
Dieser Blog ist nicht nur still und heimlich ins neue Jahr gerutscht, sondern hat am vergangenen Wochenende auch ohne Tamtam seinen 15. Geburtstag gefeiert. Heimlich deshalb, weil ich weder die Kraft noch die Zeit gefunden habe, um einen Beitrag zu verfassen. Weil mal wieder das Leben dazwischenkam und mir trotz der 15 nicht nach feiern zumute war, ich sogar kurz in Erwägung gezogen habe, einfach nicht weiterzumachen. Den klassischen Blog aufzugeben und nur noch am Instagram – Kanal @lesenslust festzuhalten. Doch dann habe ich ein Buch in die Hände genommen, dass mich eine Reise antreten ließ: zu unseren Anfängen, zu meinen Anfängen und mich daran erinnern ließ, was dieser Blog mir alles ermöglicht hat. Dass er unweigerlich ein Teil von mir geworden ist, es irgendwie schon immer war und er genau deshalb bleiben muss.
Eine Reise zurück zu meinen Anfängen
„Hier fängt die Geschichte an.“
Zitat aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ – Walter Moers
Während Heike Faller und Valerio Vidali in ihrem neuesten Bilderbuch „Wir alle“ (dazu weiter unten mehr) eine Reise zu den Anfängen der Menschheit machen, ist mir ihr gemeinsames Werk wie eine Einladung begegnet, um zu meinen eigenen Anfängen zurückzureisen oder besser gesagt zu den Anfängen von „Nur Lesen ist schöner“. Zu der Leserin die ich damals war und die ich heute bin. Zu den Büchern von damals und heute. Zu den Lesevorlieben, die sich über die Jahre verändert haben und zu den für mich bedeutendsten Stationen dieser letzten 15 Blogjahre.
Es war eine von wilden Geistesblitzen durchjagte Nacht, in der ich einem persönlichem Impuls folgend diesen Blog ins Leben gerufen und am 24. Januar 2011 mit einer ersten Besprechung gefüttert habe. Meine ersten zaghaften Zeilen waren einem Buch gewidmet, das mich heute noch genauso begeistert wie damals. Die Lektüre von Walter Moers‘ Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat mich damals so geflasht, dass ich plötzlich das Bedürfnis verspürte, meine Gedanken mit anderen Buchliebhaber*innen zu teilen.
Und so nahm nicht nur die Zamonienliebe, sondern auch die Geschichte dieses Bücherblogs ihren Anfang.
Blogs waren damals noch Medien, die uns in erster Linie wie öffentliche Tagebücher begegneten. Die Menschen entließen dort in den meisten Fällen ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse in die Welt. Es waren Gedanken über ihr Leben, ihre Lieben und all das, was ihnen im Alltag so begegnete. Mir selbst schwebte jedoch nicht der Sinn an der Offenlegung meines Privatlebens, sondern vielmehr daran, meine Gedanken über gelesene Bücher an einem Ort abzulegen, auf den man ortsunabhängig Zugang hat. In erster Linie sollte er mir und meiner Patentante, die damals noch als Buchhändlerin aktiv war, als virtuelle Gedankenbibliothek dienen; die Gedanken vereinen, die ich schon länger in diverse Verbraucherplattformen fließen ließ und händisch in einem Lesetagebuch festgehalten hatte.
Dass die Gedanken, die ich dort fortan festhielt, nicht nur von meiner Patin und mir, sondern auch von mir völlig unbekannten Leser*innen gelesen werden, schien mir damals völlig abwegig. Nie hätte ich vermutet, dass sich jemals jemand hierher verirrt und liest, was ich so schreibe, schon gar nicht auf die Idee kommt, meine Zeilen zu kommentieren oder sich in einen Austausch über das Gelesene zu begeben. Doch zu meiner Verwunderung ließ es nicht lange auf sich warten, bis Menschen ihre Fußspuren auf dem Blog hinterließen. Denn schon einen Monat später wurde meine Besprechung zu „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd kommentiert. Schnell zeichnete sich für mich ab, dass man durch das Lesen und Kommentieren auf anderen Bücherblogs Leser*innen zu sich lockte. Langsam aber stetig wuchs ein Netzwerk an Buchblogger*innen heran, die damals noch kein Verlag wirklich ernst nahm.
