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Einige Anmerkungen zu Interviews (betrifft LIBREAS CfP #48)

Posted in Uncategorized by Karsten Schuldt on 12. Februar 2026

Werte Kolleg*innen,

wir möchten Sie gerne an den noch bis 31.03.2026 laufenden Call «Let’s talk. Interviews» für die Ausgabe #48 der LIBREAS erinnern. Für diese Ausgabe suchen wir vor allem Beiträge, in denen Personen aus dem Bibliothekswesen andere Personen aus dem Bibliothekswesen, denen sie gerne einmal Fragen zu ihrer Arbeit, ihren Zielen und so weiter stellen wollten, interviewen. Andere Beiträge (beispielsweise über Interviews mit Nutzer*innen oder über die Methodik von Interviews) sind selbstverständlich auch möglich.

Aus einigen Rückmeldungen haben wir erfahren, dass es Kolleg*innen gibt, die sich überlegen, solche Interviews zu führen, aber der Meinung sind, den dafür notwendigen Aufwand nicht richtig einschätzen zu können. Deshalb wollen wir, als Anregung, in diesem Post (auf der Basis unserer Erfahrungen) kurz einige Hinweise zu diesem Aufwand geben. Grundsätzlich ist der Aufwand für ein Interview oft klein, verglichen mit anderen Textsorten. Dies gilt insbesondere dann, wenn es nicht notwendig ist, sich als Interviewer*in groß in ein Thema einzuarbeiten – was der Fall wäre, wenn Bibliothekar*innen andere Bibliothekar*innen interviewen.

Zur Vorbereitung und Durchführung eines Interviews sind folgende Punkte notwendig:

  • Auswahl der Personen, die interviewt werden sollen.
  • Kontakt mit diesen Personen und, wenn diese zusagen, die Vereinbarung von Form, grundsätzlichem Inhalt und Termin / Ort für ein Interview.
  • Notieren von Fragen oder Themen, die im Interview angesprochen werden sollen.
  • Durchführung des Interviews, inklusive der Aufzeichnung. Wichtig ist hier, die eingesetzte Technik vorab zu testen. Beim Interview selber sollte nicht sofort mit der ersten Frage gestartet werden, sondern sich Zeit für ein Ankommen und erstes Kennenlernen genommen werden. Erst dann sollte mit dem Interview gestartet werden.
  • Verschriftlichung des Interviews. Hierzu stehen heute zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung. Insbesondere, wenn dafür LLMs eingesetzt werden, ist es selbstverständlich notwendig, den erstellten Text genau zu prüfen und das verwendete Tool zu benennen. Gleichzeitig kann der Text, wenn er schriftlich vorliegt, gestrafft oder beispielsweise Punkte als Fußnoten ergänzt werden, die vielleicht im Texte selber nicht angesprochen wurden.
  • Wenn vereinbart, sollte dieser Text noch einmal an die Interviewten geschickt werden, damit die ihm grundsätzlich zustimmen können. Sie können oft Streichungen vornehmen oder Punkte ergänzen – es geht ja in diesem Fall nicht darum, mit den Interviews etwas «aufzudecken», sondern etwas auf der Arbeit von Bibliothekar*innen zu erfahren.

Interviews gibt es in verschiedener Form und auch verschiedene Aufgaben. Bei den Interviews, die wir uns vorstellen, geht es verkürzt gesagt um Gespräche zwischen Kolleg*innen. Nicht um Interviews, die in einer wissenschaftlichen Studie eingesetzt werden. Für letztere sind immer umfangreichere Planungen und auch Auswertungen notwendig. Aber darum soll es in dieser Ausgabe nicht gehen. Für die Ausgabe #48 der LIBREAS kommen wohl folgende Formen von Interviews in Betracht:

  • Interviews vor Ort, also bei einem persönlichen Treffen. Vorteil dieser Interviews ist selbstverständlich die persönliche Atmosphäre. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Gespräch auch aufgezeichnet wird.
  • Online Interviews. Interviews dieser Art heißen zwar, dass sich nicht persönlich getroffen wird. Dafür ist die Aufzeichnung derselben direkt möglich.
  • Mail-Interviews. Eine weitere Form, die noch unpersönlicher ist, dafür aber genauere Fragen und Antworten ermöglicht und direkt einen Text liefert, stellen Interviews dar, in denen die Fragen schriftlich gestellt und auch schriftlich beantwortet werden. Sie eignen sich auch dann, wenn ansonsten Terminschwierigkeiten ein Gespräch verhindern würden.
  • Kurzinterviews. Bei dieser Form von Interview wird eine kurze Anzahl von Fragen an einer größere Zahl von Befragten gestellt. Dies eignet sich beispielsweise, wenn man die Meinung von verschiedenen Bibliothekar*innen zu einem Thema (beispielsweise, wie sich ihre Bibliothek in den letzten zehn Jahren verändert hat) erheben möchte.

