Die Welt hinter einer Scheibe

„Himmel ohne Ende“ – Julia Engelmann

Diogenes Verlag, erschienen am 23. Juli 2025, Preis 25 € [D], Gebundenes Buch, 336 Seiten, ISBN: 978-3-257-07323-2, hier geht’s zum Buch

„Ich streckte die Hand aus, fast so, als würde ich den vorbeiziehenden, grauweißen Kuppelhimmel berühren können, und fragte mich zum hundertsten Mal, ob es vielleicht gar nicht der Himmel war, der an mir vorbeizog, sondern in Wahrheit ich an ihm vorbeizog, an einem Himmel, der schon immer da gewesen war und für immer bleiben würde, einem ewigen Himmel, der von mir gar nichts wusste.“

Zitat, Seite 53

Charlie ist anders als die anderen Fünfzehnjährigen. Immer sind es die falschen Gedanken, die in ihrem Kopf herumschwirren, immer die falschen Worte, die aus ihrem Mund herauspurzeln. Sie fühlt sich wie hinter einer Glasscheibe, durch die sie zwar alles sehen kann, die sie aber auch von allem trennt. Als wäre sie nicht Teil dieser Welt. Sie schämt sich für das, was sie ist, für ihr fehlendes Talent, sich anzupassen, einfach nur normal zu sein oder dazuzugehören. Am liebsten wäre sie gerne jemand anderes. Ohne bescheuerte Gedanken im Kopf. Ohne komisches Gefühl im Bauch.

Als sich ihre beste Freundin von ihr abwendet, ihr Meerschweinchen stirbt und ihre Mama ihr einen neuen Mann vorstellt, wünscht sie sich einmal mehr sie wäre woanders. Doch dann lernt sie Pommes kennen, der eigentlich Kornelius heißt und der genauso verrückte Ideen und Gedanken zu haben scheint wie sie. Bei ihm kann sie sie selbst sein, ihren wirren Gedanken freien Lauf lassen. Und so kurbelt Pommes langsam aber sicher die Scheibe herunter, die Charlie von der Welt abschottet und der Himmel kommt zum Greifen nah.

„Vielleicht braucht man manchmal gar nicht die richtigen Worte, sondern bloß die richtige Stille. Und vielleicht war es auch nie zu spät, zu sagen, was man sagen wollte. Vielleicht war die Zeit auch nur ein großer Park, der sich in alle Himmelsrichtungen ausdehnte und auf dessen Wegen man entlangspazieren konnte, genau dahin, wo einem die Worte gefehlt hatten. Und dann wieder zurück.“

Zitat, Seite 183

Julia Engelmanns leiser, wunderbar poetischer Coming-of-Age-Roman hat mich mitten ins Herz getroffen.

Mit Charlie ist Engelmann eine Figur gelungen, in der ich mich sofort wiedergefunden habe. Ein Teenager, der sich nicht zugehörig fühlt, der verzweifelt versucht, dazuzugehören, er selbst oder zumindest jemand zu sein und der bei seinen Versuchen immer wieder kläglich scheitert. Sich ständig unverstanden fühlt. Es immer verbockt.

Durch ihre Zeilen, die aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, schlüpfen wir in die Rolle von Charlie, nehmen uns dieser unverstandenen Fünfzehnjährigen an, die so viele Gedanken und Gefühle umtreibt. Es sind wirre und laute Gedanken, die pausenlos auf Charlie einprasseln, seitdem ihr Vater gegangen ist, von da an fester Bestandteil ihres Lebens sind, mit jedem Tag mehr werden und sie sich tausend Fragen stellen lässt, auf die sie einfach keine Antworten findet.

„Er hatte ein Loch hinterlassen. Ein Loch in der Form meines Vaters, und ich, ich hatte durch das Loch in den Abgrund geschaut, während in mir die Liebe überlief, die jetzt nirgends mehr hinkonnte. Ich war zu jung, um zu wissen, wie das beides ging: Am Abgrund stehen, ohne hineinzufallen. Die Liebe behalten, ohne darin zu ertrinken.“

Zitat, Seite 21/22

In Rückblicken erfährt man von der Liebe und Verbundenheit zwischen Charlie und ihrem Vater. Von der Lücke und dem fehlenden Halt, der nach seinem Weggang enstanden ist. Von der wachsenden Einheit, zu der Charlie und ihre Mutter geworden sind und von der Angst und der Ablehnung, die in Charlie heranwächst, als da plötzlich ein anderer Mann neben ihrer Mutter steht. Einer, der Charlie ihre Mutter wegnehmen könnte. Den Charlie nur den Italiener nennt, weil sie ihn nicht mag und todlangweilig findet, den sie auf Abstand halten will, bei dem sie aber auch irgendwann erkennt, dass er es nur gut meint, er ihre Mutter wieder glücklich machen kann. Vielleicht sogar auch sie.

Und dann stellt Engelmann Charlie Pommes an die Seite. Diesen großen, blonden Jungen mit dem hellen Grinsen und dem klaren Blick. Ein scheinbar unbekümmerter Zeitgenosse, der immer seinen Weg weiß und der durch alles Rauschen und alle Schichten bis zu Charlies Kern sehen kann. Der sie wirklich sieht, aus ihrer Reserve lockt und damit die Scheibe herunterkurbelt, die Charlie von der Welt trennt, damit aber auch den Blick auf sich selbst freigibt: auf jemanden, der nicht ansatzweise so unbekümmert ist, wie Charlie anfangs denkt.

Mit der Glasscheibe hat Engelmann eine wunderbare Metapher gefunden, um zu beschreiben, welchen Platz im Leben sich Charlie zuschreibt, wie getrübt ihr Blick auf die Welt und allen voran sich selbst ist und wie verzerrt sie deshalb auch von anderen wahrgenommen wird. Weil sie sich ihnen nicht öffnen kann. Doch Pommes klart ihren Blick auf, hilft ihr zu wachsen und ihre Ängste hinter sich zu lassen. Und ganz plötzlich passieren die Dinge nicht nur noch vor ihr, sondern auch in ihr. Charlie lernt, das Leben anzunehmen und dabei auch sich selbst anzunehmen.

„Ich dachte an die Prise Ich. Vielleicht war jeder ein bisschen von allem. Ein bisschen ängstlich. Ein bisschen mutig. Ein bisschen Abenteurer. Ein bisschen Feigling. Ein bisschen still. Ein bisschen laut. Ein bisschen komisch. Ein bisschen normal. Sogar Pommes.“

Zitat, Seite 19

„Himmel ohne Ende“ ist eine stille und doch so laute Geschichte, die von Gefühlen und Gedanken getragen wird, die uns beflügeln und uns dem Himmel entgegenstrecken lassen. Und genau deshalb ist sie sicher auch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2026 nominiert. Weil Julia Engelmann in Worte zu fassen vermag, was uns alle umtreibt. Weil sie Dinge in die Freiheit entlässt, die oftmals im Verborgenen bleiben. Meine Daumen sind gedrückt. Das Werk wurde ganz unverhofft zu einem Jahreshighlight für mich. Ein Jahr später als geplant, aber wie sagt man so schön? Lieber spät, als nie.

GlockenbachWelle – Die Welle mit dem HasenFroschVerlag

Die 35. Welle mit Stefan Rasch & Anja Abicht

Herzlich willkommen bei der 35. Ausgabe der GlockenbachWelle

Wir sind zurück aus unserer Winterpause. Der Frühling steht vor der Tür und mit ihr so manch hasiger Zeitgenosse, der uns zum fröhlichen Eiersuchen einlädt. Was aber, wenn sich der Osterhase dieses Jahr zu einem seiner Kumpanen in ein kleines Gasthaus in einer einsamen Bucht verzogen hat und nur darauf wartet, dass ihr ihn dort besucht!? Denn dort, am Ende der Welt, wartet eine fantastische Reise auf euch, in denen es von magischen Kreaturen nur so wimmelt.

Es ist der HasenFroschVerlag, der uns Zugang zu diesem fantastischen Abenteuer verschafft und deshalb haben wir in dieser Folge die Macher dieses ganz und gar ausgefallenen Abenteuerromans namens „Hase Hollywood und das Geheimnis des Drachenlandes“ bei uns zu Gast.

Die Welle mit dem HasenFroschVerlag

Eine Buchhändlerin, eine Illustratorin, ein Autor und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Die Runde: von links Autor Stefan Rasch, Illustratorin Anja Abicht, meine Wenigkeit und Pamela Scholz, die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung

Worum geht es in dieser Folge?

In dieser Folge schauen wir nicht nur hinter die Kulissen eines ganz besonderen Familienprojekts, sondern gehen auch mit einer mutigen Truppe auf Abenteuerreise und schauen dabei einmal genau durchs Fernrohr, welche Piraten und Piratinnen hinter diesem Schatz von einem Buch stecken.

Das Buch

„Hase Hollywood und das Geheimnis des Drachlandes“- Simon & Stefan Rasch, Anja Abicht

Hasenfrosch Verlag erschienen am 13. November 2026, Preis 28,70 € [D], Hardcover, 208 Seiten, ISBN: 978-3950567809, hier geht’s zum Buch

Hase Hollywood ist schüchtern, manch einer bezeichnet ihn auch als Angsthasen. Er betreibt mit seinen Freunden ein kleines Gasthaus in einer einsamen Bucht am Ende der Welt und aus dieser ist er bis dato auch noch nie herausgekommen.