Während ich früher noch Unmengen an Liebes- und Chick- Lit – Romanen gelesen habe (bevorzugt von Susan Elisabeth Phillips, wie sich hier und hier zeigt), sind diese Romane über die Jahre immer weniger geworden. Ich war wohl irgendwann übersättigt davon. Wahrscheinlich war es ihre Vorhersehbarkeit und Seichtigkeit, durch die sie für mich an Reiz verloren (#sorrynotsorry), vielleicht sehnte ich mit zunehmendem Alter aber auch einfach nach Tiefe; nach Geschichten, wie sie das Leben schreibt, wie sie in vielschichtigen Generationsromanen und Gegenwartsliteratur zu finden sind. Und so haben sich die Bücher an mein wachsendes Ich angepasst. Beste Beispiele dafür sind die Lektüren von „Wir sind die Könige von Colorado“ oder „Der Duft des Sommers“ von Joyce Maynard.
Was genau das Schöne ist: Dass es für jede Gemütslage und Phase deines Lebens ein Buch gibt. Dass Bücher mitwachsen, meist auf ein Lesealter zugeschnitten sind und dir doch manchmal auf ganz unterschiedliche Weise begegnen, je nachdem wo du selbst gerade im Leben stehst.
Im Juli 2011 bin ich auf ein Literaturprojekt von Melanie Voß und Philippe Wyssen, den „Eltern“ des damaligen Blog mit Speck namens „Fünf Bücher“ gestoßen. Hier konnte ich fünf Bücher in die Welt entlassen, die mir so viel bedeuteten, dass ich sie niemals hergeben würde. Und was soll ich sagen, alle fünf wohnen noch heute in meinen Regalreihen. Zwei davon habe ich bereits erwähnt, die restlichen 3 werden noch folgen. Neugierig, welche das waren? Dann schau doch mal hier.
2015 bin ich einer Einladung gefolgt, die den Titel „Mein Schaufenster ist der Spiegel deines Lesens“ trug. Es war eine von vielen Initiativen, die für die vielfältigen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von Blogger*innen und dem lokalen Buchhandel steht. Es war die Buchhandlung Calliebe, die erkannt hat, wie ertragsreich die Zusammenarbeit mit Bücher- bzw. Literaturblogger*innen sein kann. Den initialen Funken für diese Aktion hat damals Arndt Stroscher von der kleinen literarischen Sternwarte „AstroLibrium“ gezündet. Auch der Spiegel meines Lesens war in einem Schaufenster zu sehen. Und einige der Bücher, die ich damals empfohlen habe, zählen noch heute zu meinen Lieblingen, wie z.B. „The five people you meet in heaven“ von Mitch Albom (das mir erstmals im Studium begegnete), „Zwitschernde Fische“ von Andreas Séché (welches meine erste von einem Autor begleitete Leserunde bei lovelybooks.de war) oder „Das Lavendelzimmer“ von Nina George. Von 2016-2018 habe ich jedes Jahr einen Büchertisch in der Buchhandlung „Möller Buch & Papier“ zusammengestellt und 2019 haben meine Zeilen zu Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ als Teil der Buchkampagne „20 Bücher die bleiben“ die Exemplare aller Hugendubel Filialen Deutschlands mit einem Umschlagsbanner umschlossen. Das war für mich kleine Bücherbloggerin schon ein echtes Highlight!
lesenslust „Ronja Räubertochter“ begleitet mich bereits über zwei Jahrzehnte und steht insgesamt vier Mal in meinem Bücherregal. Es sind Ronjas herrlich verwegenes Naturell, ihr Mut, sowie ihr Einsatz für Gerechtigkeit, die sie zu einer Romanfigur machen, die ich auf ewig ins Herz geschlossen habe. Lindgrens Zeilen haben meinen Charakter geprägt, mich stark und mutig werden und in mir eine tiefe Verbundenheit zur Natur heranwachsen lassen.
