15 Jahre „Nur Lesen ist schöner“ – Ein Rückblick mit einer Herzensbuchempfehlung

Dieser Blog ist nicht nur still und heimlich ins neue Jahr gerutscht, sondern hat am vergangenen Wochenende auch ohne Tamtam seinen 15. Geburtstag gefeiert. Heimlich deshalb, weil ich weder die Kraft noch die Zeit gefunden habe, um einen Beitrag zu verfassen. Weil mal wieder das Leben dazwischenkam und mir trotz der 15 nicht nach feiern zumute war, ich sogar kurz in Erwägung gezogen habe, einfach nicht weiterzumachen. Den klassischen Blog aufzugeben und nur noch am Instagram – Kanal @lesenslust festzuhalten. Doch dann habe ich ein Buch in die Hände genommen, dass mich eine Reise antreten ließ: zu unseren Anfängen, zu meinen Anfängen und mich daran erinnern ließ, was dieser Blog mir alles ermöglicht hat. Dass er unweigerlich ein Teil von mir geworden ist, es irgendwie schon immer war und er genau deshalb bleiben muss.

Eine Reise zurück zu meinen Anfängen

„Hier fängt die Geschichte an.“

Zitat aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ – Walter Moers

Während Heike Faller und Valerio Vidali in ihrem neuesten Bilderbuch „Wir alle“ (dazu weiter unten mehr) eine Reise zu den Anfängen der Menschheit machen, ist mir ihr gemeinsames Werk wie eine Einladung begegnet, um zu meinen eigenen Anfängen zurückzureisen oder besser gesagt zu den Anfängen von „Nur Lesen ist schöner“. Zu der Leserin die ich damals war und die ich heute bin. Zu den Büchern von damals und heute. Zu den Lesevorlieben, die sich über die Jahre verändert haben und zu den für mich bedeutendsten Stationen dieser letzten 15 Blogjahre.

Es war eine von wilden Geistesblitzen durchjagte Nacht, in der ich einem persönlichem Impuls folgend diesen Blog ins Leben gerufen und am 24. Januar 2011 mit einer ersten Besprechung gefüttert habe. Meine ersten zaghaften Zeilen waren einem Buch gewidmet, das mich heute noch genauso begeistert wie damals. Die Lektüre von Walter Moers‘ Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat mich damals so geflasht, dass ich plötzlich das Bedürfnis verspürte, meine Gedanken mit anderen Buchliebhaber*innen zu teilen.

Und so nahm nicht nur die Zamonienliebe, sondern auch die Geschichte dieses Bücherblogs ihren Anfang.

Blogs waren damals noch Medien, die uns in erster Linie wie öffentliche Tagebücher begegneten. Die Menschen entließen dort in den meisten Fällen ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse in die Welt. Es waren Gedanken über ihr Leben, ihre Lieben und all das, was ihnen im Alltag so begegnete. Mir selbst schwebte jedoch nicht der Sinn an der Offenlegung meines Privatlebens, sondern vielmehr daran, meine Gedanken über gelesene Bücher an einem Ort abzulegen, auf den man ortsunabhängig Zugang hat. In erster Linie sollte er mir und meiner Patentante, die damals noch als Buchhändlerin aktiv war, als virtuelle Gedankenbibliothek dienen; die Gedanken vereinen, die ich schon länger in diverse Verbraucherplattformen fließen ließ und händisch in einem Lesetagebuch festgehalten hatte.

Dass die Gedanken, die ich dort fortan festhielt, nicht nur von meiner Patin und mir, sondern auch von mir völlig unbekannten Leser*innen gelesen werden, schien mir damals völlig abwegig. Nie hätte ich vermutet, dass sich jemals jemand hierher verirrt und liest, was ich so schreibe, schon gar nicht auf die Idee kommt, meine Zeilen zu kommentieren oder sich in einen Austausch über das Gelesene zu begeben. Doch zu meiner Verwunderung ließ es nicht lange auf sich warten, bis Menschen ihre Fußspuren auf dem Blog hinterließen. Denn schon einen Monat später wurde meine Besprechung zu „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd kommentiert. Schnell zeichnete sich für mich ab, dass man durch das Lesen und Kommentieren auf anderen Bücherblogs Leser*innen zu sich lockte. Langsam aber stetig wuchs ein Netzwerk an Buchblogger*innen heran, die damals noch kein Verlag wirklich ernst nahm.

Während ich früher noch Unmengen an Liebes- und Chick- Lit – Romanen gelesen habe (bevorzugt von Susan Elisabeth Phillips, wie sich hier und hier zeigt), sind diese Romane über die Jahre immer weniger geworden. Ich war wohl irgendwann übersättigt davon. Wahrscheinlich war es ihre Vorhersehbarkeit und Seichtigkeit, durch die sie für mich an Reiz verloren (#sorrynotsorry), vielleicht sehnte ich mit zunehmendem Alter aber auch einfach nach Tiefe; nach Geschichten, wie sie das Leben schreibt, wie sie in vielschichtigen Generationsromanen und Gegenwartsliteratur zu finden sind. Und so haben sich die Bücher an mein wachsendes Ich angepasst. Beste Beispiele dafür sind die Lektüren von „Wir sind die Könige von Colorado“ oder „Der Duft des Sommers“ von Joyce Maynard.

Was genau das Schöne ist: Dass es für jede Gemütslage und Phase deines Lebens ein Buch gibt. Dass Bücher mitwachsen, meist auf ein Lesealter zugeschnitten sind und dir doch manchmal auf ganz unterschiedliche Weise begegnen, je nachdem wo du selbst gerade im Leben stehst.

Im Juli 2011 bin ich auf ein Literaturprojekt von Melanie Voß und Philippe Wyssen, den „Eltern“ des damaligen Blog mit Speck namens „Fünf Bücher“ gestoßen. Hier konnte ich fünf Bücher in die Welt entlassen, die mir so viel bedeuteten, dass ich sie niemals hergeben würde. Und was soll ich sagen, alle fünf wohnen noch heute in meinen Regalreihen. Zwei davon habe ich bereits erwähnt, die restlichen 3 werden noch folgen. Neugierig, welche das waren? Dann schau doch mal hier.

2015 bin ich einer Einladung gefolgt, die den Titel „Mein Schaufenster ist der Spiegel deines Lesens“ trug. Es war eine von vielen Initiativen, die für die vielfältigen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von Blogger*innen und dem lokalen Buchhandel steht. Es war die Buchhandlung Calliebe, die erkannt hat, wie ertragsreich die Zusammenarbeit mit Bücher- bzw. Literaturblogger*innen sein kann. Den initialen Funken für diese Aktion hat damals Arndt Stroscher von der kleinen literarischen Sternwarte „AstroLibrium“ gezündet. Auch der Spiegel meines Lesens war in einem Schaufenster zu sehen. Und einige der Bücher, die ich damals empfohlen habe, zählen noch heute zu meinen Lieblingen, wie z.B. „The five people you meet in heaven“ von Mitch Albom (das mir erstmals im Studium begegnete), „Zwitschernde Fische“ von Andreas Séché (welches meine erste von einem Autor begleitete Leserunde bei lovelybooks.de war) oder „Das Lavendelzimmer“ von Nina George. Von 2016-2018 habe ich jedes Jahr einen Büchertisch in der Buchhandlung „Möller Buch & Papier“ zusammengestellt und 2019 haben meine Zeilen zu Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ als Teil der Buchkampagne „20 Bücher die bleiben“ die Exemplare aller Hugendubel Filialen Deutschlands mit einem Umschlagsbanner umschlossen. Das war für mich kleine Bücherbloggerin schon ein echtes Highlight!

lesenslust „Ronja Räubertochter“ begleitet mich bereits über zwei Jahrzehnte und steht insgesamt vier Mal in meinem Bücherregal. Es sind Ronjas herrlich verwegenes Naturell, ihr Mut, sowie ihr Einsatz für Gerechtigkeit, die sie zu einer Romanfigur machen, die ich auf ewig ins Herz geschlossen habe. Lindgrens Zeilen haben meinen Charakter geprägt, mich stark und mutig werden und in mir eine tiefe Verbundenheit zur Natur heranwachsen lassen.

Zitat auf dem Umschlagsbanner von #bücherdiebleiben

2016 bin ich einem Aufruf von Sandro Abbate, Betreiber des Literaturblogs „Novelero“, gefolgt und habe niedergeschrieben, Warum ich lese. Diese Zeilen, die damals recht überschaubar ausfielen, aber heute noch zum Ausdruck bringen, was mir das Lesen bedeutet, haben mir viele Türen geöffnet. Sie haben mich nicht nur Teil einer gleichnamigen Anthologie im Homunculus Verlag werden und das Plakat einer Kampagne zur individuellen Bedeutung des Lesens von Stiftung Lesen zieren lassen, sondern mich auch mit vielen anderen Buchblogger*innen vernetzt, denen ich mitunter noch heute digital oder auf Buchmessen bzw. Events begegne. Das Plakat ist seit 10 Jahren auf der Startseite meines Blogs eingebettet, hang damals am Homunculus Stand auf der Leipziger Buchmesse und hängt noch heute eingerahmt in unserem Wohnzimmer. Ich denke, das spricht für sich.