Während das Gasthaus zu Lebzeiten seines Urgroßvaters Kapitän Möhrchen noch das „Gasthaus zum fröhlichen Oktopus“ hieß, ist es heute unter Seefahrern als „Gasthaus zum fröhlichen Pups“ bekannt. Seeleute aus aller Welt suchen diesen Ort auf, um sich von den Strapazen ihrer Reisen zu erholen, so auch der gefürchtete Piratenkapitän Käpt’n Grünzahn, der im Eifer des Gefechts seinen Seesack unter dem Tisch vergisst. Darin befindet sich nicht nur ein geheimnisvoller rosa Glitzerball und ein Ei mit drachhornigem Inhalt, sondern auch eine alte Landkarte, die sich in einem Fernrohr versteckt. Auf ihr zu sehen: die Region der Unbekannten Lande, die sich jenseits der Schwarzen Berge erstreckt.

Und mit dem Fund dieser Karte beginnt für Hollywood ein fantastisches Abenteuer, das ihn aus der Bucht am Ende der Welt herauslockt und über sich selbst hinauswachsen lässt. Es ist eine Reise voller magischer Kreaturen: Drachen, Hexen, einem Lokomotiven-Dampfschiff-Rennauto und sogar einem halben Einhorn.

Was die Welle zu euch spült

  • wie ein Familienprojekt zum Buch wird
  • wenn der Sohn zum schärfsten Kritiker wird
  • eine Verlagsgründung mit nachhaltigem Ansatz
  • wie Stofftiere Stand Up – Theaterstücke Handlungselemente formen
  • ausgefallene Fahrzeuge und magische Kreaturen
  • warum Geschichten nicht immer Konflikte und pädagogische Messages in sich tragen müssen
  • wie das Hörspiel zum Buch entstanden ist und welcher Cast dafür gewonnen werden konnten
  • auf welches Begleitmaterial ihr euch noch freuen könnt
  • inspirierende Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen

Empfehlungen von Pam

„Herr Rumpelpumpel fliegt weg“ – Jakob Martin Strid

Die „Lichterland“ – Reihe von Carolin Jelden und Laura Bednarski

Die „Snöfrid aus dem Wiesental“ – Reihe von Andreas H. Schmachtl

Empfehlungen von Anja & Stefan

„Die unglaubliche Geschichte von der Riesenbirne“ – Jakob Martin Strid

„Der große böse Fuchs“ – Benjamin Renner

„Bruchlinien“ – Gernot Rainer (erscheint am 13. Mai 2026)

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

Die Scham muss die Seite wechseln

„Eine Hymne an das Leben“ – Gisèle Pelicot

Piper Verlag, erschienen am 17. Februar 2026, Preis 25 € [D], Gebundenes Buch, 256 Seiten, ISBN: 978-3492074353, hier geht’s zum Buch

Als Gisèle Pelicot 2020 ihren damaligen Mann Dominique ins Polizeirevier begleitet, weil er im Supermarkt drei Frauen nachgestellt hat, ahnt sie nicht, dass sich ihr Leben für immer verändern wird. Denn der Kommissar konfrontiert sie mit Fotos, die aus ihrem Mann ein Monster und aus ihr ein Opfer machen. Es sind Fotos die zeigen, dass Dominique, den Pelicot bis dato für einen guten Mann und fürsorglichen Vater gehalten hat, sie über zehn Jahre betäubt und im bewusstlosen Zustand von anderen Männern vergewaltigen ließ. Auch er hat sich an ihr in diesem Zustand vergangen, seine sexuellen Fantasien ausgelebt, die sie ihm wach und bei klarem Verstand verwehrte. Pelicot hat sich in der in Strapsen begleiteten und sichtlich abwesenden Frau, die einer leblosen Stoffpuppe glich, nicht wiedererkannt.

„Auf einmal war dieses Haus nicht mehr mein Haus. Es war voller Grauzonen, Verstecke, verborgene Winkel und Gift. Und wo steckten eigentlich diese aufreizenden Dessous der Frau im Tiefschlaf?“

Zitat, Seite 28

Auf Dominiques Computer findet die Polizei etliche Videos und Fotos, durch die er die etwa 200 Vergewaltigungen akribisch dokumentiert hat. Sie offenbaren nicht nur ihn, sondern auch um die 80 Männer als Peiniger aus allen sozialen Schichten.

Auch seine Tochter Caroline Darian ist überzeugt davon, dass ihr Vater sie genau wie die Mutter betäubt und missbraucht hat. Denn auf vorliegenden Foto- und Videoaufnahmen ist auch sie nackt, scheinbar schlafend zu sehen. Er bestreitet jedoch bis heute, seine Tochter sexuell missbraucht zu haben. Sie hat ihre Erfahrungen ebenfalls in einem Buch festgehalten. Es erschien im Januar unter dem Titel „Und ich werde dich nie wieder Papa nennen“ bei Kiepenheuer & Witsch.

Die sexuelle Gewalt und der unbemerkte Medikamentenkonsum führten bei Pelicot zu schweren gesundheitlichen Problemen. Jahrelang leidet sie unter unerklärlichen Gedächtnislücken und gynäkologischen Problemen. Obwohl sie wegen ihrer Aussetzer und Schmerzen im Unterleib jahrelang Arztpraxen aufsuchte, kam nie der Verdacht auf, dass ihre Beschwerden Folgen eines Medikamenteneinflusses waren, weshalb nie toxikologische Analysen durchgeführt wurden. Später diagnostizieren Rechtsmediziner sogar vier Geschlechtskrankheiten bei Pelicot.

2024 klagt Pelicot ihren damaligen Mann Dominique an und lässt sich zum Prozessbeginn von ihm scheiden. Sie verzichtet auf das Recht der Anonymität, macht den Prozess und damit auch die 20.000 Foto- und Videoaufnahmen von ihr öffentlich, durch die nicht nur ihr Ex-Mann, sondern auch 50 der bis zu 80 Täter als Vergewaltiger ermittelt werden können.

Mit diesem mutigen Schritt geht Pelicot in die Geschichte ein und wird über die Grenzen Frankreichs hinaus zu einer Symbolfigur im Kampf um sexuelle Gewalt. Bei ihrem Prozess und auch in ihrem Werk greift sie einen Satz aus der #MeToo-Bewegung auf, der ursprünglich von der Rechtsanwältin Gisèle Halimi stammt: „Die Scham muss die Seiten wechseln“. In einem Interview mit Maischberger verrät Pelicot jedoch, dass sie nicht als Ikone, sondern eher als Aufrüttlerin angesehen werden möchte, eine, die erzählt, was passiert ist und damit das Bewusstsein der Menschen weckt.

„Mir ist bewusst, meine Geschichte ist dafür der beste Beweis, dass es überall um uns herum eine hohe Anzahl von potenziellen Vergewaltigern gibt, und das kann leicht einen Ekel vor Männern allgemein auslösen, aber nicht bei mir. In den Augen der Öffentlichkeit war ich das Opfer übelster Gewalt. Hätte ich mich an den Missbrauch erinnert, hätte ich mich selbst auf diese Zuschreibung reduziert und es  womöglich nicht überlebt.“

Zitat 188

Das Gericht verhängt Domique Pelicot die Höchststrafe und verurteilt ihn zu 20 Jahren Haft. Die weiteren 50 mitangeklagten Männer werden zu Haftstrafen zwischen drei und 15 Jahren verurteilt, auch wenn sich keiner von ihnen wirklich zu einer Vergewaltigung bekennt, ihren Missbrauch an Pelicot herunterspielen, mitunter sogar behaupten, Pelicot wäre bei vollem Bewusststein gewesen oder hätte gar ihre Zustimmung zum Geschlechtsverkehr gegeben. Viele berufen sich auch auf die Erlaubnis, die ihnen Dominique Pelicot erteilt hat.

Auf die Memoiren von Gisèle Pelicot bin ich erst auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse aufmerksam geworden. Um genau zu sein war es sogar ein Gespräch mit Silvia von @feiste.bücher.podcast, das mich meinen Fokus noch einmal genauer auf das kürzlich bei Piper erschienene Werk richten ließ. Denn als sich Collien Fernandes vergangenen Donnerstag als Opfer virtueller Vergewaltigung durch ihren Mann Christian Ulmen zu erkennen gegeben hat, ging ein Erschüttern durch die Reihen. Die Gespräche um Missbrauch und sexualisierte Grenzüberschreitungen sind seitdem allgegenwärtig. Das Thema ist noch lauter, noch präsenter geworden. Viele Menschen, allen voran Frauen, haben dazu mittlerweile Stellung bezogen. Auch ich bin zutiefst erschüttert und scheine plötzlich offener für diese Art Lektüre zu sein, die ich bis dato weitestgehend umgangen habe, weil ich mich der Brutalität nicht gewachsen sah.

Durch Pelicots Zeilen wurde für mich nicht nur die erschreckende Allgegenwärtigkeit sexueller Gewalt, sondern auch der Riss sichtbar, der sich bei einer solchen Tragödie durch eine Familie zieht. Ich spürte beim Lesen, wie dieser Vorfall die Familie in ihren Grundfesten erschütterte und wie alle Familienmitglieder auf ihre ganz eigene Weise ihren Schock und Schmerz verarbeiten mussten. Während die Mutter versucht, an den gemeinsamen Momenten mit Dominique festzuhalten, sind es die Kinder, die von einem Augenblick auf den nächsten in ihrem Vater, von dem sie immer Liebe und Wärme erfahren hatten, nur noch ein Monster sehen. Es hat mir schier das Herz zerrissen, wie sich Pelicot und ihre Kinder voneinander distanzierten, wie sie einander plötzlich nicht mehr verstanden, sich nicht in der Lage sahen, sich einander zu unterstützen. Es war ein ständiges Auseinandertriften und sich wieder Annähern, ein fragiles Konstrukt, das vielen äußeren Einflüssen unterlag.

