LIBREAS.Library Ideas

Einige Anmerkungen zu Interviews (betrifft LIBREAS CfP #48)

Posted in Uncategorized by Karsten Schuldt on 12. Februar 2026

Werte Kolleg*innen,

wir möchten Sie gerne an den noch bis 31.03.2026 laufenden Call «Let’s talk. Interviews» für die Ausgabe #48 der LIBREAS erinnern. Für diese Ausgabe suchen wir vor allem Beiträge, in denen Personen aus dem Bibliothekswesen andere Personen aus dem Bibliothekswesen, denen sie gerne einmal Fragen zu ihrer Arbeit, ihren Zielen und so weiter stellen wollten, interviewen. Andere Beiträge (beispielsweise über Interviews mit Nutzer*innen oder über die Methodik von Interviews) sind selbstverständlich auch möglich.

Aus einigen Rückmeldungen haben wir erfahren, dass es Kolleg*innen gibt, die sich überlegen, solche Interviews zu führen, aber der Meinung sind, den dafür notwendigen Aufwand nicht richtig einschätzen zu können. Deshalb wollen wir, als Anregung, in diesem Post (auf der Basis unserer Erfahrungen) kurz einige Hinweise zu diesem Aufwand geben. Grundsätzlich ist der Aufwand für ein Interview oft klein, verglichen mit anderen Textsorten. Dies gilt insbesondere dann, wenn es nicht notwendig ist, sich als Interviewer*in groß in ein Thema einzuarbeiten – was der Fall wäre, wenn Bibliothekar*innen andere Bibliothekar*innen interviewen.

Zur Vorbereitung und Durchführung eines Interviews sind folgende Punkte notwendig:

  • Auswahl der Personen, die interviewt werden sollen.
  • Kontakt mit diesen Personen und, wenn diese zusagen, die Vereinbarung von Form, grundsätzlichem Inhalt und Termin / Ort für ein Interview.
  • Notieren von Fragen oder Themen, die im Interview angesprochen werden sollen.
  • Durchführung des Interviews, inklusive der Aufzeichnung. Wichtig ist hier, die eingesetzte Technik vorab zu testen. Beim Interview selber sollte nicht sofort mit der ersten Frage gestartet werden, sondern sich Zeit für ein Ankommen und erstes Kennenlernen genommen werden. Erst dann sollte mit dem Interview gestartet werden.
  • Verschriftlichung des Interviews. Hierzu stehen heute zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung. Insbesondere, wenn dafür LLMs eingesetzt werden, ist es selbstverständlich notwendig, den erstellten Text genau zu prüfen und das verwendete Tool zu benennen. Gleichzeitig kann der Text, wenn er schriftlich vorliegt, gestrafft oder beispielsweise Punkte als Fußnoten ergänzt werden, die vielleicht im Texte selber nicht angesprochen wurden.
  • Wenn vereinbart, sollte dieser Text noch einmal an die Interviewten geschickt werden, damit die ihm grundsätzlich zustimmen können. Sie können oft Streichungen vornehmen oder Punkte ergänzen – es geht ja in diesem Fall nicht darum, mit den Interviews etwas «aufzudecken», sondern etwas auf der Arbeit von Bibliothekar*innen zu erfahren.

Interviews gibt es in verschiedener Form und auch verschiedene Aufgaben. Bei den Interviews, die wir uns vorstellen, geht es verkürzt gesagt um Gespräche zwischen Kolleg*innen. Nicht um Interviews, die in einer wissenschaftlichen Studie eingesetzt werden. Für letztere sind immer umfangreichere Planungen und auch Auswertungen notwendig. Aber darum soll es in dieser Ausgabe nicht gehen. Für die Ausgabe #48 der LIBREAS kommen wohl folgende Formen von Interviews in Betracht:

  • Interviews vor Ort, also bei einem persönlichen Treffen. Vorteil dieser Interviews ist selbstverständlich die persönliche Atmosphäre. Wichtig ist darauf zu achten, dass das Gespräch auch aufgezeichnet wird.
  • Online Interviews. Interviews dieser Art heißen zwar, dass sich nicht persönlich getroffen wird. Dafür ist die Aufzeichnung derselben direkt möglich.
  • Mail-Interviews. Eine weitere Form, die noch unpersönlicher ist, dafür aber genauere Fragen und Antworten ermöglicht und direkt einen Text liefert, stellen Interviews dar, in denen die Fragen schriftlich gestellt und auch schriftlich beantwortet werden. Sie eignen sich auch dann, wenn ansonsten Terminschwierigkeiten ein Gespräch verhindern würden.
  • Kurzinterviews. Bei dieser Form von Interview wird eine kurze Anzahl von Fragen an einer größere Zahl von Befragten gestellt. Dies eignet sich beispielsweise, wenn man die Meinung von verschiedenen Bibliothekar*innen zu einem Thema (beispielsweise, wie sich ihre Bibliothek in den letzten zehn Jahren verändert hat) erheben möchte.

Diese Aufzählung kann fraglos immer weiter ergänzt werden. Es geht aber nicht um Vollständigkeit. Sie soll vor allem als Anregung dienen: Interessante Interviews lassen sich mit recht wenig Aufwand durchführen. Wir hoffen, dass motiviert Sie dazu. (Wenn Sie Fragen oder Hinweise haben, melden Sie sich gerne bei der Redaktion: https://libreas.eu/about/.)

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Call für Mitglieder der LIBREAS-Redaktion und des LIBREAS-Vereinsvorstandes

Posted in LIBREAS aktuell by Karsten Schuldt on 8. Januar 2026

Vor etwas mehr als zwanzig Jahren wurde die LIBREAS von engagierten Studierenden des Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin gegründet, um eine Zeitschrift herauszubringen, deren Inhalte sie selbst interessiert und die sie selbst gerne lesen möchten. Seitdem haben diese Studierenden Berufskarrieren gemacht und weitere Lebensveränderungen durchlaufen, unterdessen sind neue Mitglieder zur Redaktion gestoßen und andere haben sie wieder verlassen, aktuell unter anderem zwei Gründungsherausgeber*innen. Das ist Teil der normalen Entwicklungen solcher Initiativen, die wir gerne aktiv gestalten wollen.

Die Zeitschrift hat sich seit Gründung stets entwickelt – hin zu einem der Publikationsorgane im deutschsprachigen Bibliothekswesen, das kontinuierlich eine große inhaltliche und formale Offenheit anstrebt. Zudem wurde 2011 der gemeinnützige LIBREAS-Verein etabliert, um Menschen aus unserer Community in Verbindung zu bringen.

Wir suchen nun Personen aus dem Bibliothekswesen sowie der Bibliotheks- und Informationswissenschaft, die sich in Zukunft aktiv in die Arbeit in Redaktion und Vorstand einbringen möchten. Sie werden die Chance haben, die Veränderungsprozesse zusammen mit der Redaktion zu gestalten und die Entwicklung der LIBREAS in Zukunft direkt zu beeinflussen. Sie soll ein Ort bleiben, an dem viele verschiedene Stimmen mit vielen verschiedenen Beitragsformen zu teilweise spezifischen Themen des Bibliothekswesens hörbar werden. Die große Offenheit der Zeitschrift wollen wir beibehalten und suchen Personen, die ihre Zeit beisteuern wollen, um diese Ziele (Offenheit und die Zeitschrift als Angebot an das gesamte Bibliothekswesen) gemeinsam zu verfolgen.

Zur Arbeit in der LIBREAS-Redaktion

Nicht immer ist klar, was zu den Aufgaben einer Redaktion gehört. Da wir Personen suchen, die sich mit uns engagieren wollen, stellen wir hier kurz dar, was dies bei der LIBREAS bedeutet. Grundlegend gilt, dass alle Arbeiten in der Redaktion auf ehrenamtlicher Basis erfolgen. Wir haben einige institutionelle Anschlüsse (z.B. für die Langzeitarchivierung) und professionelle Kontakte, auf die wir zurückgreifen können. Aber die LIBREAS hat (und hatte nie) eine finanzielle Basis, um z.B. die Redaktionsarbeit selbst zu entlohnen. Wir waren von Beginn an eine – auch wenn man es damals nicht so nannte – Diamond Open Access-Zeitschrift und wollen dies auch bleiben.