2017 bin ich Mutter einer Räubertochter geworden und musste die Anzahl der Buchlektüren und daraus resultierenden Rezensionen drastisch herunterfahren. Das Level, auf dem ich jahrelang unterwegs war, war nicht mehr stemmbar für mich. Ich habe anfangs kaum Zeit gefunden, mich überhaupt auf Bücher einzulassen. Mit der Rolle als Mutter hat sich mein Fokus auf Kinderbücher, den ich bereits mit meinen Patenkindern gelegt hatte, verstärkt, mich mittendrin sein lassen, wenn ein neuer Bilderbuchschatz das Kinderzimmer erobert hat. Noch heute bespreche ich mithilfe von kleinen Leser*innen Kinderbücher, die hier früher rege die Kategorie „Kinderfreuden“ bespielten und Bücher stets aus großen und kleinen Augen vorstellten. Aus Mangel an Zeit- und Kraftreserven haben diese Besprechungen sich in den letzten Jahren etwas auf Instagram verschoben, aber ich möchte hier künftig wieder mehr Kinderbuchempfehlungen veröffentlichen. Im April 2020 habe ich mit der Bloggerin ronja.waldgaenger (die heute nicht mehr aktiv ist) auf Instagram den Hashtag #ausliebezumpappbuch ins Leben gerufen, um den Pappbüchern mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Bedeutung dieser ersten Bücher aufzuzeigen. Der Hashtag vereint mittlerweile Pappbuchempfehlungen zahlreicher Leser*innen. In den letzten 5,5 Jahren ist hier eine bunte und facettenreiche Sammlung herangewachsen.

2019 und 2021 durfte ich als offizielle Buchpreisblogger*in den Bayerischen Buchpreis begleiten, der jedes Jahr im Rahmen eines einzigartigen Live-Formats in der Allerheiligen-Hofkirche in München verliehen wird. Seitdem habe ich das Privileg, dem Abend persönlich beizuwohnen und mich mit vielen Größen der Buchbranche auszutauschen.

Seit 2021 bin ich Teil der #GlockenbachWelle, einem Podcast bzw. Interview-Format mit der Glockenbachbuchhandlung auf Literatur Radio Hörbahn. Es ist eine Symbiose aus Buchhandlung, Literaturblog und Radio und dieses Projekt hat mich nicht nur aus der Reserve und einem tiefen Loch gelockt, in das ich als Alleinerziehende gefallen bin, sondern 2022 auch einmalig als Ausstellerin auf die Frankfurter Buchmesse gebracht und über die letzten 5 Jahre mit so vielen beeindruckenden Menschen aus der Literaturszene zusammengebracht, dass ich eines weiß: Literatur lebt von Menschen und Begegnungen, weshalb ich den Einsatz generativer KI in der Kreativbranche gänzlich ablehne, weil sie aktuell noch viele ethische Probleme mit sich bringt und die Arbeit und das Herzblut von vielen Kunstschaffenden mit den Füßen tritt. 2024 war ich deshalb auch Teil der Flashmob-Aktion #BuchbrauchtMensch auf Instagram, die von Bloggerin Eliane Fischer von Mint & Malve ins Leben gerufen wurde.

Du hast es bis hierhin geschafft? Herzlichen Glückwunsch, nun habe ich noch eine Bilderbuchempfehlung für dich.

Eine Reise zu unseren Anfängen

„Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen“ – Heike Faller, Valerio Vidali

Kein & Aber, erschienen am 13. Oktober 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 208 Seiten, ISBN: 978-3-0369-5082-2, hier geht’s zum Buch

„Hast du dich schon einmal gefragt … wo du herkommst?

Die Reihe des Autoren-Duos Heike Faller und Valerio Vidali werden sicher viele von euch kennen. 2022 ist das erste Werk „Hundert – Was du im Leben lernen wirst“ erschienen, welches sich an Kinder wie Erwachsene gleichermaßen richtet und Dinge in den Fokus nimmt, die man im Leben alles so lernt. Mit „Freunde – Was uns verbindet“ folgte ein Buch, das sich der Freundschaft in all ihren Facetten widmet. Nun ist kürzlich ein dritter Band, „Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen“, erschienen, das kleine und große Leser*innen auf eine Reise durch die Zeit mitnimmt.

Während ich anlässlich meines 15. Bloggeburtstages meine Reise bei meinen Bloggeranfängen in 2011 begonnen habe, startet „Wir alle“ im Jahr 1940 zur Zeit großer Kriege und reist 7 Millionen Jahre in der Geschichte der Menschheit zurück. Anfangs umfassen die Zeitabstände noch ungefähr 20-25 Jahre, je weiter wir im Buch in die Vergangenheit reisen, umso größere Zeitabstände begegnen uns, bis wir nach ca. 300.000 Generationen bei den gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen ankommen und uns fragen: „Was unterscheidet Mensch vom Tier?“

Kinder dürfen in diesem bunt und mitunter großflächig illustrierten Bilderbuch bis zum Ursprung des Lebens zurückreisen und auf ganz spielerische Weise erfahren, von wem der Mensch abstammt. Spielerisch deshalb, weil sie sich mithilfe unterschiedlichster Fragen durch die Menschheitsgeschichte hangeln und dabei ihren eigenen Wurzeln auf den Zahn fühlen.

Fragen sind mitunter:

Manchmal tun uns die Menschen von damals leid, weil sie so viel ärmer waren als wird. Aber gab es auch etwas, wovon sie mehr hatten? (1775)

Stell dir vor, du könntest in die Zeit zurückreisen. Welches Wissen von heute würdest du deinen Vorfahren mitbringen? (1625)

Was verändert sich, wenn viele Menschen lesen können? (1575)

Was weißt du über die Erde und unseren Platz im Universum? (200)

Diese Fragen regen sie nicht nur zum Nachdenken an, sondern schaffen auch eine Basis für gemeinsame Gespräche. Ich kann mir das Buch deshalb auch wunderbar als Schullektüre vorstellen. Denn auf seinen 208 Seiten passiert man eine Vielfalt an Themen, beginnend vom Krieg über die Evolutionstheorie, die Industrielle Revolution, die Elektrizität, die Landwirtschaft, die Sklaverei bis hin zum Glauben, um nur ein paar wenige der angesprochenen Themen aufzugreifen. Im hinteren Teil des Buchs trifft man auf die Hintergründe der Menschheitsgeschichte, kann noch einmal die Details der einzelnen Stationen erfahren und bei Interesse noch tiefer in die Materie eintauchen.

Doch neben den historischen Einschnitten und Veränderungen, die im Buch aufgegriffen werden, sind es vor allem die Gefühle der Menschen und ihr Umgang miteinander, die hier im Vordergrund stehen und hinterfragt werden. So legt das Autoren-Duo einen wertvollen und wichtigen Grundstein für Empathie und Nächstenliebe.

Besonders gefällt mir, dass die Illustration der sich umschließenden Hände mit den Händen der Menschen beginnt und bei den Händen der Affen endet. Das verleiht dem Werk einen runden Charakter, begegnet uns wie der natürliche Kreislauf.

GlockenbachWelle – Die kunterbunte Welle mit Viola Ahles

Die 33. Welle mit Viola Ahles

Herzlich willkommen bei der 33. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Wir lieben nicht nur die vielfältige Kinderbuchlandschaft, die sich aus so vielen unterschiedlichen Verlagen und Büchern zusammensetzt, sondern auch Bücher, die sich der Vielfalt und dem Anderssein widmen. Denn die Welt und all das Leben auf ihr ist bunt, um genau zu sein kunterbunt. Und so empfangen wir in dieser Folge eine frischgebackene Autorin und den Protagonisten ihres Kinderbuchs mit offenen Armen auf unserer Welle: Viola Ahles und ihr kleines Krododil „Kiko Kunterbunt“.

Die Welle mit Viola Ahles

Eine Buchhändlerin, ein frischgebackene Autorin und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz; Viola Ahles, frischgebackene Autorin beim Magellan Verlag und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Wir widmen uns in dieser Ausgabe mal wieder einem unserer Lieblingsgenres: dem Bilderbuch. Es gibt kein schöneres und besser geeigneteres Medium, um Kindern die Welt zu erklären und sie schon früh für so wichtige Themen wie Diversität, Vielfalt und Toleranz zu sensibilisieren. Doch bei der Konzeption ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt, sowohl von Seiten des Verlags als auch von Seiten der Illustrator*innen und Autor*innen.

Der Magellan Verlag geht hierbei mit sehr gutem Beispiel voran und deshalb haben wir uns Viola und ihr frisch erschienenes Bilderbuch „Kiko Kunderbunt“ eingeladen.

Das Bilderbuch

Magellan Verlag, erschienen am 17. Juli 2025, Preis 16 € [D], Hardcover, 32 Seiten, ISBN: 978-3-7348-2193-6, hier geht’s zum Buch

An so dristen regnerischen Tagen wie sie der Herbst zuhauf mitbringt, sehnen wir uns immer nach Farbe. Wie gut, dass wir für solche Gelegenheiten immer ein Buch im Regal haben, in dessen Farbe und Vielfalt wir eintauchen können. Die Tristesse eines Herbsttages tauschen wir deshalb gegen ein buntes Gewand, um genau zu sein, ein kunterbuntes.

„Der Schwanz gestreift
in Gelb und Schwarz
ganz wie bei einem Tiger.
Der Körper bunt,
Der Bauch ist weiß,
mit Punkten – was? – in lila?“

Kiko ist anders als seine Geschwister. Anstatt dem üblichen Grün trägt das kleine Krokodil Kunterbunt. Und das findet Kiko richtig toll. Doch aus Angst davor, dass die Farben abgewaschen werden, traut er sich nicht ins Wasser zu den anderen. Immer nur zusehen ist doof und so macht sich Kiko auf die Suche nach einen bunten Ort, an dem er genauso sein kann wie er ist.

Schon kurz darauf begegnet er einem Tier, dass ihm ganz ähnlich ist. Und plötzlich versteht er, dass er gar nicht der einzig Bunte auf der Welt ist. In Eidechse Emmi findet Kiko eine treue Wegbegleiterin, die ihn ihn dazu ermutigt, sich ins Wasser zu wagen. So kann Kiko fortan Teil der Kroko-Crew und gleichzeitig ein guter Freund sein. Denn Emmi kann nicht schwimmen und findet auf Kikos Rücken Platz. Als kunterbuntes Wasser-Taxi machen sie Kurs auf einen Ort, der genauso bunt ist wie sie beide.

