Martin Compart


DIE HYBRIDE „MOUNTIE NOIR“ DES MICHAEL SLADE 3/ by Martin Compart
9. Februar 2026, 4:33 pm
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  1. Ghoul (1987)

Ein Krimineller entführt Kinder und hält sie in einem unterirdischen Labyrinth gefangen.

Sehr düster. Einer der beklommensten und horror-lastigsten Romane der Serie,  von der Horror Writers Association zu einem der 40 besten Horrorromane aller Zeiten gewählt, und von der „A to Z Encyclopedia of Serial Killers“ (Simon & Schuster, 1997) neben „Das Schweigen der Lämmer“ und „Psycho“ als einer der besten Romane genannt.

Richard Covell verließ das Slade-Team bevor das „Ghoul“ -Projekt begann, und Lee Clarke übernahm seinen Platz.

Als eingefleischter Hard-Rock-Fan machte Jay Clarke Heavy Metal zu einem zentralen Thema von „Ghoul“ und benannte mehrere Kapitel nach Bands wie Twisted Sister, Iron Maiden usw.

MS: „Die Arbeit an  GHOUL entfachte eine Pilgerreise nach Providence, Rhode Island, wo mich Lovecraft-Experten zu den realen Schauplätzen seiner Horrorgeschichten führten und mich auf einem Grabstein auf dem Friedhof von St. John’s platzierten, wo der Legende nach sowohl Poe als auch Lovecraft vor mir gesessen haben sollen. Dort verbrachte ich die Nacht damit, im Mondlicht Notizen zu machen, und als am nächsten Morgen die Sonne aufging, hatte ich die Handlung meines ghostwriten-Romans.“

  1. Cutthroat (1992)

Die Jagd nach einem raffinierten Killer führt Special X zu einem Konzern, der bizarre Genexperimente durchführt, zu einer finsteren chinesischen Familie mit einer jahrhundertealten Obsession und schließlich zum Geheimnis der Ursprünge der Menschheit.
Von den dunkelsten Abgründen der Vergangenheit bis zur modernsten Technologie, von Custers letzter Schlacht bis zur Verbotenen Stadt in China – ein kaltblütiger Attentäter lockt die Royal Canadian Mounted Police und das FBI in die eisbedeckten Rocky Mountains zu einem Showdown.

 

  1. Ripper (1994)

Ein moderner Nachahmer von Jack the Ripper terrorisiert London, eine Hommage an den Ripper-Mythos.

RIPPER war Michael Slades erster locked-room-Thriller und somit auch eine Verbeugung vor seinem Idol John Dickson Carr.

 

Inspektor Zinc Chandler war Mitglied von Special X, wurde jedoch während der Ereignisse in „ Cutthroat “ (1992) durch einen Kopfschuss schwer verletzt und war infolgedessen mehrere Jahre außer Gefecht gesetzt. Leider zögern die Vorgesetzten, ihn wieder in die Einheit aufzunehmen.

 

RIPPER hatte seinen Ursprung in einer Jugendreise nach London, die durch spätere Besuche verstärkt und erweitert wurde.

Michael Slade erreicht mit RIPPER, einem schizophrenen Thriller, der die Grenzen zwischen Horror und Krimi verwischt, seinen Höhepunkt. Auf der einen Seite begehen zwei Wahnsinnige Hexenmorde und arrangieren ihre Opfer nach einem ausgeklügelten Plan, der das Werk von Jack the Ripper ein Jahrhundert später fortsetzt. Auf der anderen Seite verwandelt sich ein Schriftstellerkongress in einen Whodunit mit verschlossenen Räumen und selbstauslösenden Todesvorrichtungen. Jede Seite ist fesselnd und voller kriminologischer und okkulter Recherchen. Absolut lesenswert.“ – Time Out (London)

 

 

  1. Zombie (Evil Eye), 1996

Ein wahnsinniger Polizistenmörder, der die Royal Canadian Mounted Police auslöschen will.
Die letzte Zulu-Schlacht bei Rorke’s Drift im Afrika des 19. Jahrhunderts.
Ein unschuldiger Mountie, der wegen Mordes vor Gericht steht – ein Fall voller verborgener Motive.
Ein Neonazi-Skinhead, verfolgt von animierten Skeletten.
Ein Selbstmordattentäter auf einem Schiff, auf dem der Red Serge Ball der Mounties stattfindet .
Zwei skrupellose Söldner, die Inspektor Zinc Chandler in der afrikanischen Wildnis jagen.
Mehr kann man kaum verlagern als Slade-Fan!
Welcher dünne rote Faden aus dem Herzen der Finsternis verbindet diese Kette aus Mysterien, Chaos und Wahnsinn?

„Beinahe-Begegnungen mit einem Löwen, einer Speikobra und einem Krokodil auf Safari in Simbabwe und im Okavango-Delta in Botswana inspirierten  ZOMBIE (auch bekannt als EVIL EYE).“

„Warum schreiben Sie nicht über das Übernatürliche?“, wurde Slade schon oft gefragt. Seine Antwort lautet: „Doch, tue ich. Psychose ist per Definition ein Realitätsverlust. Definiert ein Realitätsverlust nicht auch das Übernatürliche? Durch die Augen eines wahnsinnigen Mörders, der seine Fantasie in der realen Welt auslebt, kann ich über jeden Aspekt des Übernatürlichen schreiben. Und es ist glaubwürdig.“

 

  1. Primal Scream (1998))

PRIMAL SCREAM beginnt mit einem Schusswechsel zwischen heutigen Mounties und indigenen Aktivisten, die ein Stück heiliges Land um den Totem Lake im Norden von British Columbia besetzt haben, um den Sonnentanz wiederzubeleben. Während er den Kugeln ausweicht, entdeckt einer der Polizisten die von Pfeilen durchsiebte Leiche eines kopflosen Mannes, der unter dem Eis eingefroren ist.

Winterman Snow – ein Albino-Indianer und psychopathischer Bogenschütze – ist wütend über den kulturellen und sexuellen Missbrauch, den er in seiner Jugend in einem staatlichem Indianer-Internat erlitten hat, und begibt sich auf die Jagd.

Intelligent aufgebaut, mit einem faszinierenden wissenschaftlichen Hintergrund. Und natürlich ein böser Kommentar zu einer Schande der kanadischen Geschichte.

 

7.Burnt Bones (1999)

Robert DeClercq hat in seiner Laufbahn schon unzählige Psychopathen bekämpft. Doch keiner ist so kaltblütig und diabolisch wie Mephisto.

Mephisto sendet DeClercq aus dem Cyberspace seine tödliche Herausforderung. Irgendwo da draußen lauert ein höllisches Mastermind, ein sadistischer Psychopath, besessen vom Geheimnis um Stonehenge. Unterstützt von Donella, einer Femme fatale, ebenso verdorben wie er selbst, und einem Kult moderner, opferbereiter Druiden, benutzt Mephisto DeClercq als Schachfigur in seinem wahnsinnigen Bestreben, einen Schatz zu bergen. Gefangen in einem Wettlauf gegen den Tod, um einen Gefangenen vor dem grausamsten Tod zu bewahren, muss Special X mithilfe moderner Forensik verhindern, dass Mephisto die Geheimnisse der Vergangenheit nutzt, um eine zukünftige Hölle auf Erden zu erschaffen.

„Mephistos Partnerin Donella ist eine sinnliche Amazone mit der Zärtlichkeit einer Kobra. Mephistos dämonische Druiden sind unpersönliche Tötungsmaschinen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, Menschen in Weidenkäfigen lebendig zu verbrennen. Slades sorgfältige Recherche zum Geheimnis von Stonehenge ist hervorragend umgesetzt.“ – Island Tides

 

  1. Hangman (2000)

An Halloween öffnet eine Frau einem Kind mit einer Scream-Maske die Tür. Später wird sie erhängt aufgefunden, ein Bein fehlt.
Dann entdeckt man in Vancouver eine Leiche, der beide Beine fehlen.
Was diese Verbrechen verbindet, ist ein grausam mit dem Blut der Opfer gezeichnetes Galgenmännchen.

„Faszinierend. Die Recherchen über reale Henker sind geschickt in die temporeiche Geschichte eingewoben.“ – The Vancouver Sun

Ein politisch und ethisch aufgeladener Roman, der das Justizsystem hinterfragt. Kontrovers und hart; gespickt mit Anekdoten über Hinrichtungen im Laufe der Jahrhunderte.

Die Handlung von „Hangman“ ist in drei Abschnitte unterteilt. Zwei Ermittlungen, eine von den Detektiven und die andere von einem Anwalt, werden chronologisch erzählt. Die Morde dagegen in der Vergangenheitsform geschildert. Der Protagonist blickt also im Rückblick auf den Fall, während die Ermittlungen um ihn herum stattfinden.