  1. Die Arbeit in der Redaktion umfasst den gesamten Fluss von Entscheidungen über die Schwerpunktthemen, Abfassung von Call for Papers und späterer Editorials, Einwerben und Begutachten von Beiträgen, Organisation von Kommunikationsprozessen, Beratungen mit Autor*innen, Korrektur von Beiträgen, Setzen und Publizieren der Ausgaben. Zudem müssen Cover gestaltet und Medienkanäle bespielt werden. Seit einigen Jahren heißt es auch, Besprechungen für die Rubrik «Das liesst die LIBREAS» zu verfassen.
  2. Gemeinschaftliche Texte (vor allem Call for Papers und Editorials) werden aktuell so erstellt, dass ausgewählte Personen eine Grundversion schreiben, die dann von anderen Redaktionsmitgliedern überarbeitet wird. Alle Redaktionsmitglieder sollen sie mittragen können.
  3. Viele dieser Aufgaben sind spannend. In der Redaktion können inhaltliche Entscheidungen getroffen und es kann mit sehr verschiedenen Autor*innen kommuniziert werden. Grundsätzlich motiviert diese Arbeit auch immer, andere bibliothekswesenbezogene Publikationen im Blick zu behalten. Gleichzeitig gibt es aber auch Aufgaben, die «gemacht werden müssen». Auch diese kontinuierlich zu bewältigen, verstehen wir als Teil unseres Engagements für das Bibliothekswesen.
  4. Organisiert ist die Arbeit der Redaktion aktuell wie folgt: (1) Als kontinuierliche digitale Zusammenarbeit, bei der gemeinsam vor allem ein Überblick zum Stand der folgenden Ausgaben behalten wird. Ein Grossteil der Arbeit mit Autor*innen und an den Texten selber findet ebenso digital statt. (2) Monatliche Redaktionstreffen, online, jeweils eher abends und ein bis zwei Stunden lang. Hier geht es oft darum, Entscheidungen zu treffen und Arbeit zu verteilen (3) Wenn möglich, viermal im Jahr längere Arbeitstreffen, hybrid. Vor Ort treffen wir uns dabei praktisch immer in Berlin. Auf diesen Treffen wird an Texten gearbeitet, aber auch längerfristige Entscheidungen getroffen. Wenn möglich, werden diese Treffen mit sozialen Aktivitäten verbunden. Schon, weil all diese Arbeit ehrenamtlich erfolgt, ist sie nicht obligatorisch. Mitglieder der Redaktion sollten aber versuchen, oft anwesend zu sein und zugesagte Arbeiten auch umzusetzen.
  5. Auf der BiblioCon und oft auch auf den Open-Access-Tagen organisiert vor allem der Vereinsvorstand Treffen in einem Restaurant der Stadt, in welchem die Tagung stattfindet. Diese Treffen sind immer offen für andere Personen und werden auch öffentlich beworben.

Zur Arbeit des LIBREAS-Vereinsvorstandes

Der LIBREAS-Verein wurde gegründet, um die infrastrukturelle Absicherung der Zeitschrift zu ermöglichen. Er ist nicht deckungsgleich mit der Redaktion. Durch die Vereinsmittel werden z.B. die Domain und der Webspace für die Mailboxen finanziert. Zudem kann der Verein als Struktur genutzt werden, um z.B. Praktika anzubieten oder als Empfänger für Drittmittel zu agieren. Der Verein ist gemeinnützig.

Die Arbeit des Vereins ist von einem aktiven Vereinsvorstand abhängig. Da der Verein seinen Sitz in Berlin hat, unterliegt er dem deutschen Vereinsrecht, welches z.B. vorschreibt, dass jährlich eine Mitgliederversammlung abgehalten werden muss, ein Rechenschaftsbericht erstellt wird und eine Satzung existiert sowie regelmässig Wahlen zum Vereinsvorstand stattfinden. Darüber hinaus kann der Verein selbstverständlich weitere Aktivitäten entfalten. So wurden bereits Stipendien für die Teilnahme an Konferenzen ausgeschrieben oder Veranstaltungen zu Jubiläen der LIBREAS veranstaltet.

Gesuchte Mitglieder

Mit diesem Call suchen wir Menschen, die daran interessiert sind, sich langfristig in diese beiden Strukturen (also Redaktion und/oder Vereinsvorstand) einzubringen. Die Personen sollten, wie erwähnt, grundsätzlich unsere Ziele und Werte teilen und gewillt sein, Zeit (ehrenamtlich) einzubringen.

Wir sind offen für Mitglieder aus allen Sparten des Bibliothekswesens, der Bibliotheks- und Informationswissenschaft und angrenzender Gebiete. Besonders würden wir uns über Vertreter*innen aus dem öffentlichen Bibliothekswesen, inklusive Schulbibliotheken, sowie unterschiedlicher Berufsprofile freuen. Wir wären froh, wenn sich Personen aus der Ausbildung, dem Studium oder dem Beginn ihrer «Bibliothekskarriere» melden. Wir stellen bei wissenschaftlichen Beiträgen deren Qualität nach guter wissenschaftler Praxis sicher. Aber wir erwarten von neuen Mitgliedern keine eigenen wissenschaftlichen Karriereziele. Die LIBREAS versteht sich als Zeitschrift für den gesamten DACH-Raum. Auch, wenn wir uns zumeist in Berlin treffen, würden wir uns über Mitglieder aus allen Ländern freuen.

Es gibt kein offizielles Vorstellungsverfahren. Nehmt bitte mit uns Kontakt auf und wir organisieren ein erstes Gespräch, um über das mögliche weitere Vorgehen zu sprechen, Fragen zu beantworten und zu sehen, ob wir zueinander passen.

Ihre / Eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Brandenburg an der Havel, Chur, Göttingen, München)

Einladung: Austausch zum Thema Schattenbibliotheken

Posted in Hinweise by Ben on 17. November 2025

Ein Hinweis in halb-eigener Sache (ein Mitglied von LIBREAS) ist dabei. Aus dem Open-Science-Barcamp 2024 ging zunächst eine Session und danach eine informelle Diskussionsgruppen „Schattenbibliotheken“ hervor. Diese ist im Sinne offener Wissenschaft natürlich auch offen und trifft sich im frühen Dezember wieder. Für alle möglicherweise interessierten Menschen finden nachstehend den Call for Participation:

Schattenbibliotheken – schwer zu fassen, aber wichtig zu wissen!

So ungefähr haben wir 2024 über Sci-Hub gegrübelt, als uns die Idee kam, ein Informationsposter darüber zu entwickeln. Das (vorläufig) fertige Poster haben wir bei zwei Gelegenheiten im Frühjahr 2025 präsentiert. Nach den darauffolgenden Diskussionen hatten wir noch mehr Fragen als Antworten. Aber vermutlich war das zu erwarten für ein Phänomen, das sich so schnell popularisiert hat, und das mit vielen Vorbehalten (oder auch Erwartungen) befrachtet ist. Daher laden wir euch ein – diskutiert mit, und lasst uns gemeinsam diskutieren, was über Schattenbibliotheken noch herausgefunden oder gelernt werden sollte! Wir wollen euch vorstellen, welche Verbesserungen und Ergänzungen zum Poster geplant sind, aber auch eine Liste offener Forschungsfragen aufzeigen. Eingeladen sind alle, die sich für das Phänomen Schattenbibliothek interessieren; informationswissenschaftliche Vorkenntnisse sind willkommen, aber nicht erforderlich. 

Das Treffen findet online statt, am Dienstag, den 9. Dezember 2025, um 16:30. Die Registrierung ist eröffnet unter https://cryptpad.fr/form/#/2/form/view/f-54czQhNQc2g18X7CRluTHE+QYeXI-7UmYfJg-Nwfo/ – wenn ihr interessiert seid, aber an dem genannten Termin keine Zeit habt, könnt ihr dort eine E-Mail hinterlegen, um über zukünftige offene Treffen informiert zu werden.

Anna Schwerdtel, Nina Gerlach, Ben Kaden, Lambert Heller

CfP #48: Let’s talk. Interviews

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 11. November 2025

Das Gespräch zwischen Menschen hilft, Fragen zu klären, Positionen zu erläutern und zu verstehen, kurzum: Kennenzulernen und zu verstehen, was und wie  andere denken. Es hat immer eine soziale Komponente. Es erzeugt eine Art Nähe, manchmal harmonisch, manchmal gespannt, aber immer direkt zwischen den Beteiligten. Das gilt auch im professionellen Bereich, auch wenn dort oft und nachvollziehbar die Sache und nicht die Beziehungspflege im Zentrum steht. Beispielsweise werden heute im Bibliothekswesen zahllose Projektberichte geschrieben und gelesen, Vorträge gehalten, Blogs geführt ‒ aber trotzdem bevorzugen viele Kolleg*innen es, das Projektteam direkt zu fragen. 

