Filed under: Noir, ORGANISIERTE KRIMINALITÄT, TV-Serien | Schlagwörter: Amsterdam Empire, Cannabis, Gangster, TV-Serie
„Bei der nächsten Finanz- und Bankenkrise greifen wir aber nicht hilfreich ein, wenn ihr uns das Cannabis-Geschäft versaut!“
Die Organisierte Kriminalität
„Wir haben verstanden. Wollen aber einen progressiven Eindruck schaffen. 10% aller Deutschen kiffen und bevorzugen weiche Drogen. Aber für unsere geschaffenen Möglichkeiten zur Geldwäsche bei Immobilien hätten wir auch mal ein gutes Wort verdient.“
SPD, Grüne, FDP, CDU
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Die neue Netflix-Serie AMSTERDAM EMPIRE hat in den letzten Wochen viel Aufsehen erregt. Mit ihrer düsteren Atmosphäre und packenden Erzählweise zieht sie die Zuschauer in die Coffeshop-Abgründe der niederländischen Hauptstadt.
Für eine völlig idiotische Cannabis-Politik hatten die Niederländer ja Einfluss auf ihre unfähigen Nachbarn in Deutschland (während US-Staaten wie Colorado oder Kalifornien seit Jahren vorführen, wie es funktionieren kann, Geld in den Staatshaushalt spült und Kartell-Dealern das Geschäft versaut).
AMSTERDAM EMPIRE gelingt es, eine frische, düstere und atemberaubend inszenierte Welt zu erschaffen, die so gar nichts mit den Postkartenmotiven der Grachten und Tulpen zu tun hat.
Die erste Episode zieht den Zuschauer sofort in die Geschichte, indem sie ein intensives Bild der kriminellen Unterwelt Amsterdams zeichnet. Die Kombination aus Action und emotionalen Momenten sorgt dafür, dass man umgehend involviert ist. Die Kulisse der Stadt wird eindrucksvoll in Szene gesetzt und trägt zur anarchischen Stimmung der Serie bei. Sie nutzt die Coffeeshop-Welt nicht nur als Motor der Handlung, sondern auch als Allegorie für eine Gesellschaft, in der Erfolg und Absturz eng beieinanderliegen.
Die Serie konzentriert sich auf Jack van Doorn (Jacob Derwig), der als rücksichtsloser Unternehmer ein Cannabis-Imperium aufgebaut hat – und dabei permanent zwischen schizophrenen Gesetzen und Gesetzlosigkeit laviert.
Im Zentrum steht eben dieser berüchtigte Gründer des Cannabis-Imperiums „The Jackal“. Van Doorn ist der Typ „skrupelloser Alphamann“, der seiner 2.Frau überdrüssig wird und lieber mit einer jungen Journalistin ins Bett steigt, während er sein Königreich regiert. Derwig spielt den Coffeeshop-Zar mit der notwendigen Arroganz.
Als seine Ehe mit der ehemaligen Popdiva Betty (brillant: Famke Janssen) zerbricht, eskaliert ein persönlicher Machtkrieg. Sie will mit der Scheidung Jack das Imperium unter dem Hintern wegzuziehen.
Betty nutzt ihre Kenntnisse über Jacks dunkle Geheimnisse gnadenlos aus und beginnt einen Feldzug, der ihre Rolle als Femme Fatale unterstreicht. Sie ist eine Naturgewalt der Rache. Die Serie zeigt die Zerstörungskraft privater Rache mit der Härte eines Noir-Romans und bietet kriminelle Energie jenseits folkloristischer Kiffer-Klischees.
Beide Figuren werden mit vielen Grautönen gezeichnet; moralische Eindeutigkeit findet sich hier nirgends. Ein klassischer Noir-Plot in einem Cannabis-Kontext, der oft zum aufregenden Melodram hochfährt. Denn der eigentliche Zündstoff kommt aus dem privaten Elend. Da hätte man sich – zumindest aus deutscher Sicht – mehr Bezüge zur debilen Drogenpolitik gewünscht.
Die stimmigen Nebencharaktere dienen bestens als Schachfiguren in den „Games of Thrones“ zwischen Betty und Jack.
Ein weiteres zentrales Thema sind Loyalität und Verrat. Die Beziehungen zwischen den Charakteren sind meist von Misstrauen geprägt, was zu spannenden Wendungen führt. Diese Dynamik bringt die Figuren und ihre Konflikte zum Leben und hält die Zuschauer in Atem.
Meine einzige Kritik: Der legalisierte Aspekt des Cannabis-Geschäfts, der eigentlich ein faszinierendes Alleinstellungsmerkmal sein könnte, wird nur als Kulisse genutzt.
Dennoch überzeugt die Serie vor allem in den Momenten, in denen sie die Skrupellosigkeit ihrer Hauptfiguren ungeschönt ausstellt und das Verbrecher-Milieu „unromantisch“ zeigt.
Verantwortlich sind die Macher der gnadenlosem Serie UNDERCOVER, die man schon heute als Klassiker bezeichnen möchte.
Die visuelle Umsetzung von AMSTERDAM EMPIRE ist beeindruckend. Die Regisseure schaffen es, die Stadt als lebendigen Charakter darzustellen, Die Musikuntermalung, fast ausschließlich niederländische Pop-Musik unterschiedlicher Genres, verstärkt die emotionale Wirkung. Alles sauber inszeniert – schnörkellos und oft mit einem dunklen Filter versehen.
Die Kamera geht dicht an den Figuren, verstärkt so die Dringlichkeit und den psychologischen Druck. Das blutige Finish ist wie von einem Peckinpah auf Shit (nicht Koks) inszeniert. Umwerfend!
Und das Ende schreit nach einer 2.Season, die bisher noch nicht von Netflix in Auftrag gegeben wurde. Wohl noch zu früh für die Erbsenzähler des Konzerns.
Insgesamt ist „Amsterdam Empire“ eine gelungene Mischung aus Spannung, Drama und eigenwilligen Charakteren. Und es ist ein eigenständiges flämisches Epos, das politisch oder mental nicht anderswo spielen könnte. Die Benelux-Länder sind auch im TV-Serien-Genre in der Champions-League.
Wer Gangsterdrama und psychologische Spannung sucht, findet hier eine kompromisslose und schonungslose Story, die sich vor GB oder US- Konkurrenz nicht verstecken muss. Hinzu kommt der belgisch-niederländische Touch, der auch die Comics dieser Länder auszeichnet und so besonders macht.