„Hangman“ lädt den Leser zur aktiven Teilnahme an den Ermittlungen ein. Den Mörder zu finden, ist nur die eine Hälfte des Rätsels. Die andere Hälfte besteht darin, das Motiv zu ergründen.

Slades humorvolle Einlagen lockern die blutigen Szenen auf. Die Charakterentwicklung ist – wie immer – überzeugend.

 

  1. Death’s Door (2001)

Die Fotos an der Pinwand in Chief Superintendent Robert DeClercqs Büro zeigen chirurgisch verstümmelte Leichen, die an der Westküste auf den San Juan und Gulf Islands abgelegt wurden. Die Mounties von Special X und Sheriff-Deputy Jenna Bond aus San Juan County sehen sich Ungeheuern gegenüber, die menschliche Monster erschaffen.
Hinzu kommt die perfekt erhaltene ägyptische Mumie, die bei einem Raubüberfall in England gestohlen wurde, bei dem acht Wachleute ums Leben kamen. Wurde sie nach Vancouver geschmuggelt, als dabei zwei Zollbeamte erschossen wurden?

Inmitten dieser makabren Ereignisse treiben sich ein lokaler Pornokönig, ein Produzent von Snuff-Filmen auf Bestellung, ein nekrophiler Auftragskiller namens Undertaker und ein Schönheitschirurg alternder Hollywood-Stars herum.

Die größte Bedrohung geht jedoch wieder von Mephisto aus. Dieser Größenwahnsinnige will nicht nur DeClercq umbringen, sondern plant auch, die Welt abermals in den Abgrund zu treiben.

RCMP-Stabsfeldwebel Christine Wozney ist die zweite Polizistin aus der Realität, die Slade in einen Roman einbringt. Für Wozney, Leiterin der ViCLAS (Abteilung für die Analyse von Zusammenhängen zwischen Gewaltverbrechen) spiegeln die schaurigen Fantasien in Slades Thrillern nur allzu reale Ereignisse wider. Und sie muss es wissen: „Manchmal liest man bei Slade etwas und denkt: ‚Um Gottes Willen, so etwas tun die doch nicht wirklich, oder?‘ Ich kann Ihnen versichern: Doch, das tun sie.

 

  1. Bed of Nails (2003)

Die Zusammenarbeit mit Tochter Rebecca an „Bed of Nails“ markierte eine Rückkehr zur Thematik von Slades vierten Roman „Ripper“.

Ein Killer, der Folterwerkzeuge aus der Geschichte verwendet, und ein zweiter, der religiösen Martyrien nachahmt, zeigen abermals Slades Interesse an der historischen Folterforschung.

In „Bed of Nails“ plant „der Ripper“ Rache an Inspektor Zinc Chandler. Chandler muss tief in die Vergangenheit reisen, ins Jahr 1888, als London von Jack-the-Ripper terrorisiert wurde, und in die bizarre Welt von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos eintauchen.

Eine Verfolgungsjagd mit Schießereien in Vancouver und eine World Horror Convention in Seattle führen den Mountie zum Höhepunkt auf einer Kannibaleninsel im Südpazifik

„Ein packender Thriller mit rasanten Dialogen und beeindruckender Recherche. Ein wahrhaft mitreißendes Leseerlebnis – definitiv nichts für schwache Nerven.“ – CNN.com

Das Eintauchen in die Kannibalenhöhlen von Atiu auf den Cookinseln im Südpazifik, übersät mit Tausenden von menschlichen Knochen, bleibt im Gedächtnis.

  1. Swastika (2005)

… taucht in die Welt des Neonazi-Terrors und okkulter Nazi-Symbolik ein.

Ein finsterer, beunruhigend aktueller Roman. Politisch sehr drastisch.

Jay Clarke verknüpft die Kriegsaufzeichnungen seines Vaters (die er eigenen Angaben zufolge 2003 hinter einer falschen Wand im Wäscheschrank seiner Mutter fand) mit den Ereignissen dieses weitreichenden Thrillers, in dem ein wahnhafter „arischer“ Killer namens Swastika an der Westküste auftaucht und sich auf die Suche nach Hitlers Gold macht.

Und Slade schlachtet einen weiteren Mythos: „Von Brauns Kriegsvergangenheit war für die Nachkriegs-Raketenpläne des Pentagons ‚unbequem‘. Um die Nazi-Beschränkungen im Rahmen des Projekts Paperclip zu umgehen, wurde er daher mit Schönfärberei überzogen. Als ich Mitte der 1950er-Jahre ein Kind war, konnte man mit seiner Davy-Crockett-Waschbärfellmütze auf dem Boden sitzen und von Braun in den Disney-Fernsehserien sehen. Sein Entwurf für das Raumschiff in Tomorrowland basierte auf seiner V-2. Als er 1977 als amerikanischer ‚Held‘ starb, hatte ihm Präsident Ford eine Medaille verliehen… In den Jahren der McCarthy-Ära nach dem Krieg wurde von Braun entscheidend für den Sieg Amerikas im Wettrüsten. Also ließ das Pentagon seinen eigenen Eisernen Vorhang zwischen Nordhausen – dem Überlauflager – und den Tunneln der V-2-Fabrik Dora, weniger als acht Kilometer nördlich, fallen. Dora wurde aus der Geschichte getilgt, und die Vertuschung dauert bis heute an.

Die Szenen in Hitlers Bunker und der V2-Raketenfabrik sind so detailliert beschrieben, dass die Grenze zwischen historischer Realität und Fiktion verschwimmt.

Eine perfekte Mischung aus historischem Hintergrund, Polizeiarbeit und rasanter Action mit einer Prise Horror. Slades Geschick, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verweben, ist verblüffend. Fangen Sie SWASTIKA nur an, wenn Sie es auch zu Ende lesen können. Sie werden es nicht mehr aus der Hand legen wollen.“
– CrimeSpree Magazine

 

  1. Kamikaze (2006)

Genjo Tokuda – ein Kriegsverbrecher und Anführer einer japanischen Yakuza – wird zum Veteranenkongress des Pazifikkriegs nach Vancouver gelockt. Hauptredner ist ein Besatzungsmitglied jenes Flugzeugs, das die Atombombe auf Hiroshima abwarf und Tokudas gesamte Familie auslöschte.

Tokuda plant, den Bushido-Eid zu erfüllen, den er vor Jahren an den Ruinen des Hiroshima-Schreins seinen Vorfahren geschworen hat. Zuerst will er die Familie des Besatzungsmitglieds töten, dann den amerikanischen Flieger auf angemessen grausame Weise.

Wenn man als Kanadas Meister des Makabren gilt, ist es wirklich schwer, aus diesem Schema auszubrechen. Doch Michael Slade ist dies mit SWASTIKA und KAMIKAZE meisterhaft gelungen. Beide Bücher basieren auf den Kriegserlebnissen seiner Eltern in den europäischen und pazifischen Konflikten. Es sind beides Mainstream-Thriller, die im gewohnten Slade-Tempo rasant voranschreiten und erschreckend authentisch und grotesk vertraut wirken, da sie sich mit den Auswirkungen realitätsnaher historischer Verschwörungen auf unsere heutige Welt auseinandersetzen. Imitiert die Kunst das Leben, oder ist es umgekehrt? Wie dem auch sei, wir erleben hier einen virtuosen Ausbruch Slades in eine neue Dimension der Kreativität.“– Jack Whyte, Bestsellerautor der Camulod-Chroniken, der Templar-Trilogie und der Guardians-Reihe

 

  1. Crucified (2008)

Morde, die mit der Kreuzigung Jesu und biblischer Archäologie verbunden sind, bilden die Grundlage für diesen theologisch-mythologischer Roman.

„Crucified“ umspannt 2000 Jahre und ist eine weitere Verschwörungstheorie um den Vatikan. Er verknüpft den römischen Katholizismus mit einem hochrangigen Mitglied des Dritten Reichs.

Er schildert unmögliche Morde in geschlossenen Räumen (in einem Bomber und einem U-Boot). Da zeigt sich einmal mehr der Einfluss von John Dickson Carr, dem Großmeister der lockrf-room-Stories. Allerdings auf eine Weise, wie sie nur Slade entwickeln kann.