Viola Ahles feiert ihr Kinderbuchdebüt mit einem Regenbogen an Farben. Ihre Geschichte um das kleine Krokodil Kiko erzählt sie in bunten melodischen Reimen, die nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch mitten ins Herz treffen. Selten bin ich so raffinierten Zeilen begegnet wie hier. Dank Illustrator Igor Lange ist nicht nur eine herrliche Szenerie, sondern auch ein wunderbar buntes und sympathisches Kerlchen geboren worden, das man Kindern gerne an die Hand gibt. Denn Kiko hat verstanden, dass jeder so sein darf wie er will. Die Welt ist bunt und mit ihm die Lebewesen, die auf ihr wohnen. Er gibt Kindern zu verstehen, dass sich niemand fürs Anderssein schämen muss und es sich lohnt, mutig zu sein und seine Komfortzone zu verlassen.

Was die Welle zu euch spült

  • wie eine Geschichte für die eigene emotionale Schublade zu einem Bilderbuch wird
  • wie Viola dazu einlädt, mutig zu sein und die eigene Komfortzone zu verlassen
  • tierisches Wissen um Krokodile & das Geschlecht von schlüpfenden Jungtieren
  • vom Glück, sein Debüt im eigenen Verlag zu veröffentlichen
  • wie man mit zwei „Magellan-Persönlichkeiten“ umgeht
  • wie die Geschichte & Illustrator Igor Lange zusammenfanden
  • wie es sich anfühlt, seine eigene Geschichte vorzulesen
  • wie ein Faible für Wortspielereien sich zu Reimen geformt hat
  • „Platsch!“ – der Teaser zu einer möglichen Fortsetzung

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Viola

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Der Instagram Account von Viola

Die Homepage des Magellan Verlags

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GlockenbachWelle – Die Welle mit Torben Kuhlmann

Die 28. Welle mit Torben Kuhlmann

Herzlich willkommen bei der 28. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Alles in allem ist meine Haltung zu Mäusen eher verhalten. Ich springe bei ihrem Anblick nicht kreischend auf einen Stuhl, bin aber auch nicht sonderlich erpicht auf ihre Gesellschaft. Ich frage mich seit jeher, wie der Kosenamen Mausi entstanden ist, wo es sich bei einer Maus doch um ein kleines Fellknäuel handelt, das zuweilen in modrigen Kellern, schmutzigen Gullis oder staubigen Dachböden anzutreffen ist. Reden wir allerdings von Mäusen aus der Feder von Torben Kuhlmann, schaut die Welt schon ganz anders aus. Denn dann ist von einer großen Mäuseliebe die Rede.

Was der Illustrator für seine Abschlussarbeit zum Leben erweckte, hatte Potential zu mehr. Und so eroberte vor 10 Jahren eine neugierige Maus namens „Lindbergh“ in einem Bilderbuch die Herzen der Leser*innen. Im Laufe der Jahre entwickelten sich Kuhlmanns Mäuse zu emsigen Tüftlern und tollkühnen Abenteurern. Erst ging‘s in schwindelerregender Höhe nach Amerika, dann mit rasanter Geschwindigkeit zum Mond, hinab in die Tiefen des dunklen Meeresgrundes, mit einer Zeitmaschine zurück in die Zeit und nun erneut in die Lüfte, auf einen abenteuerlichen Flug um die Welt.

Es ist uns eine besondere Freude, in dieser Folge mit Torben über seine Mäuseabenteuer und sein neuestes Werk „Earhart – Der abenteuerliche Flug einer Wühlmaus um die Welt“ zu unterhalten und dem „Mäusepapa“ ein bisschen auf den Zahn zu fühlen …

Die Welle mit Torben Kuhlmann

Eine Buchhändlerin, ein Illustrator/Autor und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Skype, in Gedanken in der Glockenbachbuchhandlung in München

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz, Autor und Kinderbuchillustrator Torben Kuhlmann und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

In dieser Folge wollen wir einmal hinter die Kulissen der „Kuhlmannschen Mäusefabrik“ schauen und herausfinden, was passiert, wenn die Katze bei Torben aus dem Haus ist.

Mit seinem fünften Mäuseabenteuer „Earhart – Der abenteuerliche Flug einer Wühlmaus um die Welt“ feiert Torben bereits 10 Jahre Mäuseabenteuer beim NordSüd Verlag.

Das neueste Mäuseabenteuer

NordSüd Verlag, erschienen am 26. September 2024, Preis 24,00 € [D], Hardcover, ab 6 Jahren, 128 Seiten, ISBN: 978-3-314-10695-8, hier geht’s zum Buch

In tiefen verschlungenen Höhlen unterhalb des Gemüsegartens lebten die Wühlmäuse. Tag ein, Tag aus wühlten sie sich durchs dunkle Erdreich. Und während sich der Großteil der Wühlmäuse mit dem Wühlen zufrieden gab, träumte eine unter ihnen von der Welt jenseits des Gemüsegartens. Denn als sie eine riesige Katze mit der Unterschrift „Uganda“ auf einer Briefmarke entdeckt, fragt sie sich, ob eine solche Katze wirklich existieren kann oder nur ein Hirngespinst der Wühlmäuse ist.

Im Postamt ordnet sie Uganda dem Kontinent Afrika zu und fasst den wohlüberlegten Entschluss, sich in ein Abenteuer zu stürzen. Eins, in dem sie der faszinierenden Riesenkatze ganz nahekommt und vielleicht noch weiter als es eine Wühlmaus je geschafft hat. Es ist ein bekannter Mäuse-Pilot, der ihr beim Bau einer Flugmaschine hilft. Doch nicht bei allen Wühlmäusen sorgt ihre Flugkonstruktion für Begeisterung. Schließlich sollten sich Wühlmäuse auf nichts anders konzentrieren als das Wühlen!

Doch die Wühlmaus lässt sich nicht beirren und hält an ihrem wohlüberlegten Plan fest: Sie will nicht nur nach Afrika fliegen, sondern gleich die ganze Welt umrunden!

Hier geht’s zur ausführlichen Besprechung

10 Jahre Mäuseabenteuer

Was die Welle zu euch spült

  • wie man mit Bildern und Texten Geschichten erzählt
  • wie das Abschlussprojekt im Studium zu einem Bilderbuch wurde
  • wie ihn seine Idee für eine Geschichte zu einer realen Person der Weltgeschichte führt
  • warum Torben in Amelia Earhart erstmals eine weibliche Namenspatronin fand
  • wie sich Torbens leichte Begeisterung für das Gruseln in seinen Werken bemerkbar macht
  • den Entstehungsprozess eines Mäuseabenteuers: vom Storyboard zum Buch
  • warum das analoge Arbeiten mit Zeichenstift und Aquarellfarbe gar nicht so leicht zu simulieren ist
  • warum ein Selbstporträt immer eine kleine Herausforderung ist
  • wie sich KI (Künstliche Intelligenz) aktuell auf die Künstlerszene auswirkt und Nachwuchsillustrator*innen „desillusionieren“ kann
  • von der schnelllebigen Werbebranche und dem sklavischen Einhalten von Deadlines
  • wie die Mäuse und Hörbuchsprecher Bastian Pastewka zueinander fanden
  • warum Torben Lieblingsszenerie im Buch gleichzeitig auch die herausforderndste ist
  • wie aus einer Film-Leidenschaft atmosphärische Buchtrailer wuchsen
  • eine kleine Lesung aus „Earhart“: die Begegnung mit dem Waschbären

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Torben

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Seiten legen wir euch ans Herz:

Die Website von Torben Kuhlmann

Landing Page der Mäuseabenteuer bei NordSüd

10 Jahre Mäuseabenteuer

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Wir wünschen viel Freude beim Hören …

Bleib Wellenreiter*in und gespannt, was noch alles auf dich zuschwappt …

Wie Frieda Weihnachten rettet #kinderbuchadvent + Giveaway

„Friedas Weihnachten“ – Claudia Skopal, Dorothea Blankenhagen

Vermes-Verlag, erschienen am 01. September 2023, Preis 16,00 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 4 Jahren, 32 Seiten, ISBN:  978-3903300774, hier geht’s zum Buch

Als sich Frieda als Assistentin des Christkinds bewirbt, ist ihr nicht klar, wieviel Arbeit dahintersteckt. Als das Christkind noch unvorhergesehen krank wird, hängt es allein an Frieda, den Kindern ein tolles Weihnachtsfest zu bescheren. Zum Glück findet sie in Sebastian Sternschweif einen Retter in der Not. Er weiß, was zu tun ist. Denn er hat sich während der 530 Weihnachten, bei denen er dem Christkind geholfen hat, alles feinsäuberlich aufgeschrieben, was es für ein perfektes Weihnachten braucht.

Die vielen Wunschzettel müssen in die Weihnachtswerkstatt gebracht, Christbäume geschmückt und die Erde für ein weißes Weihnachten mit Schnee bedeckt werden. Außerdem müssen Plätzchen gebacken und die Schlitten zur Abfahrt vorbereitet werden. Gemeinsam gelingt es ihnen, bis Heilig Abend alles fertig zu machen. Was anfangs unmöglich schien, nimmt einen ganz natürlichen Lauf und als das Christkind sich doch schneller erholt als gedacht, steht dem perfekten Weihnachtsfest nichts mehr im Weg.

Wie ein Mädchen für ein Weihnachtswunder sorgt

„Weihnachten ist doch die Zeit der Wunder.“

Weihnachtsbücher gibt es viele. Doch die meisten erzählen Geschichten, in dem der Weihnachtsmann im Mittelpunkt steht und nicht das Christkind. Dabei gilt das Christkind seit vielen Jahren als Symbolfigur des Weihnachtsfestes. Dem Brauchtum zufolge bringt es den Kindern die Weihnachtsgeschenke, ohne dabei gesehen zu werden. Die ursprünglich protestantische Tradition ist wohl überwiegend in christlichen Gegenden verbreitet.

