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- Ghoul (1987)
Ein Krimineller entführt Kinder und hält sie in einem unterirdischen Labyrinth gefangen.
Sehr düster. Einer der beklommensten und horror-lastigsten Romane der Serie, von der Horror Writers Association zu einem der 40 besten Horrorromane aller Zeiten gewählt, und von der „A to Z Encyclopedia of Serial Killers“ (Simon & Schuster, 1997) neben „Das Schweigen der Lämmer“ und „Psycho“ als einer der besten Romane genannt.
Richard Covell verließ das Slade-Team bevor das „Ghoul“ -Projekt begann, und Lee Clarke übernahm seinen Platz.
Als eingefleischter Hard-Rock-Fan machte Jay Clarke Heavy Metal zu einem zentralen Thema von „Ghoul“ und benannte mehrere Kapitel nach Bands wie Twisted Sister, Iron Maiden usw.
MS: „Die Arbeit an GHOUL entfachte eine Pilgerreise nach Providence, Rhode Island, wo mich Lovecraft-Experten zu den realen Schauplätzen seiner Horrorgeschichten führten und mich auf einem Grabstein auf dem Friedhof von St. John’s platzierten, wo der Legende nach sowohl Poe als auch Lovecraft vor mir gesessen haben sollen. Dort verbrachte ich die Nacht damit, im Mondlicht Notizen zu machen, und als am nächsten Morgen die Sonne aufging, hatte ich die Handlung meines ghostwriten-Romans.“
- Cutthroat (1992)
Die Jagd nach einem raffinierten Killer führt Special X zu einem Konzern, der bizarre Genexperimente durchführt, zu einer finsteren chinesischen Familie mit einer jahrhundertealten Obsession und schließlich zum Geheimnis der Ursprünge der Menschheit.
Von den dunkelsten Abgründen der Vergangenheit bis zur modernsten Technologie, von Custers letzter Schlacht bis zur Verbotenen Stadt in China – ein kaltblütiger Attentäter lockt die Royal Canadian Mounted Police und das FBI in die eisbedeckten Rocky Mountains zu einem Showdown.
- Ripper (1994)
Ein moderner Nachahmer von Jack the Ripper terrorisiert London, eine Hommage an den Ripper-Mythos.
RIPPER war Michael Slades erster locked-room-Thriller und somit auch eine Verbeugung vor seinem Idol John Dickson Carr.
Inspektor Zinc Chandler war Mitglied von Special X, wurde jedoch während der Ereignisse in „ Cutthroat “ (1992) durch einen Kopfschuss schwer verletzt und war infolgedessen mehrere Jahre außer Gefecht gesetzt. Leider zögern die Vorgesetzten, ihn wieder in die Einheit aufzunehmen.
RIPPER hatte seinen Ursprung in einer Jugendreise nach London, die durch spätere Besuche verstärkt und erweitert wurde.
„Michael Slade erreicht mit RIPPER, einem schizophrenen Thriller, der die Grenzen zwischen Horror und Krimi verwischt, seinen Höhepunkt. Auf der einen Seite begehen zwei Wahnsinnige Hexenmorde und arrangieren ihre Opfer nach einem ausgeklügelten Plan, der das Werk von Jack the Ripper ein Jahrhundert später fortsetzt. Auf der anderen Seite verwandelt sich ein Schriftstellerkongress in einen Whodunit mit verschlossenen Räumen und selbstauslösenden Todesvorrichtungen. Jede Seite ist fesselnd und voller kriminologischer und okkulter Recherchen. Absolut lesenswert.“ – Time Out (London)
- Zombie (Evil Eye), 1996
Ein wahnsinniger Polizistenmörder, der die Royal Canadian Mounted Police auslöschen will.
Die letzte Zulu-Schlacht bei Rorke’s Drift im Afrika des 19. Jahrhunderts.
Ein unschuldiger Mountie, der wegen Mordes vor Gericht steht – ein Fall voller verborgener Motive.
Ein Neonazi-Skinhead, verfolgt von animierten Skeletten.
Ein Selbstmordattentäter auf einem Schiff, auf dem der Red Serge Ball der Mounties stattfindet .
Zwei skrupellose Söldner, die Inspektor Zinc Chandler in der afrikanischen Wildnis jagen.
Mehr kann man kaum verlagern als Slade-Fan!
Welcher dünne rote Faden aus dem Herzen der Finsternis verbindet diese Kette aus Mysterien, Chaos und Wahnsinn?
„Beinahe-Begegnungen mit einem Löwen, einer Speikobra und einem Krokodil auf Safari in Simbabwe und im Okavango-Delta in Botswana inspirierten ZOMBIE (auch bekannt als EVIL EYE).“
„Warum schreiben Sie nicht über das Übernatürliche?“, wurde Slade schon oft gefragt. Seine Antwort lautet: „Doch, tue ich. Psychose ist per Definition ein Realitätsverlust. Definiert ein Realitätsverlust nicht auch das Übernatürliche? Durch die Augen eines wahnsinnigen Mörders, der seine Fantasie in der realen Welt auslebt, kann ich über jeden Aspekt des Übernatürlichen schreiben. Und es ist glaubwürdig.“
- Primal Scream (1998))
PRIMAL SCREAM beginnt mit einem Schusswechsel zwischen heutigen Mounties und indigenen Aktivisten, die ein Stück heiliges Land um den Totem Lake im Norden von British Columbia besetzt haben, um den Sonnentanz wiederzubeleben. Während er den Kugeln ausweicht, entdeckt einer der Polizisten die von Pfeilen durchsiebte Leiche eines kopflosen Mannes, der unter dem Eis eingefroren ist.
Winterman Snow – ein Albino-Indianer und psychopathischer Bogenschütze – ist wütend über den kulturellen und sexuellen Missbrauch, den er in seiner Jugend in einem staatlichem Indianer-Internat erlitten hat, und begibt sich auf die Jagd.