Interviews, als eine formalere und geplantere Form eines Gesprächs, sind deshalb immer auch ein Weg, neues Wissen zu erwerben. Viele Fragen scheinen sich viel besser im Interview stellen zu lassen, viele Informationen lassen sich in und zwischen den Zeilen besser einholen. Das gilt nicht nur unter Bibliothekar*innen, sondern zum Beispiel auch, wenn Bibliotheken wissen wollen, was ihre Nutzer*innen denken. Auch in studentischen Abschlussarbeiten werden verschiedene Formen von Interviews (strukturierte, unstrukturierte, narrative, Expert*inneninterviews und so weiter) gern genutzt, um Daten zu erheben. Anstatt sich solitär in ein Thema einzuarbeiten, kann auch einfach jemand gefragt werden. Das ergibt noch keine wissenschaftliche Arbeit, aber nicht selten, gerade in der alltäglichen Praxis, reicht der Ansatz aus, um die eigene Neugierde zu stillen. In der LIBREAS gab es in der Vergangenheit, unter all den anderen Beitragsformen, deshalb schon eine Reihe von Interviews, an die sich die Redaktion immer wieder gerne erinnert.

(Grafik: Chris20060, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons)

Oft gilt dabei, dass, was eine Person interessiert, auch andere interessieren wird. Deshalb wollen wir die Ausgabe #48 ganz den Interviews widmen. Wir rufen explizit alle Kolleg*innen (auch zukünftige, die sich aktuell im bibliothekarischen Studium oder der bibliothekarischen Ausbildung befinden) auf Interviews zu führen. Kontaktiert Personen im Bibliothekswesen oder in der Nutzer*innenschaft, die Sie schon immer einmal zu einem Thema befragen wollten. Wollten Sie von Ihren Kolleg*innen schon länger erfahren, was sie über bestimmte gesellschaftliche oder fachliche Entwicklungen denken? Geht jemand in den Ruhestand und Sie wollten unbedingt noch wissen, was diese Person während ihrer Bibliothekskarriere alles erlebt hat? Haben Sie einen interessanten Vortrag gehört oder einen spannenden Text gelesen und hätten noch Fragen? Gibt es Personen, die sichtbar werden sollten und die vielleicht nicht so häufig zu Wort kommen – seien es Kolleg*innen, (heimliche) Koryphäen, Nerds, Expert*innen oder einfach interessante Menschen? Wollen Sie andere “stille Perspektiven” sichtbar machen? Sind Sie von einem Projekt, einem Verein, einer Idee  begeistert und meinen, dass die Welt davon auch und mehr erfahren muss? Führen Sie das Gespräch (egal, ob direkt bei einer gemeinsamen Kanne Tee, bei einem Onlinetreffen oder gleich schriftlich), fassen Sie es in einen Text und reichen Sie es in der Ausgabe #48 der LIBREAS ein. Die Redaktion wird es Ihnen gleichtun und im Laufe der nächsten Monate Interviews führen.

Interessiert sind wir gleichermaßen an Erfahrungen mit und Positionen zu Interviews als Methode. Haben Sie Interviews in Ihrer Bibliothek eingesetzt, beispielsweise um von Ihren Nutzer*innen etwas zu erfahren? Oder in eurer Abschlussarbeit oder eurem Forschungsprojekt? Was waren Fragen, Vorgehen, die Ergebnisse und Erfahrungen? Würden Sie es noch einmal so machen – oder anders?

Gerne bespricht die Redaktion im Vorfeld Ideen für einen Beitrag, wenn gewünscht. Wie immer sind auch andere Beiträge und Formate außerhalb des Schwerpunkts herzlich willkommen. Wir bitten (unter Zurkenntnisnahme der Autor*innenhinweise) um Einreichung bis zum 31.03.2026.

Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Brandenburg an der Havel, Chur, Göttingen, München)

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Bibliotheken und die Krise der Demokratie? [Ein Aufruf zum Einreichen von Beiträgen für die o-bib]

Posted in Uncategorized by Karsten Schuldt on 4. September 2025

Vorwort

Die o-bib hat vor wenigen Tagen einen Call for Papers zum Themenschwerpunkt „Literatur und Daten in Gefahr – die Sicherung des freien Zugangs zu Informationen in Zeiten politischer Einflussnahme“ veröffentlicht. Wir, die Redaktion der LIBREAS rufen dazu auf, auf diesen zu reagieren und Beiträge zu diesem Themenkreis einzureichen. Das ist Thema ist relevant und wichtig.

Es ist so relevant und wichtig, dass wir selber an einem Call for Papers zu diesem Thema gearbeitet haben. Die o-bib Redaktion hat ihren – der selbstverständlich in einzelnen Punkten etc. einen leicht anderen Fokus setzt, aber grundsätzlich auf die gleichen Fragen zielt – einige Tage zuvor veröffentlicht. Wir wollen keine Konkurrenzsituation entstehen lassen und werden deshalb nicht aufrufen, bei uns einzureichen.

Aber, schon um zu dokumentieren, dass nicht nur die o-bib Redaktion, sondern auch andere sich mit diesem Thema befassen und auch, weil wir hoffen, mit unserem Call vielleicht einige weitere Anregungen zu geben, veröffentlichen wir hier seinen Text – verbunden mit der Aufforderung, Beiträge, die auf ihn reagieren würden, bei der o-bib einzureichen.

Die Redaktion LIBREAS



Bibliotheken und die Krise der Demokratie?

Innerhalb weniger Jahre scheint sich weltweit eine grundlegende Krise von Demokratie, freiem Denken und allgemein gesprochen von Zukunftskonzepten zu zeigen. Die lange überwunden geglaubte Form von Eroberungskriegen ist auch in Mitteleuropa nicht mehr nur ein abstraktes Phänomen, sondern wirkt sich unmittelbar auf Gesellschaft, Politik und Diskurs aus. Gleiches gilt für eine Polarisierung auf allen Ebenen, die Rückkehr nicht nur von Nationalismus, sondern auch Nationalchauvinismen. Rechtsradikale Bewegungen stellen Regierungen oder stehen kurz davor. Demokratische Prozesse drohen unter einem Wunsch nach totalitären Entscheidungsfindungen zu erodieren. Viele gesellschaftliche Aushandlungsprozesse scheinen immer weniger von Vernunft, Menschlichkeit und der Suche nach einer besseren Zukunft geprägt zu sein – stattdessen zunehmend von Spaltung, anti-humanen Zielen und Verschwörungsdenken. Vieles, das lange als gesellschaftlicher Konsens galt, splittert auf. Es fühlt sich manchmal tatsächlich an wie der Beginn einer Endzeit. Oder wie eine aus den Fugen zu geratene Welt. 

Aber vielleicht ist es auch übertrieben: Es ist selbstverständlich nicht das erste Mal, dass sich in einer Gesellschaft, die sich einige Jahre zuvor grundsätzlich auf dem Weg des Fortschritts befand, Krisen zeigen. Wenn man nur im DACH-Raum bleibt, dann ist 2025 beispielsweise der 500. Jahrestag des blutig niedergeschlagenen «Bauernkrieges», welcher – gewissen Lesarten folgend – die Emanzipation der unteren Schichten über Jahrhunderte aufhielt. Aber heute ist die Leibeigenschaft abgeschafft. Auch andere Gesellschaften sind im letzten Jahrhundert zusammengebrochen.

Die Weimarer Republik oder die erste österreichische Republik waren solche, die grundsätzlich eine bessere Zukunft versprachen und doch beendet wurden. Finden wir uns vielleicht in einer solchen Krise? Ist das einfach, wie im marxistischen Gesellschaftsanalysen vorhergesagt, eine der periodisch auftretenden Krisen des Kapitalismus? Was sich über diese Krisen heute sagen lässt, ist, dass ihr Ende nie vorhersehbar ist, während man sich in ihr befindet. Und: Andere gesellschaftliche Krisen wurden im DACH-Raum im letzten Jahrzehnt auch positiver gelöst.

Was tun? Ein Rückzug nach innen und ein Abwarten sind vor dem Hintergrund einer demokratischen Gesellschaft nicht einmal für diejenigen eine Option, die es sich möglicherweise sogar leisten könnten. Und viele andere haben diesen Luxus nicht. Am Ende sind alle betroffen. Der Unterschied liegt nur in der unmittelbaren Wucht. 