 

  1. Red Snow (2010)

Passend zu den Olympischen Winterspielen 2010 inszenierte Michael Slade ein wahres Spektakel aus Chaos und Mord. In seinem blutigen Thriller „Red Snow“ isolieren Söldner den Whistler Mountain und gefährden so die Olympischen Spiele. Slade lässt seinen Psychopathen Mephisto gegen die Spezialeinheit Special X der RCMP antreten um blutige, biochemische Rache nicht nur an den rechtschaffenen Special X-Beamten zu üben, sondern auch an den unglücklichen Besuchern, die zu den Olympischen Winterspielen nach Whistler, British Columbia, strömen.

„Man sprengt einfach die Straßen- und Schienenverbindungen an beiden Seiten von Whistler, fügt einen heftigen Schneesturm hinzu und lehnt sich zurück, um Mord und Chaos beginnen zu lassen.“

„Red Snow“ ist das dritte Auftreten seines tödlichen, soziopathischen, wahnsinnigen Narzissten Mephisto (das erste Mal in Burnt Bones von 1999, das zweite Mal in Death’s Door von 2001), dessen große Pläne zur Weltherrschaft von den überlebensgroßen kriminellen Drahtziehern in Ian Flemings James-Bond-Romanen und den klassischen geistreichen Antagonisten von Conan Doyle inspiriert sind.

Was Professor Moriarty für Sherlock Holmes ist, ist Mephisto für die Mounties von Special X“, sagt der Autor.

 



DIE HYBRIDE „MOUNTIE NOIR“ DES MICHAEL SLADE 2/ by Martin Compart
7. Januar 2026, 6:25 pm
Filed under: Conspiracy, Horror, Michael Slade, Noir, NOIR-KLASSIKER | Schlagwörter: , , , , ,

„Als ich ein Junge war, war die Jugendkultur größtenteils amerikanisch. Ich dachte, meine Flagge seien die Stars and Stripes. Um mich auf den rechten Weg zu bringen, tauchte mich meine Mutter in alles Spannende über die Mounties, Blackfoot, Cree und Kwakiutl ein und nahm mich jedes Jahr mit zur Calgary Stampede.

Meine erste Erinnerung – ich mache keine Witze – ist, wie ich im Sattel sitze, ein Mountie mich festhält und ich von Blackfoot-Häuptlingen umgeben bin, die in Hirschleder und Federhauben gekleidet sind.

Hollywood hat einen Namen für seine Hunderte von Mountie-Filmen: `Northerns´. Sie reichen zurück bis zu `Riders of the Plains´  der 1910 von der Edison Company gedreht wurde.

In den 1930er Jahren verfolgten amerikanische Radiohörer gebannt die Jagd der Mounties auf einen Polizistenmörder, den sogenannten Mad Trapper of Rat River, durch die Arktis. Danach folgten diverse amerikanische Comics wie Zane Greys `King of the Royal Mounted´ und die amerikanische Fernsehserie `Sergeant Preston of the Yukon´. Und so weiter.

Obwohl ich im Mountie-Subgenre schreibe, ist HEADHUNTER eher das Gegenteil von all dem stereotypischen, geradlinigen RCMP-Zeugs.“

Von Anfang an legte Clarke Wert auf die exakte Beschreibung der Polizeiarbeit und Dank seiner Kontakte als Strafverteidiger bekam er Unterstützung von der RCMP. Slade war häufig Gastredner auf internationalen Polizeikonferenzen und bei Regimentsessen der RCMP

Er selbst führt sein Interesse am police procedural aber auf seine lebenslange Liebe für Ed McBain zurück. Seine Faszination für das 87. Polizeirevier hatte in der Jugend begonnen.

„Den größten Einfluss auf mich hatten wohl die 55 Krimis der 87. Polizeiwache von McBain. Man kann ohne Übertreibung sagen: `Ohne Ed McBain gäbe es keinen Michael Slade´. Ich war 13, als ich McBains `Lady, Lady, I Did It!´ las, kurz nachdem Hitchcocks `Psycho´ in die Kinos kam. Ein Killer betritt eine Buchhandlung und ballert um sich, wobei er stöbernde Leser wie dich und mich niedermäht! Das Motiv war so abscheulich, die Reaktion der Polizei so rachsüchtig und die rätselhafte letzte Nachricht so haarsträubend, dass ich mir an die Stirn schlug und dachte: Warum habe ich das nicht kommen sehen? Dann habe ich gedacht: Eines Tages möchte ich so etwas schreiben.

Auch McBain lernte ich später kennen und korrespondierte mit ihm bis zu seinem Tod.“ (https://www.fearforever.com/art-books-music/interview-michael-slade-part-1/)

Über seine Schreib-Methoden sagt er:

Das Mantra der Schriftsteller lautet: Schreibe über das, was du kennst. Ich verfügte über reichlich Material aus meiner Familiengeschichte, um es in das zu verwandeln, was ich Mountie Noir nenne.

Wenn ich Kurse zum Schreiben von Thrillern gebe, lautet meine erste Frage an die Studenten: Was war das Schlimmste, das Ihnen je passiert ist? Und wie nutzen Sie das als Inspiration für Ihre fiktionalen Werke? Und das schlimmste Ereignis deines Lebens ruft naturgemäß deine stärksten Emotionen hervor. Selbst wenn du nur die Hälfte davon in deiner Geschichte einfängst, wird sie für die Leser dennoch authentisch und unverfälscht wirken.

Viel aufregender ist es, meine Geschichten selbst zu erleben, bevor ich sie aufschreibe. Deshalb fliege ich an einen fernen Ort, der meine Fantasie beflügelt, und begebe mich in Situationen – oft mit kalkulierter Gefahr –, um die daraus resultierenden Nervenkitzel zu erfahren und festzuhalten.“

„Die Arbeit als Strafverteidiger ist die ideale Vorbereitung auf das Schreiben von Thrillern. Jedes Verbrechen beginnt mit einem Motiv. Dieses Motiv bestimmt das Opfer, die Art der Tat und den Tatort, an dem Polizei, Forensiker und Profiler arbeiten müssen.

Ich bewundere Autoren, die ein Buch anfangen und nicht wissen, wohin die Reise geht. Ich würde wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch erleiden. Ich beginne mit dem Motiv und dem letzten Satz des Thrillers, bevor ich die Handlung von hinten nach vorne entwickle. Mein Entwurf umfasst in der Regel hundert Seiten, unterteilt in Kapitel.

Fast 40 Jahre sind seit der Erstveröffentlichung des ersten Romans vergangen, und eine erneute Lektüre und Neubewertung ist längst überfällig.
Einige Romane sind schlechter gealtert, bedingt durch den Wandel des Zeitgeschmacks. Dennoch ist es erstaunlich, wie gut Slade den Zeitgeist seiner Epoche trifft.

Obwohl „Headhunter“, „Ghoul“ und einige andere auch/oder gerne als Horrorromane hohes Ansehen genießen, handelt es sich im Grunde um Polizeithriller. Zweifellos würde ein Teil der Handlung in der heutigen Zeit nicht mehr funktionieren. In Vancouver der 80er-Jahre gab es weder DNA-Analysen noch Überwachungskameras oder Handys. Aber wer misst Hammett, Chandler, Buchan, Fleming oder Ambler an heutigen Realitätsbezügen?

Und wie spannend kann die Jagd nach einem Serienmörder noch sein, nachdem man Hunderte von Krimiserien und -filmen über Serienmörder gesehen hat, ganz zu schweigen von unzähligen Romanen? Und wie steht es mit dem Genre der forensischen Krimis und Profiler?

Tatsächlich kann Slade noch immer mithalten, und zwar in der Schwergewichtsklasse. Dank seiner zeitgeschichtlichen und historischen Bezüge, die sein Werk einzigartig machen. Komplexe Plots mit vielen Wendungen und Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sorgen für seine Alleinstellung im Genre. Es macht zusätzliche Freude, die – manchmal überwältigende – Flut an Fakten und Anekdoten zu lesen, die eine der Grundpfeiler der ausschweifenden Erzählung bilden.

           

 

                                                                 DIE ROMANE:

 

  1. Headhunter (1984)

In Vancouver werden mehrere Frauen brutal ermordet. Die Opfer waren offenbar sehr schön, aber ganz sicher ist das nicht – ihnen fehlen nämlich die Köpfe. Superintendent Robert DeClercq und seine Kollegen kommen mit ihren Ermittlungen nicht weit. Verfolgt der Mörder einen Plan? Oder treibt ihn unkontrollierte sexuelle Perversion an? Spielt Kannibalismus eine Rolle? Erst als DeClercq auf einen alten Fluch der kanadischen Indianer stößt und herausfindet, dass Verbindungen zum Voodoo-Kult in New Orleans bestehen, offenbart sich eine entsetzliche und irre Erklärung …

Das erste Buch etabliert den Stil. „Headhunter“ verfasste er 1984 zusammen mit John Banks und Richard Covell. Brightlight Pictures sicherte sich 2006 die Filmrechte. Seitdem wurden sie mindestens drei weitere Male neu vergeben.

