Filed under: Crime Fiction, Dieter Paul Rudolph, Interview, Jochen König, Krimis | Schlagwörter: Jochen König, Krimi-Couch
Ergänzung 2022: Inzwischen arbeitet Jochen – wie auch einige andere herausragende Rezensenten – nicht mehr für die „Krimi-Couch“.
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MC: Die KRIMI-COUCH dürfte mit monatlich mehreren Millionen Klicks (korrigiere mich) die erfolgreichste und größte Plattform für Kriminalliteratur in Deutschland sein.
JK: Im Januar hat sich die Zahl der Besuche auf der Krimi-Couch – nicht der Klicks – laut similarweb.com auf über 600 000 gesteigert. Damit dürfte die Couch tatsächlich eine der bestbesuchten Seiten im Themenbereich sein. Ob es tatsächlich „die erfolgreichste und größte Plattform für Kriminalliteratur in Deutschland“ ist, vermag ich nicht zu sagen. Es läuft auf jeden Fall gut.
MC: Wie kam es zu der Idee und zu ersten Umsetzungen?
JK: Die Geschichte der Krimi-Couch begann 2002, als ihr Gründer Lars Schafft beschloss, eine Webseite aufzubauen, deren erstes Anliegen es war, die unorthodoxe Chronologie der deutschsprachigen Veröffentlichungen Henning Mankells zu korrigieren und die tatsächliche Reihenfolge seiner Romane darzustellen. Dass dies nicht nur archivarisch geschah, sondern gleichzeitig von kritischen Rezensionen begleitet wurde, entwickelte sich zu einem der Markenzeichen der Krimi-Couch.
Nicht nur Kritiken zu veröffentlichen, sondern auch eine Datenbank zu erstellen und diese möglichst umfassend, korrekt und aktuell zu gestalten. Bei dem Wust an hierzulande erscheinenden Kriminalromanen geradezu eine Sisyphos-Arbeit. Heute noch mehr als vor 16 Jahren. Weshalb eine Prioritätenvergabe unausweichlich ist. Neu aufgenommen werden derzeit in erster Linie Autor*innen, zu deren Büchern eine redaktionelle Rezension vorliegt.
Zusätzlich dazu bot und bietet die KC ein Forum, in dem man sich austauschen kann, die Möglichkeit hat, ein Profil anzulegen, um u.a. ein virtuelles Bücherregal zu erstellen und mit anderen Mitgliedern der KC-Community privat zu kommunizieren. Ebenso kann jeder Leser Kommentare hinterlassen, egal ob ein Buch bereits redaktionell besprochen wurde oder nicht. Das war in den Nullerjahren noch nicht Standard und war ganz früh schon so eine Art kriminalistisches soziales Netzwerk. Einfacher Small-Talk ist im Forum natürlich ebenfalls möglich. Wenn man Lust darauf hat.
Nette Gimmicks waren auch der Dr.Watson-Generator, der nach Eingabe von Stichworten passende Buchvorschläge ausspuckte (so soll es zumindest sein. Doch der Doktor ist mitunter etwas eigenwillig und wortkarg) sowie die Möglichkeit, anhand von Landkarten herauszufinden, welcher Roman wo spielte. Diese vielfältige Gemengelage machte die Krimi-Couch schnell ziemlich einzigartig.
Bald fanden sich weitere Kritiker ein, sodass der Rezensionsteil ausgebaut werden konnte. Ich selbst stieg Ende 2007 ein (mit der Rezension zu Walter Mosleys „Little Scarlet“) und wurde schnell zum stellvertretenden Chefredakteur.
Doch bereits einige Zeit davor hatte Lars Schafft mit André Schmechta die „Literatur-Couch GmbH“ gegründet. Die Krimi-Couch blieb nicht alleine. Es gesellten sich die Histo-, Phantastik-, Kinder-, Jugendbuch-, Kochbuch- und Belletristik-Couch hinzu. Das jüngste Kind ist die 2017 gestartete Comic-Couch.
MC: Ich bin vor einigen Jahren damit konfrontiert worden (in einem Krimi- Chat, in den ich naiv reinrutschte), dass man ziemlich ärgerlich über die KC formulierte. Nach meinen Nachfragen erfuhr ich, dass nach Meinung der Beteiligten ein Qualitätsverlust eingesetzt hatte. Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht?
JK: Nun hat ja jede langlebige „Institution“ ihre ups and downs. Aber woran könnte dieser von einem Teil der Krimiszene wahrgenommene Qualitätsverlust gelegen haben?
Hmm, das zu beantworten ist schwierig, weil es vermutlich jene Zeit betrifft, in der ich nicht für die Krimi-Couch tätig war. Da kann ich nur als Außenstehender antworten: Eigentlich sollten die Ausgaben der Krimi-Couch, wie bei Printmedien, monatlich erscheinen. Elf Mal pro Jahr, mit einer Pause im Januar. Irgendwann reduzierte sich die Anzahl runter bis teilweise auf sieben oder acht Ausgaben. Dazu gesellten sich technische Probleme, die vor allem die Nutzerkonten (Stichwort: Bücherregal) betrafen. Diese Unregelmäßigkeiten gefielen begreiflicherweise zahlreichen Lesern und Usern nicht.
Auch hatten einige kompetente Redakteure die Krimi-Couch verlassen (Matthias Kühn, Martin Krist, und Stefan Heidsiek beispielsweise). Der im letzten Jahr leider viel zu früh verstorbene DPR (Dieter Paul Rudolph) hatte sein Krimilabor, ein Kolumnen-Highlight der Krimi-Couch, bereits zu meiner aktiven Zeit geschlossen, um mehr Muße für seine Autorentätigkeit zu haben. Bevor er dem Krimigenre weitgehend den Rücken kehrte, um seine ganz besondere Art des creative writing zu betreiben. Er veröffentlichte die „Schundhefte“, eine Art ironische Pulp-Hommage und widmete sich als Mentor und kritischer Begleiter einer Gruppe junger Autorinnen, den „Fantasy Girls“. Damit einher ging eine intensive Beschäftigung mit E-Book-Veröffentlichungen.