Wenn es so etwas wie einen Gegenwartskonsens gibt, dann vermutlich den, dass die Welt, wie sie gerade ist, nicht in Ordnung erscheint. Angriffe auf Menschengruppen, Angriffe auf die Wissenschaft als evidenzbasierte, faktenorientierte Wissensproduktion mit einem (immer prekären) Objektivitätsanspruch, Angriffe auf Humanität, Demokratie, das Zusammenleben in zunehmend vielfältigen Gesellschaften häufen sich. Manchmal scheint es auch, als würden Ignoranz beziehungsweise bewusste oder auch habituell angeeignete Unverständigkeit zunehmen. Und gleichzeitig – wohl als Strategie – überschlagen sich solche Angriffe auch. Jetzt, wo wir diesen Call schreiben, ist es beispielsweise die Wikipedia, die in Gefahr ist, und sind es Transpersonen, die besonders angegriffen werden. Wer in den aufgeklärten Jahrzehnten des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts sozialisiert wurde, staunt, wie einen die Geschichtsbücher einholen. “Nie wieder ist jetzt.” Und gleichzeitig staunt man, wie schwer es ist, diesem Anspruch wirksam Ausdruck zu verleihen. Geschichtsbücher und ein Verstehen allein reichen nicht. Es braucht auch Handbücher, resiliente Handlungsstrukturen. Und erstaunlich viel Mut. All das gibt es glücklicherweise auch. Und, wenig überraschend, verorten wir insbesondere Bibliotheken in diesem Kontext.

Zum Bibliothekswesen

Die LIBREAS. Library Ideas ist eine Zeitschrift für die Bibliotheks- und Informationswissenschaft, das Bibliothekswesen und verwandte Gebiete. Wir wollen deshalb in der Ausgabe #48 thematisieren, wie Bibliotheken und Informationseinrichtungen mit aktuellen Krisen der Demokratie und Gesellschaft umgehen und wie sie diese wahrnehmen. Wir suchen nach Beiträgen, die thematisieren:

  • Was diese Krisen ausmacht und wie sie sich in Bibliothekskontexten manifestieren, beispielsweise durch Angriffe auf wissenschaftliche Infrastruktur oder auch Medienbestände in Bibliotheken.
  • Wie Bibliotheken und andere Einrichtungen auf diese Krise reagieren, beispielsweise durch gezielten Bestandsaufbau und Veranstaltungsarbeit, durch Thematisierung der Krisenerscheinungen oder die Rettung von Datenbeständen.
  • Wie das Personal diese Krise wahrnimmt und darauf reagiert. Wie Bibliotheken aus diesen Krisen herausfinden und idealerweise durch ihr Engagement der Gesellschaft heraushelfen werden und wie die Zukunft “nach der Krise” aussehen könnte.

In den zurückliegenden Jahrzehnten präsentierten sich Bibliotheken, gerade Öffentliche, als Orte der Demokratie und tun es auch weiterhin. Aber vielleicht ist jetzt die Zeit zu zeigen, ob dies wohlmeinende, vorwiegende performative Worte waren oder ein Selbstverständnis und Programmentwurf für eine Zeit sich nähernder Einschläge und spürbarer Bedrohungen. Der historische Blick zeigt nämlich auch, dass es Bibliotheken in allen Gesellschaftsformen der letzten 150 Jahre gab. Auch Autokratien haben Bibliotheken. Funktional gesehen ist die Bibliothek an sich nicht notwendigerweise ein Ort gesellschaftlichen Fortschritts und demokratischer Teilhabe. Insofern wäre es auch spannend, die Selbstbilder und -verständnisse der Bibliotheken zu reflektieren, eventuell auch zu dekonstruieren.

Wir wünschen uns, dass die Beiträge, die wir für die Ausgabe #48 suchen, sich nicht auf Krisenbeschreibungen beschränken, sondern weiterhin den Weg in eine – idealerweise bessere Zukunft zeigen – für die Bibliothek vor Ort, aber auch für die Gesellschaften, in denen sie wirken und die vielleicht auch direkt Handlungsoptionen für diesen Schritt aufzeigen.

Einreichungen

[Bitte reichen Sie Beiträge bei der o-bib ein, deren CfP sie unter https://www.vdb-online.org/o-bib-call-for-papers-fuer-themenschwerpunkt-literatur-und-daten-in-gefahr-die-sicherung-des-freien-zugangs-zu-informationen-in-zeiten-politischer-einflussnahme/ finden.]

Ihre / Eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Brandenburg an der Havel, Chur, Göttingen, München)


CfP #47: Lug und Trug (im Wissenschaftssystem)

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 18. November 2024

Wenn mensch einmal anfängt, darauf zu achten, erweist sich Wissenschaft an vielen Stellen als ein erstaunlich schmutziges Geschäft. Das ist allen irgendwie an der Wissenschaft Beteiligten klar. Ebenso wissen alle, wie sehr die Sonntagsreden und -bilder von selbstlos und nur der Wahrheit verpflichteten Forschenden, die in Büros und Laboren, in Bibliotheken und Archiven, auf Feldforschung und bei Ausgrabungen einzig vom Wunsch getrieben sind, den Menschen zu helfen, die Welt besser zu machen und die bestmögliche Wissenschaftspraxis zu betreiben, ein Idealbild darstellen. Mit der kleinteiligen und vielschichtigen Realität der Wissenschaft hat das erfahrungsgemäß wenig zu tun. Wissenschaftler*innen sind Menschen, mit allen ihren Fehlern, individuellen Interessen und Motivationen sowie blinden Flecken. So weit, so erwartbar. Nicht jede*r muss idealistisch sein.

Problematisch wird es jedoch, wenn das Ideal nicht mehr Zielpunkt, sondern nur noch eine Fassade ist, hinter der ganz bewusst gemauschelt, betrogen und missbraucht wird. Oder wenn Wissenschaft zur Zielscheibe oder zum Werkzeug für Scamming, Vortäuschung und Manipulation wird. 

Dann entsteht schnell der Eindruck, dass es nicht nur um einzelne Personen geht, die vielleicht unter Leistungs- und Publikationsdruck stehen und deshalb Daten fälschen oder bereits publizierte Artikel mehrfach einreichen. Vielmehr entsteht die Sorge, dass teilweise mit krimineller Energie vorgegangen wird.

Überrascht das? Eher nicht, wenn mensch sich ansieht, wie viel Geld im Wissenschaftssystem vorhanden ist, wie viel Macht eine Wissenschaftskarriere mit sich bringen kann und wie sich wissenschaftliche Reputation in externe Gewinne für Expert*innen, Berater*innen, Autor*innen übersetzen lässt.

Auch ist die Vergabe von Forschungsmitteln und Professuren mittlerweile stark an die Messbarkeit von Erfolg gebunden mit Parametern wie dem Hirsch-Index, der als vermeintlich objektiver Indikator für Reputation, ausgedrückt durch die Anzahl der Publikationen und Zitationen einer Person, gilt. Das Wissenschaftssystem erzeugt damit einen immensen Druck, der sichtbare und messbare Erfolge einfordert und der durch die Restriktionen des deutschen Wissenschaftszeitvertragsgesetzes unerbittlich auf die Forschenden einwirkt. Werden keine Gelder eingeworben und der nächste Karriereschritt nicht in den vorgegebenen Zeitfenstern erreicht, bedeutet das für viele, oftmals hochqualifizierte Menschen, nicht mehr im deutschen Wissenschaftsbereich arbeiten zu können – und damit im Wesentlichen nicht einer Forschungstätigkeit nachgehen zu können. Zu diesen prekären Beschäftigungsverhältnissen in Akademia informieren unter anderem die Social-Media-Diskurse #IchBinHanna oder #IchBinReyhan.

Beispiele

Eine ganze Anzahl von wissenschaftstypischen, betrügerischen Praktiken sind in gewisser Weise schon etabliert: Zitationskartelle; Autor*innenschaften von Personen, die gar nicht an einer Publikation beteiligt waren; Beiträge auf Publikationslisten, die es in Wirklichkeit nie gab; Plagiate. Das nicht hoch genug zu lobende Blog Retraction Watch liefert dazu kontinuierlich neue Fälle.