Doch Pelicot berichtet in ihrer Biografie nicht nur von der körperlichen und familiären Zerstörung, die durch diesen schrecklichen Missbrauch entstanden ist, sondern schenkt uns auch Rückblicke in ihre Vergangenheit. So erzählt sie auch von ihren Eltern, mit denen sie eine innige Liebe verband, dem traurigen Schicksal ihrer Mutter, die an einem Gehirnturmor gestorben ist, als Pelicot neun war und ihrem Vater, den sie nach deren Tod erst an eine neue gefühlskalte Frau und später an Magenkrebs verloren hat. Auch von Dominiques schwerer und liebloser Kindheit erzählt sie, von dem Schrecken, der seinem Elternhaus innewohnte und von seinem gewalttätigen Vater ausging.

Sie erzählt aber auch von ihrer ersten Begegnung mit Dominique, stellt diesen schüchternen behutsamen Mann, den sie damals kennengelernt hat, dem späteren Monster gegenüber. Sie fragt sich, wo sie mit ihren Erinnerungen hinsoll. Die, an ihre gemeinsame Zeit, Dominiques Gesten voller Zuneigung und Liebe, die er mit seinen Taten besudelt und zerstört hat.

„Die Liebe hat mich nie verlassen. Sie ist nicht gestorben. Ich bin nicht gestorben. Ich bin immer noch in der Lage, anderen zu vertrauen. Das war einst meine große Schwäche, heute ist es meine Stärke. Letztendlich mein Sieg.“

Zitat, Seite 188

Pelicot legt berufliche und finanzielle Notlagen offen, Umzüge und Neuorientierungen, Seitensprünge und kurzzeitige Partnerwechsel, aber auch das wieder aufeinander Zugehen. Alles unter dem Dach des naiven Glaubens, Dominique und sie hätten einander gerettet und gemeinsam alle Hürden des Lebens gemeistert, die Dämonen ihrer Vergangenheit hinter sich gelassen.

Ich finde es unglaublich bewundernswert, wieviel Stärke und Mut Pelicot auf ihrem Weg bewiesen, wie sie trotz allen Übels überlebt, peu a peu wieder an Autonomie und Selbstbewusstsein gewonnen hat. Wie sie weiterhin offen für die Liebe bleiben, sich sogar auf einen neuen Mann einlassen konnte. Wie sie die Lebensfreude ihrer Mutter, die, wie sie selbst in einem Interview sagt, Teil ihrer DNA ist, nie komplett verloren hat und sich selbst erlaubt, glücklich zu sein.

In ihrem kräftezehrenden Prozess, der sie 69 Tage ihren Peinigern im Gerichtssaal begegnen lässt, erlaubt sie sich nicht, zu weinen. Sie wurde dadurch als würdevoll und stark empfunden. Und so hat Pelicot ihre Opferrolle abgestriffen und als emanzipierte Frau den Gerichtssaal verlassen lassen.  

„Diese Geschichte gehört nicht mehr nur mir allein. Sie hat einen tiefen, stummen Schmerz hörbar gemacht, der so alt ist, wie die Welt. Sie hat ein gewaltiges Beben verursacht.“

Zitat, Seite 243

15 Jahre „Nur Lesen ist schöner“ – Ein Rückblick mit einer Herzensbuchempfehlung

Dieser Blog ist nicht nur still und heimlich ins neue Jahr gerutscht, sondern hat am vergangenen Wochenende auch ohne Tamtam seinen 15. Geburtstag gefeiert. Heimlich deshalb, weil ich weder die Kraft noch die Zeit gefunden habe, um einen Beitrag zu verfassen. Weil mal wieder das Leben dazwischenkam und mir trotz der 15 nicht nach feiern zumute war, ich sogar kurz in Erwägung gezogen habe, einfach nicht weiterzumachen. Den klassischen Blog aufzugeben und nur noch am Instagram – Kanal @lesenslust festzuhalten. Doch dann habe ich ein Buch in die Hände genommen, dass mich eine Reise antreten ließ: zu unseren Anfängen, zu meinen Anfängen und mich daran erinnern ließ, was dieser Blog mir alles ermöglicht hat. Dass er unweigerlich ein Teil von mir geworden ist, es irgendwie schon immer war und er genau deshalb bleiben muss.

Eine Reise zurück zu meinen Anfängen

„Hier fängt die Geschichte an.“

Zitat aus „Die Stadt der träumenden Bücher“ – Walter Moers

Während Heike Faller und Valerio Vidali in ihrem neuesten Bilderbuch „Wir alle“ (dazu weiter unten mehr) eine Reise zu den Anfängen der Menschheit machen, ist mir ihr gemeinsames Werk wie eine Einladung begegnet, um zu meinen eigenen Anfängen zurückzureisen oder besser gesagt zu den Anfängen von „Nur Lesen ist schöner“. Zu der Leserin die ich damals war und die ich heute bin. Zu den Büchern von damals und heute. Zu den Lesevorlieben, die sich über die Jahre verändert haben und zu den für mich bedeutendsten Stationen dieser letzten 15 Blogjahre.

Es war eine von wilden Geistesblitzen durchjagte Nacht, in der ich einem persönlichem Impuls folgend diesen Blog ins Leben gerufen und am 24. Januar 2011 mit einer ersten Besprechung gefüttert habe. Meine ersten zaghaften Zeilen waren einem Buch gewidmet, das mich heute noch genauso begeistert wie damals. Die Lektüre von Walter Moers‘ Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ hat mich damals so geflasht, dass ich plötzlich das Bedürfnis verspürte, meine Gedanken mit anderen Buchliebhaber*innen zu teilen.

Und so nahm nicht nur die Zamonienliebe, sondern auch die Geschichte dieses Bücherblogs ihren Anfang.

Blogs waren damals noch Medien, die uns in erster Linie wie öffentliche Tagebücher begegneten. Die Menschen entließen dort in den meisten Fällen ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse in die Welt. Es waren Gedanken über ihr Leben, ihre Lieben und all das, was ihnen im Alltag so begegnete. Mir selbst schwebte jedoch nicht der Sinn an der Offenlegung meines Privatlebens, sondern vielmehr daran, meine Gedanken über gelesene Bücher an einem Ort abzulegen, auf den man ortsunabhängig Zugang hat. In erster Linie sollte er mir und meiner Patentante, die damals noch als Buchhändlerin aktiv war, als virtuelle Gedankenbibliothek dienen; die Gedanken vereinen, die ich schon länger in diverse Verbraucherplattformen fließen ließ und händisch in einem Lesetagebuch festgehalten hatte.

Dass die Gedanken, die ich dort fortan festhielt, nicht nur von meiner Patin und mir, sondern auch von mir völlig unbekannten Leser*innen gelesen werden, schien mir damals völlig abwegig. Nie hätte ich vermutet, dass sich jemals jemand hierher verirrt und liest, was ich so schreibe, schon gar nicht auf die Idee kommt, meine Zeilen zu kommentieren oder sich in einen Austausch über das Gelesene zu begeben. Doch zu meiner Verwunderung ließ es nicht lange auf sich warten, bis Menschen ihre Fußspuren auf dem Blog hinterließen. Denn schon einen Monat später wurde meine Besprechung zu „Die Bienenhüterin“ von Sue Monk Kidd kommentiert. Schnell zeichnete sich für mich ab, dass man durch das Lesen und Kommentieren auf anderen Bücherblogs Leser*innen zu sich lockte. Langsam aber stetig wuchs ein Netzwerk an Buchblogger*innen heran, die damals noch kein Verlag wirklich ernst nahm.

Während ich früher noch Unmengen an Liebes- und Chick- Lit – Romanen gelesen habe (bevorzugt von Susan Elisabeth Phillips, wie sich hier und hier zeigt), sind diese Romane über die Jahre immer weniger geworden. Ich war wohl irgendwann übersättigt davon. Wahrscheinlich war es ihre Vorhersehbarkeit und Seichtigkeit, durch die sie für mich an Reiz verloren (#sorrynotsorry), vielleicht sehnte ich mit zunehmendem Alter aber auch einfach nach Tiefe; nach Geschichten, wie sie das Leben schreibt, wie sie in vielschichtigen Generationsromanen und Gegenwartsliteratur zu finden sind. Und so haben sich die Bücher an mein wachsendes Ich angepasst. Beste Beispiele dafür sind die Lektüren von „Wir sind die Könige von Colorado“ oder „Der Duft des Sommers“ von Joyce Maynard.

Was genau das Schöne ist: Dass es für jede Gemütslage und Phase deines Lebens ein Buch gibt. Dass Bücher mitwachsen, meist auf ein Lesealter zugeschnitten sind und dir doch manchmal auf ganz unterschiedliche Weise begegnen, je nachdem wo du selbst gerade im Leben stehst.

Im Juli 2011 bin ich auf ein Literaturprojekt von Melanie Voß und Philippe Wyssen, den „Eltern“ des damaligen Blog mit Speck namens „Fünf Bücher“ gestoßen. Hier konnte ich fünf Bücher in die Welt entlassen, die mir so viel bedeuteten, dass ich sie niemals hergeben würde. Und was soll ich sagen, alle fünf wohnen noch heute in meinen Regalreihen. Zwei davon habe ich bereits erwähnt, die restlichen 3 werden noch folgen. Neugierig, welche das waren? Dann schau doch mal hier.

