Unter reger Teilnahme fand im November 2015 in Mainz der Kick-Off-Workshop des neuen “Verbundes Archäologie im Rhein-Main-Gebiet” (VARM) statt. An zwei Tagen haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen archäologischen Disziplinen gemeinsame Arbeitsfelder des Verbundes diskutiert und die Potenziale von “Bewältigungsstrategien – Widerstandskraft – Anpassungsfähigkeit” als ein mögliches Verbundforschungsthema erkundet.
Die Kick-Off-Veranstaltung war somit für die Entwicklung eines Verbundes der Archäologien im Rhein-Main-Gebiet ein wesentlicher Impuls. Ein solcher Verbund kann die in der Region vorhandene große Stärke im Bereich der archäologischen Wissenschaften national und international sichtbar machen. Durch eine enge Zusammenarbeit sollen zukünftig Synergien in allen Tätigkeitsfeldern erzielt werden. Angestrebt wird damit eine gemeinsame strategische und zukunftsorientierte Positionierung der archäologischen Wissenschaften im Rhein-Main-Gebiet.
VARM wird von einer Anzahl sehr unterschiedlicher Institutionen getragen: Neben den Universitäten in Mainz, Frankfurt und Darmstadt werden die beiden Hochschulen Mainz und Wiesbaden beteiligt sein. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtungen kommen das Römisch-Germanische Zentralmuseum Mainz (RGZM) und die Römisch-Germanische Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt am Main (RGK) hinzu. Darüber hinaus sind die die Denkmalämter der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz wichtige strategische Partner, und auch die lokalen Museen werden als Orte der Vermittlung und Forschung ebenfalls Bestandteil des Verbundes sein. Sie spiegeln das komplexe, für die Archäologie charakteristische Netzwerk von Akteurinnen und Akteuren wider.
Vielfach bestehen zwischen diesen Institutionen bereits langjährige Kooperationen. Der archäologische Verbund wird nun einen dauerhaften Rahmen für alle schaffen, um die Zusammenarbeit auch nach einem Auslaufen zeitlich befristeter Projekte und über personelle Veränderungen hinweg auf einer nachhaltigen Basis aufrecht zu erhalten.
In einer Diskussionsrunde unter der Leitung von Dr. Thomas Otten, in seiner damaligen Funktion als Referatsleiter Bodendenkmalschutz und Bodendenkmalpflege im Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW, haben die Präsidentin und Präsidenten der Universitäten Darmstadt, Frankfurt, Mainz, der Hochschulen Mainz und Wiesbaden sowie die Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der Direktor des RGZM ihr Engagement für die Archäologie und ihren neuen Verbund unterstrichen. VARM fügt sich dabei für die drei Universitäten in die strategische gemeinsame hochschulpolitische Entwicklung des Rhein-Main-Gebietes ein (RMU-Allianz). Das Rhein-Main-Gebiet kann von der Dichte und Bedeutung der archäologischen Einrichtungen deutschlandweit nur mit Berlin verglichen werden, wie Prof. Dr. Dr. h. c. Friederike Fless, Präsidentin des DAI, in Ihrer abendlichen Keynote verdeutlichte. Es sind dies, wie sie erläuterte, die Voraussetzungen, um zukunftsfähige Studienangebote zu entwickeln und groß angelegte Forschungsvorhaben umzusetzen.
Als Impuls zur Begründung eines gemeinsamen aus VARM erwachsenden, aber nicht darauf beschränkten Forschungsfeldes hat das Organisationsteam der Tagung im Vorfeld einen offenen Call for Paper zum Thema „Bewältigungsstrategien – Widerstandskraft – Anpassungsfähigkeit“ aufgerufen. Der Call stieß auf große Resonanz, und insgesamt wurden 27 Kurzvorträge gehalten. Die Beiträge haben ein großes Spektrum von Fallstudien ergeben, das geeignet ist eine große Serie diachroner Vergleiche von gesellschaftlicher Reaktion und kultureller Verarbeitung von Krisen und Katastrophen zu eröffnen. Hier lässt sich ein vielfältiges theoretisches Instrumentarium zur wissenschaftlichen Reflexion anwenden. Die Anschlussmöglichkeiten insbesondere für die Sozial- und Geschichtswissenschaften, aber auch für die von den Neurowissenschaften betriebene Resilienzforschung sind bereits zu diesem frühen Zeitpunkt klar erkennbar.
Zur weiteren archäologisch-wissenschaftlichen Verknüpfung haben sich im Rahmen des Workshops ad hoc thematische Arbeitsgemeinschaften zusammengefunden. Es sind dies:
- AG Sekundäre Nutzung, Ansprechpartner Dirk Wicke ([email protected])
- AG Eisenzeit im Rhein-Main-Gebiet, Ansprechpartner Christopher Pare ([email protected])
- AG Theorie und Methoden Ansprechpartnerin Franziska Lang ([email protected])
Die Ansprechpartnerin und Ansprechpartner stehen gerne für weitere Informationen zur Verfügung.
Insgesamt haben der Verlauf des Workshops mit rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern und vor allem die überaus konstruktive Atmosphäre die Erwartungen des Organisationsteams bestehend aus Esther Banffy und Ruth Beusing, Römisch-Germanische Kommission, Kai-Christian Bruhn und Anne Klammt, Hochschule Mainz, Alexandra Busch, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Heide Frielinghaus, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Franziska Lang, Technische Universität Darmstadt, Corinna Rohn, Hochschule RheinMain und Dirk Wicke, Goethe-Universität Frankfurt, weit übertroffen. Sie haben dies als Auftrag verstanden, die Etablierung des Verbundes und seine organisatorische Ausgestaltung voranzutreiben. Die aktuell noch von einer kleinen Gruppe gesteuerte Entwicklung soll mittelfristig in die Hand eines Gremiums übergeben werden, das alle im VARM vertretenen Disziplinen, Institutionen und Gruppen repräsentiert.