Teilweise sah es auch so aus, als würden die Rezensionen – das betraf vor allem neue und periphere Schreiber – nicht mehr so sorgfältig wie früher redigiert.
Ein riesiges Loch hinterließ auch der Abschied Susanne Kremmers, die die bibliographische Datenbank der Krimi-Couch äußerst akribisch, kompetent und findig pflegte und erweiterte. Diese Datenbank ist ein enorm wichtiges Feature der Krimi-Couch, das fast für so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal sorgt.
Das hat sich mittlerweile glücklicherweise wieder geändert. Die monatlichen Ausgaben sind seit 2017 eh Geschichte, die Krimi-Couch veröffentlicht, um das serielle Fernsehen mal mit einzubeziehen, quasi horizontal, nicht mehr in abgeschlossener Episodenform und kann so flexibler agieren. Und Susanne Kremmer arbeitet wieder an den Hintergrundinfos.
MC: Wie kam es zu der KC-Reihe bei Fischer und weshalb existiert sie nicht mehr?
JK: Wie genau es zustande kam, müsstest du Lars Schafft und André Schmechta fragen. Der Kontakt zum Fischer Verlag war damals sehr gut, und ich denke, dadurch wurde die Idee geboren, eine kleine Klassiker-Reihe unter Betreuung der Krimi-Couch ins Programm zu nehmen. Das Ende ist banal: Es rentierte sich anscheinend nicht. Die Fans von klassischen Kriminalromanen sind zwar solvente und interessierte Leser*innen, doch ist die Anzahl begrenzt. Und eine Begeisterungswelle schwappte leider nicht über. So blieb es bei elf Titeln, eine dritte Staffel wurde zwar vorbereitet, blieb aber im Schubladenmodus.
MC: Du hast die KC einige Jahre verlassen und dort nicht mehr mitgearbeitet. Warum?
JK: Das hatte mehrere Gründe. Ich hatte das Gefühl, dass Stillstand herrschte, zu viel Arbeit geleistet wurde, ohne dass Erkennbares dabei herauskam. Manches versandete einfach, anderes blieb liegen oder verzögerte sich scheinbar grundlos. Gleichzeitig eröffnete sich für mich mit Booknerds.de die Möglichkeit, nicht nur im Bereich der Kriminalliteratur tätig zu sein, sondern auch meinem ursprünglichen Interesse nachgehen zu können, nämlich Filme und TV-Serien zu besprechen.
Ich habe ja immer neben der Krimi-Couch auch für Musik-Webzines (erst Nocturnalhall.de, dann Musikreviews.de) geschrieben. Ex-Musikreviews-Kollege Chris Popp hat Booknerds.de gegründet, und es geschafft mit einem offenen Konzept – besprochen werden Bücher, Hörbücher, Audiovisuelles und gelegentlich sogar Computerspiele – viele hervorragende Kulturschaffende auf der Seite zu versammeln (der bekannteste dürfte derzeit Oliver Uschmann sein). Ich habe mich dem gerne angeschlossen.
MC: Wie sieht heute Deine Beteiligung an KC aus? Und was hat Dich zur Rückkehr bewogen?
JK: Mein Herz hing auch während meiner Abwesenheit an der Couch. Ich hatte immerhin mehr als ein halbes Jahrzehnt eine spannende Zeit dort erlebt, viele tolle Menschen kennengelernt und mit ihnen zusammengearbeitet. Bereits mein völlig verkorkstes Interview mit James Ellroy, sorgte für viel Nachhall und eine Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle. Obwohl ich gar nicht gut dabei wegkomme. Ich killte das Gespräch damals gleich mit meiner ersten Frage nach dem „Patriot Act“.
Das, was Lars und Andrés Agentur, die Zeitspringer in Münster, aus der Krimi-Couch (und ihren Verwandten) gemacht hatten, fand ich immer beeindruckend. Nicht nur einen Krimi-Blog – die es mittlerweile ja wie Sand am Meer gibt – zu schaffen, der gefühlsduselige Befindlichkeitsrezensionen verbreitet (gerne gipfelnd in einem unverbindlichen „Geschmäcker sind halt verschieden“), sondern eine multifunktionale Seite zu erstellen, die Lesern Austausch und Einbringung erlaubt, kompetente redaktionelle Kritiken veröffentlicht, als Nachschlagewerk funktioniert und noch ein paar knuffige Features mehr bietet (Krimi-Landkarte, Dr. Watson etc.) – das war (und ist) schon eine tolle Sache, die zu Recht mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.
Dass es bedauerlicherweise zu Unwegsamkeiten kam, liegt auch an dem hochexplosiven Gebräu, das sich Leben nennt. Und das hält neben Erwartbarem gerne Überraschendes parat.
2017 hat Lars Schafft die Literatur-Couch-AG verlassen, André Schmechta und seine Frau Stefanie sind jetzt Hauptverantwortliche. Mit André hatte ich eigentlich dauerhaft Kontakt, er produziert mit X-MARKS THE PEDWALK seit einigen Jahren wieder selbst Musik, hat ein hochinteressantes Soloprojekt (SN-A) am Start und produziert mittlerweile auch andere Künstler. Ein Fall für Musikreviews. Und mich.