2015 bin ich einer Einladung gefolgt, die den Titel „Mein Schaufenster ist der Spiegel deines Lesens“ trug. Es war eine von vielen Initiativen, die für die vielfältigen Möglichkeiten einer Zusammenarbeit von Blogger*innen und dem lokalen Buchhandel steht. Es war die Buchhandlung Calliebe, die erkannt hat, wie ertragsreich die Zusammenarbeit mit Bücher- bzw. Literaturblogger*innen sein kann. Den initialen Funken für diese Aktion hat damals Arndt Stroscher von der kleinen literarischen Sternwarte „AstroLibrium“ gezündet. Auch der Spiegel meines Lesens war in einem Schaufenster zu sehen. Und einige der Bücher, die ich damals empfohlen habe, zählen noch heute zu meinen Lieblingen, wie z.B. „The five people you meet in heaven“ von Mitch Albom (das mir erstmals im Studium begegnete), „Zwitschernde Fische“ von Andreas Séché (welches meine erste von einem Autor begleitete Leserunde bei lovelybooks.de war) oder „Das Lavendelzimmer“ von Nina George. Von 2016-2018 habe ich jedes Jahr einen Büchertisch in der Buchhandlung „Möller Buch & Papier“ zusammengestellt und 2019 haben meine Zeilen zu Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“ als Teil der Buchkampagne „20 Bücher die bleiben“ die Exemplare aller Hugendubel Filialen Deutschlands mit einem Umschlagsbanner umschlossen. Das war für mich kleine Bücherbloggerin schon ein echtes Highlight!

lesenslust „Ronja Räubertochter“ begleitet mich bereits über zwei Jahrzehnte und steht insgesamt vier Mal in meinem Bücherregal. Es sind Ronjas herrlich verwegenes Naturell, ihr Mut, sowie ihr Einsatz für Gerechtigkeit, die sie zu einer Romanfigur machen, die ich auf ewig ins Herz geschlossen habe. Lindgrens Zeilen haben meinen Charakter geprägt, mich stark und mutig werden und in mir eine tiefe Verbundenheit zur Natur heranwachsen lassen.

Zitat auf dem Umschlagsbanner von #bücherdiebleiben

2016 bin ich einem Aufruf von Sandro Abbate, Betreiber des Literaturblogs „Novelero“, gefolgt und habe niedergeschrieben, Warum ich lese. Diese Zeilen, die damals recht überschaubar ausfielen, aber heute noch zum Ausdruck bringen, was mir das Lesen bedeutet, haben mir viele Türen geöffnet. Sie haben mich nicht nur Teil einer gleichnamigen Anthologie im Homunculus Verlag werden und das Plakat einer Kampagne zur individuellen Bedeutung des Lesens von Stiftung Lesen zieren lassen, sondern mich auch mit vielen anderen Buchblogger*innen vernetzt, denen ich mitunter noch heute digital oder auf Buchmessen bzw. Events begegne. Das Plakat ist seit 10 Jahren auf der Startseite meines Blogs eingebettet, hang damals am Homunculus Stand auf der Leipziger Buchmesse und hängt noch heute eingerahmt in unserem Wohnzimmer. Ich denke, das spricht für sich.

2017 bin ich Mutter einer Räubertochter geworden und musste die Anzahl der Buchlektüren und daraus resultierenden Rezensionen drastisch herunterfahren. Das Level, auf dem ich jahrelang unterwegs war, war nicht mehr stemmbar für mich. Ich habe anfangs kaum Zeit gefunden, mich überhaupt auf Bücher einzulassen. Mit der Rolle als Mutter hat sich mein Fokus auf Kinderbücher, den ich bereits mit meinen Patenkindern gelegt hatte, verstärkt, mich mittendrin sein lassen, wenn ein neuer Bilderbuchschatz das Kinderzimmer erobert hat. Noch heute bespreche ich mithilfe von kleinen Leser*innen Kinderbücher, die hier früher rege die Kategorie „Kinderfreuden“ bespielten und Bücher stets aus großen und kleinen Augen vorstellten. Aus Mangel an Zeit- und Kraftreserven haben diese Besprechungen sich in den letzten Jahren etwas auf Instagram verschoben, aber ich möchte hier künftig wieder mehr Kinderbuchempfehlungen veröffentlichen. Im April 2020 habe ich mit der Bloggerin ronja.waldgaenger (die heute nicht mehr aktiv ist) auf Instagram den Hashtag #ausliebezumpappbuch ins Leben gerufen, um den Pappbüchern mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Bedeutung dieser ersten Bücher aufzuzeigen. Der Hashtag vereint mittlerweile Pappbuchempfehlungen zahlreicher Leser*innen. In den letzten 5,5 Jahren ist hier eine bunte und facettenreiche Sammlung herangewachsen.

2019 und 2021 durfte ich als offizielle Buchpreisblogger*in den Bayerischen Buchpreis begleiten, der jedes Jahr im Rahmen eines einzigartigen Live-Formats in der Allerheiligen-Hofkirche in München verliehen wird. Seitdem habe ich das Privileg, dem Abend persönlich beizuwohnen und mich mit vielen Größen der Buchbranche auszutauschen.

Seit 2021 bin ich Teil der #GlockenbachWelle, einem Podcast bzw. Interview-Format mit der Glockenbachbuchhandlung auf Literatur Radio Hörbahn. Es ist eine Symbiose aus Buchhandlung, Literaturblog und Radio und dieses Projekt hat mich nicht nur aus der Reserve und einem tiefen Loch gelockt, in das ich als Alleinerziehende gefallen bin, sondern 2022 auch einmalig als Ausstellerin auf die Frankfurter Buchmesse gebracht und über die letzten 5 Jahre mit so vielen beeindruckenden Menschen aus der Literaturszene zusammengebracht, dass ich eines weiß: Literatur lebt von Menschen und Begegnungen, weshalb ich den Einsatz generativer KI in der Kreativbranche gänzlich ablehne, weil sie aktuell noch viele ethische Probleme mit sich bringt und die Arbeit und das Herzblut von vielen Kunstschaffenden mit den Füßen tritt. 2024 war ich deshalb auch Teil der Flashmob-Aktion #BuchbrauchtMensch auf Instagram, die von Bloggerin Eliane Fischer von Mint & Malve ins Leben gerufen wurde.

Du hast es bis hierhin geschafft? Herzlichen Glückwunsch, nun habe ich noch eine Bilderbuchempfehlung für dich.

Eine Reise zu unseren Anfängen

„Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen“ – Heike Faller, Valerio Vidali

Kein & Aber, erschienen am 13. Oktober 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 208 Seiten, ISBN: 978-3-0369-5082-2, hier geht’s zum Buch

„Hast du dich schon einmal gefragt … wo du herkommst?

Die Reihe des Autoren-Duos Heike Faller und Valerio Vidali werden sicher viele von euch kennen. 2022 ist das erste Werk „Hundert – Was du im Leben lernen wirst“ erschienen, welches sich an Kinder wie Erwachsene gleichermaßen richtet und Dinge in den Fokus nimmt, die man im Leben alles so lernt. Mit „Freunde – Was uns verbindet“ folgte ein Buch, das sich der Freundschaft in all ihren Facetten widmet. Nun ist kürzlich ein dritter Band, „Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen“, erschienen, das kleine und große Leser*innen auf eine Reise durch die Zeit mitnimmt.

Während ich anlässlich meines 15. Bloggeburtstages meine Reise bei meinen Bloggeranfängen in 2011 begonnen habe, startet „Wir alle“ im Jahr 1940 zur Zeit großer Kriege und reist 7 Millionen Jahre in der Geschichte der Menschheit zurück. Anfangs umfassen die Zeitabstände noch ungefähr 20-25 Jahre, je weiter wir im Buch in die Vergangenheit reisen, umso größere Zeitabstände begegnen uns, bis wir nach ca. 300.000 Generationen bei den gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Affen ankommen und uns fragen: „Was unterscheidet Mensch vom Tier?“

Kinder dürfen in diesem bunt und mitunter großflächig illustrierten Bilderbuch bis zum Ursprung des Lebens zurückreisen und auf ganz spielerische Weise erfahren, von wem der Mensch abstammt. Spielerisch deshalb, weil sie sich mithilfe unterschiedlichster Fragen durch die Menschheitsgeschichte hangeln und dabei ihren eigenen Wurzeln auf den Zahn fühlen.

Fragen sind mitunter:

Manchmal tun uns die Menschen von damals leid, weil sie so viel ärmer waren als wird. Aber gab es auch etwas, wovon sie mehr hatten? (1775)

Stell dir vor, du könntest in die Zeit zurückreisen. Welches Wissen von heute würdest du deinen Vorfahren mitbringen? (1625)

Was verändert sich, wenn viele Menschen lesen können? (1575)

Was weißt du über die Erde und unseren Platz im Universum? (200)

Diese Fragen regen sie nicht nur zum Nachdenken an, sondern schaffen auch eine Basis für gemeinsame Gespräche. Ich kann mir das Buch deshalb auch wunderbar als Schullektüre vorstellen. Denn auf seinen 208 Seiten passiert man eine Vielfalt an Themen, beginnend vom Krieg über die Evolutionstheorie, die Industrielle Revolution, die Elektrizität, die Landwirtschaft, die Sklaverei bis hin zum Glauben, um nur ein paar wenige der angesprochenen Themen aufzugreifen. Im hinteren Teil des Buchs trifft man auf die Hintergründe der Menschheitsgeschichte, kann noch einmal die Details der einzelnen Stationen erfahren und bei Interesse noch tiefer in die Materie eintauchen.

Doch neben den historischen Einschnitten und Veränderungen, die im Buch aufgegriffen werden, sind es vor allem die Gefühle der Menschen und ihr Umgang miteinander, die hier im Vordergrund stehen und hinterfragt werden. So legt das Autoren-Duo einen wertvollen und wichtigen Grundstein für Empathie und Nächstenliebe.

Besonders gefällt mir, dass die Illustration der sich umschließenden Hände mit den Händen der Menschen beginnt und bei den Händen der Affen endet. Das verleiht dem Werk einen runden Charakter, begegnet uns wie der natürliche Kreislauf.

GlockenbachWelle – Die Welle mit Sabine Bohlmann

Die 34. Welle mit Sabine Bohlmann

Herzlich willkommen bei der 34. Ausgabe der GlockenbachWelle

Wenn der Winter mit großen Schritten naht und uns die Welt mit einer klirrenden Kälte empfängt, ziehen wir uns gerne in die warme Stube zurück und kuscheln uns mit einer Tasse Tee und einer  gemütlichen Decke auf dem Sofa ein. An unserer Seite ein Buch. Oder vielmehr ganz viele Bücher, die uns und unsere Herzen in dieser kalten Jahreszeit ganz besonders erwärmen.

