Martin Compart


KEINE TULPEN; DER AMSTERDAM-KRIMI by Martin Compart

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: eine deutsche TV-Krimi-Serie auf internationalem Niveau. Und das sowohl inhaltlich wie in der Umsetzung.

Ich habe oft genug an dieser Stelle (und vielen anderen) beklagt, wie erbärmlich deutsche Crime-Serien im internationalen Vergleich sind. Deshalb hier Komplimente an Produzentin Barbara Thielen für Ziegler-Film und ihre Crew und den Verantwortlichen bei Degeto und ARD für den „Amsterdam-Krimi“ (der innerhalb der ansonsten bescheidenen Reihe „Der Auslands-Krimi“ angesiedelt ist). Sie geben der Serie eine epische Dimension, die man bisher im deutschen TV-Krimi nicht gesehen hat.

Die Serie zeigt einmal mehr, dass der Krimi als Genre hervorragend geeignet ist, um komplexe Missstände wie globale Wirtschaftskriminalität, Greenwashing oder Menschenhandel zu verhandeln und einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Figur des Alex Pollack, der als einsamer Kämpfer gegen ein korruptes System antritt, ist ein zeitgemäßer Held, der das Misstrauen vieler Bürger gegenüber den Institutionen widerspiegelt.

„Der Amsterdam-Krimi“ hat sich seit dem Start  2018 als regelmäßiger Bestandteil des Donnerstagabend-Programms etabliert. Auf den ersten Blick fügt sie sich nahtlos in die Reihe der „Auslandskrimis“ ein, die dem Publikum vertraute Krimikost in malerischer Kulisse serviert. Bei genauerer Betrachtung offenbart die Serie um LKA-Ermittler Alex Pollack (Hannes Jaenicke) und seinem niederländischen Kollegen Bram de Groot (Fedja van Huêt) und dessen Team jedoch ein Alleinstellungsmerkmal: Sie versteht sich als ein politisches und gesellschaftskritisches Format, das weit über die übliche Mördersuche hinausgeht.

Die Grundsteinlegung erfolgte mit den ersten beiden Folgen „Tod in der Prinzengracht“ und „Auferstanden von den Toten“ (beide 2018). Als Führungsoffizier muss Pollack seiner Deep-Cover-Agentin nach Amsterdam folgen.

Dass Verbrechen nicht im luftleeren Raum, sondern in einem korrupten System stattfindet, sollte in den weiteren Filmen zur Themenpalette werden.

Der Österreicher Peter Koller (sein erstes Drehbuch für einen deutschen Fernsehfilm) war für das Drehbuch verantwortlich. Er schrieb auch die nächsten vier Folgen. Die beiden ersten Folgen bilden einen zusammenhängenden Zweiteiler. Danach war erstmal Schluss. 2020 ging es weiter, und nach und nach erhöhte man ein wenig die Schlagzahl (bis 2025 waren 10 Folgen abgedreht). Auf diesem Niveau kann man in Deutschland nur begrenzt produzieren.

2022 und 2024 zeigten eine Fortsetzung und Radikalisierung dieses Ansatzes. „Das Mädchen ohne Namen“ (2022) griff Menschenhandel und Zwangsprostitution auf und zeigte die Schattenseiten der toleranten niederländischen Metropole. „Der Tote aus dem Eis“ (2022) widmete sich illegalem Fischfang und Greenwashing, während „Der Dreck der Anderen“ (2024) die Problematik der globalen Müllverschickung und Heuchelei von Recyclingfirmen thematisierte.

Diese Entwicklung zeigt eine klare Linie: Weg von der reinen Verbrechensbekämpfung, hin zur Aufdeckung systemischer Missstände, die von einer gutbürgerlichen Fassade kaschiert werden.

Ungewöhnlich für deutsche Krimis ist der relativ häufige Einsatz von effektiven und meist gelungenen Zeitsprüngen, der offensichtlich das Publikum nicht überfordert. Das bestätigen auch die konstant guten Einschaltquoten, die oft über der 20-Prozent-Marke und bei bis zu sechs Millionen Zuschauern lagen

Amsterdam dient nicht als malerische Kulisse!