Als André mich dann letztes Jahr fragte, ob ich nicht wieder Lust hätte, für die Krimi-Couch zu arbeiten, brauchte ich nicht allzu lange überlegen. Das Konzept war gut, mein Aufgabenbereich ist spannend und erlaubt mir einige Freiheiten. Zudem ist es interessant, zu sehen, ob man, angesichts eines einbrechenden Buchmarktes, nicht doch Interesse an Literatur, speziell der Kriminalliteratur wecken und erhalten kann. Auch und gerade außerhalb des x-ten Serienkiller-Aufgusses und bis zur peinlichen Absurdität überreizten Psycho-Thriller-Standards vom Wühltisch. Die steigenden Zugriffszahlen des letzten Jahres sprechen dafür.
MC: Wie wird oder sollte sich die KC weiterentwickeln? Gibt es da konzeptionelle Möglichkeiten, die Du siehst?
Zur geplanten Ausrichtung und Entwicklung müsstest du Stefanie Eckmann-Schmechta fragen, die Geschäftsführerin der Couchen. Was bereits passiert ist eine multimediale Ausrichtung und Themenerweiterung. So gibt es seit Ende letzten Jahres auf Youtube den „Krimi im Kreuzfeuer“. Dort diskutieren Andreas Kurth, Birgit Borloni und ich – durchaus kontrovers – über aktuelle Kriminalromane. Weitere Events – mit Kamerabeteiligung – sind in der Planung.
Abseits von literarischen Rezensionen passiert auch einiges. So habe ich mich länger der dritten Staffel von „Twin Peaks“ gewidmet, ein herausragendes Fernsehereignis, das jede Aufmerksamkeit verdient hat. Außerdem habe ich mich im Zuge der Veröffentlichung von „Endeavour“ („Der junge Inspektor Morse“) dem vor einem Jahr verstorbenen Autoren Colin Dexter und seinem Inspektor-Morse-Universum beschäftigt. Eine lohnende Angelegenheit, nicht nur für Oxford-, Wagner- und Kreuzworträtselfans.
Selbst Filmbesprechungen halten gelegentlich Einzug auf der Couch. Der erste Anlass war „Wind River“ , der Abschluss von Taylor Sheridans „American Border“-Trilogie („Sicario“, „Hell Or High Water“ und „Wind River“). Ein höchst atmosphärischer Country Noir, der im winterlichen Wyoming spielt. Mit exzellenter Besetzung und einer Thematik, die sich mit der Vernachlässigung der indigenen Bevölkerung Amerikas befasst.
Weitere Specials werden folgen, als nächstes werde ich mich mit dem Thema „Krimi und Musik“ beschäftigen. Ein großes Gebiet, das ich zwar nicht abdecken werde, aber ein paar literarische und musikalische sollten drinsitzen. Wie der Verweis auf Nick Cave, der auch die Filmmusik von „Wind River“ (gemeinsam mit Warren Ellis“) geschrieben hat, und der mit seinen „Murder Songs“ explizit das Thema Verbrechen musikalisch aufgegriffen und hervorragend umgesetzt hat.
Insgesamt hoffe ich, dass wir weiterhin breitgefächert und kritisch über Krimi, seinen Status Quo, Entwicklungen, Trends und Möglichkeiten informieren werden. Damit erkennbar bleibt, wie wichtig und erhellend das Genre in seiner Vielfalt für die Literatur und im besten Fall auch unser Leben ist.
Filed under: Elsinor Verlag, Interview, John Buchan, Porträt | Schlagwörter: Elsinor Verlag, John Buchan, Thomas Pago, Thriller
Bis letztes Jahr war der Elsinor Verlag für mich eines der best gehüteten Geheimnisse des deutschen Buchhandels.
Dann – ich konnte es kaum glauben – erschien dort als deutsche Erstausgabe John Buchans THE POWER HOUSE, ein Schlüsselwerk des Thrillers. Noch dümmer guckte ich aus der Wäsche, als ich feststellte, dass in diesem Verlag ein bisher nicht übersetzter Nicholas Blake erschienen war und zudem noch mehrere Bände von G.K.Chesterton. Das gesamte Verlagsprogramm war überraschend vielfältig. Um nur ein paar Namen zu nennen: Robert Louis Stevenson, Arthur Koestler, Gustav Meyrink, Voltaire etc. Das war ganz klar die Handschrift eines Verlegers, der sich einen Dreck um planbaren Bestsellermist schert. Und ganz sicher war es auch die ganz persönliche Handschrift eines Verlegers mit breiten Interessen.
Darum also hier ein Interview mit ihm:
- Wer ist Thomas Pago – Ein paar Worte zur Biographie und Werdegang.
Studiert habe ich Germanistik und Anglistik in Münster. Dann ergab sich die Chance, am Nachwuchslektorenprogramm der Verlagsgruppe Bertelsmann in München teilzunehmen. Dort bin ich zehn Jahre geblieben, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur im Programmsegment „Reiseführer und Kulturführer“. Mit Münchner Kollegen folgte dann der Schritt in die Selbständigkeit – der Aufbau eines Redaktionsbüros, das bis heute als Producer für Verlage im Sachbuchbereich tätig ist.
- Die Leidenschaft zur Literatur wird ja zumeist in jungen Jahren geweckt. Was hat Sie nachhaltig beeindruckt?
Vorgelesen wurde tatsächlich seit frühester Kindheit, und dann eben selbst gelesen, sobald das möglich war. Vermutlich war vieles davon auch gar nicht wirklich „altersgemäß“. Jedenfalls war ich als Kind besonders beeindruckt von den frühen Erzählungen Heinrich Bölls, von den Romanen Wilhelm Raabes und von Thomas Mann. Persönlich beeinflusst hat mich vor allem ein Onkel, Norbert Engling, der als Bibliothekar in Dortmund für schöne Literatur und Theater zuständig war. Als junger Theaterkritiker hatte er beispielsweise alle großen Brecht-Inszenierungen am Berliner Ensemble gesehen und kannte Helene Weigel persönlich, auch einige Schauspieler und Regisseure. Stoff genug also für viele interessante Gespräche.