Aber in der letzten Zeit scheinen sich die Praktiken immer mehr auszuweiten. Nicht nur von der eigentlichen Anzahl her, sondern auch von den Praktiken und deren Grad an Professionalität. Der Term “Journal Hijacking” kam zum Beispiel neu in unseren Wortschatz.  (vgl. Albakina, 2021) Der Ansatz bedeutet, dass jemand die Kopie eines Open-Access-Journals anlegt, welche nur eine ganz geringfügige Abweichung zum Original hat ‒ beispielsweise ein “the” vor dem Zeitschriftennamen ‒, diese Kopie als das Original in den betreffenden Datenbanken hinterlegt, um vom Ruf der Originalzeitschrift zu profitieren und dann gegen Zahlung von Artikelgebühren jeden eingereichten Artikel zu veröffentlichen. (Im Kontext von hijacked journal gibt es eine Reihe von Herausforderungen und Problemen; zu Handlungsoptionen für Verlage siehe Ryan (2024); zu Vorkommen von Plagiaten in hijacked journals siehe Abalkina (2024).) Fast schon nebenher haben wir in einigen Artikeln erfahren (zum Beispiel Singh Chawla (2024)), dass heute Zitationen genauso gekauft werden können, wie sonst Follower für die verschiedenen Social-Media-Netzwerke. 

Gleichzeitig lassen sich Texte, Daten und Bilder dank generativer KI-Anwendungen noch schneller und einfacher fälschen, als zuvor (siehe zum Beispiel Kendall, da Silva 2024; Sabel et al. 2023; Gu et al. 2022). Andererseits findet sich auch die Erwartung, dass technische Anwendungen gerade sehr gut geeignet sind, um Betrugsversuche zu entdecken (u.a. Freedman ; Toni 2024). Eine Übersicht zu mit ChatGPT generierten wissenschaftlichen Aufsätzen gibt es zum Beispiel bei Retractionwatch.

Aufruf für Beiträge

Für die Ausgabe #47 der LIBREAS suchen wir nach Beiträgen, die sich in das Themenfeld Lug und Trug im Wissenschaftssystem wagen. Insbesondere nach solchen, die auch danach fragen, was dies mit Bibliotheken zu tun hat. Hat es zum Beispiel Einfluss auf die Arbeit von Bibliotheken im Feld Informationskompetenz, Forschungsdatenmanagement oder ‒ insbesondere, wenn es um Artikel- oder Publikationsgebühren geht ‒ Open Access? Sind Bibliotheken diesen Praktiken einfach ausgeliefert? Wenn ja, mit welchen Konsequenzen? Oder haben sie schon Gegenstrategien entwickelt? Nicht zuletzt sind die Berichte zu Betrug im Wissenschaftssystem selbstverständlich nicht neu. Aber wie hat sich das Thema in den letzten Jahren, gar Jahrzehnten entwickelt? Können wir vielleicht etwas aus früheren “Wellen” an Betrug lernen?

Oder gibt es Erfahrungen oder Strategien zum Umgang mit Plagiaten und/oder Plagiatssoftware beziehungsweise KI-generierten Haus- und Qualifikationsarbeiten im Bereich der Hochschullehre, die geteilt werden möchten?

Interessant wird auch sein, die Themen Bibliotheksethik und Informationsethik wieder einmal neu anzugehen und zu fragen, ob Wertesysteme der neuen Situation angepasst werden müssen.

Einreichungen

Wir, die Redaktion LIBREAS, rufen für diese Ausgabe zu Beiträgen in ganz unterschiedlichen Formaten auf: wissenschaftliche Arbeiten, Erfahrungsberichte aus der bibliothekarischen Praxis, Transkripte von Interviews mit ehemaligen Akteur*innen hinter solchen Betrugsfällen (geführt im Dark Web oder in Hinterzimmern verruchter Kneipen ‒ so stellen wir uns das zumindest vor). Die Möglichkeiten sind groß. Gerne besprechen wir mit euch/Ihnen auch Ideen zu Beiträgen.

Deadline ist der 30.04.2025. Wir bitten, die Hinweise für Autor*innen zu beachten: https://libreas.eu/authorguides/

Ihre/Eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Brandenburg an der Havel, Chur, Göttingen, München)

Lektüre

Abalkina, Anna (2024). Prevalence of plagiarism in hijacked journals: A text similarity analysis. In: Accountability in Research (S. 1–19). https://doi.org/10.1080/08989621.2024.2387210

Albakina, Anna (2021). Detecting a network of hijacked journals by its archive. In:  Scientometrics 126, S. 7123–7148 (2021). https://doi.org/10.1007/s11192-021-04056-0 

Freedman, Gabriel ; Toni, Francesca (2024). Detecting Scientific Fraud Using Argument Mining. In: Proceedings of the 11th Workshop on Argument Mining (ArgMining 2024). https://doi.org/10.18653/v1/2024.argmining-1.2 

Gu, J., Wang, X., Li, C., Zhao, J., Fu, W., Liang, G., Qiu, J. (2022). AI-enabled image fraud in scientific publications. In Patterns. https://doi.org/10.1016/j.patter.2022.100511

Kendall, Graham ; da Silva, Jaime A. Teixeira (2024) . Risks of abuse of large language models, like ChatGPT, in scientific publishing: Authorship, predatory publishing, and paper mills. In: Learned Publishing. Volume37, Issue1 January 2024, S. 55–62.  https://doi.org/10.1002/leap.1578 

Retraction Watch [Blog] https://retractionwatch.com/

Ryan, Jackson (2024). Hijacked journals are still a threat — here’s what publishers can do about them. In Nature Index. https://doi.org/10.1038/d41586-024-02399-1

Sabel, Bernhard A. ; Knaack, Emely; Gigerenzer, Gerd; Bilc, Mirela (2023). Fake Publications in Biomedical Science: Red-flagging Method Indicates Mass Production. [Preprint] medRxiv 2023.05.06.23289563; doi: https://doi.org/10.1101/2023.05.06.23289563

Singh Chawla, D. (2024). The citation black market: schemes selling fake references alarm scientists. In Nature (Bd. 632, Issue 8027, S. 966–966). https://doi.org/10.1038/d41586-024-01672-7

CfP #46: „… und dann war Feierabend!” ‒ Bestandserhaltung in Bibliotheken

Posted in LIBREAS Call for Papers by Karsten Schuldt on 2. August 2024

In älteren Bibliotheksgebäuden gibt es sie noch vereinzelt: Räume, in denen einst die Buchbinderei untergebracht war. Manchmal finden sich sogar noch Türen, an denen Buchbinderei zu lesen steht. Aber die Räume hinter diesen Türen stehen fast überall leer oder werden anders genutzt. Heute organisieren diese Abteilungen, wenn es sie noch gibt, vor allem den Versand von Medien an Buchbindereien außerhalb der Bibliothek.

The Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs: Photography Collection, The New York Public Library. „Bookbinding [enlargement of the seated figure in… #80]“ The New York Public Library Digital Collections. 1907 – 1933. https://digitalcollections.nypl.org/items/510d47d9-4e1d-a3d9-e040-e00a18064a99

Ohne Frage hat sich einiges geändert: Bücher werden nur noch in einer kleinen Anzahl von Bibliotheken − vor allem denen mit explizitem Sammelauftrag − gebunden. [1] Das Thema Sammeln und damit auch das Thema der Aufbewahrung sowie der langfristigen Erhaltung der Bestände rückte in anderen Häusern oft in den Hintergrund bibliothekarischer Arbeit. War die Frage der langfristigen Erhaltung von Beständen lange ein wichtiger Teil der bibliothekarischen Ausbildung, Literatur und tagtäglichen Arbeit, liegt der Fokus heute auf dem Management von Medien, dem Zugang, der Nutzung und Vermittlung von Inhalten. Das 

Sammeln und das Aufbewahren als Kerngeschäft der Bibliotheken wirkt wie eine Erinnerung an ein anderes Jahrhundert. Genau genommen ist es dies auch, wie sich leicht bei der Lektüre bibliothekarischer Lehrbücher und Arbeitsbeschreibungen erkennen lässt.

The Miriam and Ira D. Wallach Division of Art, Prints and Photographs: Photography Collection, The New York Public Library. „Bindery workroom“ The New York Public Library Digital Collections. 1907 – 1933. https://digitalcollections.nypl.org/items/510d47d9-4e18-a3d9-e040-e00a18064a99

Oder stimmt das gar nicht? Zumindest ist die Bestandserhaltung für den Gebrauch besonders in Öffentlichen Bibliotheken ein zentrales Thema. Nach wie vor zählen Buchschutzfolien, zugegeben deutlich günstiger als Buchbindearbeiten, zur alltäglichen Verbrauchsmittelausstattung und die Medienpflege zu den bibliothekarischen Alltagstätigkeiten. Das Falzbein wird weiterhin geschwungen.