Obwohl das verführerisch gewesen wäre.

Die Serie zeichnet das Bild einer facettenreichen Metropole, das hinter der malerischen Kulisse von Grachten und Giebelhäusern eine düstere, komplexe kriminelle Unterwelt offenbart.

„Das Mädchen ohne Namen“ etwa zeigt das Rotlichtmilieu nicht als touristische Attraktion, sondern als Hotspot der Unfreiheit, der Gewalt und des Menschenhandels mit osteuropäischen Frauen

Die Serie meidet die glattpolierte Urlaubsatmosphäre. Stattdessen setzt die Regie – oft Ismail Sahin – auf eine authentische, raue Bildsprache, die Amsterdam als Umschlagplatz globaler Verbrechen inszeniert. Anders als die aktuelle britische Van der Valk-Serienvariante (die nichts mehr mit Nicolas Freeling zu tun hat) verzichten die Macher auf optimistische Totalen aus dem Tourismus-Prospekt.

Alex Pollack ist ein „eigenwilliger“ und „querköpfiger“ Ermittler, dem „Disziplin weiß Gott nicht Stärke“ ist . Er agiert oft ohne Rückendeckung seiner Vorgesetzten und nimmt disziplinarische Konsequenzen in Kauf, um Gerechtigkeit zu erwirken. Sein niederländischer Kollege Bram de Groot teilt diese Hartnäckigkeit. Gemeinsam kämpfen sie wie moderne Don Quichottes gegen ein System, das oft undurchdringlicher und mächtiger ist als einzelne Täter. Diese Konstellation ist politisch insofern, als sie das Versagen der Institutionen vorführt und den Rechtsstaat als schwach und angreifbar darstellt.

Hauptdarsteller Hannes Jaenicke, der sich auch als Dokumentarfilmer zu Umwelt- und Menschenrechtsthemen einen Namen gemacht hat, verleiht dem Projekt mit seinem Engagement zusätzliche Glaubwürdigkeit. Er hat sich längst als Topos der deutschen TV-Kultur etabliert und mit dieser Serie in den internationalen Krimi-Mythos eingeschrieben.

Jaenicke gibt Pollack eine Mischung aus harter Schale und emotionaler Tiefe, der man die Gefahren des Undercover-Daseins jederzeit abnimmt weil er seine Rollen stets mit großer Präsenz und viel Energie versieht, während sie sich gleichzeitig gern betont kühl, kontrolliert und emotionsarm gibt.

Alex Pollock hat es geschafft, in die Top-3 der TV-Undercoveragenten zu kommen – neben Sonny Crocket und Vinnie Terranova.

Ein von Beginn an präsentes Problem ist die unbefriedigende akustische Ebene. Der sprachliche Mischmasch aus akzentfreiem Deutsch, perfektem Hochdeutsch und synchronisierten Niederländern zerstört manchmal die Atmosphäre und untergräbt den Authentizitätsanspruch, den die Bilder von Amsterdam aufbauen.

FAZIT:

Wie die besten internationalen TV-Serien will der „Amsterdam-Krimi“ nicht nur unterhalten, sondern auch aufklären.

Der „Amsterdam-Krimi“ zeichnet sich dadurch aus, dass seine politischen Implikationen nicht Beiwerk, sondern das narrative Zentrum bilden.

Die Reihe zeichnet ein düsteres Bild von der Durchdringung des Staates durch wirtschaftliche und kriminelle Interessen.

Die Figur der zwielichtigen Bürgermeisterin (Tanja Jess), die in mehreren Folgen auftaucht, verkörpert diese ambivalente Haltung der offiziellen Politik gegenüber skrupellosen Geschäftemachern. Es geht nicht um einzelne schwarze Schafe, sondern um ein Netzwerk aus Abhängigkeiten, das die Ermittlungsarbeit zur Herkulesaufgabe macht.