- Wie kam es zur Gründung von Elsinor?
Die Idee, es mit einem eigenen Verlag mit literarischer Ausrichtung zu versuchen, bestand schon länger. Ohne die Jahre im Konzernverlag und ohne die Erfahrung nicht nur im Lektorat, sondern auch mit der technischen Seite der Buchproduktion wäre das allerdings kaum möglich gewesen. Denn klar war von Anfang an, dass man sehr vieles selbst und manches im kleinen Team freier Mitarbeiter tun muss. Die Grundausrichtung stand also bei der Gründung schon fest, aber der Blick reichte zu Anfang vielleicht ein halbes Jahr weit; die Strukturen sind dann erst langsam gewachsen.
- Das Programmspektrum ist von einer beeindruckenden Vielfalt. Nach welchen Kriterien wählen Sie die Titel aus?
Eine schwierige Frage, weil sie unterstellt, dass jede Programmentscheidung vollkommen rational nach bestimmten Kriterien erfolgt. Mindestens zu Anfang spielten persönliche Vorlieben eine ganz große Rolle, daran konnten sich dann weitere Autoren oder Titel anlehnen. Von Keyserling zum Beispiel, der zur Münchner Bohème gehörte, ist von Lebenszeit und -ort her der Weg gar nicht so weit zu Alexander Moritz Frey oder Rudolf Schneider-Schelde. Betrachtet man das Programm inhaltlicher, entdeckt man vielleicht eine kleine Vorliebe für Texte im Grenzbereich der Groteske – etwa bei Wilhelm Busch, bei Chesterton oder in Freys „Solneman“. Aber selbstverständlich gilt das nur für einen Teil der Titel. Jedenfalls zeichnen sich mittlerweile Linien ab, die nicht von vornherein festgelegt waren, sondern sich entwickelt haben und künftige Entscheidungen leiten werden. Wobei der persönliche Eindruck immer noch entscheidet – für Bücher, die mich nicht ansprechen, würde ich den Aufwand nicht betreiben.
Vielleicht noch ein Beispiel für klare Kriterien: Über den Kontakt zum Übersetzer Jörg W. Rademacher ist es zu einer Neuauflage seiner Übersetzung des „Dorian Gray“ von Oscar Wilde gekommen. Das ist ein ehemaliger Eichborn-Titel, dessen Rechte an den Übersetzer zurückgefallen waren. Es geht dabei um einen ganz ungewöhnlichen Versuch, die „unzensierte“ Erstfassung dieses Skandalromans zu rekonstruieren – also die Eingriffe und Korrekturen des Autors und seiner Lektoren in einem umfangreichen Anmerkungsapparat kenntlich zu machen. Es handelt sich um eine Textfassung, die es sonst nirgendwo gibt, und eine wissenschaftliche Ausgabe, aber ungewöhnlicherweise eben in deutscher Übersetzung. Daraus ließ sich dann ein kleiner Themenschwerpunkt ableiten: eine deutsche Leseausgabe ohne die umfangreiche Dokumentation und ohne Nachwort, und dann die rekonstruierte Erstfassung auch als englischen Text, mit Zeilenzählung für den Schulgebrauch. Hier hat sich also die Chance zu einer Art Verdichtung geboten – solche Fälle sind allerdings nicht die Regel.
- Wie wichtig ist das Internet für Ihren Vertrieb und Ihr Marketing?
Das ist schwer einzuschätzen. Natürlich gibt es eine Verlagswebsite, und Buchhandlungen werden teilweise auch durch Mailings angesprochen. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite gibt es Blogs und Magazine im Netz, die teilweise sehr qualifiziert rezensieren und über Titel berichten. Manche Verlage versenden ja Rezensionsexemplare ungern an Autoren, die nur im Netz publizieren. Diesen Unterschied macht Elsinor nicht, Beiträge im Netz sind höchst willkommen. Aber, und daher das „schwer einzuschätzen“: Die Wirkung ist oft nicht so leicht zu messen. Wenn unmittelbar nach einer Rezension in einer überregionalen Print-Zeitung die Bestellungen zunehmen, ist der Zusammenhang relativ klar. So deutlich ließ sich der Zusammenhang bei Berichten im Internet bisher nicht beobachten. Dafür ist das, was im Netz steht, eben sehr lange auffindbar, wirkt also vielleicht „nachhaltiger“.
- Mit LONGINUS veröffentlichen Sie Regionalica. Darunter „Klassiker“ wie DER TOLLE BOMBERG. Ich habe kaum Vorstellungen von Westfalica und frage: Ist da tatsächlich noch Ähnliches zu entdecken? Oder konzentrieren Sie sich hauptsächlich auf zeitgenössisches und zeitgeschtliches?
DER TOLLE BOMBERG ist in der Tat eine Ausnahme: wirklich ein Klassiker, der schon seit etlichen Jahren vergriffen war, aber zumindest in Westfalen noch unvergessen ist. Was den Bekanntheitsgrad angeht, wird sich vermutlich nicht so leicht etwas Ähnliches finden. Aber es gibt durchaus auch unter den literarischen Westfalica vergessene Titel, die heute noch Wirkung entfalten könnten. Ich denke da beispielsweise an Augustin Wibbelt, dem man großes Unrecht tut, wenn man ihn als „Heimatdichter“ abstempelt. Bei Wibbelt gibt es durchaus noch einiges zu entdecken – nicht zuletzt in seinem wenig bekannten hochdeutschen Werk. Im Übrigen muss man Westfalica ja nicht „heimatkundlich“ auffassen; wenn man den Blick auf Autoren aus Westfalen richtet, wird sich sicherlich noch einiges entdecken lassen.