Jochen Konig über den Roman: https://www.krimi-couch.de/titel/11974-der-kopfjaeger/

Nach Erscheinen des Buches fragte eine Zeitung einen örtlichen Mountie-Inspektor nach seiner Meinung zu meinem Thriller – zweifellos in der Hoffnung, er würde mich verunglimpfen und eine Schlägerei provozieren. Stattdessen gab er eine positive Rezension und sagte, er sei beeindruckt, wie gut ich die Uniformen dargestellt hätte. (Das Mountie-Handbuch zur Kleiderordnung ist in der Tat ein dicker Wälzer.)

Als ich anrief, um ihm für seine Großzügigkeit zu danken, bot mir der Inspektor an, mich mit internen Quellen in Kontakt zu bringen, die mir bei meinen Recherchen helfen könnten. Infolgedessen finden die forensischen Untersuchungen der Serie im Labor der Mounties statt, ich bin mit berittenen Patrouillen geflogen, mit dem Boot und Auto unterwegs gewesen, ich habe am Red Serge Ball teilgenommen, Reden bei Regimentsessen gehalten und zwei echte Psychopathenjäger in die Special X-Einheit eingebaut.“

MS: „HEADHUNTER wurde von mir und meinen beiden Anwaltspartnern konzipiert. Um uns von der Kanzlei abzugrenzen und einen einheitlichen Namen auf dem Cover zu verwenden, benötigten wir ein Pseudonym. Meine Frau Lee schlug den Namen vor. Michael klingt biblisch, gefühlvoll und gefällt den meisten Frauen. Slade hingegen ist knallhart.

Michael Slade ist das Alter Ego all derjenigen, die an der Serie arbeiten; meine Partner, meine Frau oder meine Tochter. Wir alle sind Jekylls, und er ist unser Hyde. Aber es muss eine einzige Stimme geben, die die Geschichte erzählt, und ich bin derjenige am Computer.“

Es gibt eine Neuauflage namens „Headhunter Reimagined“ aus dem Jahr 2016.

Im Grunde ist es dasselbe Buch, nur neu geschrieben – nicht zensiert, sondern anders erzählt –, mit umgestellten, gekürzten oder mit neuem Material angereicherten Kapiteln.

Die neue Fassung von HEADHUNTER entspricht der Art und Weise, wie ich die Geschichte ursprünglich geschrieben hätte, wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß. Als E-Books aufkamen, wurde die Papierausgabe eingescannt und als Word-Datei gespeichert. Das gab mir die Möglichkeit, die Geschichte so neu zu gestalten, wie sie damals geschrieben worden wäre, wenn ich gewusst hätte, was ich heute weiß“, sagt Slade.

MS: „Rob Merilees (Produzent von CAPOTE, MOTIVE und anderen Erfolgsfilmen) hat HEADHUNTER vor Jahrzehnten gelesen und ist ein langjähriger Fan des Buches. Jeder Autor wünscht sich einen solchen visuellen Produzenten. Wir haben schon länger über eine Verfilmung von HEADHUNTER nachgedacht, und das ist einer der Gründe, warum ich mich hingesetzt und das Originalbuch komplett neu interpretiert habe – mit einer laufenden Filmkamera im Kopf.

Rob las die Nacherzählung, und damit war die Sache erledigt. Die Entwicklung von HEADHUNTER als Fernsehserie – und hoffentlich folgen in den nächsten Jahren noch weitere Special-X-Thriller – ist bereits in vollem Gange.“

Nach aktuellen Erkenntnissen, leider nicht.

FORTSETZUNG FOLGT



DIE HYBRIDE „MOUNTIE NOIR“ DES MICHAEL SLADE 1/ by Martin Compart

Von Michael Slades Special X-Serie wurden zwar weltweit über drei Millionen Exemplare verkauft und in acht Sprachen übersetzt; aber sie gilt weiterhin als Geheimtipp. Bei uns wurden mindestens zwei Versuche unternommen, sie im deutschsprachigen Markt zu etablieren, aber ohne Erfolg. Zuletzt vom Festa Verlag, der aber nach drei Titeln aufgab, obwohl die Serie hervorragend ins Programm passte. Dieser einzigartige Hybrid aus Crime Fiction, Horror, Mythenerforschung und Geschichtsschreibung war und ist wohl zu ungewöhnlich für ein deutsch lesendes Publikum. Und die deutschen Fans des Autors greifen seit langem zu den englischen Ausgaben. Merkwürdigerweise sucht man in den großen angelsächsischen Lexika zur Kriminalliteratur seinen Namen vergeblich.

Eine Schande. Denn Slade ist einer der innovativsten Genre-Autoren der letzten Jahrzehnte. Und einer der aufregendsten! Trotz einiger Optionskäufe für Filme (z.B. für „Headhunter“) wurden nie ein großer, internationaler Kinofilm oder eine TV-Serie realisiert.

Slade schuf ein Subgenre, dass man „Mountie Noir“ nennt, und die Bücher entwickelten Kultstatus. Die Romane behandeln die Fälle der fiktiven Spezialeinheit Special External Section (Special X) der Royal Canadian Mounted Police.

Es sind Hybride aus Police Procedural, Psychothriller und Horror, oft mit historischen und mythologischen Elementen. Die Serie ist bekannt für explizite Gewaltszenen, die an Splatterhorror erinnern, aber mit psychologischer Tiefe unterlegt sind.

Zu Slades Anhängern (oder „Sladisten“) zählten namhafte Genre-Autoren wie der verstorbene Robert Bloch („ Psycho “), die britische Krimiautorin Anne Perry („Slade verleiht dem Schockhorror eine erschreckend neue Dimension“) und Diana Gabaldon (Autorin der „Outlander “-Serie). Und auch Alice Cooper: „Michael Slade zu lesen ist wie ein Fortgeschrittenenkurs in Psychohorror. HEADHUNTER hat mich umgehauen. GHOUL hat mich erschüttert. Dieses Buch ist furchterregend. Ich konnte es nicht aus der Hand legen.“

Steve Newton, Alice Cooper und Jay Clarke (v.l.n.r.)

„Teuflisch! Genug Lebenssaft für einen ganzen Verbund von Blutbanken.“ schrieb „The Irish Press“ über einen seiner Romane.

Die oft grotesken, kreativen Morde und wiederkehrende Charaktere wie Robert DeClercq sorgten für hohe Wiedererkennung und Loyalität unter den Fans. Und das obwohl in einem Slade-Roman jederzeit jeder sterben kann – einschließlich etablierter Seriencharaktere (von denen viele in „Red Snow“ ihr Ende finden).

Michael Slade wurde 1947 in Lethbridge, Alberta als Jay Clarke geboren. Als ehemaliger Strafverteidiger, der in über hundert Verfahren auftrat, war er spezialisiert auf psychisch auffällige Angeklagte. Bevor er Jura studierte, belegte er Geschichte als Fakultät. Clarkes Schreiben bewegt sich zwischen diesen beiden Polen und seiner weltweiten Reiselust. Die begann im Sommer 1967 mit Slades erster großer Europareise. Er reiste mit Rucksack und per Anhalter für ein paar Dollar am Tag. Der Höhepunkt war eine Reise hinter den Eisernen Vorhang nach Moskau während des Kalten Krieges. Slades Zeit in Paris war weniger erfreulich. Sein bevorzugtes Reiseziel, das berüchtigte „Le Théâtre du Grand-Guignol“ (1894–1962), hatte fünf Jahre zuvor geschlossen. Er musste sich mit einer Bootstour durch die Kanalisation und die knochengefüllten Katakomben begnügen.

Die Reiseleidenschaft war für sein literarisches Schaffen von großer Bedeutung:

Oft entschied er sich auf Grund eines Schauplatzes für ein Romankonzept, einen Ort, den er bereisen mochte, um zu recherchieren. Viele Plots verbinden ja moderne Verbrechen mit historischen Ereignissen (z.B. Jack the Ripper, Hexenverfolgung, Kriegsverbrechen). Dies verleiht der Serie eine düstere, epische Tiefe.