Intelligent aufgebaut, mit einem faszinierenden wissenschaftlichen Hintergrund. Und natürlich ein böser Kommentar zu einer Schande der kanadischen Geschichte.
7.Burnt Bones (1999)
Robert DeClercq hat in seiner Laufbahn schon unzählige Psychopathen bekämpft. Doch keiner ist so kaltblütig und diabolisch wie Mephisto.
Mephisto sendet DeClercq aus dem Cyberspace seine tödliche Herausforderung. Irgendwo da draußen lauert ein höllisches Mastermind, ein sadistischer Psychopath, besessen vom Geheimnis um Stonehenge. Unterstützt von Donella, einer Femme fatale, ebenso verdorben wie er selbst, und einem Kult moderner, opferbereiter Druiden, benutzt Mephisto DeClercq als Schachfigur in seinem wahnsinnigen Bestreben, einen Schatz zu bergen. Gefangen in einem Wettlauf gegen den Tod, um einen Gefangenen vor dem grausamsten Tod zu bewahren, muss Special X mithilfe moderner Forensik verhindern, dass Mephisto die Geheimnisse der Vergangenheit nutzt, um eine zukünftige Hölle auf Erden zu erschaffen.
„Mephistos Partnerin Donella ist eine sinnliche Amazone mit der Zärtlichkeit einer Kobra. Mephistos dämonische Druiden sind unpersönliche Tötungsmaschinen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, Menschen in Weidenkäfigen lebendig zu verbrennen. Slades sorgfältige Recherche zum Geheimnis von Stonehenge ist hervorragend umgesetzt.“ – Island Tides
- Hangman (2000)
An Halloween öffnet eine Frau einem Kind mit einer Scream-Maske die Tür. Später wird sie erhängt aufgefunden, ein Bein fehlt.
Dann entdeckt man in Vancouver eine Leiche, der beide Beine fehlen.
Was diese Verbrechen verbindet, ist ein grausam mit dem Blut der Opfer gezeichnetes Galgenmännchen.
„Faszinierend. Die Recherchen über reale Henker sind geschickt in die temporeiche Geschichte eingewoben.“ – The Vancouver Sun
Ein politisch und ethisch aufgeladener Roman, der das Justizsystem hinterfragt. Kontrovers und hart; gespickt mit Anekdoten über Hinrichtungen im Laufe der Jahrhunderte.
Die Handlung von „Hangman“ ist in drei Abschnitte unterteilt. Zwei Ermittlungen, eine von den Detektiven und die andere von einem Anwalt, werden chronologisch erzählt. Die Morde dagegen in der Vergangenheitsform geschildert. Der Protagonist blickt also im Rückblick auf den Fall, während die Ermittlungen um ihn herum stattfinden.
„Hangman“ lädt den Leser zur aktiven Teilnahme an den Ermittlungen ein. Den Mörder zu finden, ist nur die eine Hälfte des Rätsels. Die andere Hälfte besteht darin, das Motiv zu ergründen.
Slades humorvolle Einlagen lockern die blutigen Szenen auf. Die Charakterentwicklung ist – wie immer – überzeugend.
- Death’s Door (2001)
Die Fotos an der Pinwand in Chief Superintendent Robert DeClercqs Büro zeigen chirurgisch verstümmelte Leichen, die an der Westküste auf den San Juan und Gulf Islands abgelegt wurden. Die Mounties von Special X und Sheriff-Deputy Jenna Bond aus San Juan County sehen sich Ungeheuern gegenüber, die menschliche Monster erschaffen.
Hinzu kommt die perfekt erhaltene ägyptische Mumie, die bei einem Raubüberfall in England gestohlen wurde, bei dem acht Wachleute ums Leben kamen. Wurde sie nach Vancouver geschmuggelt, als dabei zwei Zollbeamte erschossen wurden?
Inmitten dieser makabren Ereignisse treiben sich ein lokaler Pornokönig, ein Produzent von Snuff-Filmen auf Bestellung, ein nekrophiler Auftragskiller namens Undertaker und ein Schönheitschirurg alternder Hollywood-Stars herum.
Die größte Bedrohung geht jedoch wieder von Mephisto aus. Dieser Größenwahnsinnige will nicht nur DeClercq umbringen, sondern plant auch, die Welt abermals in den Abgrund zu treiben.
RCMP-Stabsfeldwebel Christine Wozney ist die zweite Polizistin aus der Realität, die Slade in einen Roman einbringt. Für Wozney, Leiterin der ViCLAS (Abteilung für die Analyse von Zusammenhängen zwischen Gewaltverbrechen) spiegeln die schaurigen Fantasien in Slades Thrillern nur allzu reale Ereignisse wider. Und sie muss es wissen: „Manchmal liest man bei Slade etwas und denkt: ‚Um Gottes Willen, so etwas tun die doch nicht wirklich, oder?‘ Ich kann Ihnen versichern: Doch, das tun sie.“
- Bed of Nails (2003)
Die Zusammenarbeit mit Tochter Rebecca an „Bed of Nails“ markierte eine Rückkehr zur Thematik von Slades vierten Roman „Ripper“.
Ein Killer, der Folterwerkzeuge aus der Geschichte verwendet, und ein zweiter, der religiösen Martyrien nachahmt, zeigen abermals Slades Interesse an der historischen Folterforschung.
In „Bed of Nails“ plant „der Ripper“ Rache an Inspektor Zinc Chandler. Chandler muss tief in die Vergangenheit reisen, ins Jahr 1888, als London von Jack-the-Ripper terrorisiert wurde, und in die bizarre Welt von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos eintauchen.