Ist also eventuell nur die aufwendige und archivierungsgerichtete Bestandserhaltung für eine offene Zukunft am Verblassen, während Pflege und Erhaltung für das Zeitfenster der erwarteten Medienfrage so frisch wie eh und je und so selbstverständlich, dass sie lange in ihren Besonderheiten kaum wahrgenommen wurde?

Bestandserhaltung heute

Sicher ist Bestandserhaltung in der Gegenwart eine andere Herausforderung als in vergangenen, weitgehend auf Druckmedien konzentrierten, Bibliothekskontexten. Zugleich wird sie parallel zur Präsentation der Medieninhalte digital. Dies wiederum reicht erheblich über den Shift von der Pflege und Erhaltung von Büchern zu digitalen Datenträgern hinaus. In serverbasierten Medienkulturen geht es naturgemäß nicht mehr um die Erhaltung einzelner Trägerobjekte, sondern von Strukturen, in denen datafizierte Inhalte, Schnittstellen, Software und Hardware zusammenspielen. Inwieweit die vielfältigen Erfahrungen aus Bibliotheken und auch anderen Kulturerbeeinrichtungen im Umgang mit verschiedenen Speichermedien und -strategien wie Mikrofiche, Disketten, CD-Roms weiterhelfen, ist eine offene Frage. Genau genommen ist die offene Frage: Welche Strategien zur digitalen Langzeitarchivierung funktionieren? Neu ist sie nicht. Aber unglaublich komplex, zumal die reine Magazinierung mit der Hoffnung auf spätere Lösungen bei digitalen und dateibasierten Inhalten keine vielversprechende Variante ist. Ein Schrank voller Floppy Disks mag heute als schöne Referenz auf eine Medienepoche dienen. Ob die einst darauf befindlichen Daten noch mit handhabbarem Aufwand gerettet und zugänglich gemacht werden können, ist völlig unklar und man darf durchaus pessimistisch sein.

Die Erhaltung von Medien und Inhalten im Sinne einer Langzeitarchivierung und -verfügbarhaltung in unterschiedlichen Formaten und Speicherformen ist daher meist eine Praxis mit vielen unbekannten Faktoren. Ob die digitalen Archivierungslösungen aus 2024 tragfähig sind, werden wir erst im Jahr 2075 wirklich beurteilen können. Klar ist, dass diese Komplexität nicht mehr von einer Buchbinderei oder, Nationalbibliotheken einmal ausgenommen, einer einzelnen Abteilung für digitale Medienerhaltung adressiert werden kann.

Das betrifft nicht nur die medienimmanenten Herausforderungen des Digitalen. Denn gleichzeitig sehen sich Bibliotheken und andere sammlungsführende Einrichtungen weiteren externen Herausforderungen von Klimakatastrophen, kriegerischen Handlungen, gesellschaftspolitischen Entwicklungen, kommerziellen Kontrollansprüchen und entsprechenden rechtlichen Anforderungen bis hin zu technologischen Entwicklungen ausgesetzt. [2]

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen

Die Ausgabe #46 der LIBREAS möchte deshalb das Thema Bestandserhaltung aus allen denkbaren Perspektiven aufgreifen. Das Thema treibt uns ja auch selbst um: Wie sichern wir ab, dass die fast zwanzigjährige Geschichte von LIBREAS auch nachvollziehbar bleibt? Wir haben dafür ein paar Strategien wie die Archivierung der PDF auf einem verlässlichen Repository [3] und die Abbildung der Zeitschrift und ihrer Struktur auf Github [4] entwickelt. Das mag nicht besonders glamourös wirken, hat sich aber bisher sehr bewährt.

Die Frage “Wie sichern wir Medien und Inhalte heute?” interessiert uns jedoch mehr noch jenseits des Tellerrandes unserer eigenen Aktivitäten. Daher rufen wir dazu auf, uns Beiträge zu genau dieser Frage aus allen erdenklichen Perspektiven einzureichen. Das können klassische Aufsätze, Essay und Reflexion, Praxisberichte, Planungen oder Technikfolgenabschätzungen sein. Konkrete, auch individuelle, Lösungen interessieren uns ebenso wie strategische Überlegungen oder theoretische Tiefenbohrungen. Die Erhaltung von Bestsellern für den Gebrauch in einer Öffentlichen Bibliothek über ein Zeitfenster von zwölf Monaten interessiert uns ebenso wie Ewigkeitsperspektiven von Nationalbibliotheken. Bestandsschutz per Magazinbau und Bestandsschutz per regelmäßiger Datenmigration sind für uns gleichermaßen relevant. Die Frage, wie sich lizenzierte Inhalte langzeitarchivieren lassen und wie man die Inhalte heute überholter Speichermedien nutzbar hält, zählt auch zu unserem Schwerpunkt.

Die LIBREAS ist immer offen für Beiträge verschiedener Ausrichtungen und verschiedener Formen. Visualisierungen, Fotoessays und multimediale Einreichungen sind sehr willkommen.

Und schließlich noch ein Hinweis für Erstautor*innen: Wir als Redaktion helfen sehr gern bei der thematischen und formalen Entwicklung eines Beitrags und laden als inklusives Format dazu ein, auch erste Ideen für Beiträge einzureichen und mit uns als Redaktion zu besprechen. Die Hinweise für Autor*innen sind hier zu finden: https://libreas.eu/authorguides/

Die Deadline für die Ausgabe #46 ist der 30.10.2024.

Ihre / eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Brandenburg an der Havel, Göttingen, Lausanne, München)

Fussnote

[1] K.F.Shovlin: Why we bind. In: GUARDIANS OF MEMORY. Preserving the National Collection [Library of Congress Blogs]. 15. Juni 2023. https://blogs.loc.gov/preservation/2023/06/binding/  Der Beitrag beschreibt unter der Überschrift “We bind because we can.” zugleich die Rolle, die die Library of Congress an dieser Stelle einnimmt. Angesichts von Budgetkürzungen können sich viele Bibliotheken Buchbinder-Dienstleistungen nicht mehr leisten, so dass die Library of Congress auch die Rolle der Bewahrung einer Art Letztkopie eines Werks übernimmt.

[2] Während Überschwemmungen, Bergstürze, extreme Wetterperioden zunehmen, schliessen sich in Deutschland zum Beispiel immer mehr Bibliotheken mit anderen Einrichtungen zu Notfallverbünden zusammen, um bei Bränden, Überschwemmungen oder anderen Katastrophen schnell Bestände sichern zu können.

[3] https://edoc.hu-berlin.de/handle/18452/149

[4] https://github.com/libreas

Libreas auf der BiblioCon 2024

Posted in Hinweise, LIBREAS aktuell, LIBREAS on tour by Karsten Schuldt on 22. Mai 2024

Wenn sich im Juni 2024 die Bibliotheksszene des DACH-Raums in Hamburg auf der BiblioCon treffen wird, ist auch die Redaktion der LIBREAS. Library Ideas dabei (zumindest zum Teil). Gerne treffen wir dort auf unsere Leser*innen und Autor*innen.

Offenes Treffen (05.06.2024)

Am Abend des Mittwoch trifft sich die Redaktion LIBREAS. Library Ideas zu einem gemeinsamen Essen und “weiterziehen”. Wir laden alle Interessierten ein, dazuzukommen und mit uns über die Zeitschrift, die Profession und die restliche Welt zu reden. Wir treffen uns um 19:00 im veganen Restaurant Greentable (https://www.greentable-restaurant.de Schauenburgerstraße 55, 20095 Hamburg, Nähe Rathaus).

*

Zudem trefft ihr uns / treffen Sie uns auf der BiblioCon auch bei den folgenden Veranstaltungen.

Dienstag, 04.06.2024

  • Karsten Schuldt / Simon Schultze: Inklusion in der bibliothekswissenschaftlichen Ausbildung – Was ist möglich und was sollte möglich sein? (13:00-15:00)

Mittwoch, 05.06.2024

  • Linda Freyberg (Moderatorin): Open und Smart (11:00 – 12:30, Saal E / 2. OG)
  • Bernhard Mittermaier, Najko Jahn: Die offene Zitationsdatenbank OpenAlex – ein Gamechanger? (14:30-15:00, Saal E)

Donnerstag, 06.06.2024

  • Karsten Schuldt: Bestandsmanagement, Formulare und Strukturen – Wie Bibliotheken in den USA und Kanada mit Book Challenges umgehen (11:00-12:30)
  • Linda Freyberg  / Daniel Erdmann: Makerspaces als Experimentierorte in Bibliotheken – Eine Konzeption zwischen Innovation und Zielgruppen-Orientierung (11:00 – 12:30, Saal 5 / 1. OG)
  • Najko Jahn: Open-Access-Transformation in hybriden Zeitschriften: Stand und Perspektiven (9-9:30, Saal G 1, Streaming)
  • Frank Klaproth, Najko Jahn Der Einsatz von kommerziellen Cloudanbietern für IT-Anwendungen an wissenschaftlichen Bibliotheken (16:00-16:30, Saal D)

Freitag, 07.06.2024

  • Linda Freyberg / Sabine Wolf: Hands-on Lab World Café „Smart Libraries“ – Modewort oder sinnvolles Konzept?  (09:00 – 11:00, Saal 3.2 / EG)

LIBREAS #44 zum Thema „Grassroots Open Access“ ist erschienen.