Clarke führt seine schriftstellerische Leidenschaft auf seine Faszination für EC Comics Mitte der 1950er-Jahre zurück. „Von da an war ich fasziniert von der Psyche von Verbrechern“, sagt er.  „Zuerst zeichnete ich Comics, dann schrieb ich mit dreizehn Jahren ein Buch, `13 Gräber´. Ich tippte es in Signaturen und heftete sie wie Druckbögen zusammen. Seit meinem zehnten Lebensjahr war ich Stammgast bei Duthie Books, wo ich mir vor allem billige Taschenbuch-Krimis (besonders Ed McBain) besorgte. Also zeigte ich Bill Duthie meine Arbeit und gab sie ihm zum Lesen. Stellt euch vor, wie überwältigt ich war, als er sie mir eine Woche später zurückgab, gebunden im Hardcover, mit dem Titel und meinem Namen in Goldprägung auf dem Buchrücken. ‚Jetzt bist du in einer limitierten Auflage von nur einem Exemplar veröffentlicht‘, sagte er. ‚Eines Tages möchte ich deine Bücher in meinem Laden verkaufen.‘“

„Doch Slades dunkles Herz schlägt … schon seit er im Alter von sechs Jahren, mitten in einer fiebrigen Grippe, in einer Drogerie in Winnipeg auf ein Männermagazin stieß. Das reißerische Titelbild zeigte abgetrennte Köpfe südamerikanischer Indianer, aufgespießt auf Stangen in Einbäumen, und der junge Jay war wie gebannt.“ (Norton)

Er wurde aber auch aus Not zum Schriftsteller.

„Als die Rezession 1981 einsetzte, hatte ich 100.000 Dollar für den Bau eines neuen Büros ausgegeben, und ich hatte eine Hypothek und ein dreijähriges Kind“, sagte Clarke.

Als die Hypothekenzinsen in die Höhe schnellten, setzte ich mich hin, um einen Roman zu schreiben, und dachte: ‚Was wäre, wenn ich einen psychotischen Killer nehmen würde, wie die, die ich vor Gericht vertrete.“

Nach einem Jahrzehnt als Verteidiger in Mordprozessen, viele davon mit Psychopathen auf der Anklagebank, schrieb Slade seinen ersten Roman. „Headhunter“ erschien 1984 und war umgehend erfolgreich. Die Einbindung realer Rechtsmedizin, Kriminalpsychologie und Polizeiarbeit gab den Horror-Elementen eine glaubwürdige Basis.

Robert Bloch war der erste Autor, der auf das Buch aufmerksam wurde – „Ein echter Schocker. Zweifellos der grausamste, den ich je gelesen habe!“ – und so begann ein Briefwechsel zwischen den beiden Schriftstellern. Slades erster Satz dankte Bloch für das Lob. Blochs Antwort: „Welches Lob? Ich meinte jedes einzelne Wort.“

Robert Bloch (1917–1994) übte einen bedeutenden Einfluss auf Slade aus. Der ehemalige Präsident der Mystery Writers of America und Thriller-Ikone verband häufig Kriminalroman und Horror-Elemente. 2001 nahm Clarke als Ehrengast an der World Horror Convention in Seattle teil – eine Ehre, die zuvor bereits Genregrößen wie Richard Matheson, Clive Barker und Peter Straub innegehabt hatten.

Der schnelle Erfolg ermutigte Clarke zu einer weiteren Karriere als Berufsschriftsteller. Aber täglich im selben Zimmer zu sitzen und zu schreiben, fühlten sich für ihn wie Gefängnis an, sagte er, deshalb habe er seine Reiselust in seine Bücher einfließen lassen.

Und so entstanden in den nächsten Jahrzehnten weitere, höchst ungewöhnliche, Romane, die aber alle Clarkes unverwechselbare Handschrift tragen.

Die Serie ist ein einzigartiges Phänomen im Thriller-Genre – intelligent recherchiert, schonungslos in der Darstellung und mit einem unverwechselbaren, düsteren Kanada-Bild. Die Bücher bleiben lange im Gedächtnis, nicht immer angenehm.

Slade springt zwischen Täter-, Opfer- und Ermittlerperspektiven, was Spannung und psychologische Komplexität steigert.

Viele Charaktere (Täter und Ermittler) tauchen in mehreren Büchern auf. Handlungsstränge werden über mehrere Romane verwoben. Die RCMP und andere Behörden werden oft als bürokratisch oder korrupt dargestellt, während die Special X-Einheit als elitär und grenzüberschreitend agiert. Trotz gelegentlicher Kritik an der RCMP hatte Slade immer ein gutes Verhältnis zu ihr und wurde bei seinen Recherchen tatkräftig unterstützt und regelmäßig zu Festivitäten eingeladen.

Clarke plant seine Romane vom Ende zum Anfang, nicht umgekehrt.

Und im Gegensatz zu dem meisten Autoren, die mit dem Schreiben beginnen, ohne zu wissen, wohin die Geschichte sie führen wird, erstellt Clarke zunächst eine detaillierte, 100-seitige Gliederung für sein 400-seitiges Buch. Diese enthält Kapitelüberschriften und die wichtigsten Handlungspunkte für jedes Kapitel. Auch wenn die detaillierte Gliederung einschränkend klingen mag, ist sie in Wirklichkeit befreiend, sagte er.

Ich kann jedes Kapitel schreiben, wie ich will, in beliebiger Reihenfolge, solange es das erfüllt, was im Entwurf vorgesehen ist.“

Sobald Clarke ein Buch fertiggestellt hat, was er bereits 14 Mal getan hat, wendet er sein eigenes Verfahren an, um zu beurteilen, ob es mit seinen anderen Werken mithalten kann.

Er nimmt eine lange Papierrolle – so lang, dass sie drei Wände seines Büros bedeckt und zieht eine horizontale Linie darüber. Dann teilt er mit vertikalen Linien die zahlreichen Kapitel (er hat festgestellt, dass kurze, fünfseitige Kapitel die Leser dazu bringen, „bis spät in die Nacht zu lesen“).

Anschließend ordnet er jedem Kapitel eine sogenannte „Spannungsbewertung“ von null bis fünf zu und trägt diese auf dem Papier ein.

Dann verbindet er diese mit einer Linie von einem Punkt zum nächsten, sodass es einem Börsenbericht ähnelt, sagte er. Dann tritt er zurück und betrachtet es.

„Wenn ich dann drei dieser Segmente im Spannungsdiagramm habe, die nicht auf eine Vier steigen“, verriet Clarke, „dann bedeutet das, dass ich auf das zurückgreifen muss, was Raymond Chandler sagte: Wenn es langsam vorangeht, hole einen Mann mit einer Waffe.“ (https://www.thewhig.com/2018/05/24/author-uses-novel-approach)

Bei aller Betonung der Spannung stellt Slade Fragen nach der Natur des Bösen, historischer Schuld und den Abgründen der menschlichen Psyche. Es geht ihm immer auch – oder sogar vor allem? – um Wissensvermittlung und Aufklärung. Da ist vielleicht der frühe Einfluss seines marxistischen Buchhändlers erkennbar.

Die meisten seiner neueren Romane schrieb er zusammen mit seiner Tochter Rebecca Clarke, die Literatur und Geschichte studierte. Dazu später mehr.

P.S.:

Da KI – wie üblich – versagt, bin ich auf „normale“ Recherche angewiesen. Besonders nützlich war/ist:

Portrait vom 16. Oktober 2003 von Steve Newton (und weiteres von ihm)

Natürlich:

https://www.specialx.net/specialxdotnet/morgue2.html (hier kann man sich regelrecht verlieren)

https://earofnewt.com/2025/10/20/canadas-tricephalic-literary-force-michael-slade-unleashes-all-out-horror-with-ghoul/

FORTSETZUNG FOLGT



ZU UNRECHT VERGESSENE KRIMINALROMANE: CRAIG RUSSELLS „TIEFENANGST“ by Martin Compart

Craig Russells Roman TIEFENANGST (A Fear of Dark Water), der sechste Band der Jan-Fabel-Serie, ist – wie immer bei Russell – mehr als ein konventioneller Hamburg- Kriminalroman. Er verbindet eine komplexe Ermittlung mit gesellschaftskritischen Themen, wobei die „antizipierte“ Erkenntnissee über die zerstörerische Gier von Superreichen eine zentrale Rolle spielt. Der Roman, der 2011 erschien, greift damit Entwicklungen auf, die heute, im Zeitalter von Klimakatastrophen und Tech-Autokraten, brennender denn je sind.