Auch bei mir zuhause kam immer das Christkind. Lediglich das verheißungsvolle Klingeln des Weihnachtsglöckchens hat mir seine Ankunft angekündigt und mir Zugang zu dem festlich geschmückten Wohnzimmer und dem von Geschenken umgebenen Weihnachtsbaum gewährt. Nie habe ich es zu Gesicht bekommen, immer ist es aus dem geöffneten Fenster entwischt, bis wir den Raum betraten. Das hat zu einem großen Teil für die Magie und den Zauber gesorgt, von der Heilig Abend für mich bis heute erfüllt ist. 

Auch im Bilderbuch „Friedas Weihnachten“ ist es das Christkind, das für die Bescherung sorgt. Nun ja, eigentlich. Denn es wird ganz unvorhergesehen krank und Frieda Fröhlich muss einspringen. Mit der Hilfe des erfahrenen Sebastian Sternschweif gelingt es ihr, alles fertig zu bekommen und so kann das gesundete Christkind rechtzeitig seinen Schlitten besteigen und mit den Geschenken zu den Kindern auf die Erde fliegen. 

„Übrigens“, sagte er stolz, „schenken wir den Kindern, die sich Spielzeug wünschen, immer ein Buch dazu und den Buchwürmern Gummistiefel, damit sie mal rauskommen. Und den Abenteurern legen wir eine Karte fürs Kindertheater unter den Baum.“

Was mich an dieser Geschichte so verzaubert, ist nicht nur der Fakt, dass hier das Christkind zum Einsatz kommt, sondern auch, dass die Geschichte von so vielen liebevollen Details lebt, die nicht nur in den farbenfrohen und stimmungsvollen Illustrationen von Dorothea Blankenhagen zu finden sind, sondern auch in den sehr einfallsreichen und wunderbaren Zeilen von Claudia Skopal. Ganz besonders entzückt hat mich die Tatsache, dass die Kinder zu ihrem Wunschspielzeug immer ein Buch obendrauf bekommen. Was für ein herrlicher Gedanke es doch ist, die Kinder mit Büchern zu beschenken, die es auch für meine Räubertochter immer als zusätzliches Sahnehäubchen obendrauf gibt. Auch die Idee, dass die Engel für Plätzchennachschub zu Heilig Abend sorgen, finde ich ganz reizend. Denn wer kennt es nicht, dass bis zum 24. Dezember alle Plätzchen aufgeknabbert und die Keksdosen bis auf ein paar Krümel leer sind!?

„Da die meisten Familien ihre selbst gebackenen Kekse bis zum 24. Dezember aufgegessen haben, bringen die Engel zu Weihnachten immer ein paar mit und legen sie unter den Baum.“

„Friedas Weihnachten“ lebt von Nächstenliebe, Zusammenhalt und weihnachtlichem Zauber. Das Bilderbuch sorgt nicht nur für unterhaltsame Lesestunden in der (Vor)Weihnachtszeit, sondern schürt auch gehörig die Vorfreude auf Heilig Abend. Gepaart mit einem köstlichen Keksrezept für Friedas himmlische Schokotaler weiß dieses Buch Groß und Klein zu verzaubern. Auf dass es an Weihnachten Bücher wie dieses regnet!

Eine Verlosung im Rahmen des Kinderbuchadvents

Heute öffnet sich bei mir das neunte Türchen im Rahmen des Kinderbuchblogger Adventskalenders von Kinderbuch-Detektive, weshalb ich ein von Dorothea Blankenhagen signiertes Exemplar von Friedas Weihnachten an euch verlosen darf.

Und da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir bis Montag, 11.12.23, 23:59 Uhr zu verraten, welche Plätzchen ihr zu Weihnachten am liebsten knuspert (gerne auch mit entsprechendem Rezept).

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück und eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

Eure Steffi

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von  Dorothea Blankenhagen zur Verlosung zur Verfügung gestellt.]

[Der Versand des Gewinns erfolgt durch mich. Aus diesem Grund ist das Gewinnspiel für Leser*innen aus Deutschland begrenzt.]

Blogtour zum Bilderbuch „Wieder Zu Hause“ + Giveaway

„Home is where your heart is.“

Ein Zuhause ist für mich nicht nur ein Ort, es ist vielmehr ein Gefühl. Ein Gefühl des Ankommens. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Ein Ort, der mich sanft umschließt wie die Arme eines geliebten Menschen. Und deshalb ist ein Ort, den ich als mein Zuhause bezeichne, immer mit den Menschen verbunden, deren Nähe, Liebe und Aufmerksamkeit mir gut tun. 

Ein Zuhause, das ist für mich aber auch ein Ort, an dem ich so sein kann, wie ich bin. Der mir Luft zum Atmen gibt. Mir Raum schenkt, um mich frei zu entfalten. Wo all meine Gemütslagen Platz finden, ich ausgelassen und fröhlich, aber auch traurig und niedergeschlagen sein darf. Mein Zuhause ist mein Wohlfühlort, der Ruhe und Gemütlichkeit ausstrahlt. Der mit und an mir wächst, hin und wieder sein Gewand wechselt und mich idealerweise sogar über mehrere Lebensphasen hinweg beherbergt. Manche sogar ein ganzes Leben. Mir war es leider nicht vergönnt, mein Elternhaus als Zuhause für die Ewigkeit zu wahren, weshalb es mir umso wichtiger ist, unser jetziges Zuhause für meine Räubertochter so lange wie möglich zu wahren.  

Mit dem Einzug in ein Haus bzw. in eine Wohnung hauche ich ihm/ihr Leben ein. Ganz unbewusst hinterlasse ich Spuren: Dellen oder Kratzer, knarzende Stellen auf den Dielen, Löcher und Schattierungen in der Wand, Konfetti, das sich in den entlegensten Winkeln versteckt, vergessene oder vergrabene Schätze. All diese Überbleibsel werden der nachfolgenden Generation meine Geschichte erzählen.

Ich habe im Laufe meines Lebens schon einige Orte gefunden, die mir ein Zuhause waren. Manche davon sind es heute noch, selbst wenn ich längst nicht mehr dort wohne. Was mich für immer mit ihnen verbindet sind die Erinnerungen, Gefühle, Geräusche und Menschen, die ich dort für mich mitnehmen durfte. 

Doch was passiert mit einem Zuhause, wenn wir ausziehen und es hinter uns lassen? Und wie geht es dem Haus bzw. der Wohnung damit? Wiegt unsere Abwesenheit so schwer, dass es von einer plötzlichen Leere erfasst wird? Trauert es vielleicht sogar um uns? Verschließt oder öffnet es sich gegenüber Neuem? Colleen Rowan Kosinski und Valeria Docampo haben diese Gedanken aufgegriffen und daraus ein besonderes Bilderbuch mit ungewöhnlicher Perspektive entstehen lassen. 

„Wieder zu Hause!“ – Valeria Docampo,  Colleen Rowan Kosinski

mixtvision, erschienen am 17.08.2022, Preis 17,00 € [D], Bilderbuch, ab 3 Jahren, 32 Seiten, ISBN: 978-3-95854-191-7, hier geht’s zum Buch

„Wieder zu Hause!“ erzählt die berührende Geschichte eines Hauses aus ungewöhnlicher Perspektive. Dann das dreistöckige rote Haus auf dem Cover dient dem Bilderbuch nicht nur als Szenerie und Mittelpunkt der Geschichte, es fungiert darin auch als Geschichtenerzähler. Denn das Haus selbst erzählt den Leser*innen seine Geschichte.

„Meine Familie liebte  mich. Und ich liebte sie. Ich war mehr als nur ein Haus. Ich war ein Zuhause. Ihr Zuhause.“

Und so erinnert sich das Haus an die vielen schönen Momente mit seiner Familie. Es erzählt von den Babyfüßen, die auf seinen Dielen herumgetapst sind. Wie ihr zartes Tapsen einem lautem Stampfen wich. Wie die Küche vom Duft frisch gebackenen Brotes erfüllt war und ausgelassenes Lachen durch den Flur hallte. Wie seine Familie wuchs und die Größe der Kinder an der Dielentür verewigt wurde. Wie aus acht Füßen zehn wurden. Wie das Haus erfüllt war von Menschen und wie es ihm manchmal auch zu viel wurde. Dass es nur durch die Fürsorge seiner Familie wieder an Stärke zurückgewann und ihr fröhliches Treiben es erstrahlen ließ. Es erzählt aber auch von der schweren Zeit danach. Als seine Familie auszog und das Strahlen erblasste. Wie es traurig und leer zurückblieb, den Erinnerungen vergangener Zeiten nachhing und von sichtbaren Zeichen des Verfalls übersät war. Es fiel ihm schwer, sich auf neue Bewohner*innen einzulassen.

Viele Menschen kamen, um das Haus zu besichtigen. Doch sie fanden keinen Zugang, ließen sich von den angeschlagenen Dachschindeln, den knarrenden Stufen und den klappernden Fensterläden vertreiben. Wochen und Monate zogen ins Land, bis zwei Männer kamen, die in ihm genau das sahen, was seine Familie in ihm sah: ein Zuhause.

Mit ihrem unvergleichlichen Illustrationsstil schafft es Valeria Docampo einmal mehr eine Geschichte zu Papier zu bringen, die uns alle verzaubert. „Wieder Zu Hause!“ präsentiert sich nicht nur als wunderbar stimmiges Gesamtkunstwerk, in dem sich Docampos atmosphärische Bilder mit den Zeilen von Colleen Rowan Kosinski, die von Pia Jüngert ins Deutsche übertragen wurden, perfekt ergänzen, es bedient sich auch einer uns allen vertrauten Szenerie: einem Zuhause.