Zitat auf dem Umschlagsbanner von #bücherdiebleiben
2016 bin ich einem Aufruf von Sandro Abbate, Betreiber des Literaturblogs „Novelero“, gefolgt und habe niedergeschrieben, „Warum ich lese„. Diese Zeilen, die damals recht überschaubar ausfielen, aber heute noch zum Ausdruck bringen, was mir das Lesen bedeutet, haben mir viele Türen geöffnet. Sie haben mich nicht nur Teil einer gleichnamigen Anthologie im Homunculus Verlag werden und das Plakat einer Kampagne zur individuellen Bedeutung des Lesens von Stiftung Lesen zieren lassen, sondern mich auch mit vielen anderen Buchblogger*innen vernetzt, denen ich mitunter noch heute digital oder auf Buchmessen bzw. Events begegne. Das Plakat ist seit 10 Jahren auf der Startseite meines Blogs eingebettet, hang damals am Homunculus Stand auf der Leipziger Buchmesse und hängt noch heute eingerahmt in unserem Wohnzimmer. Ich denke, das spricht für sich.
2017 bin ich Mutter einer Räubertochter geworden und musste die Anzahl der Buchlektüren und daraus resultierenden Rezensionen drastisch herunterfahren. Das Level, auf dem ich jahrelang unterwegs war, war nicht mehr stemmbar für mich. Ich habe anfangs kaum Zeit gefunden, mich überhaupt auf Bücher einzulassen. Mit der Rolle als Mutter hat sich mein Fokus auf Kinderbücher, den ich bereits mit meinen Patenkindern gelegt hatte, verstärkt, mich mittendrin sein lassen, wenn ein neuer Bilderbuchschatz das Kinderzimmer erobert hat. Noch heute bespreche ich mithilfe von kleinen Leser*innen Kinderbücher, die hier früher rege die Kategorie „Kinderfreuden“ bespielten und Bücher stets aus großen und kleinen Augen vorstellten. Aus Mangel an Zeit- und Kraftreserven haben diese Besprechungen sich in den letzten Jahren etwas auf Instagram verschoben, aber ich möchte hier künftig wieder mehr Kinderbuchempfehlungen veröffentlichen. Im April 2020 habe ich mit der Bloggerin ronja.waldgaenger (die heute nicht mehr aktiv ist) auf Instagram den Hashtag #ausliebezumpappbuch ins Leben gerufen, um den Pappbüchern mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Bedeutung dieser ersten Bücher aufzuzeigen. Der Hashtag vereint mittlerweile Pappbuchempfehlungen zahlreicher Leser*innen. In den letzten 5,5 Jahren ist hier eine bunte und facettenreiche Sammlung herangewachsen.
2019 und 2021 durfte ich als offizielle Buchpreisblogger*in den Bayerischen Buchpreis begleiten, der jedes Jahr im Rahmen eines einzigartigen Live-Formats in der Allerheiligen-Hofkirche in München verliehen wird. Seitdem habe ich das Privileg, dem Abend persönlich beizuwohnen und mich mit vielen Größen der Buchbranche auszutauschen.
Seit 2021 bin ich Teil der #GlockenbachWelle, einem Podcast bzw. Interview-Format mit der Glockenbachbuchhandlung auf Literatur Radio Hörbahn. Es ist eine Symbiose aus Buchhandlung, Literaturblog und Radio und dieses Projekt hat mich nicht nur aus der Reserve und einem tiefen Loch gelockt, in das ich als Alleinerziehende gefallen bin, sondern 2022 auch einmalig als Ausstellerin auf die Frankfurter Buchmesse gebracht und über die letzten 5 Jahre mit so vielen beeindruckenden Menschen aus der Literaturszene zusammengebracht, dass ich eines weiß: Literatur lebt von Menschen und Begegnungen, weshalb ich den Einsatz generativer KI in der Kreativbranche gänzlich ablehne, weil sie aktuell noch viele ethische Probleme mit sich bringt und die Arbeit und das Herzblut von vielen Kunstschaffenden mit den Füßen tritt. 2024 war ich deshalb auch Teil der Flashmob-Aktion #BuchbrauchtMensch auf Instagram, die von Bloggerin Eliane Fischer von Mint & Malve ins Leben gerufen wurde.
Du hast es bis hierhin geschafft? Herzlichen Glückwunsch, nun habe ich noch eine Bilderbuchempfehlung für dich.
Eine Reise zu unseren Anfängen
„Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen“ – Heike Faller, Valerio Vidali

Kein & Aber, erschienen am 13. Oktober 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 208 Seiten, ISBN: 978-3-0369-5082-2, hier geht’s zum Buch
„Hast du dich schon einmal gefragt … wo du herkommst?