WEISE WORTE by Martin Compart
27. März 2026, 4:24 pm
Filed under: Stammtischgegröle, Taylor Swift, Weise Worte | Schlagwörter: , ,

Das Geheimnis des parallelen Erfolges von New Romance-Novels/Media und Taylor Swift enttarnt: Melancholie

Beide kombinieren Melancholie mit weiblicher Selbstbestimmung.

 



ZU UNRECHT VERGESSENE SONGS by Martin Compart
13. März 2026, 11:07 am
Filed under: Rolling Stones, Zu Unrecht vergessene Songs | Schlagwörter: , ,



Nils Heuner über Richard Hallas by Martin Compart
7. März 2026, 2:06 pm
Filed under: Elsinor Verlag, Richard Hallas | Schlagwörter: , , ,

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Alexander Preuße über „Wer verliert gewinnt“ by Martin Compart

Richard Hallas: Wer verliert gewinnt

 



IST ER DER PABLO ESCOBAR DES INTERNETS? by Martin Compart

Auch seine Produkte vergiften Kinder und Jugendliche.



DIE HYBRIDE „MOUNTIE NOIR“ DES MICHAEL SLADE 3/ by Martin Compart
9. Februar 2026, 4:33 pm
Filed under: Conspiracy, Horror, Michael Slade, Nazi, Noir, Politik & Geschichte, thriller | Schlagwörter: , , , ,
  1. Ghoul (1987)

Ein Krimineller entführt Kinder und hält sie in einem unterirdischen Labyrinth gefangen.

Sehr düster. Einer der beklommensten und horror-lastigsten Romane der Serie,  von der Horror Writers Association zu einem der 40 besten Horrorromane aller Zeiten gewählt, und von der „A to Z Encyclopedia of Serial Killers“ (Simon & Schuster, 1997) neben „Das Schweigen der Lämmer“ und „Psycho“ als einer der besten Romane genannt.

Richard Covell verließ das Slade-Team bevor das „Ghoul“ -Projekt begann, und Lee Clarke übernahm seinen Platz.

Als eingefleischter Hard-Rock-Fan machte Jay Clarke Heavy Metal zu einem zentralen Thema von „Ghoul“ und benannte mehrere Kapitel nach Bands wie Twisted Sister, Iron Maiden usw.

MS: „Die Arbeit an  GHOUL entfachte eine Pilgerreise nach Providence, Rhode Island, wo mich Lovecraft-Experten zu den realen Schauplätzen seiner Horrorgeschichten führten und mich auf einem Grabstein auf dem Friedhof von St. John’s platzierten, wo der Legende nach sowohl Poe als auch Lovecraft vor mir gesessen haben sollen. Dort verbrachte ich die Nacht damit, im Mondlicht Notizen zu machen, und als am nächsten Morgen die Sonne aufging, hatte ich die Handlung meines ghostwriten-Romans.“

  1. Cutthroat (1992)

Die Jagd nach einem raffinierten Killer führt Special X zu einem Konzern, der bizarre Genexperimente durchführt, zu einer finsteren chinesischen Familie mit einer jahrhundertealten Obsession und schließlich zum Geheimnis der Ursprünge der Menschheit.
Von den dunkelsten Abgründen der Vergangenheit bis zur modernsten Technologie, von Custers letzter Schlacht bis zur Verbotenen Stadt in China – ein kaltblütiger Attentäter lockt die Royal Canadian Mounted Police und das FBI in die eisbedeckten Rocky Mountains zu einem Showdown.

 

  1. Ripper (1994)

Ein moderner Nachahmer von Jack the Ripper terrorisiert London, eine Hommage an den Ripper-Mythos.

RIPPER war Michael Slades erster locked-room-Thriller und somit auch eine Verbeugung vor seinem Idol John Dickson Carr.

 

Inspektor Zinc Chandler war Mitglied von Special X, wurde jedoch während der Ereignisse in „ Cutthroat “ (1992) durch einen Kopfschuss schwer verletzt und war infolgedessen mehrere Jahre außer Gefecht gesetzt. Leider zögern die Vorgesetzten, ihn wieder in die Einheit aufzunehmen.

 

RIPPER hatte seinen Ursprung in einer Jugendreise nach London, die durch spätere Besuche verstärkt und erweitert wurde.

