Am kommenden Sonntag erhält Salman Rushdie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels – und für mich war die Ankündigung der Ehrung vor einigen Monaten nun endlich Anlass genug, ein Werk des britisch-indischen Autoren zu lesen. Geworden sind es dann gleich zwei.
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Douglas Stuart – Shuggie Bain
Ohne Umschweife muss gleich im ersten Satz „Shuggie Bain“ als der Roman charakterisiert werden, der zu Herzen geht und dessen Autor Douglas Stuart eine außergewöhnliche Sprache gefunden hat, die mit den traurigsten Momenten so würdevoll umgeht, das es viel leichter fällt, weiter zu lesen und Anteil zu nehmen, an den ersten fünfzehn Lebensjahren des schottischen Jungen Hugh Bain, genannt Shuggie.
Alexander Osang – Die Leben der Elena Silber
Das 20. Jahrhundert mit seinen vielen Ereignissen und Veränderungen hat in Europa den Menschen große Umbrüche beschert, die aus einfachen Lebensläufen Biografien mit grundlegenen Veränderungen entstehen ließen. Im Titel des Romans „Die Leben der Elena Silber“ von Alexander Osang wird dies bereits angedeutet. Erzählt wird eine russisch-deutsche Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt die Lebensgeschichte der gebürtigen Russin Elena Silber steht. Einer Frau, die den Wandel der Zeit mit der Hoffnung endlich irgendwo „anzukommen“ bewältigt. Alexander Osang – Die Leben der Elena Silber weiterlesen
Ryu Murakami – In Liebe, Dein Vaterland
Der Blick in die Zukunft gehört zu den schwierigsten Dingen, die ein Mensch leisten kann. Damit sind nicht Vorhersagen gemeint, die jeder aus dem Alltag kennt. Nein, die Fragen, die es wirklich in sich haben, drehen sich um die Weiterentwicklung der Menschheit und unseres Planeten. Mit großer Begeisterung las ich die letzten Tage „In Liebe, Dein Vaterland“ von Ryū Murakami und war erstaunt, wie diese vor längerer Zeit entstandene Utopie des japanischen Autors mich so fesseln konnte. Das monumentale Werk des Schriftstellers und Filmemachers, das in zwei Bänden fast 1000 Seiten umfasst, wurde bereits 2005 veröffentlicht und ist im letzten Jahr beim österreichischen Verlag Septime in der Übersetzung von Ursula Gräfe auf deutsch erschienen. Ryu Murakami – In Liebe, Dein Vaterland weiterlesen
Donald Antrim – Wählt Mr. Robinson für eine bessere Welt
Pete Robinson ist ein typischer Vertreter im literarisch-experimentellen Kosmos von Donald Antrim. Ein Mann mittleren Alters, sprachbegabt und äußerst mitteilsam, der in seiner Erzählung gerne von einem zum anderen Gedanken springt und der durchaus als gebildet bezeichnet werden kann. Er lebt in einer nicht näher bezeichneten meeresnahen Kleinstadt und spielt mit dem Gedanken, ihr Bürgermeister zu werden. Erfüllt jemand, der sich für mittelalterliche Foltermethoden interessiert und in seinem Keller das Miniaturmodell einer portugiesischen Folterkammer aus dem 16.Jahrhundert nachbaut, die Voraussetzungen dafür ein geeigneter Kandidat zu sein? Donald Antrim – Wählt Mr. Robinson für eine bessere Welt weiterlesen
Markus Orths – Picknick im Dunkeln
Dunkelheit. Nein, Schwärze, das trifft es eher. Oder „Nichts“. Aber das stimmt auch nicht, denn da gibt es doch etwas. Einen Boden. Einen festen Boden auf dem man gehen kann. Nur das man nichts sieht, nicht mal den eigenen Körper. Man sieht nichts und fühlt diese drückende Schwärze. Wo ist man hier? Wie ist man hierher gekommen? Und wann ist man hierher gekommen? Was ist mit der Zeit? Markus Orths – Picknick im Dunkeln weiterlesen
Gary Shteyngart – Willkommen in Lake Success
Barry Cohen ist vermögend. Mancher, oder vielleicht die Mehrheit, würde reich sagen. Doch die wirklich Reichen haben mehr. Viel mehr. Das und andere Insider aus der Welt der Finanzjongleure erfährt man im grandiosen Greyhound-Roadmovie-Roman „Willkommen in Lake Success“ von Gary Shteyngart, der einen schrägen Blick auf das Amerika knapp vor der Trump-Ära wirft. Gary Shteyngart – Willkommen in Lake Success weiterlesen
Stewart O’Nan – Henry persönlich
Nach „Abschied von Chautauqua“ und „Emily allein“ legt Stewart O’Nan mit „Henry persönlich“ den dritten Roman um die Eheleute Emily und Henry Maxwell vor. Wer die Darstellung des Alltagslebens in der Literatur mag, es aushält, ohne größeren Spannungsbogen ein Buch zu lesen, der wird hier mit der genauen Beobachtungsgabe eines der großen Könner der Gegenwartsliteratur belohnt. Stewart O’Nan – Henry persönlich weiterlesen
Jackie Thomae – Brüder
Mick und Gabriel. So heißen die beiden titelgebenden „Brüder“ des Romans von Jackie Thomae, die trotz ihres verwandschaftlichen Verhältnisses fast 50 Jahre nichts voneinander wissen. Am Ende ist es der Vater, der den Kontakt zu seinen Söhnen sucht, um die Dinge in seinem Leben zu ordnen. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich, so unterschiedlich wie die Lebenswege der beiden Männer, die die selben Startbedingungen hatten. Jackie Thomae – Brüder weiterlesen
T.C. Boyle – Das Licht
Drogen sind für T. C. Boyle nichts Unbekanntes. Der amerikanische Ex-Hippie und gefeierte Gegenwartsautor hat ihre Bekanntschaft gemacht. Mit „Grün ist die Hoffnung“ verfasste er eine hinreissende Posse um drei Marihuanna-Anbauer, die mein Einstieg in die realvertrackte Boylsche Welt war. In seinem neuen Roman „Das Licht“ geht es um eine bis heute umstrittene Substanz: LSD. T.C. Boyle – Das Licht weiterlesen