Eine Verfolgungsjagd mit Schießereien in Vancouver und eine World Horror Convention in Seattle führen den Mountie zum Höhepunkt auf einer Kannibaleninsel im Südpazifik
„Ein packender Thriller mit rasanten Dialogen und beeindruckender Recherche. Ein wahrhaft mitreißendes Leseerlebnis – definitiv nichts für schwache Nerven.“ – CNN.com
Das Eintauchen in die Kannibalenhöhlen von Atiu auf den Cookinseln im Südpazifik, übersät mit Tausenden von menschlichen Knochen, bleibt im Gedächtnis.
- Swastika (2005)
… taucht in die Welt des Neonazi-Terrors und okkulter Nazi-Symbolik ein.
Ein finsterer, beunruhigend aktueller Roman. Politisch sehr drastisch.
Jay Clarke verknüpft die Kriegsaufzeichnungen seines Vaters (die er eigenen Angaben zufolge 2003 hinter einer falschen Wand im Wäscheschrank seiner Mutter fand) mit den Ereignissen dieses weitreichenden Thrillers, in dem ein wahnhafter „arischer“ Killer namens Swastika an der Westküste auftaucht und sich auf die Suche nach Hitlers Gold macht.
Und Slade schlachtet einen weiteren Mythos: „Von Brauns Kriegsvergangenheit war für die Nachkriegs-Raketenpläne des Pentagons ‚unbequem‘. Um die Nazi-Beschränkungen im Rahmen des Projekts Paperclip zu umgehen, wurde er daher mit Schönfärberei überzogen. Als ich Mitte der 1950er-Jahre ein Kind war, konnte man mit seiner Davy-Crockett-Waschbärfellmütze auf dem Boden sitzen und von Braun in den Disney-Fernsehserien sehen. Sein Entwurf für das Raumschiff in Tomorrowland basierte auf seiner V-2. Als er 1977 als amerikanischer ‚Held‘ starb, hatte ihm Präsident Ford eine Medaille verliehen… In den Jahren der McCarthy-Ära nach dem Krieg wurde von Braun entscheidend für den Sieg Amerikas im Wettrüsten. Also ließ das Pentagon seinen eigenen Eisernen Vorhang zwischen Nordhausen – dem Überlauflager – und den Tunneln der V-2-Fabrik Dora, weniger als acht Kilometer nördlich, fallen. Dora wurde aus der Geschichte getilgt, und die Vertuschung dauert bis heute an.“
Die Szenen in Hitlers Bunker und der V2-Raketenfabrik sind so detailliert beschrieben, dass die Grenze zwischen historischer Realität und Fiktion verschwimmt.
„Eine perfekte Mischung aus historischem Hintergrund, Polizeiarbeit und rasanter Action mit einer Prise Horror. Slades Geschick, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verweben, ist verblüffend. Fangen Sie SWASTIKA nur an, wenn Sie es auch zu Ende lesen können. Sie werden es nicht mehr aus der Hand legen wollen.“
– CrimeSpree Magazine
- Kamikaze (2006)
Genjo Tokuda – ein Kriegsverbrecher und Anführer einer japanischen Yakuza – wird zum Veteranenkongress des Pazifikkriegs nach Vancouver gelockt. Hauptredner ist ein Besatzungsmitglied jenes Flugzeugs, das die Atombombe auf Hiroshima abwarf und Tokudas gesamte Familie auslöschte.
Tokuda plant, den Bushido-Eid zu erfüllen, den er vor Jahren an den Ruinen des Hiroshima-Schreins seinen Vorfahren geschworen hat. Zuerst will er die Familie des Besatzungsmitglieds töten, dann den amerikanischen Flieger auf angemessen grausame Weise.
„Wenn man als Kanadas Meister des Makabren gilt, ist es wirklich schwer, aus diesem Schema auszubrechen. Doch Michael Slade ist dies mit SWASTIKA und KAMIKAZE meisterhaft gelungen. Beide Bücher basieren auf den Kriegserlebnissen seiner Eltern in den europäischen und pazifischen Konflikten. Es sind beides Mainstream-Thriller, die im gewohnten Slade-Tempo rasant voranschreiten und erschreckend authentisch und grotesk vertraut wirken, da sie sich mit den Auswirkungen realitätsnaher historischer Verschwörungen auf unsere heutige Welt auseinandersetzen. Imitiert die Kunst das Leben, oder ist es umgekehrt? Wie dem auch sei, wir erleben hier einen virtuosen Ausbruch Slades in eine neue Dimension der Kreativität.“– Jack Whyte, Bestsellerautor der Camulod-Chroniken, der Templar-Trilogie und der Guardians-Reihe
- Crucified (2008)
Morde, die mit der Kreuzigung Jesu und biblischer Archäologie verbunden sind, bilden die Grundlage für diesen theologisch-mythologischer Roman.
„Crucified“ umspannt 2000 Jahre und ist eine weitere Verschwörungstheorie um den Vatikan. Er verknüpft den römischen Katholizismus mit einem hochrangigen Mitglied des Dritten Reichs.
Er schildert unmögliche Morde in geschlossenen Räumen (in einem Bomber und einem U-Boot). Da zeigt sich einmal mehr der Einfluss von John Dickson Carr, dem Großmeister der lockrf-room-Stories. Allerdings auf eine Weise, wie sie nur Slade entwickeln kann.
- Red Snow (2010)
Passend zu den Olympischen Winterspielen 2010 inszenierte Michael Slade ein wahres Spektakel aus Chaos und Mord. In seinem blutigen Thriller „Red Snow“ isolieren Söldner den Whistler Mountain und gefährden so die Olympischen Spiele. Slade lässt seinen Psychopathen Mephisto gegen die Spezialeinheit Special X der RCMP antreten um blutige, biochemische Rache nicht nur an den rechtschaffenen Special X-Beamten zu üben, sondern auch an den unglücklichen Besuchern, die zu den Olympischen Winterspielen nach Whistler, British Columbia, strömen.