Michael Slade erreicht mit RIPPER, einem schizophrenen Thriller, der die Grenzen zwischen Horror und Krimi verwischt, seinen Höhepunkt. Auf der einen Seite begehen zwei Wahnsinnige Hexenmorde und arrangieren ihre Opfer nach einem ausgeklügelten Plan, der das Werk von Jack the Ripper ein Jahrhundert später fortsetzt. Auf der anderen Seite verwandelt sich ein Schriftstellerkongress in einen Whodunit mit verschlossenen Räumen und selbstauslösenden Todesvorrichtungen. Jede Seite ist fesselnd und voller kriminologischer und okkulter Recherchen. Absolut lesenswert.“ – Time Out (London)

 

 

  1. Zombie (Evil Eye), 1996

Ein wahnsinniger Polizistenmörder, der die Royal Canadian Mounted Police auslöschen will.
Die letzte Zulu-Schlacht bei Rorke’s Drift im Afrika des 19. Jahrhunderts.
Ein unschuldiger Mountie, der wegen Mordes vor Gericht steht – ein Fall voller verborgener Motive.
Ein Neonazi-Skinhead, verfolgt von animierten Skeletten.
Ein Selbstmordattentäter auf einem Schiff, auf dem der Red Serge Ball der Mounties stattfindet .
Zwei skrupellose Söldner, die Inspektor Zinc Chandler in der afrikanischen Wildnis jagen.
Mehr kann man kaum verlagern als Slade-Fan!
Welcher dünne rote Faden aus dem Herzen der Finsternis verbindet diese Kette aus Mysterien, Chaos und Wahnsinn?

„Beinahe-Begegnungen mit einem Löwen, einer Speikobra und einem Krokodil auf Safari in Simbabwe und im Okavango-Delta in Botswana inspirierten  ZOMBIE (auch bekannt als EVIL EYE).“

„Warum schreiben Sie nicht über das Übernatürliche?“, wurde Slade schon oft gefragt. Seine Antwort lautet: „Doch, tue ich. Psychose ist per Definition ein Realitätsverlust. Definiert ein Realitätsverlust nicht auch das Übernatürliche? Durch die Augen eines wahnsinnigen Mörders, der seine Fantasie in der realen Welt auslebt, kann ich über jeden Aspekt des Übernatürlichen schreiben. Und es ist glaubwürdig.“

 

  1. Primal Scream (1998))

PRIMAL SCREAM beginnt mit einem Schusswechsel zwischen heutigen Mounties und indigenen Aktivisten, die ein Stück heiliges Land um den Totem Lake im Norden von British Columbia besetzt haben, um den Sonnentanz wiederzubeleben. Während er den Kugeln ausweicht, entdeckt einer der Polizisten die von Pfeilen durchsiebte Leiche eines kopflosen Mannes, der unter dem Eis eingefroren ist.

Winterman Snow – ein Albino-Indianer und psychopathischer Bogenschütze – ist wütend über den kulturellen und sexuellen Missbrauch, den er in seiner Jugend in einem staatlichem Indianer-Internat erlitten hat, und begibt sich auf die Jagd.

Intelligent aufgebaut, mit einem faszinierenden wissenschaftlichen Hintergrund. Und natürlich ein böser Kommentar zu einer Schande der kanadischen Geschichte.

 

7.Burnt Bones (1999)

Robert DeClercq hat in seiner Laufbahn schon unzählige Psychopathen bekämpft. Doch keiner ist so kaltblütig und diabolisch wie Mephisto.

Mephisto sendet DeClercq aus dem Cyberspace seine tödliche Herausforderung. Irgendwo da draußen lauert ein höllisches Mastermind, ein sadistischer Psychopath, besessen vom Geheimnis um Stonehenge. Unterstützt von Donella, einer Femme fatale, ebenso verdorben wie er selbst, und einem Kult moderner, opferbereiter Druiden, benutzt Mephisto DeClercq als Schachfigur in seinem wahnsinnigen Bestreben, einen Schatz zu bergen. Gefangen in einem Wettlauf gegen den Tod, um einen Gefangenen vor dem grausamsten Tod zu bewahren, muss Special X mithilfe moderner Forensik verhindern, dass Mephisto die Geheimnisse der Vergangenheit nutzt, um eine zukünftige Hölle auf Erden zu erschaffen.