Russell nutzt das Motiv des superreichen Philanthropen, um eine tiefgreifende Ambivalenz zu erkunden. Dominik Korn wird zunächst als visionärer Wohltäter präsentiert, der mit seinem Reichtum die Rettung der Ozeane vorantreibt. Doch schnell zeigt sich, dass hinter dieser Fassade klassische menschliche Abgründe lauern – insbesondere eine maßlose, alles vereinnahmende Gier. Im Zentrum der Handlung steht eine Mordserie, die Oberkommissar Jan Fabel und sein Team von der Mordkommission Hamburg in die Fänge einer obskuren Umwelt-Doomsday-Sekte namens „Pharos“ führt. Der Drahtzieher dahinter ist der zurückgezogen lebende, behinderte Milliardär Dominik Korn. Korn agiert aus dem Schatten heraus, indem er die Anonymität und die Möglichkeiten des Cyberspace ausnutzt. Der Roman thematisiert die „dunkle Seite der Computersucht“ und wie Menschen in einer virtuellen Welt isoliert werden, was es dem Milliardär erleichtert, sie für seine Zwecke zu rekrutieren und zu kontrollieren.

Korn wird präsentiert als ein Typus des Milliardärs, der nicht nur Märkte, sondern Lösungen für globale Probleme kontrollieren will. Seine Stiftung ist kein reiner Akt der Nächstenliebe, sondern ein Instrument der Macht. Hierin spiegelt Russell früh die Erkenntnis wider, dass extreme Vermögen nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische und soziale Systeme dominieren und deformieren können. Die Rettung der Welt wird zum geschützten Geschäftsmodell, zur Inszenierung.

Die Habsucht der Figuren im Roman ist nicht nur materiell. Sie ist auch eine Gier nach einem sauberen Image, nach moralischer Überlegenheit und historischer Rehabilitation. . Korn pervertiert die Sorge um den Planeten zu einem Kult, der Fanatismus und Mord rechtfertigt, angetrieben von seiner eigenen verzerrten Weltsicht und Gier nach totaler Kontrolle.

Russell verknüpft die individuelle Konkupiszenz seiner Charaktere mit archetypischen und mythologischen Motiven (etwa durch Verweise auf nordische Sagen). Die Gier erscheint so als eine zeitlose, dunkle menschliche Triebfeder, die im Zeitalter milliardenschwerer Privatvermögen lediglich eine neue, globale und potenziell apokalyptische Dimension erreicht. Der einbrechende Sturm und das bedrohliche Wasser werden zu Metaphern außer Kontrolle geratener Kräfte.

Russell ist ein Meister atmosphärischer Verdichtung. Die Ermittlungen von Jan Fabel und seiner Kollegin Susanne Eckhardt sind akribisch und nachvollziehbar, während der Roman gleichzeitig Elemente des Thrillers und des psychologischen Horrors integriert. Die Bedrohung kommt nicht nur von direkten Tätern, sondern aus dem System selbst – aus der Verquickung von Geld, Wissenschaft und Politik.

TIEFENANGST ist ein herausragender Roman, weil er die Konventionen des Regionalkrimis souverän mit einem zeitkritischen Thema verbindet. Also ein Regional-Thriller, der nichts provinzielles beinhaltet. Craig Russell erweist sich als hellsichtiger Beobachter, der die Diskussion um die Macht und Gier von Milliardären lange vor ihren aktuellen Höhepunkten erkannt hat. Er zeigt, wie sich unter dem Deckmantel des Fortschritts und der Wohltätigkeit Machtmissbrauch, Arroganz und unersättliche Gier neu organisieren.

Craig Russell zeigt auf fesselnde Weise, wie das Verlangen eines einzelnen Milliardärs zur Quelle von Verbrechen, Manipulation und weitreichendem Leid wird. Der Roman überzeugt durch eine komplexe, vielschichtige Handlung und unterstreicht die Notwendigkeit, die Macht der Ultrareichen zu zerstören.

Der Roman zeigt, dass selbst die edelsten Ziele korrumpiert werden, wenn sie von unkontrollierter Macht und Größenwahn getrieben sind; er ist eine scharfsinnige Auseinandersetzung mit der moralischen Leere, die extremer Reichtum mit sich bringen kann. TIEFENANGST ist nicht nur ein spannender und clever konstruierter Kriminalroman, sondern auch eine Reflexion über ethische Abgründe hinter der Fassade des modernen Kapitalismus.

P.S.: Die Auflösung erklärt vielleicht die „Existenz“ eines Elon Musk.



Adolf Wurzer („Diplomatischer Pressedienst“) über „Die böse Saat“ by Martin Compart
27. Oktober 2025, 7:21 pm
Filed under: Elsinor Verlag, Horror, Rezensionen, thriller, William March | Schlagwörter: , , ,

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„DER DETEKTIV-Held“ ALS SOLDAT by Martin Compart

Was verbindet Bulldog Drummond, Dirty Harry Callahan, Frank Bullitt, Rambo, James Bond und Mack Bolan?

Sie sind Protagonisten eines eigenen Genres oder Sub-Genres der Spannungsliteratur; zu einem Bereich, der bisher als eigenständiger kaum identifiziert und betrachtet wurde.

Nader Elhefnawy:
Paramilitary Action-Adventure Fiction: A History.
Amazon Self Publishing, 2020;
231 Seiten, 9,22 €.

 

Nader Elhefnawys Untersuchung ist ein ambitioniertes und längst überfälliges Werk, das sich einer populären, aber vernachlässigten Literatur- und Filmströmung widmet. Es handelt sich nicht um einen einfachen Bildband oder eine oberflächliche Aneinanderreihung von Titelempfehlungen, sondern um eine ernsthafte, gut recherchierte und analytische Kulturgeschichte.

Überblick und Kernthese:

Das Buch untersucht die Entwicklung des „paramilitärischen Action-Genres“ – jener Geschichten, die sich nicht mit regulären Soldaten in konventionellen Kriegen befassen, sondern mit Söldnern, Sondereinheiten, Geheimagenten, Vigilanten und anderen nicht-staatlichen Kombattanten. Elhefnawys zentrale These ist, dass dieses Genre nicht nur ein Produkt der Unterhaltungsindustrie ist, sondern auch ein Spiegelbild der geopolitischen, sozialen und kulturellen Ängste und Umbrüche seiner Entstehungszeit, insbesondere der Ära nach dem Zweiten Weltkrieg und des Kalten Krieges. Wie eben jedes Produkt des Ünerbaus,

Er argumentiert, dass der Aufstieg dieser Fiktion mit dem Niedergang des traditionellen Imperialismus, der Komplexität und den moralischen Grauzonen des Kalten Krieges sowie einem wachsenden öffentlichen Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen zusammenhängt. Die paramilitärische Figur – ob „The Destroyer“-Reihe, Mack Bolans „The Executioner“ oder Rambo – operiert in einer Welt, in der offizielle Wege versagen, und nimmt das Gesetz selbst in die Hand.

Das Buch ist chronologisch und thematisch strukturiert, was dem Leser eine klare Entwicklung des Genres vorführt.

 

Die Wurzeln und Vorläufer:

Elhefnawy beginnt nicht erst mit den Men´s Adventure-Taschenbüchern der 1970er Jahre. Er geht zurück zu den Abenteuerromanen des 19. Jahrhunderts (z.B. H. Rider Haggard), den frühen Spionageromanen und den „Männerabenteuer“-Magazinen A der 1950er Jahre. Dies ist entscheidend, um zu verstehen, dass die Themen (zivilisatorischer Verfall, der einsame Held) bereits früh angelegt waren, sich aber zum eigenen Subgenre wandelten. Der Bezug auf die Abenteuerromane des 19.Jahrhunders erscheint mir noch diskussionswürdig.

 

Der Boom der „Männerabenteuer“-Paperbacks in den 1970er und 80ern:

Dies ist das Herzstück des Buches. Hier analysiert Elhefnawy detailliert die großen Serien wie „The Executioner“, „The Destroyer“, „The Death Merchant“ und „The Able Team“ / „Phoenix Force“. Er geht auf ihre Protagonisten, wiederkehrende Plotmuster, politischen Einstellungen und ihre immense kommerzielle Verbreitung ein. Besonders interessant ist seine Analyse der Unterschiede zwischen den Serien – während einige (The Executioner) einen innenpolitischen Kreuzzug gegen die Mafia führen, bekämpfen andere (The Destroyer, Phoenix Force etc.)  internationale Verschwörungen gegen US-Interessen.  Die Serie, die den Boom ausloste („The Executioner“), brachte gleich zwei wichtige Topoi zusammen: Mafia und Vietnam. Bezeichnenderweise sinniert Protagonist gleich am Anfang darüber, dass er seinen Krieg gegen die Mafia nicht gewinnen könne, aber entscheidend sei, „für das Gute zu kämpfen“. Vielleicht auch eine Haltung, die damals kritische Konservative gegenüber dem Krieg in Fernost vertraten.