Posted in LIBREAS aktuell by Ben on 11. Januar 2024

Als Punktlandung zum Jahresabschluss 2023 erschien die Ausgabe 44 von LIBREAS. Das Thema ist diesmal Grassroots Open Access, was uns naturgemäß außerordentlich nahesteht, das LIBREAS bekanntlich selbst ein Graswurzel-Projekt. Zu den Hintergründen empfehlen wir den Rückblick unser erstes Editorial aus dem Jahr 2005. Dieses fasst sehr treffend das Gründungs-Mindset zusammen. Eine gewisse Naivität gehörte dazu. Was das Editorial nicht verrät, sind die Mühen und die notwendige Dreistigkeit, sowie vermutlich auch der glückliche bibliothekswissenschaftshistorische Moment, die es brauchte, um so ein Projekt aus einer Studierenden-Position überhaupt anzuschieben.

Grassroots-Open-Access heißt auch Ausdauer, Durchsetzungsstärke und, wie sich über die Jahre zeigte, eine durchaus erhebliche Frustrationstoleranz. Selbst bei einem minimalen organisatorischen Überbau, wie wir ihn bewusst wählten, gibt es immer wieder auch bürokratische und organisatorische Herausforderungen, die einerseits an der Lebenszeit und andererseits auch an der Zeit, die für die Inhalte bleibt, nagen.

Zudem ist Grassroots-Open-Access eine Sache, wenn man es mit der überschießenden Energie Studierender in ihren 20ern angeht. Es ist eine andere, wenn man es zugleich deutlich gesetzter und geforderter zwischen Vollzeitstelle und Familienmanagement betreibt. Das soll hier nur erwähnt werden, weil diese Spannung mitunter etwas im Hintergrund bleibt.

LIBREAS zeigt auch, dass Grassroots-Open-Access nicht unbedingt wissenschaftsgeleitetes Open Access im engeren Sinn sein muss. Jedenfalls wenn man wissenschaftsgeleitet als aus einer institutionellen Grundierung heraus versteht. Denn wie das Schicksal der Berufsbiografien so spielt, sind die meisten Menschen hinter LIBREAS zwar in wissenschaftlichen Infrastrukturzusammenhängen aber nicht in einem klassischen formalen Forschungskontext gelandet.

Das heißt nicht, dass wir nicht mehr wissenschaftlich arbeiten. Aber wir tun dies nicht aus den institutionell stabilisierten akademischen Strukturen, die, wie Good-Practice-Beispiele zeigen, eine sehr wichtige Voraussetzung für erfolgreiches scholar-led Open Access darstellen. LIBREAS findet traditionell noch auf einer anderen Wiese statt.

Das zeigt sich nicht nur in liebevoll von Karsten Schuldt eingefangen Cover-Impressionen. Sondern auch in dem sehr diversen Set an Beiträgen, wie es auch diese Ausgabe kennzeichnet. Eine etwas ausführliche Einordnung findet sich im Editorial zu LIBREAS #44.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie uns lesen. Zu Grassroots-Open-Access gehört aus unserer Sicht allerdings auch, dass wir offen für Beiträge sind. Und zwar auch für solche, die nicht unbedingt die Form eines wissenschaftlichen oder Fachaufsatzes haben. Unser aktueller Call for Papers zum Thema „Sound of Libraries“ ist dahingehend ausdrücklich als Einladung verstehen.

Coverbild zur Ausgabe LIBREAS 44 mit Schafen aus dem Parc de Sauvabelin.

Redaktion LIBREAS — Editorial LIBREAS #44 (2023): Grassroots Open Access


Schwerpunkt

Stefan Milius & Wolfgang Thomas — Logical Methods in Computer Science — Erfahrungsbericht über die Gründung einer internationalen Open-Access-Zeitschrift

Christian Erlinger & Jens Bemme — Kamptaler Sakrallandschaften im Wikiversum

Tobias Steiner — Alte Traditionen: zur Rolle von scholar-led publishing und Open Access in den Geistes- und Sozialwissenschaften

Philipp Falkenburg — Praxisbericht institutionalisiertes Grassroots Open Access : Beitrag der Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) zum Open Access Tracking Project (OATP)

Enrique Corredera & Valérie Andres — Back to Green. Das Projekt GOAL und das Potenzial von Grün Open Access

Beiträge

Karsten Schuldt — Völkisches Büchereiwesen: Zur Geschichte der Grenzbüchereiarbeit in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus

Ben Kaden & Linda Freyberg — Makerspaces und Library Labs in wissenschaftlichen Bibliotheken — zwischen physischem Raum und forschungsorientierter Ausrichtung

Vereinsarbeit

Vorstand LIBREAS-Verein — In eigener Sache: Bericht über die Aktivitäten des LIBREAS-Vereins 2022/2023

Rezensionen

Redaktion LIBREAS — Das liest die LIBREAS, Nummer #13 (Herbst–Winter 2023)

LIBREAS Call for Papers: #45: The Sound of Libraries. Ein Impuls in fünf Stationen

Posted in LIBREAS Call for Papers by libreas on 3. November 2023

I.

Sommer 2023. Eine Kantonsbibliothek. Die automatische Tür geht auf. Innen, in der ersten Etage, eine Ruhe, aber keine Stille. Links, der Kaffeeautomat in der Zeitschriftenecke gibt Töne von sich. Die beiden älteren Herren dort blättern in den Zeitungen, die sie vor sich haben. Rechts, an der Theke, unterhalten sich zwei Nutzer*innen mit eine*r Bibliothekar*in. Weiter oben, in der zweiten und dritten Etage, ist es ruhiger. Aber durch die offenen Fenster sind die Vögel vom Weinberg, der am Rande der Altstadt liegt, zu hören. Dennoch: Wer die Ausstellung in der obersten Etage besuchen will, verfällt fast automatisch ins Schweigen, in der Angst, jemanden zu stören. Dabei liegt der eigentliche Lesesaal, in dem explizit um Ruhe gebeten wird, anderswo, im Anbau, den er sich mit dem Kantonsarchiv teilt.

Bibliotheken haben einen eigenen Sound. Aber er wird eher selten und nur selektiv beschrieben. In der bibliothekarischen Fachliteratur finden sich vor allem Anmerkungen dazu, dass es falsch wäre, die Bibliothek mit Ruhe und stereotypen Bibliothekar*innen, die «Pssst» machen, zu verbinden. Aber wie man unschwer hört, ist da noch mehr. Es gibt einen Sound, wegen dem Menschen überhaupt in bestimmte Bibliotheken kommen. Dieser Sound ist nicht – ausser vielleicht in Magazinen – vollständige Ruhe. Er ist lebhaft, aber in einer gewissen, eigentümlichen, schwer greifbaren Form, die ein wenig ausserhalb der normalen Realität liegt.

II.

Geht man in der Kantonsbibliothek in den langen Gang rechts hinter dem Tresen, findet sich dort, ganz am Ende, ein Tisch mit drei Rechnern, die gerade niemand nutzt. Neben allen liegen Kopfhörer. Es sind Hörstationen für die fonoteca nazionale svizzera, die schweizerische Nationalbibliothek für Musik. Deren Tonaufnahmen kann man benutzen, wenn man direkt zu ihr nach Lugano fährt oder aber solche spezifischen Stationen in Kantonsbibliotheken, der Nationalbibliothek in Bern, Archiven oder Musikhochschulen in der Schweiz nutzt.