Wir alle haben in den letzten drei Jahren sehr viel mehr Zeit Zuhause verbracht als uns lieb war. Der Wunsch, die eigenen vier Wände in einen Wohlfühlort zu verwandeln war und ist nach wie vor noch viel ausgeprägter als früher. Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit in den eigenen vier Wänden ist für uns essentiell geworden, um auf die Entwicklungen und vielen Einflüsse von Außen reagieren zu können. 

Ob das Haus in dieser Geschichte nun das eigene Zuhause verkörpert oder für den Wunsch nach einem vertrauten Ort steht, diese Geschichte trifft mitten ins Herz. Sie zeigt uns, wie wichtig ein Zuhause und das Gefühl von Zugehörigkeit für uns Menschen ist. Und verdeutlicht, was viele Menschen in Zeiten des Krieges hinter sich lassen müssen. Wie Loslassen und Abschiednehmen Platz für Neues schaffen kann und dass man auch nach langer Zeit der Zurückgezogenheit wieder einen Platz im Leben finden kann.

Mit „Wieder zu Hause!“ ist Docampo und Kosinski ein ruhiges und einfühlsames Werk gelungen, das uns dazu einlädt, in die Rolle unseres Zuhauses zu schlüpfen. Es erinnert uns daran, dass kaputte Dinge nicht zwingend aussortiert oder abgerissen werden müssen, sondern vielmehr repariert werden können. Dass wir durch unsere Liebe und Zuwendung wertschätzen, was wir haben. 

Ein Penny für deine Gedanken – Ein Giveaway für deine Momentaufnahme

Im Rahmen der Blogtour von Küstenkidsunterwegs und mixtvision darf ich ein Exemplar dieses wundervollen Bilderbuches an euch verlosen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir dafür eine schöne Momentaufnahme aus deinem Leben in deinem Zuhause mit auf den Weg gibst. Verrate mir bis Freitag, den 10. Oktober 2022 um 23:59 Uhr deine persönliche Geschichte in Form eines Kommentars und springe damit in den Lostopf für ein Exemplar des Buchs.

Das Gewinnspiel läuft parallel auf Instagram. Die Teilnahme ist für alle Leser*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich und auf beiden Kanälen denkbar. Die Gewinnchance auf das Exemplar des Bilderbuches verdoppelt sich damit.

Der Versand des Gewinns erfolgt durch mixtvision. Zu diesem Zweck gebe ich die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners an den Verlag weiter.

Viel Glück! Eure Steffi

Nachtschwärmer*innen #10jahrebrittateckentrup

„Mond – Eine Reise durch die Nacht“ – Britta Teckentrup

Verlag arsEdition, erschienen am 21.03.22, Preis 12,00 € [D], Pappbuch, ab 3 Jahren, 24 Seiten, ISBN: 978-3-8458-4673-6, hier geht’s zum Buch

„Hast du je darüber nachgedacht, warum der Mond scheint in der Nacht?

Wie Menschen, Tiere, Pflanzen, Bäume nachts in seinem Lichte träumen?“

Spitze durch das Guckloch und begleite den Mond auf seiner magischen Reise. Entdecke, wie sich seine Gestalt verändert, wie aus einer schmalen Sichel langsam aber sicher ein großer runder Vollmond heranwächst und welche Tiere er mit seinem Licht durch die Dunkelheit leitet.

Mit dieser handlichen Pappausgabe wird Britta Teckentrups bekanntes Bilderbuch „Mond“ schon kleinen Nachtschwärmer*innen zugänglich gemacht.

Klein, aber oho!

Meine Räubertochter hegt schon seit geraumer Zeit eine Faszination für den Weltraum, für den glitzernden Nachthimmel, die leuchtenden Sterne und die Planeten im All. Den Mond entdeckt sie oft schon beim morgendlichen Weg in den Kindergarten und behält ihn über den ganzen Tag hinweg im Auge. Sie bemerkt, wie er sich vom nahezu unscheinbaren Himmelsobjekt in eine leuchtende Kugel verwandelt, dass seine Gestalt der stetigen Veränderung unterliegt, von der schmalen Sichel bis hin zum prallgefüllten Vollmond. 

Ihre Sternenbibliothek ist mittlerweile nicht nur gut mit Büchern zu dem Thema bestückt, sondern auch von einem leuchtenden Mond und Sternen eingebettet, die sich über ihre Kinderzimmerwand erstrecken und sie nachts sanft in den Schlaf wiegen. Klar, dass Britta Teckentrups Bilderbuch „Mond“ längst bei uns wohnt. Doch neuerdings gesellt sich eine kleine aber feine Pappbuchausgabe dazu, die erst kürzlich erschienen ist und die Geschichte nun schon einer etwas jüngeren Leserschaft zugänglich macht. Der Verlag selbst empfiehlt das Buch ab 3 Jahren, ich bin der Meinung, es kann schon weitaus früher eingesetzt werden. Durch das handliche und kleinkindgerechte Format entpuppt sich das Buch als robuste und leicht zu verstauende Reise- und/oder Klo-Lektüre.

Nun kommt diese Ausgabe zwar recht klein daher, aber nicht minder magisch. Durch ein spielerisches Guckloch zeigt sich der Mond von seiner besten Seite. Schon beim Blick auf das Cover werden die kleinen Leser*innen dazu animiert, hindurch zu blicken. Das schafft einen Anreiz, entfacht die Neugierde und bindet sie ins Geschehen ein. Schnell finden sie sich auf den dahinter verborgenen Seiten wieder, die den Mond im unterschiedlichen Gewand zeigen. Doch nicht nur das, auf jeder Seite finden sich auch Tiere ein, die vom Licht und der Veränderung des Mondes geprägt sind. Er ist es, der sie navigiert, ihnen Licht und Sicherheit schenkt.

„Der volle Mond schickt helles Licht, das funkelnd in den Wellen bricht. Und in des Meeres dunklen Weiten befiehlt der Mond ihm die Gezeiten.“

Britta Teckentrups Bilder kommen bunt und magisch daher. Aufgrund der Nachtszenerien bleibt der Hintergrund konstant dunkel, während die Tiere und der Mond in üppigen Farben um die Wette strahlen. Durch den Schein einer Nachttischlampe entfalten sich die facettenreichen Bilder besonders kräftig, weshalb uns die Geschichte als wunderbare Gute-Nacht-Lektüre begegnet. Klar, schließlich geht es hier ja um den Mond.

Die wunderbar stimmigen Verse von Patricia Hegarty, die von Maria Höck ins Deutsche übertragen wurden, schenken der Geschichte nicht nur eine wunderbar melodische Untermalung, sie geben den Kindern auch ganz spielerisch Wissen an die Hand. So lernen sie zum Beispiel dass es sich bei Aras um Papageien handelt, ein Skorpion nachts leuchtend blau glüht, dass Papageien in klirrender Kälte wohnen und der Mond dort von grünen Nordlichtern umgeben ist, dass der Mond den Flug der Vögel leitet, zur richtigen Zeit nach Süden und die Vögel gleich mit sich zieht, dass Schildkröten in der Nacht an Land schwimmen und dort ihre Eier im Sand vergraben und dass das Licht des Vollmondes dem Meer eine glitzernde Decke schenkt.

„Im Dschungel, durch ein Dach aus Grün, sind silberne Strahlen des Mondes zu sehn. Hörst du die Lieder im Urwald erklingen, wenn Aras und Frösche gemeinsam singen?“

Egal ob groß oder klein – „Mond“ ist eine wunderbare Bereicherung fürs Kinderbuchregal und sollte bei allen Nachtschwärmer*innen und Mondliebhaber*innen zuhause stehen. 

Eine Verlosung im Rahmen der Blogtour „10 Jahre Britta Teckentrup bei arsEdition“

Britta Teckentrup ist ein Garant für poetische Bilderbuchreisen. Leser*innen auf der ganzen Welt wissen um die Faszination, die von ihren Büchern ausgeht. In mehr als 20 Ländern sind bereits über 100 Bilderbücher erschienen, viele davon sind bereits mehrfach ausgezeichnet worden. 

Dass die Illustratorin, Autorin und freie Künstlerin aus Berlin nun schon seit sage und schreibe 10 Jahren Kinderbücher bei arsEdition veröffentlicht, gibt uns Anlass zum Feiern. Und deshalb haben wir in freundlicher Unterstützung mit dem Verlag eine Blogtour ins Leben gerufen, wodurch ich heute ein Exemplar der wunderbaren Pappbuchausgabe von „Mond“ an euch verlosen darf.

Die wunderbare Vielfalt von Britta Teckentrups Bilderbüchern haben euch 7 Bloggerinnen (inklusive meiner Wenigkeit) auf ihren Kanälen gezeigt. Spitz gerne in meinen vorangegangenen Beitrag und klick dich durch alle teilnehmenden Blogs. Gestern hat sich Maike von Buchkinder der Pappbuchausgabe von „Bienen – Kleine Wunder der Natur“ gewidmet, morgen dürft ihr in den letzten Beitrag von Frau Bücherfee eintauchen … psst! sie hat einen ganz großen Schatz von Britta Teckentrup dabei.

Da ich sowohl hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir bis Dienstag, 05.04.22, 23:59 Uhr zu verraten, welches bislang euer Lieblingsbuch von Britta Teckentrup ist. 

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück!

Eure Steffi

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von arsEdition als Rezensions- und Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt.]

[Der Versand des Gewinns erfolgt durch den Verlag. Zu diesem Zweck (und nur dazu) gebe ich die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners an den Verlag weiter.]