Insgesamt sehen Sie das aber richtig: Weil das Feld kleiner ist, wird Longinus thematisch breiter angelegt, soll auch Kultur- und Zeitgeschichtliches umfassen. Sogar ein Kochbuch aus dem 19. Jahrhundert ist in diesem Jahr vorgesehen; der Schriftsteller, Rezitator und Wibbelt-Herausgeber Rainer Schepper hat kürzlich die Handschrift in seiner Bibliothek entdeckt. Das wird nun sicherlich eine Ausnahme bleiben, passt als kulturhistorisches Dokument aber in ein derart weit gefasstes Programmsegment.
- Man sollte das einen Verleger, der ganz offensichtlich mit so viel Herzblut sein Programm gestaltet, nicht fragen. Ich versuche es trotzdem: Gibt es in Ihrem Programm Autoren oder Titel, die Ihnen besonders viel bedeuten?
Sie haben recht, das ist eine heikle Frage – und eine Antwort kann ich natürlich nur versuchen, wenn ich die noch lebenden Autoren komplett ausklammere. Dann würde ich ganz spontan auf die Erzählungen Eduards von Keyserling zeigen und auf die Essays und Erzählungen von Chesterton. Und auf einen wirklich großartigen und leider fast unbekannten satirischen Roman aus der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg – „Solneman der Unsichtbare“ von Alexander Moritz Frey („Solneman“ muss man übrigens rückwärts lesen). Das war die erste spontane Reaktion; nun kämen noch eine Reihe weiterer Titel hinzu, aber ich will es dabei belassen.
- Mit sechs bis sieben Titel im Halbjahr bei LONGINUS und ELSINOR kann man nicht mehr von einem Kleinverlag reden. Mit welcher Manpower organisieren Sie diesen Ausstoß?
Da treffen Sie einen wunden Punkt – denn hier vor Ort im Büro bin ich tatsächlich allein verantwortlich und erledige einen großen Teil der anfallenden Arbeiten – Dinge, die in einem größeren Haus auf mehrere Schultern verteilt wären. Aber selbstverständlich gibt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die aber immer nur projektweise tätig werden – Übersetzer, Schlusskorrektoren, aber auch gelegentlich Herausgeber, die ein Projekt von der Erstellung einer satzreifen Textfassung bis zum Verfassen eines Nachworts komplett betreuen. Ohne diese Hilfe wäre der Umfang nicht zu stemmen. Andererseits gibt es aber auch viele Titel, die ich von der Erstellung der Vorlage bis zur Schlusskorrektur komplett selbst in der Hand halte. Manche sprechen ja in solchen Fällen von „Selbstausbeutung“; so sehe ich das zwar nicht, aber ohne die Bereitschaft, sehr viel eigene Zeit einzubringen, wäre das alles nicht möglich.
- Und natürlich die Sphinx-Frage: Wie sehen Sie die Zukunft des Buches, speziell in Deutschland?
Ein Verschwinden des Buches in den nächsten Jahrzehnten befürchte ich, ehrlich gesagt, nicht; das Buch hat hier einen hohen Stellenwert – als „Gebrauchsbuch“ wie als Kulturgut. Und die elektronische Version, die in Deutschland ja bei weitem nicht so verbreitet ist wie im angelsächsischen Raum, verdrängt das gedruckte Buch bisher nicht, sondern stellt bestenfalls eine weitere Ergänzung dar, eine Variante wie das Paperback zum Hardcover. Andererseits dürfte der Bevölkerungsrückgang – der vielzitierte demografische Wandel – sich langfristig noch stärker im Buchhandel niederschlagen. Zumal die heute jugendliche Generation weniger vom Buch geprägt wird als frühere Generationen, wegen der vielen visuellen Medien – und wegen der immer knapper werdenden Zeit, man denke nur an an die verkürzte Schulzeit vor dem Abitur. Nun hat vor 20 Jahren auch nicht jeder Jugendliche seinen Goethe auf dem Nachttisch liegen gehabt. Aber wer sich für Literatur begeistert, tut das in der Regel schon früh – und ob man als Jugendlicher frei über einen großen Teil seiner Zeit verfügt oder nicht, ist schon ein erheblicher Unterschied. Deshalb glaube ich zwar weiterhin an die Zukunft des Buches, aber ein sehr literarisch ausgerichtetes Programm wie das von Elsinor hätte es vor 20 Jahren vermutlich ein wenig leichter gehabt – und wird es in 20 Jahren noch etwas schwerer haben.
- Und welche Chance haben kleinere und mittlere Verlage angesichts der großen Konzernverlage?
Das Nebeneinander von großen Häusern und kleinen und mittleren Verlagen ist ja nicht neu und macht die Vielfalt der Verlagslandschaft in Deutschland aus. Diese Landschaft wird vielleicht von den Verlagen in der ersten Reihe dominiert, aber in der zweiten oder von mir aus in der dritten und vierten Reihe finden sich durchaus noch auskömmliche Plätze. Da die Ressourcen in den kleinen Verlagen begrenzt sind, muss das Programm natürlich klar profiliert sein – und sich möglichst vom Programm der Großen abgrenzen. Aber Programmideen und die Fähigkeit, davon etwas umzusetzen, sind ja nicht ausschließlich ans große Budget oder eine Konzernzugehörigkeit gebunden. In meiner Zeit im Konzernverlag sind viele Projekte mit der ersten Deckungsbeitragsrechnung begraben worden. Da kann ein kleiner Verlag, natürlich mit der gebotenen Vorsicht, durchaus mehr wagen als der Programmleiter eines großen Verlages, der stärker am Ergebnis gemessen wird. Es gibt ja auch im weiten Feld der Literatur Raum für viele – und es gibt die reizvollen Bezirke, die für den großen Verlag unattraktiv bleiben, weil die Risiken zu hoch sind.