Musik in allen ihren Medienformen gehört zum Bestand von Bibliotheken. Ob Noten, Aufnahmen, Monographien über Musik, Zeitschriften oder auch – vor allem in Musikbibliotheken – Nachlässe von Musiker*innen und Instrumente selber – sie alle spielen eine Rolle im Bibliothekswesen. Nicht umsonst gibt es eigene Musikbibliotheken mit eigenem Weltverband (IAML) und einer deutschsprachigen Fachzeitschrift (Forum Musikbibliothek). Gerade in grösseren Öffentlichen Bibliotheken ist es normal, auch eigene Hörstationen und extra ausgebildete Musikbibliothekar*innen zu finden.

III.

Der gleiche Tag im Sommer 2023, einige hundert Meter von der Kantonsbibliothek entfernt, hinter dem Bahnhof. Vor der Bibliothek der Höheren Fachschule für Medizinberufe sitzen Studierende und blättern in Unterlagen. Einige sitzen alleine, einige in Paaren. An den weiter entfernten Tischen sitzen auch Gruppen und arbeiten gemeinsam an Aufgaben. Sie haben Fallberichte vor sich ausgebreitet, Bücher in Stapeln und folgen jetzt Anweisungen aus Arbeitsblättern. Öffnet man die Tür der Bibliothek, tritt an der Theke vorbei, setzt sich dies fort. Hinter den Buchregalen sitzen, am Fenster aufgereiht, an kleinen Tischen, Studierende alleine oder zu zweit. Sie schauen auf Rechner, sie notieren Dinge, sie blättern in Büchern. Nicht vollkommen ruhig, aber  nicht laut. Weiter hinten im Raum, teilweise auch in kleinen, extra dafür angebauten Ecken, sitzen wieder kleine Gruppen angehender Pfleger*innen und bearbeiten selbstständig Fälle. Sie diskutieren, aber es ist kaum zu hören. Sehr diszipliniert gehen sie der Reihe herum vor, niemand fällt sich ins Wort, niemand wird laut. Dazwischen gehen die Bibliothekar:innen zwischen den Regalen und stellen Bücher ein.

Spätestens seit den 1990er Jahren sind Bibliotheken in Hochschulen daran interessiert, für die Nutzer*innen Arbeitsräume und Landschaften einzurichten, in denen sie anders, lauter, intensiv, angeregt miteinander arbeiten können. Als Idealfall scheint die flexible Gruppenarbeit zu gelten, auch wenn gleichzeitig immer Möglichkeiten zur ruhigen Arbeit an Einzelarbeitsplätzen eingerichtet werden.

Grundsätzlich wollen Bibliotheken eine möglichst abwechslungsreiche Nutzung ermöglichen. Und abwechslungsreich heisst auch, in unterschiedlicher Lautstärke.

IV.

Am späten Nachmittag, zurück vom Bahnhof zum Rand der Altstadt. Hier findet sich die Stadtbibliothek. Gruppen von Tourist*innen gehen an ihr vorbei, ohne sie gross zu beachten. Das Gebäude scheint ihnen oft nicht interessant genug. Aber die Bewohner*innen der Stadt frequentieren das Café im rechten Anbau recht intensiv. Das Café hat einen direkten Durchgang zur Bibliothek, doch meistens wird der Eingang von der Strasse benutzt. Im Bibliotheksraum ist es auffällig ruhiger als im Café. Keine Musik, kein Geklapper von Geschirr. Aber doch Leben. Menschen gehen durch den Raum, sitzen an den Tischen, in den Sitzecken. Auf der ganz anderen Seite, im linken Anbau, spielen Kleinkinder in der Ludothek. In der Bibliothek befindet sich wiederum eine Poststelle, die von den Bibliothekar*innen mitbetreut wird. Hier ist manchmal Leben, wenn Briefe verschickt und Päckchen eingescannt werden. Im Augenblick aber ist die Hauptbewegung anderswo im Raum. Bibliothekar*innen beginnen, Regale zur Seite zu schieben, Stühle aufzubauen, eine Bühne zu bereiten. Dafür wird die heute Mittag benutzte Sitzecke der «Schenk mit eine Geschichte»-Veranstaltung, in der Kindern in einer Fremdsprache vorgelesen wird, fortgeräumt. Aber morgen muss sie wieder aufgebaut werden, weil die nächste Gruppe Kinder kommt. In einigen Stunden hat einer der bekannten lokalen Autoren hier eine Lesung, inklusive Musikbegleitung. (Für jedes neue Buch macht er bei einer Lesereihe auch hier in der Stadtbibliothek halt. Es wird dann immer sehr voll.)

Bibliotheken sind Veranstaltungsorte. Während man bis nach der Mitte des 20. Jahrhunderts dafür gesonderte Räume, Auditorien, gar Konzertsäle in Bibliotheken einbaute, gilt heute der normale Bibliotheksraum als der bevorzugte Ort dafür. Das hatte beispielsweise Auswirkungen auf die Möblierung von Bibliotheken. Es ist mittlerweile nahezu unmöglich, bei den bekannten Anbietern Regale zu kaufen, die nicht flexibel durch die Gegend gefahren werden können. Ebenso selten findet man noch Bibliotheken, die nicht irgendwo einfach aufzustellende Stühle und Tische, Sitzsäcke, aber auch Mikrophone und Mischpulte verstaut haben. Ein Veranstaltungsbudget gehört heute ebenso zur Bibliothek wie regelmässige Angebote für Kinder und Familien.

Und darüber hinaus wird kontinuierlich versucht, Bibliotheken mit weiteren Angeboten zu verbinden. Bibliothekscafés sind so alltäglich geworden, dass sie kaum noch gesondert erwähnt werden. Postfilialen, kleine Läden für lokale Produkte, Automaten mit Büromaterialien – die Frage ist heute eher nicht mehr, ob Bibliotheken etwas in dieser Art betreiben, sondern nur, was genau.

Diese Veranstaltungen und Angebote verändern auch die Soundlandschaft der Bibliotheken – einige mehr, andere weniger. Die Geräusche werden anders, die Gespräche haben einen anderen Ton.

Keine Kantonsbibliothek sondern das Stiegenhaus der Slowenischen Nationalbibliothek in Ljubljana, fotografiert von Thomas Ledl, der die Aufnahme unter einer CC-BY-SA 4.0-Lizenz für die Wikipedia bereitstellte. Wir haben uns für diese Illustration entschieden, weil sie perfekt ein unter einer PDM 1.0 DEED-Lizenz im Internet Archive bereitgestelltes Klangbild aus dem Lesesaal eben dieser Bibliothek begleitet. Der Klick aufs Bild spielt die Feldaufnahme ab.

V.

Klacken, murmeln, sirren, rascheln, flüstern, zwitschern, scharren, hallen, knarzen, klappern, brummen, piepen, knistern. Was noch? Die Ausgabe #45 der LIBREAS. Library Ideas fragt genau danach: Was ist dieser Sound der Bibliotheken? Was macht ihn aus, wer bestimmt ihn und wen beeinflusst er? Verändert er sich und wenn ja, wie und warum? Dabei soll es um die ganzen verschiedenen Sounds gehen: Wie «klingt» die Bibliothek für Nutzer*innen? Wie «klingt» sie für Bibliothekar*innen selber? Wie «klingen» der Bestand und das Magazin? Wie klingt die Grossstadtbibliothek, die Bibliothek einer kleinen Hochschule oder der Bücherbus?

Dabei soll es um die konkreten Klänge gehen, also das, was gesagt, gesungen, an Geräuschen gemacht wird, wenn etwas durch die Gegend geschoben wird; aber auch um die Sounds, die in der Bibliothek angeboten werden. Sicher: In Musikbibliotheken und -abteilungen ist das konkreter zu fassen, all die Noten, Tonträger, Instrumente, Streams. Aber es gilt auch für den ganzen Rest der Bibliotheken.

Für diese Ausgabe ruft die LIBREAS. Library Ideas also zu Einreichungen auf, die sich dem Sound der Bibliotheken widmen. Ganz besonders freuen würden wir uns über kreative Einreichungen (Geschichten, Songs, Collagen oder Ähnliches), die sich dem Thema in einer passend offenen Weise nähern. Aber auch Berichte aus Musik- und anderen Bibliotheken, wissenschaftliche oder historische Arbeiten sind gerne gesehen oder gehört. Falls Sie Ihre / du deine Idee für eine Einreichung im Vorfeld besprechen möchten / möchtest, ist die Redaktion dafür gerne bereit.

Einreichungsschluss für diese Ausgabe ist der 30.04.2024. Über Beiträge, Beitragsideen und weitere Anregungen freuen wir uns. Kontakt: [email protected]

Eure Redaktion LIBREAS. Library Ideas

(Berlin, Chur, Göttingen, Hannover, München, Potsdam)