Kinderfreuden #55: Hummelige Botschaften

„Die kleine Hummel Bommel – Du kannst fliegen“ – Britta Sabbag, Joelle Tourlonias, Maite Kelly

Verlag arsEdition, erschienen am 25. Februar 2022, Preis 15,00 € [D], Hardcover, ab 3 Jahren, 32 Seiten, ISBN: 978-3-8458-4650-7, hier geht’s zum Buch

Wer seinen Kindern, lieben Herzensmenschen oder auch sich selbst eine Freude machen will, hat mit diesem poetischen Bilderbuch ein wahres Herzensbuch zur Hand.

„Die kleine Hummel Bommel – Du kannst fliegen“ vereint 14 ermutigende Hummel Bommel -Botschaften und dient kleinen und großen Leser*innen als Impulsgeber für innere Stärke, Mut und Selbstvertrauen.

Es ist eins jener Bilderbücher, das seinen Leser*innen Flügel verleiht.

Blickwinkel aus großen Augen

Mit „Die kleine Hummel Bommel – Du kannst fliegen“ hat das bekannte Dreiergespann Britta Sabbag, Maite Kelly und Joëlle Tourlonias nun ein poetisches Bilderbuch geschaffen, in dem erstmals die Botschaften der beliebten Hummel vereint sind. Während es Hummel Bommel – Neulingen ganz unabhängig von den bereits erschienenen Geschichten begegnet, sorgt es bei Hummel Bommel – Fans für einen hohen Wiedererkennungswert. Denn die einzelnen Botschaften sind bereits erschienenen Bilderbüchern zuzuordnen. 

Es sind mir mitunter bereits vertraute einfühlsame Zeilen, mit denen Britta Sabbag und Maite Kelly den Kindern wichtige Botschaften und bestärkende Impulse an die Hand geben, die ihnen Mut schenken, innere Kraft verleihen und sie darin bestärken, sich allen Ängsten und aller Unsicherheit zum Trotz mit offenem Herzen hinaus ins Leben zu wagen und ihre Zeit mit den Menschen zu verbringen, die sie lieben. 

„Du bist geboren, weil du richtig bist.“

Es ist die erste Botschaft im Buch, die es mir besonders angetan hat. Denn was das schreibende Duo hier mit wenigen Worten auszudrücken vermag, ist genau das, was ich meiner Tochter jeden Tag mit auf den Weg geben möchte. Dass sie mir wichtig ist. Dass sie genauso wie sie ist, richtig ist, ich stolz bin, ihre Mutter sein zu dürfen.

Insgesamt sind es 14 solcher Botschaften, denen wir im Buch begegnen. Botschaften, die in den vorangegangenen Bilderbuchgeschichten bereits transportiert werden, nun aber völlig eigenständig stehen. Das mag zum einen dafür sorgen, dass das Bilderbuch sich auch als ideales Geschenkbuch für Herzensmenschen jeglichen Alters entpuppt, zum anderen aber auch, dass es kleineren Kindern etwas zu poetisch / spirituell begegnen könnte, weil die dazugehörige Geschichte fehlt. Ich sehe hier ein ähnliches „Problem“ wie beim Bilderbuch „Vielleicht“ von Kobi Yamada und Gabriella Barouch, das sich für mich als Bilderbuchperle entpuppt hat, für meine Tochter aber nur als ein Bilderbuch von vielen in Erinnerung blieb, wenn auch als eines mit besonders schönen Bildern.

Die Altersempfehlung des Bilderbuchs liegt wie bei den Bilderbuchabenteuern bei 3 Jahren. Fantasiereichen Kindern (ohne Hummel Bommel – Erfahrung) könnte dieser auf die Botschaften reduzierte Stil jedoch auch als Einladung begegnen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und mit ihren Eltern ins Gespräch zu kommen. Für Hummel Bommel – Fans wird das Bilderbuch zu einer tollen Ergänzung mit hohem Wiedererkennungswert, die sicherlich dazu einlädt, die im Regal beherbergten Geschichten wieder aufzustöbern und die Botschaften den einzelnen Geschichten zuzuordnen.

„Manchmal weht dich der Sturm um. Und scheint alles verloren – egal, was auch ist: Denk daran, wer du bist.“

Joëlle Tourlonias hat sich mit ihrem zauberhaften Illustrationen schon damals in das Herz meines Patenkindes Lena (und mir) gezeichnet. Das erste Abenteuer von Bommel setzte den Grundstein für eine große Hummel-Liebe, die sich über viele Jahre erstreckte und auch dann nicht abflachte, als sie schon lange der Altersempfehlung entwachsen war. Meine Tochter hat bislang hauptsächlich Berührungspunkte mit der Baby Hummel Bommel, hat mit 1-2 Jahren fast ausschließlich das Pappbuch „Die Baby Hummel Bommel – Gute Nacht“ als Gute-Nacht-Geschichte eingefordert und kann die Reime noch heute auswendig. Doch das Portfolio der Illustratorin ist groß und so sind über die letzten vier Jahre eine ganze Reihe an von ihr illustrierten Bilderbücher bei uns eingezogen, zuletzt das Vorlesebuch „Anouk, die nachts auf Reisen geht“, ebenfalls bei arsEdition erschienen. 

Was mir bei „Die kleine Hummel Bommel – Du kannst fliegen“ besonders gut gefällt, ist die Schlichtheit ihrer Illustrationen in zarten Pastelltönen mit Fokus auf eine Botschaft bzw. Hauptillustration pro Doppelseite. Auch das dezent gehaltene Cover mit filigraner Goldprägung ist optisch ein Genuss.

Fest steht, die Lektüre dieses Bilderbuchs tut der Seele gut. Sie macht von innen stark und schenkt uns in diesen herausfordernden Zeiten genau die Kraft und Zuversicht, die wir aktuell am dringendsten brauchen. 

„Finde deine Flügel. Dann breite sie aus – finde es für dich heraus. Dein Mut trägt dich überallhin.“

Blickwinkel aus kleinen Augen

Emmas Urteil:

Gefällt dir das Bilderbuch, Emma?

Ja. Als ich noch kleiner war, hast du mir schon von der Baby Hummel Bommel vorgelesen. Jetzt ist sie genauso groß geworden wie ich. Wir sind jetzt gar keine Babys mehr.

Erzählt das Buch eine Geschichte?

Nein. Du hast aber gesagt, dass es mir Kraft und Mut schenkt. Da sind lauter schöne Worte drin, die mich glücklich machen.

Welches ist deine Lieblingsseite?

Die mit den gelben Blumen. Weil die Hummel Bommel sich da in das Blumenbett kuschelt und du mir vorgelesen hast, dass die Liebe sich wie ein Sonnenstrahl anfühlt. Und das finde ich so schön, weil ich ja immer sage, dass du sonnenlieb bist, Mama. Deine Liebe wärmt mich (ich habe zum Muttertag eine Blume geschenkt bekommen, in der Emma mir die Eigenschaft „sonnenlieb“ zugeordnet hat).

Die Botschaft dieser Seite:

„Liebe macht sich von innen stark. Du musst sie nicht sehen, um sie zu verstehen. Sie ist wie ein Sonnenstrahl. Liebe ist Liebe.“

Erzählst du uns von deinem Traum, den du nach dem Lesen des Buches hattest?

Ich war genauso klein wie die Hummel Bommel und habe mich genau wie sie mit einem Blatt zugedeckt und in das Blumenbett der gelben Blume gekuschelt.

Als was warst du dieses Jahr an Fasching verkleidet?

Als Biene und nach dem Mittagessen sah ich aus wie die Hummel Bommel. Dann hatte ich nämlich einen ganz dicken Bauch. 

Ist neuerdings Fan von:

Honigbrot 

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von arsEdition als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt]

Wenn aus Fremden Verbündete werden #kinderbuchadvent + Giveaway

„Bergkristall – Der heilige Abend“ – Adalbert Stifter, Anita Sansone Cotti, Maja Dusikova

Bohem Press, erschienen am 16. September 2021, Preis 16,95 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 3 Jahren, 32 Seiten, ISBN: 978-3-85581-580-7, hier geht’s zum Buch

Es ist die Geschichte zweier Bergdörfer, die sich fremd und nur durch zwei Kinder miteinander verbunden sind. Während Sanna und Konrad mit ihren Eltern in Gschaid auf der einen Seite des Berges wohnen, leben die Großeltern in Millsdorf auf der anderen. An einem sehr milden Heilig Abend dürfen sich die Kinder alleine auf den langen Weg über den Pass zu den Großeltern machen, um Weihnachtswünsche zu überbringen.

Mit allerlei Weihnachtsgaben im Gepäck, treten die Geschwister den Heimweg an. Doch sie geraten in einen Schneesturm und kommen vom Weg ab. Als die Dunkelheit hereinbricht, suchen sie Schutz in einer Höhle. Sie essen und trinken alles, was ihnen die Großeltern mitgegeben haben, um gegen den Hunger und die Müdigkeit anzukämpfen. Es ist das Leuchten eines Sterns, der sie um Mitternacht an den Weihnachtstag erinnert. Denn das Glockengeläut im Tal findet leider nicht den Weg zu ihnen ins Hochgebirge.

Unterdes lässt die gemeinsame Suche nach den vermissten Kindern die beiden entzweiten Gemeinden zueinander finden und aus Fremden Verbündete werden.

Ein Weihnachtsklassiker in neuem Gewand

Adalbert Stifters Bergkristall gehört sicher zu den Klassikern der Weihnachtsgeschichten. Die Geschichte, die 1845 erstmals in der Zeitschrift Die Gegenwart erschienen ist, damals noch unter dem Titel Der heilige Abend, fand über die Jahre in unterschiedlichstem Gewand den Weg zur Veröffentlichung. Die mir bekannteste Version ist die im Verlag Urachhaus erschienene Ausgabe, die sich an Kinder ab 5 Jahren richtet und von Maren Briswalter illustriert ist.  Nun ist bei Bohem Press eine gekürzte Neufassung des Klassikers erschienen, die die Geschichte auch einer jüngeren Leserschaft zugänglich machen soll.