Nach unserer letzten kunterbunten Welle wollten wir noch ein Weilchen bei den Kinderbüchern bleiben und haben uns deshalb eine Expertin eingeladen, die sich in diesem Genre ganz besonders gut auskennt und uns schon einen ganzen Regenbogen an Kinderbüchern geschenkt hat.

Und weil sie unter anderem als „Frau Honig“ bekannt ist, waren wir uns schon im Vorfeld sicher, dass es uns in dieser Folge ganz warm ums Herz wird.

Die Welle mit Sabine Bohlmann

Eine Buchhändlerin, ein Bestsellerautorin und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Sabine Bohlmann, Bestsellerautorin, Schauspielerin und Synchronsprecherin; Pamela Scholz, die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

In dieser Folge haben wir eine wahre Tausendsassin an unserer Seite. Denn Sabine vereint nicht nur das geschriebene, sondern auch das gesprochene und visuelle Wort in einer Person, und das super erfolgreich. Wir haben sie also allerhand Löcher in den Bauch gefragt und uns von ihren vielfältigen Projekten inspirieren lassen.

Was die Welle zu euch spült

  • vom unerfüllten ersten Berufswunsch zur kreativen Tausendsassin
  • wie aus der Ratgeber-Frau a la Mary Poppins eine erfolgreiche Kinder- & Jugendbuch – Autorin gewachsen ist
  • von der Dankbarkeit, die sich durch Tiefschläge und Misserfolge entwickelt
  • wie wird man Lesekünstlerin (2023) und wer schlägt einen dafür vor
  • was für Ideen & Projekte in Sabines Ideenschränkchen hausen
  • wie ein Bilderbuch zum Marionetten-Theaterstück der Augsburger Puppenkiste wird
  • was die Verfilmung eines Werks in einem auslöst
  • von Büchern, die sich nicht leicht in ein Genre einordnen lassen und Impulsgeber für Groß und Klein sein können
  • was man sich behutsam an Tabuthemen in Bilderbüchern heranwagt

Die Buchempfehlungen

Empfehlungen von Pamela:

„In meiner Welt“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Simone Ceccarelli

„Was wäre wenn“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Stella Dreis

Die Reihe um „Frau Honig“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Joelle Tourlonias

Die Reihe um „Der kleine Siebenschläfer“ – geschrieben von Sabine Bohlmann, illustriert von Kerstin Schöne

Thematischer Treibsand:

„Echo Mountain: Ellie geht ihren eigenen Weg“ – Lauren Wolk

„Andersgasse 7: Ein Fall für den fantastischen Flusenwutz“ – Christiane Schreiber

„Die magische Bibliothek der Buks“ – Nina George, Jens J. Kramer

Empfehlungen von Sabine:

„Das Friedenstier: Mit Stift und Flügeln für den Frieden“ – Erdacht von Friederike Ablang, Merle Goll und Sabine Kranz

„Türen“ – Nad Otterbach

„Simpel“ – Marie-Aude Murail

Stöbertipps

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

„Morgen bin ich mutig“, ein Marionetten-Theaterstück der Augsburger Puppenkiste, basierend auf der Geschichte von Sabine Bohlmann, erzählt von der Autorin

Der Instagram Account von Sabine Bohlmann

Die Homepage von Sabine Bohlmann

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

Inselreichtum

„Die Rettung“ – Charlotte McConaghy

S. Fischer Verlage, erschienen am 28. Mai 2025, Preis 24 € [D], Gebundenes Buch, 368 Seiten, ISBN: 978-3103976830, hier geht’s zum Buch

Schon im Sommer bin ich in Charlotte McConaghys atemberaubenden Roman „Die Rettung“ ein- und vollgesogen mit Eindrücken wieder hervorgetaucht.

Es war eine wilde und unberechenbare Einöde mitten im Südpolarmeer, in die mich McConaghy geworfen hat: Eine kleine abgelegene Insel namens Shearwater, auf der ich mich von einer faszinierenden und zugleich gespenstischen Landschaft umgeben sah. Denn obwohl diese Insel kaum reicher an Flora und Fauna sein konnte, wohnte ihr auch ein gewisses Unheil inne. Denn Shearwater ist dem Untergang geweiht und mit ihr aller Reichtum, der auf und unter ihr verborgen liegt.

Hier wohnt Dominic Salt mit seiner Tochter Fen und seinen beiden Söhnen Raff und Orly in einem zugigen Leuchtturm. Außer den Sturmvögeln, Robben und Pinguinen verirrt sich kaum einer hierher. Nur alle paar Wochen legt ein Schiff an, um die Reserven aufzustocken, die die Salts aufs Genauste rationieren müssen. Dominics Kinder sind das abgeschiedene Leben in der unberührten Natur und ihre geregelten Tagesabläufe gewohnt. Da ist die Freiheit der Kinder, die im totalen Kontrast zu einem Minimum an sozialen Kontakten steht. Denn seit dem Tod der Mutter interagieren sie mit niemand anderem als den Tieren der Insel und ihrem wortkargen Vater.  

„Ich habe schon Tote aus dem Meer gesehen, und deren Anblick nimmt einem jeglichen Hochmut. Vor dem Wüten der See sind wir Menschen ernüchternd machtlos. Diese Frau, hergetragen von einer See, die mächtiger ist als die meisten, hält geradezu trotzig am Leben fest.“

Zitat, Seite 13

Doch an einem sturmerfüllten Tag wird eine Frau herangeschwemmt – aufgeschlitzt und unterkühlt, aber am Leben. Dominic und seine Kinder nehmen sich ihrer an, päppeln die Frau auf, der Dominic nur wenig Überlebenschancen zurechnet. Doch Rowan ist zäh und mit wachsender Kraft und Mobilität wächst auch ihre Neugierde an den Beweggründen der Salts, hier zu leben.

Der Beweggrund liegt im Süden der Insel verborgen. Ein Saatgutbunker, der die größte Sammlung von Samen aus der ganzen Welt in sich birgt. Shearwater Global Seed Vault ist der wahre Schatz der Insel: über 3 Millionen Proben liegen hier verborgen. Er ist die letzte Hoffnung der Artenvielfalt. Unter der Insel bewahrt die Welt die Pflanzensamen einer jeder Art auf. Dominic wurde als Verwalter des Bunkers angeheuert. Deshalb lebt er mit seinen Kindern auf der Insel. Doch der Bunker soll dichtgemacht werden. Die Forschungsbasis ist bereits verwaist und in zwei Monaten sollen auch die Salts die Insel verlassen.

Doch mit Rowans Ankunft auf der Insel und dem wachsenden Wasserspiegel gerät einiges ins Schwanken. Was hat es mit der Fremden auf sich, die ausgerechnet nach Shearwater gespült wird? Was will sie hier in der Einöde? Und was passiert mit dem Saatgutbunker, wo doch der Meeresspiegel stetig steigt?

Diesen Fragen dürfen die künftigen Leser*innen dieses Romans selbst nachgehen.

Es liegt mir fern, die Geheimnisse von Shearwater Island freizulegen und dem Plot vorwegzugreifen. Ich kann dir aber versichern, dass sich in diesem Roman Abgründe auftun, die du nicht kommen siehst. Zumindest war das bei mir so. Es sind nicht nur Abgründe landschaftlicher, sondern vor allem menschlicher Art. Sie sind düster und unheimlich, reißen dich beim Lesen in ihre Tiefen und lassen dir dort kaum Luft zum Atmen. Sie sind beängstigend und faszinierend zugleich und machen es dir deshalb unmöglich, daraus emporzusteigen ehe du die letzte Seite des Romans erklommen hast. Da ist diese ungeheure Sogkraft, die sich während dem Lesen entfaltet und unaufhörlich an dir zerrt, dass du dich manchmal fragst, ob du wirklich weiterlesen oder dich vielmehr retten solltest, vor dem Buch, das als „Die Rettung“ gilt!?

„Die Luft in Shearwater ist voller Geister der Toten. Das weiß Fen, und es stört sie nicht. […] in den Stunden tiefster Nacht hat sie es gesehen: die Gespenster. […] Doch vor den Toten hat sie keine Angst. Weh tun können einem nur die Lebenden.“

Zitat, Seite 25

Mit großer Begeisterung habe ich McConaghys lebendige Beschreibungen von Flora und Fauna gelesen. Es sind Momentaufnahmen voller Freiheit, kostbare Augenblicke, die man nur in der unberührten Natur erleben und einfangen kann. Die Autorin hat diese Momente wohl selbst erlebt, als sie Zeit auf Macquarie Island, einer subantarktischen Insel auf halber Strecke zwischen Tasmanien und der Antarktis, mit ihrem Partner und ihrem sechzehn Monate alten Sohn verbrachte. Sie diente der fiktiven Insel im Roman als Vorbild, auf ihr basiert die Szenerie von Shearwater Island.