„Man sprengt einfach die Straßen- und Schienenverbindungen an beiden Seiten von Whistler, fügt einen heftigen Schneesturm hinzu und lehnt sich zurück, um Mord und Chaos beginnen zu lassen.“
„Red Snow“ ist das dritte Auftreten seines tödlichen, soziopathischen, wahnsinnigen Narzissten Mephisto (das erste Mal in Burnt Bones von 1999, das zweite Mal in Death’s Door von 2001), dessen große Pläne zur Weltherrschaft von den überlebensgroßen kriminellen Drahtziehern in Ian Flemings James-Bond-Romanen und den klassischen geistreichen Antagonisten von Conan Doyle inspiriert sind.
„Was Professor Moriarty für Sherlock Holmes ist, ist Mephisto für die Mounties von Special X“, sagt der Autor.
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„Als ich ein Junge war, war die Jugendkultur größtenteils amerikanisch. Ich dachte, meine Flagge seien die Stars and Stripes. Um mich auf den rechten Weg zu bringen, tauchte mich meine Mutter in alles Spannende über die Mounties, Blackfoot, Cree und Kwakiutl ein und nahm mich jedes Jahr mit zur Calgary Stampede.
Meine erste Erinnerung – ich mache keine Witze – ist, wie ich im Sattel sitze, ein Mountie mich festhält und ich von Blackfoot-Häuptlingen umgeben bin, die in Hirschleder und Federhauben gekleidet sind.
Hollywood hat einen Namen für seine Hunderte von Mountie-Filmen: `Northerns´. Sie reichen zurück bis zu `Riders of the Plains´ der 1910 von der Edison Company gedreht wurde.
In den 1930er Jahren verfolgten amerikanische Radiohörer gebannt die Jagd der Mounties auf einen Polizistenmörder, den sogenannten Mad Trapper of Rat River, durch die Arktis. Danach folgten diverse amerikanische Comics wie Zane Greys `King of the Royal Mounted´ und die amerikanische Fernsehserie `Sergeant Preston of the Yukon´. Und so weiter.
Obwohl ich im Mountie-Subgenre schreibe, ist HEADHUNTER eher das Gegenteil von all dem stereotypischen, geradlinigen RCMP-Zeugs.“
Von Anfang an legte Clarke Wert auf die exakte Beschreibung der Polizeiarbeit und Dank seiner Kontakte als Strafverteidiger bekam er Unterstützung von der RCMP. Slade war häufig Gastredner auf internationalen Polizeikonferenzen und bei Regimentsessen der RCMP
Er selbst führt sein Interesse am police procedural aber auf seine lebenslange Liebe für Ed McBain zurück. Seine Faszination für das 87. Polizeirevier hatte in der Jugend begonnen.
„Den größten Einfluss auf mich hatten wohl die 55 Krimis der 87. Polizeiwache von McBain. Man kann ohne Übertreibung sagen: `Ohne Ed McBain gäbe es keinen Michael Slade´. Ich war 13, als ich McBains `Lady, Lady, I Did It!´ las, kurz nachdem Hitchcocks `Psycho´ in die Kinos kam. Ein Killer betritt eine Buchhandlung und ballert um sich, wobei er stöbernde Leser wie dich und mich niedermäht! Das Motiv war so abscheulich, die Reaktion der Polizei so rachsüchtig und die rätselhafte letzte Nachricht so haarsträubend, dass ich mir an die Stirn schlug und dachte: Warum habe ich das nicht kommen sehen? Dann habe ich gedacht: Eines Tages möchte ich so etwas schreiben.
Auch McBain lernte ich später kennen und korrespondierte mit ihm bis zu seinem Tod.“ (https://www.fearforever.com/art-books-music/interview-michael-slade-part-1/)
Über seine Schreib-Methoden sagt er:
„Das Mantra der Schriftsteller lautet: Schreibe über das, was du kennst. Ich verfügte über reichlich Material aus meiner Familiengeschichte, um es in das zu verwandeln, was ich Mountie Noir nenne.
Wenn ich Kurse zum Schreiben von Thrillern gebe, lautet meine erste Frage an die Studenten: Was war das Schlimmste, das Ihnen je passiert ist? Und wie nutzen Sie das als Inspiration für Ihre fiktionalen Werke? Und das schlimmste Ereignis deines Lebens ruft naturgemäß deine stärksten Emotionen hervor. Selbst wenn du nur die Hälfte davon in deiner Geschichte einfängst, wird sie für die Leser dennoch authentisch und unverfälscht wirken.
Viel aufregender ist es, meine Geschichten selbst zu erleben, bevor ich sie aufschreibe. Deshalb fliege ich an einen fernen Ort, der meine Fantasie beflügelt, und begebe mich in Situationen – oft mit kalkulierter Gefahr –, um die daraus resultierenden Nervenkitzel zu erfahren und festzuhalten.“
„Die Arbeit als Strafverteidiger ist die ideale Vorbereitung auf das Schreiben von Thrillern. Jedes Verbrechen beginnt mit einem Motiv. Dieses Motiv bestimmt das Opfer, die Art der Tat und den Tatort, an dem Polizei, Forensiker und Profiler arbeiten müssen.
Ich bewundere Autoren, die ein Buch anfangen und nicht wissen, wohin die Reise geht. Ich würde wahrscheinlich einen Nervenzusammenbruch erleiden. Ich beginne mit dem Motiv und dem letzten Satz des Thrillers, bevor ich die Handlung von hinten nach vorne entwickle. Mein Entwurf umfasst in der Regel hundert Seiten, unterteilt in Kapitel.“
Fast 40 Jahre sind seit der Erstveröffentlichung des ersten Romans vergangen, und eine erneute Lektüre und Neubewertung ist längst überfällig.
Einige Romane sind schlechter gealtert, bedingt durch den Wandel des Zeitgeschmacks. Dennoch ist es erstaunlich, wie gut Slade den Zeitgeist seiner Epoche trifft.