Schon lange hatte ich das Bilderbuch für meine 4-jährige Räubertochter und mich im Visier. Ich hatte die Lektüre aufgrund des Textumfangs und des Inhalts jedoch vorerst noch auf später vertagt. Als ich das wunderbare Cover der Neuauflage sah, wurde mir direkt warm ums Herz. Die Coverillustration von Maja Dusikova hat mich auf Anhieb entzückt. Dass es sich dabei um die bereits anvisierte Geschichte von Adalbert Stifter handelt, habe ich anfangs gar nicht realisiert. Die vorliegende Ausgabe wurde von Anita Sansone Cotti gekürzt und in Würdigung des Originals auf traditionelle Weise nacherzählt. Die mit der Schweizer Autorin befreundete Illustratorin Maja Dusikova hat die Geschichte schon als kleines Mädchen geliebt und sich seit jeher gewünscht, sie eines Tages selbst malen zu dürfen. Mit ihren wunderschönen Bildern mit nostalgischem Touch hat sie ihre Liebe zu der Geschichte wunderbar zum Ausdruck gebracht. 

Der Verlag empfiehlt die Neufassung des Klassikers für Kinder ab 3 Jahren, in meinen Augen kann man sich aber auch mit der gekürzten Fassung gut und gerne noch ein weiteres Jahr Zeit lassen. Im direkten Vergleich zur anvisierten Urachhaus-Ausgabe kommt die Ausgabe mit weitaus weniger Text und großformatigeren Illustrationen daher, bei der gemeinsamen Lektüre mit meiner Tochter stelle ich jedoch fest, dass der Umfang des Textes nach wie vor nicht zu unterschätzen ist und ich nur in besonders wachen Momenten ihre volle Aufmerksamkeit für mich und die Geschichte gewinnen kann. 

Das Bilderbuch bietet viel Anlass für gemeinsame Gespräche. Dass sich Kinder in dem Alter ganz alleine ohne Eltern auf einen so langen und gefährlichen Weg über einen Berg machen dürfen, hat Emma schon sehr erstaunt. Aufgrund ihrer Bergerfahrung wusste sie jedoch auf Anhieb um die Schwierigkeit von steilen Stellen und der Gefahr, die manchmal vom Berg ausgeht. Es ist ganz wunderbar mit anzusehen, wie sich Sannas Bruder Konrad in dieser misslichen Lage behauptet, wie er Mut, Vernunft und einen klaren Kopf beweist, wie er sich die Umgebung und einige Wegpunkte einprägt, um nicht die Orientierung zu verlieren, trotz allem aber nicht die Hoffnung verliert, als das rot angestrichene Schild  einer Unglücksstelle am Höhepunkt des Passes später vollends im Schnee verschwindet. Er sorgt für seine kleine Schwester, lässt sie sich an seiner Tasche festhalten und lässt sie das bittere Kaffeekonzentrat trinken, damit sie nicht einschläft und in der Dunkelheit erfriert. 

Die Geschichte der anfangs entzweiten Gemeinden, die sich später zusammentun, um zusammen die vermissten Kindern zu finden, zeigt wiederum wie Empathie und Nächstenliebe letztendlich über Skepsis und Fremdenfeindlichkeit siegt. Sowohl inhaltlich als auch illustratorisch ist dieses Bilderbuch daher eine Perle.   

Eine Verlosung im Rahmen des Vorleseadvents

Heute öffnet sich bei mir das fünfzehnte Türchen im Rahmen des Kinderbuchblogger Adventskalenders von Kinderbuch-Detektive, weshalb ich ein Exemplar von der verkürzten Neuauflage Bergkristall an euch verlosen möchte.

Und da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir bis Donnerstag, 16.12.21, 23:59 Uhr zu verraten, in welcher Situation eure Kinder bislang Mut/Vernunft/einen klaren Kopf bewiesen haben.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück und eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

Eure Steffi

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise von  Bohem Press als Rezensions- und Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt.]

[Der Versand des Gewinns erfolgt durch den Verlag. Zu diesem Zweck (und nur dazu) gebe ich die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners an den Verlag weiter.]

Kleine Schneeflocke – #Kinderfreuden zum #Vorleseadvent + Giveaway

„Kleine Schneeflocke“ – Benji Davies, Ebi Naumann

Aladin Verlag, erschienen am 28. September 2021, Preis 15,00 € [D], Gebundene Ausgabe, ab 4 Jahren, 32 Seiten, ISBN: 978-3-8489-0196-8, hier geht’s zum Buch

Es sind zwei Geschichten, die Benji Davies in seinem Bilderbuch „Kleine Schneeflocke“ miteinander verwebt: die einer kleinen widerspenstigen Schneeflocke, die nicht landen will, und die eines kleinen Mädchens namens Noëlle, das sich Schnee herbeisehnt und von einem glitzernden Weihnachtsbaum träumt.

Und während Noëlle auf dem Nachhauseweg mit ihrem Großvater in den Schaufenstern der Stadt die prachtvollsten Weihnachtsbäume bestaunt, muss für sie ein kleiner Tannenzweig als Baum herhalten, den sie auf der Straße aufliest, eintopft, schmückt und auf ihr Fensterbrett stellt.

Wie gut, dass sich seine Spitze als idealer Rastplatz für die fliegende Schneeflocke entpuppt, die dort als glitzernder Schneestern ihrem weiteren Fall entkommt.

Wenn kleine Dinge Großes bewirken können

„In einer Winternacht, hoch oben am Himmel, wurde eine Schneeflocke geboren. Sie tanzte zwischen den Wolken, hüpfte, sprang und wirbelte umher. „Huuiiiiiiiii!“ Sie jubelte und jauchzte. Doch schon bald begann sie hinabzusinken. „Ich will nicht nach unten fallen“, sagte die kleine Schneeflocke.“

Die Bücher von Benji Davies sind seit „Nick und der Wal“ aus unseren Regalreihen nicht mehr wegzudenken. Wir lieben den unverkennbaren Davies-Stil, die liebevollen Geschichten, die er mit seinen Bildern erzählt und die wertvollen Botschaften, die er mit ihnen transportiert. Die Freude war daher groß, als der Illustrator uns letztes Jahr seine winterliche Geschichte „The Snowflake“ geschenkt hat. Ein Bilderbuch, das seitdem im Original bei uns wohnt und nun dank Ebi Naumann auch als poetische deutsche Übersetzung verfügbar ist. Heute möchte ich euch die Geschichte um die „Kleine Schneeflocke“ ans Herz legen. 

Weihnachtsbücher gibt es wie Sand am Meer. Doch oft geht es darin gar nicht mehr um das, was Weihnachten wirklich ausmacht, sondern vielmehr um die Geschenke, die zuhauf unter dem Weihnachtsbaum Platz finden. Natürlich habe ich es als Kind geliebt, Geschenke auszupacken, tue es heute noch. Aber Weihnachten, das ist für mich in erster Linie Zusammenhalt, es ist die gemeinsame Zeit mit den Liebsten, es ist das Glück der kleinen Dinge, der Zauber, der oft schon in einer flackernden Adventskerze, im glitzernden Weihnachtsbaum oder im leise herabrieselnden Schnee zu den Feiertagen verborgen liegt. Die Magie, die in der Luft liegt und sich mit dem Duft von Mandarinen, Zimt und selbstgebackenen Plätzchen paart. Und dann geraten einem manchmal Bilderbuchperlen in die Hände, die einen nicht nur tief in der Seele berühren, sondern auch genau das in sich tragen: das Glück der kleinen Dinge. „Kleine Schneeflocke“ ist so eines…

„Dann, nicht weit weg von zu Hause, lag ein kleiner Zweig am Straßenrand. „Mein eigener kleiner Baum“, sagte Noëlle.“

Für Noëlle ist Weihnachten anders als für andere Familien. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrem Großvater in armen Verhältnissen. Einen Weihnachtsbaum können sie sich nicht leisten. Als Noëlle auf der Straße einen kleinen kümmerlichen Tannenzweig aufklaubt, wächst der Wunsch in ihr, daraus ihren eigenen kleinen Weihnachtsbaum zu machen. Liebevoll topft sie ihn zuhause ein, schmückt ihn und schenkt ihm auf ihrem Fenstersims einen schönen Platz. Doch irgendetwas fehlt ihm noch zu seinem Glück. Gleichzeitig wirbelt eine kleine Schneeflocke vom Himmel, die alles andere als glücklich ist, immer weiter nach unten zu fallen. Doch ihr bleibt nichts anderes übrig und so hält sie Ausschau nach einem ganz besonderen Platz für sich. Und immer dann, wenn sie zum Landen ansetzt, trägt eine Böe sie weiter, bis sie bei Noëlle auf dem Fensterbrett landet.

„Noëlle stellte den Baum nach draußen, wo sie ihn sehen konnte. Sie hoffte, auf seinen kleinen Zweigen würde bald auch noch echter Schnee liegen.“

Es ist selbstgebastelter Schmuck und ein paar Schneeflocken aus Papier, mit denen Noëlle ihren kleinen Tannenzweig und ihr Fenster verschönert. Doch sie wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ihr Zweig bald noch von Schnee bedeckt ist. Und als sie schlafen geht, wird sie das Gefühl nicht los, dass ihrem Baum noch etwas wichtiges fehlt. Es ist wohl ein Wink des Schicksals, das die kleine Schneeflocke über Nacht auf der Spitze des Zweiges Platz findet und von da an als Weihnachtsstern glänzen darf. Sie war für Noëlle bestimmt.

Benji Davies schenkt uns mit „Kleine Schneeflocke“ eine atmosphärische Weihnachtsgeschichte, die nicht nur wunderbar anheimelnde Winter- und Weihnachtsszenerie, sondern auch eine wundervolle Botschaft in sich birgt: dass auch kleine Dinge ganz Großes bewirken können!