„Im Zentrum meiner Erlebnisse auf Macquarie Island standen die Farben und Formen, die Gerüche, Geräusche und Gefühle, die ich in diesem Buch einfangen wollte. […] Am wichtigsten war mir, die vielfältige Flora, die außergewöhnliche Fauna und das einzigartige Klima der Insel möglichst exakt wiederzugeben.“

Anmerkung der Autorin

Dass das Leben an einem Ort wie diesem, der so abgelegen und zugleich voller Leben ist, einem einiges abverlangt, kann man sich denken. Dies bringt McConaghy mit den zerrissenen Seelen ihrer Figuren sehr gut zum Ausdruck. Denn sowohl Dominic als auch seinen Kindern setzt das Leben auf der Insel zu. Es ist nicht zwingend die blutige Vergangenheit der Insel, die von grausamen Robbenfängern bestimmt war und umherwabernde Geister getöteter Tierseelen mit sich bringt, sondern vielmehr die Abnabelung von der Welt, vom wirklichen Leben und ihrer ungewissen Zukunft, den wachsenden Fragen über das Danach. Was aus ihnen wird …

Auch wenn die Kinder das Leben auf der Insel lieben, mit Flora und Fauna nahezu verschmelzen, fehlt ihnen doch einiges, Substanzielles, das Kinder zum Heranwachsen brauchen. Dazu kommt der Verlust ihrer Mutter, über den sie mit ihrem Vater nicht reden können, weil er immer noch in seinen Erinnerungen an seine verstorbene Frau festhängt und für seine Kinder nur schwer zugänglich ist. Das wird allen voran durch die wachsende Entfremdung von Dominic und seiner Tochter Fen sichtbar, die als Einzige nicht im Leuchtturm wohnt. Sein Sohn Raff kann lediglich beim Boxen seiner Wut etwas Druck rausnehmen. Und Orly, der Jüngste im Bunde, hat seine Mutter nie kennengelernt und ist deshalb hungrig nach Details von ihr. Er lässt sich mit den Erinnerungen seiner beiden Geschwister füttern und ist ein wandelndes Lexikon, das alle, auch die zu Kräften kommende Rowan, mit seinem allumfassenden Wissen zu Flora und Fauna erfreut.

Doch trotz aller Hindernisse und Herausforderungen schafft McConaghy es, ihre Figuren in dieser Extremsituation wieder zueinanderfinden zu lassen. Da ist ein unsichtbares Band zwischen den Salts, eine Gemeinschaft und das Vertrauen ineinander, das insbesondere durch das Zutun von Rowan wieder an Kraft gewinnt und die fünf Menschen auf dieser Insel um ihr Überleben kämpfen lässt.

Ein Roman, so gewaltig und unberechenbar wie die See. „Die Rettung“ ist zu einem meiner Jahreshighlights geworden und ich hoffe, dass der Roman das auch für dich wird.

GlockenbachWelle – Die kunterbunte Welle mit Viola Ahles

Die 33. Welle mit Viola Ahles

Herzlich willkommen bei der 33. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Wir lieben nicht nur die vielfältige Kinderbuchlandschaft, die sich aus so vielen unterschiedlichen Verlagen und Büchern zusammensetzt, sondern auch Bücher, die sich der Vielfalt und dem Anderssein widmen. Denn die Welt und all das Leben auf ihr ist bunt, um genau zu sein kunterbunt. Und so empfangen wir in dieser Folge eine frischgebackene Autorin und den Protagonisten ihres Kinderbuchs mit offenen Armen auf unserer Welle: Viola Ahles und ihr kleines Krododil „Kiko Kunterbunt“.

Die Welle mit Viola Ahles

Eine Buchhändlerin, ein frischgebackene Autorin und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz; Viola Ahles, frischgebackene Autorin beim Magellan Verlag und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Wir widmen uns in dieser Ausgabe mal wieder einem unserer Lieblingsgenres: dem Bilderbuch. Es gibt kein schöneres und besser geeigneteres Medium, um Kindern die Welt zu erklären und sie schon früh für so wichtige Themen wie Diversität, Vielfalt und Toleranz zu sensibilisieren. Doch bei der Konzeption ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt, sowohl von Seiten des Verlags als auch von Seiten der Illustrator*innen und Autor*innen.

Der Magellan Verlag geht hierbei mit sehr gutem Beispiel voran und deshalb haben wir uns Viola und ihr frisch erschienenes Bilderbuch „Kiko Kunderbunt“ eingeladen.

Das Bilderbuch

Magellan Verlag, erschienen am 17. Juli 2025, Preis 16 € [D], Hardcover, 32 Seiten, ISBN: 978-3-7348-2193-6, hier geht’s zum Buch

An so dristen regnerischen Tagen wie sie der Herbst zuhauf mitbringt, sehnen wir uns immer nach Farbe. Wie gut, dass wir für solche Gelegenheiten immer ein Buch im Regal haben, in dessen Farbe und Vielfalt wir eintauchen können. Die Tristesse eines Herbsttages tauschen wir deshalb gegen ein buntes Gewand, um genau zu sein, ein kunterbuntes.

„Der Schwanz gestreift
in Gelb und Schwarz
ganz wie bei einem Tiger.
Der Körper bunt,
Der Bauch ist weiß,
mit Punkten – was? – in lila?“

Kiko ist anders als seine Geschwister. Anstatt dem üblichen Grün trägt das kleine Krokodil Kunterbunt. Und das findet Kiko richtig toll. Doch aus Angst davor, dass die Farben abgewaschen werden, traut er sich nicht ins Wasser zu den anderen. Immer nur zusehen ist doof und so macht sich Kiko auf die Suche nach einen bunten Ort, an dem er genauso sein kann wie er ist.

Schon kurz darauf begegnet er einem Tier, dass ihm ganz ähnlich ist. Und plötzlich versteht er, dass er gar nicht der einzig Bunte auf der Welt ist. In Eidechse Emmi findet Kiko eine treue Wegbegleiterin, die ihn ihn dazu ermutigt, sich ins Wasser zu wagen. So kann Kiko fortan Teil der Kroko-Crew und gleichzeitig ein guter Freund sein. Denn Emmi kann nicht schwimmen und findet auf Kikos Rücken Platz. Als kunterbuntes Wasser-Taxi machen sie Kurs auf einen Ort, der genauso bunt ist wie sie beide.

Viola Ahles feiert ihr Kinderbuchdebüt mit einem Regenbogen an Farben. Ihre Geschichte um das kleine Krokodil Kiko erzählt sie in bunten melodischen Reimen, die nicht nur ins Ohr gehen, sondern auch mitten ins Herz treffen. Selten bin ich so raffinierten Zeilen begegnet wie hier. Dank Illustrator Igor Lange ist nicht nur eine herrliche Szenerie, sondern auch ein wunderbar buntes und sympathisches Kerlchen geboren worden, das man Kindern gerne an die Hand gibt. Denn Kiko hat verstanden, dass jeder so sein darf wie er will. Die Welt ist bunt und mit ihm die Lebewesen, die auf ihr wohnen. Er gibt Kindern zu verstehen, dass sich niemand fürs Anderssein schämen muss und es sich lohnt, mutig zu sein und seine Komfortzone zu verlassen.

Was die Welle zu euch spült

  • wie eine Geschichte für die eigene emotionale Schublade zu einem Bilderbuch wird
  • wie Viola dazu einlädt, mutig zu sein und die eigene Komfortzone zu verlassen
  • tierisches Wissen um Krokodile & das Geschlecht von schlüpfenden Jungtieren
  • vom Glück, sein Debüt im eigenen Verlag zu veröffentlichen
  • wie man mit zwei „Magellan-Persönlichkeiten“ umgeht
  • wie die Geschichte & Illustrator Igor Lange zusammenfanden
  • wie es sich anfühlt, seine eigene Geschichte vorzulesen
  • wie ein Faible für Wortspielereien sich zu Reimen geformt hat
  • „Platsch!“ – der Teaser zu einer möglichen Fortsetzung

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Viola

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Der Instagram Account von Viola

Die Homepage des Magellan Verlags

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

GlockenbachWelle – Die Welle mit Lennart Schäfer

Die 32. Welle mit Lennart Schäfer

Herzlich willkommen bei der 32. Ausgabe der GlockenbachWelle.

In dieser Ausgabe haben wir einen Buchmenschen zu Gast, der ein genauso leidenschaftliches Verhältnis zum geschriebenen Wort hegt, wie wir, wobei unser heutiger Gast da noch einmal eine ganz neue Messlatte setzt. Er radelt nämlich bei Wind und Wetter mit einem vollgepackten Lastenfahrrad einmal quer durch Deutschland, um die Menschen fürs Lesen zu begeistern.

In dieser Ausgabe reitet Lennart Schäfer mit uns auf der GlockenbachWelle und spricht mit uns über Literatur und seine „Literadtour“.

Die Welle mit Lennart Schäfer

Eine Buchhändlerin, ein Buchbotschafter und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz; Lennart Schäfer, Buchbotschafter und Mitglied des Veranstaltungsteams beim Oetinger Verlag und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Natürlich wollten wir wissen, was einen Buchmenschen dazu bringt, den Lesesessel zu verlassen, sein Fahrrad zu besteigen, und bei sämtlichen Wetterlagen, die der diesjährige Sommer so für uns bereithält, einmal quer durch Deutschland zu fahren, um andere buchverrückte Menschen zu treffen. Deshalb haben wir Lennart auf den Zahn gefühlt, was er schon alles erlebt, wen er getroffen hat und was sein Antrieb hinter seiner „Literadtour“ ist.

Was die Welle zu euch spült

  • was verbirgt sich hinter der Literadtour?
  • wie kamen Lennart & Lastenrad zusammen?
  • die Bücher im Gepäck: 8 Empfehlungen für verschiedene Altersgruppen
  • 5 Monate Planung, 7 Monate Reise – wie sich die Tour gefestigt hat
  • warum das Lesen die persönlichste Erzählform ist
  • Skurrilitäten und Herausforderungen der Literadtour
  • ein Blick hinter die Kulissen der VVA (Vereinigte Verlagsauslieferung)
  • wie macht man jungen Menschen Lust auf die Buchbranche?
  • wie dringt man zu Grundschüler*innen durch und begeistert sie fürs Lesen?
  • was schaffen Hörbücher?

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Lennart

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Die Homepage der Literadtour

Lennarts nächste Stationen

Der YouTube-Kanal der Literadtour

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht’s lang. Ohren auf!