Obwohl „Headhunter“, „Ghoul“ und einige andere auch/oder gerne als Horrorromane hohes Ansehen genießen, handelt es sich im Grunde um Polizeithriller. Zweifellos würde ein Teil der Handlung in der heutigen Zeit nicht mehr funktionieren. In Vancouver der 80er-Jahre gab es weder DNA-Analysen noch Überwachungskameras oder Handys. Aber wer misst Hammett, Chandler, Buchan, Fleming oder Ambler an heutigen Realitätsbezügen?
Und wie spannend kann die Jagd nach einem Serienmörder noch sein, nachdem man Hunderte von Krimiserien und -filmen über Serienmörder gesehen hat, ganz zu schweigen von unzähligen Romanen? Und wie steht es mit dem Genre der forensischen Krimis und Profiler?
Tatsächlich kann Slade noch immer mithalten, und zwar in der Schwergewichtsklasse. Dank seiner zeitgeschichtlichen und historischen Bezüge, die sein Werk einzigartig machen. Komplexe Plots mit vielen Wendungen und Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sorgen für seine Alleinstellung im Genre. Es macht zusätzliche Freude, die – manchmal überwältigende – Flut an Fakten und Anekdoten zu lesen, die eine der Grundpfeiler der ausschweifenden Erzählung bilden.
DIE ROMANE:
- Headhunter (1984)
In Vancouver werden mehrere Frauen brutal ermordet. Die Opfer waren offenbar sehr schön, aber ganz sicher ist das nicht – ihnen fehlen nämlich die Köpfe. Superintendent Robert DeClercq und seine Kollegen kommen mit ihren Ermittlungen nicht weit. Verfolgt der Mörder einen Plan? Oder treibt ihn unkontrollierte sexuelle Perversion an? Spielt Kannibalismus eine Rolle? Erst als DeClercq auf einen alten Fluch der kanadischen Indianer stößt und herausfindet, dass Verbindungen zum Voodoo-Kult in New Orleans bestehen, offenbart sich eine entsetzliche und irre Erklärung …
Das erste Buch etabliert den Stil. „Headhunter“ verfasste er 1984 zusammen mit John Banks und Richard Covell. Brightlight Pictures sicherte sich 2006 die Filmrechte. Seitdem wurden sie mindestens drei weitere Male neu vergeben.
Jochen Konig über den Roman: https://www.krimi-couch.de/titel/11974-der-kopfjaeger/
„Nach Erscheinen des Buches fragte eine Zeitung einen örtlichen Mountie-Inspektor nach seiner Meinung zu meinem Thriller – zweifellos in der Hoffnung, er würde mich verunglimpfen und eine Schlägerei provozieren. Stattdessen gab er eine positive Rezension und sagte, er sei beeindruckt, wie gut ich die Uniformen dargestellt hätte. (Das Mountie-Handbuch zur Kleiderordnung ist in der Tat ein dicker Wälzer.)
Als ich anrief, um ihm für seine Großzügigkeit zu danken, bot mir der Inspektor an, mich mit internen Quellen in Kontakt zu bringen, die mir bei meinen Recherchen helfen könnten. Infolgedessen finden die forensischen Untersuchungen der Serie im Labor der Mounties statt, ich bin mit berittenen Patrouillen geflogen, mit dem Boot und Auto unterwegs gewesen, ich habe am Red Serge Ball teilgenommen, Reden bei Regimentsessen gehalten und zwei echte Psychopathenjäger in die Special X-Einheit eingebaut.“
MS: „HEADHUNTER wurde von mir und meinen beiden Anwaltspartnern konzipiert. Um uns von der Kanzlei abzugrenzen und einen einheitlichen Namen auf dem Cover zu verwenden, benötigten wir ein Pseudonym. Meine Frau Lee schlug den Namen vor. Michael klingt biblisch, gefühlvoll und gefällt den meisten Frauen. Slade hingegen ist knallhart.
Michael Slade ist das Alter Ego all derjenigen, die an der Serie arbeiten; meine Partner, meine Frau oder meine Tochter. Wir alle sind Jekylls, und er ist unser Hyde. Aber es muss eine einzige Stimme geben, die die Geschichte erzählt, und ich bin derjenige am Computer.“
Es gibt eine Neuauflage namens „Headhunter Reimagined“ aus dem Jahr 2016.
„Im Grunde ist es dasselbe Buch, nur neu geschrieben – nicht zensiert, sondern anders erzählt –, mit umgestellten, gekürzten oder mit neuem Material angereicherten Kapiteln.
Die neue Fassung von HEADHUNTER entspricht der Art und Weise, wie ich die Geschichte ursprünglich geschrieben hätte, wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß. Als E-Books aufkamen, wurde die Papierausgabe eingescannt und als Word-Datei gespeichert. Das gab mir die Möglichkeit, die Geschichte so neu zu gestalten, wie sie damals geschrieben worden wäre, wenn ich gewusst hätte, was ich heute weiß“, sagt Slade.
MS: „Rob Merilees (Produzent von CAPOTE, MOTIVE und anderen Erfolgsfilmen) hat HEADHUNTER vor Jahrzehnten gelesen und ist ein langjähriger Fan des Buches. Jeder Autor wünscht sich einen solchen visuellen Produzenten. Wir haben schon länger über eine Verfilmung von HEADHUNTER nachgedacht, und das ist einer der Gründe, warum ich mich hingesetzt und das Originalbuch komplett neu interpretiert habe – mit einer laufenden Filmkamera im Kopf.
Rob las die Nacherzählung, und damit war die Sache erledigt. Die Entwicklung von HEADHUNTER als Fernsehserie – und hoffentlich folgen in den nächsten Jahren noch weitere Special-X-Thriller – ist bereits in vollem Gange.“
Nach aktuellen Erkenntnissen, leider nicht.