Der zunehmende Kampf gegen das Verbrechen macht die amerikanischen Städte zu Combatzonen und die Protagonisten zu Paramilitärs oder Soldaten, die Kommando-Unternehmen durchführen. Dies spiegelte in gewisser Hinsicht die Realität, nachdem Ender der 1960er in Los Angeles die erste SWAT-Einheit gegründet worden war.

Der Einfluss von Film und Fernsehen:

Das Buch beschränkt sich nicht auf Literatur. Elhefnawy verbindet die Buchserien geschickt mit ihren filmischen Pendants. Die Analyse von „Dirty Harry“ als urbanem Vigilanten, „Rambo“ als traumatisiertem Vietnam-Veteran und „James Bond“ als glamourösem Commando-Agenten ist erhellend. Er zeigt, wie der Film die Themen des Genres popularisierte und visualisierte. Interessant auch seine Argumentation zu den Bond-Filmen, die den modernen Action-Film erst erschufen.

 

Der Wandel nach dem Kalten Krieg:

Ein zentrales Problem für das Genre war das Ende der Sowjetunion als klar definierter Feind. Elhefnawy zeichnet nach, wie Autoren und Filmemacher darauf reagierten: durch die Benennung neuer Feinde (Terroristen, Drogenkartelle, korrupte Konzerne) und die Anpassung der Helden (z.B. in Filmen wie „John Wick“ oder Videospielen wie „Call of Duty“), die nun oft noch zynischer und in einer entgrenzten Welt operieren.

 

Kritische Einordnung und Vermächtnis:

Elhefnawy behandelt das Genre nicht unkritisch. Er thematisiert ausführlich die Vorwürfe der Gewaltverherrlichung, des Faschismus und der reaktionären Politik, die vielen Werken anhaften. Gleichzeitig weist er auf die oft unterschätzte politische Bandbreite hin – einige Serien waren durchaus liberal oder satirisch angelegt The Destroyer“ etwa). Sein abschließendes Urteil ist, dass das Genre ein Medium hilfreich ist, um die Ängste und Fantasien der westlichen (insbesondere amerikanischen) Gesellschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verstehen. Heute hat es die einstige Bedeutung verloren, die es in Europa nie hatte.

 

Stärken des Buches:

Akademische Tiefe mit Zugänglichkeit: Elhefnawy ist Wissenschaftler, und das merkt man der Recherche und Argumentation an.

Umfassende Perspektive: Die Verbindung von Literatur, Film, Fernsehen und sogar Videospielen zu einem kohärenten Gesamtbild ist beeindruckend.

Kontextualisierung: Das Buch ist nicht nur eine Genre-Geschichte, sondern auch eine Geschichte der amerikanischen Außenpolitik und des gesellschaftlichen Wandels. Elhefnawy erklärt, warum bestimmte Plotmuster zu bestimmten Zeiten populär wurden.

Die Fülle an erwähnten Titeln, Autoren und Serien ist beeindruckend und macht das Buch zu einem unschätzbaren Nachschlagewerk für Fans und Forscher.

Wie in jedem Werk dieser Art kann man über die Gewichtung diskutieren. Manche Leser hätten sich vielleicht mehr zu bestimmten Topoi oder europäischen Einflüssen gewünscht.

.“Paramilitary Action-Adventure Fiction: A History“ ist ein essenzielles Werk für jeden, der sich für diese spezifischen Aspekte von Popkultur, Genre-Fiktion oder die kulturelle Verarbeitung des Kalten Krieges interessiert. Nader Elhefnawy hat mit akribischer Forschung und scharfsinniger Analyse ein Standardwerk vorgelegt, dass das oft geschmähte Genre der „Männerabenteuer-Serien“ ernst nimmt und seinen historischen Stellenwert überzeugend darlegt. Es ist weniger eine nostalgische Liebeserklärung als vielmehr eine fundierte und kritische Hinterfragung, die unser Verständnis dieser populären Unterhaltung nachhaltig nahebringen kann.

 

 

Dr. Nader Elhefnawy lehrte Englisch an verschiedenen Institutionen, darunter an der University of Miami, wo er 2007/08 Gastprofessor war. Neben seinem Ph.D. in Literaturwissenschaft besitzt er einen BA für Internationale Beziehungen und hat zahlreiche Veröffentlichungen zu Literatur und internationalen Angelegenheiten verfasst. Seine Rezensionen und Artikel zu Science-Fiction erschienen in zahlreichen Foren, darunter Foundation, New York Review of Science Fiction und Strange Horizons. Seit Oktober 2008 veröffentlicht er außerdem seinen Blog Raritania: https://raritania.blogspot.com/

Er ist auch Romanautor (HE SHADOWS OF OLYMPUS, SURVIVING THE SPIK). Zu seinen wichtigsten sekundärliterarischen Werken gehören:

Cyberpunk, Steampunk and Wizardry: Science Fiction Since 1980, 2015.

Star Wars in Context: Second Edition, 2018.

The Military Techno-Thriller: A History, 2019.

The James Bond We Forget: Notes on a Franchise, 2021.

The Secret History of Science Fiction, 2022.

A Century of Spy Fiction: Reflections on the Genre, 2023.

 

 

 

 

 



Hans Durrer über „Die böse Saat“ by Martin Compart
18. August 2025, 10:55 am
Filed under: Elsinor Verlag, William March, William March - Die böse Saat | Schlagwörter: , ,

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SPOOKS – TV-SERIE ZUR REFLEXION UND ANTIZIPATION DES NIEDERGANGS WESTLICHER DEMOKRATIEN 2/ by Martin Compart

Historische Einordnung der Spooks-Staffeln (2002–2011)

 

Staffel 1 (2002) – Der neue Terrorismus nach 9/11

Zeitkontext: Nur ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Themen: Islamismus, Bioterrorismus, Nationalismus, innere Radikalisierung.

Historische Bezüge:

Angst vor neuen Anschlägen in Europa.

Neuaufstellung westlicher Geheimdienste im „Krieg gegen den Terror“.

Erste Diskussionen über Bürgerrechte vs. Sicherheit.

Einordnung: Diese Staffel ist stark geprägt von einer akuten Bedrohungswahrnehmung. Sie inszeniert den MI5 als letzte Verteidigungslinie gegen den Zerfall gesellschaftlicher Ordnung.

 

Staffel 2 (2003) – Irakkrieg, Antikriegsproteste, Polarisierung

Zeitkontext: Invasion des Irak durch die USA und Großbritannien (März 2003).

Themen: Antikriegshaltung, arabischer Extremismus, staatliche Lügen.

Historische Bezüge:

Massive Kritik an Tony Blairs Regierung wegen angeblich gefälschter Geheimdienstberichte („Dodgy Dossier“).

Wachsende antiwestliche Stimmung im Nahen Osten.

Einordnung: Die Staffel reflektiert eine zunehmende Ernüchterung gegenüber staatlicher Machtpolitik und wirft erstmals moralisch-ethische Fragen auf – etwa in Bezug auf Präventivschläge.

Außerdem wurde hier Corona antizipiert – könnte man sagen:  Denn in Folge 5 wird das MI5-Hauptquartier  nach einem Virusausbruch abgeriegelt, der möglicherweise eine Übung ist oder das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen.

Staffel 3 (2004) – Heimatbedrohung, Vertrauensverlust

Zeitkontext: Wachsende Bedrohung durch inländische Zellen, z. B. durch den Fall von Abu Hamza oder den deutschen „Sauerland-Zelle“-Komplex.

Themen: Innere Sicherheit, islamistischer Terrorismus in Großbritannien, Geheimdienst-Kooperation.

Historische Bezüge:

Verdacht auf „home-grown terrorism“.

Kooperation zwischen MI5, CIA und Mossad.

Einordnung: Der Ton wird düsterer und paranoid. Der Zuschauer wird gezwungen, sich mit der Idee auseinanderzusetzen, dass die Gefahr nicht „außen“, sondern „innen“ sitzt.

Staffel 4 (2005) – 7/7-London-Anschläge: Terror in der Heimat

Zeitkontext: London-Bombenanschläge vom 7. Juli 2005 (52 Tote). 1)

Themen: Selbstmordattentäter, religiöse Radikalisierung, Sicherheitslücken.

Historische Bezüge:

Realität überholt die Fiktion: MI5 wurde öffentlich für mangelhafte Aufklärung kritisiert.

Diskussionen über Videoüberwachung und Anti-Terror-Gesetze.

Einordnung: Die Serie reagiert nicht direkt auf 7/7 (Staffel wurde zeitgleich gedreht), aber sie verstärkt das Thema der inneren Zersetzung, verdeckter islamistischer Strukturen und moralischer Ambivalenz des Staatsapparats.