Wir wünschen viel Freude beim Hören …

Frau im Mond + Giveaway

Berlin Verlag, erschienen am 04. April 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 496 Seiten, ISBN: 978-3827014993, hier geht’s zum Buch

„Wir überwinden Verluste, indem wir uns erinnern. So halten wir die, die wir verloren haben, am Leben.“

Zitat, Seite 32

Am 4. August 1966 schickt eine Gruppe Studenten, die Lebanese Rocket Society, unter der Leitung von Manoug Manougian eine Rakete ins Weltall. Sie soll für die blühende Zukunft des Libanon stehen. Es ist die libanesische Cedar 8, die lange vor der Apollo 11 den Weltraum erreicht und den Libanon damit zu Weltraumpionieren macht, auch wenn um das historische Ereignis heute kaum noch einer weiß.

Am 4. August 2020 kommt es im Hafen von Beirut zu einer Explosion, die das gesamte Land erschüttert. Denn sie zerstört nicht nur den Hafen, sondern auch große Teile der Beiruter Innenstadt. Es ist die größte, nicht nukleare Explosion der Menschheit, die auch noch in 250 km Entfernung zu spüren war. 300.000 Menschen verlieren bei dieser Katastrophe ihr Dach über dem Kopf, 207 sogar ihr Leben. Mehr als 6.500 Menschen werden bei der Explosion verletzt.

Pierre Jarawan, den man bereits durch seine Romane „Am Ende bleiben die Zedern“ und „Ein Lied für die Vermissten“ kennt, verbindet in seinem neuesten Werk diese beiden historischen Ereignisse mit einer Familiengeschichte und erzählt damit nicht nur eine, sondern ganz viele Geschichten, „die sich wie Fäden eines Wandteppichs zu einem Bild verflechten“. Es ist das Bild der „Frau im Mond„.

Gut Ding will Weile haben

„Alles rückt zur rechten Zeit an seinen Platz.“

Zitat, Seite 34

Man sagt, Gut Ding will Weile haben.“ und im Bezug auf dieses Buch kann ich dieses Sprichwort nur bestätigen. Denn ich war eine ganze Weile mit diesem Roman beschäftigt, der mir nicht nur aufgrund seiner Seitenanzahl, sondern auch aufgrund seiner Vielschichtigkeit sehr viel Stoff zur Auseinandersetzung mit auf den Weg gab.

Heute, am 4. August 2025 und damit 59 Jahre nach dem libanesischen Raketenstart und 5 Jahre nach der Explosion im Hafen von Beirut, schaue ich „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ auf diesen Roman und die Erlebnisse zurück, die er mir geschenkt hat.

Ich hatte bereits zur Leipziger Buchmesse das Vergnügen, Pierre Jarawan bei einer Wohnzimmerlesung lauschen zu dürfen, die Uwe Kalkowski alias Kaffeehaussitzer alljährlich im Wohnzimmer seines guten Freundes Hannes organisiert und dabei einem kleinen Kreis von Leser*innen Einblick in ganz besondere Werke gewährt. Der Roman ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen. Die Luft ist voller Vorfreude und Neugier und das kleine Fensterbrett des Wohnzimmers randvoll mit Exemplaren, die man an diesem Abend schon vor der Veröffentlichung des Romans mit nach Hause nehmen kann.

Schon an diesem Abend war ich regelrecht berauscht von Pierres melodischen Zeilen, von seiner umfassenden Recherche zum Buch, seinem beeindruckenden Wissen um Land und Leute und den vielen Fäden, durch die er seinen Roman zu einem Gesamtkunstwerk verflochten hat wie einen armenischen Wandteppich, der, wie man später noch erfährt, im Roman eine tragende Rolle spielen wird.

Eine Woche später war ich von Tina Lurz und dem Berlin Verlag in München zum Release Event ins Museum Lichtspiele eingeladen, bei dem ein kleiner Kreis geladener Gäste im Weltraumsetting von Kinosaal 4 in die „Frau im Mond“ und libanesische Köstlichkeiten eintauchen durfte. Hier konnte ich nicht nur den Autor, sondern auch die Entstehungsgeschichte zum Roman noch einmal näher kennenlernen, die mitunter auch durch ein Bild von einem Raketenschweif, das 2017 in einer Ausstellung im Haus der Kunst in München zu sehen war, geprägt ist.

Vier Jahre schrieb Pierre an seinem Roman, in dem er die beiden historischen Ereignisse des 4. August mit der Familiengeschichte der El Shamis, einer in Montréal lebenden Familie, verknüpft.

Es sind die Zwillingsschwestern Lilit und Lina, die auf Spuren ihrer armenischen Großmutter Anoush stoßen, die sie nur von einem Foto an der Wand und den Mosaiken aus Geschichten ihrer Mutter Dana und ihrem Großvater Maroun kennen. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wachsen sie unter der Obhut ihres Großvaters auf. Sie wissen um seine Vorliebe für das Erzählen, oft aber nicht, wieviel Glauben man seinen Erzählungen schenken kann. Als sie auf einer alten Postkarte eine Widmung und Liebeserklärung ihrer Großmutter an Maroun entdecken, werden sie neugierig. Was hat es mit den Zeilen „Möge die Frau im Mond dir den Weg weisen.„, mit dem dazugehörigen Geschenk, einem „Raketenteppich“, wie Maroun ihn bezeichnet, und der geheimnisvollen Symbolik auf der Rückseite auf sich? Woher kommt überhaupt Marouns Faible für Weltraumraketen und was ist eigentlich die Lebanese Rocket Society?

Und so begibt sich Lilit auf Spurensuche, die sie von Montréal nach Beirut führt. Hier sucht sie nach den Wurzeln ihrer Familie, vor allem aber nach den Spuren ihrer Großmutter. Es ist aber auch ein Suchen in sich selbst, ein Ausloten an Gemeinsamkeiten; ein Erspüren, wieviel von ihrer Großmutter in ihr steckt. Nach einem erfolgreichen Filmdebüt als Dokumentarfilmerin ist sich Lilit unsicher über ihr Handwerk und traut sich nicht an einen zweiten Film. Sie fürchtet sich vor der Enttäuschung, dem tiefen Fall, der ihr womöglich bevorsteht, weil der Erstling „Bahamut“ doch nur ein Erfolg war, weil er zum richtigen Zeitpunkt einem politischen Thema entsprach und gut in die Schublade „einer Filmemacherin mit migrantisch kanadischer Herkunft“ gepasst hat. Zeitgleich ist sie auf der Suche nach guten Stoff für den zweiten Film. Womöglich ist Anoushs Geschichte dafür gemacht?

Als sie im Sommer 2020 in Beirut ankommt, erlebt sie ein Land in Aufruhr. Die Stadt empfängt sie dunkel und dreckig. Unter den Menschen herrscht Angst und Armut und in den Straßen sind Überbleibsel von Protesten und Demonstrationen zu finden. Hier legt Lilit Stück für Stück Fragmente aus dem Leben ihrer Großmutter frei, die als Kind in einem Waisenhaus aufwuchs und dem Völkermord an den Armeniern nur knapp entkommen konnte, weil sie wie viele armenische Genozid-Überlebende in die Gegend, die heute als Libanon bekannt ist, geflüchtet ist. Und obwohl Anoush nicht mehr lebt und ihre Enkelin sie nie kennengelernt hat, hat man doch das Gefühl, dass sie sich im Verlauf der Geschichte näherkommen. Es sind zum einen die wunderbaren Rückblicke, die Jarawan durch wechselnden Zeitebenen freilegt, zum anderen aber auch Lilits Tagebucheintrag, der wie ein Brief an Anoush geschrieben ist:

„Wer auch immer den Begriff Stadtdschungel geprägt hat, muss Beirut in seinem jetzigen Zustand gesehen haben. Schwer vorstellbar, dass es schon so aussah, als du mit Maroun und Dana 1959 hierher zurückkamst. Ich will es dir beschreiben: Kletterpflanzen haben die Häuser, weiß und mehrstöckig zumeist, überwuchert, sodass es scheint, als wären ganze Stadtviertel von Krampfadern übersät. Hier und da überwindet eine Treppe den Anstieg zur nächsthöher gelegenen Straße, wobei die wuchernden Sträucher Tunnel bilden. Katzen streunen um die Mülltonnen. Aus Gehwegen – oder dem, was man hier dafür hält – wachsen Mandarinenbäume, unter denen die Früchte faulen. Die Laternen sind ausgeschaltet. Nachts dringt nur ein Schimmern aus den Wohnungsfenstern, hinter denen – ich stelle es mir so vor – die Frauen Kerzen entzündet haben, ihre Kinder baden und in den Schlaf wiegen. Vor dem Zubettgehen schieben sie die Vorhänge beiseite, weil sie meine Schritte untern hören; sie sehen die Fremde in abgewetzten Sneakern, im ärmellosen Top, mit dem Kameragurt über der Schulter, die sich umblickt. Es ist, als könnte ich sie murmeln hören. […]

Was hatte ich erwartet? Es ist, erkannte ich bei meinem ersten Streifzug durch die Stadt, unmöglich zu verstehen, was es heißt, in Beirut zu sein, wenn man nichts weiß von den der Tiefe der Krater, die der Bürgerkrieg geschlagen hat. Selbst dreißig Jahre nach dem Ende sind seine Schatten allgegenwärtig in den Einschusslöchern übersäten Mauern, den wandlosen Häusern, in den Graffiti, die beinah alles überziehen, auffällig oft auch die vergitterten Türen der Banken. Selbst in den Teilen des Zentrums der Stadt, die neu errichtet oder frisch erstrahlen, spukt der Geist der Zerstörung weiter.“

Zitat, Seite 202/203

Jarawan nutzt eine wunderbar poetische Bildsprache. Durch sie lernen wir nicht nur die Schauplätze des Romans, sondern auch die restlichen Mitglieder der Familie, allen voran Maroun el Shami, aber auch seine Tochter Dana und ihren Mann Jules sowie deren Kinder, Lina und Lilit, kennen.