FORTSETZUNG FOLGT
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AB HEUTE IM HANDEL
AUS DEM NACHWORT:
Was haben Lassie und dieser Noir-Klassiker gemeinsam?
Beide stammen aus der Feder des britischen Schriftstellers Eric M. Knight (1897-1943).
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass einer der großen „amerikanischen“ Hardboiled-Noir-Romane von einem Engländer geschrieben wurde. Und dass er, nachdem er die Verderbtheit der menschlichen Existenz und die perverse Surrealität der amerikanischen Westküste zu Papier gebracht hatte, über die aufrichtige Liebe zwischen einem Jungen und seiner Collie-Hündin schrieb. Womit er einen bis heute bestehenden Topos der (Pop-)Kultur schuf. 1)
Sein einziger Noir- Roman war sofort ein kurzfristiger und umstrittener Bestseller. Er hatte den Zeitgeist und die damalige Stimmung überzeugend eingefangen und originell interpretiert. „Wenn Sie Süße und Helligkeit bevorzugen“, stand in der damaligen Rezension im „San Francisco Chronicle“, „werden Sie dieses Buch einfach schrecklich finden.“
Der Roman nimmt uns mit auf eine Schleudertrauma-Fahrt von Oklahoma nach Kalifornien, voller überraschender Wendungen auf fast jeder Seite und flüchtigen Anspielungen auf James Joyce, Seán O’Casey, Claude Debussy, und den verurteilten Mörder Dr. Hawley Harvey Crippen, hieß es in einer späteren Würdigung. „Wie eine Fliege im Bernstein fängt das Buch ein leicht verzerrtes, aber nichtsdestotrotz wahres Bild von Los Angeles im Jahr 1938 ein, als das Kino König war und Kalifornien noch das goldene Land am Ende der dunklen und staubigen Straße der Depression“ 2)
Der Roman ist einer dieser Noir-Klassiker, die lange Zeit vergessen waren, deren Kult-Appeal aber bis heute anhält und vielleicht nach einer Verfilmung durch beispielsweise Quentin Tarantino schreit! Denn die absurden Elemente prägen diesen Roman auf eine ganz besondere Weise und heben ihn auch stilistisch aus der Noir-Literatur heraus. Der erfolgreiche Neo-Classic-Autor und bedeutende Genre-Historiker Martin Edwards schrieb in seiner großen Geschichte der Kriminalliteratur THE LIFE OF CRIME (HarperCollins, 2024): „Richard Hallas war der ungewöhnlichste aller tough-guy-Schriftsteller. Er nutzte den Stil der Black-Mask-Schule für eine Burlesque.“3)
Noir und Absurdität passen gut zusammen. Bei Noir heißt es „du bist verloren“ und im Absurden „das Leben ist sinnlos“. Wenn man darüber nachdenkt, liegt das nicht weit auseinander.
Knight beschreibt Hollywood als Ort des Wahnsinns, als wäre es eine Episode aus der TV-Serie THE TWILIGHT ZONE. Hollywood ist düster, bizarr surrealistisch. Auch findet man bereits fast alle Topoi die die „Hollywood Novel“ prägen: Erfolg ist zufällig, Regisseure sind manipulativ, Schauspieler sind narzisstisch, Außenseiter können zwar vorübergehenden Erfolg haben, fliehen aber schließlich aus dieser Irrenanstalt. Klischees, die man heute noch etwa bei Jackie Collins Büchern und anderen Hollywood-Romanen findet. Dieses Image von Hollywood wurde fast zeitgleich auch von dem Klassiker des Hollywood Romans schlechthin verbreitet: Nathanel Wests DAY OF THE LOCUST, 1939.
Unübersehbar schrieb Eric Knight seinen Noir-Roman in der Zeit der Depression.
Und Noir ist keine Welt, in der (Hollywood-)Träume wahr werden – das tun nur Albträume
„Noir-Fiction ist etwas anderes als die meisterhaften Hardboiled-Krimis von Chandler und Hammett. Die Prosa von James M. Cain, Jim Thompson, Charles Willeford oder David Goodis war zweifellos hartgesotten, aber ihre Erzählungen konzentrierten sich weniger auf angeschlagene Helden, sondern schonungslos auf die Selbstzerstörer, die Hoffnungslosen und die Verrückten.“4)…
Die Unverblümtheit seines Stils erzeugt häufig zynisches Lachen, aber es gibt auch Momente, in denen seine Worte eine zwingende Ehrlichkeit und sogar eine raue Schönheit haben. Die Dialoge sind vorzüglich und werden oft eingesetzt, um Szenen zu überhöhen.
Die Geschichte ist schnell und manchmal skurril, aber es ist die Atmosphäre und der Ton des Buches, die nach der Lektüre im Gedächtnis bleiben.
Ein Kritiker schrieb über den Roman: „Ein James M Cain-Roman, geschrieben von Thomas Pynchon“…
Tatsächlich war und ist Knights Umgang mit Genre-Mustern innovativ. Hallas spielt mit der Form, verzichtet auf die thematische und stilistische Strenge der Black Mask-School und entwirft stattdessen einen bissigen, rücksichtslosen Stil, dessen Poesie sich nach und nach erschließt. Dies wiederum trägt zur Atmosphäre moralischer Zweideutigkeit bei.
Elsinor Klappenbroschur
Herausgeber und Nachwort: Martin Compart
Ins Deutsche übersetzt von Anna Katharina Rehmann-Salten
224 Seiten
ISBN 978-3-942788-94-6
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Von Michael Slades Special X-Serie wurden zwar weltweit über drei Millionen Exemplare verkauft und in acht Sprachen übersetzt; aber sie gilt weiterhin als Geheimtipp. Bei uns wurden mindestens zwei Versuche unternommen, sie im deutschsprachigen Markt zu etablieren, aber ohne Erfolg. Zuletzt vom Festa Verlag, der aber nach drei Titeln aufgab, obwohl die Serie hervorragend ins Programm passte. Dieser einzigartige Hybrid aus Crime Fiction, Horror, Mythenerforschung und Geschichtsschreibung war und ist wohl zu ungewöhnlich für ein deutsch lesendes Publikum. Und die deutschen Fans des Autors greifen seit langem zu den englischen Ausgaben. Merkwürdigerweise sucht man in den großen angelsächsischen Lexika zur Kriminalliteratur seinen Namen vergeblich.