Man darf sich eben nur nicht überschätzen und die eigenen Grenzen aus den Augen verlieren. Der kleine Verlag, der sich für einen erfolgreichen Bestsellerautor interessiert, wird chancenlos bleiben. Und mit dem Gewicht einer jahrzehntelang präsenten Marke oder mit den Vertriebsmöglichkeiten der Großen – mit Marketing- und Presseabteilungen und einem perfekt organisierten Außendienst – kann ein Kleiner in der Regel nicht mithalten. Es ist Raum genug für beide, aber jeder bleibt eben in seiner Sphäre – der Kleine muss nicht unbedingt ein Verdrängtwerden befürchten, aber eine Möglichkeit, wirtschaftlich auch nur halbwegs zu den Großen aufzuschließen, besteht wohl in der Regel nicht.
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Filed under: FLUBOW, Fragebogen, Interview | Schlagwörter: Alex Flückiger, FLUBOW, Fragebogen, Noir
Seit inzwischen sechs Jahren betreibt Alex eine der wichtigsten deutschsprachigen Krimi-Seiten:
Sie hat sich als eine der wichtigsten Informationsquellen zu Krimi-Autoren des 20.Jahrhunderts etabliert und man findet dort zu den obskursten Autoren schwer zugängliche Informationen – von Robert Edmond Alter bis Fred Willard. Und sogar John Barker hat fachkundigen Eingang gefunden! Alex schreibt so genau und auf den Punkt, dass man selbst in den kürzesten Einträgen ein Gefühl für den Autor bekommt und leicht entscheiden kann, ob er einen interessieren könnte oder nicht. Vertieft man sich in sein Lexikon, stößt man zwangsläufig immer wieder auf Gold aus einer zuvor unbekannten Mine. Internet hin, Internet her: Man wünscht sich dieses Lexikon auch als Print-Produkt. Die Artikel zu lesen ist genauso unterhaltsam wie ein hochkarätiger Kriminalroman
Hier der Bünnagelsche Noir-Fragebogen.
NAME:
Alex Flückiger alias flubow
Berufungen (Lebensmittelpunkte):
Meine Frau , eine mutige Münchner Anwältin mit grossem Herz für sozial Benachteiligte. Mein Beruf als Hausarzt in einer zerrissenen zweisprachigen Schweizer Stadt.
Filme in meinem Geburtsjahr 1955:
Rififi, Die Faust im Nacken, Die Teuflischen.
Im Bücherschrank:
Dürrenmatt, Ross Thomas, Svevo, Crumley, Hammett, Gernhardt, Kafka, Charyn, Ror Wolf, Tschechow, Henscheid.
Noir-Initiatoren:
Hammetts Continental Op.
Liebstes Noir-Klischee :
Femme fatale mit Zigarette im Mundwinkel.
Film noir-Favoriten:
Melvilles Delon-Trilogie, Chinatown, Mystic River.
Andere Lieblingsfilme :
Alles von Tardi, Leone-Western, der erste Pate
Welche Roman- und Filmfigur würdest du mit eigenen Händen umbringen?
Umbringen könnte ich eventuell den wehleidigen Massenmörder Szell in Marathon Man.
Internet:
Ständiger Begleiter.
Mein Leben als Film noir:
Im fiktiven Film noir Deines Lebens – welche Rolle wäre es für Dich
schweigsamer Kneipier
Und der Spitzname dazu?
Bruno
Welcher lebende (oder bereits abgetretene) Schriftsteller sollte das Drehbuch dazu schreiben?
Dennis Lehane
Schwarzweiß- oder Farbfilm?´
schwarz-weiss
Wer liefert den Soundtrack zum Film?
Mikael Tariverdiev
Welche Femme fatale dürfte Dich in den Untergang führen? (Alternativ: Welcher hartgesottene Noir-Held?)
Lauren Bacall
In welchem Fluchtwagen wärst Du unterwegs?
Citroen Traction Avant 11 CV
Und mit welcher Bewaffnung?
Glock im Hosenbund (Isaac Sidel)
Buch für den Knast?
Henscheids Trilogie des laufenden Schwachsinns.
Inschrift Deines Grabsteins?
RIP.
Filed under: FLASHMAN, Hörbücher, Interview | Schlagwörter: Bernd Kübler, Interview, News
Auf https://compartsflashman.wordpress.com/ jetzt der erste Teil des Interviews mit Bernd Kübler.
Filed under: Interview, NEWS, Söldner | Schlagwörter: Frank Westenfelder, Söldner
Im Netzmagazin TELEPOLIS hat Dominik Irtenkauf ein interessantes Interview mit dem besten deutschen Kenner der Söldner-Thematik geführt.
http://www.heise.de/tp/artikel/38/38425/1.html
Dr.Frank Westenfelder ist seit Jahren auch international bekannt und anerkannt für seine Page http://kriegsreisende.de/
die wohl umfangreichste und beste Informationsquelle zum Thema Söldner in allen Aspekten. Außerdem hat der studierte Historiker 2011 im Adatia Verlag eines der besten Bücher über das Södnerwesen veröffentlicht.
Filed under: Crime Fiction, Interview, KENT HARRINGTON, Noir, Politik & Geschichte, Porträt, Spythriller, thriller | Schlagwörter: Noir, Thriller
MC: How do you think are you still influenced by your latin-american roots?
KENT: I consider myself very much a Latin in terms of temperament and am a classic Catholic in tastes and allowing people room to be, which is contrary to the protestant head-set that wants to force people to work and pay out. Catholic culture, at least my version, the Latin American kind, allows for people to be human, sexually, artistically. In other words, life isn’t about counting money; it’s about spending it. It’s about chasing that pretty girl or buying that painting or writing that book. If you understand that; you understand the Latins. We expect you to fuck up and be human. We are sybaritic, in the good sense of the word. Life is not about saving for tomorrow. It’s about today. I think Art just costs too much for the Protestants. Look at the churches they built! I remember that one important driver behind the Reformation was the bourgeois businessmen didn’t like all the Saint Days, when workers would leave their jobs and go party!