„Haben Sie schon einmal eine einhundert Jahre alte Hand befühlt? Es ist, als würde man eine Landkarte ertasten, auf Pergament gezeichnet. Die Landschaft ist rau, wie von Stürmen geschliffen, Gebirgszüge aus Falten erheben sich, Adern spannen ein Netz aus Flüssen, dazwischen Altersflecken wie Inseln.“

Zitat, Seite 77

Von Maroun el Shami war ich besonders fasziniert, wird er doch schon auf den ersten Seiten mit so wunderbaren Worten beschrieben, die sich direkt in mein Herz geschlichen haben. Denn nach dem Tod seiner Frau „hat er wie ein Asteroid gewirkt, der ohne Umlaufbahn durchs Universum driftete“ oder der für die Heimbewohner des Seniorenwohnheims, in das er bis zu seinem Rausschmiss kurz verweilte, „wie ein Buch in einem Regal war, an das man nur über eine Leiter herankam“. Schon mit 10 Jahren sieht er Fritz Langs Stummfilm „Frau im Mond“ im Kino und ist von da an fasziniert vom Weltraum und entwickelt eine Leidenschaft für das Bauen von Raketen. In den 60er Jahren wird er Dozent an der Haigazian-Universität und gründet oben erwähnte Lebanese Rocket Society.

Der Titel des Romans steht dabei für eine der Ebenen im Buch, allen voran aber für den Titel des Stummfilms von Fritz Lang, den die meisten nur durch „Metropolis“ kennen. Pierre zitiert mit seinem Titel nicht nur den Film, der für damalige Verhältnisse technisch sehr eindrucksvoll war, sondern verneigt sich damit auch vor dem Regisseur, der in seinem Film den Countdown erfunden und damit den Weg zum Mond bereitet hat.

Man kann „Frau im Mond“ in voller Länge (2 Std. 50 Min.) bei YouTube ansehen (um ehrlich zu sein: ich konnte ihn nur schwer ertragen). In seinem Roman macht sich der Autor der formalen Spielerei des Countdowns zu Eigen und beginnt deshalb mit Kapitel 50 und endet mit Kapitel 0.

Wie man sieht, sind es viele Wohlfühlszenerien, die Jarawan mit seinen Zeilen hervorruft. Doch angesichts der vielen historischen Ereignisse und Themen, die in seinem Roman eingebettet sind, trifft man hier auch auf eine Reihe an sehr anschaulichen und erschütternden Beschreibungen. Im Gespräch verrät Pierre, dass es ihm wichtig war, eine Geschichte über den Nahen Osten zu schreiben, die ohne Opferrolle daherkommt. Deshalb ist auch in den Momenten der Tragik stets ein bisschen Hoffnung zu finden. Für die GlockenbachWelle haben wir uns mit Pierre Jarawan zu seinem neuesten Roman und seinem künstlerischem Schaffen unterhalten. Die Podcastfolge ist im Juli erschienen und fühlt noch einmal Dinge auf den Zahn, die ich hier unerwähnt gelassen habe.

Hör hier in die Folge rein.

„Frau im Mond“ ist mir als vielschichtiges Werk voller Leben und tragikomischen Ereignissen begegnet. Es trägt viel mehr in sich, als man es beim Aufklappen des Buchdeckels vielleicht vermutet, weshalb es noch lange in einem nachhallt. Ich bin sehr glücklich darüber, dass es mir von so vielen Menschen ans Herz gelegt wurde. Und heute möchte auch ich das von Herzen tun.

Möge die Frau im Mond mit dir sein.

Klick, klick, Glück!“ 

Anlässig des 4. August, der nicht nur der Tag zweier obengenannter historischer Ereignisse, sondern auch der Geburtstag des Autors ist, möchte ich mit freundlicher Unterstützung des Berlin Verlags heute ein signiertes Exemplar von „Frau im Mond“ inklusive Wandteppich-Lesezeichen unter euch verlosen. 

Da ich sowohl hier auf dem Blog als auch auf Instagram eine treue Leserschaft habe, möchte ich euch auf beiden Kanälen die Möglichkeit geben, für das Exemplar in den Lostopf zu springen.

„Was macht den Zauber von Gegenständen aus, die unsere Lebensräume bevölkern? Eine alte Vase auf dem Kamin, ein Taschenmesser auf der Kommode, ein bestimmter Badeanzug, ein Zeichenstift? Die Antwort lautet: Sie sind gleichzeitig sichtbar und unsichtbar wie verwunschene Gegenstände in Märchen. Wir sehen sie als einfache Dinge, während sie für die Person, der sie gehören, aufgeladen sind mit Erinnerungen und Geschichten, losgelöst vom schlichten Gebrauchswert, den wir ihnen unterstellen. Es handelt sich um die Art von Gegenständen, die wir aus einem brennenden Haus tragen würden, während alle anderen sich fragen, weshalb.“

Zitat, Seite 106

Für ein Los auf dem Blog würde ich dich bitten, mir bis Mittwoch, 06.08.2025, 23:59 Uhr in einem Kommentar zu verraten, welcher Gegenstand für dich, losgelöst vom schlichten Gebrauchswert, mit Erinnerungen und Geschichten aufgeladen ist und deshalb einen ganz persönlichen Wert für dich hat. Für Maroun ist der Wandteppich von Anoush zu einem solchen Schatz geworden.

Die Teilnahmebedingungen für das Los auf Instagram könnt ihr meinem Instagram-Post  auf @lesenslust entnehmen, der zeitgleich mit diesem Beitrag veröffentlicht wird. 

Viel Glück!

Eure Steffi

GlockenbachWelle – Die Welle mit Pierre Jarawan

Die 31. Welle mit Pierre Jarawan

Herzlich willkommen bei der 31. Ausgabe der GlockenbachWelle.

Manche Romane eröffnen uns Welten. Sie tragen uns an Orte, die geprägt sind von tragischen Ereignissen, aber auch von persönlichen Erinnerungen und Momentaufnahmen. Pierre Jarawan versteht es wie kein zweiter, Geschichten zu erzählen. Seine Romane sind vielschichtig, tragikomisch und prall gefüllt mit Leben. In seinem neuesten Werk vereint er zwei reale Ereignisse mit einer Familiengeschichte und erzählt damit nicht nur eine, sondern ganz viele Geschichten, die sich wie Fäden eines Wandteppichs zu einem Bild verflechten. Es ist das Bild der „Frau im Mond“.

In dieser Ausgabe reitet Pierre mit uns auf der GlockenbachWelle.

Die Welle mit Pierre Jarawan

Eine Buchhändlerin, ein Autor und eine Bloggerin im Gespräch für Literatur Radio Hörbahn

Der Ort: Die Glockenbachbuchhandlung in München 

Die Runde: Die Gastgeberin und Inhaberin der Glockenbachbuchhandlung Pamela Scholz, freier Fotograf und Autor Pierre Jarawan und meine Wenigkeit

Worum geht es in dieser Folge?

Lehnt euch zurück, haltet das Popcorn bereit und zählt den Countdown runter, bis sich der Vorhang öffnet und wir tief in den wunderbaren Kosmos eintauchen, den Pierre Jarawan mit seinem Roman „Frau im Mond“ für uns erschaffen hat. Wir streifen dabei verschiedene Kontinente und Zeiten, und begleiten die Mitglieder einer ganz besonderen Familie bei der Suche nach ihren Wurzeln. Pierre hat eine ordentliche Rakete in den literarischen Himmel geschossen und wir freuen uns sehr, dass er uns in dieser Folge einmal mit in seine „Bastlerwerkstatt“ nimmt.

Der Roman: „Frau im Mond“

Berlin Verlag, erschienen am 04. April 2025, Preis 26 € [D], Gebundenes Buch, 496 Seiten, ISBN: 978-3827014993, hier geht’s zum Buch

„Es gibt für den menschlichen Geist kein Niemals. Höchstens ein Noch-nicht.“

Den Rahmen dieses Romans bilden zwei historisch belegte Explosionen: der Start einer libanesischen Weltraumrakete am 04.08.1966 und die Explosion im Hafen von Beirut auf den Tag genau 54 Jahre später. Diese beiden Ereignisse sind verknüpft durch die Familiengeschichte der el Shamis, die uns aus dem Nahen Osten bis ins kanadische Montreal führt, wo die Spurensuche der Enkelin Lilit nach den Wurzeln ihrer Familie, vor allem aber nach den Wurzeln ihrer Großmutter Anoush, beginnt …  

Was die Welle zu euch spült

  • wie ein Raketenschweif zum Roman wurde – wie die „Frau im Mond“ zu Pierre kam
  • welche zwei historischen Ereignisse der 4. August eint und wie Pierre sie in seinem Roman verflochten hat
  • warum Fritz Lang mit seinem Stummfilm „Frau im Mond“ den Countdown erfunden hat und der Roman wie eine Verbeugung davor ist
  • wie armenische Kultur in Teppichen verborgen liegt
  • welche Themen sich während der Recherche bzw. während des Schreibens Pierre offenbart haben
  • durch welches Symbol Pierre eine falsche Fährte in seinem Roman gelegt hat
  • Film meets Raketenbau meets armenische Teppichknüpfkunst
  • wie drei Generationen in einem Roman zusammenfinden
  • kleine Rechenspiele – warum Pierre u.a. Kanada als Roman-Schauplatz wählen musste
  • Eine kleine Lesung aus „Frau im Mond“
  • Pierres wunderbare Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen

Die Buchempfehlungen von Pierre

Die Buchempfehlungen von Pamela

Folgende Dinge legen wir dir auch noch ans Herz

Die Lesungstermine von „Frau im Mond“

Pierres Homepage

Pierres Workshop-Angebote

Jetzt solltest du dich zuschalten.

Hier geht´s lang. Ohren auf!

Wir wünschen viel Freude beim Hören …

Bleib Wellenreiter*in und gespannt, was noch alles auf dich zuschwappt …