Eine Schande. Denn Slade ist einer der innovativsten Genre-Autoren der letzten Jahrzehnte. Und einer der aufregendsten! Trotz einiger Optionskäufe für Filme (z.B. für „Headhunter“) wurden nie ein großer, internationaler Kinofilm oder eine TV-Serie realisiert.
Slade schuf ein Subgenre, dass man „Mountie Noir“ nennt, und die Bücher entwickelten Kultstatus. Die Romane behandeln die Fälle der fiktiven Spezialeinheit Special External Section (Special X) der Royal Canadian Mounted Police.
Es sind Hybride aus Police Procedural, Psychothriller und Horror, oft mit historischen und mythologischen Elementen. Die Serie ist bekannt für explizite Gewaltszenen, die an Splatterhorror erinnern, aber mit psychologischer Tiefe unterlegt sind.
Zu Slades Anhängern (oder „Sladisten“) zählten namhafte Genre-Autoren wie der verstorbene Robert Bloch („ Psycho “), die britische Krimiautorin Anne Perry („Slade verleiht dem Schockhorror eine erschreckend neue Dimension“) und Diana Gabaldon (Autorin der „Outlander “-Serie). Und auch Alice Cooper: „Michael Slade zu lesen ist wie ein Fortgeschrittenenkurs in Psychohorror. HEADHUNTER hat mich umgehauen. GHOUL hat mich erschüttert. Dieses Buch ist furchterregend. Ich konnte es nicht aus der Hand legen.“
„Teuflisch! Genug Lebenssaft für einen ganzen Verbund von Blutbanken.“ schrieb „The Irish Press“ über einen seiner Romane.
Die oft grotesken, kreativen Morde und wiederkehrende Charaktere wie Robert DeClercq sorgten für hohe Wiedererkennung und Loyalität unter den Fans. Und das obwohl in einem Slade-Roman jederzeit jeder sterben kann – einschließlich etablierter Seriencharaktere (von denen viele in „Red Snow“ ihr Ende finden).
Michael Slade wurde 1947 in Lethbridge, Alberta als Jay Clarke geboren. Als ehemaliger Strafverteidiger, der in über hundert Verfahren auftrat, war er spezialisiert auf psychisch auffällige Angeklagte. Bevor er Jura studierte, belegte er Geschichte als Fakultät. Clarkes Schreiben bewegt sich zwischen diesen beiden Polen und seiner weltweiten Reiselust. Die begann im Sommer 1967 mit Slades erster großer Europareise. Er reiste mit Rucksack und per Anhalter für ein paar Dollar am Tag. Der Höhepunkt war eine Reise hinter den Eisernen Vorhang nach Moskau während des Kalten Krieges. Slades Zeit in Paris war weniger erfreulich. Sein bevorzugtes Reiseziel, das berüchtigte „Le Théâtre du Grand-Guignol“ (1894–1962), hatte fünf Jahre zuvor geschlossen. Er musste sich mit einer Bootstour durch die Kanalisation und die knochengefüllten Katakomben begnügen.
Die Reiseleidenschaft war für sein literarisches Schaffen von großer Bedeutung:
Oft entschied er sich auf Grund eines Schauplatzes für ein Romankonzept, einen Ort, den er bereisen mochte, um zu recherchieren. Viele Plots verbinden ja moderne Verbrechen mit historischen Ereignissen (z.B. Jack the Ripper, Hexenverfolgung, Kriegsverbrechen). Dies verleiht der Serie eine düstere, epische Tiefe.
Clarke führt seine schriftstellerische Leidenschaft auf seine Faszination für EC Comics Mitte der 1950er-Jahre zurück. „Von da an war ich fasziniert von der Psyche von Verbrechern“, sagt er. „Zuerst zeichnete ich Comics, dann schrieb ich mit dreizehn Jahren ein Buch, `13 Gräber´. Ich tippte es in Signaturen und heftete sie wie Druckbögen zusammen. Seit meinem zehnten Lebensjahr war ich Stammgast bei Duthie Books, wo ich mir vor allem billige Taschenbuch-Krimis (besonders Ed McBain) besorgte. Also zeigte ich Bill Duthie meine Arbeit und gab sie ihm zum Lesen. Stellt euch vor, wie überwältigt ich war, als er sie mir eine Woche später zurückgab, gebunden im Hardcover, mit dem Titel und meinem Namen in Goldprägung auf dem Buchrücken. ‚Jetzt bist du in einer limitierten Auflage von nur einem Exemplar veröffentlicht‘, sagte er. ‚Eines Tages möchte ich deine Bücher in meinem Laden verkaufen.‘“
„Doch Slades dunkles Herz schlägt … schon seit er im Alter von sechs Jahren, mitten in einer fiebrigen Grippe, in einer Drogerie in Winnipeg auf ein Männermagazin stieß. Das reißerische Titelbild zeigte abgetrennte Köpfe südamerikanischer Indianer, aufgespießt auf Stangen in Einbäumen, und der junge Jay war wie gebannt.“ (Norton)
Er wurde aber auch aus Not zum Schriftsteller.
„Als die Rezession 1981 einsetzte, hatte ich 100.000 Dollar für den Bau eines neuen Büros ausgegeben, und ich hatte eine Hypothek und ein dreijähriges Kind“, sagte Clarke.