Diese Aufzählung kann fraglos immer weiter ergänzt werden. Es geht aber nicht um Vollständigkeit. Sie soll vor allem als Anregung dienen: Interessante Interviews lassen sich mit recht wenig Aufwand durchführen. Wir hoffen, dass motiviert Sie dazu. (Wenn Sie Fragen oder Hinweise haben, melden Sie sich gerne bei der Redaktion: https://libreas.eu/about/.)

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CfP #48: Let’s talk. Interviews

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 11. November 2025

Das Gespräch zwischen Menschen hilft, Fragen zu klären, Positionen zu erläutern und zu verstehen, kurzum: Kennenzulernen und zu verstehen, was und wie  andere denken. Es hat immer eine soziale Komponente. Es erzeugt eine Art Nähe, manchmal harmonisch, manchmal gespannt, aber immer direkt zwischen den Beteiligten. Das gilt auch im professionellen Bereich, auch wenn dort oft und nachvollziehbar die Sache und nicht die Beziehungspflege im Zentrum steht. Beispielsweise werden heute im Bibliothekswesen zahllose Projektberichte geschrieben und gelesen, Vorträge gehalten, Blogs geführt ‒ aber trotzdem bevorzugen viele Kolleg*innen es, das Projektteam direkt zu fragen. 

Interviews, als eine formalere und geplantere Form eines Gesprächs, sind deshalb immer auch ein Weg, neues Wissen zu erwerben. Viele Fragen scheinen sich viel besser im Interview stellen zu lassen, viele Informationen lassen sich in und zwischen den Zeilen besser einholen. Das gilt nicht nur unter Bibliothekar*innen, sondern zum Beispiel auch, wenn Bibliotheken wissen wollen, was ihre Nutzer*innen denken. Auch in studentischen Abschlussarbeiten werden verschiedene Formen von Interviews (strukturierte, unstrukturierte, narrative, Expert*inneninterviews und so weiter) gern genutzt, um Daten zu erheben. Anstatt sich solitär in ein Thema einzuarbeiten, kann auch einfach jemand gefragt werden. Das ergibt noch keine wissenschaftliche Arbeit, aber nicht selten, gerade in der alltäglichen Praxis, reicht der Ansatz aus, um die eigene Neugierde zu stillen. In der LIBREAS gab es in der Vergangenheit, unter all den anderen Beitragsformen, deshalb schon eine Reihe von Interviews, an die sich die Redaktion immer wieder gerne erinnert.

(Grafik: Chris20060, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons)

Oft gilt dabei, dass, was eine Person interessiert, auch andere interessieren wird. Deshalb wollen wir die Ausgabe #48 ganz den Interviews widmen. Wir rufen explizit alle Kolleg*innen (auch zukünftige, die sich aktuell im bibliothekarischen Studium oder der bibliothekarischen Ausbildung befinden) auf Interviews zu führen. Kontaktiert Personen im Bibliothekswesen oder in der Nutzer*innenschaft, die Sie schon immer einmal zu einem Thema befragen wollten. Wollten Sie von Ihren Kolleg*innen schon länger erfahren, was sie über bestimmte gesellschaftliche oder fachliche Entwicklungen denken? Geht jemand in den Ruhestand und Sie wollten unbedingt noch wissen, was diese Person während ihrer Bibliothekskarriere alles erlebt hat? Haben Sie einen interessanten Vortrag gehört oder einen spannenden Text gelesen und hätten noch Fragen? Gibt es Personen, die sichtbar werden sollten und die vielleicht nicht so häufig zu Wort kommen – seien es Kolleg*innen, (heimliche) Koryphäen, Nerds, Expert*innen oder einfach interessante Menschen? Wollen Sie andere “stille Perspektiven” sichtbar machen? Sind Sie von einem Projekt, einem Verein, einer Idee  begeistert und meinen, dass die Welt davon auch und mehr erfahren muss? Führen Sie das Gespräch (egal, ob direkt bei einer gemeinsamen Kanne Tee, bei einem Onlinetreffen oder gleich schriftlich), fassen Sie es in einen Text und reichen Sie es in der Ausgabe #48 der LIBREAS ein. Die Redaktion wird es Ihnen gleichtun und im Laufe der nächsten Monate Interviews führen.

Interessiert sind wir gleichermaßen an Erfahrungen mit und Positionen zu Interviews als Methode. Haben Sie Interviews in Ihrer Bibliothek eingesetzt, beispielsweise um von Ihren Nutzer*innen etwas zu erfahren? Oder in eurer Abschlussarbeit oder eurem Forschungsprojekt? Was waren Fragen, Vorgehen, die Ergebnisse und Erfahrungen? Würden Sie es noch einmal so machen – oder anders?

Gerne bespricht die Redaktion im Vorfeld Ideen für einen Beitrag, wenn gewünscht. Wie immer sind auch andere Beiträge und Formate außerhalb des Schwerpunkts herzlich willkommen. Wir bitten (unter Zurkenntnisnahme der Autor*innenhinweise) um Einreichung bis zum 31.03.2026.

Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Brandenburg an der Havel, Chur, Göttingen, München)

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