MC: Are you interested in southamerican literature (magic realism etc.)?
KENT: Yes and no. I think that Magic Realism was a convenient way of burying Social Realism, especially during the Cold War, which was also a Culture War. In other word, a novel like Los De Abajao (Mexican Novel about the Revolution in Mexico) is more interesting to me than Borges. Don’t get me wrong; I like Borges, but there is nothing magical about grinding poverty or the Colonial experience and what it has done to people in the Third World.
(As a child, I saw workers paid with corn!) I think that is why The Heart Of Darkness is such a great book — after reading that book, you get it. Having said all that, I do believe that Naturalism can have a wing called Magic Realism, and that it’s useful. In fact, I’ve employed a dash of it in my latest work. I’m a budget of paradoxes as someone says in The Rat Machine.
MC: A lot of writers don’t read a lot of fiction anymore? Same with you? 
KENT: Yes, because a lot of modern novels simply bore me. Especially those done in the First Person. It all seems very lazy. But what’s worse are the “crime writers” who have never even been punched in the face. You know it the moment you open their book; it’s like eating fast food.
MC: Are there special themes of non-fiction you read regularly?
KENT: Well, I had to read an enormous amount for The Rat Machine. A lot of history about the Second World War, the Eastern Front, and then histories of Sicily and Italy and the Western Intelligence services, etc. And the Modern Dope Business. I do tend to gravitate towards History for some reason. I loved it in school too.
MC: Are there some living writers you read regularly?
KENT: I check in on author friends of mine, who I came up with, and that I respect. I like to see what they’re up to: M. Connelly, K. Anderson and a few others.
AND AT LEAST…
MC: What makes you angry?
– political and personally?
KENT: Well, I hate thieves. I think, that—at its very heart— Fascism is about well organized State Theft. But I hate any kind of thieves. People work so very hard for their personal things: a bike, or a car, a cell phone, and then some asshole steals it. I hate thieves — high or low. Also, I believe lying is theft too. When politicians lie to us, they are stealing something from us we need to make Democracy, the facts.
MC: What makes you happy?
KENT: My wife, in the morning, just looking at her. She is so beautiful. There something about a beautiful woman in the morning. It just makes me happy to be alive.
MC: Anything new about TV- or movie-adaption? We surely know about Huston trying to get MUERTOS made.
KENT: Well, as soon as I get The Rat Machine put to bed—this week—I’m going to go pitch it as a Cable TV series in Hollywood. I really would like to develop it as a TV series, similar say to “Boardwalk Empire” or “The Wire”. I’m going to try to do accomplish that. But it’s very hard there to get anything done!
MC: What do you think will be l the most dangerous political development for the next years?
KENT: If the U.S. loses reserve currency status. Should that happen, the world will change more than at any time since the end of the WWII, and it could get very ugly.
Filed under: Interview, Jim Thompson, KENT HARRINGTON, Krimis,die man gelesen haben sollte, Nazi, Noir, Porträt, thriller | Schlagwörter: CIA, Graham Greene, Jim Thompson, Nazis, Noir, Raymond Chandler, Senator McCarthy
Obwohl Kent schwer im Stress war um die Veröffentlichung von THE RAT MACHINE rechtzeitig zum Noir-Con hinzukriegen, war er so freundlich mir einige Fragen ausführlich zu beantworte. Alles zwischen Lesungen in San Francisco und den letzten Korrekturen. Der Mann ist eben ein 100%iger Profi. Genießt das Interview. Hier der erste Teil:
MC: How do you write?
KENT: I write in the morning, first thing. Coffee, breakfast, work until noon or so. I don’t look at the work again until the next morning.
When I’m ready to finish the book, I’ll work in the afternoon to put in things that come to me: areas I think needed more work and have put off. You collect a list in your head that you want to go back to at the very end and rework.
During the first draft, I don’t stop for small issues. The thing is to get the battle of the First Draft won. You have to take that flag!
MC: What is it that starts a new novel? A character, a situation, a plot?
KENT: Well, it can be a lot of things. In the case of Dark Ride, I saw a girl on the street and she had this most incredible tattoo going up the outside of her thigh. It was summer and she was wearing short shorts! She was very beautiful, dark hair. I don’t know why she was the muse, it almost sounds corny, but the novel came out of her sexuality and my own desire to explain something about myself and my country. And yet, I don’t consider Dark Ride an erotic novel, oddly it’s more than that — I hope!
In the case of this new work, The Rat Machine, I was reading a footnote in William Shirer’s The Rise And Fall of the Third Reich. It was an appalling bit of history discussed in the footnote: several SS officers, on trial at Dachau for war crimes(for murdering 80 American GIs at the Battle of the Bulge in cold blood rather than take them prisoners as the Rules of War mandated)had been released because AN AMERICAN, Senator Joe McCarthy, had asked for leniency for these particular SS officers. Why, I wondered? This is why: ex-Nazi intelligence officers, like Reinhard Gehlen, were employed by the West immediately after the War.
These ex-Nazi officers were involved in the illegal drug trade, first the penicillin Black Market in Berlin immediately after the war and, later, with the help of Western intelligence, the heroin business. So reading one footnote created a very long novel!
MC: And how do you develop?
KENT: I don’t develop in the normal way. I don’t outline; I don’t make lists. I’ve said this before: I watch the characters do what they are going to do. In other words: I get up in the morning, I turn on the computer and watch the screen like you would a movie. The story belongs to the characters who have come to me to tell it. I practice the No-Method of writing novels. And that is the truth.