„Als die Hypothekenzinsen in die Höhe schnellten, setzte ich mich hin, um einen Roman zu schreiben, und dachte: ‚Was wäre, wenn ich einen psychotischen Killer nehmen würde, wie die, die ich vor Gericht vertrete.“
Nach einem Jahrzehnt als Verteidiger in Mordprozessen, viele davon mit Psychopathen auf der Anklagebank, schrieb Slade seinen ersten Roman. „Headhunter“ erschien 1984 und war umgehend erfolgreich. Die Einbindung realer Rechtsmedizin, Kriminalpsychologie und Polizeiarbeit gab den Horror-Elementen eine glaubwürdige Basis.
Robert Bloch war der erste Autor, der auf das Buch aufmerksam wurde – „Ein echter Schocker. Zweifellos der grausamste, den ich je gelesen habe!“ – und so begann ein Briefwechsel zwischen den beiden Schriftstellern. Slades erster Satz dankte Bloch für das Lob. Blochs Antwort: „Welches Lob? Ich meinte jedes einzelne Wort.“
Robert Bloch (1917–1994) übte einen bedeutenden Einfluss auf Slade aus. Der ehemalige Präsident der Mystery Writers of America und Thriller-Ikone verband häufig Kriminalroman und Horror-Elemente. 2001 nahm Clarke als Ehrengast an der World Horror Convention in Seattle teil – eine Ehre, die zuvor bereits Genregrößen wie Richard Matheson, Clive Barker und Peter Straub innegehabt hatten.
Der schnelle Erfolg ermutigte Clarke zu einer weiteren Karriere als Berufsschriftsteller. Aber täglich im selben Zimmer zu sitzen und zu schreiben, fühlten sich für ihn wie Gefängnis an, sagte er, deshalb habe er seine Reiselust in seine Bücher einfließen lassen.
Und so entstanden in den nächsten Jahrzehnten weitere, höchst ungewöhnliche, Romane, die aber alle Clarkes unverwechselbare Handschrift tragen.
Die Serie ist ein einzigartiges Phänomen im Thriller-Genre – intelligent recherchiert, schonungslos in der Darstellung und mit einem unverwechselbaren, düsteren Kanada-Bild. Die Bücher bleiben lange im Gedächtnis, nicht immer angenehm.
Slade springt zwischen Täter-, Opfer- und Ermittlerperspektiven, was Spannung und psychologische Komplexität steigert.
Viele Charaktere (Täter und Ermittler) tauchen in mehreren Büchern auf. Handlungsstränge werden über mehrere Romane verwoben. Die RCMP und andere Behörden werden oft als bürokratisch oder korrupt dargestellt, während die Special X-Einheit als elitär und grenzüberschreitend agiert. Trotz gelegentlicher Kritik an der RCMP hatte Slade immer ein gutes Verhältnis zu ihr und wurde bei seinen Recherchen tatkräftig unterstützt und regelmäßig zu Festivitäten eingeladen.
Clarke plant seine Romane vom Ende zum Anfang, nicht umgekehrt.
Und im Gegensatz zu dem meisten Autoren, die mit dem Schreiben beginnen, ohne zu wissen, wohin die Geschichte sie führen wird, erstellt Clarke zunächst eine detaillierte, 100-seitige Gliederung für sein 400-seitiges Buch. Diese enthält Kapitelüberschriften und die wichtigsten Handlungspunkte für jedes Kapitel. Auch wenn die detaillierte Gliederung einschränkend klingen mag, ist sie in Wirklichkeit befreiend, sagte er.
„Ich kann jedes Kapitel schreiben, wie ich will, in beliebiger Reihenfolge, solange es das erfüllt, was im Entwurf vorgesehen ist.“
Sobald Clarke ein Buch fertiggestellt hat, was er bereits 14 Mal getan hat, wendet er sein eigenes Verfahren an, um zu beurteilen, ob es mit seinen anderen Werken mithalten kann.
Er nimmt eine lange Papierrolle – so lang, dass sie drei Wände seines Büros bedeckt und zieht eine horizontale Linie darüber. Dann teilt er mit vertikalen Linien die zahlreichen Kapitel (er hat festgestellt, dass kurze, fünfseitige Kapitel die Leser dazu bringen, „bis spät in die Nacht zu lesen“).
Anschließend ordnet er jedem Kapitel eine sogenannte „Spannungsbewertung“ von null bis fünf zu und trägt diese auf dem Papier ein.
Dann verbindet er diese mit einer Linie von einem Punkt zum nächsten, sodass es einem Börsenbericht ähnelt, sagte er. Dann tritt er zurück und betrachtet es.
„Wenn ich dann drei dieser Segmente im Spannungsdiagramm habe, die nicht auf eine Vier steigen“, verriet Clarke, „dann bedeutet das, dass ich auf das zurückgreifen muss, was Raymond Chandler sagte: Wenn es langsam vorangeht, hole einen Mann mit einer Waffe.“ (https://www.thewhig.com/2018/05/24/author-uses-novel-approach)
Bei aller Betonung der Spannung stellt Slade Fragen nach der Natur des Bösen, historischer Schuld und den Abgründen der menschlichen Psyche. Es geht ihm immer auch – oder sogar vor allem? – um Wissensvermittlung und Aufklärung. Da ist vielleicht der frühe Einfluss seines marxistischen Buchhändlers erkennbar.
Die meisten seiner neueren Romane schrieb er zusammen mit seiner Tochter Rebecca Clarke, die Literatur und Geschichte studierte. Dazu später mehr.
P.S.:
Da KI – wie üblich – versagt, bin ich auf „normale“ Recherche angewiesen. Besonders nützlich war/ist:
Portrait vom 16. Oktober 2003 von Steve Newton (und weiteres von ihm)
Natürlich:
https://www.specialx.net/specialxdotnet/morgue2.html (hier kann man sich regelrecht verlieren)
FORTSETZUNG FOLGT
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