringen ist. Zu den Veränderungen der Anlage zählen die Errichtung der beiden auffallenden Portale sowie der Ausbau des Kreuzganges (aus Stein) mit Kapitelsaal.
Nicht beachtet wurde in der kunsthistorischen Aufarbeitung der Klosteranlage bislang:
- Die Topographie und Baupraxis wie z.B. Beschaffung von Baumaterial (vorhandene Bausubstanz; Steinbruch; Steintransport; Bauholz), Finanzierung; Bauherren.
- Der gesamte Klosterkomplex (auch in Bezug zur Regula Benedicti); Klosterkirche mit Kreuzgang und Anbauten (bedeutende Infirmarie) sowie der Komplex Pfarrkirche und Karner. Daraus kann man die Nutzergruppen (Mönche / Novizen / Frauen / Personal / Gönner & Stifter) ablesen und Fragen zu Motivation und Funktion der Klosteranlage ablesen.
- Die Baunachrichten z.B. Mariazeller Nekrolog; 1283 „Ulrich Infirmarius“ oder Chronicon Claustro-Neoburgensis.
- Das zeitgleich errichtete Zisterzienserkloster Heiligenkreuz im Vergleich. Auch wenn es sich hier um eine andere Klientel handelt, gestaltet sich der Bauprozess ähnlich. (Beschaffung des Baumaterials; schrittweiser Ausbau der Anlage im 12. und 13. Jahrhundert).
- Warum wurden Gebäude umgebaut oder ausgebaut? Welche Personen stecken dahinter?
- Welche Altäre und Kapellen gibt es im Kloster und welchen Zweck haben sie?
- Politik der Portale: an wen wenden sie sich?
Archäologischer Befund:
Fundmaterial geht in Gründungszeit bzw. Hinweise auf Besiedelung vor Klostergründung; zahlreiche Bestattungen; Reste von Rodungen; Mauerfundamente lassen unterschiedliche Vorgängerbauten vermuten. (Marina Kaltenegger, Iris Winkelbauer)
Wahl des Ortes:
- Alpenostrand und Wiener Wald > Rodungsgebiet des 12. Jahrhunderts;
- Besitzgeschichtlich interessant; unterschiedliche Interessensgruppen; Vergabemodus von Grundstücken durch den Landesfürsten an Ministerialien (z.B. Gebiet Baden);
- (Klein-)Mariazell > Nähe zu Wien, aber doch zu weit entfernt (Wien wird für die Babenberger 1137 interessant = Mautener Tauschvertrag); wichtige Zentren: Klosterneuburg; Baden und Umgebung (Mühlbach); Mödling;
- Erschließung des Gebiets Richtung Süden (Wege in den Süden besonders wichtig als Steiermark definitiv babenbergisch wird, 1186) Piestingtal – Zentrum Burg Starhemberg; Starhemberg halber Tagesritt nach Wiener Neustadt;
- Erschließung des Gebiets Richtung Westen: Ausgehend von landesfürstlichen Zentren Mödling / Baden – halber Tagesritt zum Zisterzienserkloster Heiligenkreuz dann ein Tagesritt Altenmarkt / Kleinmariazell > Entwicklung eines neuen West – Ostweges im 13. Jahrhundert Erzberg wird wichtig;
- Rodung schrittweise in eine Richtung – Gründung des Zisterzienserklosters Lilienfeld durch Leopold VI. (1202);
- „Altenmarkt“ > Alter Markt od. „Alte March“=“Alte Grenze“;
- Kloster entsteht am Rande des landesfürstlichen Besitzes (Waldes).
Handelnde Personen:
Welche Adelsgruppen haben das Sagen? Wer hat den wirtschaftlichen Background? Über Grundherrschaften generell wenig bekannt; heterogene Herrschaftsbildung:
- Haderiche (lockere Verbindung zum Landesfürsten); Heinrich und Rapoto (von Schwarzenburg-Nöstach), Söhne des Haderich (bis 1113 nachweisbar);
- Lengenbacher (Baden, Leesdorf);
- Heidenreich und Meinhard von Inzersdorf;
- Formbach-Lengenbacher im Gebiet Gloggnitz (aber auch auf Burg Starhemberg);
- Ida von Formbach > 1. Ehe mit Haderich (?) und 2. Ehe mit Leopold II
> Tochter ist Gebirg (Nonne im Kloster Göttweig); - Klostergemeinschaft Göttweig; Verbindung durch Nekrologe aufgezeigt;
- Agnes – Besitz in Baden – „Haderich-Stiftung“ bleibt stecken; Landesfürst hilft nach.
Ausstattungsgut:
Pfarrorganisation und Eigenkirchen: keine starren Regelungen oder Vergabe- und Gründungsrichtlinien durch Bischof oder sonstige Würdenträger d.h. Niederkirchenwesen erst ausverhandelt; ebenso Pfarrrechte und Zehentabgaben.
Es scheint, dass selbständige Kirchengründungen durch Herrn (Grundherren) die Regel waren und pragmatisch gelöst wurden.
Fundamentale neue Erkenntnisse durch Rudolf Maurer bezüglich der Besitzungen des Klosters in Baden.
Gründungsmotivation
- Warum schafft man ein geistiges Zentrum?
- Allgemein Klostergründungsexplosion im 12. Jahrhundert.
- Aufgrund der Lage (Erschließung von neuen Durchzugsstraßen Richtung Westen und Süden) > Kloster Kleinmariazell wichtiger Verkehrsstützpunkt;
- Entwicklung des Klosters am Rand des Waldes stecken geblieben?
Wahl des Ordens
Benediktinerorden weniger elitär wie Zisterzienser; reformierte Benediktiner sprechen andere Klientel an. (Zisterzienserklöster im 13. Jahrhundert Babenberger Grablegen).
Rolle Göttweigs bei der Besiedelung (Konverse Heinrich, Abt Nanzo im Mariazeller Nekrolog).
Name „Azelinus“ (=Gründungsabt) in Göttweiger Urkunden. Zusammenhang?
Wahl des Patroziniums
Gibt Hinweis auf Gründungsmotivation / Funktionsträger; ebenso Heiligenverehrung in Klosterliturgie.
Patrozinium „St. Pankraz“ wichtiger Ritterheiliger; (Pankraziburg); kommt bei babenbergischen Gründungen immer wieder vor (Wien, „Am Hof“).
Pankraz spielt in Klosterliturgie von Kleinmariazell eine wichtige Rolle (Missale).
Weitere Heilige bzw. Heiligenfeste, die im Kloster begangen wurden aus Schriftquellen (z.B. Achatiuskapelle im Kloster; Kirchweihfest, etc.).
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Administratorin (25. Juni 2016). Barbara Schedl: Inhaltliche Zusammenfassung des Meetings der Arbeitsgruppe “MCellA 12. und 13. Jhdt.“. MCellA. Abgerufen am 26. Juli 2026 von https://mcella.hypotheses.org/357