MC: How is the process? A fast first version? Or do you polish from the beginning?
KENT: I never, ever, polish in the beginning! It’s a trap. And, again, getting back to how I work: I don’t want to interrupt the characters and their story. I don’t care if I’ve misspelled something, or the sentence isn’t perfect. Who cares about that! What is important is the HEAT OF THE SCENE. The HEAT OF THE MOMENT. That is all I care about in the first draft. If correct punctuation and spelling were all that it took to be a novelist, every English teacher would be Ernest Hemingway. Also, you have to be a little crazy to do this work. I mean it. I’m not trying to romanticize the life of an artist; I wish in fact it were not so. It’s just a fact. You can not be well balanced and be a great artist. There is something about the act of creating that is, in fact, not only extremely egotistical on the face of it, but also delusional; it’s a kind of emotional purging. You, the artist must give of yourself. If you aren’t willing to give of yourself, there is no art; look at Van Gogh! It’s not pretty, the creative process—not really. It’s about like dumping out your kitchen garbage on a clean floor and using the pieces of what’s there [your personal psyche] to make a something worth while!
MC: Are you ritualizing for writing? (Same hours, cop of coffee, at least a page a day?)
KENT: Yes. I want the same routine everyday. A lot of people starting out think that they can party and get high and live a boho life style. It’s just the opposite. Ironically, being a novelist is a bourgeois pursuit in the sense that you have to get up every morning and work; and be sober; and not be high, or have too much drama around you. Better yet, no drama. What you need in this order are food, good sex, paper, exercise, a working computer, and a quiet location that has a good vibe. I think that’s what Hemingway meant by “a clean well lighted place” in fact. I think he meant it had to vibe right. It does for me anyway.
MC: Did your writing habits change over the years? And how?
KENT: No. I’ve done this for the last 20 plus years always the same way. I may have been in a different country, as I was when I wrote Red Jungle, but I still woke up in the morning and drank coffee and hit it until noon. (I will say that in Guatemala I did work late at night in my office. I had a guard who would stand outside my office door. (There is a lot of violence and you need guards there. The guard and I got to be good friends.) I would look up and see him, shotgun slung over his shoulder, and think to myself: wow, yeah, this is the real deal someone could come in here and rob and kill me while I’m writing a fucking novel. How strange would that be. But I enjoyed working late into the night there—don’t know why. That office had had a hand grenade tossed in the door a few years before!!
MC: Is it a personal impression by me that your protagonists are not easy to like? I don’t think they are crooks. But a person like Russell ore Reeves seems at least ambivalent. But I think, they are all restless people. Something you share?
KENT: Yes. I am ambivalent because of my childhood. It was very hard and I had no close family. I did all my growing up away at military school without all that warm and fuzzy family stuff. So I’m a little different. There is part of me that is like Russell in Red Jungle, or as I had a character say in Dia De Los Muertos: “I’m not running for mayor so I don’t have to please anyone.” But I’ve learned to love and that humanized me: I love some people very much, and I love to write novels. I am restless, artists are restless in the face of life/chaos, which is our human experience. So, yes, I’m intellectually restless, that’s very true about me, and I suppose my characters. They want to find that one thing to make it all make sense. Something that can allow them to rest. But we only rest, I guess, when we’re dead.
MC: What kind of music are you listening too? Sometimes your writing seems to swing like a soundtrack (by the words, of course)?
KENT: When I started out as a novelist, I want to be a great wordsmith. And I suppose I still do. I believe in the music of the novel. I truly do. If I were going to teach the novel, I would stand up when all the students had sat down and say, “OK, this is what you need to know about writing novels: then I would turn on a great piece of music, say, Down So Low, by Tracy Nelson. I just met her, so she’s on my mind; but her song is a masterpiece. What I mean by this is that the novel is an emotional experience, not an intellectual one. Music is that way too, or at least good music is.
Kent mit der großartigen Tracy Nelson
UND NATÜRLICH NOCH EIN BUCH-TIP: THE GOOD PHYSICIAN
Collin Reeves is an expatriate American living in Mexico City. He dabbles in painting, drinks more than he should, and appears to be wasting a brilliant career in epidemiology as a doctor to international tourists and poor Mexicans.
The reality is more complicated. Reeves is an operative with the CIA, recruited in the heady days after September 11 to help fight terrorism abroad. What he hoped would be a useful life of clandestine adventure, however, turned out to be humiliating drudgery; his tour in the Middle East consisted of inspecting a friendly sheik’s concubines for venereal disease. Now in Mexico, which almost no one considers a terrorism hotspot, he longs for the courage to give up the spy business and commit himself to painting.
Veteran CIA operative Alex Law suspects that Mexico City may indeed be a staging area for terrorists. He and his longtime colleague, Butch Nickels, question an Indonesian who tells them that an al-Qaeda operative may be active in Mexico City. Meanwhile, Alex’s wife, Helen, has just discovered that she may have an advanced case of breast cancer. The doctor sent to consult with her is none other than Collin Reeves.
A beautiful young woman, Dolores, falls ill at a cheap tourist hotel across the street from Collin Reeves’ apartment. Madani, the hotel’s manager, begs Collin for help. Collin treats the young woman, who claims to be an American citizen, and to have lost her travel documents. He can’t help but be smitten, and does not challenge the obvious holes in her story.
Dolores, of course, is not who she claims to be. Only months earlier, she had been a young wife and mother named Fatima, married to a doctor in Baghdad. An American rocket killed her son and wrecked her life forever. Now, distraught with grief, she’s put herself in the hands of people who want to use her as vengeance against the United States.
Alex, Collin and Dolores are on paths bound to collide, with terrible consequences. The Good Physician is the story of that collision. A political thriller and a love story, it examines the nature of loyalty and patriotism, in the tradition of Graham Greene and Charles McCarry.

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