„Mephistos Partnerin Donella ist eine sinnliche Amazone mit der Zärtlichkeit einer Kobra. Mephistos dämonische Druiden sind unpersönliche Tötungsmaschinen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, Menschen in Weidenkäfigen lebendig zu verbrennen. Slades sorgfältige Recherche zum Geheimnis von Stonehenge ist hervorragend umgesetzt.“ – Island Tides

 

  1. Hangman (2000)

An Halloween öffnet eine Frau einem Kind mit einer Scream-Maske die Tür. Später wird sie erhängt aufgefunden, ein Bein fehlt.
Dann entdeckt man in Vancouver eine Leiche, der beide Beine fehlen.
Was diese Verbrechen verbindet, ist ein grausam mit dem Blut der Opfer gezeichnetes Galgenmännchen.

„Faszinierend. Die Recherchen über reale Henker sind geschickt in die temporeiche Geschichte eingewoben.“ – The Vancouver Sun

Ein politisch und ethisch aufgeladener Roman, der das Justizsystem hinterfragt. Kontrovers und hart; gespickt mit Anekdoten über Hinrichtungen im Laufe der Jahrhunderte.

Die Handlung von „Hangman“ ist in drei Abschnitte unterteilt. Zwei Ermittlungen, eine von den Detektiven und die andere von einem Anwalt, werden chronologisch erzählt. Die Morde dagegen in der Vergangenheitsform geschildert. Der Protagonist blickt also im Rückblick auf den Fall, während die Ermittlungen um ihn herum stattfinden.

„Hangman“ lädt den Leser zur aktiven Teilnahme an den Ermittlungen ein. Den Mörder zu finden, ist nur die eine Hälfte des Rätsels. Die andere Hälfte besteht darin, das Motiv zu ergründen.

Slades humorvolle Einlagen lockern die blutigen Szenen auf. Die Charakterentwicklung ist – wie immer – überzeugend.

 

  1. Death’s Door (2001)

Die Fotos an der Pinwand in Chief Superintendent Robert DeClercqs Büro zeigen chirurgisch verstümmelte Leichen, die an der Westküste auf den San Juan und Gulf Islands abgelegt wurden. Die Mounties von Special X und Sheriff-Deputy Jenna Bond aus San Juan County sehen sich Ungeheuern gegenüber, die menschliche Monster erschaffen.
Hinzu kommt die perfekt erhaltene ägyptische Mumie, die bei einem Raubüberfall in England gestohlen wurde, bei dem acht Wachleute ums Leben kamen. Wurde sie nach Vancouver geschmuggelt, als dabei zwei Zollbeamte erschossen wurden?

Inmitten dieser makabren Ereignisse treiben sich ein lokaler Pornokönig, ein Produzent von Snuff-Filmen auf Bestellung, ein nekrophiler Auftragskiller namens Undertaker und ein Schönheitschirurg alternder Hollywood-Stars herum.

Die größte Bedrohung geht jedoch wieder von Mephisto aus. Dieser Größenwahnsinnige will nicht nur DeClercq umbringen, sondern plant auch, die Welt abermals in den Abgrund zu treiben.

RCMP-Stabsfeldwebel Christine Wozney ist die zweite Polizistin aus der Realität, die Slade in einen Roman einbringt. Für Wozney, Leiterin der ViCLAS (Abteilung für die Analyse von Zusammenhängen zwischen Gewaltverbrechen) spiegeln die schaurigen Fantasien in Slades Thrillern nur allzu reale Ereignisse wider. Und sie muss es wissen: „Manchmal liest man bei Slade etwas und denkt: ‚Um Gottes Willen, so etwas tun die doch nicht wirklich, oder?‘ Ich kann Ihnen versichern: Doch, das tun sie.