Da wir bereits das englische Original besitzen, durfte die kleine Schneeflocke zu meiner kleinen Bilderbuchtesterin Luisa ins heimatliche Franken fliegen.

Blickwinkel aus kleinen Augen

Luisas Urteil:

©instagram.com/marymagmuc

 

Luisa, was gefällt dir am Buch am besten?

Die großen Bilder und Farben – da bekommt man richtig Lust auf Weihnachten. Und das Ende ist richtig schön… (hätte ich euch aber nicht verraten)

Wo würdest du gerne landen, wenn du eine kleine Schneeflocke wärst?

Auf meiner Nasenspitze

 

©instagram.com/marymagmuc

 

Welches ist deine Lieblingsseite im Buch?

Die, auf der Noëlle stolz und verträumt auf ihren kleinen Baum im Fenster blickt. 

Wie schön, genau das ist auch meine Lieblingsseite.

Worauf bekommst du nach dem Lesen so richtig Lust?

Einen Christbaum zu schmücken!

 

 

 

 

Beste Lesezeit:

In der Weihnachtszeit, am Tisch mit Adventskranz und selbstgebackenen Plätzchen.

Schlüpft in die Rolle von:

einer kleinen Christbaumliebhaberin

 

Eine Verlosung im Rahmen des Vorleseadvents

Heute öffnet sich bei mir das elfte Türchen im Rahmen der Aktion #vorleseadvent von Steffie alias @kleinerleser, weshalb ich ein Exemplar von dem bereits vergriffenen Bilderbuch „Kleine Schneeflocke“ an euch verlosen möchte.

Und da ich sowohl  hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, in den Lostopf zu springen.

Für ein Los auf dem Blog würde ich euch bitten, mir heute bis 23:59 Uhr euren allergrößten Herzenswunsch für euer/eure Kind/er in einem Kommentar zu verraten, den ihr ihm/ihnen an Weihnachten mit auf den Weg geben möchtet.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück und eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit!

Eure Steffi

[Werbung: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Thienemann Esslinger als Rezensions- und Verlosungsexemplar zur Verfügung gestellt.]

[Der Versand des Gewinns erfolgt durch den Verlag Thienemann Esslinger. Zu diesem Zweck (und nur dazu) gebe ich die Adresse der Gewinnerin/des Gewinners an den Verlag weiter.]

Im freien Fall in Richtung Abenteuer

„Alice im Wunderland“ – Lewis Carroll & Valeria Docampo

mixtvision Verlag, erschienen am 18. August 2021, Preis 28,00 € [D], Hardcover, ab 9 Jahren, 124 Seiten, ISBN: 978-3-95854-176-4, hier geht’s zum Buch

Ein Kaninchen mit weißen Handschuhen und Taschenuhr in der Westentasche, das ist wahrlich etwas Wundersames, findet Alice. Aber nicht weniger verrückt wie die die Wasserpfeifen schmauchende Raupe, die Grinsekatze, die sich bis auf ihr Grinsen in Luft auflöst,  oder ein Tee schlürfender Hutmacher nebst Schnapphase. An die kleinen Skurrilitäten, die ihr an diesem wundersamen Ort überall begegnen, gewöhnt sich Alice recht schnell. Genau wie an die Tatsache, dass sie wachsen und schrumpfen kann wie eine Ziehharmonika. Denn das bringt durchaus seine Vorteile mit sich. In dem wundervollen Land, in das Alice abtaucht, scheinen der Fantasie keine Grenzen gesteckt zu sein.

„Und selbst wenn mein Kopf hindurchginge“, dachte die arme Alice, „könnte ich mit ihm ohne die Schultern auch nicht viel anfangen. Ach, ich wünschte, ich könnte mich wie ein Fernglas zusammenschieben!“

Zitat, Seite 14

Ob ihr es glaubt oder nicht, bis zu dieser Prachtausgabe von einem Bilderbuch, habe ich noch nie Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ vollständig gelesen. Ich kannte viele Passagen aus der Geschichte und die Verfilmungen, nicht aber das gesamte Werk, das bereits im Jahre 1865 erstmals erschienen ist und längst zum Kult-Klassiker avanciert ist. Während ich lange mit anderen hübschen Ausgaben der Geschichte geliebäugelt habe, fiel mir kürzlich dieser Bilderbuchtraum in die Hände, der mit berauschend schönen Illustrationen von Valeria Docampo daherkommt. Und wer bei mir schon eine Weile liest, der wird sich spätestens jetzt an ein Bilderbuch zurückerinnern, das ebenfalls aus der Feder der begnadeten Illustratorin stammt, unser Herzen im Sturm erobert hat und mit den drei Wörtern „Kirsche, Staub und Stuhl“ auf ewig verbunden ist.

Denn hier fing unsere (Docampo-)Geschichte an…

Die große Wörterfabrik“ entflammte in Emma und mir eine Liebe für die „kleinen“ Kunstwerke aus Farben und Formen, für die Detailverliebtheit, die Ausdruckskraft und den Zauber, die/der von Docampos Illustrationen ausgeht und unwillkürlich eine Kette von Folgelektüren ins Rollen bringt. Ob „Im Garten der Pusteblumen„, „Die Schneiderin des Nebels„, „Der Bär und das Wörterglitzern“ oder die Neuinterpretation von „Der kleine Prinz“ – hier werden noch eine ganze Reihe an Bilderbuchbesprechungen folgen, die wir dem harmonischen Zusammenspiel dieser großartigen Künstlerin mit Texten von Agnès de Lestrade oder Noelia Blanco zu verdanken haben. Da bleibt es nicht fern, das Wort „Nochmal!“ in die Welt zu entlassen, das schon Paul für seine Marie übrig hat. 

„Ülkiger und ülkiger!“, rief Alice (und in ihrer Überraschung entging ihr, dass man das eigentlich gar nicht sagen kann); „jetzt schiebe ich mich auseinander wie das längste Fernrohr, das es jemals gegeben hat! Lebt wohl Füße!“

Zitat, Seite 20

Für welche „Alice im Wunderland“ – Ausgabe man sich letztendlich entscheidet, um in den wohlbekannten Klassiker einzutauchen, ist jedem selbst überlassen. Fest steht, die Geschichte ist es wert, gelesen zu werden. Lewis Carroll brilliert als fantasievoller Erzähler, sowohl bei der Erschaffung von Szenerien, Wörtern als auch Figuren schöpft er aus dem Vollen. Der unikatäre Wert seiner Erfindungen (oder sollen wir sie besser „Hirngespinste“ nennen?) mag uns in der heutigen Zeit nicht mehr ganz so außergewöhnlich erscheinen, aber gab es jemals zuvor eine Grinsekatze, die sich bis auf ihr Grinsen in Luft auflöst, einen Hasen, der mit weißen Handschuhen und Taschenuhr in der Westentasche durch die Gegend rennt, einen Hutmacher, der vor Verrücktheit förmlich überschnappt, eine Wasserpfeifen rauchende Raupe oder eine Suppenschildkröte? Lewis Carrolls Fantasie schienen keine Grenzen gesetzt. Er fabuliert was das Zeug hält, lässt die kleine Alice selbst nicht minder häufig an sich und ihren Worten zweifeln. Darüber hinaus bringt die fiktive Welt, in der die Geschichte angesiedelt ist, so viele logische Komponenten und Parallelen zu unserer Welt mit sich, dass die Erzählung nicht nur bei jüngeren, sondern auch bei älteren Leser*innen großen Anklang findet.

„Ich möchte nur wissen, was eigentlich mit mir passiert ist! Früher beim Märchenlesen dachte ich mir immer, solche Dinge könnten ja doch nicht geschehen, und jetzt bin ich selbst mitten in ein Märchen geraten!“

Zitat, Seite 41

Allein von Carrolls Zeilen geht ein ungeheurer Sog aus, dem zauberhaften Zusammenspiel mit Docampos Illustrationen kann man sich aber wahrlich nicht entziehen. Ehe man sich versieht, ist man genau so schnell wie Alice im Kaninchenbau, hinter dem Deckel des Buches verschwunden, im freien Fall in Richtung Abenteuer. Und es ist eine wahre Wohltat in die großformatige Neuauflage aus dem Hause mixtvision einzutauchen. Docampos farblich dominierende Illustrationen im pink-türkisen Gewand verleihen dem wohlbekannten Klassiker einen modernen Farbtupfer, durch den er sich zum berauschenden Farbbad entfaltet, in dem man es sich so gemütlich macht, dass man erst völlig verschrumpelt wieder daraus hervortaucht. Und so offenbart sich diese Ausgabe als erquickende Lektüre für Körper und Geist und verleiht nicht nur dristen (Herbst)tagen die nötige Farbe, sondern auch dem Bücherregal einen gewissen Glanz. 

„Ihr seid ja nichts weiter als ein Kartenspiel“ […] Halb zornig, halb erschreckt, stieß Alice einen kleinen Schrei aus und schlug nach ihnen, um sie zu verjagen – und auf einmal war sie wieder am Bachufer und lag mit dem Kopf ihrer Schwester im Schoß.“

Zitat, Seite 122

Diese hübsche Schmuckausgabe sei allen großen und kleinen Alice-Fans ans Herz gelegt, an die Geburtstags- und Weihnachtsgeschenksucher*innen, an die Liebhaber*innen des geschriebenen Wortes und all jenen, die sich gerne von Farben und Formen berauschen lassen. Dieses Bilderbuch wird euch garantiert beflügeln!  

Dieses Bilderbuch wurde von mir auch im Rahmen der Kinderbuch-Kolumne auf buchszene.de ans Herz gelegt:

https://buchszene.de/kinderbuch-empfehlungen-oktober-2021/