Die Reihe des Autoren-Duos Heike Faller und Valerio Vidali werden sicher viele von euch kennen. 2022 ist das erste Werk „Hundert – Was du im Leben lernen wirst“ erschienen, welches sich an Kinder wie Erwachsene gleichermaßen richtet und Dinge in den Fokus nimmt, die man im Leben alles so lernt. Mit „Freunde – Was uns verbindet“ folgte ein Buch, das sich der Freundschaft in all ihren Facetten widmet. Nun ist kürzlich ein dritter Band, „Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen“, erschienen, das kleine und große Leser*innen auf eine Reise durch die Zeit mitnimmt.
Während ich anlässlich meines 15. Bloggeburtstages meine Reise bei meinen Bloggeranfängen in 2011 begonnen habe, startet „Wir alle“ im Jahr 1940 zur Zeit großer Kriege und reist 7 Millionen Jahre in der Geschichte der Menschheit zurück. Anfangs umfassen die Zeitabstände noch ungefähr 20-25 Jahre, je weiter wir im Buch in die Vergangenheit reisen, umso größere Zeitabstände begegnen uns, bis wir nach ca. 300.000 Generationen bei den gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen ankommen und uns fragen: „Was unterscheidet Mensch vom Tier?“
Kinder dürfen in diesem bunt und mitunter großflächig illustrierten Bilderbuch bis zum Ursprung des Lebens zurückreisen und auf ganz spielerische Weise erfahren, von wem der Mensch abstammt. Spielerisch deshalb, weil sie sich mithilfe unterschiedlichster Fragen durch die Menschheitsgeschichte hangeln und dabei ihren eigenen Wurzeln auf den Zahn fühlen.
Fragen sind mitunter:
Manchmal tun uns die Menschen von damals leid, weil sie so viel ärmer waren als wird. Aber gab es auch etwas, wovon sie mehr hatten? (1775)
Stell dir vor, du könntest in die Zeit zurückreisen. Welches Wissen von heute würdest du deinen Vorfahren mitbringen? (1625)
Was verändert sich, wenn viele Menschen lesen können? (1575)
Was weißt du über die Erde und unseren Platz im Universum? (200)
Diese Fragen regen sie nicht nur zum Nachdenken an, sondern schaffen auch eine Basis für gemeinsame Gespräche. Ich kann mir das Buch deshalb auch wunderbar als Schullektüre vorstellen. Denn auf seinen 208 Seiten passiert man eine Vielfalt an Themen, beginnend vom Krieg über die Evolutionstheorie, die Industrielle Revolution, die Elektrizität, die Landwirtschaft, die Sklaverei bis hin zum Glauben, um nur ein paar wenige der angesprochenen Themen aufzugreifen. Im hinteren Teil des Buchs trifft man auf die Hintergründe der Menschheitsgeschichte, kann noch einmal die Details der einzelnen Stationen erfahren und bei Interesse noch tiefer in die Materie eintauchen.
Doch neben den historischen Einschnitten und Veränderungen, die im Buch aufgegriffen werden, sind es vor allem die Gefühle der Menschen und ihr Umgang miteinander, die hier im Vordergrund stehen und hinterfragt werden. So legt das Autoren-Duo einen wertvollen und wichtigen Grundstein für Empathie und Nächstenliebe.
Besonders gefällt mir, dass die Illustration der sich umschließenden Hände mit den Händen der Menschen beginnt und bei den Händen der Affen endet. Das verleiht dem Werk einen runden Charakter, begegnet uns wie der natürliche Kreislauf.
















































Britta Teckentrup ist ein Garant für poetische Bilderbuchreisen. Leser*innen auf der ganzen Welt wissen um die Faszination, die von ihren Büchern ausgeht. In mehr als 20 Ländern sind bereits über 100 Bilderbücher erschienen, viele davon sind bereits mehrfach ausgezeichnet worden.
Die wunderbare Vielfalt von Britta Teckentrups Bilderbüchern haben euch 7 Bloggerinnen (inklusive meiner Wenigkeit) auf ihren Kanälen gezeigt. Spitz gerne in meinen vorangegangenen Beitrag und klick dich durch alle teilnehmenden Blogs. Gestern hat sich Maike von 




