 

  1. Bed of Nails (2003)

Die Zusammenarbeit mit Tochter Rebecca an „Bed of Nails“ markierte eine Rückkehr zur Thematik von Slades vierten Roman „Ripper“.

Ein Killer, der Folterwerkzeuge aus der Geschichte verwendet, und ein zweiter, der religiösen Martyrien nachahmt, zeigen abermals Slades Interesse an der historischen Folterforschung.

In „Bed of Nails“ plant „der Ripper“ Rache an Inspektor Zinc Chandler. Chandler muss tief in die Vergangenheit reisen, ins Jahr 1888, als London von Jack-the-Ripper terrorisiert wurde, und in die bizarre Welt von H. P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos eintauchen.

Eine Verfolgungsjagd mit Schießereien in Vancouver und eine World Horror Convention in Seattle führen den Mountie zum Höhepunkt auf einer Kannibaleninsel im Südpazifik

„Ein packender Thriller mit rasanten Dialogen und beeindruckender Recherche. Ein wahrhaft mitreißendes Leseerlebnis – definitiv nichts für schwache Nerven.“ – CNN.com

Das Eintauchen in die Kannibalenhöhlen von Atiu auf den Cookinseln im Südpazifik, übersät mit Tausenden von menschlichen Knochen, bleibt im Gedächtnis.

  1. Swastika (2005)

… taucht in die Welt des Neonazi-Terrors und okkulter Nazi-Symbolik ein.

Ein finsterer, beunruhigend aktueller Roman. Politisch sehr drastisch.

Jay Clarke verknüpft die Kriegsaufzeichnungen seines Vaters (die er eigenen Angaben zufolge 2003 hinter einer falschen Wand im Wäscheschrank seiner Mutter fand) mit den Ereignissen dieses weitreichenden Thrillers, in dem ein wahnhafter „arischer“ Killer namens Swastika an der Westküste auftaucht und sich auf die Suche nach Hitlers Gold macht.

Und Slade schlachtet einen weiteren Mythos: „Von Brauns Kriegsvergangenheit war für die Nachkriegs-Raketenpläne des Pentagons ‚unbequem‘. Um die Nazi-Beschränkungen im Rahmen des Projekts Paperclip zu umgehen, wurde er daher mit Schönfärberei überzogen. Als ich Mitte der 1950er-Jahre ein Kind war, konnte man mit seiner Davy-Crockett-Waschbärfellmütze auf dem Boden sitzen und von Braun in den Disney-Fernsehserien sehen. Sein Entwurf für das Raumschiff in Tomorrowland basierte auf seiner V-2. Als er 1977 als amerikanischer ‚Held‘ starb, hatte ihm Präsident Ford eine Medaille verliehen… In den Jahren der McCarthy-Ära nach dem Krieg wurde von Braun entscheidend für den Sieg Amerikas im Wettrüsten. Also ließ das Pentagon seinen eigenen Eisernen Vorhang zwischen Nordhausen – dem Überlauflager – und den Tunneln der V-2-Fabrik Dora, weniger als acht Kilometer nördlich, fallen. Dora wurde aus der Geschichte getilgt, und die Vertuschung dauert bis heute an.

Die Szenen in Hitlers Bunker und der V2-Raketenfabrik sind so detailliert beschrieben, dass die Grenze zwischen historischer Realität und Fiktion verschwimmt.

Eine perfekte Mischung aus historischem Hintergrund, Polizeiarbeit und rasanter Action mit einer Prise Horror. Slades Geschick, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verweben, ist verblüffend. Fangen Sie SWASTIKA nur an, wenn Sie es auch zu Ende lesen können. Sie werden es nicht mehr aus der Hand legen wollen.“
– CrimeSpree Magazine

 

  1. Kamikaze (2006)

Genjo Tokuda – ein Kriegsverbrecher und Anführer einer japanischen Yakuza – wird zum Veteranenkongress des Pazifikkriegs nach Vancouver gelockt. Hauptredner ist ein Besatzungsmitglied jenes Flugzeugs, das die Atombombe auf Hiroshima abwarf und Tokudas gesamte Familie auslöschte.