Staffel 5 (2006) – Der Staat gegen sich selbst

Zeitkontext: Misstrauen gegen westliche Regierungen; Enthüllungen über CIA-Geheimflüge und Guantanamo.

Themen: Verschwörung innerhalb des britischen Establishments, Rechtsruck, Paranoia.

Historische Bezüge:

Aufdeckung illegaler CIA-Flüge über Europa.

Diskussionen über „authoritarian creep“ – demokratische Erosion durch Anti-Terror-Maßnahmen.

Einordnung: Die Serie kehrt sich nach innen: Nicht mehr Terroristen, sondern Politiker und Bürokraten werden zur Bedrohung. Dies spiegelt reale Sorgen über demokratischen Rückbau wider.

Staffel 6 (2007) – Iran, Energiekrise und Geopolitik

Zeitkontext: Aufschwung des Iran als Regionalmacht, Atomstreit, Gasabhängigkeit Europas.

Themen: Energiepolitik, Atomverhandlungen, internationale Spionage.

Historische Bezüge:

Konflikte zwischen Iran und Westen wegen Atomprogramm.

Russland benutzt Energie als geopolitisches Druckmittel (z.B. Ukraine).

Russland als wiederkehrender Antagonist:
Schon vor der erneuten Ost-West-Spannung der 2010er-Jahre thematisiert die Serie russische Spionage und hybride Kriegsführung (z. B. durch politische Morde und Desinformation).

Einordnung: Die Serie wechselt den Fokus: Sicherheitspolitik wird wirtschaftlich aufgeladen – der MI5 wird zum geopolitischen Akteur im Spannungsfeld von Rohstoffsicherung und Diplomatie.

Staffel 7 (2008) – Finanzkrise, fragile Ordnungen

Zeitkontext: Weltwirtschaftskrise nach Lehman-Pleite (September 2008).

Themen: Globale Instabilität, Cyberwar, russischer Einfluss.

Historische Bezüge:

Krise westlicher Wirtschafts- und Finanzmodelle.

Russland (unter Putin) wird wieder aggressiver (z. B. Georgienkrieg 2008).

Einordnung: Sicherheit ist nicht mehr nur militärisch, sondern ökonomisch und digital. Bedrohungen sind hybrider geworden – und weniger kontrollierbar.

 

Staffel 8 (2009) – Pakistan, Cyberkrieg, post-westliche Ordnung

Zeitkontext: Unübersichtlicher Krieg in Afghanistan, Instabilität in Pakistan.

Themen: Nukleare Bedrohung, fragile Allianzen, Machtverschiebung nach Asien.

Historische Bezüge:

Zweifel an der westlichen Strategie in Afghanistan und Pakistan.

Drohnenkrieg und asymmetrische Kriegsführung.

Einordnung: Der Westen wirkt zunehmend machtlos – die Serie zeigt die Erosion westlicher Kontrolle und den Aufstieg „neuer Spieler“ auf der globalen Bühne.

Staffel 9 (2010) – Nach dem Krieg: Realpolitik & Imperialnachwirkungen

Zeitkontext: Abzug aus dem Irak, „War on Terror“-Müdigkeit, Arabischer Frühling kündigt sich an.

Themen: Manipulation durch alliierte Geheimdienste, Geheimdiplomatie, vergangene Sünden.

Historische Bezüge:

Enthüllungen über Folter, Kooperation mit repressiven Regimen.

Großbritannien als Juniorpartner der USA – mit wachsendem Unbehagen.

Einordnung: Die Serie beginnt, koloniale und imperiale Altlasten offen zu thematisieren. Auch das Verhältnis zur CIA wird ambivalenter.

 

Staffel 10 (2011) – Ende einer Ära

Zeitkontext: Arabischer Frühling, Tod Osama bin Ladens, Auflösung traditioneller Allianzen.

Themen: Machtvakuum, Vertrauensverlust, Rückzug aus der Weltpolitik.

Historische Bezüge:

Bin Laden wird im Mai 2011 von US Navy Seals getötet.

Beginn der Syrien-Krise, Instabilität in Nordafrika.

Einordnung: Die Serie endet mit dem Gefühl, dass das alte Spiel vorbei ist. Der MI5 steht nicht mehr für Kontrolle, sondern für den Versuch, Ordnung in eine chaotische Welt zu bringen, in der alte Regeln nicht mehr gelten.

Fazit: Spooks als Chronik eines Jahrzehnts im Umbruch

Die Serie „Spooks“ funktioniert fast wie ein seismografisches Instrument, das auf politische Erschütterungen reagiert. Von 9/11 über Irakkrieg, russisches Erstarken, Wirtschaftskrisen bis zur globalen Entmachtung des Westens – jede Staffel bildet eine Momentaufnahme der westlichen Sicherheitspolitik, jedoch aus britischer Perspektive: zweifelnd, realistisch, häufig zynisch – aber immer politisch intelligent.

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1)

Das Thema sorgte zwangsläufig für Bestürzung, nachdem am 7. Juli das Leben die Kunst imitierte. Obwohl es sich bei den fiktiven Terroristen, um die es geht, nicht um religiöse Extremisten handelt, reichten die Ähnlichkeiten aus, um die Drama-Chefin Jane Tranter und den neuen BBC1-Controller Peter Fincham dazu zu bringen, sich den Kopf darüber zu zerbrechen, ob die Folgen gestrichen werden sollten.

Doch die ausführende Produzentin Jane Featherstone, zugleich Geschäftsführerin der Produktionsfirma Kudos, sagte, ihre Entscheidung zeige, in welchem Ausmaß ein Drama der Gesellschaft einen Spiegel vorhalte.

„Wir erreichen ein Publikum, das weder Newsnight noch Panorama sieht. Es ist in keiner Weise belehrend und die Geschichte wird durch Charaktere erzählt, die genauso fehlerhaft sind wie wir, und sie wird Diskussionen anregen“, sagt sie.

In späteren Folgen der Serie wird die Bedrohung durch die extreme Rechte im gegenwärtigen Klima sowie die Probleme rund um Personalausweise und Meinungsfreiheit untersucht. Dabei wird Juliet Shaw, die nationale Sicherheitskoordinatorin, gespielt von Anna Chancellor, vorgestellt.

Da die Hauptfiguren in brutal regelmäßigen Abständen sterben, ist „Spooks“ nicht auf einen Star angewiesen. Und mit einem Team aus Autoren und Regisseuren sowie regelmäßigen Gastauftritten, wie zum Beispiel Martine McCutcheon in dieser Serie, ist es ein Ensemblestück.

„Es geht um Markentreue“, sagt Featherstone und fügt hinzu, der Erfolg liege auch an der Vermischung von Persönlichem und Politischem. In der ersten Folge der neuen Serie sind die Charaktere bei der Beerdigung ihres ehemaligen Kollegen Danny versammelt, als sie von den Bomben erfahren.

Die Skepsis vieler Top-Autoren sei überwunden, sagt Featherstone: „Sie können zu uns kommen und ein Stück schreiben, das Millionen erreicht. Die Zeit der Zweiteiler ist noch da, aber wir müssen das Gewicht in Richtung Autorenserien verschieben.“

Featherstone argumentiert, dass Spooks und  Hustle bewiesen haben, dass ein britisches Autorenteam intelligente Dramen produzieren kann, die in ihrer Größe mit US-Produktionen mithalten können. „Es ist nicht so, dass wir nicht talentiert wären“, sagt sie. „Der größte Einfluss [auf Spooks] lag im Tempo und der Ambition des Erzählens. Wir können große Geschichten erzählen, die sehr persönlich sind und das Publikum nicht verschrecken.“ Da bereits eine fünfte Staffel in Produktion ist, prognostiziert sie, dass es so weitergehen wird. Und Spooks sei dem US-Beispiel auch in anderer Hinsicht gefolgt, sagt sie: „Wir scheuen uns nicht, Leute einzusetzen, die schauspielern und gleichzeitig gut aussehen können. Dafür muss man sich nicht schämen.“

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FORTSETZUNG FOLGT



COMING SOON: EIN ROMAN ZUR STEIGENDEN KINDER-KRIMINALITÄT by Martin Compart
9. Juli 2025, 11:45 am
Filed under: Elsinor Verlag, William March - Die böse Saat | Schlagwörter: , ,

Cover_March_Die boese Saat

https://martincompart.wordpress.com/category/william-march-die-boese-saat/



IN MEMORIAM by Martin Compart
25. März 2025, 8:11 pm
Filed under: John Mair | Schlagwörter: , ,

Der große Christian von Zittwitz (1943-2023), Mr.Buchmarkt, mit einem seiner Lieblingsthriller.




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