Tokuda plant, den Bushido-Eid zu erfüllen, den er vor Jahren an den Ruinen des Hiroshima-Schreins seinen Vorfahren geschworen hat. Zuerst will er die Familie des Besatzungsmitglieds töten, dann den amerikanischen Flieger auf angemessen grausame Weise.

Wenn man als Kanadas Meister des Makabren gilt, ist es wirklich schwer, aus diesem Schema auszubrechen. Doch Michael Slade ist dies mit SWASTIKA und KAMIKAZE meisterhaft gelungen. Beide Bücher basieren auf den Kriegserlebnissen seiner Eltern in den europäischen und pazifischen Konflikten. Es sind beides Mainstream-Thriller, die im gewohnten Slade-Tempo rasant voranschreiten und erschreckend authentisch und grotesk vertraut wirken, da sie sich mit den Auswirkungen realitätsnaher historischer Verschwörungen auf unsere heutige Welt auseinandersetzen. Imitiert die Kunst das Leben, oder ist es umgekehrt? Wie dem auch sei, wir erleben hier einen virtuosen Ausbruch Slades in eine neue Dimension der Kreativität.“– Jack Whyte, Bestsellerautor der Camulod-Chroniken, der Templar-Trilogie und der Guardians-Reihe

 

  1. Crucified (2008)

Morde, die mit der Kreuzigung Jesu und biblischer Archäologie verbunden sind, bilden die Grundlage für diesen theologisch-mythologischer Roman.

„Crucified“ umspannt 2000 Jahre und ist eine weitere Verschwörungstheorie um den Vatikan. Er verknüpft den römischen Katholizismus mit einem hochrangigen Mitglied des Dritten Reichs.

Er schildert unmögliche Morde in geschlossenen Räumen (in einem Bomber und einem U-Boot). Da zeigt sich einmal mehr der Einfluss von John Dickson Carr, dem Großmeister der lockrf-room-Stories. Allerdings auf eine Weise, wie sie nur Slade entwickeln kann.

 

  1. Red Snow (2010)

Passend zu den Olympischen Winterspielen 2010 inszenierte Michael Slade ein wahres Spektakel aus Chaos und Mord. In seinem blutigen Thriller „Red Snow“ isolieren Söldner den Whistler Mountain und gefährden so die Olympischen Spiele. Slade lässt seinen Psychopathen Mephisto gegen die Spezialeinheit Special X der RCMP antreten um blutige, biochemische Rache nicht nur an den rechtschaffenen Special X-Beamten zu üben, sondern auch an den unglücklichen Besuchern, die zu den Olympischen Winterspielen nach Whistler, British Columbia, strömen.

„Man sprengt einfach die Straßen- und Schienenverbindungen an beiden Seiten von Whistler, fügt einen heftigen Schneesturm hinzu und lehnt sich zurück, um Mord und Chaos beginnen zu lassen.“

„Red Snow“ ist das dritte Auftreten seines tödlichen, soziopathischen, wahnsinnigen Narzissten Mephisto (das erste Mal in Burnt Bones von 1999, das zweite Mal in Death’s Door von 2001), dessen große Pläne zur Weltherrschaft von den überlebensgroßen kriminellen Drahtziehern in Ian Flemings James-Bond-Romanen und den klassischen geistreichen Antagonisten von Conan Doyle inspiriert sind.

Was Professor Moriarty für Sherlock Holmes ist, ist Mephisto für die Mounties von Special X“, sagt der Autor.

 



BYE, JAMES SALLIS by Martin Compart
3. Februar 2026, 11:57 am
Filed under: James Sallis, NOIR-KLASSIKER | Schlagwörter: ,

R.I.P. James Sallis



KULTURNEWS ÜBER RICHARD HALLAS by Martin Compart
30. Januar 2026, 11:59 am
Filed under: Elsinor Verlag, Rezensionen, Richard Hallas | Schlagwörter: , ,

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ODE FÜR KRIMINELLE IDIOTEN by Martin Compart
29. Januar 2026, 11:08 am
Filed under: MUSIK | Schlagwörter: ,




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